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Full text of "Entomologische Zeitung"

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Stettiner 


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I  Entomoloöische  Zeitüny.  | 


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^*  70.  Jahrgang. 

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Auszug: 

aus  der  Satzung-  des  eutouiologischeu  Vereins 

zu  Stettin. 

§  5.  Jedes  ordentliche  Mitglied  hat  einen  Jahresbeitrag 
von  zehn  (10)  Mark  zu  zahlen.  Der  Beitrag  ist  bis  zum 
30.  Juni  an  den  Rechnungsführer  des  Vorstandes  zu  ent- 
richten. Der  Rechnungsführer  ist  befugt,  die  bis  zum  30.  Juni 
nicht  eingegangenen  Beiträge  durch  Postnachnahme  zu  erheben. 

Der  Vorstand  ist  befugt,  ein  Mitglied,  das  seine  Beiträge 
bis  zum  Schluß  des  Jahres  nicht  liezahlt  hat,  in  der  Mitglieder- 
liste zu  streichen.  Durch  die  Streichung  erlischt  die  Mitglied- 
schaft des  betreffenden  Mitgliedes. 

§11.  Der  Verein  giebt  eine  Vereinszeitschrift  unter 
dem  Namen  „Entomologische  Zeitung-  heraus,  die  jedem  Mit- 
gliede  unentgeltlich  zugesendet  wird. 

Ueber  die  Aufnahme  der  in  der  Zeitung  abzudruckenden 
Aufsätze  entscheidet  die  Redaktion,  in  zweifelhaften  Fällen  der 
für  diesen  Zweck  bereits  eingesetzte,  aus  drei  Vereinsmitgliedern 
bestehende  Ausschuß,  dessen  Mitglieder  der  Vorstand  ernennt. 

§  12.  Die  Benutzung  der  Vereinsbibliothek  ist  den 
Vereinsmitgliedern  nach  näherer  Anordnung  des  Vorstandes  der- 
art gestattet,  daß  dem  Verein  daraus  keine  Kosten  erwachsen. 


Mitteilungen    und    Anfi-agen    an    die    Redaktion   werden 
ausschließlich  erbeten  unter  der  Adresse: 

Entomologischer   Verein 
zu  Stettin 

Lindenstraße  No.  22. 


Entotnologisclie  Zeitung. 


Herausgegeben 


von    dem 


entomologischen  Vereine 


zu  Stettin. 


Siebzigster    Jahrgang. 


Stettin  1909. 

Druck   von   R.   Grassmann. 


stettiner 
Entoniologische  Zeitung. 


?0.  Jahrgang. 


Heft  I, 


f 


Stettin  1909. 


Druck   von   R.   Graßraaiiii. 


Auszug 

aus  der  Satzung  des  entomoloj»isclieu  Vereins 

zu  Stettin. 


§  5.  Jedes  ordentliche  Mitglied  hat  einen  Jahresheitrag 
von  zehn  (10)  Mark  zu  zahlen.  Der  Beitrag  ist  bis  zum 
30.  Juni  an  den  Rechnungsführer  des  Vorstandes  zu  ent- 
richten. Der  Rechnungsführer  ist  befugt,  die  bis  zum  30.  Juni 
nicht  eingegangenen  Beiträge  durch  Postnachnahme  zu  erheben. 

Der  Vorstand  ist  befugt,  ein  Mitglied,  das  seine  Beiträge 
bis  zum  Schluß  des  Jahres  nicht  bezaldt  hat,  in  der  Mitglieder- 
liste zu  streichen.  Durch  die  Streichung  erlischt  die  Mitglied- 
schaft des  betreffenden  Mitgliedes. 

§  11.  Der  Verein  giebt  eine  Vereinszeitschrift  unter 
dem  Namen  „Entomologische  Zeitung-'  heraus,  die  jedem  Mit- 
gliede  unentgeltlich  zugesendet  wird. 

Ueber  die  Aufnahme  der  in  der  Zeitung  abzudruckenden 
Aufsätze  entscheidet  die  Redaktion,  in  zweifelhaften  Fällen  der 
für  diesen  Zweck  l)ereits  eingesetzte,  aus  drei  Vereinsmitgliedern 
bestehende  Ausschuß,  dessen  Mitglieder  der  Vorstand  ernennt. 

§  12.  Die  Benutzung  der  Vereinsbibliothek  ist  den 
Vereinsmitgliedern  nach  näherer  Anordnung  des  Vorstandes  der- 
art gestattet,  daß  dem  Verein  daraus  keine  Kosten  erwachsen. 


Mitteilungen    und    Anfi'agen    an    die    Redaktion   werden 
ausschließlich  erbeten  unter  der  Adresse': 

Entomologischer    Verein 
zu  Stettin 

Lindenstraße  No.  22. 


intomoloMsche  Ziituni 


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entomologischen  \  ereine 

zu  Stettin. 


Re-Iacuöii:  I>r.  Hdiriefa  Dohra,  Toisitzender. 


la  C 


ojssmIssHHi  bei  der  BTcfeS^ähmg  3-  Friedläader  *  Sor.n   iE  Berlic. 


1909.  70.  Jahrgang.  Heft  L 


Bericht  über  eine  entomologische 
Studienreise  in  Südamerika. 


liT.  Fr.  Ohau« 


Die  frühere  Svsteinatik:,  die  nach  einzelnen  anffalfencif- 
morphologischen  oder  biologischen  Mer'  üe  Fo— .  ' 

einteilte,  verfol"  —  ---  -  '  -  r  den  Zv.  _:  .^  ._.;  Registr:..-! 
für  die  nns  n-,  -..—  --  -  r^esen  zn  schaffen,  in  der 
anch  die  neu  bekannt  werdenden  F  imen  leicht  einmccdnen 
waren:  sie  genügte  auch,  so  lange  man  jede  Form  für  eine 
besondere  Schöpfnng  hielt.  In  einem  natüihchen  System. 
dem  die  Anschantmg  zugrunde  hegt,  daß  i       ""  — ^- 

Formen  dm-ch  gemeinsame  Abstanmiimg  n,.. '^^-- 

wandt  sind  raia  "  ?  üe  differenzierteren  ans  einfacheren 
sich  entwickeil  läßt  sich  ihr  Verhältnis  zueinander 

erst    durch   eine   ^  ^^e    Kenntnis   ihrer   McffiAologie 

.l.Tgie   —    r-f :  ie   im  weitesten    Smne  -         ' 

eüögüitig  feststeilen.    Nun  sind  wir  vc  r. 
lagen  e:~   -  -  "  -^.rlichen  Svstems.  einer  v . ._: :_: — ^  -     -  -  ~ 

der    M:r_ ..e    und    Biologie    aller    hierher    gehörenden 

Formen,  in  allen  Abteilungen  der  Z.:«:L:gie  noch  ziemlidi 
weit  entfernt,  am  weitesten  aber  ohne  Frage  in  der,  die 
sich  mit   den   Insekten  beschäftigt.      Unto:  den   Gründen 


hierfür  steht  in  erster  Linie  der,  daß  wir  es  hier  mit  einer 
außerordenthch  großen  Mannigfaltigkeit  der  Formen  zu 
tun  haben,  die  noch  ständig  wachsend  den  Überbhck  über 
das  ganze  Gebiet  nahezu  unmöghch  macht  und  selbst  eine 
eingehende  Kenntnis  der  einzelnen  Ordnungen  ungemein 
erschwert.  Sodann  gestattet  die  bisher  allgemein  übliche 
trockne  Aufbewahrung  der  Insekten  nur  das  Studium 
des  Körperskelettes  und  seiner  chitinösen  Anhänge;  zum 
Studium  der  inneren  Organe  fehlt  es  fast  überall  noch  an 
Material.  Ferner  wird  der  Biologie  wenigstens  in  einigen 
Ordnungen  der  Entomologie  noch  viel  zu  wenig  Beachtung 
geschenkt,  obschon  sie  für  die  Systematik  ungemein  wichtig 
ist;  abgesehen  davon,  daß  sie  uns  erst  das  Verständnis 
für  die  morphologischen  Merkmale  ermöglicht,  gibt  sie  uns 
in  vielen  Fällen  einen  direkten  Maßstab  für  die  systematische 
Bewertung  geringer  morphologischer  Unterschiede  bei  äußer- 
lich ähnlichen  Formen.  Schließlich  wurde  auch  auf  die 
geographische  Verbreitung  der  Formen  und  auf  genaue 
Fundortsangaben  der  einzelnen  Stücke  zu  wenig  Wert 
gelegt;  ein  recht  großer  Teil  des  in  den  Sammlungen  auf- 
bewahrten Materials  begnügt  sich  mit  Fundortsangabßn, 
die  es  für  tiergeographische  Arbeiten  wertlos  machen.  Wenn 
wir  wollen,  daß  auch  die  Entomologie  ihr  Teil  zur  Lösung 
der  allgemeinen  Aufgaben  der  Zoologie  beitrage,  dann 
müssen  wir  vor  allem  bessere  Grundlagen  für  ein  natür- 
liches System  der  Insekten  schaffen  und  das  können  wir 
vorläufig  nur  dadurch,  daß  wir  uns  spezialisieren,  daß 
wir  uns  auf  das  Studium  einer  kleinen  Insektengruppe 
beschränken  und  in  dieser  jede  einzelne  Form  möglichst 
eingehend  in  ihrer  Morphologie  und  Biologie  erforschen. 
Aus  diesen  Erwägungen  heraus  habe  ich  mir  vor  etwa 
15  Jahren  die  Ruteliden  {Coleoptera  lamellicornia)  zum 
speziellen  Studium  auserwählt,  die  nötige  Literatur  und 
Material    gesammelt,    die    größeren    Sammlungen    besucht, 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


um   Material   und   vor   allem   die   Typen   kennen   zu   lernen 
und  im  Jahre  1898/99  eine  Reise  nach  Petropolis  bei  Rio 
de  Janeiro  in  Brasilien  (siehe  Reisebericht  in  der  Stettiner 
E.    Z.    1899/1900)    unternommen,    um    auch    die    Biologie 
und  vor  allem  die  Larven  dieser  Käfer  kennen  zu  lernen. 
Die  Aufgabe,   die  ich  mir  gestellt,  konnte  ich  damals  nur 
zum   Teil   lösen;   von   den   zwei   großen   Hauptgruppen   der 
Ruteliden,    die   bei    Petropolis   vorkommen,    gelang   es   mir 
nur  von  der  ersten,  den  sogen,  echten  Rutehden,  die  Biologie 
und  Ontogenie  zu  erforschen;  von  der  zweiten,  den  Genia- 
tiden,    fand   ich   meist   nur   vereinzelte    Stücke,    ohne   über 
ihre  Lebensweise  und  ilire  früheren  Stände  genaue  Kenntnis 
zu   gewinnen.      Darum   entschloß   ich   mich   1904   zu   einer 
neuen  Reise,  die  in  erster  Linie  das  Studium  der  Geniatiden 
bezweckte;    nebenbei    gedachte    ich    auch    den   Schrillappa- 
raten    der    Lamellicomier   und    der    Biologie    der    Mistkäfer 
besondere    Aufmerksamkeit    zu    %ddmen.       Mein    Ziel    war 
wiederum  Petropohs,  weil  ich  die  Verhältnisse  dort  kannte 
und   sicher   war,    das    nötige    Material   zu   meinen    Studien 
in   genügender   :\Ienge   zu   finden;    in   zweiter   Linie   sprach 
für   diesen   Ort    das   gesunde    Klima   und   die    angenehmen 
Lebensverhältnisse    —    Faktoren,    die    bei    einem    monate- 
langen Aufenthalt  in  den  Tropen,  wie  ihn  biologische  Studien 
erfordern,  nicht  gleichgültig  sind.     1899  konnte  ich  meine 
weiteren     Reisepläne     wegen     Erkrankung     an     Dysenterie 
nicht  zur  Ausführung  brmgen,  darum  ging  ich  dieses  :\Ial 
nach  Petropolis  ohne  bestimmte  Absicht  zu  ferneren  Reisen. 
Erst  nachdem  sich  meine  Gesundheit  während  des  sieben- 
monatigen  Aufenthaltes  in  Petropohs  mit  kurzen  Abstechern 
nach   Theresopohs,    Ouropreto   und    Saö   Paulo    als   kräftig 
genug  erwiesen,  ging  ich  über  Buenos-Aires  zu  Lande  nach 
Vidparaiso.    Von  da  reiste  ich,  angeregt  durch  die  Sammel- 
ausbeute des  Herrn  Richard  Haensch  nach  Ecuador,  und 
sammelte  in  diesem  Lande  vom  Mai  ab  bei  Guayaquü  an 

Stett.  entomoL  Zeit.  1909. 


der  Küste,  bei  Pucay  am  Westabhang  der  Cordillere  und 
bei  Riobamba  und  Quito  auf  der  Hochebene;  drei  Monate 
nahezu  verbrachte  ich  in  Loja  und  in  dem  auf  der  Ostseite 
der  Cordillere  bei  Zamora  gelegenen  Sabanilla.  Im  De- 
zember 1905  verließ  ich  Ecuador  und  nahm  den  Rückweg 
zum  Amazonas  auf  einer  ganz  neuen  Route  von  Baiios 
über  Canelos  ein  Stück  den  Rio  Bobonaza  hinunter,  dann 
über  die  Berge  in  nordöstlicher  Richtung  zum  Rio  Villano, 
dann  diesen  und  den  Rio  Curaray  hinab  zum  Rio  Napo 
bis  Iquitos.  Mein  Entschluß  zu  dieser  Reise  war  damals 
schnell  gefaßt,  offen  gestanden  auf  recht  unbestimmte 
Informationen  hin  und  mit  mangelhafter  Kenntnis  der 
Schwierigkeiten,  die  mir  unterwegs  begegnen  konnten. 
Ein  glückhcher  Zufall  hat  es  gefügt,  daß  ich  die  Reise  ohne 
Unfaü  in  verhältnismäßig  kurzer  Zeit  vollenden  konnte, 
aber  ich  war  doch  herzlich  froh,  als  ich  in  Iquitos  wieder 
den  Anschluß  an  die  Zivilisation  erreichte.  Meine  Reisen 
machte  ich  ganz  allein,  nur  wo  dies  nötig  war,  von  weißen 
oder  indianischen  Trägern  oder  Ruderern  begleitet;  das 
hatte  zwar  manche  Vorteile,  aber  auch  den  Nachteil,  den 
ich  besonders  auf  dem  Heimweg  schwer  empfand,  daß 
ich  an  günstigen  Stellen  aus  Mangel  an  helfenden  Kräften 
die  Gelegenheit  zum  Sammeln  von  Material  nur  unvoll- 
kommen ausnützen  konnte.  Trotzdem  habe  ich  außer 
sehr  vielen  Lamellicorniern  und  ihren  Larven,  denen  überall 
meine  Aufmerksamkeit  in  erster  Linie  galt,  gegen  40  000 
Insekten  aller  Ordnungen,  viele  Spinnen,  Skorpione,  Tausend- 
füße, Asseln,  Schnecken  und  Würmer,  wie  auch  Amphibien 
und  Reptilien  mitgebracht,  die  sich  jetzt  in  den  Museen 
von   Dresden,    Hamburg   und    Stettin   befinden. 

In  Ecuador,  diesem  dünnbevölkerten  Land,  das  nur 
eine  Eisenbahnlinie  und  wenige  Gasthäuser  besitzt,  ist 
man  bei  Reisen  ganz  von  Empfehlungen  abhängig.  ]Mit 
einer  guten  Empfehlung  kann  man  leicht  die  nötigen  Last- 

Stett.  eutomol.  Zeit.  1909. 


und  Reittiere  sowie  Träger  oder  Ruderer  bekommen;  ohne 
sie  sind  manche  Reisen  direkt  unmöghch.  Auch  mit  meinen 
Arrieros  und  Trägern,  weißen  wie  braunen,  habe  ich  Glück 
gehabt;  ganz  vorzüghch  waren  meine  indianischen  Ruderer 
von  Canelos  nach  San  Antonio  de  Curaray  und  von  da 
nach  Abel  Vaca;  behandelt  man  die  Leute  höflich  und 
zahlt  ihnen  den  ortsüblichen  Lohn,  gönnt  ihnen  auch  hie 
und  da  ein  freundliches  Wort  oder  eine  Zigarette,  dann 
tun  sie  für  ihren  Patron,  was  in  ihren  Kräften  steht  und 
geben  auch  zu  Klagen  über  mangelnde  Ehrlichkeit  keinen 
Anlaß. 

Der  Dampfer  verließ  Hamburg  am  i6.  August  und 
kam  nach  dreitägigem  Aufenthalt  in  Antwerpen,  den  ich 
zu  einem  Besuch  Brüssels  benützte,  nach  Leixoes,  der 
Hafenstadt  von  Oporto.  Das  Gelände  ist  hier  wie  auch 
bei  Lissabon  für  den  Sammler  nicht  günstig;  eine  intensive 
Bodenkultur  verbunden  mit  künstlicher  Bewässerung  be- 
schränken die  Existenzbedingungen  der  Insekten  aufs 
äußerste;  dazu  kommt  die  schon  Ende  Mai  beginnende 
Hitze,  die  das  waldlose  Land  ganz  austrocknet.  Eine 
Excursion  von  zirka  5  Stunden  brachte  außer  einigen 
Schnecken,  Asseln,  Schmetterlingen  und  Hymenopteren 
nur  2  Mistkäferarten,  den  Copris  lunans  in  sehr  großen 
Stücken  und  den  Onthophagus  taurus,  von  dem  letzteren 
auch  Brutpillen  und  Larven.  Den  nächsten  Nachmittag 
verbrachte  ich  in  der  alten  Maurenfeste  Cintra  bei  Lissabon; 
das  entomologische  Ergebnis  des  Ausfluges  war  gleich 
Null.  Nach  einer  guten  Fahrt  kamen  wir  am  9.  IX.  nach 
Bahia,  wo  wir  zwei  Tage  blieben. 

Bahia,  ,,die  Negerstadt",  bietet  für  den  flüchtigen 
Besucher,  zumal  wenn  er  zum  ersten  Mal  brasilianischen 
Boden  betritt,  so  viel  des  Neuen  und  Interessanten,  daß 
er  damit  die  kurze  Zeit,  die  der  Dampfer  gewöhnlich  hier 
liegt,  vollauf  ausfüllt.    Die  Szenerie  ist  zwar  nicht  so  groß- 

Stett.  entomol.  Zeit.  190D. 


artig  wie  bei  Rio  und  auch  die  Pflanzenwelt  leidet  durch 
häufige  Dürren,  doch  bekommt  man  einen  guten  Überblick 
über  die  Natur  des  Landes  um  Bahia  auf  einem  Spaziergang 
nach  Rio  Vermelho.  Durch  den  ersten  Maschinisten  des 
Dampfers  lernte  ich  einen  reichen  Brasilianer  kennen, 
auf  dessen  Landgut  ich  einige  Stunden  sammeln  konnte. 
Hier  fand  ich  in  einem  Stubben  von  Paineira  (Bombax-spec.) 
in  großer  Zahl  die  Larven  von  Pelidnota  fulva,  in  einem 
abgestorbenen  großen  Stamm  derselben  Baumart  die  Larven 
von  Phileurus  valgus  und  Strategns  Aloeiis;  auch  an  copro- 
phagen  Lamellicorniern  war  die  Ausbeute  befriedigend 
und  des  Abends  kamen  außer  Nachtschmetterlingen  und 
Wasserwanzen  einige  hübsche  Dynastiden  ans  elektrische 
Licht.  Der  12.  IX.  brachte  uns  nach  Victoria,  der  Haupt- 
stadt des  Staates  Espirito  Santo;  die  Einfahrt  gleicht  der 
von  Rio  de  Janeiro,  nur  daß  hier  alle  Verhältnisse  kleiner 
sind.  Mit  Herrn  Gagzo,  dem  ersten  Maschinisten  des  Dampfers 
machte  ich  am  13.  und  14.  mehrere  Excursionen  im  Schiffs- 
boot nach  kleinen  Inseln  im  Hafen  und  flußaufwärts.  Flora 
und  Fauna  sind  infolge  des  heißeren  und  trockeneren  Klimas 
ziemlich  verschieden  von  denen  von  Rio  und  Petropolis 
und  —  wenigstens  für  den  flüchtigen  Besucher  —  erheblich 
ärmer;  die  meisten  Stubben  waren  von  Termiten  und 
Ameisen  besetzt,  neben  denen  sich  wohl  einige  Tenebrioniden, 
aber  keine  Lamellicornierlarven  fanden.  Auch  Coprophagen 
w^aren  selten,  weil  der  Viehdünger  von  xA-meisen  und  Ter- 
miten okkupiert  war ;  nur  unter  Steinen  fand  ich  die  Larven 
eines  Podalgiis  und  am  elektrischen  Licht  außer  Schmetter- 
lingen die  kleine  Form  von  Coelosis  hicornis.  Wie  sehr  der 
Flug  der  Nachtinsekten  durch  die  Witterung  beeinflußt 
wird,  konnte  ich  hier  deutlich  beobachten;  am  12.,  einem 
ruhigen,  warmen  Abend,  kamen  trotz  des  Regens  viele 
Insekten  ans  Licht  geflogen;  am  folgenden  Abend  war  es 
kühl  und  trocken  und  dabei  kam  kein  Tier  an  die  Lampe. 

Stett.  eiitomol.  Zeit.  1909. 


Die  kleinen  mit  Bromelien  und  Agaven  bewachsenen 
Felseneilande  im  Hafen  zeigen  nur  ein  ganz  spärliches 
Tierleben. 

Am  i6.  IX.  erreichten  wir  Rio  de  Janeiro,  das  vor- 
läufige Ziel  meiner  Reise;  die  Zollrevision  und  einige  Ge- 
schäfte in  der  Stadt  waren  bald  erledigt,  so  daß  ich  schon 
am  Nachmittag  nach  Petropolis  weiterfahren  konnte.  Hier 
ging  es  zu  dem  deutschen  Photographen  H.  G.  Papf,  der 
mir  ein  kleines  Gartenhaus  hinter  seinem  Wohnhaus  zur 
Verfügung  stellte;  es  enthielt  außer  Schlafzimmer  und 
einem  hellen  Arbeitszimmer  einen  großen  Raum,  eine  alte 
Küche  mit  Wasserleitung,  in  dem  ich  meine  Zuchtkästen 
aufstellen  konnte.  Hinter  dem  Hause  lag  der  Garten,  der 
direkt  in  wenig  berührten  Urwald  überging  und  sich  bald 
als  ausgezeichneter  Sammelplatz  erwies.  Weit  über  die 
Hälfte  aller  Arten,  die  ich  bei  Petropolis  erbeutete,  fand 
ich  auch  hier;  besonders  Schmetterlinge,  Dipteren  und 
Hymenopteren  tummelten  sich  mit  Vorliebe  nahe  dem 
Bach  am  Rand  des  Bergwaldes. 

Nachdem  ich  mich  wohnlich  eingerichtet,  besuchte 
ich  die  alten  Sammelplätze,  fand  aber  hier  vieles  verändert. 
Die  Stadt  hatte  sich  ziemlich  ausgedehnt  und  damit  war 
mancher  kleine  nahegelegene  Sammelplatz  verschwunden. 
Am  schlimmsten  sah  es  im  Karolinenthal  aus;  der  Besitzer 
hatte  den  ganzen  herrlichen  Wald  niederschlagen  lassen 
und  als  Brennholz  verkauft;  alle  die  herrlichen  Baumriesen, 
die  uralten  Cecropien  und  wilden  Feigenbäume  mit  ihren 
gewaltigen  Baumwürgern  waren  verschwunden.  Auch 
oben  auf  der  Höhe  fand  ich  alles  verändert;  die  Holzfäller 
hatten  ihren  Weg  nach  dem  Moselthal  schließlich  doch 
noch  bekommen  und  an  der  Stelle  des  kühlen  Waldes  mit 
seinem  Reichtum  an  Farren  und  Schlingpflanzen  fand 
ich  trübsehge  Maisfelder  und  einige  verlotterte  Mulatten- 
hütten.   Auch  am  rechten  Ufer  des  Itamaraty  war  ziemlich 

Stett.  cntomol.  Zeit.  1909. 


10 

I 

viel  geholzt  worden,  dafür  gab  es  aber  reichen  Ersatz  auf 
dem  linken  Ufer,  dessen  Wald  durch  eine  neue  Pikade 
zugängig  gemacht  war;  ebenso  gab  es  jetzt  zu  den  großen 
Wasserwerken  einen  bequemeren  Weg  durch  das  Schweizer- 
thal. Nahe  dem  Alto  da  Serra,  einem  Platz  mit  sehr  vielen 
Niederschlägen,  bot  der  Wald  bei  dem  Hause  des  Herrn 
E.  P.  Frank  ein  sehr  bequem  gelegenes  und  ungemein  er- 
giebiges Sammelterrain,  und  schließlich  entdeckte  ich  bei 
Cascatinha  in  einem  heißen  und  trocknen  Talkessel,  der 
von  den  Bomfimbergen  nach  Osten,  Süden  und  Westen 
abgeschlossen  und  nur  nach  Norden  offen  ist  fast  alle  die 
Arten,  die  ich  bisher,  nur  bei  Rio  gefunden  und  daneben 
einige  ausgesprochene  Campostiere.  An  Sammelplätzen 
fehlte  es  also  nicht,  und  da  auch  die  Witterung  im  großen 
und  ganzen  günstig  war  —  Petropolis  ist  nun  einmal  ge- 
segnet mit  Niederschlägen  — ,  so  füllten  sich  Sammelkisten 
und  Zuchtkästen   bald   in   erfreulicher  Weise. 

Bei  meinem  ersten  Aufenthalt  in  Petropolis  hatte 
ich  nach  Möglichkeit  die  Lebensweise  der  Lamehicornier 
im  Freien  beobachtet  und  die  gefundenen  Larven  im  Zucht - 
kästen  bis  zur  Verpuppung  resp.  bis  zum  Ausschlüpfen 
des  Käfers  gezüchtet,  um  genau  zu  wissen,  zu  welcher  Art 
die  gefundene  Larve  gehörte.  Diesmal  verfuhr  ich  anders. 
Ich  sammelte  die  Käfer,  brachte  sie  mit  ihrem  Futter  in 
große  Zuchtkästen,  in  denen  auch  die  Bedingungen  für 
die  Larven  gegeben  waren  und  konnte  so  den  fertigen  Käfer 
beim  Fressen,  Fliegen  und  bei  der  Paarung  beobachten, 
die  Art  der  Eiablage  studieren  und  erhielt  Eier  und  Larven, 
von  denen  ich  genau  wußte,  zu  welcher  Art  sie  gehörten. 
Da,  wo  ich  nicht  wußte,  ob  die  Eier  in  der  Erde  oder  in 
mulmigem  Holz  abgelegt  würden,  füllte  ich  den  Zucht- 
kasten zur  Hälfte  mit  morschem  Holz  und  Mulm,  zur 
anderen  Hälfte  mit  Erde  und  überließ  es  dem  Käfer,  seine 
Eier  da  abzulegen,  wo  die  jungen  Larven  ihr  erstes  Futter 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


11 

finden  sollten.  Auf  diese  Weise  erfuhr  ich  z.  R.,  daß  die 
Arten  aus  der  Gruppe  der  Pclidnota  aeruginosa  ihre  Eier 
in  der  Erde  ablegen,  nahe  der  Wurzel  eines  abgestorbenen 
Baumes,  und  daß  die  Larven  erst  später  ins  Holz  gehen. 
Man  erhält  bei  dieser  Art  der  Käferzucht  vor  allem  die 
Larven  im  jüngsten  Stadium,  das  für  die  Systematik  der 
Lamellicornier  ungemein  wichtig  ist,  weil  in  ihm  die  Larve 
Merkmale  zeigt,  die  nach  der  ersten  Häutung  verloren 
gehen  und  weil  sie  hier  zuweilen  eine  Lebensweise  führt, 
die  sie  später  ändert.  Aber  es  ist  dringend  notwendig,  in 
einem  Zuchtkasten  nur  Individuen  einer  einzigen  Spezies 
unterzubringen,  damit  später  Zweifel  an  der  Zugehörigkeit 
der  Eier  resp.  Larven  nicht  aufkommen  können;  bei  den 
Coprophagen  kommt  dazu,  daß  sich  Indi\-iduen  zweier 
verschiedener  Arten  fast  nie  miteinander  vertragen  und 
es  darum  gewöhnlich  überhaupt  nicht  zum  Nisten  kommt, 
wenn   man   verschiedene   Arten   zusammensperrt. 

Als  Futter  gab  ich  den  Käfern  —  abgesehen  hier  von 
den  i\Iistkäfern  —  die  Pflanzen,  an  denen  ich  sie  gefunden 
und  außerdem  einige  andere,  die  mir  als  Lieblingsfutter 
von  Lamellicorniern  bekannt  waren;  solches  sind  Blätter 
und  Blüten  von  Inga  (Rosaceen),  Boehmeria  (Urticeen), 
Quaresma  (Melastomaceen),  Bambus  (Gramineen)  und 
hängte  schließlich  in  jeden  Zuchtkasten  an  einer  gebogenen 
Stecknadel  ein  Stück  reife  Banane.  Es  ist  bekannt,  daß 
die  Arten  der  Gattung  Lagochilc  (Ruteliden)  und  Gyuinctis 
(Cetoniden)  hauptsächlich  oder  ausschließlich  von  weichen 
Früchten  leben;  aber  auch  fast  alle  anderen  pleurosticten 
Lamellicornier  fressen  Bananen  sehr  gern  und  lassen  ihr 
gewöhnliches  Futter  unberührt,  wenn  sie  Bananen  haben 
können.  Das  ist  eine  Beobachtung,  die  ihre  Zucht  ungemein 
erleichtert.  Ist  ein  Käfer  beim  Fressen,  dann  kann  man 
ihn  dabei  leicht  unter  der  Lupe  beobachten.  Man  findet 
dann  bei  den  Blatt-  oder  Blütenfressern,  daß  die  Schneide- 

Stett.  cutomol.  Zeit.   1909. 


12 

zahne  der  Oberkiefer  dazu  benutzt  werden,  ein  Stück  Blatt 
abzuschneiden,  worauf  es  mit  den  Zähnen  des  Unterkiefers 
gefaßt  und  von  dem  Netzwerk  des  Blattes  oder  von  einem 
kleinen  Stiel,  der  beim  Schließen  der  Oberkieferschneidezähne 
nicht  mit  durchschnitten  wurde,  losgerissen  und  durch 
Rückwärtsbewegen  der  Unterkiefer  in  die  Mundhöhle  ge- 
zogen wird.  Bis  dahin  war  die  Oberlippe  nach  oben  weit 
zurückgebogen,  wie  ein  Tapirrüssel  etwa  oder  wie  eine 
hochgezogene  Falltür;  jetzt  wird  sie  gesenkt  und  verhindert 
durch  ihre  nach  hinten  gerichteten  starren  Borsten  das 
nach  vorn  rutschen  der  Speise,  die  am  Grund  der  Mund- 
höhle zwischen  den  basalen  Mahlzähnen  der  Oberkiefer 
zerkleinert  wird.  Spitzenzahn  und  Seitenzähne  der  Ober- 
kiefer werden  nicht  beim  Fressen  gebraucht;  sie  dienen 
dazu,  dem  fertigen  Käfer  den  Weg  aus  der  Puppen  wiege 
zu  bahnen,  oder  das  Weibchen  gebraucht  sie,  um  sich  den 
Weg  damit  zu  bahnen  nach  der  Stelle,  wo  es  seine  Eier 
ablegt.  Die  Unterkiefer  sind  beim  Fressen  fortwährend 
in  Bewegung,  bald  gemeinsam,  bald  einzeln  für  sich,  ein 
Hervorquellen  der  Nahrung  nach  der  Seite  zu  verhindern; 
sie  werden  später  dazu  benutzt,  dadurch  daß  sie  im  Bogen 
über  die  Borsten  der  Lippen  streichen,  die  zwischen  diesen 
sitzen  gebliebenen  Speisereste  in  die  Mundhöhle  zu  schieben 
und  die  Lippen  zu  reinigen.  Daß  zwischen  den  Lippen- 
l)orsten  die  Speicheldrüsen  ausmünden,  habe  ich  schon 
früher  mitgeteilt. 

Ganz  anders  ist  die  Art  zu  fressen  bei  den  Geniatiden. 
Hier  sind  Ober-  und  Unterlippe  starre  Gebilde,  an  ihrer 
Ansatzstelle  wenig  oder  gar  nicht  beweglich,  die  eine  durch 
einen  mittleren  Fortsatz  der  anderen  überlagert,  so  daß 
der  ^lund  durch  diese  mittleren  Vorsprünge  in  der  Mitte 
stets  fest  verschlossen  ist  und  neben  ihnen  eine  rechte  und 
eine  linke  Mundöffnung  entsteht.  Die  Seiten  dieses  mittleren 
Vorsprungs   von    Ober-   und    Unterlippe   sind   meist   scharf 

Stett.  cntomol.  Zeit.  1909. 


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wie  eine  Messerschneide,  selten  gezähnt.  Wenn  der  Käfer 
fressen  will,  dann  umklammert  er  das  Blatt  —  die  Arten, 
die  ich  beobachtet  habe,  fressen  Gramineen,  Bambus  oder 
Capim  (Panicum  spec.)  ■ —  am  Rande  sitzend  von  beiden 
Seiten,  biegt  Ober-  und  Unterkiefer  der  einen  Seite  weit 
zurück,  nähert  den  Kopf  dem  Blattrand  so,  daß  die  Kante 
des  Blattes  in  die  Mundhöhle  ragt  und  schließt  die  Kiefer 
wieder.  Dadurch  wird  ein  nahezu  halbkreisförmiges  Stück- 
chen Blatt  wie  mit  einer  Schere  zwischen  den  scharfen 
Rändern  von  Ober-  und  Unterlippe  einerseits,  Ober-  und 
Unterkiefer  anderseits  abgeschnitten.  In  der  ^Mundhöhle 
wird  die  Speise  zwischen  den  großen  ]\Iahlzähnen  an  der 
Basis  der  Oberkiefer  zermahlen  und  mit  Speichel  reichlich 
durchtränkt,  so  reichlich,  daß  immer  etwas  Speisebrei 
zwischen  den  Kiefern  austritt  und  beim  Fressen  den  Rand 
der  Fraßstelle  braun  färbt.  Der  Käfer  frißt  vom  Rand 
aus  nach  der  Mittelrippe  des  Blattes  hin  bogige  Stücke 
heraus,  gebraucht  beim  Fressen  aber  immer  nur  die  ]\Iund- 
werkzeuge  der  einen  Seite,  bald  die  linken,  bald  die  rechten, 
nie  beide  zugleich. 

Auch  die  Art  des  Fliegens  läßt  sich  im  Zuchtkasten 
beobachten,  wenigstens  bei  den  Arten,  die  einen  langsamen 
Flug  haben.  Über  die  Art  des  Fluges  von  Pclidnota  aeru- 
ginosa habe  ich  mich  schon  früher  geäußert  (Stettiner  E.  Z. 
1900  p.  187).  Ganz  ähnlich  ist  der  Flug  bei  den  Geniatiden. 
Fast  senkrecht  steht  dabei  der  Körper  des  Käfers;  man 
kann  deutlich  beobachten,  wie  die  Deckflügel  beim  Beginn 
des  Fliegens  mitschwingen.  Ungemein  langsam  und  geradezu 
geisterhaft  lautlos  ist  der  Flug  von  Bolax  phaleratus,  der 
immer  nur  kurze  Strecken  fliegt,  dann  ein  Blatt  am  Rand 
erfaßt,  die  Deckflügel  schließt,  ohne  die  häutigen  Flügel 
einzuschlagen  und  unter  die  Deckflügel  zurückzuziehen, 
sich  etwas  ausruht  und  dann  weiter  fliegt.  Hier  ist  der 
Flug    genau    genommen    ein    Schweben,    wobei    die    Deck- 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


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flügel  mehr  oder  weniger  als  Fallschirme  funktionieren. 
Ganz  anders  ist  der  Flug  bei  Macraspis,  Lagochilc  und 
Gymnctis.  Hier  werden  die  Deckflügel  nicht  zum  Fliegen 
benutzt;  die  viel  kräftigeren  häutigen  Flügel  werden  so 
rasch  bewegt,  daß  ein  surrender  Ton  entsteht  und  der  Käfer 
nimmt  auch  beim  Fliegen  eine  andere  Haltung  ein,  die 
Längsachse  seines  Körpers  liegt  wagrecht,  ja  vielfach  liegt 
der  Kopf  etwas  tiefer  als  das  Hinterende.  Der  Umstand, 
daß  alle  die  Arten  mit  einem  solchen  pfeilschnellen  sausenden 
Flug,  die  ich  beobachten  konnte,  einen  vorspringenden 
Mesosternalfortsatz  haben,  hat  mir  den  Gedanken  nahe- 
gelegt, ein  solcher  vorspringender  Mesosternalfortsatz  (viel- 
leicht auch  die  vergrößerten  Epimeren  der  Mittelbrust) 
möge  dazu  dienen,  den  Schwerpunkt  des  Körpers  nacli 
vorn  zu  verlegen  und  damit  erst  einen  solchen  Gleitflug 
zu  ermöglichen.  Die  Beobachtung  im  Zuchtkasten  gibt 
ferner  Aufschluß  über  die  Lebensweise  der  Käfer,  und 
da  ist  es  überraschend  zu  sehen,  wie  ganz  nahe  verwandte 
Arten  derselben  Gattung  oft  biologisch  verschieden  sind, 
sowohl  in  der  Art  des  Futters,  als  in  ihren  Lebensgewohn- 
heiten; die  eine  ist  ein  ausgesprochenes  Tagetier,  während 
die  nächst  verwandte  Art  ein  Dämmerungs-  oder  Nachttier 
ist;  die  eme  ist  auch  bei  kühlem,  regnerischem  Wetter 
lebhaft,  kriecht  herum  und  frißt,  bei  der  anderen  genügt 
ein  Herabgehen  der  Temperatur  um  2 — 3  Grad,  um  zu 
bewirken,  daß  sie  bewegungslos,  wie  erstarrt,  stillesitzt 
oder  sich  in  die  Erde  verkriecht.  Ganz  auffallend  war  die 
Empfindlichkeit  gegen  niedrige  Temperatur  bei  Lcuco- 
thyreus  niveopilosus,  den  ich  nur  an  heißen,  geschützten 
Stellen  beim  Itamaraty,  und  Areoda  Lcachi,  die  ich  in  dem 
heißen  Talkessel  der  Bomfimberge  sammelte.  Der  Himmel 
brauchte  sich  nur  zu  bewölken,  dann  hörten  die  Käfer 
auf  zu  fressen,  unterbrachen  die  Copula,  saßen  mit  an- 
gezogenen Beinen  an  einem  Blatt  oder  krochen  in  die  Erde; 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


15 

kam  dann  wieder  die  Sonne  durch  oder  brachte  ich  den 
Kasten  in  die  Küche  neben  den  Ofen,  dann  wurden  sie 
schnell  wieder  lebhaft.  Manche  Dämmerungs-  oder  Nacht- 
Käfer  haben  die  Gewohnheit,  in  den  heißen  Mittagsstunden 
eine  kurze  Zeit  herumzufliegen  und  dann  wieder  einige 
Stunden  zu  ruhen,  ehe  sie  mit  Untergang  der  Sonne  wieder 
zum  Vorschein  kommen. 

Als    ich    einige    Stücke    von   Augoderia  nitidida,    einer 
hübschen   Dynastide,    die  ich    von   Bambus    oder  anderem 
dichtem    Gebüsch    klopfte,    in    den    Zuchtkasten    brachte, 
war  das  erste,   daß  die   ^  sich  eines  $  bemächtigten   und 
sich    von    ihm    in    Copulastellung    herumschleppen    ließen. 
Allein  sah  ich  die  (^  nur  beim  Fressen;  auch  sie  ziehen  Ba- 
nanen jedem  anderen  Futter  vor.     Ebenso  machten  es  ver- 
schiedene   Arten    Cyclocephala,     die    ich     im     Zuchtkasten 
beobachtete  und  Areoda  Lcachi  und   Banksi.     Ich  glaube, 
daß  bei  allen  Arten,  deren  ^  verdickte  Klauengheder  und 
verdickte  größere   Klauen  an  den  Vorderfüßen  haben,   die 
^  die   Gewohnheit  haben,   ein  $  so  im  wahren   Sinne  des 
Wortes  ,, besetzt'    zu  halten,  um  jederzeit  die  Copula  aus- 
führen zu  können ;  die  $  dieser  Arten  sind  daher  auch  immer 
größer  und  breiter,  als  die   (^.      Beim  Fressen  schlägt  das 
(5^  die  größere  Klaue  an  den  Vorderfüßen,  die  Geschlechts- 
klaue,  ein   und  hält   sich   mit   den   Vorderfüßen,   soweit   es 
diese    überhaupt    zum    Festhalten    gebraucht,    dadurch    an 
der  Unterlage  fest,  daß  es  die  kleinere,  spitze  Klaue  in  sie 
einbohrt. 

Bei  den  Geniatiden  wird  die  Copula  meist  in  hängender 
Stellung  vorgenommen;  das  ^  steht  im  rechten  Winkel 
zum  $;  nur  die  Vorderbeine  haben  hier  eine  typische  Hal- 
tung, die  verbreiterten  Tarsen  mit  den  Haftborsten  werden 
auf  die  Deckflügel  des  $  neben  der  Naht  parallel  zueinander 
so  aufgelegt,  daß  die  Klauen  den  Hinterrand  des  Schild- 
chens   erreichen;    die    Mittel-    und    Hinterbeine    umfassen 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


16 

bald  den  Seitenrand  der  Deckflügel  oder  die  Beine  des 
$,  bald  umklammern  sie  ein  Blatt  oder  einen  Halm  in  der 
Nachbarschaft.  Nie  habe  ich  beobachtet,  daß  das  (^  einer 
Geniatide  sich  in  Copulastelhmg  vom  9  hätte  herumschleppen 
lassen;  sobald  es  die  Vorderbeine  in  typischer  Stellung 
aufgelegt,  angelt  es  mit  den  kurzen  hakenförmigen  Para- 
meren  des  Forceps  nach  der  Vaginalöffnung  des  9.  hebelt 
dessen  Abdomen  nach  oben,  indem  es  sich  nach  vorn  zieht 
und  schiebt  dann  rasch  das  lange  Mittelstück  des  Forceps 
bis  zur  Furche  zwischen  Mittel-  und  Basalstück  in  die  Va- 
gina ein.  Nachdem  der  chitinöse  Forceps  seinen  Zweck, 
das  weiche  Vas  deferens  in  die  Samentasche  einzuführen, 
erfüllt  hat,  wird  er  wieder  zurückgezogen  und  bleibt  während 
der  stundenlangen  Copula  außerhalb  des  weiblichen  Körpers. 
Um  ein  Herausgleiten  des  Samenstranges  aus  der  Samen- 
tasche zu  verhüten,  ist  er  an  seinem  unteren  Ende  mit 
feinen  Wiederhaken  oder  Vorsprüngen  versehen  und  diese 
sind  bei  den  verschiedenen  Arten  verschieden  angeordnet 
und  geformt,  so  daß  sie  zu  Trägern  der  Speziesdifferenzen 
werden  bei  den  Arten,  deren  Forcepsparameren  wenig 
oder  gar  nicht  verschieden  sind. 

In  der  Ruhe  schlägt  der  ^  seine  verbreiterten  Vorder- 
tarsen  nach  unten  um  und  hält  sich  mit  den  Vorderbeinen 
nur,  indem  er  den  gekrümmten  Spitzenzahn  der  Schienen 
in  die  Unterlage  resp.  das  Parenchym  des  Blattes,  an  dem 
er  ruht,  einbohrt.  Zum  Festhalten  in  der  Ruhe  oder  beim 
Fressen  werden  in  erster  Linie  die  Mittelbeine  benützt ; 
die  Hinterbeine  werden  in  der  Ruhe  häufig  gekreuzt. 

In  der  Stettiner  E.  Z.  1899  p.  234  habe  ich  die  Art 
der  Eiablage  bei  Macraspis  cincta  ausführlich  geschildert; 
sie  ist  im  wesentlichen  die  gleiche  bei  allen  Lamellicorniern, 
die  ihre  Eier  in  altem  Holz  ablegen;  Cetoniden  und  Trichiiden, 
wie  auch  gewisse  Ruteliden  legen  ihre  Eier  mehr  oder  weniger 
lose  zerstreut   im   Mulm   alter  Fraßgänge   ab.      Die   Arten, 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


17 

die  ihre  Eier  in  der  Erde  ablegen,  machen  für  jedes  Ei  eine 
kleine  Eikammer  ziirecht,  die  etwas  größer  als  das  Ei  ist 
und  deren  glatte  Wand  ganz  feine  Rillen  erkennen  läßt  — 
vielleicht  herrührend  von  der  Arbeit  mit  dem  Apikaizahn 
der  Vorderschienen.  Bei  den  Geniatiden  haben  einige 
Arten,  wie  Bolax  salticola,  Leucothyreus  suturalis  und 
Kirhyanus  für  jedes  Ei  eine  eigene  Eizelle,  andere,  wie 
Bolax  phaleratus  legen  ihre  Eier  alle  in  einem  Haufen  zu- 
sammen oder  in  kleineren  Partien  nahe  den  Stengeln  von 
Pflanzen  in  der  Erde  ab.  Die  frisch  ausgeschlüpfte  Larve 
bleibt  zuerst  ruhig  in  der  Eikammer  liegen,  bis  ihre  Mund- 
teile genügend  erhärtet  sind;  dann  frißt  sie  ihre  Eischale 
und  darnach  eine  Zeit  lang  Erde,  wie  ein  Regenwurm. 
Die  organische  Substanz  aus  ihrer  Nahrung  verdaut  sie, 
die  anorganische  geht  mit  den  Fäces  wieder  ab  und  auf 
der  Bruchstelle  der  letzteren  kann  man  oft  Quarzkörner, 
Glimmerplättchen  und  dergleichen  beobachten.  Ent- 
sprechend der  voluminösen  Nahrung  ist  das  vorletzte  und 
letzte  Abdominalsegment  stark  erweitert,  bei  einigen  Genia- 
tiden ist  deren  Durchmesser  3 — 4  mal  so  groß  als  der  des 
Kopfes.  Die  Pelidnotenlarven  geben  das  Erdefressen  bald 
auf  und  dringen  in  die  Wurzeln  abgestorbener  Bäume  ein; 
sie  werden  aus  Geophagen  Xylophagen.  Die  Geniatiden 
sind  bis  zur  ersten  Häutung  reine  Erdfresser;  da  die  Erde 
ganz  nahe  der  Oberfläche  am  reichsten  an  zerfallender 
organischer  Substanz  ist,  so  halten  sie  sich  immer  dicht 
an  der  Oberfläche,  wie  auch  ihre  Eier  ganz  nahe  der  Ober- 
fläche, selten  tiefer  als  14  Zentimeter,  abgelegt  werden. 
Nach  der  ersten  Häutung  gehen  sie  etwas  tiefer,  machen 
sich  eine  Höhle  nahe  dem  Wurzelstock  eines  Krautes,  speziell 
Capim  (Panicum  spectabile),  und  weiden  die  in  ihre  Höhle 
liineinwachsenden  Wurzeln  ab.  Die  Larve  von  Bolax  salti- 
cola verliert  nach  der  letzten  Häutung  ganz  die  starke 
Erweiterung 'der  beiden  letzten  Segmente;  diese  sind  kaum 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909.  2 


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dicker  als  die  vorhergehenden;  die  Larve  ist  in  diesem 
Stadium  ungemein  beweghch,  läuft  auf  einer  harten  Unter- 
lage so  rasch  wie  eine  Carabidenlarve,  während  sie  vor  der 
ersten  Häutung  sich  kaum  von  der  Stelle  bewegen  konnte, 
und  ist  auch  sehr  bissig.  Ich  konnte  mehrfach  beobachten, 
wie  sie  kleinere  Larven,  auch  derselben  Art,  totbiß  und 
auffraß. 

Mit  der  Lebensweise  der  Geniatiden  nicht  vertraut, 
hatte  ich  bei  meinem  ersten  Aufenthalt  in  Brasilien  relativ 
wenig  Geniatiden  gefunden  und  von  ihren  früheren  Ständen 
wie  auch  von  ihrer  Biologie  fast  nichts  erforschen  können. 
Diesmal  hatte  ich  mehr  Glück,  und  machte  schon  gleich 
in  den  ersten  Tagen  meines  Aufenthaltes  in  Petropolis 
eine  Beobachtung,  die  mich  auf  die  richtige  Spur  brachte. 
Ich  hatte  mich  auf  einer  Excursion  verspätet,  es  dämmerte 
schon  und  ich  mußte  einen  steilen  schmalen  Pfad  im  Wald 
vorsichtig  herabgehen.  Da  sah  ich  im  niedrigen  Kraut 
am  Wege  einen  Käfer  mit  lautlosem  langsamem  Flug,  wie 
unsere  Serica  hrunnca,  herumfliegen  und  sich  dann  nach 
einem  feinblättrigen  Bambusbusch  wenden;  bald  folgte 
ihm  ein  zweiter  und  dritter;  ich  untersuchte  das  Kraut 
am  Wege  und  beobachtete,  wie  die  Käfer  aus  der  Erde 
kamen,  an  dem  Kraut  in  die  Höhe  krochen,  dann  abflogen 
und  nachdem  sie  sich  orientiert  die  Richtung  nach  dem 
Bambus  nahmen.  Es  war  Bolax  phaleratus,  von  dem  ich 
etwa  ein  Dutzend  (^  und  ein  $  fing,  das  ich  von  dem  Kraut 
abnahm.  Zu  Hause  machte  ich  ihnen  einen  Zuchtkasten 
zurecht,  den  ich  unten  lo  cm  hoch  mit  Erde  füllte,  stellte 
ihnen  ein  Glas  mit  frischen  Bambuszweigen  hinein  und 
konnte  sie  noch  am  selben  Abend  beim  Fressen  und  bei 
der  Paarung  beobachten.  Am  nächsten  Morgen  kam  ich 
nach  dem  Bambusbusch  zurück,  klopfte  ihn  sorgfältig 
in  den  Schirm  ab,  erhielt  aber  kein  Stück  des  Käfers;  da- 
gegen kamen  sie  des  Abends  mit  Einbruch  der  Dämmerung 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


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wieder.  Um  Mittag  macht  der  Käfer  einen  kurzen  Flug 
und  darnach  versteckt  er  sich  häufig  nicht  wieder  in  der 
Erde,  sondern  in  dichtem  Gebüsch  auf  der  Unterseite  eines 
Blattes.  Ich  habe  ihn  später  von  allen  möglichen  Büschen 
geklopft,  gefressen  hat  er  aber  bei  mir  in  der  Gefangen- 
schaft nur  feinblättrigen  Bambus  und  Capim;  einmal  sah 
ich  einen  Käfer  im  Zuchtkasten  feine  Graswurzeln  fressen. 
Noch  häufiger  als  B.  phaleratus  ist  B.  salticola;  ich 
habe  davon  mehrere  tausend  Stücke  gesammelt.  Der  Käfer 
frißt  den  großblättrigen  Bambus,  der  Taquara  genannt 
wird  (Bambusa  Tacoara  Mart.) ;  er  kommt  des  Morgens 
aus  der  Erde,  fliegt  nach  dem  Bambus  und  frißt  den  ganzen 
Tag  tüchtig  daran,  aber  immer  an  versteckten  Stellen, 
an  der  Unterseite  der  Blätter  oder  im  Schatten  sitzend; 
man  kann  beim  Abklopfen  des  Bambus  ein  Dutzend  Exem- 
plare in  den  Schirm  bekommen,  ohne  daß  man  vorher 
ein  Stück  auf  diesem  Busch  sitzen  sah.  Der  Käfer  erscheint 
im  Freien  und  frißt  tüchtig  3 — 4  Wochen  lang,  ehe  er  ge- 
schlechtsreif ist.  Das  Männchen  hat  stets  einen  hellgelben 
Vorderkörper;  das  junge  Weibchen  ist  ebenso  gefärbt, 
aber  mit  dem  Eintritt  der  Geschlechtsreife  färbt  sich  der 
Vorderkörper  dunkler  bis  er  schließlich  bei  alten  $  schwarz- 
braun wird.  Bei  geschlechtsunreifen  Tieren  sind  die  Deck- 
flügel glasig  und  werden  später  scherbengelb  undurch- 
sichtig. Geschlechtsunreife  $  werden  nicht  begattet,  auch 
nicht  von  geschlechtsreif en  (^,  obschon  deren  Detrusions- 
trieb  sie  oft  zu  den  rücksichtslosesten  Angriffen  auf  in 
copula  befindliche  Pärchen,  auch  von  anderen  Bolaxarten, 
treibt;  bei  der  Paarung  strömt  der  Käfer  einen  starken 
Geruch  aus.  Der  Käfer  ist  von  Ende  September  bis  Ende 
Februar  gemein,  ich  fand  ihn  aber  fast  nur  an  Bambus; 
im  Zuchtkasten  fraß  er  nur  Bambus.  Ferner  fand  ich  an 
einem  feinblättrigen  Bambus  am  Itamaraty  eine  neue 
Art    Bolax,    die    morphologisch    dem    sulcicollis,    biologisch 

Stett.  entomol.  Zelt.   1909.  2" 


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dem  salticola  nahesteht;  diese  Art  fand  ich  immer  nur 
in  wenigen  Stücken. 

Auch  Bolax  mutahiUs  findet  sich  an  feinblättrigem 
Bambus,  aber  seltener;  meist  sitzt  er  an  kleinen  niedrigen 
Büschen,  an  Inga  und  frißt  auch  gern  Paineira, ;  er  ist  ein 
Tagetier,  das  sich  mit  Einbruch  der  Dämmerung  verkriecht. 

Bolax  flavolineatiis,  ein  typischer  Bewohner  des  Kamp- 
gebietes, findet  sich  bei  Petropolis  nur  in  dem  heißen  trocknen 
Talkessel  in  den  Bomf imbergen ;  er  frißt  alle  möglichen 
Gräser  und  niedrigen  Kampkräuter,  besonders  Cabixi, 
Hiptus  Salzmanni,  eine  Labiate  (nach  Peckolt),  und  fliegt 
den  ganzen  Tag  über,  wie  auch  in  der  Dämmerung. 

Leucothyreus  suturalis  ist  bei  Petropolis  nicht  häufig; 
ich  fand  ihn  überall,  aber  meist  nur  in  wenigen  Exem- 
plaren, an  feinblättrigem  Bambus  und  an  Taquara,  an 
einer  Art  Lorber  mit  harten  Blättern  und  kleinen  weißen 
Blüten  und  an  Mimosen;  er  frißt  auch  von  allen  diesen 
Pflanzen.  Er  ist  ein  Dämmerungstier,  das  auch  zuweilen 
am  Tage  fliegt. 

Leucothyreus  Kirhyanus  findet  sich  häufig  mit  dem 
vorhergehenden  zusammen,  ist  aber  bei  Petropolis  häufiger, 
besonders  an  feuchten  Stellen;  im  Schweizertal  klopfte 
ich  von  einer  großblättrigen  Mimose  einmal  über  loo 
Stück.  Den  Tag  über  steckt  er  in  der  Erde  oder  in  dichtem 
Gebüsch  auf  der  Unterseite  der  Blätter;  nach  Sonnen- 
untergang kommt  er  hervor  und  frißt  die  ganze  Nacht, 
mit  Vorliebe  Taquara. 

L.  niveicollis  findet  sich  vielfach  bei  Petropolis,  in 
Anzahl  aber  nur  am  Itamaraty.  Er  sitzt  den  Tag  über  auf 
der  Unterseite  der  Blätter  niedriger  Büsche  oder  in  der 
Erde,  und  fliegt  in  der  Dämmerung  und  zu  Beginn  der 
Nacht  umher.  Im  Zuchtkasten  fraß  der  Käfer  feinblättrigen 
Bambus  und  die  feinen  zarten  Blätter  eines  myrthcn artigen 
Strauches. 

Stett.  eutomol.  Zeit.   1901). 


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Das  sind  von   Bolax  und  Leucothyrcus  die  Arten,   die 
ich   häufig  fand,   die  ich   im  Zuclitkasten   beobachtete  und 
von  denen  ich  Eier  und  Larven  erhielt.     Was  die  Konser- 
vierung  der   letzteren   betrifft,    so   habe    ich   darüber   viele 
Versuche    angestellt    und    schHeßlich    als    die    praktischste 
Methode  herausgefunden,  die  lebende  Larve  mit  kochender 
2    %    Formalinlösung    zu    übergießen,    sie    etwa    i    Stunde 
in   der   Formalinlösung   zu   belassen,   so   daß   sie   darin   ab- 
kühlt und  alle  Gewebe  durch  das  Formalin  fixiert  werden 
und  sie  dann  in  12 — 15  %  Alkohol  zu  übertragen.     Larven 
vor   der   ersten    Häutung   werden   schwarz,    wenn   man   sie 
in  stärkeren  Alkohol  bringt;  solche,  die  die  erste  Häutung 
schon   hinter  sich   haben,   kann   man   in   stärkeren   Alkohol 
—  etwa  30  %  —  bringen;  solche,  die  nahe  der  Verpuppung 
stehen,  in  etwa  60  prozentigen.     Bei  dieser  Art  der  Konser- 
vierung lassen  sich  an  der  jungen  Larve  durch  die  glashelle 
Haut     die    ungemein    verzweigten    Appendices    epiploicae 
des    Dickdarms    und    dessen    Inhalt,    die    feinen    Körnchen 
des  roten   Latent  sehr  gut  beobachten.     Eine  ausführliche 
Beschreibung   und   Abbildung    der    Larve   gebe    ich   später. 
Die    anderen    Lcncothyreus-Arten    waren    Gelegenheits- 
funde,  ebenso  alle  Arten  der  Gattung  Geniales,  die  ich  mit- 
brachte.      Sie    scheinen    noch    ausschließlicher,    als    Bolax 
und   Leucothyrcus,   den   Tag   über   in   der   Erde   zu   stecken 
und  nur  am  Abend  herumzufliegen;  trotz  aller  Bemühungen 
konnte   ich   nie   beide    Geschlechter   einer   Art   zur   gleichen 
Zeit    bekommen,    um   sie   bei   der    Paarung   zu   beobachten 
und  Eier  resp.  Larven  von  ihnen  zu  erhalten.     Auch  zum 
Fressen  konnte  ich  sie  in  der  Gefangenschaft  nicht  bringen; 
srüne,  weiche  Fäces,  die  ich  bei  einigen  Arten  beobachtete, 
sprechen    für    Blätternahrung.       Ich    habe    in    der    Berliner 
E.  Z.  1903  p.  237  den  Schrillapparat  eines  ecuadorianischen 
Geniales   beschrieben,    den   ich   am    todten    Käfer   entdeckt. 
Nun  konnte  ich  bei  mehreren  lebenden  Arten  diesen  Apparat 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


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in  Tätigkeit  sehen.  Die  Hinterhüften  sind  ungemein  be- 
weglich und  die  langen  Hinterbeine  können  so  weit  nach 
oben  gedreht  werden,  daß  die  Tarsen  sich  über  den  Deck- 
flügeln kreuzen.  Der  Seitenrand  der  Deckflügel  ist  fein 
gekerbt,  die  Partie  zwischen  den  dicht  nebeneinander  stehen- 
den Kerben  bildet  kleine  Höckerchen.  Die  Oberschenkel 
tragen  auf  der  Dorsalseite  beim  Knie  einen  braunen  Fleck, 
der  unter  der  Lupe  sich  in  eine  Anzahl  feiner  brauner  Leisten 
auflöst,  die  schwach  gebogen  nahezu  senkrecht  zur  Längs- 
achse des  Oberschenkels  verlaufen.  Faßt  man  den  Käfer 
vorn  beim  Kopf,  dann  gibt  er  einen  lauten  zirpenden  Ton 
von  sich,  indem  er  mit  dem  Knie  über  die  Höcker  am  Seiten- 
rand der  Deckflügel,  zwischen  denen  kurze  starre  Borsten 
stehen,  hinstreicht.  Dieser  Schrillapparat  findet  sich  bei 
vielen  Arten  der  Gattung;  bald  nur  am  Hinterschenkel, 
bald  an  Hinter-  und  Mittelschenkel.  Der  tote  Käfer  ist 
meist  einfarbig  gelb.  Beim  lebenden  Käfer  ist  das  Haut- 
skelett meist  weißlichgrau,  glasig  durchsichtig;  der  Ansatz 
größerer  Muskelpartien  scheint  rötlich  oder  bräunlich  durch; 
die  prim.  Punktreihen  auf  den  Deckflügeln  erscheinen 
nahezu  schwarz. 

Durch  das  Fahnden  nach  Geniatiden  kam  ich  dazu, 
dem  Bambus  meine  besondere  Aufmerksamkeit  zuzuwenden 
und  er  erwies  sich  bald  als  eine  reiche  Fundgrube  für  sehr 
viele  Käfer.  In  dem  dichten  Bambusgebüsch,  in  dem  auch 
viele  welke  Blätter  hängen  bleiben,  so  daß  sich  in  Ast  winkeln 
manchmal  dicke  Haufen  von  abgestorbenen  Zweigen  und 
Blättern  ansammeln,  leben  Agra  und  die  ihnen  ähnlichen 
Statira,  Lebien  und  andere  Carabiden,  manche  Staphy- 
linen,  Cisteliden  und  Tenebrioniden.  Rüßler  sind  häufig 
auf  den  Blättern,  auch  einige  Chrysomeliden.  In  den  welken 
Blättern  verstecken  sich  mit  Vorliebe  gewisse  Melolon- 
thiden,  Isony.chus,  Philochlaenia  und  Gama;  auch  Phytalus 
frißt  gern  Bambus.     Ebenso  halten  sich  Acanthocerus  und 

Stett.  entomol.  Zeit,   1909. 


23 

Cloeotus  gern  in  diesem  Dickicht  auf.  Von  diesen  kleinen 
Mistkäfern,  die  sicli  wie  eine  Rollassel  zusammenrollen, 
klopfte  ich  in  kurzer  Zeit  mehrere  Arten  von  Gebüsch, 
hauptsächlich  Bambus,  und  nahm  sie  lebend  mit  nach 
Hause,  um  sie  in  ihren  Lebensgewohnheiten  zu  studieren 
und,  wenn  möglich,  zur  Paarung  und  Eiablage  zu  bringen. 
Ich  machte  ihnen  einen  Zuchtkasten  zurecht,  wie  anderen 
kleinen  Coprophagen,  mit  Rinder-  und  Maultiermist,  gab 
ihnen  auch  einige  welke  Bambusblätter,  aber  sie  machten 
von  der  freundlichen  Einladung  keinen  Gebrauch;  als 
ich 'nach  einiger  Zeit  den  Kasten  revidierte,  waren  die  Käfer 
alle  tot.  Dann  setzte  ich  einige  andere  Exemplare  mit 
welken  Bambusblättern  in  eine  Glasdose,  um  die  Käfer 
beim  Herumkriechen  und  Fressen  zu  beobachten.  Aber 
sie  sind,  ungemein  scheu;  bei  jeder  Erschütterung  oder 
plötzlichen  Belichtung  der  Dose  rollten  sie  sich  zusammen; 
Stücke,  die  ich  auf  weißes  Papier  legte  und  mit  einer  Glas- 
dose überdeckte,  nachdem  ich  ihre  Lage  mit  Bleistift  fixiert, 
blieben  stundenlang  zusammengerollt,  ohne  sich  zu  rühren. 
Meine  Bemühungen,  ihr  Futter  kennen  zu  lernen,  blieben 
erfolglos,  bis  mich  ein  glücklicher  Fund  ihre  Biologie  kennen 
lehrte.  Ich  stieß  eines  Tages  am  Itamaraty  im  dichten 
Wald  auf  einen  etwa  i  Meter  dicken  Stubben  aus  rotem 
Holz,  der  schon  ziemlich  stark  vermulmt  war.  Unter  der 
etwa  daumendicken  Rinde  war  eine  mehrere  Zentimeter 
starke  Schicht  von  Mulm,  wie  Schnupftabak,  und  in  diesem 
Mulm  fand  ich  außer  Paxillo'ides  brasiliensis  in  allen  Stadien 
auch  mehrere  Stücke  einer  mir  vollständig  neuen,  auf- 
fallend schlanken  Lamellicornierlarve.  In  der  Rinde  waren 
mehrere  kleine  Puppenwiegen  mit  glatten  Wänden,  der 
Zugang  vom  Larvenfraßgang  mit  feinem  Fraßmehl  zu- 
gekittet, in  denen  gelblich-weiße  Puppen  lagen,  aus  denen 
nach  einigen  Tagen  Cloeotus  globosiis  Say  ausschlüpfte. 
Eine  ausführliche  Beschreibung  und  Abbildung  der  Larve 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


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und  Puppe  werde  ich  später  bringen;  hier  will  ich  nur  kurz 
auf  den  Schrillapparat  der  Larve  und  des  Käfers  eingehen. 
Bei  der  Larve  sitzt  der  Schrillapparat  an  den  Vorder-  und 
Mittelbeinen.  An  den  Vorderbeinen  ist  die  ganze  nach 
außen  und  nach  den  Mittelbeinen  gerichtete  Seite  mit 
feinen  Punkten  bedeckt,  die  sich  bei  starker  Vergrößerung 
(600)  als  polygonale  Chitinhöcker  mit  abgerundeten  Ecken 
und  fein  gerunzelter  Oberfläche  erweisen.  Diese  Höcker 
stehen  am  dichtesten  auf  der  Hüfte  und  hier  wieder  sind 
sie  am  größten  und  stehen  am  dichtesten  in  der  Mitte, 
während  sie  nach  der  Peripherie  kleiner  werden  und 
weitläufiger  stehen.  Trochanter,  Femur  und  Tibia  tragen 
nur  kleine,  meist  runde  und  zerstreute  Höckerchen. 
Die  Mittelbeine  tragen  an  der  dem  Vorderbein  zuge- 
kehrten Seite  auf  Tibia  und  Fcmur  in  Längsreihen  stehende 
fein  quere  Chitinleistchen,  die  bei  starker  Vergrößerung 
betrachtet  etwa  die  Form  eines  Geigensteges  haben.  Der 
Ton  kommt  in  der  Weise  zustande,  daß  diese  Chitinleistchen 
der  Mittelbeine  im  Bogen  über  die  rauhen  Höckerchen 
der  ruhenden  Vorderbeine  streichen  und  dadurch  in  Schwin- 
gungen versetzt  werden. 

Beim  Käfer  sitzt  der  Schrillapparat  an  den  Hinter- 
hüften und  dem  Abdomen.  Die  Hinterhüften  tragen  auf 
ihrer  Dorsalseite  nahe  dem  Ansatz  des  Trochantcrs  eine 
leicht  kissenartig  gewölbte  dunkel  pigmentierte  nahezu 
viereckige  Makel,  die  bei  starker  Vergrößerung  mit  feinen 
Querrillen  besetzt  erscheint.  Am  Abdomen  trägt  die  Ventral- 
platte des  zweiten  Hinterleibsringes,  die  in  der  Ruhe  von 
den  Hinterhüften  bedeckt  wird  und  daher  dünn  und  wenig 
pigmentiert  ist,  in  der  Mitte  eine  dreiseitige  gewölbte  Er- 
hebung, deren  nach  vorn  gerichtete  und  stark  pigmentierte 
Spitze  quer  abgestutzt  ist.  Die  Seitenränder  dieses  drei- 
seitigen Wulstes  sind  mit  schwarz  pigmentierten  kurzen 
Leisten   versehen,    die   etwa   im   Winkel   von   45    Grad   zur 

Stctt.  entomol.  Zeit.  1909. 


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Längsachse  des  Körpers  verlaufen.  Der  Ton  wird  in  der 
Weise  hervorgebracht,  daß  das  Abdomen  im  ganzen  ruck- 
weise von  hinten  nach  vorn  gezogen  wird.  Dabei  streichen 
die  Leisten  des  Abdominalliöckers  über  che  Querrilk-n 
der  beiden  Hüftplatten,  geraten  in  Schwingungen  und  pro- 
duzieren   einen    hohen,    zirpenden    Ton. 

Einmal  auf  der  richtigen  Spur,  fand  ich  nach  und  nach 
von  5  Arten  der  Gattung  Cloeotus  und  7  Spezies  Acanthocerus 
die  Larven  und  Käfer.  Die  Käfer  leben  für  gewöhnlich 
mit  den  Larven  zusammen  im  Mulm  und  fressen  diesen 
auch;  sie  verlassen  ihren  natürlichen  Aufenthalt,  den  Mulm 
unter  der  Rinde  —  tiefer  ins  Holz  gehen  sie  nicht  —  wohl 
nur  zur  Paarungszeit  und  kehren  zur  Eiablage  dahin  zurück. 
Wie  alle  coprophagen  Lamellicornier  lassen  auch  sie  sich 
mit  ^Menschenmist  ködern,  aber  sie  fressen  kernen  anderen 
Mist ;  ihre  gewöhnliche  Nahrung  und  die  ausschließliche 
Nahrung  der  Larven  ist  vermulmtes  Holz.  Gewöhnlich 
fressen  die  Larven  nur  den  Mulm;  nur  wo  das  Holz  schon 
stark  vermodert  ist,  nagen  sie  sich  Gänge  im  Holz.  Die 
Pui^penwiege  wird  zuweilen  im  Mulm  selber  angelegt,  wobei 
die  Larve  sich  aus  Mulm  einen  Kokon  mit  glatten  Innen- 
wänden zusammenklebt;  gewöhnlich  wird  die  eine  Hälfte 
der  Puppenwiege  aus  der  Rinde  ausgenagt,  die  andere 
aus  INIulm  daran  geklebt.  Die  Tiere  leben  häufig  zusannnen 
mit  l^issaliden  oder  in  Stämmen,  die  vorher  schon  \-on 
Passaliden  bearbeitet  w^aren;  sie  sind  häufiger  in  rotem 
Holz  (Ccdern?)  als  in  w^eißem  (Ficus,  Urostigma,  Bombax). 

Ebenso  wie  Cloeotus  und  Acanthocerus  leben  auch 
Anaides  und  Chaetodus;  beide  fand  ich  als  Larven  zu- 
sanmien  mit  Larven  der  genannten  Gattungen  und  erhielt 
aus  ihnen  den  fertigen  Käfer.  Auch  mehrere  Arten  der 
artenreichen  Gattung  Ataenius  leben  als  Larven  und  Käfer 
in  altem  Holz,  doch  finden  sich  nur  die  größeren  Arten 
in   rotem,   stark   vermulmten   Holz,   während   eine   kleinere 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


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Art  in  härteres  Holz  geht  und  hier  zuweilen  im  Bast  Gänge 
schrotet  wie  ein  Scolytide.  Larven  und  Käfer  dieser  ge- 
nannten drei  Gattungen  haben  besondere  Schrillapparate, 
die  ich  später  ausführlich  beschreiben  und  abbilden  werde. 

Schon  früher  habe  ich  darauf  aufmerksam  gemacht 
(Stettincr  E.  Z.  1900  p.  211),  daß  die  großen  Bromelien 
der  Gattung  Vrysea,  die  auf  den  Ästen  großer  Urwald- 
bäume sitzen,  ein  beliebter  Aufenthalt  für  viele  Insekten 
seien.  Zwischen  den  harten,  lederartigen  Blättern  sammelt 
sich  am  Grunde  Staub  an,  der  mit  dem  Regenwasser  und 
Tau  zusammen  einen  feinen  Schlamm  bildet.  In  diesem 
Schlamm  lebt  ein  Mistkäfer,  Aphcngiuni  seminuduui  Bates. 
Gewöhnlich  findet  man  mehrere  Exemplare  beisammen, 
meist  4 — 5;  faßt  man  den  Käfer  mit  der  Pinzette 
tin,  dann  gibt  er  einen  feinen  zirpenden  Ton  von  sich. 
Der  Schrillapparat  ist  ähnlich  dem  von  Geniatcs.  An 
INIittel-  und  Hinterschenkel  befinden  sich  nahe  dem 
Knie  eine  Anzahl  feiner  Längsrillen,  während  auf  dem 
verbreiterten  umgeschlagenen  Seitenrand  der  Deckflügel 
vorn  eine  Kante  mit  feinen  Höckerchen  verläuft, 
hinten  der  Seitenrand  selber  mit  feinen  Höckerchen  und 
zwischen  ihnen  stehenden  Borsten  besetzt  ist.  Die 
Längsrillen  am  Hinterschenkel  sind  bei  allen  Individuen 
stark  ausgebildet;  am  Mittelschenkel  sind  sie  beild  ebenso 
stark  wie  am  Hinterschenkel,  bald  nur  ganz  schwach  an 
gedeutet.  Die  Larve  dieses  Käfers  habe  ich  nicht  gefunden, 
doch  möchte  ich  glauben,  daß  sie  ebenfalls  in  abgestorbenem 
Holz  lebt. 

Meine  Versuche,  Mistkäfer  in  Zuchtkästen  zu  züchten, 
waren  meist  erfolglos,  wie  ich  glaube  deshalb,  weil  ich 
mehrere  verschiedene  Arten  in  einen  Zuchtkasten  zusammen 
sperrte.  Die  Tiere  störten  sicli  fortwährend  beim  Brüten 
und  zerstörten  einander  die  frischen  Brutpillen.  Besonders 
Onthophagiis    hirculiis    und    Chocridium    carhunarmm    sind 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


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sehr  geneigt,  die  Brutpillen  größerer  Arten  mit  Eiern  zu 
belegen  und  dadurch  deren  Larven  in  ihrer  Entwicklung 
zu  stören.  Von  2  Arten,  Onthophagus  hirculus  und  Phanacus 
saphirinus  konnte  ich  das  Brüten  genau  beobachten  und 
will  es  hier  kurz  schildern;  eine  ausführliche  Schilderung 
und  Abbildung  der  Brutpillen  werde  ich  bei  der  Bearbeitung 
der  von  mir  gesammelten  coprophagen  Lamellicornier  geben. 

Onthophagus  hirculus  verfährt  bei  der  Anlage  der  Brut- 
pille wie  Gcotrupes  stercorarius.  Er  gräbt  direkt  unter  dem 
Misthaufen,  Maultier-  oder  Rinder-Mist,  oder  in  dessen 
Nähe  einen  Stollen,  füllt  ihn  vom  Grund  auf  mit  Mist  und 
legt  obenauf  die  Eikammer  an,  die  er  mit  einem  Ei  besetzt. 
Der  Mistzylinder  ist  2  bis  3  cm  lang,  knapp  i  cm  dick,  die 
Eikammer  relativ  groß,  nicht  abgesetzt,  wie  z.  B.  bei  Atcu- 
chiis.  Der  Mistzylinder  wird  von  dem  Elternpaar  außen 
nicht  bearbeitet,  es  wird  nur  Mist  in  den  Stollen  wie  in 
eine  Form  hineingepreßt;  der  Raum  über  der  Eikammer 
wird  mit  Erde,  nicht  mit  Mist,  fest  aufgefüllt.  Die  aus- 
kriechende Larve  frißt  von  der  Eikammer  aus  langsam 
in  der  Umgebung  weiter;  sie  formt  sich  aus  ihren  eigenen 
Fäces  eine  sehr  harte  schwarze  Hülle,  die  sie  rings  umgibt 
und  in  der  sie  sich  auch  verpuppt.  Diese  pechschwarze 
Hülle  hebt  sich  von  dem  :\list  in  dem  Stollen  scharf  ab, 
löst  sich  auch  bald  von  ihm  los  und  gleicht  dann  ober- 
flächlich einem  Fliegentönnchen.  Auffallender  Weise  ver- 
zehrt die  Larve  nur  einen  relativ  kleinen  Teil,  selten  mehr 
als  ein  Drittel  des  Mistes,  den  die  Eltern  für  sie  in  den  Stollen 
eingetragen;  der  Rest  wird  von  dem  frisch  entwickelten 
Käfer  aufgezehrt,  der  hier  erhärtet,  nachdem  er  seine  Puppen- 
wiege durchbrochen  hat. 

Onthophagus  hirculus  zeigt,  wie  die  anderen  Arten 
der  Gattung  und  der  coprophagen  LamclHcornier  über- 
haupt, große  individuelle  Unterschiede  in  der  Körpergröße 
und    Ausbildung    der    secund.    sexuellen    Merkmale.       Man 

Stctt.  eutomol.  Zeit.  1909. 


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hat  diese  früher  auf  die  Reichhaltigkeit  resp.  Knappheit 
von  Nahrung  im  Larvenstadium  zurückgeführt  und  gesagt, 
reichhch  ernährte  Larven  ergäben  große  Individuen  mit 
stark  entwickelten  secund.  sexuellen  Merkmalen  und  um- 
gekehrt. Die  Zucht  des  0.  hirciilus  hat  mir  gezeigt,  daß 
diese  Erklärung  nicht  richtig  sein  kann.  Meine  Tiere  im 
Zuchtkasten  hatten  reichlich  Futter,  die  Wärme-  und 
Feuchtigkeitsverhältnisse  waren  für  alle  die  gleichen  imd 
trotzdem  erhielt  ich  große  und  kleine  Individuen,  starke 
und  schwache  Männchen.  Dieselbe  Beobachtung  machte 
ich  bei  den  Lucaniden  Pholidotus  Humholdti  und  Sclero- 
sioinus  costaliis  und  später  bei  verschiedenen  Coprophagen. 
Ich  glaube,  die  Ursache  dieser  individuellen  Variabilität 
liegt  in  der  stärkeren  oder  schwächeren  Anlage  der  Keim- 
drüsen, so  daß  eine  größere  oder  kräftigere  Keimdrüsen- 
anlage als  stärkerer  Reiz  zum  Größenwachstum  wirkt. 
Phanciciis  saphirinits  (und  ebenso  floriger  und  Dcjcani) 
gräbt  direkt  unter  einem  Misthaufen  —  ich  gab  ihnen  Maul- 
tier- und  Rindermist  —  oder  in  nächster  Nähe  davon  einen 
Stollen,  in  den  er  so  wie  ich  das  von  Gcotrupcs  vernalis  aus- 
führlich geschildert,  ein  größeres  Quantum  Mist  einträgt. 
Von  diesem  Depot  geht  ein  gewundener  Gang  bis  auf  den 
Boden  des  Zuchtkastens  und  auf  diesem  eine  Strecke  weiter 
bis  zu  einer  Hc'ihle  von  der  Größe  einer  kleinen  Faust.  In 
dieser  Höhle  formen  die  Käfer  aus  sorgfältig  ausgesuchtem 
Material  die  Brutpille  in  F(jrm  einer  Kugel,  2 — 3  cm  dick, 
an  die  seitlich  die  Eikammer  angesetzt  wird,  so  daß  die 
Brutpille  Birnenform  erhält,  wie  bei  Äteuchus.  Darnach 
wird  die  ganze  Brutpille  ringsum  mit  einer  etwa  i  cm  dicken 
Schicht  feinen  Lehmes  überzogen,  die  dem  Hals  der  Birne 
entsprechend  über  der  Eikammer  ebenfalls  sich  verjüngt 
und  vor  der  Eikammer  wird  eine  etwa  %  cm  lange  und 
ebenso  hohe  Luftkammer  angesetzt,  die  gegen  die  Eikammer 
und    auf    der    entgegengesetzten    Seite    durch    eine    knapp 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


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I  mm  dicke  Wand  abgeschlossen  wird.  Diese  dünne  Ton- 
lamelle vor  der  Eikammer  ist  ganz  intakt,  die  entgegen- 
gesetzte, die  nach  dem  Vorsaal  hin  liegt,  trägt  in  der  Mitte 
ein  kleines  rundes  Loch.  Nachdem  die  ganze  Brutpille 
mit  der  i  cm  dicken  feinen  Lehmschicht  umkleidet  und 
die  Luftkammer  vor  der  Eikammer  aufgesetzt  ist,  wird 
der  Zwischenraum  zwischen  der  Brutpille  und  den  Wänden 
der  Höhle  mit  Erde  aufgefüllt  bis  auf  einen  etwa  5  cm  langen 
und  2  cm  hohen  Raum  vor  der  Luftkammer,  den  ich  Vor- 
saal nenne;  er  geht  direkt  in  den  gewundenen  Gang  über, 
der  nach  oben  führt  und  ist  wie  dieser  mit  Mist  lose  ange- 
füllt. Er  soll  offenbar  dazu  dienen,  dem  frisch  entwickelten 
Käfer  bis  zum  Erhärten  Aufenthalt  und  Nahrung  zu  ge- 
währen. Die  Phanaeus-L^rve  gleicht  der  von  Geotrupcs 
im  Habitus,  hat  aber  das  dritte  Beinpaar  nur  wenig  kürzer 
als  das  mittlere  und  ohne  Schrillapparat. 

Mitte  Januar,  fast  am  gleichen  Tage  wie  1899,  fand 
ich  auf  dem  Weg  nach  dem  Pedrassu  in  einem  großen  Ast- 
stück ein  Pärchen  von  Syndcsus  brasiliensis.  Der  Schrill- 
apparat des  Käfers  ist  ähnlich  dem  von  Geniales.  Auf  dem 
gewölbten  Seitenrand  der  Deckflügel  und  auf  der  gewölbten 
neben  dem  Seitenrand  verlaufenden  Rippe,  die  nahe  dem 
Hinterrand  soweit  nach  außen  und  unten  herabsteigt, 
daß  sie  in  gleicher  Höhe  wie  der  Seitenrand  verläuft,  be- 
finden sich  im  hinteren  Drittel  eine  große  Anzahl  von  Quer- 
eindrücken. Am  Hinterschenkel  ist  die  ganze  Partie  nahe 
dem  Knie  mit  langen  gebogenen  feinen  Rillen  bedeckt, 
die  in  der  Hauptsache  parallel  zur  Längsachse  des  Schenkels 
verlaufen.  Der  Ton  —  so  laut  und  deutlich  wie  bei  einem 
Passaliden  —  wird  durch  rasches,  vibrirendes  Hin-  und 
Herbewegen  der  Schenkel  über  den  Deckflügelrand  hervor- 
gebracht. 

Während  meines  Aufenthaltes  in  Petropolis  1898/99 
hatte    ich    bei    den    dort    gefvmdenen    Passaliden    eine    voll- 

Stett.  entoinol.  Zeit.   1909. 


30 

ständige    Brutpflege   beobachtet.       Die    Eltern    bleiben    bei 
den  Eiern  und  füttern  die  Larven  bis  zu  ihrer  Verpuppung 
mit  dem  vermulmten  Holz,  in  dem  sie  leben  und  von  dem 
sie   auch   selber   leben.      Die   Larven   sind   nicht   imstande, 
sich  selber  zu  ernähren  und  gehen,  wenn  man  sie  von  den 
Eltern  trennt,  zugrunde.     Die  Eltern  bleiben  auch  bei  den 
Puppen  und  den  frisch  ausgeschlüpften  Käfern;  erst  wenn 
diese   erhärtet   und   geschlechtsreif  geworden,   verlassen   sie 
den    abgestorbenen    Stamm,    in    dem    sie    groß    geworden, 
falls  er  für  sie  und  ihre  Nachkommen  nicht  genügend  Raum 
oder  passendes  Futter  mehr  bietet  (Eintreten  von  Schimmel) 
und  gründen  in  einem  anderen  abgestorbenen  Stamm  oder 
Stubben   eine  neue   Familie.      Auch   diesmal  habe  ich   den 
Passaliden    wieder    große    Aufmerksamkeit    gewidmet    und 
durch  Beobachtung  im  Freien  wie  auch  durch  Zucht  im  Zucht- 
kasten   die    früheren    Beobachtungen    nachgeprüft.        Nur 
selten  findet  man  einzelne  Käfer  im  Freien  oder  in  altem 
Holz;    geht    man    den    Fraßgängen    sorgfältig    nach,    dann 
findet  man  meistens  zwei  Käfer,  die  sich  durch  Untersuchung 
des   Abdomens   —   äußere    resp.    secundäre   sexuelle    Merk- 
male scheinen  ganz  zu  fehlen  —  als  (^  und  $  erweisen.   Findet 
man  mehrere  Käfer  einer  Art  in  demselben   Stamm,  dann 
zeigt    eine    genaue    Untersuchung    der    Vorderschienen,    der 
Behaarung  und  der   Genitalien,   daß  wir  neben  den  Eltern 
mehr     oder     weniger     erwachsene     resp.     geschlechtsreif  e 
Junge  vor  uns  haben.     Niemals  fand  ich   Passalidenlarven 
für    sich    allein,    stets    traf     ich     bei     genauem    Nachsehen 
auch  den  einen  oder  beide  Elternkäfer  in  demselben  Stamm 
wie  die  Larven.     In  manchen  Stämmen  mit  weichem,  rasch 
zerfallendem   Holz,   in  wilden  Feigenbäumen   und  Bombax, 
Paineira,  wie  auch  in  Baum  Würgern  mit  sehr  langen  Holz- 
fasern   schroten    die    Käfer    rasch    lange    Gänge,    und    eilen 
dann  zuweilen  den  Larven  weit  voraus  oder  flüchten,  wenn 
man   einen   solchen    Stamm   von    oben    aufbricht,    rasch    in 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


31 

das  Innere  oder  nach  der  Unterseite,  wohin  ihnen  die  Larven 
nicht  so  schneh  folgen  können ;  manchmal  gehen  sie  auch 
in  stark  vermulmten  Stämmen  in  die  mulmige  Erde  unter 
dem  Stamm,  wie  überhaupt  manche  Arten  sich  mehr  in 
recht  feuchten  Stämmen  und  daher  auf  der  Unterseite 
liegender  Stämme  resp.  in  den  Wurzeln  von  Stubben,  andere 
mehr  in  trocknem  Holz  aufhalten.  Niemals  gelang  es  mir 
Larven,  die  ich  mit  den  Eltern  zusammen  im  Freien  ge- 
funden, ohne  diese  im  Zuchtkasten  weiter  zu  züchten  und 
zur  Verpuppung  zu  bringen.  Erst  wenn  die  Larve  soweit 
erwachsen  ist,  daß  sie  auch  im  Freien  nicht  mehr  fressen 
kann,  weil  sich  infolge  der  beginnenden  Umbildung  zur 
Puppe  die  die  Kiefer  bewegenden  Muskeln  gelöst  haben, 
dann  erst  kann  man  im  Freien  gefundene  Larven  ohne 
die  Eltern  im  Zuchtkasten  zur  Verpuppung  bringen.  Einige 
Arten  scheinen  eine  ziemlich  regelmäßige,  an  best'mmte 
Jahreszeiten  gebundene  Entwicklung  zu  haben;  Ende 
September  und  Anfang  Oktober,  zu  Beginn  der  Regenzeit, 
fand  ich  vielfach  Paare  von  Käfern  ohne  Larven  oder  nur 
mit  Eiern.  Andere  Arten  sind  in  ihrer  Entwicklung  unregel- 
mäßig und  man  findet  bei  ihnen  zu  jeder  Zeit  Eier,  Larven 
in  verschiedenen  Stadien  und  Puppen,  resp.  frisch  ent- 
wickelte Käfer  zusammen.  Dies  ist  offenbar  der  Übergang 
zur  Koloniebildung,  von  der  ich  ein  hübsches  Beispiel  bei 
einer  Art  beobachtete,  die  mir  Herr  Gilbert  J.  Arrow  vom 
British  Museum  als  Passakts  dijficiUs  Kuw.  bestimmte. 
Als  ich  am  31.  Januar  am  Itamaraty  sammelte,  stürzte 
plötzlich  in  meiner  Nähe  ein  etwa  75  cm  dicker,  etwa  20 
Meter  hoher  Urwaldbaum  über  den  Weg.  Beim  Nieder- 
stürzen brach  der  Stamm  weit  auf,  die  Rinde  sphtterte 
ab  und  flog  davon  und  es  fielen  Hunderte  von  Käfern, 
Eiern,  Larven  in  allen  Stadien  und  Puppen  heraus,  die  den 
Stamm  von  einer  Stelle  nahe  der  Wurzel  aus  vollständig 
mit   Gängen  durchsetzt  hatten.      Nur  die   Partie  oben  bei 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


32 

den  Ästen  war  noch  hart.  Ich  sammelte  über  loo  Käfer 
von  den  verschiedenen  Teilen  des  Stammes;  sie  gehörten 
alle  zu  derselben  Art.  Außer  ihnen  fand  sich  in  dem  Stamm 
kein  anderer  Passalide,  dagegen  viele  Blattiden,  die  ja 
immer  in  Gesellschaft  der  Passaliden  leben,  Larven,  Puppen 
und  Käfer  von  Parandra  und  Mallodon  und  vor  allem 
Cloeotus;  in  den  abgestorbenen  Zweigen  hausten  Scoly- 
tiden  und  kleine  Cerambyciden. 

Einige  Exemplare  von  Gymnetis  hehraica,  die  ich  An- 
fang Januar  mit  Bananen  köderte,  veranlaßten  mich,  den 
Käfer  im  Zuchtkasten  zu  beobachten  und  zu  züchten. 
Bananen  zieht  er  allem  anderen  vor;  die  verschiedenen 
Blüten  (Rosen,  Inga,  Boehmeria)  berührte  er  nicht,  so  lange 
Bananen  im  Zuchtkasten  hingen;  er  frißt  unermüdlich, 
das  $  auch  bei  der  Copula,  die  lange  dauert  und  bei  der 
das  (^  nur  mit  den  Klauen  der  Vorderbeine  eine  typische 
Stellung  einnimmt  —  es  umfaßt  damit  den  Seitenrand 
der  Deckflügel  ziemlich  weit  hinten  über  den  Hinterhüften 
—  während  die  Haltung  der  Mittel-  und  Hinterklauen 
unregelmäßig  ist  und  während  der  Copula  öfter  gewechselt 
wird.  In  den  Zuchtkasten  brachte  ich  ein  Wurzelstück 
einer  abgestorbenen  Figueira,  umgab  dies  ringsum  mit 
Mulm  und  Fraßmehl  aus  den  Zuchtkästen  von  Macraspis- 
larven  und  füllte  den  Kasten  rings  um  den  Mulm  mit  Erde 
(rotem  Laterit)  auf.  Das  $  ging  bis  auf  den  Grund  des 
Zuchtkastens  (lo  cm)  und  legte  seine  Eier  alle  in  der  Erde 
ab,  die  ersten  unten,  die  weiteren  nach  oben  aufsteigend. 
Jedes  Ei  hatte  eine  kleine  Eikammer  im  Lehm  mit  glatter, 
leicht  gerillter  Wand,  das  gelblichweiße  Ei  mit  einer  dunkleren 
Kittsubstanz  am  Boden  der  Eikammer  festgeklebt.  Die 
frisch  ausgekrochenen  Larven  fressen  Lehm  und  bekommen 
dadurch  bald  das  charakteristische  kolbig  verdickte  Hinter- 
leibsende. Aber  schon  nach  kurzer  Zeit,  noch  vor  der  ersten 
Häutung,  gehen  sie  in  den  Mulm  und  fressen  diesen.     Sie 

Stett.  eutoiuol.  Zeit.  1909. 


33 

bekommen  jetzt  die  auffallend  langen,  dunkleren  Haare, 
das  Abdomen  bleibt  stark  verdickt,  was  ihnen  ein  ganz 
auffallendes  Aussehen  gibt  und  zugleich  mit  der  Gewohn- 
heit, rasch  und  mit  leicht  wellenförmiger  Bewegung  des 
Körpers  auf  dem  Rücken  zu  kriechen,  sie  von  anderen 
Lamellicornierlarven  leicht  unterscheidet.  Nach  der  ersten 
Häutung  werden  die  Haare  kürzer  und  heller,  der  Hinter- 
leib wird  nur  wenig  dicker  als  der  Vorderleib,  die  Larve 
geht  ins  Holz  und  schrotet  sich  darin  ihre  Gänge  wie  eine 
holzfressende  Rutelidenlarve.  Leider  konnte  ich  die  weitere 
Entwicklung  nicht  beobachten;  der  Zuchtkasten  mit  den 
großen  Larven  wurde  mir  auf  der  Reise  von  der  gelben 
kleinen  Schiffsameise  überfallen,  die  Larven  getötet  und 
aufgefressen.  Ich  möchte  aber  glauben,  daß  die  Larve 
später  wieder  in  die   Erde  geht  und  sich   darin  verpuppt. 

Eine  eigentümliche  Beobachtung  machte  ich  am  20.  XH. 
über  einen  Gyriniden.  Ein  kleiner  Nebenfluß  des  Itamaraty 
bildet  einen  kleinen  aber  tiefen  See,  den  Nymphenteich, 
der  rings  von  hohem  Wald  umgeben  ist.  Beim  Baden  darin 
sah  ich  e'nes  Tages  an  einer  Luftwurzel,  die  von  einem 
Ast  bis  ins  Wasser  herunterhing  über  dem  Wasser  einen 
dunklen  länglichen  Klumpen;  als  ich  näher  heranschwamm, 
zeigte  es  sich,  daß  dieser  Klumpen  aus  weit  über  100  Käfern 
bestand,  die  sich  aneinander  festhaltend  wie  ein  Bienen- 
schwarm außerhalb  ihres  gewohnten  Elementes  ein  Luftbad 
nahmen.  Ich  holte  mein  Netz,  brachte  es  vorsichtig  unter 
die  Luftwurzel  und  fing  so  die  ganze  Gesellschaft.  Am 
31.  I.  beobachtete  ich  an  derselben  Stelle  dieselbe  Er- 
scheinung; beide  Male  war  es  drückend  heiß,  kurz  vor  Aus- 
bruch eines  Gewitters. 

Meine  früher  berichtete  Beobachtung  über  Omoplata 
pallidipennis  konnte  ich  bei  dieser  Art  mehrfach  bestätigen 
und  auch  andere  Cassiden,  speziell  die  gemeine  Pseudo- 
mcsomphalia    thalassina,    die    an    einem     niedrigen    Busch 

Stctt.  entomol.  Zeit.   1909.  3 


34 

(Solanee?)  lebt,  beobachten,  wie  sie  ihre  jungen  Larven 
mit  ihrem  vorspringenden  Schild  bedeckte.  Dagegen  muß 
ich  meine  Beobachtung  über  Coclomyra  cayennensis  be- 
richtigen; ich  hatte  damals  mehrere  Chrysomeliden  zu- 
sammen in  einem  Zuchtkasten  und  dadurch  kam  es  zur 
Verwechselung  ihrer  Larven.  Die  C.  cayenncnsis  ist  von 
Anfang  Oktober  bis  Ende  November  häufig;  selbst  bis 
zum  Platzen  schwangere  $  werden  noch  von  o  begattet. 
Von  Ende  Oktober  ab  findet  man  ihre  Eierhaufen,  etwa 
kirschkerngroße  fest  zusammengekittete  Klumpen,  auf  den 
frisch  entfalteten  Blättern  des  Ame:senbaumes,  Embauba, 
Cecropia  adenopus.  Anfang  Januar  fand  ich  die  ersten 
Larven,  die  zuerst  braungelb,  später  glänzend  schwarz 
werden  und  eine  ganz  eigentümliche  Gestalt  haben.  Sie 
fressen  nur  die  Blätter  der  Embauba,  diese  aber  so  gründlich, 
daß  von  den  befallenen  Blättern  nur  das  Netzwerk  übrig 
bleibt. 

Im  Garten  hinter  dem  Hause  stand  eine  schöne,  20 — 25 
Meter  hohe  Paineira  (Bombax),  die  mehrfach  von  dem 
Sägekäfer  serrador,  Oncoderes  Dejeani,  angegangen  wurde. 
Am  3.  L  sägten  die  Käfer  einen  12  cm  dicken  Ast  ab.  Auf- 
fallend ist,  daß  sie  immer  den  Ast  absägen,  auf  dem  sie 
sitzen;  an  dem  herabgestürzten  Paineiraast  saßen  2  $  i  (^. 
Am  8.  L  beobachtete  ich  eine  kleinere  Art,  braun  mit  gelben 
Makeln,  Oncoderes  impluviatus  Germ.,  w  e  sie  einen  5  cm 
dicken  Melastoma-Stamm  etwa  eine  Spanne  hoch  über 
der  Erde  absägte.  3*  und  $  saßen  nebeneinander  und  nagten 
an  der  Kerbe  bis  zu  einer  gewissen  ■  Tiefe ;  dann  rückten 
sie  seitlich  weiter  und  nagten  wieder,  bis  sie  die  bestimmte 
Tiefe  erreicht  hatten.  Als  ich  die  Käfer  fand,  hatten  sie 
schon  eine  oberflächliche  Kerbe,  die  ringsum  Rinde  und 
Bast  durchschnitt,  angelegt.  Sie  legen  ihre  Eier  in  die 
Markhöhle  des  abgesägten  Endes,  nicht  in  das  stellen- 
bleibende. 

Stett.  eutomol.  Zeit.   19U'.). 


35 

In  meinem  früheren  Reisebericht  (Stettiner  E.  Z.  1900 
p.    239)    habe   ich   einen   kleinen    Laubfrosch   erwähnt,    der 
in  den  Ritzen  oder  an  verdeckten  Stellen  vom  Wasser  über- 
rieselter Felswände  sitzt  und  wie  ein  kleiner  Papagei  schreit. 
Ich   fand   ihn  hauptsächhch   an   düsteren   feuchten    Stellen 
im  Wald,  am  Itamaraty  und  beim  Alto  da  Serra  und  bin 
manchmal   erschrocken,   wenn  mir,   während  ich   in   einem 
alten  Baumstamm  einen  Lar^-enfraßgang  aufmerksam  ver- 
folgte,   plötzhch    sein    eigentümlicher    Schrei    aus    nächster 
Nähe  in  die  Ohren   drang.      Es  gelang  mir  diesmal,   seine 
Lebensweise    und    Ent\ncklung    festzustellen.       Unter    vor- 
springenden Steinkanten  oder  Lebermoosen  an  Felswänden, 
die    vom    Wasser    immerzu    überrieselt    werden,    wird    der 
Laich  in  großen  schwammigen   Klumpen  angeheftet.      Die 
Larven    gleichen   unseren    Kaulquappen    im   Umriß,    haben 
auch  einen  langen,  kräftigen   Schwanz,  aber  sie  sind  flach 
und  ihre  ganze  Unterseite  ist  in  eine  einzige  große  Haft- 
scheibe umgewandelt,  mit  der  sie  sich  an  den  senkrechten 
oder    mindestens    stark    geneigten    Felswänden    festhalten. 
Ihre  Grundfarbe  ist  rotbraun  wie  der  Granit  des  Küsten- 
gebirges  mit   dunkleren   Flecken  und   Strichen,   so   daß  sie 
von    der    Unterlage   kaum   zu   unterscheiden   sind.      Unter 
kräftigen    Bewegungen    des    Schwanzes    steigen    sie    gegen 
die   Strömung  an  den  Felsen  hinauf,  saugen  sich  fest,  so- 
bald   sie    ermüden    oder    Nahrung    gefunden    und    schießen 
bei    jeder    Störung    mit    der    Strömung    herab,    verstecken 
sich   unten  und  steigen   dann   allmählich   wieder  stromauf. 
Herr  WandoUek  hat  das  Tierchen,  das  sich  als  neu  erwies, 
in  den  Abhandlungen  des  Kgl.  Zoolog,  und  Anthrop.-Ethno- 
graph.    Museums   zu    Dresden    tom.    XL    1907   beschrieben 
und  Hylodes  petropolitamis  genannt. 

Am  19.  Januar  machte  ich  einen  Ausflug  nach  Thereso- 
pohs,  das  landeinwärts  von  dem  die  Bai  von  Rio  de.  Janeiro 
im    Norden    begrenzenden    Teil    des    Küstengebirges    liegt, 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


36 

der  wegen  seiner  eigentümlichen  schroffen  Zacken  den 
Namen  Orgelgebirge,  Serra  dos  Orgaes,  trägt.  Ich  fuhr 
am  Morgen  in  halbstündiger  Fahrt  mit  der  Leopoldina 
Railway  von  Petropolis  nach  der  Station  Itaipava,  wohin 
ich  mir  von  Theresopolis  briefl'ch  Reittier  und  Führer 
bestellt  hatte.  Von  da  führt  der  Weg  in  einem  weiten 
schönen  Tal,  in  welchem  die  gut  gehaltene  große  Fazenda 
des  Dr.  Fialho  liegt,  langsam  bergauf,  bis  man  nach  etwa 
zweistündigem  Ritt  an  e'ner  Vende  Halt  macht,  um  zu 
rasten  und  zu  frühstücken.  Von  hier  ab  wird  der  Weg  rasch 
enger  und  steiler,  bald  ist  er  nur  noch  eine  schmale  Pikade, 
ein  Ziegenpfad,  auf  dem  die  Tiere  mühsam  aufwärts  klettern. 
Unten  ist  das  Tal  fast  in  ganzer  Ausdehnung  mit  Vieh- 
weiden bedeckt,  unterbrochen  von  niedrigem  zerstreuten 
Buschwerk,  oben  auf  dem  Kamm  des  Gebirges,  der  in  der 
Regenzeit,  Oktober  bis  März,  fast  immer  in  Wolken  gehüllt 
ist,  herrscht  dagegen  üppiger  Wald,  durchzogen  und  über- 
wuchert von  verschiedenen  Arten  Bambus,  besonders  von 
einer  Art  mit  sehr  langen  Halmen  und  fein  gefiederten 
Blättern,  hier  bengala  (Spazierstock)  genannt.  War  es 
schon  schwer  gewesen,  auf  die  Höhe  h'nauf  zu  kommen, 
so  war  es  noch  schwerer  dort  weiter  und  gar  auf  der  anderen 
Seite  wieder  herunter  zu  kommen  Der  Weg  war  nach 
brasilianischer  Sitte  vor  langen  Jahren  einmal  gut  in  Stand 
gesetzt  und  seitdem  nie  in  Stand  gehalten  worden.  Nun 
war  er  so  ziemlich  an  der  Grenze  der  Passierbarkeit  ange- 
kommen und  selbst  meine  alte  Mula,  die  doch  schon  so 
manchen  bösen  Weg  gewandelt,  schüttelte  an  einigen  Stellen 
wo  auf  den  schiefen  Granitwänden  der  ganze  Weg  in  die 
Tiefe  gerutscht  war,  bedenklich  ihre  langen  Ohren,  als 
wüßte  sie  nicht,  wie  sie  da  hinunterkommen  sollte.  Ich 
wußte  es  auch  nicht  recht  und  glaubte  recht  vorsichtig 
zu  handeln,  als  ich  an  einer  besonders  kritischen  Stelle 
abstieg  und  in  der  Gangart  der  Freifrau  von  Droste-Vische- 

Stctt.  entomol.  Zeit.   lOO'.i. 


37 

ring,  d.  li.  auf  allen  Vieren  meinen  Weg  begann.  Aber  eine 
etwas  hastige  Ttilfahrt,  bei  der  ich  außer  einigen  Ouadrat- 
zentimetern  Epidermis  ein  Beinkleid  und  den  Regenschirm 
einbüßte,  überzeugten  mich  bald,  daß  ich  besser  daran 
tat,  mich  auf  der  Mula  Beinwerk  als  auf  das  eigene  zu  ver- 
lassen. Nachdem  wir  den  Kamm  der  Serra,  die  Region 
der  ständigen  Nässe,  hinter  uns  hatten,  wurde  der  Weg 
auch  besser,  wir  konnten  flott  zureiten  und  kamen  nach 
siebenstündigem  Ritt  nach  Theresopolis,  wo  icli  im  Hotel 
Le   Margouroux  abstieg. 

Theresopolis  besteht,  wie  alle  Dürfer  und  kleineren 
Städte  in  Brasilien,  aus  einer  einzigen  Straße,  an  der  zu 
beiden  Seiten  in  mehr  oder  minder  großem  Abstand  Häuser 
liegen.  Die  Serra,  che  ich  von  Petropolis  kommend  über- 
schritten hatte,  ein  Ausläufer  der  Serra  d'Estrella  resp. 
des  Pedrassu,  liegt  im  Westen,  während  die  Serra  dos  Orgaes, 
das  Orgelgebirge,  direkt  im  Süden  liegt.  Der  Ort  liegt  über 
2  Stunden  von  dem  Kamm  des  Orgelgebirges,  dem  Alto 
da  Serra  entfernt  und  hat  daher  auch  weniger  Nieder- 
schläge; da  er  auch  etwas  höher  als  Petropolis  liegt,  ist 
das  Klima  kühler  und  regelmäßiger.  Die  Abende,  Nächte 
und  Morgen  waren  prachtvoll  kühl,  die  Tage  heiß,  aber 
nicht  drückend;  da  der  Ort  lange  nicht  so  bewohnt  ist, 
als  Petropolis,  war  das  Sammeln  viel  bequemer  als  dort. 
Doch  merkte  ich  bald,  daß  die  Tierwelt  schon  weiter  vor- 
geschritten war  als  dorten.  Bambus  gab  es  in  Fülle,  überall 
waren  auch  die  charakteristischen  Fraßspuren  der  Genia- 
tiden,  die  Käfer  selber  aber  waren  bereits  verschwunden. 
Im  großen  und  ganzen  ist  die  Tierwelt  natürlich  dieselbe 
wie  bei  Petropolis,  aber  man  bemerkt  doch  bald  Unter- 
schiede. Einige  Arten,  wie  Pholidotus  HnmbohUi,  Lagochilc, 
Trioplus  cylindricus  sind  viel  häufiger  als  bei  Petropolis; 
von  Arten,  die  ich  bei  Petropolis  nie  gefunden  habe,  er- 
wähne ich  besonders  Chlorota  aiilica  und  chalconota.     Beide 

Stctt.  entoiuol.  Zeit.   1909. 


38 

fand  ich  in  ihren  Piippenwiegen  in  niedrigen  Stubben  und 
beide  fraßen  gern  Bananen.  Recht  lästig  ist  beim  Sammeln 
die  Menge  der  Mosquitos  (Culiciden),  die  in  dem  sonst  recht 
ergiebigen  Wald  an  den  Ufern  des  Rio  Paquequer  das  Sam- 
meln zur  Qual  machen.  Sie  verschwinden,  wenn  man  sich 
von  Theresopolis  nach  Norden  resp.  Nordosten  wendet; 
eine  schöne  breite  Landstraße  führt  hier  nach  Neu-Freiburg, 
bald  durch  große  Viehweiden,  die  von  echten  Ananashecken 
eingehegt  sind,  bald  durch  Maisfelder,  bald  durch  ein  kleines 
Wäldchen  von  Capoeira.  Aber  die  Tierwelt  ist  hier  so  arm, 
daß  man  gern  in  den  Bergwald  zurückkehrt,  trotz  aller 
Mosquiten  und  sonstigen  Plagen. 

Am  26.  Januar  verließ  ich  Theresopolis  und  nahm 
den  Rückweg  über  Rio  de  Janeiro.  Man  reitet  auf  schöner 
Landstraße  durch  den  Ort  an  den  beiden  großen  Hotels 
Higino  und  Bessa  vorbei,  die  ganz  isoliert  nahe  dem  Orgel- 
gebirge liegen,  bis  zur  Paßhöhe,  der  Boa  Vista.  Hier  hat 
man  eine  großartige  Aussicht.  Zur  Rechten,  dicht  am 
Wege  die  östlichste  und  bizarrste  Zacke  des  Orgelgebirges, 
der  Deito  de  Dens,  Finger  Gottes,  hier  ganz  trivial  garafao, 
großer  Buddel  genannt,  links  dicht  am  Wege  ein  mehrere 
hundert  Meter  tiefer  jäher  Abgrund,  dessen  Boden  mit 
dichtem  Wald  bekleidet  ist.  Vorn  im  Süden  liegt  das  Vor- 
land des  Orgelgebirges  und  die  Bai  mit  ihren  Schiffen, 
umsäumt  von  der  weitausgedehnten  Stadt,  hinter  der 
sich  die  ganze  Reihe  der  bekannten  Berge,  vom  Zuckerhut 
im  Osten  bis  zur  Tijuca  im  Westen  erhebt.  Über  den  Zucker- 
hut hinaus  bis  an  die  Grenzen  des  Horizontes  dehnt  sich 
der  Atlantische  Ozean;  dem  Zuckerhut  gegenüber  auf  der 
anderen  Seite  der  schmalen  Einfahrt  beginnt  mit  dem 
Fort  Santa  Cruz  der  Teil  des  Küstengebirges,  der  nach 
Osten  m  t  dem  Cap  Frio  endigt,  im  Norden  sich  in  eine 
große  Zahl  von  Ketten  teilt,  zwischen  denen  Neu-Freiburg 
und    Cantagallo   liegen.       Die    Luft    war   prachtvoll,    frisch 

Stett.  cutoiuol.  Zeit.   1909. 


39 

und  klar,  jede  Einzelheit  in  dem  großen  Rundbild  zum 
Greifen  deutlich,  aber  lange  durfte  ich  nicht  verweilen. 
Wir  mußten  bergab,  auf  der  alten  Serrastraße,  die  in  ihrem 
oberen  Teil  gepflastert,  aber  in  derartig  schlechtem  Zu- 
stand ist,  daß  das  Reiten  zur  Qual  wird.  Man  denkt  auch 
gar  nicht  an  ein  Ausbessern  des  Weges,  seit  man  einer  Ge- 
sellschaft die  Konzession  zum  Bau  einer  Eisenbahn  gegeben. 
Die  Bahnstrecke  von  der  Bai  durch  das  flache,  ziemlich 
gut  bebaute  und  bewohnte  Land  bis  an  den  Fuß  des  Ge- 
birges ist  zwar  fertig,  der  Aufstieg  nach  Theresopolis  aber 
bleibt  liegen,  solange  der  Verkehr  dorthin  so  gering  ist. 
Nach  dreistündigem  Ritt  kamen  wir  zur  Station  Barreira, 
von  wo  die  Bahn  über  Mage  nach  Piedade  fülirt.  Hier 
vertauschte  ich  das  heiße  staubige  Coupe  mit  einem  hübschen 
kleinen  Dampfer,  der  mich  n  etwa  einstündiger  Fahrt 
über  die  Bai  an  der  schonen  Insel  Paquetä  vorbei  nach 
Rio  brachte. 

Ein  Ausflug  ins  Kampgebiet  von  Minas  geraes  hatte 
nnch  im  Dezember  1898  auf  einige  Tage  nach  Ouropreto 
gebracht.  Ich  sah  dort  in  der  Sammlung  der  Herren  Drs. 
^I.  Gomes  einige  Käfer,  die  mich  ungemein  interessierten, 
anderseits  fiel  mir  auf  meinen  Excursionen  auf,  daß  Arten, 
die  bei  Petropolis  schon  als  fertige  Käfer  im  Freien  er- 
schienen, hier  eben  erst  die  letzte  Larvenhäutung  hinter 
sich  hatten.  Um  etwas  mehr  von  der  Fauna  Ouropretos 
nd    ihrer    Pliänologie    kennen    zu    lernen,    unternahm    ich 


u 


'b 


Anfang  Februar  enen  x^usflug  dorthin.  Am  8.  II.  fuhr 
ich  mit  der  englischen  Leopoldina  Railway  von  Petropolis 
nach  Entre  Rios.  Die  Bahn  folgt  erst  dem  Lauf  des  Rio 
Piabanha,  bis  sie  hinter  Itaipava  in  das  Tal  des  Rio  Pa- 
quequer  eintritt.  Hier  ist  die  Szenerie  zumal  bei  der  Station 
Arreal  ungemein  malerisch.  Hohe  Berge,  hie  und  da  mit 
dichtem  Wakl  bekleidet,  dazwischen  mit  kahlen,  bizarr 
geformten    Granitkuppen,     umschließen    das    Tal.     in   dem 

Stctt.  eutomol.  Zeit.  1909. 


40 

der  vielfach  gewundene  Fluß  dahinfließt,  bald  eine  einzige 
Sehaummasse  in  dem  von  Klippen  erfüllten  Bett,  bald 
wie  ein  stiller  Waldsee,  umsäumt  von  hohem  Bambus, 
scheinbar  bewegungslos  daliegend.  Das  Tal  ist  gut  an- 
gebaut und  zahlreiche  kleine  Kolonistenhäuschen  oder 
Negerhütten,  umgeben  von  chmklen  Orangenbäumen  und 
hellen  Bananenbüschen  beleben  die  Szenerie.  Entre  Rios 
liegt  am  Ufer  des  Rio  Parahyba  in  einem  weiten,  von  nie- 
drigen Höhen  eingefaßten  Tal,  in  dem  ausgedehnte  Zucker- 
rohr- und  Kaffee-Plantagen  die  ursprüngliche  Vegetation 
nahezu  vollständig  verdrängt  haben.  Es  ist  berüchtigt 
wegen  seiner  Hitze  und  wegen  des  hier  ständig  herrschenden 
gelben  Fiebers;  auch  mir  wurde  die  Hitze  beim  Sanmieln 
so  lästig,  daß  ich  dreimal  im  Fluß  baden  mußte.  Am  Ufer 
stand  ein  niedriger  Busch  mit  dichter  gelber  Blütentraube, 
auf  dem  in  Anzahl  Macraspis  morio  saß;  als  ich  mich  dem 
Busch  vorsichtig  näherte,  fing  einer  der  Käfer,  als  mein 
Schatten  über  ihn  fiel,  laut  an  zu  zirpen  und  im  Augen- 
blick ließen  sich  die  Käfer  fallen  oder  flogen  mit  laut  surren- 
dem Flug  davon.  Auf  einem  niedrigen  Ingabusch,  der  eben- 
falls am  Ufer  häufig  war,  fand  ich  Rutcia  lineola  var.  cphip- 
pi'um,  die  einige  Büsche  fast  kahl  gefressen  hatte.  Sonst 
war  die  Ausbeute  mäßig,  wahrscheinlich  deswegen,  weil 
das  Gras  auf  den  Weiden,  die  man  auf  dem  vom  Zucker- 
rohrbau erschöpften  Boden  anlegt,  in  der  Trockenzeit 
abgebrannt  wird.  Gegen  Mitternacht  kam  der  Zug  von 
Rio,  mit  dem  ich  nach  Minas  weiterfuhr;  ich  nahm  einen 
Platz  in  der  zweiten  Klasse,  die  unserer  vierten  entspricht 
und  konnte  in  dem  von  Kolonisten,  Soldaten  mit  ihren 
Frauen  und  Hausierern  (Armeniern  und  Syrern)  über- 
füllten Wagen  Betrachtungen  darüber  anstellen,  in  welchen 
Stellungen  der  Mensch  zu  schlafen  vermag.  Als  wir  gegen 
Morgen  auf  das  Hochland  kamen  und  es  anfing,  empfindlich 
frisch  zu   werden,   schienen   die   meisten   nur   am    Kopf  zu 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


41 

frieren,  den  sie  in  wahrhaft  grotesker  Weise  einwiekellen. 
In  Onropreto  stieg  ich  wieder  im  Hotel  MartinelH  al);  der 
deutsche  Konsul  und  Professor  an  der  pharmazeutischen 
Schule,  Herr  Schwacke,  war  leider  im  Dezember  gestorben, 
die  Herren  Magalhaes  Gomes  verzogen  und  der  Nachfolger 
Schwackes,  Herr  Professor  Leonidas  Damazio  interessierte 
sich  wenig  für  Zcwlogie,  so  daß  ich  auf  mich  allein  angewiesen 
war.  Ich  machte  verschiedene  Exkursionen,  zuerst  nach 
dem  der  vStadt  gegenüberliegenden  Morro  do  Cruzeiro, 
und  hatte  auch  eine  ziemlich  gute  Ausbeute,  aber  ich  konnte 
doch  merken,  daß  ich  für  viele  Sachen,  speziell  für  die 
Coleoptera  lamcllicornia,  zu  früh  gekommen  war.  Wie  mir 
Professor  Damazio  sagte,  der  sich  viel  mit  Botanik  be- 
schäftigt, ist  die  Hauptblütezeit  für  viele  Pflanzen,  zumal 
für  die  vom  Norden  (Amazonas)  stammenden,  der  April 
und  Mai  und  in  dieser  Zeit  erscheinen  auch  einige  Lamel- 
licornier  aus  der  Amazonasfauna.  Die  Fauna  von  üuro- 
preto  ist  eine  Mischfanna,  die  sich  zusammensetzt  aus 
Teilen  der  Küstengebirgsfauna,  der  Kampfauna  und  ein- 
zelnen Zuwanderern  vom  Amazonas;  außerdem  hat  der 
vom  Küstengebirge  und  dem  Kampgebiet  geologisch  ganz 
verschiedene  Itacolumi  eine  Anzahl  ihm  eigener  Formen, 
die  so  die  Fauna  Ouropretos  noch  mannigfaltiger  machen. 
Unter  meinen  Funden  möchte  ich  erwähnen  die  Larve 
eines  Dynastiden,  Ligynis  n.  sp.  ?,  die  unter  Steinen  lebt 
und  Erde  frißt;  ich  fand  sie  in  Anzahl  und  hielt  sie  eine 
Zeit  lang  im  Zuchtkasten;  einige  Stücke  fand  ich  in  alten, 
durch  den  Regen  ausgewaschenen  Kuhfladen,  in  denen 
sie  sich  richtige  Höhlen  gefressen  hatten.  Die  Larve  hat 
die  letzten  Bauchringe  wenig  verdickt  und  läuft  gerade- 
gestreckt ziemlich  rasch  auf  dem  Bauch,  wie  eine  Bolax- 
larve;  nach  jeder  Häutung  ist  der  Kopf  braun  und  wird  erst 
später  schwarz.  Zusammen  mit  diesen  Larven  lebt  eine 
Blattide,    die    auch    die  Nahrung   mit  ihnen    teilt    und   sich 

Stett.  entomol.  Zeit.   190'J. 


42 

unter  alten  Misthaufen  Stollen  gräbt,  wie  ein  Geotrupes, 
in  denen  sie  ihre  Nahrung  verzehrt.  Unter  einem  Stein 
fand  ich  auch  eine  Cicadenlarve,  die  sich  wie  eine  Maul- 
wurfsgrille rasch  in  den  Boden  eingrub. 

Am  Itacolumi  war  in  den  mittleren  und  höheren  Lagen 
die  Vegetation  in  voller  Blüte ;  große  Melastomabüsche 
mit  Blüten  wie  Oleander,  kleinere  wie  Heidekraut  blühend 
und  besonders  auffallend  ein  kleines  Blümchen  mit  roten 
und  gelben  Blättern,  marilinha  genannt;  einige  Hänge 
glichen  in  ihrer  Blumenpracht  tiroler  Alpen  wiesen.  Die 
Falten  im  Berge  nahe  der  Spitze  sind  dicht  bewaldet  und 
hier  fand  ich  in  abgestorbenen  Stämmen  Passaliden,  Larven 
und  Puppen  von  Macraspis  clavata,  Acaiithoccriis  und 
Parandva.  Nahe  der  Spitze  wird  die  Vegetation  spärlicher 
und  zwischen  dem  harten  Gras  erheben  sich  außer  den 
charakteristischen  Vellosien  und  Barbacenien  viele  niedrige 
Erdorchideen  und  Bromelien,  unter  denen  eine  mit  stahl- 
harten, langen,  scharfgezähnten  Blättern  in  Blüte  stand. 
Der  Blütenstand,  i — 1%  Meter  hoch,  trug  viele  kleine 
wohlriechende  Blüten,  auf  denen  ich  in  Anzahl  einen  hüb- 
schen Macrodactylus  fing;  auch  einige  .große  behaarte 
Buprestiden  besuchten  diese  Blüte. 

Ein  guter  Sammelplatz,  den  ich  mehrmals  besuchte, 
ist  auch  der  Morro  S.  Sebastiao;  er  ist  zwar  nicht  so  hoch 
wie  der  Itacolumi,  aber  da  er  dieselbe  geologische  Struktur 
hat,  trägt  er  auch  dieselbe  Pflanzen-  und  Tierwelt.  Leider 
wurden  meine  Exkursionen  durch  den  Regen  derartig 
beeinträchtigt,  daß  ich  Ouropreto  bald  wieder  verlassen 
mußte.  Am  15.  H.  kam  ich  um  4  Uhr  früh  nach  der  Station 
Barra  do  Pirahy,  wo  ich  den  Zug  verließ,  um  nach  Sao 
Paulo  weiter  zu  fahren.  Die  großen  elektrischen  Bogen- 
lampen auf  dem  Bahnhof  waren  umschwärmt  von  Insekten, 
außer  Nachtschmetterlingen  und  Wasserwanzen  von  einigen 
Dynastiden,    Cociosis,    Ligyrus,    Cycloccphala    und    —    was 

Stett.  entomol.  Zeit.   l'JO'J. 


mich  überraschte  —  Anomala  unditlata.  Als  es  anfing  zu 
grauen,  kamen  kleine  Vögel,  ähnlich  unseren  Meisen,  suchten 
sorgfältig  die  Umgebung  der  Bogenlampen  ab  und  pickten 
alle  Insekten  weg,  die  mir  entgangen  waren. 

In  S.  Paulo  hielt  ich  mich  mehrere  Tage  auf,  die  ich 
mit  Ausnahme  einer  Exkursion  nach  der  Station  Rio  grande 
der  S.  Paulo-Santos-Bahn,  im  Naturhistorischen  Museum 
und  in  der  Familie  des  Direktors  v.  Ihering  verbrachte. 
Das  Museum  hat  seit  meinem  letzten  Besuch  ganz  beträch- 
liche  Fortschritte  gemacht;  die  Insektensammlungen,  die 
mich  speziell  interessierten  und  die  ich  deshalb  genauer 
ansah,  sind  in  einer  großen  x\nzahl  ganz  moderner  gut- 
schließender Insektenschränke  (aus  der  Fabrik  von  Ihle)  unter- 
gebracht, geordnet  und  nach  Möglichkeit  von  Spezialisten 
bestimmt;  auch  werden  fortwährend  die  alten,  schlecht 
erhaltenen  Exemplare  durch  frische  Stücke  mit  genauen 
Fundorten  und  Angaben  über  die  Fangzeit  ersetzt.  In  diesen 
neuen  Kästen  halten  sich  die  gespießten  Insekten  vorzüglich 
und  leiden  weder  vom  Schimmel  noch  von  Raubinsekten. 
Neben  der  systematischen  Sammlung  war  eine  biologische 
Sammlung  in  Angriff  genommen  worden,  in  der  besonders 
die  Bauten  von  Hymenopteren,  mit  denen  sich  Herr  Rudolf 
V.  Ihering,  der  Sohn  des  Direktors  und  sein  fleißiger  Assistent, 
speziell  beschäftigt,  reich  vertreten  waren.  Sehr  gut  aus- 
gestattet ist  auch  die  Bibliothek;  sie  entliält  außer  der 
faunistischen  Literatur  über  Südamerika,  die  soweit  möglicli 
vollständig    ist,    alle    wichtigen    zoologischen    Zeitschriften. 

Besonders  genußreich  waren  die  Stunden,  die  ich  in 
der  Familie  des  Direktors  verbrachte,  die  Unterhaltungen 
über  ciie  mich  ganz  besonders  interessierenden  Fragen 
nach  den  Grenzen  von  Kampregion  luid  Küstengebirgs- 
region  und  damit  in  engem  Zusammenhang  nach  der  Ge- 
staltung Südamerikas  in  früheren  Perioden  der  Erdgeschichte. 
Die    Belehrungen,     die   ich   hier   wie   auch   in    einer   Unter- 

Stolt.  cntoinol.  Zeit.   lÖÜi). 


44 

haltimg  mit  dem  bekamilcii  Geologen  Mr.  Orville  Derby, 
den  ich  in  einer  Sitzung  der  Geographischen  Gesellschaft 
kennen  lernte,  empfing,  waren  mir  bei  meinen  späteren 
Reisen    in    Südamerika    von   großem    Wert. 

Am  22  II.  kam  ich  wieder  nach  Petropolis  zurück. 
Leider  war  die  Witterung  auch  hier  wie  in  Minas  und  S. 
Paulo,  wo  es  viellach  zu  Überschwemmungen  und  \'erkehrs- 
störungen  gekommen  war,  andauernd  regnerisch  und  külil. 
Ich  machte  noch  einige  Exkursionen ;  da  diese  aber  nur 
wenig  Ausbeute  lieferten  und  ich  mich  mit  der  Zucht 
von  Eiern  und  jungen  Larven  unbestimmter  Herkunft, 
die  ich  jetzt  überall  häufig  fand,  nicht  mehr  befassen 
wollte,  so  entschloß  ich  mich  zur  Abreise.  Recht  schwer 
wurde  mir  der  Abschied  von  der  Familie  Papt  in  der 
ich  7  !\Ionate  wie  ein  Glied  der  Familie  gelebt  und  von 
meinem  gemütlichen  Gartenhaus,  in  dem  ich  so  manche 
frohe  Stunde  beim  Beobachten  und  Studieren  meiner  Lieb- 
linge genossen.  Am  20.  II I.  fuhr  ich  nach  Rio,  schickte 
meine  Sammlungen  nach  Hamburg  und  Dresden  und  fulu' 
am  folgenden  Tag  mit  dem  Dampfer  Krefeld  des  Bremer 
Lloyd  nach  S.  Franzisco  im  Staate  Santa  Catharina. 

S.  Franzisco  auf  der  Insel  gleichen  Namens  gegen- 
über der  Mündung  des  Flusses,  an  dem  weiter  aufwärts 
Joinville  liegt,  hat  einen  der  besten  Häfen  an  der  Ostküste 
Südamerikas.  Der  Dampfer  konnte,  als  wir  am  23.  III. 
früh  ankamen,  direkt  an  der  Landungsbrücke  anlegen; 
das  Städtchen  selber  ist  klein  und  schmutzig.  Nach  kurzem 
Aufenthalt  fuhr  ich  mit  dem  kleinen  Flußdampfer  Babitonga 
nach  Joinville  weiter;  die  Fahrt  auf  dem  ziemlich  gewundenen 
schmalen  Fluß  ist  für  den  Naturforscher  recht  interessant; 
überall  sitzen  auf  den  Ästen  im  Fluß  gestrandeter  Bäume 
weiße  Reiher  und  schwarzbraune  Taucher,  hinter  der 
jMangrove  am  Ufer  erhebt  sich  dichter  Sumpfwald  und 
bunte  Vögel  und  Schmetterhnge  kreuzen  häufig  den  Fluß. 

Stctt.  eutomol.  Zeit.  1909. 


45 

Joinville  macht  den  Eindruck  eines  mitteldeutschen  Land- 
städtchens; sauber  gehaltene  Straßen,  hübsche,  buntge- 
strichene Häuser  mit  Gardinen  und  Blumen  an  den  Fenstern, 
Blumengärten  vor  dem  Hause,  Pferde  statt  der  Maultiere 
vor  den  Wagen,  die  Kinder  meist  blauäugig  und  hellblond, 
die  mit  Schulranzen  und  Schiefertafel  zur  Schule  gehen, 
am  Abend  spazieren  Burschen  und  Mädchen  singend  auf 
der  Landstraße,  die  Männer  pilgern  zum  Biere  — •  kurz 
man  glaubt  sich  mit  einem  Schlage  in  die  Heimat  versetzt. 
Ich  nahm  Wohnung  in  dem  in  ganz  Südbrasilien  aufs  beste 
bekannten  Hotel  Beckmann,  wo  sich  des  Abends  die  Hono- 
ratioren von  Joinville  versammeln.  Am  nächsten  Tag 
besuchte  mich  Herr  Paul  Schmalz,  den  Coleopterologen 
wohl  bekannt  als  fleißiger  und  uneigennütziger  Sammler 
der  Käferfauna  von  Joinville,  und  lud  mich  ein,  für  einige 
Tage  sein  Gast  zu  sein.  Er  ist  Leiter  der  dem  Prinzen  von 
Joinville  gehörenden  Zuckerfabrik  Pirabeiraba,  etwa  2 
Stunden  von  Joinville  entfernt,  und  hat  mit  seinen  Söhnen 
und  Schwiegersöhnen,  die  sich  alle  für  die  Tierwelt  ihrer 
Heimat  interessieren,  im  Lauf  der  Jahre  eine  nahezu  voll- 
ständige und  gut  gehaltene  Sammlung  der  Fauna  von 
Joinville  zusammengebracht.  Wie  er  mir  erzählte,  hat 
die  Anzahl  der  Insekten  um  Joinville  in  den  letzten  Jahren 
ganz  bedeutend  abgenommen.  Das  flache  Land  dient 
vielfach  zur  Viehzucht  der  Wald  ist  verschwunden  und 
die  insektenfressenden  Vögel,  die  in  den  die  Felder  be- 
grenzenden Hecken  gute  Nistgelegenheit  haben,  werden 
von  den  Kolonisten  in  jeder  Weise  geschont.  In  ganzen 
Scharen  sieht  man  hier  die  schwarzen  und  braungrauen 
Anu,  Crotophaga  ani  L.,  von  den  Kolonisten  allgemein 
,  Lauseonkel"  genannt,  die  dem  weidenden  Vieh  die  Zecken 
ablesen  und  auch  sonst  beständig  auf  der  Insektenjagd  sind. 
Zur  Zuckerfabrik  gehört  eine  Schnapsbrennerei;  das 
nötige  Heizmaterial  liefert  ein  benachbarter  Wald,  in  dem 

Stett.  entomol.  Zeit.   1Ö09. 


46 

gerade  Holz  geschlagen  wurde.  Dieser  Wald,  20 — 25  Meter 
über  dem  Meer  gelegen,  ist  ungemein  reich  an  Palmen  und 
alten  Urwaldbäumen;  nirgends  bei  Rio  oder  Petropolis 
hatte  ich  je  eine  solche  Fülle  von  Luftwurzeln  und  Schma- 
rotzerpflanzen gesehen.  Die  im  Wald  herumliegenden  ab- 
gestorbenen Bäume  saßen  voller  Larven;  Passaliden,  Paran- 
dra,  Ataenius,  Cloeotus,  flache  schwarze  Histeriden  und 
Staphyliniden  waren  häufig  unter  der  Rinde;  Macraspis- 
und  Pelidnota-Larven  im  Holz  und  in  stark  vermulmten 
Stämmen,  zumal  solchen  von  rotem  Holz  fanden  sich  häufig 
die  Larven  von  Strategus  und  Phileurus.  Recht  häufig, 
entschieden  häufiger  als  bei  Petropolis,  waren  die  Tenebrio- 
niden,  zumal  die  großen  Nyctobates  und  Tauroceras,  die 
Scolytiden  und  im  Holz  lebende  Rüßler. 

Dank  der  unermüdlichen  Hilfe  des  Herrn  Schmaltz 
und  seiner  Söhne,  die  mich  auf  meinen  Exkursionen  be- 
gleiteten und  mir  überall  die  besten  Sammelstellen  zeigten, 
konnte  ich  in  kurzer  Zeit  eine  gute  Ausbeute  zusammenbringen. 
Gern  wäre  ich  hier  länger  geblieben,  aber  es  galt  Abschied 
nehmen,  wenn  ich  noch  vor  Beginn  des  südlichen  Winters 
über  die  Kordillere  wollte.  Am  4.  April  kam  der  Dampfer 
Desterro  des  Lloyd  Brazileiro,  mit  dem  ich  bis  Montevideo 
weiterfahren  konnte.  Ich  teilte  die  Kammer  mit  einem 
brasilianischen  Offizier,  der  3  Jahre  lang  Kommandant 
des  Fort  Teffe  oder  Ega  am  oberen  Amazonas,  bekannt 
durch  die  Reisen  von  H.  W.  Bates,  gewesen  und  nun  zur 
Kräftigung  seiner  Gesundheit  —  er  litt  schwer  an  Malaria  — 
nach  Rio  grande  do  Sul  versetzt  war.  Am  folgenden  Tag 
liefen  wir  Itajahy,  den  Hafen  von  Blumenau,  an,  gingen 
aber  schon  nach  wenig  Stunden  weiter;  die  Einfahrt  ist 
sehr  schmal  und  für  größere  Dampfer  nicht  ungefährlich. 
Nachmittags  um  2  Uhr  kamen  wir  nach  Desterro,  verließen 
aber  aucli  hier  nach  1%  Stunden  wieder  den  Hafen.  Ver- 
lockend    winkten     weiterhin     die     dichtbewaldeten     steilen 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


47 

Berge  von  Theresopolis  herüber,  denen  ich  gern  einen  Be- 
such abgestattet  hätte,  beherbergen  sie  doch  eine  Fülle 
interessanter  endemischer  Formen.  Am  6.  IV.  waren  wir 
den  ganzen  Tag  in  See,  ohne  die  Küste  außer  Sicht  zu  lassen ; 
am  7.  IV.  passierten  wir  morgens  bei  schlechtem  Wetter 
glücklich  die  Barre  von  Rio  Grande  und  gingen  bald  bei 
der  Stadt  vor  Anker.  Den  Nachmittag  benutzte  ich  zu 
einem  Ausflug  in  die  Umgebung  der  Stadt;  die  Umgebung 
der  Lagoa  dos  Patos  ist  eine  richtige  Dünenlandschaft, 
wie  an  der  Nordsee,  die  Vegetation  aber  noch  ärmer,  der 
Sand  feiner  und  loser,  die  Dünen  niedriger.  Die  Ausbeute 
war  leider  recht  gering;  trotz  mehrstündigen  Sammeins 
fand  ich  nur  einige  Halticinen,  eine  hübsche  Cicindele, 
unter  Kuhmist  einige  Histeriden,  aber  keine  Lamellicornier ; 
unglückhcher  Weise  wurde  mir  an  Bord  von  Schiffsameisen 
die  ganze  Ausbeute,  die  ich  zum  Trocknen  über  Nacht 
liegen  ließ,  aufgefressen.  Am  8.  IV.  früh  6  Uhr  verließen 
wir  Rio  grande  wieder  und  kamen  um  Mittag  nach  Monte- 
video; da  der  Hafenarzt  gerade  beim  Frühstück  war,  mußten 
wir  11/2  Stunde  warten,  bis  wir  an  Land  gehen  durften. 
Die  Verbindung  mit  Buenos-Aires  besorgen  Rad- 
dampfer, die  mit  dem  größten  Luxus  ausgestattet  sind; 
sie  gehören  einem  Dalmatiner,  Mihanovich,  der  als  Boot- 
führer seine  Laufbahn  begann  und  nun  etwa  20  dieser 
Dampfer  besitzt;  für  die  Passage,  in  die  ein  sehr  reich- 
liches Diner  mit  Tischwein  und  Schlafkabine  einbegriffen 
sind,  zahlt  man  15  Pesos  (Mark  20).  Gegen  6  Uhr  früh 
kam  der  Dampfer  nach  Buenos-Aires,  legte  direkt  am  Quai 
an  und  das  Gepäck  wurde  sofort  nach  der  gegenüberliegenden 
Zollstation  gebracht.  Die  Revision  war  sehr  einfach;  ich 
überreichte  dem  Beamten  meine  Karte  und  stellte  mich 
als  Naturalista  viajante  vor,  worauf  ich  mein  großes  Gepäck 
gar  nicht  zu  öffnen  brauchte.  Einen  großartigen  Aufschwung 
hat  die  Stadt  seit  der  letzten  Revolution  1889  genommen; 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


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der  ganze  Stadtteil  um  den  Hafen  herum  ist  dem  La  Plata 
abgewonnen,  bis  nach  Palermo  hinauf  hat  man  das  Ufer 
um  etwa  einen  Kilometer  hinausgeschoben,  an  Stelle  der 
seichten  Rheede  ist  ein  großer  moderner  Hafen  mit  Quai- 
anlagen getreten.  Die  alte  Plaza  Victoria,  deren  einziger 
Schmuck  eine  Doppelreihe  von  Königspalmen  gewesen, 
war  nicht  wiederzuerkennen  in  ihrer  Einfassung  von  mo- 
dernen Prachtbauten;  noch  auffälliger  präsentieren  sich 
diese  in  der  neugeschaffenen  Avenida  25  de  Mayo,  wo  zumal 
der  Palast  der  Prensa,  der  meistgelesenen  Zeitung  Argen- 
tiniens, Staunen  und  Bewunderung  erregt.  Äußerlich 
spurlos  waren  die  Jahre  am  naturhistorischen  Museum 
vorübergegangen;  es  war  noch  derselbe  im  spanischen 
Jesuitenstil  gehaltene,  feuchte  und  lichtarme  Steinkasten. 
Aber  innen  war  es  anders  geworden.  Als  ich  1888  Professor 
Hermann  Burmeister  besuchte,  schnauzte  er  mich  zuerst 
an,  wie  einen  lästigen  Geschäftsreisenden;  nachdem  ich 
aber  das  Gespräch  auf  die  Lamellicornier  gebracht  und 
ihm  meine  frische  brasilianische  Ausbeute  gezeigt,  da  ver- 
breitete er  sich  mit  wahrer  Begeisterung  über  seine  Lieb- 
linge, gab  eine  Menge  von  tiergeographischen  und  biolo- 
gischen, leider  nie  publizierten  Beobachtungen  zum  Besten 
und  wußte  bei  besonders  interessanten  Stücken  der  Samm- 
lung hübsche  Anekdoten  über  ihren  Fund  oder  Erwerb 
zu  erzählen.  Von  Professor  Ameghino  wurde  ich  sehr  höflich 
empfangen,  aber  nachdem  ich  mich  als  Entomologen  vor- 
gestellt, schleunigst  an  seinen  entomologischen  Assistenten, 
Herrn  Brethes  (Judulien),  weitergegeben,  der  sich  haupt- 
sächlich mit  Hymenopteren  befaßt.  Von  der  Sammlung 
sah  ich  mir  nur  die  Lamellicornier  an,  unter  denen  mich 
einige  neue  Geniatiden  außerordentlich  interessierten.  Herr 
Brethes  hat  eine  Arbeit  über  die  Biologie  der  argentinischen 
Mistkäfer  geschrieben ;  meine  Hoffnung,  hier  die  Belegstücke 
dazu",  die  Larven  und  Brutpillen,  zu  sehen,  ging  leider  nicht 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


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in  Erfüllung.    Er  hatte  sie  aus  Mangel  an  Raum  nicht  auf- 
bewahrt. 

Einige  genußreiche  Tage  verlebte  ich  mit  meinem 
Freunde  Carlos  Bruch,  dem  Zoologen  des  La  Plata-Museums, 
mit  dem  ich  schon  seit  Jahren  in  Korrespondenz  stand, 
den  ich  aber  jetzt  erst  persönlich  kennen  lernte.  A'on  der 
Coleopterensammlung  des  Museums  ist  nicht  viel  zu  sagen ; 
sie  soll  sich  programmmäßig  auf  eine  Schausammlung 
beschränken,  um  die  wissenschaftliche  Sammlung  in  Buenos- 
Aires  nicht  zu  beeinträchtigen  und  um  alle  Mittel  auf  die 
paläontologischen  und  ethnographischen  Sammlungen  kon- 
zentrieren zu  können.  Um  so  großartiger  ist  dagegen  die 
Privatsammlung  Herrn  Bruchs,  der  als  langjähriges  Mit- 
glied der  Kommission  zur  Feststellung  der  Grenze  zwischen 
Chile  und  Argentinien  und  der  Kommission  zur  Erforschung 
der  alten  Indianerreste  im  Norden  Argentiniens  Gelegenheit 
zum  Sammeln  in  wenig  betretenen  Gegenden  hatte.  Die 
Sammlung  ist  geradezu  vorbildlich,  alle  Stücke  sauber 
präpariert  mit  genauesten  Angaben  über  Fundort  und 
Sammelzeit,  daneben  ein  Zettelkatalog  mit  biologischen 
Notizen  über  jede  Art,  ein  ausführlicher  Literaturkatalog 
und  eine  nach  Möglichkeit  vollständige  Bibliothek  über 
die  Käferfauna  Argentiniens.  Recht  angenehm  war  das 
Leben  im  Museum;  der  Direktor  Moreno  und  sein  Sekretär 
Catani,  ein  Italiener,  sprechen  geläufig  Deutsch,  Professor 
Hauthal  (Mineraloge)  und  Dr.  Lehmann-Nitzsche  (Anthro- 
pologe) sind  Deutsche;  am  Nachmittag  nahmen  die  Herren, 
die  sich  am  Tage  wenig  sehen,  gemeinsam  den  Thee  im  Kon- 
versationszimmer, bei  welcher  Gelegenheit  allgemeine  Fragen 
besprochen  wurden.  Am  Abend  sammelte  ich  mit  C.  Bruch 
auf  dem  freien  Platz  vor  dem  Polizeipräsidium;  unter  den 
elektrischen  Bogenlampen  lagen  in  großen  Mengen  Ligyrus 
humilis  und  Dyscinetus  rugifrons,  vereinzelt  kamen  Ga- 
lerita,  Calosoma  und  Helophorus. 

Stott.  eutomol.   Zeit.   1909.  4 


50 

Am  13.  IV.  machten  wir  eine  interessante  Exkursion 
nach  dem  Rio  Santiago.  Wir  fuhren  nach  dem  Hafen, 
setzten  im  Boot  über  den  Fluß  und  gingen  an  seinem  Ufer 
entlang  bis  zur  Mündung  in  den  La  Plata.  In  einer  Figueira 
brava,  hier  Ceibo  genannt,  Erythrina  crista  galli  (Euphor- 
biacee)  fanden  wir  die  Larven  von  Macraspis  dichroa  var. 
crihrata  und  von  Mallodon  spiniharhe;  auffallender  Weise 
fanden  wir  später  dieselben  Larven  auch  in  abgestorbenen 
Stämmen  der  europäischen  Weide.  Die  Stämme,  von  einer 
hohen  Flut  entwurzelt  und  dann  abgestorben,  lagen  in 
großer  Zahl  am  Ufer  herum,  beherbergten  aber  nur  wenig 
Käferlarven.  Unter  Kuhmist  fanden  wir  ein  Pärchen  des 
Phanaeus  splendidulus  bei  der  Anlage  des  Nestes;  die  Tiere 
hatten  sich  in  dem  feinen  Sand  wohl  70  cm  tief  eingegraben. 
Auch  Onthophagus  hirculus  war  häufig  da  und  mehrere 
Canthon.  Besonders  interessant  war  mir  der  Fang  der 
großen  Brachynus  und  Galerita.  Etwas  höher  am  Ufer 
standen  die  Bäume  dichter  und  unter  ihnen  ein  dicker 
Stamm  mit  loser  Rinde ;  hierunter  saßen  die  Käfer  in  Menge 
zusammen  mit  Spinnen,  Tausendfüßen  und  Asseln.  Wenn 
man  die  Rinde  nur  anfaßte,  ging  das  Bombardieren  schon 
los;  man  sah  deutlich  von  jedem  Käfer  ein  blaues  Wölkchen 
aufsteigen  und  die  Finger  wurden  stark  gebräunt  von  dem 
beizenden,  salpetrige   Säure  enthaltenden   Sekret. 

Auch  die  Käfersammlung  des  Herrn  Richter  sah  ich 
mir  an;  sie  ist  zwar  nicht  so  groß  als  die  des  Herrn  Bruch, 
enthält  aber  aus  dem  Norden  des  Landes  viele  interessante 
und  zum  Teil  noch  unbeschriebene  Formen.  In  dem  zoolo- 
gischen Garten,  der  sich  unseren  deutschen  ebenbürtig 
an  die  Seite  stellen  kann,  interessierten  mich  besonders 
die  große  Flughalle  für  die  Condore  und  die  brütenden 
argentinischen  Strauße.  Am  17.  IV.  verließ  ich  Buenos- 
Aires  um  7  Uhr  früh  und  traf  am  folgenden  Abend  um 
II   Uhr  in  Valparaiso  ein;   die  Fahrt  durch  die  Pampa  ist 

stell,  entomol.  Zeit.   1909. 


51 

recht  einförmig;  bald  sieht  man  Weiden  mit  gewaltigen 
Rinderherden  bald  ausgedehnte  Maisfelder,  wenig  Ge- 
bäude, aber  viele  gebleichte  Skelette  gefallener  Rinder. 
Der  Wagen  war  selir  bequem,  das  Essen,  zu  dem  es  Land- 
wein aus  Mendoza  gab,  vorzüglich;  bei  Tisch  lernte  ich 
den  Direktor  der  Weinbauschule  in  San  Juan  kennen, 
der  einige  Jahre  in  der  Schweiz  und  Italien  den  Weinbau 
studiert  und  sich  speziell  für  Coleopterologie  interessierte. 
Die  Nacht  verlief  im  Schlafwagen  recht  angenehm.  Um 
5  Uhr  früh  kamen  wir  nach  Mendoza,  wo  wir  in  eine  schmal- 
spurige Bahn  umstiegen  und  der  Zug  ins  Gebirge  eintrat. 
Geradezu  überwältigend  war  der  Anblick,  als  die  Sonne 
aufging,  die  Spitzen  der  Berge,  zumal  die  Schneekuppen 
im  leuchtendsten  Rot  erglühten  und  dann  die  Helle  all- 
mählig  das  düstere  Blau  der  tieferen  Lagen  verdrängte. 
Immer  großartiger  wird  die  Szenerie,  je  weiter  wir  in  die 
Cordillere  eindringen,  immer  gewaltiger  die  Berge,  zwischen 
denen  hie  und  da  die  schneebedeckte  Spitze  eines  fernen 
Bergriesen  hervorgrüßt.  Die  Flüsse  führen  zurzeit  wenig 
Wasser;  aber  die  ausgedehnten  Geröllfelder  und  Felsblöcke 
lassen  ahnen,  wie  es  zur  Zeit  der  Schneeschmelze  hier  toben 
mag.  Die  Vegetation  beschränkt  sich  hier  auf  einige  kümmer- 
liche, niedrige  Büsche  und  vereinzelte  Kaktus.  Trotzdem 
fehlt  es  nicht  an  Farbe,  denn  die  Eigenfärbung  der  Ge- 
steine ist  ungemein  wechselnd,  bald  intensiv  rot,  bald  gelb, 
bald  spangrün,  violett  oder  blau  leuchten  die  Felswände. 
In  Cueva  de  vacas  bei  4000  Meter  Meereshöhe  ist  Endpunkt 
der  argentinischen  Eisenbahn;  später  soll  ein  großer  Tunnel 
die  \^erbindung  mit  der  chilenischen  Bahn  herstellen.  \^or- 
läufig  hieß  es  in  viersitzigen  offnen  Wagen,  bespannt  mit 
5  Maultieren,  Platz  nehmen  und  mit  lautem.  Geschrei,  bald 
mit  kosenden  Schmeicheleien,  bald  mit  den  grimmigsten 
Flüchen  und  nie  ermüdender  Peitsche  die  Mulas  anspornend, 
brachte  uns  der  chilenische  Kutscher  in  einstündiger  Fahrt 

Stett.  eutomol.  Zeit.   1909.  4" 


52 

auf  die  Ciimbre,  die  Paßhöhe,  hinauf.  An  der  Grenze,  die 
liier  oben  verläuft,  hat  man  nach  Beendigung  des  Grenz- 
streites die  von  einem  Friedensfreund  gestiftete  Kolossal- 
figur eines  segnenden  Christus  aufgestellt.  Oben  und  auf 
der  chilenischen  Seite  lag  schon  Schnee;  mit  wildem  Geschrei 
ging  es  bergab,  über  Wasserläufe  und  Löcher  im  Wege,  und 
wir  mußten  uns  mit  aller  Kraft  festhalten,  um  an  den  kurzen 
Wendungen  nicht  aus  dem  Wagen  zu  fliegen.  Abgesehen 
hiervon  heß  auch  die  eisig  scharfe  Luft  und  der  von  den 
voranfahrenden  Wagen  aufgewirbelte  Staub  ein  ruhiges 
Genießen  der  Landschaft  nicht  zu.  In  Guarda  vieja  machten 
wir  kurze  Rast  und  wechselten  die  Tiere,  die  in  einen  von 
Steinen  umhegten  Corral  getrieben  wurden;  als  ein  neues 
Antiseptikum  lernte  ich  hier  trocknen  Mist  kennen,  mit 
dem  der  Arriero  ihre  Rückenwunden  überstreute.  Dann 
ging  es  in  etwas  ebenerem  Gelände  bis  zur  Station  Los 
Andes,  wo  das  Gepäck  revidiert  und  die  Eisenbahn  bestiegen 
wurde.  Da  es  bald  dunkelte,  war  von  der  Landschaft  unter- 
wegs nicht  viel  zu  sehen;  in  Erinnerung  ist  mir  nur  die 
Fahrt  über  den  Salto  del  Soldado,  eine  enge  Klamm  mit 
einem  tobenden  Fluß  tief  unten.  Nach  kurzem  Aufenthalt 
in  Llai-Llai,  wo  wir  umstiegen  und  speisten,  kamen  wir 
pünktlich  um  ii  Uhr  am  Ziel  unserer  Reise  an. 

Valparaiso  hat  mich  sehr  enttäuscht,  sowohl  die  Stadt 
wie  auch  die  Umgegend.  Dem  Seefahrer,  der  von  den 
vegetationslosen  ()den  Gestaden  im  Norden  zur  Frühlings- 
oder Sommerszeit  hierher  kommt,  mag  es  wohl  als  Paradies 
erscheinen,  aber  den  Reisenden,  der  aus  der  üppigen  Vege- 
tation Brasiliens  und  der  modernen  Großstadt  Buenos- 
Aires  kommt,  muß  es  unbedingt  enttäuschen.  Ich  machte 
einige  Exkursionen  nach  Playa  Ancha  und  den  Hügeln 
hinter  der  Stadt,  aber  außer  einer  ganz  jvmgen  Lamellicornier- 
larve,  wahrscheinlich  einer  Brachysternide,  einem  Cloeotus 
und  Ataenius  waren  einige  Coccinellen  und  mehrere  Tene- 

StcU.  cntomol.  Zeit.   1009. 


53 

brioiiidcu  die  ganze  Ausbeute.  Die  Fahrt  über  die  Ccndilk^rc 
hatte  mir  eine  starke  Grippe  eingetragen,  die  mich  aber 
nicht  hinderte,  am  24.  IV.  nach  Santiago  zu  fahren.  Hier 
wurde  ich  von  dem  Direktor  des  Museums,  Herrn  Professor 
Dr.  Friedrich  PhiKppi  recht  freundhch  aufgenommen; 
er  zeigte  mir  die  Sammlungen  des  Museums  und  führte 
mich  dann  zu  Herrn  Phihbert  Germain,  dem  Kustos  der 
entomokjgischen  Abteilung ;  im  Gespräch  über  die  chilenischen 
Käfer,  mit  denen  sich  Professor  Philippi  auch  frülier  be- 
schäftigt und  über  die  Eigentümlichkeiten  der  cliilenischen 
Fauna  im  allgemeinen  vergingen  nur  zu  rasch  die  vStunden. 
Am  nächsten  Morgen  um  8  Uhr  war  ich  wieder  im  Museum, 
wo  Herr  Germain  mich  bereits  erwartete  und  dann  die 
Brachysterniden  sorgfältig  mit  mir  durchging;  auch  die 
übrigen  Lamellcornier  sahen  wir  uns  an  und  warfen  dann 
noch  einen  Blick  auf  die  reichgefüllten  Kästen  der  Ceroglossus 
und  Tenebrioniden,  diese  Kreuze  der  Systematiker.  Später 
kam  Herr  Direktor  Philippi,  und  da  die  Herren  am  Nach- 
mittag und  folgenden  Tag  durch  Vorlesungen  in  Anspruch 
genomme]!  waren,  mußte  ich  Abschied  nehmen.  Am  Nach- 
mittag sah  ich  mir  die  Stadt  an,  die  neuen  Stadtteile  nahe 
dem  Palast  des  Präsidenten  und  der  Post,  den  öffentlichen 
Garten  Santa  Lucia  und  die  große  Avenida  wie  auch  die 
alte  Stadt  beim  Bahnhof.  Dem  Fremden  fällt  auf,  daß 
jeder  Laden  seinen  eigenen  Namen  hat;  ich  konstatierte 
eine  Schuhilickerei  ,,Zur  neuen  Welt",  eine  Kramerei 
,,Sursum  corda"  ein  Weißwarengeschäft  zur  ,,  Isabella 
la  Catolica"  usw.  Die  Frauenemanzipation  scheint  hier 
große  Fortschritte  gemacht  zu  haben;  man  sieht  in  den 
meisten  Läden  Frauen  als  Angestellte,  auf  der  Post  sah 
ich  nur  Frauen,  auf  der  Straßenbahn  sah  ich  weibliche 
Schaffner.  LTnter  den  Männern  sieht  man  viele  stattliche 
Gest.dten,  besonders  unter  dem  Militär,  das  wie  das  deutsche 
uniformiert  und  auch  von  ihm  ausgebildet  ist.     Angenehm 

Stett.  ontomol.   Zeit.   190D. 


54 

überrascht  ist  der  Fremde  von  der  Höflichkeit  und  Dienst- 
wilUgkeit  der  Sclmtzleute;  hier  hat  offenbar  der  Schüler 
den  Lehrmeister  übertroffen.  Am  Abend  fuhr  ich  wieder 
nach  Valparaiso  zurück.  Die  Fahrt  mit  dem  Schnellzug 
dauert  5  Stunden  und  bietet  wenig  Interessantes;  das  Ge- 
birge, durch  das  die  Bahn  führt,  ist  recht  öde  und  man 
sieht  nur  selten  menschliche  Ansiedlungen. 

Die  deutsche  Kosmoslinie  lehnte  es  wegen  der  Ouaran- 
tänescherereien  ab  Passagiere  nach  Guayaquil  zu  befördern, 
darum  nahm  ich  Passage  auf  dem  Dampfer  Peru  der  engl. 
Pacific  Steam  Navigation  Co.,  der  am  27.  IV.  Valparaiso 
verließ.  Diese  Dampfer  haben  sehr  gute  Einrichtungen 
für  die  Passagiere,  große  luftige  Kammern,  schöne  Speise- 
säle und  Promenadendeck  über  das  ganze  Schiff;  da  auch 
das  Wetter  andauernd  schön  war  und  die  See  ihrem  Namen 
alle  Ehre  machte,  war  die  Fahrt  recht  angenehm.  Es  waren 
eine  ganze  Anzahl  Deutsche  an  Bord,  meist  Kaufleute, 
auch  ein  Missionar,  der  die  Indianer  durch  die  Macht  der 
Musik,  eine  gewaltige  Trompete,  Maultrommel  und  Zieh- 
harmonika, bekehren  wollte.  Interessanter  als  seine  Unter- 
haltung war  mir  die  mit  einem  Bolivianer,  der  gut  Deutsch 
sprach  und  einen  großen  Teil  seines  Vaterlandes  bereist 
hatte  und  mit  dem  Inspektor  der  nordamerikanischen 
Missionen  an  der  Westküste,  der  gern  von  seinen  Reisen 
und  seinem  Leben  unter  den  Indianern  erzählte.  Am  28. 
liefen  wir  Coqu'mbo  an,  am  29.  Caldera,  am  30.  Antofagasta. 
Hier  lagen  wir  den  ganzen  Tag  und  hatte  ich  reichlich  Muße, 
das  mir  neue  Treiben  der  großen  Seehunde,  das  Fischen 
der  Pelikane  und  Taucher  zu  studieren;  am  nächsten  Tag 
ging  ich  an  Land  und  besah  mir  die  Stadt ;  die  entomologische 
Ausbeute  beschränkte  sich  auf  eine  Heuschrecke  und  einige 
Fliegen.  Am  2.  V.  kamen  wir  nach  Tocopilla,  am  3.  nach 
Iquique,  das  wir  aber  bald  wieder  verließen,  weil  wir  wegen 
eines    Streiks    der    Hafenarbeiter    nicht    löschen    konnten. 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


55 

Wir  kamen  noch  am  selben  Abend  nach  Pisagua,  am 
nächsten  Mittag  nach  Arica.  Da  in  ahen  diesen  Häfen 
Bubonenpest  herrschte,  hielten  wir  uns  nur  kurze  Zeit  auf 
und  konnte  ich  daher  auch  nicht  an  Land  gehen.  Am  5.  V. 
liefen  wir  Ilo,  den  ersten  peruanischen  Hafen,  an.  Von 
Coquimbo  bis  Arica  ist  die  Küste  recht  einförmig.  Wie 
eine  Mauer  von  fast  gleicher  Höhe  fällt  die  Westcordillere 
nach  dem  ^kleerc  hin  ab,  Vorberge  fehlen,  nur  selten  ist 
dem  Gebirge  ein  schmaler  Strand  vorgelagert,  auf  dem 
die  Ansiedlungen  angelegt  sind;  ebenso  selten  erblickt 
man  hinter  der  Cordillere  eine  überragende  Bergspitze. 
Regen  ist  hier  sehr  selten,  alles  Frisch wasser  muß  mit  der 
Bahn  von  der  Hochebene  nach  den  Ansiedlungen  herunter- 
gebracht werden  und  bis  auf  geringe  Reste  in  einigen  Schluch- 
ten fehlt  alle  Vegetation.  Von  Ilo  ab  ändert  sich  das  Bild, 
der  Strand  wird  breiter,  hinter  den  niedrigeren  Vorbergen 
erhebt  sich  die  mehr  gegliederte  Westcordillere,  über  die 
hie  und  da  eine  einzelne  höhere  Spitze  aus  blauer  Ferne 
lierübergrüßt.  Bei  Ilo  und  Chala,  das  wir  am  6.  anliefen, 
ist  die  Vegetation  noch  recht  kümmerlich;  anders  bei  Bisco, 
wo  der  vielfach  gegliederten  Cordillere  eine  breite,  in  saf- 
tigem Grün  erglänzende  Ebene  vorgelagert  ist ;  auch  bemerkt 
man  bei  der  Stadt  viele  hohe  Bäume.  Hier  bekamen  wir 
die  Musikkapelle  eines  Infanterieregimentes  an  Bord,  meist 
Indianer  oder  Cholos,  Mischlinge  von  Indianern  und  Weißen, 
die  uns  des  x\bends  durch  ihre  wilden  kriegerischen  Weisen 
erfreuten.  Desselben  Abends  kamen  wir  nach  Tambo  de 
Mora,  wo  wir  über  Nacht  liegen  blieben;  die  Stadt  gleicht 
Bisco.  Am  8.  \'.  Nachmittags  liefen  wir  Cerro  Azul  an,  einen 
kleinen  Ort  mit  bedeutenden  Zuckerfabriken.  Die  Rohr- 
felder werden  künstlich  bewässert  durch  Ableiten  von 
Wasserläufen  aus  der  H(jchebene.  Das  Klima  ist  an  allen 
diesen  heißen  trockenen  Punkten  mit  künstlicher  Be- 
wässerung an  der  Westküste  wie  auf  der  Hochebene  äußerst 

Stctt.  entomol.  Zeit.   1909. 


56 

ungesund.  Wie  man  mir  erzählte,  sterben  hier  Indianer, 
zumal  die  von  der  Hochebene,  in  kurzer  Zeit  an  Malaria; 
Weiße  erkranken  auch  sehr  rasch,  halten  aber  doch  etwas 
länger  aus.  Als  Arbeiter  benutzt  man  daher  fast  nur  Neger, 
die  von  Panama  oder  den  westindischen  Inseln  eingeführt 
werden  und  die  gegen  Malaria  nahezu  immun  sind.  Am 
9.  kamen  wir  nach  Callao  und  ich  benutzte  unseren  Aufent- 
halt zu  einer  mehrstündigen  Exkursion,  aber  meine  Er- 
wartungen wurden  sehr  enttäuscht.  Nur  da,  wo  künstlich 
bewässert  wird,  gedeiht  die  Vegetation,  aber  die  Insekten- 
welt ist  hier  ungemein  spärlich.  An  einer  Wasserpflanze 
fand  ich  eine  Chrysomelide,  unter  Maultierknochen  2  Kos- 
mopoliten, Necrohia  rujicoUis  und  Dcniicstcs  vulpimis,  unter 
Kuhmist  einen  Hister,  aber  keine  Scarabaeiden.  Am  Ufer 
lagen  eine  Anzahl  toter  Seehunde,  die  aber  weder  von  den 
hier  häufigen  Aasgeiern,  Gallinazos,  noch  von  Aasinsekten 
gewürdigt  wurden.  Besser  ging  es  einer  nahebei  liegenden 
toten  Mula,  die  von  tausenden  von  Dermestes,  Käfern  und 
Larven,  besucht  war,  darunter  auch  ein  einziger  Trox. 
Auf  blühender  Mangrove  am  Ufer  fand  ich  kein  einziges 
Insekt.  Schmetterlinge  waren  häufig,  einige  Arten  in  großer 
Anzahl.  Leider  kam  mir  die  Schachtel  mit  den  auf  der 
Reise  gesammelten  Insekten  bei  der  Zollrevision  in  Guayaquil 
abhanden.  Am  10.  V.  berührten  wir  Chimboto;  der  eigent- 
lichen Westcordillere  ist  hier  ein  weites  hügeliges  Gelände 
mit  stark  zerklüfteten  Spitzen  vorgelagert;  große  Schutt- 
halden in  den  Bergfalten  zeigen,  daß  hier  wenig  Regen  fällt. 
Die  an  der  Küste  steil  abfallenden  Felsen  sind  als  Brut- 
plätze der  Seevögel  durch  die  weithin  leuchtenden  weißen 
Guanoablagerungen  gekennzeichnet.  Am  nächsten  Morgen 
liefen  wir  Salaverry  an,  die  Hafenstadt  von  Trujillo.  Das 
Landen  ist  hier  wegen  der  schweren  Brandung  selbst  bei 
ruhigem  Wetter  gefährlich;  die  Passagiere  wurden  in  einer 
Tonne  vom  Schiff  in  das  hochbordige  große  Brandungsboot 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


57 

befördert  und  w;u'en  sicher  tüchtig  seekidiik,  iiocli  ehe 
sie  die  weit  in  die  See  hinaiisgebaute  Landungsbräcke 
erreichten.  Am  12.  V.  früh  kamen  wir  nach  Payta,  der 
Hafenstadt  von  Piura,  wo  wir  bis  gegen  x'\bend  hegen  bheben. 
Wir  gingen  ahe  an  Land,  um  uns  bei  dem  ivonsul  von  Ecu- 
cidor  wegen  der  Quarantäne  zu  erkundigen.  Um  über  das 
Auftreten  der  Bubonenpest  zuverlässige  Informationen  zu 
erhalten,  hat  hier  Ecuador  einen  Konsul  mit  einem  Monats- 
gehalt von  Mark  1000  eingesetzt;  nach  seiner  Ansicht  war 
der  einzige  Todesfall,  der  hier  in  der  letzten  Zeit  vorge- 
k<mimen  und  der  eine  Frau  von  85  Jahren  betroffen,  durch 
Bubonenpest  verursacht,  und  es  wurde  daher  für  alle  nach 
Guayaquil  bestimmten  Passagiere  die  gewöhnliche  Quarantäne 
von  5  Tagen  auf  10  Tage  erhöht,  wofür  pro  Kopf  ]\Iark  loo 
pränumerando  zu  zahlen  waren,  und  für  das  Schiff  eine 
Ausschwefelung  angeordnet.  Das  Ufer  bei  Payta  besteht 
aus  einer  20 — 30  Meter  hohen  Lehmwand  mit  eingelagerten 
Felsen,  der  ein  Vorstrand  meist  fehlt.  Die  Stadt,  aus  Holz- 
und  Lehmhütten  bestehend,  ist  ungemein  staubig  und 
schmutzig;  alles  Wasser  muß  mit  der  Eisenbahn  von  Piura 
heruntergebracht  werden.  Vegetation  fehlt  mit  Ausnalune 
einiger  künstlich  angepflanzter  Musa  enchete  und  Sträucher 
auf  der  Plaza.  Am  13.  V.  früh  kamen  wir  nach  Tumbez; 
die  Küste  ist  hier  ganz  flach,  nur  in  weiter  Ferne  sah  man 
die  in  Dunst  gehüllte  Cordillere.  Das  LTfer  ist  von  Mangrove 
eingefaßt,  dahinter  liegen  Zuckerrohrfelder.  Um  Mittag 
kamen  wir  in  den  Kanal  zwischen  Festland  und  der  hisel 
Puna,  fuhren  dicht  an  ihrem  südlichen  Ufer  dahin  und 
sahen  seit  langer  Zeit  zum  ersten  Male  wieder  üppige  Tropen- 
vegetation. Um  5  Uhr  Nachmittags  gingen  wir  vor  dem 
kleinen  Ort  Puna  an  der  Ostseite  der  Insel  V(jr  Anker  und 
warteten  hier  auf  die  Visite  des  Quarantänearztes;  erst 
um  ^litternacht  konnten  wir  flußauf  gelien  und  blieben 
dann  etwas  unterhalb  der   Stadt  vor  Anker  liegen.     Trotz 

Stett.  cutoiuol.  Zeit.    190i). 


58 

aller  Bitt(Mi  des  Kapitäns  um  rasche  Abfertigung,  damit 
er  rechtzeitig  in  Panama  den  Anschkiß  an  che  Dampfer 
nacli  lun-opa  und  New  -  York  erreiche,  wurde  der  ganze 
Tag  untätig  vertrödelt ;  erst  gegen  Abend  kam  der  Clayton- 
Damivfer,  der  etwa  eine  halbe  Stunde  lang  vergeblich  ver- 
suchte, seinen  Räucherapparat  in  Gang  zu  setzen  und 
dann  wieder  abzog.  Am  15.  kam  er  wieder  und  diejenigen 
I'assagiere,  die  von  dem  Ausschwefeln  eine  Beschädigung 
ihres  Gepäckes  befürchteten,  ließen  es  vorher  aus  dem 
Schiffsraum  an  Deck  resp.  in  ihre  Kammern  bringen.  Um 
Mittag  wurde  es  dann  an  Land  in  d:is  Zollamt  gebracht ; 
um  I\Iitternaclit  wurden  die  für  Ciuayacjuil  bestimmten 
Passagiere  geweckt  und  mit  einem  kleinen  Dampfer  nacli 
der  Ouarantänestation  flußabwärts  gegenüber  der  Insel 
Puna  gebracht. 

Die  Ouarantänestation  für  die  Kajütspassagiere  war 
recht  {primitiv,  ein  viereckiges  Hulk,  wie  man  sie  an  der 
ganzen  Westküste  zum  Viehtransport  benutzt,  darauf  ein 
Bretterhaus  mit  vorspringendem  Dach.  Vorn  eine  kleine 
\"eranda,  auf  der  zwei  Hängematten  und  einige  Stühle 
Platz  hatten,  daran  anstoßend  2  kleine  Kanniiern  für  Fa- 
nnlien,  darauf  der  Speisesaal,  an  dessen  Wänden  10  ein- 
lache eiserne  Betten  standen,  hinten  links  die  Klosets, 
die  zugleich  als  Baderäume  benutzt  wurden  und  daran 
anschließend  die  Küche,  rechts  zwei  Familienkammern 
und  die  Speisekammer,  dahinter  eine  Veranda,  die  denen 
als  Schlafraum  diente,  die  sich  nicht  im  ersten  Ansturm 
ein  Bett  erobert  hatten.  Die  ganze  Station  war  für  etwa 
15  Personen  berechnet,  wir  wurden  aber  mit  32  Personen 
darin  untergebracht.  Die  Waschgelegenheit  war  sehr  knapp, 
für  alle  Herren  nur  eine  Waschschüssel;  sie  war  eigentlich 
überflüssig,  weil  alle  vorzogen,  Brausebäder  zu  nehmen. 
Sehr  gut  und  reichlich  war  das  Essen;  der  Koch,  ein  Nord- 
amerikaner,    war    auch    zugleich    Vorsteher    der     Station; 

?tett.  entoniol.  Zeit.   1909. 


59 

wenn  sicli  cUt  (Juaraiitäncarzt,  der  bei  unserem  Abschied 
zum  ersten  Mal  die  Station  betrat,  bei  seinen  gelegentlichen 
Besuchen  im  Boot  der  Station  näherte,  rief  ihm  der  Koch 
sein  ,,A11  right"  zu,  worauf  er  zufrieden  nickte  und  wieder 
heimfuhr.  Uns  Passagieren  war  streng  verboten,  im  Flui.! 
zu  baden  oder  im  Boot  die  benachbarte  Küste  zu  besuchen, 
die  Angestellten  der  Station  aber  schliefen  aus  Mangel 
an  Platz  jede  Nacht  an  Land.  Trotz  des  Verbotes  waren 
wir  mehrere  Male  in  der  Mangrove  am  Ufer,  meine  Aus- 
beute beschränkte  sich  aber  auf  einige  hübsch  gefärbte 
Taschenkrebse  und  Muscheln.  Gefischt  wurde  sehr  viel, 
es  bissen  jedoch  nur  einige  Welsarten  mit  großen,  feststell- 
baren Rückenstacheln. 

Abgesehen  von  dem  Mangel  an  Bewegung  war  das 
Leben  in  der  Station  ganz  angenehm;  die  Gesellschaft 
war  so  bunt  zusanmienge würfelt,  daß  es  an  (iesprächsstoff 
nicht  fehlte  und  am  Abend  gab  eine  spanische  Theater- 
gesellschaft,  die  nach  Guayaquil  wollte,  Deklamationen, 
Gesänge  und  Nationaltänze  zum  Besten.  An  das  Klima 
gewöhnte  ich  mich  bald,  (iewöhnlich  wurde  es  schon  um 
8  Uhr  heiß,  die  Wärme  steigerte  sich  bis  zu  35  (irad  R. 
im  Schatten  etwa  um  2  Uhr;  dann  kam  die  Seebrise,  die 
angenehm  abkühlte  und  die  Abende,  Nächte  und  frülien 
Morgen  waren  erquickend  frisch,  trotzdem  das  Thermometer 
nicht  unter  28  Grad  herunterging. 

Am  22.  V.  Nachts  um  3  Uhr  wurden  wir  geweckt  und 
fulnen  um  4  Uhr  nach  Guayaquil,  Die  Fahrt  ging  dicht 
am  Ufer  entlang,  das  mit  ALmgrovegebüsch  und  Mangrovc- 
bäumen  dahinter  bestanden  ist;  die  letzteren,  auf  weit- 
verzweigten Stelzwurzeln  stehend,  ähneln  in  ihrer  knorrigen 
Verästelung  unseren  Eichen;  die  höheren  Uferpartien  sind 
mit  einem  eigentümlichen  Farrenkraut  dicht  bestanden. 
Das  ganze  Land  bis  über  Guayac}uil  hinauf  ist  niedriges 
angeschwemmtes  Land,  von  Kanälen  durchzogen,  bei  jeder 

Stctt.  cntüiuol.  Zeit.   1909 


60 

liolieii  Mut  überscliwemiiit.  Näher  dc>r  Stadt  wird  auf  dem 
rechten  FhiLUifcr  die  Landschaft  parkartig,  ausgedehnte 
Wiesen  mit  vereinzelten  Baumgrui^pen  von  großen  Rinder- 
herden belebt.  Wir  landeten  bei  der  Zollstation,  wo  unser 
ganzes  Gepäck  revidiert  und  wir  endlich  freigelassen  wurden. 
Guayaquil,  nach  Quito  die  größte  Stadt  Ecuadors, 
und  sein  wiclitigster  Hafen  liegt  am  rechten  Ufer  des  Rio 
(iuayas  in  einer  flachen  Ebene,  die  nur  im  Norden  und 
Westen  von  einigen  niedrigen  Hügeln  überragt  wird.  Der 
Fluß  ist  sehr  breit,  wie  ein  Meeresarm,  mit  reißendem  Ge- 
zeitenstrom, sein  Wasser  lehmgelb  und  bei  Ebbe  zuweilen 
ganze  Inseln  von  Wasserpflanzen  und  große  Bäume  mit 
sich  führend.  Im  Westen  hinter  der  Stadt  verläuft  ein 
Salzwasserkanal,  Estero  salado,  in  dem  viel  gebadet  wird; 
an  ihm  zieht  sich  eine  mit  niedrigem  Buschwald  bestandene 
Hügelkette  entlang.  Die  Stadt  m icht  vom  Fluß  aus  einen 
recht  freundlichen  Eindruck;  die  Straßen,  die  sich  alle 
rechtwinklig  kreuzen,  sind  breit  und  sauber  gehalten.  Die 
Häuser  sind  wegen  der  häufigen  Erdbeben  alle  aus  Holz 
gebaut,  ein  Balkengerüst  aus  behauenen  Mangrovebalken, 
die  mit  gestanztem  Blech  umkleidet  werden ;  die  Wände 
stellt  man  aus  gespaltenem  Bambus  her,  der  mit  einer 
feinen  Zementschicht  überzogen  und  hübsch  bemalt  ist ; 
das  Parterre  ist  gewöhnlich  eingerückt,  so  daß  man  in  den 
Kolonnaden  im  Schatten  wandeln  kann.  In  der  Hafen- 
gegend, wo  sich  die  Kontore  der  Kaufleute  und  fast  alle 
Kaufläden,  wie  auch  die  beiden  großen  Hotels  befinden, 
herrsclit  den  ganzen  Tag  über  reges  Leben;  um  6  LThr  werden 
die  Geschäfte  und  Läden  geschlossen  und  um  lo  Uhr  auch 
die  Hotels  und  die  wenigen  Restaurants.  Der  Handel  ist 
sehr  lebhaft,  eingeführt  werden  alle  Bedürfnisse  des  Landes, 
ausgeführt  hauptsächlich  Kakao,  etwas  Kaffee  und  Stein- 
nüsse. Es  gibt  in  (kiayaquil  viele  Deutsche,  die  im  Handel 
die    führende    Rolle    spielen;    auch    existiert    ein    deutscher 

Stett.  eutomol.  Zeit.   l'Jüi). 


61 

Klub  mit  eigenem  Heim,  in  dem  eine  ganze  Anzahl  deutscher 
Zeitungen  aufliegen.     Hier  lernte  ich  auch  Herrn  Otto  von 
Buchwald  kennen,  einen  früheren  mecklenburgischen  Offizier, 
der    zuerst    als    Staatsingenieur    in    Peru,     später    als    Ver- 
messungsingenieur in  Ecuador  einen  guten  Teil  des  Landes 
aus  eigener  Anschauung  kennen  gelernt  und  sich  viel  mit 
der    Sprache    der    Indianer    und    ihren    Wanderungen    be- 
schäftigte.    \'on  ihm  erhielt  ich,  auch  nach  meiner  Rück- 
kehr, eine  Anzahl  Sendungen  mit  Insekten,  die  er  auf  seinen 
Reisen  im  Kakaogebiet  gesammelt   und  die  mir  vor  allem 
durch  die  genauen  Angaben  über  Sammelzeit  und  Fundort, 
dessen  genaue   Lage  und   geologische   Formation   ungemein 
wertvoll  sind.      Seinen   Sohn  Fritz,  der  in  Deutschland  er- 
zogen,   sich    besonders    für    Zoologie    interessierte    und    seit 
Jahren  die  Fauna  seiner  zweiten  Heimat  sammelte,  lernte 
ich  leider  nicht   persönlich   kennen,   da   er   während  meines 
Aufenthaltes    in    Ecuador    bei     Quevedo    beschäftigt    war, 
doch  schickte  er  mir  auf  meine   Bitte  eine  Anzahl  Käfer, 
die   er  bei    Quevedo  gesammelt.      Beiden   Herren  sage  ich 
auch  an  dieser  Stelle  meinen  herzlichen  Dank  für  die  Unter- 
stützung meiner  Studien. 

Man  unterscheidet  in  Ecuador  nur  zwei  Jahreszeiten, 
den  Sommer  und  den  Winter,  da  die  Übergangsjahres- 
zeiten, Frühling  und  Herbst,  nicht  scharf  ausgeprägt  sind. 
Der  erstere,  die  Zeit  vom  Mai  bis  November,  ist  an  der 
Küste  und  auf  der  Hochebene  auch  Trockenzeit,  während 
der  Winter  mehr  oder  weniger  Regenzeit  ist;  die  Hoch- 
ebene hat  im  September  eine  kurze  Regenperiode  und  die 
große  Regenzeit  ist  stellenweise,  wie  im  Tal  von  Riobamba, 
etwas  verkürzt.  Am  Westabhang  der  Cordillere,  mit  etwa 
150  Meter  Meereshöhe  beginnend  und  in  wechselnder  Aus- 
dehnung nach  oben,  erstreckt  sich  bis  zum  Beginn  der 
peruanischen  Wüste  (bei  Tumbez  etwa)  ein  Gebiet,  in 
welchem    das   ganze    Jahr    liindurch    Regen    fällt.      Ebenso 

Stett.  entomol.  Zeit.   19üt). 


62 

regnet  es  am  Ostabhang  der  Cordillere  von  etwa  1800  Meter 
abwärts  fast  das  ganze  Jahr  hindurch;  nur  von  Mitte  No- 
vember bis  Mitte  Dezember  kann  es  hier  3 — 4  Tage  hinter- 
einander trocken  bleiben.  Das  Erscheinen  der  Insekten 
im  Freien  ist  im  großen  und  ganzen  vom  Regen  abhängig. 
Als  ich  Ende  Mai  und  Anfang  Juni  bei  Guayaquil  sammelte, 
war  meine  Ausbeute  immerhin  noch  befriedigend,  im  Juli 
aber  waren  außer  einigen  Libellen  und  Schmetterlingen, 
wie  auch  Moskiten  keine  Insekten  zu  finden  und  erst  im 
November  wagten  sich  die  ersten  Frühlingsboten,  kleine 
Blütenkäfer  usw.,  heraus.  Eine  mir  neue  Plage  waren  Ende 
Mai  in  Guayaquil  eine  Art  Grillen  von  der  Größe  und 
Färbung  unserer  Heimchen,  die  nach  Sonnenuntergang 
in  großen  Scharen  hervorkommen  und  recht  lästig  werden ; 
überall  ertönte  ihr  Zirpen  die  ganze  Nacht  hindurch,  bis 
sie  nach  etwa  14  Tagen  wieder  verschwanden.  Recht  häufig 
sind  auch  die  Skorpione;  in  den  Häusern  laufen  sie  des 
Nachts  an  den  Wänden  herum,  wie  ich  glaube,  auf  der 
Jagd  nach  Blattiden,  und  am  Estero  salado  fand  ich  unter 
Baumstämmen  besonders  große  Stücke.  Entsprechend 
dem  Reichtum  an  Kanälen  und  Sümpfen  sind  Wasser- 
käfer, Wasserwanzen,  Libellen  und  leider  auch  Mosquiten 
recht  häufig;  ebenso  Schmetterlinge  und  kleinere  Käfer, 
die  ihre  Existenzbedingungen  an  Buschwerk  und  Kräutern 
finden.  Wie  überall  in  Gegenden  mit  längerer  Trocken- 
periode haben  auch  hier  die  Bäume  und  hohen  Büsche 
ein  selir  hartes,  meist  rötliches  Holz,  das  mit  Vorliebe 
von  Cerambyciden  und  Scolytiden,  später  von  Tenc- 
brioniden  und  Termiten  angegangen  wird.  Die  rasch 
aufschießenden,  weißen,  weichen  und  bald  zerfallenden 
Hölzer  fehlen  und  damit  auch  die  an  sie  gebundenen 
Insekten.  Die  Käferfauna  von  Guayaquil,  über  die  ich 
mich  später  noch  ausführlicher  äußern  werde,  stimmt 
im    wesontliclien    mit   der   der   Westcordillere    iiberein,    hat 

Stett.  ciitomul.   Zeit.    1909. 


63 

aber    eine     nicht    unerhebliche    Beimischung    endemischer 
Formen. 

Die  Eisenbahn  Gnayaqnil- Quito  beginnt  bei  Duran, 
einem  kleinen  Ort  gegenüber  Guayaquil,  zu  dem  man  auf 
einem  Fährboot  gelangt;  nördlich  von  Duran  liegen  einige 
isolierte  Hügel,  meist  bestanden  mit  einer  weißblühenden 
Mimose,  Espina,  auf  deren  Blüten  sich  u.  a.  Rutela  vcrsicolor 
Latr.  und  viele  hübsche  Buprestiden  einfinden.  Von  Duran 
geht  die  Bahn  durch  eine  weite,  sumpfige  Ebene,  bestanden 
mit  Papyrus  und  Bijao,  einer  Heliconie  oder,  wie  ich  glaube, 
Maranthacee,  deren  Blätter  zum  Verpacken  von  Warenkollis 
benutzt  werden,  um  sie  gegen  Nässe  zu  schützen.  Bei 
Yaguachi  überschreitet  die  Bahn  einen  Fluß  und  tritt  in 
ein  Gebiet,  in  dem  sich  große  Zuckerrohrfelder,  Bananen- 
haine und  Kakaoplantagen  befinden;  bei  den  Häusern 
stehen  vielfach  Kokospalmen  und  gewaltige  Mangobäume. 
Streckenweise  geht  es  durch  Wald,  in  dem  Riesenbäume 
mit  weit  vorspringenden  Bretterwurzeln  stehen,  während 
am  Bahndamm  Cecropien  und  vor  allem  mächtige  Bambus- 
büsche nach  Licht  und  Luft  drängen;  die  Vegetation  ist 
auf  dieser  Strecke  so  üppig,  daß  eine  eigene  Arbeitertruppe 
jahraus  jahrein  nur  damit  beschäftigt  ist,  das  Geleise  davon 
frei  zu  halten.  Bei  Naranjito  etwa  kommen  wir  in  das 
Gebiet  das  ganze  Jahr  hindurch  fallender  Regen,  das  sich 
bei  etwa  150  Meter  Meereshöhe  beginnend  in  wechselnder 
Ausdehnung  nach  oben  längs  der  Westcordillcre  hinzieht. 
Im  Tal  des  Rio  Chanchan,  in  welchem  die  Eisenbahn  zur 
Hochebene  strebt,  reicht  es  nur  bis  etwa  700  Meter,  während 
es  weiter  nördlich  und  im  Süden  bis  zur  Paßhöhe,  1000— 1500 
Meter  geht.  Früher  war  geplant,  die  Eisenbahn  im  Tal 
des  Rio  Chimbo  auf  die  Hochebene  zu  führen  und  End- 
station der  Küstenbahn  der  Ort  Chimbo,  etwa  320  Meter 
hoch,  wo  die  regulären  täglichen  großen  Züge  hielten,  um 
in   kleine   zu   4   Wagen   geteilt    den   steilen   Aufstieg  in   die 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


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Cordillere  zu  beginnen.  Seit  man  die  Pläne  geändert  und 
die  Bahn  im  Tal  des  Rio  Chanchan  hinaufgeführt,  ist  Chimbo 
verlassen.  Seine  Rolle  hat  der  Ort  Pucay  übernommen, 
der  etwa  eine  Stunde  flußab  von  Chimbo  am  Rio  Chimbo 
in  300  Meter  Höhe  liegt;  zwischen  Pucay  und  Chimbo  liegt 
Agua  Clara,  das  Stauwerk  für  die  Wasserleitung  von  Guaya- 
quil.  Pucay  ist  ein  kleiner  Ort  mit  reichlich  einem  Dutzend 
Hütten,  bewohnt  von  Negern,  die  im  Dienst  der  Eisenbahn- 
gesellschaft stehen,  einigen  Indianern  und  chinesischen 
Kaufleuten,  die  fast  den  ganzen  Kleinhandel  im  Küsten- 
gebiet beherrschen.  Gegenüber  dem  Stationsgebäude  lag 
eine  etwas  größere,  mit  Wellblech  gedeckte  Bambushütte, 
deren  Besitzerin,  eine  Negerin  aus  Panama,  eine  Art  Speise- 
wirtschaft für  die  Eisenbahningenieure  unterhielt;  liier 
fand  ich  Unterkunft  für  die  Zeit  meines  Aufenthaltes  in 
Pucay.  Das  Sammeln  war  hier  recht  bequem.  Wenige 
Schritte  hinter  dem  Hause  begann  der  Wald,  in  den  man 
durch  eine  Schlucht,  angefüllt  mit  gestürzten  Bäumen, 
ziemlich  tief  eindringen  konnte.  Eine  sehr  gute  Lokalität 
zum  Sammeln  war  die  frühere  Eisenbahn  nach  Chimbo, 
auf  deren  Schwellen  man  bei  schlechtem  Wetter  ziemlich 
gut  marschieren  konnte.  Gegenüber  dem  Hause  des 
Aufsehers  über  das  Wasserwerk  führte  ein  Weg  auf  die 
Höhe  zu  einer  Zuckerrohrpflanzung,  die  von  einem  hoch- 
stämmigen Wald  eingefaßt  war,  in  dem  ich  stets  reiche 
Beute  fand.  Die  Vegetation  bei  Pucay  ist  von  einer  un- 
glaubhchen  Üppigkeit.  Ich  hatte  im  Juli  auf  dem  Weg 
nach  Agua  Clara  ein  Stückchen  Land  um  einige  gestürzte 
Bäume  vollständig  mit  dem  Buschmesser  gelichtet,  um 
hier  mit  Bananen  zu  k()dern  und  Mistkäfer  zu  fangen.  Als 
ich  Ende  Oktober  wiederkam,  konnte  ich  diese  Stelle  kaum 
wiederfinden,  so  war  sie  überwachsen.  Maranthen,  die 
ich  dicht  über  dem  Boden  abgeschnitten,  hatten  i  Meter 
hohe  Stengel  und  Blätter  getrieben  und  abgehauene  Camacho 

Stett.  cutomol.  Zeit.   1909. 


65 

waren  gar  etwa  2  Meter  hoch  geworden.  Die  Ursache  dieser 
Üppigkeit  ist  neben  der  gleichmäßig  hohen  Temperatur, 
die  selten  unter  30  Grad  C.  sinkt,  der  Reichtum  an  Nieder- 
schlägen. Nur  selten  sieht  man  die  Cordillere;  meist  ist 
sie  in  Wolken  gehüllt,  aus  denen  sich  zu  jeder  Tageszeit 
Regengüsse  entladen.  Von  den  Tagen,  die  ich  in  Pucay 
verlebte,  war  keiner  ganz  frei  von  Regen  und  ich  ging 
schließlich  ohne  Rücksicht  auf  das  Wetter  zum  Sammeln, 
fahndete  bei  Regen  mit  Axt  und  Spaten  in  alten  Baum- 
stämmen nach  Holzkäfern  und  Larven,  und  wenn  die  Sonne 
schien,  sammelte  ich  mit  dem  Netz.  Wenn  es  regnet,  erscheint 
die  Natur  wie  ausgestorben;  sowie  aber  die  Sonne  durch- 
kommt, belebt  sich  wie  mit  einem  Zauberschlage  aiies; 
eine  Fülle  farbenprächtiger  Schmetterlinge  eilt  gewandt 
durch  das  Buschwerk,  Hymenopteren,  Hemipteren  und 
Dipteren  fliegen  herum  oder  kriechen  auf  den  Blättern 
umher,  Käfer  umsummen  die  Blüten,  lebhaft  gefärbte 
Eidechsen  huschen  auf  Wegen  und  Büschen  herum  und 
grell  gefärbte  Vögel  jagen  sich  in  den  Zweigen,  unter  ihnen 
viele  Colibris,  die  in  den  Blüten  der  wilden  Bananen,  Heli- 
conien  und  Maranthen,  reiche  Nahrung  finden.  Schwieriger 
als  das  Sammeln  von  Insekten  ist  ihre  Konservierung, 
die  durch  die  große  Luftfeuchtigkeit  wie  durch  Unmengen 
von  Ameisen  und  Blattiden  sehr  schwierig  wird.  Mir  blieb 
nichts  anderes  übrig,  als  von  Zeit  zu  Zeit  nach  Guayaquil 
zu  fahren,  um  hier  die  Ausbeute  zu  trocknen  und  zu  ver- 
packen. Pucay  wäre  ein  Eldorado  für  den  Naturforscher, 
wenn  seine  Gesundheitsverhältnisse  besser  wären;  es  gibt 
hier  ständig  schwere  Malaria  und  angeblich  auch  Gelb- 
fieber. Ich  sah  mehrere  Indianer,  die  meine  Hilfe  als  Arzt 
in  Anspruch  nahmen,  an  Malaria  sterben  und  viele  waren 
derartig  durch  Malaria  herunter,  daß  sie  zu  keiner  Arbeit 
mehr  tauglich  waren.  Ich  selber  blieb  glücklicher  Weise 
ganz  fieberfrei,   trotzdem  ich  kein   Chinin  nahm  und  auch 

Stett.  entomol.   Zeit.   1909.  5 


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ohne  Moskitonetz  schlief.  Die  Moskitenplage  war  in  Pucay 
nicht  schhmm ;  mehr  Furcht  hat  man  vor  den  blutsaugenden 
Fledermäusen,  vor  den  Skorpionen  und  Giftschlangen. 
Von  den  letzteren  erlegte  ich  selber  nur  eine,  hörte  aber 
mehrfach  von  Schlangenbissen  und  sah  auch  einen  dadurch 
verursachten  Todesfall  bei  einem  ii  jährigen  Mädchen. 
Eine  Folge  der  stets  gleichmäßigen  Wärme  und  Feuchtig- 
keit ist  es,  daß  hier  die  Ruhepause  im  Auftreten  der  In- 
sekten im  Freien,  wie  sie  an  anderen  Orten  durch  niedrige 
Temperatur  oder  Mangel  an  Feuchtigkeit  bewirkt  wird, 
geradezu  aufgehoben  erscheint.  Von  meinem  ersten  Sammel- 
tag am  3.  Juni  bis  zum  letzten  am  6.  November  fand  ich 
hier  immer  reiche  Ausbeute  an  Insekten  aller  Art,  aber 
sie  war  bei  genauerer  Betrachtung  doch  nicht  gleichartig. 
Anfang  Juni  waren  darunter  eine  Anzahl  Formen,  die  offen- 
bar im  Verschwinden  waren,  ältere  Stücke  mit  kleinen  De- 
fekten oder  Weibchen,  die  ihre  Eier  ablegten  oder  schon 
abgelegt  hatten.  Sie  fehlten  späterhin  vollständig  und 
einige  von  ihnen  kamen  im  November  wieder  oder  ich  sah 
an  ihren  Puppen  resp.  frisch  entwickelten  Stücken,  die 
ich  in  ihren  Puppenwiegen  fand,  daß  sie  bald  wieder  im 
Freien  erscheinen  würden.  Eine  andere  Kategorie  bildeten 
die  Formen,  die  im  Juni  und  Juli  erst  im  Freien  auftraten, 
durch  mangelhafte  Ausfärbung  des  Chitinskelettes  und 
mangelhafte  Ausbildung  der  Geschlechtsorgane  als  frisch 
(Mitwickelte  Tiere  gekennzeichnet;  sie  nahmen  deutlich 
bis  zum  November  an  Zahl  ab.  Von  den  gesammelten 
Lamellicorniern  habe  ich  bis  jetzt  nur  die  Ruteliden  und  einen 
Teil  der  Dynastiden  durchgearbeitet.  Unter  ihnen  erscheinen 
im  Freien  während  des  südamerikanischen  Sommers,  d.  h. 
in  der  Zeit  vom  November  bis  Mai  alle  die  Gattungen, 
die  man  als  endemische  südamerikanische  betrachten  muß, 
unter  den  Ruteliden  alle  sogenannten  echten  Ruteliden, 
die   Spodochlamys   und   Geniatiden  wie  auch   fast   alle   Dy- 

Steft.   witomol.   Zeit.   1909. 


fi7 


nastiden.  Was  ich  dagegen  in  der  Zeit  vom  Juni  bis  No- 
vember hier  fand,  von  den  RuteUden  alle  Anomah  und 
Stri'odcnna.  von  den  Dynastiden  die  Cycloccphala.  weist 
deutlich  auf  eine  Einwanderung  aus  Nord-  und  Zentral- 
amerika hin  und  hat  wohl  auch  deshalb  seine  Erschemungszeit 
im  nordamerikanischen  Sommer. 

Eine  weitere  Folge  dieser  stetigen  Wärme  und  Feuchtig- 
keit ist  es.  daß  die  Ruhepause  in  der  Entwicklung  der  In- 
sekten, die  an  anderen  Orten  infolge  von  Kälte  oder  Trocken- 
heit eintritt,  hier  wegfällt  und  die  Entwicklung  der  Insekten 
daher   viel   rascher   vor   sich   geht.      Macraspis   melanana, 
Rutela   iimorpha  und   PUnomcla   graliosa  resp.    Blanchard. 
machen  hier  ihre  Entwicklung  in  einem  einrigen  Jahr  durch; 
die  Larve  der  ersteren  häutet  sich  nur  zweimal,  wobei  ihr 
Kopfdurchmesser  nach  der  ersten  Häutung  2'/.  mal  so  groß 
ist  als  vorher.      Ebenso  ist  die  Erscheinungszeit  des  aus- 
gebildeten  Käfers   im   Freien,   wenigstens  bei   einer   Reihe 
von  Arten,   verlängert,   es  ist  dies   aber  darauf   zurückzu- 
führen, daß  der  Käfer  die  Zeit  vom  Abstreifen  der  Puppen- 
haut und  Erhärten  bis  zum  Eintritt  der  Geschlechtsreife, 
die  er  anderswo  in  seiner  Puppenwiege  verbringt,  hier  im 
Freien   verlebt.      Diese   jugendlichen   Individuen   mit  noch 
nicht   voll    entwickelten   Fortpflanzungsorganen    sind   auch 
äußerlich    an    ihrer    mangelhaften    Ausfärbung    kenntlich ; 
die  später  pechschwarzen  Coprophagen  z.  B.  sind  in  diesem 
Stadium  braun,  bei  LagocUlc  und  Rutcia  ist  alles  spatere 
Gelb  milchweiß  oder  glasig  durchsichtig. 

Entsprechend  dem  ewig  feuchten  Klima  Pucays  sind 
rasch  wachsende  Bäume  mit  weißem,  leicht  vermodernden, 
Holz  wie  Baumwollbäume,  hier  Ceibos  genannt  (Bomhas 
Ceiba)  Kautschukbäume  (Castilloa  elastica)  und  Balsas 
häufig' und  die  gestürzten  oder  umgehauenen  abg-torbenen 
Ställe  wie  auch  die  stehengebliebenen  Stubben  bald 
;oU  Larven.    Die  starke  Feuchtigkeit  und  die  Dämmerung, 

5'" 

Stett.  cntoniol.  Zeit.   1900. 


68 

die  im  dichten  Wald  immer  herrschen,  teils  wegen  der 
häufigen  Bewölkung  des  Himmels,  teils  auch  weil  die  dicht 
verwachsenen  Baumkronen  von  oben  kaum  einen  Sonnen- 
strahl durchlassen,  begünstigen  sehr  die  Entwicklung  von 
Pilzen,  die  abgestorbene  Bäume  bald  in  großen  Mengen 
überziehen.  Dementsprechend  sind  Pilzkäfer  ungemein 
häufig,  aber  für  den  oberflächlichen  Beobachter  nicht  leicht 
zu  finden,  weil  sie  trotz  ihrer  bunten  Färbung  sich  von  der 
Unterlage  kaum  abheben.  Auffällig  war  mir,  daß  manche 
recht  buntgefärbte  Arten  nur  im  Innern  abgestorbener 
Bäume  vorkommen;  von  manchen  Erotyliden  sind  auch 
die  Larven  bunt  gefärbt  und  sitzen  familienweise  auf  der 
Unterseite  von  Pilzen.  Bambus  ist  bei  Pucay  selten  und 
die  wenigen  Büsche  ergaben  auch  beim  Abklopfen  geringe 
Ausbeute;  dagegen  fand  ich  hier  eine  Crucifere  mit  stark 
riechenden  Blüten  wieder,  die  ich  bei  Petropolis  beobachtet 
und  die  von  Käfern,  Strigoderma  und  Isonychus,  wie  auch 
von  Schmetterlingen  viel  besucht  wurde.  Datura  arborea 
ist  häufig  und  wird  von  3  verschiedenen  Cyclocephala- 
Arten  besucht,  die  auch  Nachttiere  sind  und  des  Abends 
ans  Licht  fliegen.  Eine  ganz  eigentümliche  und  für  die 
Westseite  der  Cordillere  sehr  charakteristische  Pflanze 
ist  eine  Aroidee,  Hanthosoma  spec,  Camacho  genannt. 
Der  Stamm  wird  2 — 3  Meter  hoch  und  reichlich  armsdick, 
ist  aber  markig  weich  wie  eine  Rübe  lind  läßt  sich  leicht 
durchschneiden.  Von  ihm  gehen  oben  4 — 5  mächtig  große 
schirmartige  Blätter  ab,  die  auf  %  Meter  langen  Stielen 
sitzen.  Die  Blüte,  die  am  Grunde  der  Blätter  sitzt,  ist 
15 — 20  cm  lang,  etwa  5  cm  im  Durchmesser  breit,  lang 
oval,  oben  zugespitzt  und  an  der  Grenze  von  mittlerem 
und  unterem  Drittel  stark  eingeschnürt ;  der  Griffel  ist 
gelbrot,  das  Kelchblatt  schneeweiß,  die  geöffnete  Blüte 
stark  duftend.  Sobald  sich  die  Blüte  erschlossen  hat,  wird 
sie   von    3    Arten    der    (Gattung   Cyclocepliala    besucht,    von 

Stett  entomol.  Zeit.   lUOO. 


69 

denen  2  ständige  Besucher  und  ungemein  häufig  sind  — 
sie  sind  beide  noch  nicht  beschrieben  — ,  während  die  dritte, 
Cydocephala  tutüina  Burm.,  nur  vereinzelt  von  mir  in  dieser 
Blüte  gefunden  wurde.  Die  Käfer  drängen  sich  mit  Vorliebe 
in  den  unteren,  durch  die  Einschnürung  abgetrennten  Teil 
der  Blüte  und  fressen  hier  den  Pollen,  mit  dem  sie  sich 
vollständig  beschmieren;  er  ist  so  klebrig,  daß  er  sich  nicht 
durch  Spiritus  oder  Chloroform,  sondern  nur  durch  starkes 
Abpinseln  mit  Seife,  heißem  Wasser  und  einem  Borsten- 
pinsel entfernen  läßt.  Die  Käfer  drängen  sich  in  solcher 
Menge  in  der  Blüte  zusammen,  daß  sie  sich  kaum  rühren 
können;  selten  fand  ich  unter  sieben,  gewöhnlich  ein  Dutzend, 
einmal  2^^  der  unserem  Rhizotrogus  sohtitialis  an  Größe 
etwa  gleichen  Käfer  in  einer  einzigen  Blüte.  So  häufig 
sie  in  den  Blüten  waren  —  ich  fand  an  einem  ^Morgen  über 
100  Exemplare  —  fing  ich  doch  nie  ein  Stück  im  Freien 
auf  anderen  Blüten  oder  des  Abends  am  Licht.  Eine  An- 
zahl Käfer  nahm  ich  lebend  mit  nach  Hause  und  setzte 
sie  in  einen  Zuchtkasten  mit  Carnachoblüten.  Während 
ich  sie  in  der  Blüte  nie  in  Copula  gefunden,  unternahmen 
sie  diese  im  Zuchtkasten  sofort,  meist  in  hängender  Stellung. 
Das  Männchen  umklammert  mit  seinen  verdickten  Vorder- 
klauen  den  Seitenrand  der  Deckflügel  des  $  hinter 
der  Randschwiele;  diese  Stellung  ist  typiscli  mid  wird 
während  der  Copula  nicht  geändert,  wälirend  die  St(^lhmg 
der  Mittel-  und  Hinter-Klauen  atypisch  ist.  Auch  läßt 
sich  das  .^  in  Copulastellung,  ohne  die  Copula  vorzunehmen, 
von  dem  2  stundenlang  herumschleppen.  Die  Eier  werden 
in  der  Erde  abgelegt,  jedes  Ei  einzeln  in  einer  kleinen  Ei- 
kammer,  mit  einer  gelblichbraunen  Kittsubstanz  an  deren 
Wand  festgeklebt,  in  einer  Tiefe  von  14  ^"^  lu)chstens  i  cm 
unter  der  Oberfläche.  Die  frisch  ausgeschlüpfte  Larve 
gleicht  sehr  einer  Geniatidenlarve  und  frißt  wie  diese  Erde. 
In    Gesellschaft   der   Käfer   in   der   Blüte   finden   sich   stets 

Stett.  eutomol.  Zeit.   1909. 


70 

einige  flüchtige  Wanzen,  eine  stark  abgeflachte  Forficiilide, 
ein  Staphylinide  und  einige  kleine  braune  Clavicornier. 
Wenn  die  Käfer  den  Pollen  in  der  Blüte  ganz  aufgefressen 
und  diese  verlassen  haben,  dann  schwellen  Kelchblatt 
und  Griffel  dick  auf,  das  erstere  krempelt  sich  nach  außen 
um  und  dann  kommen  Hymenopteren  mid  Dipteren,  die 
diese  schwammige,  leicht  süßlich  schmeckende  Masse  gierig 
verzehren;  einmal  fand  ich  auch  Lagochüc  chiriquina  daran. 
Im  November  fand  ich  bei  Pucay  keine  Camachoblüten 
und  auch  keine  Camacho-Cyclocephalen  mehr.  Die  Larven 
von  Cyclocephala  und  anderen  Dynastiden,  von  Anomala 
und  Leucothyreus,  von  Isonychus  und  IMacrodactylus 
finden  sich  überall  im  Boden  in  ganz  geringer  Tiefe,  selten 
unter  i  cm,  größere  Tiere  unter  Steinen  oder  gestürzten 
Bäumen;  sie  tragen  jedenfalls  dazu  bei,  daß  es  zur  Bildung 
einer  Humusschicht  nicht  kommt,  weil  sie  die  zerfallende 
organische  Substanz  im  Boden  sofort  verzehren. 

Die  in  großer  Menge  im  Wald  herumliegenden,  ab- 
gestorbenen Baumstämme  und  Äste  sind  fast  immer  besetzt 
mit  Passaliden,  für  deren  Biologie  dasselbe  gilt,  was  ich 
von  der  Biologie  der  Passaliden  von  Petropolis  gesagt  habe. 
Niemals  fand  ich  eine  Passalidenlarve  ohne  ausgebildete 
Käfer  dabei;  nie  gelang  es  mir,  unerwachsene  Passaliden- 
larven  nach  Beseitigung  der  Elterntiere  weiter  zu  züchten. 
Auch  hier  finden  sich  in  einem  von  Passaliden  reich  be- 
setzten Baumstamm  in  den  Fraßgängen  Blattiden,  außer- 
dem auch  gewisse  Juliden  und  Pseudoskorpione.  Die  letzteren 
sitzen  manchmal  an  den  Käfern  ähnlich  wie  Käfermilben; 
einmal  beobachtete  ich,  daß  ein  Käler  in  dem  Raum  zwischen 
Abdomen  und  häutigen  Flügeln  5  Exemplare  eines  Pseudo- 
skorpions  mit  sich  herumschleppte,  die  auf  diese  Weise 
wohl  passiv  wandern  können.  In  einem  Bombaxstamm 
hatte  eine  ziemlich  große  Passalidenart,  die  ich  noch  nicht 
bestimmen  konnte,  eine  kleine  Kolonie  angelegt;  es  waren 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


71 

etwa  40  Käfer,  Eier,  Larven  in  allen  Stadien  nnd  Puppen, 
dabei  aneli  die  gewohnten  Tischgenossen.     In  der  etwa  2  cm 
dicken   Rinde  hausten  Cloeotus  globosus  wie  anch  Ataenius 
capitatus  Har.,  beide  mit  Larven  in  allen  Stadien  und  Puppen. 
Lines  Tages,  als  ich  in  einem  alten,  abgestorbenen  Baum- 
stamm  nach    Larven   suchte,    legte    ich    eine    Puppenwiege 
bloß,  in  der  sich  ein  prachtvolles   q   von  Acgidiuni  colmii- 
bianuin    nebst    Larven-    und    Puppenhaut    befand,    wonach 
auch    diese    Art    ilire    Entwicklung    im    Holz    durchmacht, 
^listkäfer   sind   bei    Pucay   häufig   und   gaben    mir    im 
Freien   wie   im   Zuchtkasten    Gelegenheit   zur   Beobachtung 
ihrer  Lebensweise.     Ich  habe,  abgesehen  von  den  im  Holz 
lebenden    Arten,    keinen    Mistkäfer    unter    ^laultier-    oder 
Rindermist    gefunden,     der     nicht    auch    an     Menschenkot 
gegangen  wäre  und  mit  diesem  Köder  ließ  sich  die  zur  Be- 
obachtung im  Zuchtkasten  nötige  Anzahl  von   Individuen 
leicht  beschaffen.      Auf  einer  Lichtung  im  Walde  reinigte 
ich   einen  kleinen   Platz  von   aller  Vegetation,   ebnete  den 
Platz,    jedoch    ohne    den    Boden    umzugraben,    deponierte 
den  Köder  und  legte  im  Umkreis  von  einem  halben  Meter 
etwa  einige  größere   Steine   oder   Holzstücke   nieder.      Am 
nächsten  Morgen  fand  ich  dann  reiche  Beute,  teils  im  Köder 
selbst    oder    unmittelbar    darunter,    teils    in    größerer    Tiefe 
am  Grunde  eines  gegrabenen  Stollens,  teils  unter  den  Steinen 
oder  Holzstücken.      Man  kann  nach  dem  Ort,  wo  sie  ihre 
Nahrung    verzehren,    die    Mistkäfer    in    drei    Gruppen    ein- 
teilen.    Die  erste  verzehrt  ihre  Nahrung  an  Ort  und  Stelle, 
sie  fressen  im  Misthaufen  selber  oder  direkt  an  seiner  Lhiter- 
seite;    hierzu    gehören    die    Aphodien,    Onthophagen    und 
Choeridien.    In  der  zweiten  Gruppe  graben  die  Käfer  direkt 
unter    dem    Misthaufen    oder    an    seiner    Peripherie     einen 
Stollen  in  die  Erde,  schleppen  dorthin  eine  gewisse  Menge 
Futterstoff   und   verzehren    ihn    am    (hunde    ihres    Stollens 
ungestört    von    dem   großen    Haufen;    hierher   gehören    die- 

Stett.  eutomol.  Zeit.  1909. 


72 

Pinotus,  Onthcrus  und  Phanaeus,  bei  uns  die  Geotrupes 
und  Copris.  Die  Mitglieder  der  dritten  Gruppe  nehmen 
von  dem  Misthaufen  ein  bestimmtes  Quantum,  trans- 
portieren dieses  über  der  Erde  nacli  einem  benachbarten 
Versteck,  einer  vorspringenden  Baumwurzel,  einem  Stein 
oder  Stück  Holz,  und  verzehren  es  da.  Hierher  gehören 
die  Pillendreher,  Deltochilum  und  Canthon,  die  den  Nahrungs- 
stoff zu  einer  Kugel  formen  und  diese  mit  den  Hinterbeinen 
fortwälzen  und  Eurysternus.  Der  letztere  lad  mit  seinen 
großen,  gekrümmten  Mittelbeinen  den  Mist  auf  seinen 
Rücken  wie  auf  einen  Wagen  und  hält  ihn  nötigenfalls 
mit  den  Mittelbeinen  fest,  während  er  auf  Vorder-  und  Hinter- 
beinen dahinschreitet ;  da  die  Oberseite,  Thorax  und  zumal 
Deckflügel  vollständig  flach  sind,  im  Gegensatz  zur  stark 
gewölbten  Unterseite,  vermag  er  darauf  eine  ziemliche 
Menge  Futter  wegzuschleppen.  Die  kleinen  Canthon-Arten 
findet  man  im  Wald  häufig  auf  Büschen,  mit  weit  gespreizter 
Fühlerkcule  die  Luft  nach  Futter  durchschnüffelnd;  sie 
kommen  auch,  wenn  man  den  Köder  ausgelegt,  sehr  rasch 
angeflogen. 

Melolonthiden  sind  bei  Pucay  nicht  reich  an  Arten 
und  fast  ausschließlich  Nachttiere ;  ebenso  waren  auffallender 
Weise  alle  Anomala- Arten,  die  ich  hier  fing,  ohne  Ausnahme 
Naclittiere;  sie  stecken  offenbar  den  Tag  über  in  der  Erde, 
wo  auch  ihre  Larven  leben.  Lagochile  chiriquina  köderte 
ich  mit  Bananen,  die  u.  a.  auch  von  großen  Elateriden, 
spec.  Chalcolcpidius,  regelmäßig  besucht  wurden.  Rutela 
dimoypha  überraschte  ich  eines  Tages  bei  der  Eiablage 
und  habe  auch  später  mehrfach  ihre  Larven  und  Puppen  ge- 
funden. Die  Larve  hat  einen  hellgelben,  glänzenden  Kopf 
mit  scharf  abgesetzten  schwarzen  Mandibeln  und  lebt  in 
niedrigen  Stubben  von  Ficus,  ähnlich  unserem  (lummi- 
baum,  mit  sehr  hartem,  rotem  Holz.  Bei  dem  frisch  ent- 
wickelten   Käfer    sind    die    gelben    Zeichnungen    prachtvoll 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909, 


73 

milchweiß    und    nehmen    erst     nach     dem    Tod     die     gellx; 
Färbung  an. 

Am  6.  VI.  fand  ich  beim  Herumklettern  im  Walde 
ein  Termitennest,  das  aus  Holz  gebaut  etwa  40  x  50  cm 
groß  war  und  nach  der  Ansatzstelle  von  einem  Ast  herab- 
gefallen oder  mit  einem  stürzenden  Baum  heruntergekommen 
war.  Als  ich  es  mit  dem  Spaten  aufschlug,  fand  ich  darin 
eine  ziemlich  große  Anzahl  Larven,  die  später  —  ich  deckte 
das  Nest  wieder  zu  und  versteckte  es  unter  einem  Baum, 
da  es  zum  Mitnehmen  zu  schwer  war  —  Cyclidius  clongatus 
ergaben.  In  der  x\ußenwand  des  Nestes  und  auch  in  den 
Zwischenräumen  fanden  sich  in  großer  Anzahl  Acaiithoccviis 
setulosus  und  Rcdicnhachcri,  von  beiden  Käfer,  Larven 
in  allen  Statien  und  Puppen  zusammen. 

Ahnlich  wie  bei  den  Passaliden  gelang  es  mir  liier 
einen  weiteren  Fall  von  vollständiger  Brutpflege  bei  einem 
Tenebrioniden,  Phrciiapates  BeiicUü  Kirby,  festzustellen. 
Die  ersten  Käfer  fand  ich  einzeln  in  großen  abgestorbenen 
Bombax-Stämmen  Anfang  Juni;  am  21.  VI.  fand  ich 
das  erste  Pärchen  — •  ich  tötete  die  Käfer  in  Spiritus  und 
untersuchte  später  das  Abdomen  —  das  sich  ebenfalls 
in  einem  Bombax  einen  Gang  geschrotet  hatte.  Am  13.  VII. 
fand  ich  auf  der  Unterseite  des  Bombaxstammes,  in  dem 
ich  die  ersten  vereinzelten  Käfer  gefunden,  zwei  Pärchen 
mit  Larven.  Die  Käfer  hatten  zuerst  einen  etwa  %  Meter 
langen  engen  Gang  geschrotet;  von  diesem  gingen  seitlich 
in  bestimmten  Abständen  geräumige  Nischen  ab,  in  denen 
bald  eine,  bald  zwei  Larven  saßen  zwischen  feinen  läng- 
lichen Holzspähnen,  die  die  ganze  Nische  ausfüllten.  Zwei 
der  Nischen,  die  nur  wenige  Holzspäne  enthielten,  zeigten 
an  der  Peripherie  kleine  Eikammern,  die  eine  zwei,  die 
andere  drei;  in  jeder  Eikammer  saß  ein  Ei.  Die  ganze  Arbeit 
ist  viel  sauberer  als  bei  den  Passaliden,  die  Wände  der 
Gänge,    Nischen    und    Eikammern    sind    glatt,    die    Gänge 

•Stett.  eutomol.  Zeit.   1909. 


74 

frei  von  Fraßmehl,  die  Holzspäline  in  den  Nischen  sehr 
fein  und  gleichmäßig.  Die  Larven  älniehi  in  der  Körper- 
form unseren  Mehlwürmern,  sind  aber  milchweiß.  Die 
luer  waren  offenbar  in  größeren  Pausen  abgelegt,  dc^ni 
die  Larven  waren  in  der  (jröße  alle  verschieden.  Als  ich 
am  31.  X.  nacli  Lucay  zurückkehrte,  suchte  ich  sofort 
wieder  nach  Phrenapates  und  fand  in  den  nächsten  Tagen 
etwa  ein  Dutzend  Familien  mit  Larven  in  verschiedenen 
Stadien  und  frisch  entwickelten,  gleichmäßig  blaßgelben 
Käfern,  aber  keine  Puppen.  Ich  schlug  mit  dem  Spaten 
einige  große  Stücke  Holz  mit  Gängen  und  Nischen  los, 
reinigte  die  Nischen  sorgfältig,  setzte  die  Larven  hinein 
und  brachte  sie  im  Zuchtkasten  ohne  die  Iväfer  unter; 
aber  sie  gingen  mir  alle  zugrunde,  da  sie  offenbar  nicht 
imstande  waren,  das  zur  Nahrung  n(')tige  Holz  von  den 
Wänden  der  Nischen  selber  loszureißen.  Die  Stämme, 
in  denen  ich  die  Phrenapates-Familien  fand,  erwiesen  sich 
nach  der  Rinde,  nach  Färbung,  Schichtung  und  Geruch 
des  Holzes  als  Bombaxstämme;  außerhalb  der  Nischen 
resp.  (länge  habe  ich  niemals  eine  Larve  in  ihnen  gefunden, 
auch  niemals  Larven  in  den  Nischen,  ohne  daß  die  Käfer 
in  der  Nähe  gewesen  wären.  Vom  lebenden  Iväfer  habe 
ich  nie  zirpende  oder  schrillende  Töne  gehört,  auch  am  toten 
keinerlei  Schrillapparat  entdecken  können,  dagegen  bemerkt, 
daß  er  einen  starken  Duft  ausströmt,  ähnlich  unseren  Blaps- 
Arten. 

Bei  Pucay  überschreitet  die  Bahn  den  Rio  Chimbo 
und  steigt  im  Tal  des  Rio  Chanchan  hinauf;  die  nächste 
Station,  die  sie  nach  einstündiger  Fahrt  erreicht,  ist  Huigra, 
in  1000  Meter  Meereshöhe  gelegen.  Etwa  zwei  Drittel  des 
Weges  geht  es  durch  Wald;  dann  beginnt  die  Buschregion, 
in  der  ein  eigentümliches  Rohr,  Gynerium  sacharoides, 
mit  scharf  gesägten  Blättern  überwiegt.  Bei  Huigra  werden 
auch  die  Büsche  niedriger  und  spärlicher;   zwischen  ihnen 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


75 

trctcji  vcuL-inzelte  große  Caudelabcrkakttis  und  Agaven 
.vuf,  die  weiterhin  fast  die  einzigen  größeren  Tllanzen  neben 
spärliehem  Gras  sind.  Regen  fällt  bei  Huigra  nur  in  der 
Regenzeit  und  aueh  dann  nieht  reichlich;  demgemäß  finden 
sich  auch  nur  dann  Insekten  in  größerer  Anzahl.  Ich  sammelte 
einige  Tage  im  Juli  und  November  hier,  meine  Ausbeute 
war  aber  recht  spärlich.  Auf  einem  blühenden  Busch, 
ähnlich  unserer  Spiraea,  fand  ich  in  großer  i\Ienge  eine 
Cistelide,  unter  einem  toten  Hund  eine  Silpha,  unter  ^laul- 
tiermist  einen  auf  der  Westseite  häufigen  Onthophagus 
und  den  durch  ganz  Südamerika  verbreiteten  Aphodius 
brasiiieusis.  Außerdem  fand  icli  beim  Graben  unter  altem 
Kuhdünger  die  Brutpille  von  Phanaciis  luiuiris  Taschenbg. 
mit  einem  voll  entwickelten  Käfer  darin;  sie  glich  der  weiter 
oben  beschriebenen  Brutpille  von  Ph.  saphirüius,  jedoch 
war    die    umhüllende    Erdschicht    erheblich    dicker. 

Huigra  hat  eine  sehr  gesunde  Lage  und  wird  dariun 
als  Luftkurort  in  der  Regenzeit  von  den  Einwohnern  von 
Guayaquil  aufgesucht;  es  ist  auch  Sitz  der  Verwaltung 
der  Eisenbahngesellschaft.  Ich  lernte  hier  den  Eisenbahn- 
arzt Dr.  Davis  kennen,  der  sich  für  Zoologie  lebhaft  inter- 
essiert und  seit  6  Jahren  Sammlungen  der  hiesigen  Tierwelt 
an  die  Smithsonian  Institution  schickte;  von  der  letzten 
Sammelcampagne  hatte  er  noch  die  Coleopteren  im  Hause, 
von  denen  er  mir  in  liebenswürdigster  Weise  alle  mich 
interessierenden  Stücke  überließ;  auch  gab  er  mir  ein  $  des 
Dcniocraics  Burmcisteri,  der  bei  Guamote  im  Oktober  häufig 
ist.  Nach  seiner  Angabe  ist  Golofa  Aegcon  hier  häufig  und 
steckt  den  Tag  über  in  der  Erde,  wo  auch  die  Larve  lebt; 
beim  Graben  gelang  es  mir  auch,  eine  Larve  zu  findcMi, 
die  nach  ihrem  Fäces  zu  urteilen,  auch  im  erwachsenen 
Stadium  von  Erde  lebt. 

Den  19  engl.  Meilen  weiten  Weg  nach  Pucay  zurück 
machte  ich  zu  Fuß,  um  mir  das  Buschwerk  im  Übergangs- 

Stett.  eutomol.  Zeit.   1U09. 


76 

gebiet  etwas  näher  anzusehen.  In  der  Nälie  von  Huigra 
sah  ich  außer  der  oben  erwähnten  Cistehde  nur  eine  Halticine, 
die  aber  so  fUichtig  war,  daß  mir  alle  Stücke  entwischten; 
im  Übergangsgebiet,  lange  vor  Beginn  des  Waldes,  fand 
ich  nur  die  Arten,  die  ich  auch  bei  Pucay  gefunden.  Im 
ganzen  war  ich  von  der  Tour  recht  enttäuscht.  Ich  hatte 
geglaubt,  auf  den  Büschen  an  den  Seiten  des  Bahnkörpers 
reiche  Ausbeute  zu  finden,  weil  Insekten  ja  gern  Lichtungen 
und  Waldwege  aufsuchen,  aber  trotz  stundenlangen  Klopfens 
war  die  Ausbeute  recht  gering.  Vielleicht  sind  die  vielen 
Vögel  und  Eidechsen,  die  Libellen  und  Asiliden,  die  den 
Bahnweg  fleißig  abpatrouillieren,  schuld  an  dieser  Insekten- 
arnnit. 

Mühsam  klettert  der  Zug  hinter  Huigra  im  Tal  des 
Rio  Chanchan  (Schweinefluß)  hinauf;  enger  wird  das  Tal 
und  höher  die  Berge;  nur  am  Vier  des  wild  rauschenden, 
weißgrauen  Flusses  stehen  noch  einige  Büsche,  die  Berg- 
hänge sind  bis  auf  spärhclie  Agaven  und  (irasbiischel  kahl. 
In  steilem  Zickzack  —  vorwärts  erst,  dann  rückwärts, 
dann  wieder  vorwärts  gewinnt  die  Bahn  am  schroffen  West- 
abhang der  Teufelsnase,  Nariz  del  Diavolo,  die  Hochebene 
und  eilt  dann  rascher  zur  nächsten  Station  Alausi,  die 
bereits  auf  2390  Meter  Meereshöhe  liegt.  Die  Landschaft 
trägt  hier  schon  ganz  den  Charakter  der  interandinen  Hocli- 
ebene:  im  Tal  saftig  grüne  Matten,  soweit  die  künstliche 
Bewässerung  reicht,  die  W\-ge  und  Felder  nnl  ludwällen 
und  Agaven  eingefaßt,  stellenweise  Alleen  \on  Eucalyptus- 
bäumen,  ähnhcli  unseren  Pappelalleen;  wo  die  künstliche 
Bewässerung  niclit  hinreicht,  fehlt  auch  die  Vegetation 
bis  auf  vereinzelte  Erdbromelien,  Agaven  und  Grasbüschel. 
Bald  Innter  Alausi  passiert  die  Bahn  ein  enges  Tal  und  tritt 
ins  CK4Met  der  Paramos,  weite,  öde  Strecken  ohne  alle  \>ge- 
tation.  Bei  Palmyra  erreicht  die  Bahn  ihren  höchsten 
Punkt,  etwas  über  4000  Meter  und  berührt  dann  Guamote, 

Stett.  entomol.  Zeit.  190  9. 


das  noch,  'm  FaraniQ  Kegt;  dem  Jdeinen  Wasserdien,  das 
neben  der  Bahn  dahinransciit.  dürfen  wir  Grüße  an  den 
Amazonas  mitgeben,  denn  wir  haben  die  Wasserscheide 
überschritten  und  sind  in  das  Flußgebiet  dieses  gewaltigen 
Stromes  eingetreten.  Es  war  Nacht,  als  wir  in  Colta.  damals 
Endpnnkt  der  Eisenbahn  ankamen,  aber  prachtvoll  sternklar 
mid  das  bewog  mich,  eine  Gelegenheit  zmr  Weiterfahrt 
nach  Riobamba  zn  benntzen.  Ein  leichter,  mit  z  Manl- 
tieren  bespannter  offener  Wagen  brachte  mis  in  zwei  Stunden 
ans  Ziel;  kösthch  war  die  Fahrt  durch  die  stille  Nacht, 
über  uns  der  wolkenlose,  taefdrmkTe  Himmel  mit  seiner 
Fülle  von  Sternen,  die  in  der  Maren  Lnft  leuchteten  und 
glitzerten,  wie  bei  uns  in  WintemäclLten ;  deutfich.  wenn 
aucfi  schwach,  leuchtete  die  mit  Schnee  bedeckte  Euppe 
des  Chimborazo  horuber. 

Riobamba.  die  drittgrößte  Stadt  des  Landes,  liegt 
auf  2800  Meter  Meereshöhe  in  einem  weiten  TaL  das  durch 
den  Rio  Chambo  nach  dem  Pastassa,  einem  Nebenfluß 
des  Amazonas,  entwässert  wird.  Den  Boden  bildet  die 
Cangagua,  ein  Conglomerat,  das  sich  auf  dem  Bodoi  des 
das  Tal  früher  bedeckenden  Sees  aus  Geröll,  feinem  Sediment 
und  vulkanischem  Sand  gebildet  hat.  Darüber  lagert  vul- 
kanischer Sand.  Auswurf  aus  den  Vulkanen,  die  den  Höhen 
ringsum  aufsitzen,  dem  Ch  mborazo  und  Carihuairazo  un 
X.-W.,  dem  Tungurahua  im  N.-O.  und  dem  Altar  im  Osten. 
Dieser  Sand  ist  ungemein  fein,  beweglich  und  di  er  alles 
Wasser  durchläßt,  so  ist  die  Vegetation-  naturgemäß  recht 
arm.  Nur  da.  wo  sich  künsthche  Bewässerung  eir—''^"  " 
läßt,  ist  Ackerbau  möghch,  der  zudem  nocli  durch  .._::, 
Nachtfröste  erschwert  wird. 

Ich  lernte  hier  zwei  deutsche  Naturforscher  kennen, 
die  Herren  Drs.  August  (Botaniker)  und  Kart  {Ge<3loge) 
Rimbach.  die  seit  Jahren  im  Lande  ansässig  sind  und  es 
nach   allen    Richtungen  hin   bereist    haben.       In    liebens- 

Stett.  äitxiniiii.   Zeir.    IM^. 


78 

würdigster  Weise  stellten  sie  sich  zu  meiner  Verfügung, 
begleiteten  mich  auf  meinen  Exkursionen,  halfen  mir  beim 
Sammeln  und  haben  mich  auch  nach  meiner  Rückkehr 
noch  durch  Zusendung  von  Käfern,  die  sie  bei  ihren  Reisen 
fanden,  unterstützt.  Ich  sammelte  in  Riobamba  vom 
28.  VI.— 8.  VII.  und  vom  14.— 22.  XI. 

Die  Insektenfauna  der  Umgegend  von  Riobamba  ist 
arm  an  Arten,  doch  treten  viele  davon  in  großen  Mengen 
auf.  Von  Tagschmetterlingen  fliegen  nur  einige  Weißlinge 
und  Bläulinge;  Nachtschmetterlinge  sind  häufiger,  gehören 
aber  fast  alle  zu  Arten,  die  durch  ganz  Amerika  verbreitet 
sind.  Von  Fliegen  sind  einige  Asiliden  häufig,  von  Hyme- 
nopteren  eine  auffallend  rotgelb  gefärbte  große  Sphegide. 
Von  Käfern  sind  unter  Steinen  ein  Harpalus  ähnlicher 
Carabide,  eine  Tenebrionide  und  Rüßler  zuweilen  in  un- 
heimlichen Mengen  vorhanden,  unter  Aas  die  kosmo- 
politischen Dermestes  vulpinus  und  Necrohia  ruficoUis  und 
der  in  ganz  Südamerika  häufige  Trox  suherosus.  Von  AiwiHnla 
aequatorialis  fand  ich  im  Juli  vereinzelte  tote  Stücke;  im 
November  kam  der  Käfer  häufig  des  Nachts  ans  elektrische 
Licht  geflogen.  Recht  charakteristisch  für  das  Tal  von 
Riobamba  und  auffallend  durch  ihre  Lebensweise  sind 
Baroiheus  andinus,  Democrates  Burmeisteri  und  Praogoloja 
unicolor;  sie  alle  sind  Nachttiere  und  stecken  den  Tag  über 
in  der  Erde  oder  unter  Steinen,  wo  sie  von  verwesenden 
Pflanzenstoffen  leben.  Ihre  Larven  leben  in  der  Erde  und 
fressen  Erde.  Von  B.  andinus  erhielt  ich  schon  Ende  Mai 
lebende  Stücke  aus  Colta;  ich  fand  den  Käfer  selber  unter 
Steinen  und  in  der  Erde  zusammen  mit  P^iern  und  Larven, 
einmal  in  trockenem  Hopfen,  ein  andermal  unter  altem, 
vom  Regen  ausgelaugtem  Kuhmist  melirere  Käfer,  darunter 
ein  Paar  in  Copula,  Eier  und  junge  Larven.  Von  Democrates 
Burmeisteri  fand  ich  im  Juli  nur  tote  Stücke;  im  November 
traf  ich  den  Käfer  nach  Regen  häufiger,  aucli  ein  $  in  der 

■     Stett.  eutomol.  Zeit.   1909. 


79 

Erde  unter  einem  abgehauenen  Agavestrunk  zusammen 
mit  Eiern  und  jungen  Larven.  Praogolofa  uiiicolor  hatte 
ich  im  Juli  nicht  zu  Gesicht  bekommen,  im  November 
dagegen  lagen  tote  Stücke  zu  Hunderten  auf  den  öden 
Feldern  am  Wege  nach  Guaranda.  Auf  diesen  Feldern 
wächst  vereinzelt  ein  schilfartiges  Gras,  Arundo  nitida, 
von  den  Indianern  sigsig  genannt  und  zum  Decken  der 
Häuser  benutzt ;  ältere  Büsche  sterben  in  der  Mitte  ab 
und  wachsen  peripherisch  weiter,  so  daß  sie  allmählich 
große  Ringe  bilden.  In  der  Mitte  dieser  Ringe  legt  der  Käfer 
seine  Eier  ab  und  die  Larven,  die  die  Erde  mit  den  ab- 
gestorbenen Wurzeln  fressen,  wühlen  auf  der  Suche  nacli 
Nahrung  den  losen  Sand  derartig  auf,  daß  ihre  harten, 
wie  flache  Bohnen  geformten  Fäces  an  die  Oberfläche 
kommen  und  so  die  Anwesenheit  der  Larve  verraten.  In 
manchen  Ringen  fand  ich  Tausende  von  Fäces,  die  der 
Wind  wegen  des  Graswalles  ringsum  nicht  verwehen  konnte. 
Die  Käfer  stecken  den  Tag  über  in  der  Erde  und  fressen 
auch  Graswurzeln ;  sie  kommen  besonders  nach  einem 
Regen  hervor,  wie  ich  am  21.  XL  beobachten  konnte,  fliegen 
dicht  über  dem  Boden  mit  lautlosem  Flug  herum  und 
schreiten  dann  wohl  auch  zur  Paarung. 

Die  auf  den  kahlen  Feldern  herumliegenden  toten 
Exemplare  der  genannten  drei  Dynastiden  und  der  Anomala 
acqiiatorialis  werden,  wenn  sie  mit  den  Beinen  an  einem 
Hindernis  festgeraten,  so  daß  sie  der  Wind  nicht  weiter 
herumtreiben  und  vernichten  kann,  durch  den  feinen, 
über  sie  hinstreichenden  Sand  zuerst  der  glänzenden  Ober- 
liaut  beraubt,  matt,  und  dann  durch  die  Sonne  allmählich 
auf  der  nach  oben  liegenden  Seite  vollständig  gebleicht. 
Ich  habe  solche  Stücke  mitgebracht,  die  auf  der  Oberseite 
schneeweiß  geworden  sind,  während  auf  der  Unterseite 
die   natürliche   Färbung   vollständig  erhalten   blieb. 

Im    Tal    von    Riobamba    finden    wir,    wie    schon    kurz 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


80 

bemerkt,  eine  üppigere  Vegetation  nur  an  Stellen,  die  künst- 
lich bewässert  sind,  für  den  Sammler  aber  sind  solche  Plätze 
weniger  ergiebig  als  das  ödeste  Feld.  Die  hochgelegenen 
Ebenen  und  die  Abhänge  der  Berge  sind  spärlich  bewachsen 
oder  in  weiter  Ausdehnung  ganz  kahl.  Erst  in  Höhen  von 
3200 — 3500  Meter  ab  finden  wir  wieder  üppige  Wiesen 
und  in  den  Falten  dichten,  wenn  auch  niedrigen  Wald. 
Das  belebende  Naß  spenden  dieser  Vegetation  die  Wolken, 
die  diese  Höhen  fast  immer  umlagern.  Auf  einem  Ausflug 
nach  den  Ausläufern  des  Cubillin  lernte  ich  dieses  Gebiet 
zuerst  kennen.  Schon  gleich  hinter  dem  Dorf  Chambo 
wurde  die  Vegetation  üppiger;  am  Wege  stand  vielfach 
eine  Art  Kamille,  auf  der  in  großer  Zahl  eine  hübsche  erz- 
grüne Mylabride  mit  roten  Flecken  saß.  Die  von  kristall- 
klaren, aber  eisigkalten  Bächen  durchflossenen,  üppigen 
Wiesen  waren  bevölkert  von  großen  Herden  von  Rindern 
und  Maultieren,  unter  deren  Exkrementen  ich  vereinzelt 
den  hübschen  Pinohts  Cotopaxi  fand;  alte,  vom  Regen 
ausgelaugte  Exkremente  waren  besiedelt  von  Käfern  und 
Larven  in  allen  Stadien  des  Barothcus  andinus.  Unter 
Steinen  waren  Carabiden  nicht  selten,  auch  einige  Rüßler, 
und  am  Rand  der  Bäche  fand  ich  einen  großen  Regen- 
wurm, der  wie  ein  Wattenwurm  die  Erde  in  faustgroßen 
Haufen  ausgeworfen  hatte.  Den  Wald  in  dieser  H(')he, 
3500  Meter,  konnten  wir  leider  nicht  genauer  untersuchen, 
da  Regen  kam  und  nirgends  ein  Unterkommen  zum  Über- 
nachten war;  er  setzt  sich  zusammen  aus  2 — 4  Meter  hohen, 
stark  verzweigten  Bäumen,  deren  Äste  mit  Epipliyten 
aller  Art  überladen  sind;  in  dem  Wasser  zwischen  den 
Blättern  einer  großen  Bromelie  fand  ich  eine  Fliegenlarve 
mit  etwa  12  cm  langer  Atemröhre,  aber  keine  Käfer. 

Am  8.  VII.  fuhr  ich  von  Riobamba  nach  Colta  zurück; 
die  Felder  am  Wege  sind  bald  mit  Agave  americana,  bald 
mit  Foucroya  gigantea  eingehegt,  deren  lange  Blütenscliäfte 

Stett.  eutomol.  Zeit.   1909. 


81 

statt  Latten  bei  Einfriedigungen  gebraucht  werden.  Bei 
Colta,  dessen  Meereshöhe  3288  Meter  beträgt,  liegt  eine 
große  Lagune,  die  zurzeit  teihveise  eingetrocknet  war; 
auf  dem  schlammigen  Boden  saßen  unzählige  Mengen 
einer  Fliege  von  der  Größe  unserer  Stubenfliege;  in  dem 
Rohr  am  Ufer  hauste  ein  kibitzartiger  Vogel,  Schnabel 
und  Füße  rot,  Kopf  und  Rücken  taubengrau  mit  Bronze- 
schimmer, die  Schultern  dunkel,  ein  schiefer  Strich  über 
den  Flügeln  und  der  Bauch  weiß,  von  denen  ein  Jäger 
in  kurzer  Zeit  gegen  20  Stück  schoß.  An  den  Rinnsalen, 
die  dem  See  zuflössen,  waren  Libellen  häufig,  sonst  aber 
war  die  Insektenwelt  recht  arm;  ich  sammelte  hier  zwei 
Tage  lang,  fand  aber  nur  wenig  Käfer,  die  zu  denselben 
Arten  gehörten,  die  ich  schon  bei  Riobamba  gefunden; 
auch  Pinotus  Cotopaxi  war  hier,  aber  nur  auf  den  grünen 
Höhen  zwischen  3500 — 4000  Meter. 

Zu  den  Plätzen  in  Ecuador,  die  ich  besuchen  wollte, 
gehörte  auch  Loja,  eine  kleine  Stadt  im  Süden  nahe  der 
peruanischen  Grenze,  den  Entomologen  wohlbekannt  als 
Fundort  vieler  seltener  Formen.  Ich  hatte  erfahren,  daß 
dort  ein  Landsmann  wohnte  und  schrieb  an  ihn,  ob  er  mir 
ein  Unterkommen  besorgen  wolle.  Ende  Juli  lernte  ich 
in  Guayacjuil  den  Lojaner  Kaufmann  Manoel  Jose  Espinosa 
kennen,  der  nach  der  Küste  gekommen  war,  um  Waren 
einzukaufen;  auf  eine  Anfrage  erlaubte  er  mir  gern,  in 
seiner  Begleitung  die  Reise  nach  Loja  zu  machen,  besorgte 
mir  in  liebenswürdigster  Weise  Reittier  und  Lasttier  für 
mein  Gepäck  in  Santa  Rosa  und  half  mir,  da  ich  mit  der 
Art  des  Reisens  im  Lande  noch  wenig  vertraut  war,  unter- 
wegs in  jeder  Weise.  Da  es  Gast-  oder  Unterkunftshäuser 
im  ganzen  Süden  nicht  gibt,  ist  es  natürlich  sehr  wichtig, 
einen  Begleiter  mit  guter  Wege-  und  Personenkenntnis 
bei  sich  zu  haben.  Wir  verließen  Guayaquil  am  27.  VII. 
mit   dem   kleinen   Dampfer   Olmedo,   der   uns   flußab   nach 

Stett.  entomol.  Zeit.   1908.  G 


82 

Pirna  und  längs  der  Küste  nach  Puerto  Bolivar,  dem  Hafen 
von  Machala  brachte;  von  da  ging  die  Fahrt  in  einem  See- 
wasserkanal zwischen  Mangroven  weiter  nach  Santa  Rosa. 
Hier  verließen  wir  den  Dampfer  und  ritten  am  29.  durch 
die  Ebene  bis  an  den  Fuß  des  Gebirges.  Der  Weg  führt 
zuerst  durch  flaches  mit  Gebüsch  und  vereinzelten  Bombax- 
bäumen  bestandenes  Land;  dann  geht  es  über  einen  nie- 
drigen Höhenzug  an  den  Rio  Santa  Rosa  und  in  dessen 
Tal  aufwärts.  Achtundvierzig  Mal  ritten  wir  durch  den 
Fluß,  zuletzt  längere  Strecken  im  Fluß  selber,  da  hohe 
Felsen  und  die  ungemein  üppige  Vegetation  ein  Vorwärts- 
kommen neben  dem  Fluß  unmöglich  machten.  Diese  üppige 
Vegetation,  viel  versprechende,  gestürzte  Baumriesen  und 
herumfliegende  Insekten  erweckten  in  mir  den  lebhaftesten 
Wunsch,  abzusteigen  und  zu  sammeln;  aber  Sr.  Manoel 
trieb  unbarmherzig  zum  Weiterreiten  an,  um  noch  vor 
Dunkelwerden  unser  heutiges  Reiseziel  zu  erreichen.  Um 
5  Uhr  kamen  wir  nach  Chonta,  einer  einfachen  Bambus- 
hütte auf  Pfählen,  wo  wir  abstiegen  und  übernachteten. 
Zum  Abendessen  gab  es  Ragout  vom  schwarzen  Brüll- 
affen, der  uns  später  ganz  in  der  Nähe  ein  durchdringendes 
Abendkonzert  lieferte,  assistiert  von  Fröschen  und  Cicaden. 
Die  Szenerie  war  recht  malerisch ;  dicht  ums  Haus  der 
düstere  Urwald  mit  seinen  vielen  Tierstimmen  und  den 
Mengen  von  Leuchtkäfern,  über  uns  der  klare  Sternen- 
himmel, die  ganze  Plattform  der  Hütte  belebt  von  Reisenden 
in  den  abenteuerlichsten  Kostümen,  Arrieros,  Montaneros 
und  Lidios;  das  lebhafte  Gespräch,  das  sich  hauptsächlich 
um  den  morgigen  Weg  drehte  und  nicht  zuletzt  das  unge- 
wohnte harte  Lager  auf  dem  Fußboden  aus  gespaltenem 
Bambus  ließen  mich  lange  nicht  einschlafen.  Am  nächsten 
Morgen  um  5  Uhr  standen  wir  auf,  tranken  rasch  eine  Ta.sse 
Kaffee  und  ritten  weiter.  Chonta  liegt  bereits  in  der  Zone 
der  Dauerregen,  die  hier  aufwärts  bis  zur  Paßhöhe  reicht; 

Stctt.  cntomol.   Zeit.   190». 


83 

der  Wald  ist  ungemein  üppig  und  dürfte  einem   Sammler, 
der  sich  hier  einige  Zeit  seßhaft  macht,   reichste  Ausbeute 
liefern.      Der  Weg  führte   zuerst   eine   kurze    Strecke   sanft 
bergauf   durch    üppigen    Wald,    aus    dem    uns    in    nächster 
Nähe  die  Brüllaffen  guten  Morgen  wünschten,  dann  beginnt 
das   Hinaufklettern  an  der  hier  steil  abfallenden  Westcor- 
dillere.     Es  ist  ein  Klettern  im  wahren  Sinne  des  Wortes, 
zumal    in    den    sogenannten    Escaleras,    engen    gewundenen 
Schluchten,    in    denen    die    Tiere    wie    auf    Wendeltreppen 
die  zuweilen  meterhohen  Felsenstufen  hinaufspringen  müssen. 
Am  Eingang  in  diese  Escaleras  sind  Nischen  in  die  Felsen 
gehauen,    in   denen    der   fromme    Reisende   seinem    Schutz- 
patron eine  Kerze  für  gute  Reise  opfert;  in  die  Felsen  ein- 
gegrabene Kreuze  bezeichnen  die  Stellen,  wo  Reiter  gestürzt 
sind   und   den   Tod   gefunden   haben.      In   den    Senkungen 
zwischen  den  Escaleras  geht  es  streckenweise  durch  tiefen 
Morast,    da    das    Wasser    hier    keinen    Abfluß    findet,    oder 
über    höchst    bedenkliche    Knüppeldämme.        Das    Wetter 
war  trüb,  blieb  aber  glücklicher  Weise  trocken;  manchmal 
zerriß  der  Wolkenschleier,   der  das   Gebirge  umhüllte,   und 
gab  den  Blick  über  dichten  Wald  und  in  tiefe  Schluchten 
an  den   Seiten  des  Weges  frei.      Schmetterlinge,  besonders 
Caligo,    Heliconier   und    Ithomien   waren    ungemein   häufig, 
weiter    oben    auch    eine    oben    blaugrüne    Catagramme.    in 
solchen  Mengen,  daß  die  Tiere  sie  zuweilen  tottraten.    Aber 
an   Sammeln  war  nicht  zu  denken,  ich  hatte  alle  Not  mit 
meinem    Reittier,    das    sich    die    erdenklichste    Mühe    gab, 
mich  wieder  nach  Santa  Rosa  zu  bringen.     Um  Mittag  er- 
reichten wir  die  Paßhöhe  —  kurz  vorher  besteht  der  Wald 
fast  nur  aus   Palmen  —  warfen  noch  einen   Blick  auf  die 
in  Wolken  gehüllte  Cordillere  und  ritten  dann  in  das  von 
wolkenlosem  Himmel  überspannte  Tal  von  Zaruma  hinab. 
Am    ersten    Haus    rasteten    wir,    trockneten    und    reinigten 
uns  notdürftig  vom  angespritzten  Morast  und  frühstückten; 

Stett.  eutomol.  Zeit.   1909.  G* 


84 

dann  ging  es  weiter  auf  guten   trockenen   Wegen,   bis   wir 
des  Abends  Zaruma  erreichten.     Die  Vegetation  unterwegs 
ist    ähnlich    der    von    Huigra,    viel    Buschwerk,    künstliche 
Bewässerung    für    Felder    von    Zuckerrohr,    Bananen    und 
stellenweise    Kaffee.      Wir   übernachteten   bei    Sr.    Danielo, 
einem    Gastfreund    des    Sr.    Manoel,    die    Gastfreundschaft 
bestand  —  wie  auf  der  ganzen  Hochebene  üblich  —  darin, 
daß  wir  eine  einfache  Suppe  aus  Yucca  (Mandioka),  Platanos 
(Bananen)    und   etwas   Fleisch  bekamen   und  uns   auf  dem 
Fußboden  der  Stube  aus  mitgebrachten  Decken  ein  Lager 
zurechtmachen  durften,  wo  uns  die  Flöhe,  die  Wappentiere 
der  Montaneros,  wenig  Ruhe  ließen.     Am  nächsten  Morgen 
standen  wir  wieder  um  5  Uhr  auf,  tranken  eine  Tasse  Kaffee 
und  ritten  weiter.     Zuerst  ging  es  so  steil  bergab,  daß  wir 
absteigen    mußten,    unten    über    den    Fluß    und    dann    auf 
wechselnden  Wegen,  über  Höhen  und  durch  Flüsse;  einmal 
ritten  wir  an   einer   Bergwand  dahin,   rechts   steile   Felsen, 
links  schroffer  Abhang,   unten   der   Fluß,   der   Pfad   oft   so 
schmal,  daß  der  linke  Fuß  über  dem  Abgrund  hing.     Nun 
begriff  ich,  warum  man  hier  statt  der  Steigbügel  metallene 
Schuhe    oder   hölzerne,    mit    Leder    überzogene    Kästen,    in 
denen  der  ganze  Fuß  Platz  hat,  gebraucht :  es  ist  um  ihn 
gegen  das  Anstoßen  an  die  Felsen  beim  Passieren  solcher 
engen    Pfade    zu    schützen.       Einmal    durchritten    wir    eine 
brennende  Loma,  mit  Gras  und  Gebüsch  bestandene  flache 
Hügel,    die    in    der    Trockenzeit    abgebrannt    werden.       Um 
Mittag    überschritten    wir    einen    Höhenzug,    von    dem    aus 
wir    noch    einmal    einen    schönen    Überblick    über    das    Tal 
von    Zaruma    hatten,    und    kamen    in    einen    kleinen    Wald, 
wo  wir  frühstückten.   Was  icli  liier  an  Insekten  fand,  stinnnle 
überein  mit  dem,  was  ich  bei  Pucay  gefunden.     Dann  ging 
es  auf  gutem  Weg  an  der  Seite  eines  langgestreckten,  viel- 
fach gewundenen  Rückens  dahin,  bis  wir  am  Abend  wieder 
auf  die  Höhe  hinaufkamen  und  bei  einem  einsamen  Gehöft, 

Stett.  entoniol.   Zeit.    1909. 


85 

Sambi  genannt,  hielten.  Hier  aßen  wir  zu  Nacht  und  ver- 
suchten auf  einer  Holzbank  zu  schlafen;  Kälte,  Flöhe 
und  das  harte  Lager  ließen  mich  auch  hier  nicht  einschlafen 
und  ich  war  froh,  als  Sr.  Manoel  um  2  Uhr  schon  weckte. 
Wir  tranken  rasch  einige  Tassen  heißen  Kaffee  und  dann 
ging  es  hinein  in  die  finstere  Regennacht.  Zuerst  ging  es 
immer  bergauf  oder  eben  dahin,  bis  wir  um  5  Uhr,  als  es 
zu  grauen  anfing,  den  Abstieg  begannen.  Die  Vegetation 
ist  hier  recht  spärlich:  Agaven,  Säulenkaktus  und  flache 
Mimosenbäume  dicht  mit  Tillandsia  behangen.  Wir  passierten 
das  Dorf  San  Pedro  und  kamen  dann  über  einen  ganz  kahlen 
Rücken,  wo  uns  die  Sonne  erbarmungslos  auf  den  Kopf 
brannte,  ins  Tal  des  Rio  Catamayo,  den  wir  durchritten, 
um  auf  der  anderen  Seite  bei  einem  einsamen  Haus  zu  halten. 
Hier  rasteten  wir  einige  Stunden,  frühstückten  und  dann 
ging  es  wieder  flott  bergan  über  den  Paß  am  Villonaco 
(3000  Bieter)  in  das  Tal  von  Loja.  Gegen  8  Uhr  Abends 
kamen  wir  endlich  in  der  Stadt  an,  wo  ich  im  Hause  meines 
Landsmannes  von  seiner  Familie  —  er  selber  war  auf  Reisen 
—  herzlich  aufgenommen  wurde. 

2.  August.  Nachdem  ich  seit  5  Nächten  zum  ersten 
]Mal  wieder  in  einem  Bett  geschlafen,  zum  ersten  Mal  wieder 
mich  gewaschen  und  umgekleidet,  sah  ich  mir  zunächst 
die  Stadt  an.  Sie  liegt  2200  Meter  hoch  in  einem  lang- 
gestreckten Tal,  das  im  Osten  von  der  Ostcordillere,  im 
Süden  \-on  der  Cajanuma,  im  Westen  von  der  Chonta  Cruz 
und  dem  MUonaco,  im  Norden  vom  Masaca  eingeschlossen 
und  vom  Rio  Zamora  durchflössen  wird,  mit  dem  sich  der 
von  der  Cajanuma  kommende  Rio  Malacatus  unterhalb  der 
Stadt  vereinigt.  Die  beiden  Hauptstraßen,  die  Galle  Bolivar 
und  Calle  Sucre  durchziehen  sie  der  ganzen  Länge  nach, 
gekreuzt  von  vielen  kurzen  Querstraßen;  an  der  ersteren, 
in  der  sich  auch  die  Kaufläden,  Apotheken  und  die  Kaserne 
befinden,  liegen  mehrere  Kirchen  und  die  Katliadrale  mit 

Stctt.  eutomol.  Zeit.   1908. 


86 

der  großen  viereckigen  Plaza  davor.  Loja  hat  etwa  5000 
Einwohner,  ist  Sitz  des  Gouverneurs  der  gleichnamigen 
Provinz  und  der  Regierungsbehörden,  eines  Bischofs  und 
mehrerer  Klöster;  die  Bevölkerung  lebt  vom  Ackerbau 
und  etwas  Handel  mit  der  Küste.  Herr  Witt  hatte  mir 
m  Hause  der  Sennora  Dorothea  Carrion  auf  der  Plaza 
eine  Wohnung  besorgt,  von  der  aus  ich  einen  hübschen 
Blick  auf  die  Kathedrale  mit  der  dahinter  sich  auftürmenden 
Ostcordillere  hatte;  meist  war  diese  in  Wolken  gehüllt, 
die  sich  nur  kurz  vor  Sonnenuntergang  zuweilen  auf  Augen- 
blicke verzogen  und  dann  gab  es  wundervolle  Beleuch- 
tungen, glutrote  Kuppen  und  sattblaue  Täler.  Das  Klima 
von  Loja  ist  außerordentlich  gesund,  die  Temperatur  recht 
gleichmäßig  und  Niederschläge  nur  in  der  Regenzeit  häufig; 
in  der  Zeit  vom  i.  August  bis  16.  Oktober  hatten  wir  außer 
einigen  wenigen  kurzen  Regenschauern  mit  heftigem  Wind, 
hier  Paramada  genannt,  nur  Anfang  Oktober  einige  Ge- 
witterregen. Der  Gesundheitszustand  ist  jedoch  trotzdem 
schleclit;  es  fehlt  an  Wasserleitung  und  Sielanlagen,  ja 
es  gibt  nicht  einmal  Klosets  in  den  Häusern  und  Typhus, 
Dysenterie,  Eingeweidewürmer,  spec.  Ancylostoma  sind 
daher  endemisch.  Meine  Kost  bekam  ich  im  Hause,  aber 
ihre  schlechte  Zubereitung  und  die  mangelnde  Reinlichkeit 
beeinträchtigten  sehr  die  Freude  an  der  herrlichen  Natur. 
Den  Grund  des  Tales  von  Loja  bilden  tertiäre  Schichten, 
denen  Gerolle  von  den  Berghängen  und  Sedimente  neueren 
und  neuesten  Datums  aufgelagert  sind.  Der  Talgrund, 
soweit  die  Feuchtigkeit  der  Flüsse  und  künstliche  Bewässe- 
rung reichen,  ist  gut  bewachsen;  die  Hänge  sind  mit  Gras- 
wuchs und  zerstreutem  Buschwerk  bekleidet,  auf  denen 
zahlre'che  Viehherden  weiden;  vom  Wald  sind  an  der  Caja- 
numa,  Chonta  Cruz,  am  Villonaco  und  am  Masaca  nur  noch 
geringe  Reste  in  den  Schluchten  erhalten,  das  meiste 
ist   bereits  der   Kultur  zum   Opfer  gefallen.      Nur   an    der 

Stett.  eutomol.  Zeit.  1909. 


87 

Ostcordillere  ist  der  Wald  noch  reichlich,  aber  bis  dahin 
ist  der  Weg  noch  weiter,  als  zu  den  genannten  Orten,  die 
alle  einen  2 — 3stündigen  strammen  Marsch  von  Loja  ent- 
fernt sind.  Bei  dem  günstigen  Wetter  machte  ich  fast  täglich 
Exkursionen  und  brachte  nach  und  nach  eine  schöne  Aus- 
beute an  Insekten  zusammen.  Ich  hoffe,  später  ein  Ver- 
zeichnis der  hier  gefangenen  Käfer  geben  zu  können;  jetzt 
mr)chte  ich  nur  einige  Lamellicornier  besprechen,  die 
mein  Interesse  vor  allem  in  Anspruch  nahmen. 

Die  Hügel  nahe  der  Stadt,  der  Pucara  im  Süden,  am 
linken  Ufer  des  Zamora  und  der  Calvario  an  dessen  rechtem 
l^fer  \^or  der  Ostcordillere,  dienen  hauptsächlich  als  Weiden 
für  Rinder,  Pferde  und  Maultiere.  Sie  tragen  dichten  Gras- 
wuchs mit  zerstreutem  Buschwerk,  das  stellenweise  zu 
kleinen  Ciehölzen  zusammentritt.  Hier  bot  sich  reiche 
Gelegenheit  zum  Sammeln  und  Beobachten  der  Mistkäfer. 
Am  häufigsten  war  Onthophagus  inccnsiis  Say;  in  allen 
Größen  und  Farbenvarietäten  fand  er  sich  überall  in  großer 
Menge;  zu  Hunderten  sammelte  ich  seine  Brutpillen  mit 
Eiern,  Larven,  Puppen  und  frisch  entwickelten  Käfern. 
Noch  deuthcher  als  bei  0.  hirciilus  konnte  ich  hier  beobachten, 
daß  die  Brutpillen  nicht  von  außen  bearbeitet,  sondern 
uur  in  den  gegrabenen  Stollen  hineingepreßt  wurden,  je 
nach  der  Lage  dieses  bald  vertical,  lang  und  dünn,  bald 
kurz  und  dick,  bald  nahezu  horizontal,  bald  bohnenfVhmig 
gekrümmt,  wenn  eine  Pflanzenwurzel  im  Wege  war.  Auch 
hier  wurde  nur  etwa  ein  Drittel  der  Brutpille  von  der  Larve 
aufgebraucht,  ehe  sie  sich  verpuppte.  So  lange  ich  in  Loja 
war,  fand  ich  immer  alle  Stadien  des  Käfers.  Etwas  weniger 
häufig  als  0.  iiiceiisus  fand  ich  Aphodius  brasilicnsis,  meist 
in  Pferde-  oder  Maultiermist;  die  Larve  lebt  im  Mist  selber 
und  geht  erst  zur  Yerpuppung  in  die  Erde  direkt  unter  dem 
:\Iisthaufen,  wo  sie  sich  aus  Mist  und  Erde  einen  Kokon 
zusammenklebt . 

Stett.  eutomol.  Zeit.  11)09. 


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Ungemein  häufig  ist  ein  kleines  bcliaartes  Choeridiiun 
resp.  Tnchilluiii  n.  sp.;  der  Käfer  findet  sich  in  frischem 
Rinder-  und  Maultiermist,  die  Eier  aber  werden  nur  in 
älteren,  außen  ganz  trockenen  Kuhfladen  abgelegt,  wo 
sich  die  Larve  nahe  an  der  Peripherie  Gänge  nagt  und  sich 
auch  verpuppt,   ähnlich  unserem  Aphodius  haemorrhoidalis. 

Um  die  Kuppe  des  Pucara  stand  das  Gebüsch  dichter, 
dazwischen  vereinzelte  Erdbromelien  und  Kräuter,  die 
in  dem  offenen  Wiesengelände  unten  fehlten.  Hier  wie 
an  einer  ähnlichen  Stelle  am  Calvario  fand  ich  eine  neue 
Art  Uroxys  in  Rinder-  und  Pferdemist.  Der  Käfer  stellt 
sich  tot,  wenn  man  ihn  berührt,  gerade  wie  0.  incensus, 
bleibt  aber  länger  in  dieser  Stellung  und  ist  in  seinen  ganzen 
Bewegungen  langsamer.  Die  Brutpihen  sind  ähnlich  denen 
von  Onthophagus,  die  Larve  aber  etwas  länger  und  schlanker. 

In  diesem  selben  Gebiet  fand  ich  auch  Pinotus  Cotopaxi. 
Auf  den  saftigen  Wiesen  unten,  wo  Futter  für  ihn  in  Menge 
herumlag,  fand  ich  trotz  allem  Suchen  nie  ein  Stück,  in 
der  Buschregion  oben  jedoch  konnte  ich  bei  jeder  Exkursion 
auf  einige  Exemplare  rechnen.  Sie  graben  wie  Geotrupes 
.ihre  Gänge  unter  Kuhmist  ebensogut  wie  unter  Mulamist; 
einmal  fand  ich  auch  am  Grunde  eines  schief  nach  unten 
gehenden  Stollens  ein  etwa  Hühnerei  großes,  von  außen 
nicht  bearbeitetes  Depot  aus  frischem  Mist.  Leider  miß- 
glückten meine  Versuche,  den  Käfer  zum  Brüten  zu  bringen, 
sei  es,  weil  die  Erde  ihm  zu  trocken  und  lose  war,  sei  es, 
daß  ihm  das  Futter  —  Kuhmist  von  einer  Weide  am  Flusse 
— •  nicht  zusagte. 

Noch  beschränkter  in  seinem  Auftreten  als  die  oben 
genannte  n.  sp.  Uroxys  war  eine  zweite  n.  sp.  derselben 
Gattung.  Sie  fand  ich  östlich  der  Stadt  nur  in  einer  tief 
eingerissenen  Schlucht  auf  der  Ostseite  des  Pucara,  in 
der  viele  Melastomaceen  und  andere  blühende  Büsche 
standen.    Hier  fand  ich  den  Käfer  vereinzelt  unter  Kuhmist; 

Stett.  cntomol.  Zeit.  1909. 


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am  Villoiiaco  fand  ich  ihn  häufiger  und  einni;il,  ;iin  5.  IX. 
auch  che  Brutpillen  mit  Larven.  Die  ersteren  sind  grciüer 
als  die  von  Onthophagus,  und  die  Eikammer  rehitiv  kleiner; 
von  6  Brutpillen,  die  ich  ausgrub,  enthielten  3  abgestorbene, 
vertrocknete  Larven. 

Nachdem  endlich  mein  Gepäck  angekommen,  machte 
ich  am  23.  VIIL  die  erste  Exkursion  nach  dem  \'illonaco. 
Man  gebraucht  von  der  Stadt  gut  1I4  Stunde  bis  an  den 
Fuß  des  Berges  über  stark  hügeliges  Terrain,  dann  steigt 
man  noch  eine  gute  halbe  Stunde,  bis  man  an  den  Wald 
kommt.  Kurz  vorher  steht  am  Wege  der  langhalmige, 
feinblättrige  Bambus,  den  man  hier  Chincha  nennt;  beim 
Abklopfen  fielen  hübsche  Käfer,  außer  Chrysomeliden 
auch  einige  Scolytiden,  in  den  Schirm.  Der  Wald  bestand 
aus  4 — 5  Meter  hohen,  stark  verzweigten  Bäumen  aus 
hartem  rotem  Holz,  die  Äste  stark  mit  Bromelien  bewachsen, 
Unterholz  war  spärlich,  Bombaceen  fehlten.  In  niedrigen 
Stubben  fand  ich  mehrere  Familien  von  Passaliden,  oben 
nahe  der  Spitze  in  einem  ähnlichen  Stubben  in  der  Wurzel 
unter  der  Erde  die  Larve  von  Prionocalus  Atys.  Auf  einer 
Lichtung  lagen  eine  Anzahl  älterer,  sehr  harter  Stämme. 
Als  ich  einen  davon  umdrehte,  fand  ich  darunter  mehrere 
große  weißgelbe  Rutelidenlarven  mit  hellbraunem  glänzendem 
Kopf  und  glänzend  schwarzen  Beinen.  Unter  anderen 
Stämmen  fand  ich  8  junge  Larven,  die  ebenso  gefärbt,  vor 
allem  auch  die  schwarzen  Beine  hatten  und  dabei  Reste 
der  Platycoelia  Gaujoni.  Bei  einer  späteren  Exkursion 
fand  ich  in  der  Erde  einen  Kokon  mit  einer  PL  Gaujoni, 
die  nacli  dem  Abstreifen  der  Puppenhaut  abgestorben 
war  und  dabei  die  Larvenhaut,  so  daß  die  Zusammenge- 
hörigkeit der  PI.  Gaujoni  und  der  Rutelidenlarve  nul 
schwarzen  Beinen  sicher  erwiesen  war.  Der  Fund  war 
mir  ungemein  interessant,  denn  er  brachte  mir  nicht  nur 
die  erste,  wegen  ihrer  Systematik  so  wichtige  Platycoelien- 

Stctt.  cntomol.  Zeit.   1909. 


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larve,  er  lehrte  mich  auch  die  erste  Lamelhcornierlarve 
kennen,  bei  der  die  Beine  anders  gefärbt  sind  als  der  Körper. 
Ich  hielt  die  Larve  längere  Zeit  lebend  im  Zuchtkasten 
und  konstatierte,  daß  sie  auch  im  erwachsenen  Zustand 
Erde  frißt,  die  organische  Substanz  daraus  verdauend 
und  die  anorganische  in  Form  kleiner,  schwarzer,  flacher 
Körper  wieder  von  sich  gebend.  Zur  Verpuppung  brachte 
ich  sie  leider  nicht,  da  sie  mir  auf  dem  Transport  nach  der 
Küste  einging. 

Unter  denselben  Stämmen  fand  ich  auch  die  Larven 
von  Barothcus  andiniis  und  einige  hübsche  Tenebrioniden. 
Die  Lichtung,  auf  der  die  Stämme  herumlagen,  verengerte 
sich  bergab  zu  stark  und  war  durch  ein  paar  gestürzte 
Bäume  wie  durch  einen  Verhau  abgeschlossen.  Vor  diesen 
Bäumen  hatte  sich  zusammengewehte  Erde,  welke  Blätter, 
Zweige  und  dergleichen  hoch  aufgetürmt  und  in  diesem 
Genist  fand  ich  in  Anzahl  Clocotus  posticus  ?  und  eine  andere, 
neue  Art  derselben  Gattung,  Choeridium  n.  sp.,  LTroxys 
n.  sp.  und  mehrere  kleine  Carabiden.  Ferner  fand  icli  darin 
sehr  zahlreich  die  Reste  einer  Astaena-Art  und  in  der  Nähe 
in  der  Erde  eine  Melolonthidenlarve.  Als  ich  diese  aus 
Mangel  an  leeren  Schachteln  zu  den  Barotheuslarven  setzte, 
wurde  sie  von  ihnen  alsbald  angegriffen  und  aufgefressen. 
Im  Wald  unterhalb  der  Lichtung  fand  ich  am  31.  VIII. 
in  einem  vermoderten  Stamm  zwei  Larven  einer  x\nticliiride, 
vielleicht  Dorystcthus  Jordani  und  ein  einzelnes  5*  von 
Syndesiis  occidcntalis.  Ich  hörte  den  Käfer  deutlich  zirpen, 
als  ich  ihn  anfaßte  und  fand  den  Schrillapparat  ebenso 
gebaut,  wie  bei  seinem  brasilianischen  Verwandten,  dem 
5.  brasiliensis.  In  einem  Stubben  fand  ich  eine  Passaliden- 
familie  und  dabei  Clocotus  posticus  R.  mit  einer  Larve. 
Bei  einer  anderen  Exkursion  fand  ich  Platycoelia-  und  Melo- 
lonthidenlarven  auch  unter  altem,  vom  Regen  ganz  aus- 
gelaugtem Kuhmist ;  nahe  der  Spitze  fand  ich  in  den  Wurzeln 

Stett.  eutomol.  Zeit.   1909. 


91 

eines  Stubbens  die  Fraßgänge  von  Prionocaliis  Atys  und 
in  der  Erde  zwischen  den  Wurzeln  in  einem  Kokon  die 
Larve  im  Begriff,  sich  zu  verpuppen;  der  Käfer  erschcnnt 
im  ersten  Frühjahr  und  verschwindet  bald  wieder.  Bei 
der  letzten  Exkursion  am  ii.  X.,  bei  der  ich  auch  die  Spitze 
des  Villonaco  bestieg,  fand  ich  in  Rindermist  Uroxys  latc- 
sulcatus  Bates.  Die  Franziskaner  hatten  auf  dieser  Spitze, 
die  eine  großartige  Aussicht  bietet,  ein  gewaltiges  Kreuz 
errichtet,  das  aber  der  Wind  noch  vor  der  feierlichen  Ein- 
weihung herunterwarf.  Der  Steinsockel  mit  einer  Wid- 
mungstafel stand  noch,  die  Balken  lagen  unten  wirr  herum 
und  boten  einigen  hübschen  Carabiciden  und  Erotyliden 
Unterschlupf. 

Unter  den  Agaven,  mit  denen  die  Felder  im  Tal  von 
Loja  vielfach  eingehegt  sind,  fand  ich  häufig  Hderogomphus 
dilaticollis ;  seine  Larve  lebt  in  der  Erde  unter  den  Agaven 
von  abgestorbenen  Wurzeln;  auch  Mcgaccras  Morpheus 
findet  sich  hier  häufig,  zumal  die  größere  Rasse,  während 
eine  kleinere  Rasse  auf  den  Weiden  des  Pucara  und  Calvario 
häufig  ist.  Bei  meinen  Streifereien  dort  war  mir  eine  Spinne 
aufgefallen,  grau  mit  dunkler  Rückenzeichnung,  die  sich 
an  geneigten  Stellen  5 — 10  cm  lange  und  i — 2  cm  lichte 
Gänge  in  die  Erde  gräbt,  deren  W'ände  mit  Spinnweben 
überzogen  sind;  die  herausgescharrte  Erde  bildet  einen 
kleinen  Hügel  neben  dem  Eingang  und  verrät  den  Gang. 
Eines  Tags  sah  ich  aus  dem  Gang  ein  M.  Morpheus-'^  heraus- 
kommen Kopf  und  Thorax  mit  Spinnweben  überzogen. 
Ich  steckte  einen  Grashalm  in  den  Spinnengang  als  Leit- 
sonde, grub  nach,  konnte  aber  nichts  besonderes  finden. 
Bald  darauf  fand  ich  in  der  Erde  neben  dem  Eingang  eines 
anderen  Spinnenganges  die  charakteristischen  großen  Fäces 
einer  Dynastidenlarve;  als  ich  hier  nachgrub,  fand  ich 
diese  auch  nahe  dem  Ende  des  Spinnenganges  in  einer 
kleinen,  mit  loser  Erde  und  Fäces  angefüllten  Höhle,  von 

Stett.  eutomol.  Zeit.   l'JO'J. 


92 

der  mehrere  kurze  Seitengänge  abzweigten.  Da  der  Käfer 
häufig  war  —  abgestorbene  und  mehr  oder  weniger  von 
der  Sonne  gebleichte  Stücke  lagen  zu  Dutzenden  im  Gras 
herum  — ,  konnte  ich  bald  seine  Beziehungen  zu  den  Spinnen- 
gängen ergründen.  Der  Käfer  ist  ein  Nachttier,  das  nach 
Sonnenuntergang  aus  der  Erde  kommt,  herumfliegt  und 
sich  dann  wohl  auch  paart.  Das  befruchtete  $  dringt  durch 
einen  Spinnengang,  dessen  Rückwand  es  durchbricht,  in 
die  Erde  ein,  legt  da  ein  oder  zwei  Eier  ab  und  kehrt  auf 
demselben  Weg  wieder  nach  außen  zurück;  es  benutzt 
diesen  Gang,  wie  ich  glaube,  um  sich  das  schwierige  Durch- 
wühlen der  fest  verfilzten  Graswurzeln  zu  ersparen.  Die 
Spinne  repariert  wohl  zunächst  den  Schaden,  flickt  die 
zerrissenen  Tapeten  aus  Spinnweben  wieder  aus  und  wenn 
sie  später,  entsprechend  ihrem  Wachstum  ihre  Höhle  ver- 
größert, dann  bringt  sie  mit  der  Erde  auch  die  Fäces  der 
Larve  heraus,  die  sich  zuerst  wenigstens  in  der  Nähe  des 
Spinnenganges  hält.  Ob  der  junge  Käfer  diesen  auch  zu 
seinem  Eintritt  ins  Freie  benutzt,  kann  ich  nicht  sagen, 
weil  ich  keine  jungen  Käfer  fand;  ich  möchte  es  aber  glauben, 
weil  ich  mehrfach  die  Höhle  der  Larve,  von  der  sie  diver- 
gierende (iänge  in  die  Erde  gräbt,  nahe  dem  Ende  des 
Spinnenganges  fand.  Die  Larve  frißt  in  allen  Stadien 
nur  Erde. 

hlin  anderer  Erdfresser  ist  die  Larve  von  Golofa  Acgcoit, 
hier  einfach  sungaro  von  den  Indianern  oder  sungaro  con 
cacho  von  den  Lojanern  genannt.  Sie  wird  von  ihnen  ge- 
röstet und  gegessen,  auch  zerquetscht  und  der  Saft  bei 
Augenleiden  und  Rheumatismus  gebraucht,  während  der 
Vorderkörper  des  q*  als  Zierrat  Kindern  um  den  Hals 
gehängt  wird.  Der  Käfer  ist  in  der  Regenzeit  bis 
August  hin  häufig,  auch  ziemlich  variabel  in  der  Färbung 
und  Ausbildung  der  sekund.  sexuellen  Merkmale.  Die 
erste  Larve  fand  ich  zufällig,  als  ich  einen  ganz  trockenen, 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


93 

alten  Kuhfladen  umdrehte,  der  auf  der  Unterseite  fast 
ganz  ausgefressen  war;  in  die  Erde  darunter  führte  ein 
gewundener  Gang,  an  dessen  Grund  die  Larve  steckte. 
Ich  nehme  an,  daß  die  erdfressenden  Larven  durch  die  mit 
dem  Regenwasser  eindringenden  gelösten  Stoffe  der  Ex- 
kremente, Ammoniak  und  Salze,  auf  diese  aufmerk- 
sam gemacht  und  zu  ihnen  hingeleitet  werden;  nachdem 
der  Regen  alle  vom  Tier  stammenden  Stoffe  ausgelaugt, 
sind  die  Reste  für  die  Larve  nur  noch  zerfallende  Pflanzen- 
faser wie  abgestorbene  Wurzeln  oder  vermulmtes  Holz 
in  der  Erde.  Groß  ist  der  Unterschied  gegenüber  der  Nahrung 
der  Mistkäferlarven  nicht,  denn  auch  diese  bekommen 
den  Mist  meistens  erst  dann,  wenn  er  durch  Regen,  Erd- 
feuchtigkeit und  Gährung  die  vom  Tier  stammenden  Stoffe 
wieder  verloren  hat. 

Am  Nordende  der  Stadt  stand  ein  großer  Busch  von 
Datura  arborea,  huantuc  oder  floribundio  genannt;  in  den 
Blüten  fand  ich  regelmäßig  einige  Stücke  einer  Cycloccphala 
aus  der  melanocephala- Gruppe,  die  ich  auch  bei  Chonta 
und  Pucay  gefunden.  In  den  kleinen  Wasserläufen  am 
Pucara  unten  waren  einige  Wasserkäfer,  hier  escribanos, 
Schreiber  genannt,  häufig;  in  Unmassen  fand  sich  ein 
Gyrinide,  Macrogyrus  Scdilloti  Reg.,  in  den  stillen  Buchten 
des  Rio  Zamora;  auch  dieser  Käfer  hatte  die  Gewohnheit, 
an  Luftwurzeln,  die  ins  Wasser  reichten,  hinaufzuklettern; 
gestört  geht  er  rasch  unter  Wasser  und  verbirgt  sich  da 
unter  Steinen  oder  Wurzeln  am  Ufer.  An  einer  Biegung 
des  Zamora  im  Valle,  die  zum  Baden  vielfach  aufgesucht 
wurde,  fand  ich  ihn  zu  Hunderten.  Dort  standen  auch 
einige  Aliso-Bäume,  Betula  acuminata,  in  deren  Stämmen 
ich  Parandra  mit  Larven  und  Puppen,  wie  auch  einige 
Passalusfamilien  fand.  Unter  Cadavern  fand  ich  regel- 
mäßig   Silpha,    Dcrmcstcs,    Necrobia    und     Trox    suberosus. 

Anfang  Oktober  fand  ich  in  der  Erde  die  Larven  und 

Stett.  entomol.  Zeit.    1909. 


94 

Puppen  eines  hübschen  gelben  Macrodactyhis ;  die  Puppe 
hat  die  Larvenhaut  zwischen  den  Cerci  festsitzen.  Der 
Käfer  ist  später  im  September  und  Oktober  im  Tal  von 
Loja  überall  häufig;  er  frißt  in  der  Hauptsache  Gras  und 
Blätter,  geht  aber  auch  auf  Blüten;  er  schwärmt  um  die 
Mittagszeit  und  ruht  die  Nacht  über  in  der  Erde  oder  auf 
der  Unterseite  von  Blättern. 

Eine  Exkursion  nach  dem  Masaca  ergab  außer  einigen 
Passalidenfamilien  und  den  gewöhnlichen  Coprophagen  nur 
die  Larven  von  Euphoria  Lesucuri  ?  Interessanter  war 
ein  Ausflug  in  südlicher  Richtung,  den  ich  am  25.  VIIL 
unternahm.  Ich  ritt  mit  einem  Sohn  des  Herrn  Witt  neben 
dem  Rio  Malacatus  aufwärts  bis  zur  Cajanuma;  auf  der 
Höhe  sind  noch  einige  Reste  vom  Wald,  die  uns  mehrere 
Passaliden  und  Cloeotus  posticus  lieferten.  Dann  ging  es 
auf  der  anderen  Seite  hinab  ins  Tal,  wo  Herr  Witt  am 
linken  Ufer  eines  Wasserlaufs  ein  Landgut  besaß,  Monje 
genannt.  Ich  sammelte  hier  mehrere  Tage  und  fand  eine 
ganze  Anzahl  Käfer,  die  für  die  höheren  Lagen  der  Ost- 
cordillere  charakteristisch  sind,  u.  a.  mehrere  Spezies  Passa- 
liden, Dynastidenlarven,  Carabiden,  Tenebrioniden,  Chryso- 
meliden  und  Coccinellen.  Zwischen  altem  Rindermist 
fand  ich  drei  Kugeln  von  etwa  Kirschengröße,  die  Brut- 
pillen des  Eurysternus  plebejus.  Der  Käfer  hat,  wie  der 
nah  verwandte  E.  foedus,  dessen  Biologie  ich  bei  Petropolis 
beobachtete,  die  Gewohnheit,  aus  Mist  Kugeln  zu  formen, 
die  er  zwischen  dem  anderen  Mist  über  der  Erde  liegen 
läßt  —  ob  regelmäßig,  weiß  ich  nicht,  da  ich  ihn  nicht  im 
Zuchtkasten  beobachtet  habe.  In  der  Mitte  dieser  Kugeln 
ist  die  Eikammer  mit  einem  ziemlich  großen  länglichen, 
weißgelben  Ei,  das  mit  einer  dunkleren  Kittsubstanz  an 
die  Wand  festgeheftet  ist.  Die  Larve  ähnelt  einer  Ontho- 
phaguslarve,   der   frisch  ausgeschlüpfte   Käfer  ist  weiß. 

In    Loja   erfuhr   ich,    daß   die   von   Abbe    Gaujon    oder 

Ötott.  entoniol.   Zeit.    lüÜO, 


95 

Padre  Theophilo  nach  Europa  geschickten  Insekten  zum 
guten  Teil  von  einem  Lojaner,  namens  Angelo  Ordonnez, 
gesammelt  waren,  der  nahe  Zamora  am  Zusammenfluß 
des  Rio  Zamora  und  Sabanilla  wohnte.  Bei  ihm  hatte 
auch  Oscar  Baron,  der  Sammler  W.  Rothschilds,  und  die 
Brüder  Lehmann  gewohnt  und  der  Vater  seiner  Frau  hatte 
den  bekannten  Botaniker  Wallis  auf  seinen  Streifzügen 
am  Ostabhang  der  Cordillere,  zuletzt  auf  seiner  Reise  von 
Zamora  über  Gualaquiza  nach  Cuenca,  wo  Wallis  starb, 
begleitet.  Mein  Wunsch,  bei  Zamora  zu  sammeln,  ging  bald 
in  Erfüllung;  Angelo  kam  zur  Feria  am  8.  September  nach 
Loja  und  war  auf  Fürsprache  von  Herrn  Witt  gern  bereit, 
mich  einige  Wochen  in  seinem  Hause  zu  beherbergen.  Es 
war  mir  sehr  viel  wert,  daß  ich  den  Weg  mit  Angelo  selber 
machen  konnte,  denn  außer  ihm  und  Herrn  Witt  kannte 
ihn  kein  Lojaner,  die  ihn  ,, einen  Weg  für  den  Teufel,  aber 
nicht  für  Menschen"  nannten. 

Am  13.  IX.  früh  4  Uhr  ritten  wir  von  Loja  weg,  zuerst 
ein  Stück  im  Rio  Zamora  aufwärts,  dann  bogen  wir  links 
ab  und  kamen  über  Viehweiden  und  einen  dicht  bewachsenen 
Wald  auf  steilen  Zickzackpfaden  nach  einem  Hügel,  Hornillos 
genannt,  wo  wir  rasteten.  Während  das  Essen,  Erbsen 
mit  Meerschweinchen,  zurechtgemacht  wurde,  sammelte 
ich  etwas  und  fand  außer  Kleinzeug  den  hübschen  schwarzen 
Macrodactylus  Gaujoni,  der  mit  seinen  langen  roten  Beinen 
wie  ein  Carabide  auf  dem  Weg  herumlief.  Von  Hornillos 
führt  der  Weg  steil  aufwärts  nach  dem  S.  Franzisco,  der 
höchsten  von  Loja  aus  sichtbaren  Spitze  der  Ostcordillere, 
etwa  3000  Meter  hoch.  Von  ihm  geht  in  fast  genau  west- 
östhcher  Richtung  ein  Gebirgsrücken  ab,  der  bis  zur  Mündung 
des  Rio  Sabanilla  in  den  Zamora  reicht;  zumeist,  besonders 
im  westlichen  Teil,  ist  dieser  Rücken  sehr  schmal  und  seine 
Wände  fallen  steil  ab;  stellenweise  ist  er  verbreitert  und 
hier  sitzen  ihm  einzelne  Spitzen  auf,  die  dem  S.  Franzisco 

Stett.  entomol.   Zeit.   190». 


96 

an   Höhe  kaum  nachstehen.      Die  Täler  sind  mit   dichtem 
Wald  bekleidet,  der  sich  je  weiter  nach  Osten  um  so  mehr 
an  den  Abhcängen  in  die  Höhe  zieht  und  schließlich  auch 
die    Bergspitzen    bedeckt;    die    Bäume    darin   sind    wie    am 
Villonaco  nur  einige  Meter  hoch,  stark  verzweigt  und  mit 
Epiphyten  überladen;  hinter  dem  Pucara  werden  die  Bäume 
höher    und    auch    in    dem    dichten    Unterholz    treten    dann 
Unmassen  von  Erdbromelien,  Erdorchideen,  Farrenkräuter, 
Selaginellen  und  Moose  auf.     Hier  in  dieser  Höhe  zwischen 
2500   und   3000    Meter   ist   der   Wald   ganz   außerordentlich 
reich  an  eigentümlichen  Tieren  aller  Art,  hübsch  gefärbten 
Vögeln     besonders    Kolibris,    Laubfröschen    und    vor    allem 
Insekten.      Die   steilen   Abhänge   und   der   Kamm   des    Ge- 
birgsrückens sind  mit  Gras  bewachsen,  in  dem  große  Erd- 
bromelien stehen,  Pouretia  pyramidata,  Achupallas  genannt. 
Der  Weg  hält  sich  fast  ständig  oben  auf  dem  Kamm  des 
Bergrückens;  stellenweise  ist  er  so  schmal  und  seine  Seiten 
fallen  so  schroff  ab,  daß  er  nur  bei  gutem  Wetter  passiert 
werden  kann,  weil  bei  den  hier  häufigen  stürmischen  Winden 
mit   Regenböen,   die   man    Paramada   nennt,   die   Reisenden 
und  Tiere  in  die  Tiefe  geweht  werden.     Gleich  hinter  dem 
S.  Franzisco  führt  der  Weg  mehrere  Stunden  lang  auf  einem 
solchen   schmalen   Kamm   entlang;   dann   geht   es  steil  den 
Sacramento  liinauf  imd  auf  der  anderen   Seite  auf  breitem 
bequemem    Abstieg    in    eine    Mulde    mit    mehreren    Hügeln, 
Panecillos,   zwischen    denen   eine   kleine    Lagune   liegt;    hier 
rettete  ich  einige  hübsche  Melolonthiden,  einen  Clavipalpns 
und  eine  Astaena,  die  in  den  See  geweht  waren,  vom  Tode 
des  Ertrinkens.    Weiterhin  wird  der  Weg  wieder  bedenklich 
schmal,   stellenweise  ist   die   Kante  oben  ausgebrochen   und 
Mann  und  Tier  klettern  mit  aller  Vorsicht  um  diese  Löcher 
herum.      I^ann   geht   es   in   kurzen    Serpentinen   wieder   auf 
eine  Höhe  hinauf,  die   Santa   Barbara  heißt.     Der  Abstieg 
auf  der  anderen  Seite  erinnert  an  die  Escaleras  an  der  West- 
stet t.  eutomol.  Zeit.   1909. 


97 

cordillere  bei  Chonta;  in  einer  engen  Schlucht  geht  es  auf 
Stufen  hinab,  deren  Gestein,  ein  röthcher,  verwitterter 
GHmmerschiefer  durch  darüber  rieselndes  Wasser  recht 
schlüpfrig  ist.  Kaum  ist  man  unten,  geht  es  wieder  auf 
eine  neue  Spitze,  die  Guagra;  nachdem  auch  diese  glücklich 
passiert,  wird  der  Weg  etwas  bequemer  und  wir  machten 
um  5  Uhr  am  Fuß  des  Condor,  eines  mächtigen  Kegels, 
Halt  für  die  Nacht. 

Durch  mein  Sammeln  war  ich  bald  an  das  Ende  der 
kleinen  Karawane  gekommen;  außer  dem  erwähnten  Macro- 
dactylus  fand  ich  in  Anzahl  eine  sehr  hübsche,  schwarz 
und  rot  gefärbte  Mylabride,  deren  dunkelblaue,  stark  be- 
haarte Larve  ich  unter  Steinen  antraf  und  einen  Frosch, 
ähnlich  unserer  Unke,  oben  schön  moosgrün,  unten  rot 
gefärbt.  Bei  Santa  Barbara  sah  ich  das  erste  Stück  von 
Platycoclia  Gaujoni  auf  dem  Wege  kriechen.-  In  dem  leb- 
haften Wunsch,  etwas  über  die  Lebensweise  dieses  Käfers 
zu  erfahren  oder  wenigstens  seine  Futterpflanze  kennen 
zu  lernen,  untersuchte  ich  sorgfältig  alles  Buschwerk  am 
Wege,  klopfte  auch  die  Bäume  in  den  Schirm  ab,  aber 
vergeblich.  Als  es  anfing  zu  dämmern,  fing  ich  noch  einige 
Stücke  mit  dem  Netz,  die  in  langsamem,  lautlosem  Flug 
ganz  nahe  über  der  Erde  herumflogen. 

Bald  nach  uns  war  noch  eine  Familie  aus  Zamora 
angekommen,  eine  Mutter  mit  Tochter  und  Sohn,  die  auch 
zur  Feria  in  Loja  gewesen  und  die  neben  uns  ihr  Lager 
aufschlugen;  ihr  Gepäck  transportierten  sie  auf  3  Last- 
ochsen, die  obschon  nicht  kastriert,  so  zahm  und  ruhig 
wie  Maultiere  gingen;  der  Sohn  interessierte  sich  für  mein 
Sammeln  und  brachte  mir  später  von  Zamora  eine  hübsche 
Kollektion  Käfer.  Um  Mitternacht  kam  ein  heftiger  Wind 
mit  Regen,  gegen  den  mich  das  Zeltdach  nur  wenig  schützte, 
da  ich  an  der  offenen  Ecke  lag.  Doch  blieben  wir  ruhig 
liegen,  bis  um  9  Uhr  der  Regen  nachließ  und  wir  weiter-- 

Stett.    cnlomol.   Zeit.    1900.  7 


98 

reiten  konnten.  Zuerst  ging  es  zur  Spitze  des  Condor  hinauf 
und  auf  der  anderen  Seite  durch  niedrigen  Wald  hinab; 
dann  kamen  wir  bis  zum  Pucara  durch  Grasland  mit  vielen 
Achupallas,  die  trotz  ihrer  zähen  mit  hakenförmigen,  spitzen 
Seitenstacheln  besetzten  Blätter  von  den  Maultieren  gern 
gefressen  werden.  Zufällig  beobachtete  ich,  als  mein  Reittier 
von  einer  solchen  Achupalla  ein  paar  Blätter  abriß,  daß 
dabei  ein  grüner  Käfer  herausgeschleudert  wurde;  ich 
war  schnell  aus  dem  Sattel,  um  ihn  aufzuheben  und  hatte 
eine  ganz  frische  Platycoelia  Gaujoni  in  der  Hand.  Nun 
untersuchte  ich  die  Achupallas  genauer  und  fand  noch 
etwa  ein  Dutzend  Stücke,  alle  (^;  wie  ich  auf  der  Heim- 
reise beobachtete,  stecken  in  den  Achupallas  immer  nur 
(J;  die  einzigen  $,  die  ich  fand,  krochen  auf  der  Erde  zwischen 
Gras  herum.  Auch  fand  ich  an  den  Achupallasblättern 
Fraßspuren,  ganz  ähnlich  denen  von  Bolax,  die  ich  zuerst 
den  Platycoelien  zuschrieb,  bis  ich  mich  überzeugen  konnte, 
daß  sie  von  Heuschrecken  herrührten.  Die  Käfer  zwängen 
sich,  den  Kopf  voran,  zwischen  die  Blätter  so  tief  hinein, 
daß  nur  das  Pygidium  sichtbar  bleibt.  Der  Blütenstand 
dieser  Achupallas,  die  zwischen  ihren  Blättern  kein  Wasser 
ansammeln,  ist  i — 2  Meter  hoch,  mit  4 — 5  knolligen  Blüten, 
die  geschlossen  ebenso  wie  der  Schaft  braungrau  befilzt 
sind;  die  offene  Blüte  hat  prachtvoll  malachitgrüne  Blätter 
mit  dottergelben  Staubgefäßen  und  wird  von  einem  kleinen 
schwarzbraunen  Clavicornier  bewohnt. 

Der  Pucara  ist  oben  mit  niedrigem,  dichten  Wald 
bestanden;  alle  Zweige  der  Bäume,  auch  die  Epiphyten, 
sind  mit  Flechten  behängt,  alle  Felsen  und  der  Weg  dick 
mit  Moos  bewachsen,  alles  trieft  von  Nässe.  Beim  weiteren 
Abstieg  wird  der  Wald  höher,  es  treten  dickere  Stämme 
darin  auf,  auch  die  Chincha  und  dickerer  Bambus,  Guadua, 
zeigt  sich.  Nachdem  die  letzte  Spitze,  der  Matala,  passiert, 
geht  es  stark  bergab;  der  Weg  ist  eigentlich  nur  ein  schmales 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


99 

Rinnsal,  in  dem  die  Tiere  von  Absatz  zu  Absatz  herunter- 
springen. Auf  den  moosigen  Felsen  hatte  ich  zuerst  einige 
Exemplare  der  Odontocheila  marginüabris  und  Encallia 
BonssignauUi,  weiterhin  in  dem  Rinnsal  Pseudoxycheila 
hipiistulata  gefangen;  hier  kroch  auch  das  rein  schwarze 
$  einer  wahrscheinlich  neuen  Sphenognathus-Art.  Der 
Weg  wurde  allmählich  immer  schlechter;  bei  Arroyuelos 
kamen  wir  in  eine  Senkung,  in  die  sich  von  allen  Seiten 
kleine  Wasserläufe  ergossen;  der  ganze  Boden  war  ein 
Morast,  in  dem  losgerissene  Felsen  und  gestürzte  Bäume 
wirr  durcheinander  lagen.  Zum  Glück  ging  es  bald  wieder 
bergauf  nach  dem  Dictamo  genannten  Plateau  mit  trockenem 
schönem  Hochwald;  nachdem  wir  auf  der  Höhe  eine  kleine 
Lichtung  passiert,  kamen  wir  durch  den  üppigsten  Urwald 
um  4  Uhr  nach  Sabanilla. 

Vom  Matala,  der  wohl  noch  3000  Meter  Höhe  haben 
mag,  senkt  sich  der  Bergrücken  in  zwei  Absätzen,  die  beide 
ein  kleines  Plateau  tragen,  zum  Fluß  herab.  Der  erste 
dieser  Absätze  ist  der  Dictamo;  auf  dem  anderen  liegt 
Sabanilla;  von  da  führt  ein  enger  Fußpfad  in  kurzem  Zick- 
zack nach  dem  Rio  Sabanilla  herunter,  den  man  zu  Fuß 
oder  auf  schmalen  Stangen  passiert,  um  nach  dem  vier 
W^egstunden  entfernten  Zamora  zu  kommen.  Auch  nach 
einer  kleinen  Lichtung  am  Rio  Zamora  geht  ein  Pfad  her- 
unter, das  LTfer  jedoch  ist  10 — 15  Meter  hoch  und  so  steil, 
daß  man  nur  an  wenigen  Stellen  auf  vorspringenden  Steinen 
und  Baumwurzeln  zum  Wasser  hinabklettern  kann.  Ich 
schätze  die  Höhe  von  Sabanilla  auf  etwa  1900  Meter,  der 
Zusammenfluß  des  Rio  Sabanilla  und  Zamora  mag  etwa 
300  Meter  tiefer  liegen,  Zamora  noch  weitere  100  Meter 
niedriger.  Die  Ansiedlung  Angelos  besteht  nur  aus  einem 
einzigen  Haus,  aus  Holz  und  Bambus  aufgeführt,  unten 
Küche  und  ein  Raum,  in  dem  Salvador,  der  Peon,  oben 
ein  Raum  mit  Veranda  vorn  und  hinten,   in  dem  Angelo, 

Stett.  entomol.  Zeit.   190!).  V' 


ioo 

seine  Frau,  ein  Indianerjunge  und  ich  schliefen.  Nahebei 
standen  noch  zwei  kleine  Schuppen.  Den  Wald  ums  Haus 
herum,  soweit  das  Land  eben  war,  hatte  Angelo  weg- 
geschlagen und  in  Viehweide  umgewandelt;  am  Abhang 
nach  Norden  lagen  Zuckerrohrfelder  und  Yuccapflanzungen ; 
die  Abhänge  zu  Osten  und  Süden  waren  Loma,  d.  h.,  sie 
waren  früher  schon  einmal  gelichtet  gewesen,  hatten  sich 
aber  schon  wieder  mit  Buschwerk  bedeckt  und  sollten 
bald  wieder  gelichtet  und  gebrannt  werden.  Auf  dem 
halben  Weg  zum  Fluß  war  eine  kleine  Lichtung,  in  der  ein 
früherer  Peon  Angelos,  Carlos  mit  seiner  Frau  hauste; 
unten  am  Fluß  lag  eine  größere  Lichtung  mit  Yucca-  und 
Bananenbeständen. 

Am  nächsten  Morgen  kamen  vier  Jivaroindianer,  um 
mit  Angelo  Tauschgeschäfte  zu  machen.  Nach  den  Nach- 
richten, die  Angelo  von  ihnen  bekam,  riet  er  mir  ab,  nach 
Zamora  zu  gehen.  Es  waren  zwischen  den  Jivaros  von 
Zamora  und  Gualaquiza  Streitigkelten  entstanden,  auf 
beiden  Seiten  hatte  es  Tote  gegeben  und  die  zwei  weißen 
Familien  in  Zamora  gingen  mit  dem  Plan  um,  nach  Loja 
zurückzukehren.  So  verzichtete  ich  denn  auf  einen  Besuch 
Zamoras  und  blieb  um  so  lieber  in  Sabanilla,  als  die  Fauna 
von  der  Zamoras  doch  wohl  nur  wenig  verschieden  und 
das  Sammeln  hier  so  außerordentlich  ergiebig  war.  Jeder 
Tag  brachte  neue  Entdeckungen,  neue  Arten  für  die  Samm- 
lung und  interessante  biologische  Beobachtungen.  Der 
Insektenreichtum  des  Ostabhanges  der  Cordilleren  ist  be- 
kannt, sie  sind  wohl  das  an  Arten  reichste  Gebiet  auf  der 
Erde,  gewiß  reicher  als  das  tiefere  Amazonastal,  und  wenn 
ich  nach  dem  urteilen  darf,  was  ich  in  wenigen  Wochen 
erbeutete,  dann  wird  ein  planmäßiges  Sammeln  uns  von 
hier  noch  eine  Fülle  neuer  Formen  bescheren.  Das  Leben 
m  Sabanilla  war  für  mich  recht  angenehm,  die  Wohnungs- 
verhältnisse zwar  primitiv,  aber  gemütlich,  das  Essen  sehr 

Stett.  eiitoiuol.   Zeit.    lüOll. 


101 

gut,  Stechmücken  fehlten  und  die  Nächte  waren  immer 
erfrischend  kühL  Lästig  war  nur  die  Nässe;  die  Stunden, 
in  denen  es  nicht  regnete,  waren  zu  zählen,  und  nur  ganz 
wenige  Male  hatte  ich  einen  Blick  auf  die  benachbarten 
Berge.  Die  Szenerie  war  dann  ungemein  großartig.  Hinter 
dem  Haus  im  Westen  der  Matala  mit  mächtigen  Ausläufern 
nach  Norden,  die  der  Rio  Zamora  im  Bogen  umfloi3;  im 
Süden  ein  gewaltiger  Gebirgsstock  mit  schroffen  Zacken, 
die  Türme  genannt,  zwischen  dem  und  dem  Matala  sich 
der  Rio  Sabanilla  hindurchwand.  Vor  dem  Haus  im  Osten 
breit  hingelagert  eine  Bergkette,  die  nach  Südosten  umbog 
und  den  Blick  auf  das  Tal  des  Zamora  freigab,  in  das  sich 
von  Süden  her  eine  Kette  hinter  der  anderen  vorschob 
und  den  Lauf  des  Flusses  weiter  nach  Osten  drängte.  So 
weit  das  Auge  reichte  sah  es  nichts  als  Wald;  kein  kahler 
Felsen,  keine  Lichtung  war  zu  sehen,  selbst  der  Fluß,  dessen 
Brausen  nur  schwach  zur  Höhe  heraufdrang,  war  vom 
Uferwald  ganz  überdeckt;  überall  das  dunkle  Grün  des 
Waldes,  das  im  Südosten  in  das  duftige  Blau  der  fernen 
Berge  überging.  Nirgends  ist  mir  so  wie  hier  die  Über- 
macht der  Vegetation  zum  Bewußtsein  gekommen,  auch 
später  nicht,  als  ich  den  Amazonas  hinabfuhr.  Kein  Vogel 
kreiste  in  den  Lüften,  nur  selten  unterbrach  ein  Tierschrei 
aus  dem  Walde  oder  das  Stürzen  eines  Baumes  die  Stille. 
Erst  nach  Sonnenuntergang  kommen  vereinzelte  Papageien- 
pärchen von  ihren  Futterplätzen  weiter  flußab  in  ihre  stillen 
Nachtquartiere  hier  heraufgeflogen  und  die  Nachtsänger, 
die  Laubfrösche  und  Heuschrecken  beginnen  ihr  Konzert. 
Aber  nur  selten  war  das  Bild  so  friedlich.  Fast  jeden 
Nachmittag  zogen  schwere  Gewitter  aus  dem  Zamoratal 
herauf,  die  sich  vor  dem  Matala  entluden  und  bis  weit  in 
den  Vormittag  hinein  stürzte  oft  der  Regen  in  Strömen 
herab,  ehe  die  Wolken  in  den  Flußtälern .  höher  zogen. 
Eines  Tages  erlebte  ich  auch  einen  der  gefürchteten  Wirbel- 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909- 


102 

stürme,  die  zu  Beginn  der  Regenzeit  aufzutreten  pflegen. 
Es  war  trübes,  aber  auffallend  ruhiges  Wetter,  icli  kroch 
an  den  Abhängen  des  Matala  herum,  da  hörte  ich  aus  dem 
Zamoratal  ein  dumpfes  Brausen  heraufkommen,  wie  ferne 
Meeresbrandung.  Plötzlich  Stille  für  ein  paar  ^Minuten 
und  dann  kam  es  wie  eine  mächtige  Woge  mit  so  gewaltigem 
Heulen  und  Tosen,  daß  ich  ganz  erschreckt  unter  einen 
großen  Baum  flüchtete.  Im  nächsten  Augenblick  prasselten 
dicke  Aste  und  Zweige  herunter.  Bäume  stürzten  und  es 
war  ein  solcher  Aufruhr  im  Wald,  daß  ich  trotz  des  wolken- 
bruchartigen  Regens  so  rasch  als  möglich  nach  Hause 
rannte.  Wie  ich  einige  Tage  später  wieder  an  diese  St'^lle 
kam,  sah  ich,  daß  der  Wirbelsturm  in  der  Schlucht  nahe 
meinem  Standpunkt  alle  Bäume  ausgerissen  und  wie  Streich- 
hölzer wirr  durcheinander  geworfen  hatte. 

Die  vielen  Stubben  nahe  dem  Hause  und  die  herum- 
liegenden Stämme  im  Walde  lieferten  eine  Fülle  von  Holz- 
käfern, Passaliden,  Ruteliden,  Dynastiden,  Tenebrioniden, 
Scolytiden,  Rhynchophoren  und  Cerambyciden ;  die  härteren 
Stämme  waren  bald  mit  Pilzen  überzogen,  an  denen  viele 
Erotyliden  mit  ihren  Larven  saßen,  die  jüngeren  in  Herden 
zusammen  obenauf,  die  älteren  vereinzelt  am  Stiel.  Viele 
Lamellicornier  fand  ich  als  Puppen  oder  frisch  ausgeschlüpft 
in  ihren  Puppenwiegen,  den  blanken  Vorderkörper  mit 
feinen  Wassertröpfchen  bedeckt.  Auch  der  Mistkäferfang 
war  recht  ergiebig;  mit  Ausnahme  des  Aphodius  hrasiliensis 
waren  alle  Arten  verschieden  von  denen,  die  ich  bei 
Loja  gefunden.  Recht  häufig  fand  ich  beim  Herumstreifen 
im  Wald  einzelne  Mistkäfer,  Canthon  und  selbst  das  große 
Deltochüum  tesselatum,  die  auf  vorspringenden  Zweigen 
oder  freistehenden  Büschen  mit  weitgespreizter^  Fühler- 
keule nach  Nahrung,  den  Exkrementen  der  hier  noch^häufigen 
Tapire  und  Wasserschweine,  witterten.  Auffallender  Weise 
war  dagegen  der  Fang  am  Licht  recht  unergiebig;  ein  paar 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


103 

]M(3tten,   ein   Tabaiuis   und   ein   Cucuyo   war   alles,   was    ich 
in  3  Wochen  erbeutete. 

Eines  Tages  war  ich  unten  am  Fluß  in  der  Lichtung, 
in  der  viele  Stubben  und  liegende  Stämme,  wie  auch  2 — 3 
Meter  hohe  Büsche  der  Bixa  Orellana  reiche  Ausbeute 
gaben.  Es  war  um  [Mittag,  die  Sonne  brannte  mächtig 
herab,  alles  dampfte  von  Feuchtigkeit,  von  Zamora  kam 
langsam  ein  Gewitter  heraufgezogen  und  es  war  eine  Un- 
ruhe in  der  Tierwelt,  wie  man  sie  nur  kurz  vor  Ausbruch 
eines  Gewitters,  wenn  die  Luft  mit  Elektrizität  überladen 
ist,  beobachtet.  Die  sonst  so  phlegmatischen  Ithomien 
waren  kaum  zu  haschen,  selbst  die  Rüßler  und  Coccinellen 
waren  neivös  und  die  Sandfliegen  und  schweißsaugenden 
Hymenopteren  quälten  mich  in  einer  Weise,  daß  auch 
die  längsten  Flüche  keine  Erleichterung  mehr  brachten. 
Da  hörte  ich  plötzlich  neben  mir  ein  tiefes  Brummen  und 
sah  gerade  noch,  wie  ein  Käfer  von  Maikäfergröße  in 
eleganten  Schraubenlinien  langsam  höher  stieg  und  dann, 
nur  noch  als  kleines  Pünktchen  sichtbar,  nach  einem  großen 
Baum  mit  hellgelben  Blüten  flog.  Bald  darauf  kam  ein 
zweiter  und  dritter;  ich  lief  herum  wie  ein  spürender  Jagd- 
hund, und  da  sah  ich  auch  einen  Käfer  aus  der  Erde  kommen, 
mit  langen  Klimmzügen  an  einem  niedrigen  Busch  in  die 
Höhe  klettern  und  als  er  eben  fertig  zum  Abfliegen  war, 
nahm  ich  ihn  mit  dem  Netz.  Es  war  Ancistrosoma  Klugi, 
von  dem  ich  an  diesem  und  dem  folgenden  Mittag  noch 
eine  Anzahl  erbeutete.  Leider  aber  waren  alle  meine  Be- 
mühungen, den  Käfer  zur  Copula  zu  bringen,  um  etwas 
über  den  Zweck  des  eigentümlichen  Abdominalgriffels 
des  ^  zu  erfahren,  vergeblich;  einen  großen  Zuchtkasten 
hatte  ich  nicht  und  in  den  kleinen  Schachteln  und  auf 
einem  Blumenstrauß  im  Zimmer  blieben  sie  gleichgültig 
gegeneinander.  In  dieser  Lichtung  unten  am  Fluß  fand 
ich    auch   einige    Camacho    mit    Blüten,    doch    waren    diese 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


104 

rosa  gefärbt  und  kleiner  als  die  von  Piicay.  Als  ich  sie 
öffnete,  waren  darin  nur  Fliegen,  ähnlich  unseren  Schmeiß- 
fliegen, aber  nicht  ein  einziger  Käfer. 

Bei  der  frisch  ausgeschlüpften  Rutela  histrio  und  La- 
gocMle  cachedica  sind  die  Stellen,  die  beim  geschlechts- 
reif en  und  beim  toten  Käfer  gelb  erscheinen,  rein  milch- 
weiß und  die  zackige  Deckflügelmakel  des  ersteren  glasig 
durchsichtig.  Diese  weiße  Farbe  ist  eine  Interferenzfarbe; 
man  kann  deutlich  erkennen,  daß  in  den  Chitinpanzer 
bläschenförmige  Hohlräume  eingelagert  sind  —  in  den 
Deckflügeln  sind  es  Alveolen  ■ —  angefüllt  mit  wasserklarer 
Körperflüssigkeit  in  dünner  Schicht,  die  alles  Licht  reflek- 
tieren und  die  betreffende  Stelle  weiß  erscheinen  lassen, 
weil  das  Chitin  über  dem  Hohlraum  wasserklar  ist.  Später 
erhärtet  diese  dünne  Schicht  und  erscheint  durch  Eigen- 
färbung gelb. 

Auf  der  Wiese  hinter  dem  Hause,  die  von  einem  klaren 
Bach  durchflössen  wurde,  fand  ich  eines  Tags  einen  braun- 
grauen Frosch,  der  7  geschwänzte  Kaulquappen  auf  dem 
Rücken  trug;  solange  der  Frosch  im  Trocknen  saß,  krochen 
die  Kaulquappen  lustig  auf  seinem  Rücken  durcheinander, 
als  ich  ihn  ins  Wasser  setzte,  schwammen  sie  rasch  davon. 

3.  X.  Angelo  wollte  einen  kleinen  Transport  Kakao, 
Achote  und  Kautschuk  nach  Loja  schicken  und  ich  benutzte 
diese  Gelegenheit  zur  Heimkehr.  Unsere  Tropa  bestand 
außer  meinem  Reittier  aus  vier  Lasttieren,  auch  Salvador, 
Carlos  und  der  Junge  aus  Zamora  trugen  Lasten  auf  dem 
Rücken.  Angelo  war  vorausgegangen,  um  den  Weg  etwas 
in  Stand  zu  setzen;  infolge  davon  konnte  ich  bis  Arroyuelos 
reiten,  dann  aber  wurde  der  Weg  so  schlecht,  daß  ich  ab- 
steigen mußte;  ich  kam  auch  bis  Loja  nicht  mehr  in  den 
Sattel,  weil  wir  am  nächsten  Tag  ein  Tier  einbüßten  und 
dessen  Last  meinem  Reittier  aufpackten.  Am  Nachmittag 
klarte  es  etwas  auf,   aber  kaum  hatten  wir  das  Zelt  auf- 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


105 

geschlagen,  als  es  auch  wieder  anfing  zu  stürmen  und  zu 
regnen.  Wir  verbrachten  eine  recht  ungemi.itliche  Nacht, 
blieben  aber  bis  9  Uhr  liegen  in  der  Hofhiung,  daß  es  auf- 
klaren möchte.  Dann  mußten  wir  aufbrechen,  weil  wir 
nur  Proviant  für  einen  Tag  hatten.  Da  die  anderen  mit 
den  Tieren,  die  alle  Augenblicke  stürzten  oder  ausbraclien, 
vollauf  beschäftigt  waren,  kam  ich  ihnen  bald  weit  voraus 
und  marschierte  bis  Hornillos  allein.  Unterwegs  machte 
ich  reiche  Beute  in  den  Achupallas,  die  richtige  Zufluchts- 
stätten für  Insekten  bei  schlechtem  Wetter  zu  sein  scheinen. 
Außer  Platycoelia  Gaujoni  fand  ich  darin  Dorystcthns  Jordani, 
einen  hübschen  großen  Elateriden,  Semiotus  n.  sp.  b.  fov- 
inosus,  einen  schwarzen  Rüßler,  Mctamasius  n.  sp.,  eine 
Wespe  und  eine  große  Fliege.  Von  der  letzteren  lebt  eine 
Spinne,  die  regelmäßig  sich  zwischen  den  Blättern  ihr  Ge- 
spinnst anfertigt,  und  die  Blätter  frißt  eine  flügellose  Heu- 
schrecke, die  ich  mehrfach  in  Paarung  fand.  Es  war  schon 
dunkel,  als  die  anderen  endlich  kamen  und  der  Abstieg 
von  Hornillos  wurde  recht  ungemütlich.  Auf  den  Rat 
Salvadors  faßte  ich  eine  alte  Mula,  die  den  Weg  schon  öfter 
gemacht,  am  Kreuzriemen  und  ließ  mich  von  ihr  leiten, 
den  Nachfolgenden  von  Zeit  zu  Zeit  Nachricht  über  den 
Weg  gebend.  Bewundern  mußte  ich  die  Sicherheit,  mit 
der  das  Tier  den  Weg  in  der  Finsternis  fand;  mehrfach 
kreuzte  es  den  vom  Regen  angeschwollenen  Bach,  verfolgte 
ihn  auch  eine  längere  Strecke  und  kam  doch  richtig  wieder 
auf  den  Weg  heraus.  Tüchtig  durchnäßt  und  müde,  aber 
ohne  Unfall  kamen  wir  schließlich  in  der  Nacht  nach  Loja. 
Hier  war  es  mein  erstes,  die  Ausbeute  von  Sabanilla 
zu  trocknen  und  neu  zu  verpacken.  Dann  machte  ich  noch 
einige  Exkursionen,  besonders  nach  dem  Villonaco,  die 
recht  gute  Ausbeute  ergaben.  Nach  mehreren  Gewittern 
hatten  sich  die  Hänge  mit  frischem  Grün  überzogen,  die 
Büsche   schlugen   frisch   aus   und   blühten   zum    Teil   schon 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


106 

und  damit  kamen  auch  die  ersten  Frülilingskäfer,  u.  a. 
Anomahi  undulata  und  einige  Cyclocephalen.  Leider  kam 
damit  auch  für  mich  die  Zeit  zur  Abreise;  so  gern  ich  in 
Loja  geblieben  wäre,  um  seine  interessante  Käferfauna 
auch  in  ihrer  besten  Zeit  kennen  zu  lernen  —  wenn  ich 
nicht  bis  zum  nächsten  Mai  mindestens  bleiben  wollte, 
mußte  ich  jetzt  reis3n,  denn  nach  den  Aussagen  der  Arrieros 
hatte  die  Regenzeit  an  der  Westcordillere  dieses  Jahr  schon 
früh  begonnen  und  später  wurden  die  Wege  dort  ganz  un- 
passierbar. So  nahm  ich  denn  Abschied  von  Herrn  Witt, 
bei  dem  ich  gewöhnlich  meine  Abende  verbracht,  der  mir 
während  meines  Hierseins  in  jeder  Weise  behülflich  ge- 
wesen und  mich  auch  nach  meiner  Heimkehr  durch  reiche 
Sendungen  von  Käfern,  die  er  auf  seinen  Reisen  im  Süden 
des  Landes  gesammelt,  in  meinen  Studien  über  die  Fauna 
des  Landes  fortwährend  unterstützt.  Gern  benutze  ich 
die  Gelegenheit,  ihm  auch  an  dieser  Stelle  dafür  meinen 
Dank  abzustatten.  Am  i6.  X.  verließ  ich  Loja  mit  einem 
Arriero  aus  Zaruma,  der  Kaufmannsgüter  von  der  Küste 
nach  Loja  gebracht  und  leer  zurückging;  wir  kamen  erst 
um  10  Uhr  aus  der  Stadt,  weil  er  am  Morgen  eine  Mula 
gekauft  und  der  Kauf,  ganz  wie  bei  uns,  durch  viele  Schnäpse 
besiegelt  werden  mußte.  Ich  ritt  daher  den  mir  bekannten 
Weg  bis  zum  Catamayotal  allein  voraus.  Am  Villonaco 
stieg  ich  ab,  ließ  mein  Reittier,  ein  sehr  ruhiges  Tier,  allein 
vorausgehen  und  sammelte.  Wieder  fiel  mir  die  eigentüm- 
liche Verteilung  der  Mistkäfer  in  vertikaler  Richtung  auf. 
Unten  am  Fuß  des  Berges  war  überall  Onthophagus  incensus, 
Onthoph.  n.  sp.,  das  behaarte  kleine  Canthidium,  häufig; 
höher  hinauf,  mit  Beginn  des  feinblättrigen  Bambus  etwa, 
verschwand  Onthoph.  n.  sp.  und  an  seine  Stelle  trat  Uroxys 
n.  sp.  I.  Sowie  ich  die  Paßhöhe  erreicht,  erschien  auch 
Pinotus  Cotopaxi  und  Uroxys  n.  sp.  2  und  ein  kleiner  Ab- 
stecher nach  dem  fast  kahlen,  freihegenden  Gipfel  brachte 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


107 

mir  aiicTi  Uroxys  latcsulcatus  \\'ieder.  Auf  dem  ganzen  Weg 
ins  Catamayotal  liinab,  der  zwar  o\\ne  alle  Vegetation, 
aber  reichlich  mit  Mist  von  Maultieren  und  Rindern  be- 
streut ist,  da  auf  ihm  ein  lebhafter  Verkehr  statthat,  fand 
ich  nur  0.  inccnsus.  Und  sobald  ich  ins  Catamayotal  hinab- 
kam, traf  ich  auch  den  von  Guayaquil  her  bekannten  Canthon 
haltcaiiis  wieder.  Auch  später,  als  ich  am  Huairapongo 
herabstieg,  traf  ich  von  einer  bestimmten  Höhe  an  auf  eine 
kurze  Strecke  nur  den  Phjnaeus  Imiiris,  der  auch  bei  Loja 
in  gleicher  Höhe  in  der  Regenzeit  vorkommt  und  bei  Huigra 
in  ähnhchem  Terrain.  Was  ist  nun  der  Grund,  daß  nur 
wenige  Mistkäferarten  über  große  Gebiete  sich  verbreiten, 
während  die  meisten  an  ganz  bestimmte  Regionen  ge- 
bunden sind?  Ich  glaube,  ihn  in  folgendem  gefunden 
zu  haben. 

Wir  müssen  bei  dem  Mist,  der  Nahrung  der  meisten 
Mistkäfer,  unterscheiden  zwischen  den  Pflanzen,  die  das 
Tier  gefressen  und  mehr  oder  weniger  unverdaut  wieder 
von  sich  gibt,  und  dem,  was  es  den  ersteren  beigibt,  den 
Darmepithclien,  Schleim  und  Verdauungssäften.  Diese 
Beigabe  ist  abhängig  von  der  Tierart;  sie  kommt  für  den 
Mistkäfer  als  Nahrung  wenig  in  Betracht,  weil  sie  wenig 
voluminös  ist  und  durch  den  Einfluß  der  Atmosphärilien 
sich  rasch  zersetzt;  für  die  Mistkäferlarve  kommt  sie  noch 
weniger  in  Frage,  weil  bis  zu  ihrer  Freßfähigkeit  die  Darm- 
sekrete und  die  Epithelien  schon  ganz  verschwunden  sind. 
Anders  ist  es  mit  den  gefressenen  Pflanzen;  die  sind  ab- 
hängig von  dem  Standort  des  Tieres  und  im  Grunde  frißt 
der  Mistkäfer  im  Mist  nur  die  Pflanzen,  die  der  Mistpro- 
duzent vorher  gefressen;  seine  Verbreitung  ist  daher  ab- 
hängig von  der  Verbreitung  seiner  —  wenn  auch  indirekten 
—  Futterpflanzen.  In  dieser  Hinsicht  unterliegt  er  den- 
selben Gesetzen  wie  sein  nächster  Verwandter,  der  Mai- 
käfer,  der   die   Pflanzen   direkt   resp.   in   frischem   Zustand 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


108 

frißt.  Ob  sein  Futter  den  AVrdauungskanal  eines  Ein- 
hufers passiert  und  dabei  nur  grob  zerkleinert  wurde,  oder 
ob  es  den  eines  Wiederlväuers  passierte  und  zu  einem  feinen 
Brei  verarbeitet  wurde,  hat  für  den  Mistkäfer  nicht  die 
Wichtigkeit,  als  man  für  gewöhnhch  glaubt;  die  Haupt- 
s.iche  für  ihn  ist,  daß  es  bestimmte  Pflanzen  enthält.  Für 
die  Larve  ist  die  Form  des  Futters,  ob  grob  oder  fein  zer- 
kleinert, schon  wichtiger,  aber  bisher  gelang  es  mir  immer, 
Arten,  die  an  grobes  Futter  gewöhnt  sind,  mit  feinem 
Futter  derselben  Pflanzen  weiter  zu  züchten.  Im  Verhältnis 
zur  Gesamtartenzahl  haben  sich  nur  wenig  Arten  von  der 
Qualität  des  Futters  freigemacht  und  sind  Allesfresser 
und  damit  mehr  oder  weniger  Kosmopoliten  geworden. 
Die  menschlichen  Exkremente  kommen  nach  meinen  bis- 
herigen Beobachtungen  als  N  a  h  r  u  n  g  s  mittel  für  den 
]\Iistkäfer  nicht  in  Betracht;  es  hat  mir  bis  jetzt  nicht  ge- 
lingen wollen,  Mistkäfer  bei  ausschließlicher  Fütterung 
damit  längere  Zeit  am  Leben  zu  erhalten.  Sie  sind,  wenn 
ich  so  sagen  darf,  nur  ein  G  e  n  u  ß  mittel  und  eine  so  hohe 
Anziehungskraft  sie,  wie  auf  viele  Insekten  aller  Ordnungen, 
so  auch  im  besonderen  auf  die  Mistkäfer  ausüben,  ich  kenne 
nicht  eine  einzige  Art,  die  sie  als  Futter  für  ihre  Larven 
verwendet. 

Es  war  spät  am  Nachmittag,  als  die  Kameraden  endlich 
kamen.  Wir  rasteten  einen  Augenblick  im  Catamayotal, 
um  etwas  zu  genießen,  ritten  dann  am  linken  Flußufer 
ein  Stück  hinauf,  kreuzten  den  Fluß  und  hielten  auf  der 
anderen  Seite  bei  einer  Hütte,  die  Guyaba  heißt.  Die  Tiere 
bekamen  ihr  Zuckerrohr  und  wir  legten  uns  zum  Schlafen 
hin,  ich  auf  der  Bank  vor  dem  Hause.  Zum  Schlafen  kam 
ich  jedoch  nur  wenig;  eine  Unmenge  großer  schwarzer 
Kakerlaken,  die  mir  zwischen  die  Kleider  kamen  und  ein 
Rudel  schwarzer  Schweine,  die  mich  mit  ihren  nassen 
Schnauzen    alle    Augenblicke    anstießen,    schließlich    noch 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


109 

ein  heftiger  Kampf  zwischen  Ziegen  und  Schweinen,  an 
dem  sich  die  Hunde  und  das  ganze  Hausgesinde  beteihgten, 
heßen  mich  nicht  zur  Ruhe  kommen.  Den  Kameraden 
ging  es  nicht  besser  und  um  das  gestern  Versäumte  nach- 
zuholen, brachen  wir  schon  um  Mitternacht  auf  und  ritten 
weiter,  zuerst  am  rechten  Fhißufer  hinauf,  durch  dichtes 
Mimosengebüsch;  dann  bogen  wir  Hnks  vom  Fkiß  ab  und 
kamen  über  Weiden  mit  zerstreutem  Buschwerk  an  den 
Huairapongo,  den  wir  auf  kurzen  Zickzackpfaden  erstiegen. 
Wir  waren  noch  keine  halbe  Stunde  auf  dem  Weg,  als  der 
Regen  einsetzte  und  ]e  höher  wir  kamen,  um  so  kühler 
wurde  es.  Auf  der  Höhe  ging  es  eine  Strecke  unter  breit- 
ästigen Mimosen,  dann  durch  niedrigen  Busch wald  und 
offenen  Kamp  dahin;  es  war  hier  empfindlich  kalt  und  der 
Regen  so  durchdringend,  daß  wir  froh  waren,  als  endlich 
der  Abstieg  kam.  Der  war  wie  gewöhnlich  sehr  steil,  in  einer 
mit  Felstrümmern  angefüllten  engen  Schlucht,  mehr  dem 
Bett  eines  Gebirgsbaches,  wo  wir  auf  dem  glitschigen  Glim- 
merschiefer alle  Augenblicke  ausglitten.  Um  8  Uhr  hörte 
endlich  der  Regen  auf  und  die  Sonne  trocknete  uns  wieder; 
wir  kamen  über  saftige  Weiden  und  durch  feuchten,  nie- 
drigen Wald,  ähnlich  dem  am  Villonaco;  hier  fand  ich 
Phanaeus  lunaris  unter  Rinder-  und  Maultiermist  und 
0.  incensus,  meist  grüne  Stücke.  Auf  einer  offenen  Wiese, 
Pueblio  genannt,  mußten  wir  halten,  weil  die  in  Loja  ge- 
kaufte und  an  trockenes  Klima  gewöhnte  Mula  in  dem 
kalten  Regen  den  Krampf  in  die  Hinterbeine  bekommen 
hatte.  Die  Kameraden  banden  das  Tier  mit  dem  Kopf 
an  einen  Baum,  mit  den  Hinterbeinen  an  einen  anderen, 
zwei  faßten  es  am  Schwanz  und  zogen  aus  allen  Kräften, 
während  ein  Dritter  mit  der  Peitsche  auf  das  Tier  losschlug; 
das  barbarische  Mittel  schien  zu  helfen,  denn  nachdem 
es  mehrere  Male  wiederholt  worden,  konnte  die  Mula  wieder 
laufen.    Leider  kam  bald  wieder  Regen;  der  weitere  Abstieg 

tftett.  eiitumol.   Zeit.    1909. 


110 

auf  den  schlüpfrigen  schmalen  Pfaden  war  ungemein  be- 
schweriich  und  um  4  Uhr  machten  wir  bei  einem  einzelnen 
Haus,  Gomalotilla  genannt,  Halt.  Viel  Schutz  fanden 
wir  hier  auch  nicht ;  der  Besitzer  hatte  das  Haus  erst  kürzlich 
gekauft,  das  alte  schadhafte  Dach  abgenommen  und  ehe 
er  ein  neues  auflegen  konnte,  war  der  Regen  gekommen. 
Man  hatte  daher  nur  über  der  Schlaf-  und  Feuerstelle  einige 
Bündel  Rohr  ausgebreitet  und  hier  kauerte  alles  zusammen. 
Als  die  Leute  erfuhren,  daß  ich  Arzt  sei,  nahmen  die  Frau 
des  Hauses  und  die  beiden  Töchter,  die  an  Malaria  litten, 
meine  Hilfe  in  Anspruch;  zum  Dank  für  das  gespendete 
Chinin  durfte  ich  mit  ihnen  essen  und  bekam  eine  trockene 
Stelle  zum  Nachtlager,  doch  ließen  mich  Kcälte  und  Flöhe, 
die  gewöhnliche  Plage  der  Hochebene,  nicht  zum  Schlafen 
kommen.  Gegen  Morgen  ließ  der  Regen  nach  und  sofort 
brachen  wir  auch  auf,  doch  mußten  wir  von  den  8  Tieren, 
mit  denen  wir  aus  Loja  ausgezogen,  3  als  total f marode 
zurücklassen.  Vom  Hause  ging  es  steil  hinab  über  eine 
Brücke  und  am  anderen  Ufer  hinauf  über  eine  Höhe  in 
ein  langgestrecktes  malerisches  Tal,  das  von  gewaltigen 
Bergrücken  umschlossen  war;  in  der  Tiefe  lag  ein  kleiner 
Wald,  wo  wir  etwas  rasteten;  die  Käfer,  die  ich  hier  fand, 
stimmten  überein  mit  denen,  die  ich  bei  Fucay  gefunden. 
Um  Mittag  passierten  wir  den  kleinen  Ort  Capilla  und 
kamen  dann  in  das  Tal  von  Zaruma.  Den  Rio  Amarillo 
passierten  wir  auf  einer  Holzbrücke,  wandten  uns  dann 
rechts  und  ritten  mehrere  Stunden  flußaufwärts,  bis  wir 
an  den  Wohnort  des  Arriero  kamen;  unterwegs  blieb  noch 
eines  der  Tiere  marode  liegen.  Da  auch  meine  Tiere  zu 
sehr  mitgencmmien  waren,  um  die  Reise  nach^  der  Küste 
fortsetzen  zu  können,  mußte  der  Arriero  sich  sofort  auf 
die  Suche  nach  frischen  Tieren  machen,  was  ihm  glück- 
licherweise auch  gelang.  Nachdem  diese  Sorge  beseitigt, 
aßen  wir  zu  Nacht  und  gingen  früh  zu  Bett;  in  der  Nacht 

Stett.  entomol.  Zeit.   190Ü. 


111 

kam  ein  heftiges  Gewitter  und  es  regnete  bis  lo  Uhr.  Dann 
brachen  wir  auf  und  überschritten  auf  halsbrecherischen 
Pfaden  die  Höhe,  auf  der  das  Goldbergwerk  Pacay-urcu 
liegt;  beim  Abstieg  passierten  wir  das  reizend  gelegene 
Dorf  Malvas  und  stiegen  zum  Rio  Calera  hinab,  den  wir 
durchreiten  mußten,  weil  die  Brücke  weggerissen  war. 
Am  Nachmittag  kam  wieder  Regen ;  mehrmals  stürzte 
mein  Tier  auf  dem  glatten  Weg  und  wir  hielten  deshalb 
schon  um  4  Uhr  in  Ayabamba. 

20.  XI.  Um  3  Uhr  standen  wir  auf,  sattelten  and 
ritten  ab;  es  war  trocken  und  sternenklar,  der  Weg  aber 
glatt,  so  daß  mein  Tier  wieder  stürzte  und  ich  bis  zur  Höhe 
zu  Fuß  gehen  mußte.  Um  %5  Uhr  waren  wir  auf  der  Höhe 
oben,  es  wurde  ganz  sternklar  und  wir  hatten  einen  hübschen 
Blick  auf  das  von  milchigem  Nebel  überdeckte  flache  Land 
zu  unseren  Füßen,  von  dem  sich  die  schwarzen  Waldberge 
scharf  abhoben.  Wunderbar  üppig  und  reich  an  Palmen 
und  Baumfarren  ist  der  Wald  oben  bei  der  Höhe;  überall 
hingen  die  Nester  der  großen  Webervögel  an  den  riesigen 
Bombaceen  und  Balsas,  ungemein  drollig  ist  das  Gebahren 
der  Vögel,  ihr  Locken  und  Komplimentieren.  Interessant 
war  es,  das  Erwachen  der  Natur  zu  beobachten;  kaum 
fing  es  an  zu  dämmern,  da  summten  schon  einige  Hummeln 
am  Wege;  dann  erhoben  die  Brüllaffen  ihre  Stimme  und 
dann  wurden  die  Webervögel  und  Tucane,  die  Schmetter- 
linge, Fliegen  und  Hymenopteren  munter.  Wir  ritten  bis 
zur  Loma  grande,  wo  wir  frühstückten;  dann  begann  der 
Abstieg  in  den  Escaleras,  wo  die  Tiere  oft  bis  an  den  Bauch 
in  dem  dicken  Brei  von  Schlamm  und  Felsbrocken  ein- 
sanken; nur  mit  der  größten  Anstrengung  konnten  wir  sie 
hier  weiterbringen.  Dabei  passierte  mir  ein  eigentümlicher 
Unfah.  Es  ist  Sitte,  laut  zu  rufen  und  zu  schreien,  ehe 
man  in  diese  engen  Schluchten  einreitet,  um  ein  Zusammen- 
treffen  darin,   wo   man  sich   doch   nicht   ausweichen   kann, 

Stett.  entomol.  Zeit.,  1909. 


112 

zu  vermeiden.  Das  hatten  wir  auch  getan  und  waren  gerade 
an  einer  besonders  schlechten  Stelle,  ich  voran,  hinter  mir 
das  Lasttier  und  dahinter  der  Arriero  mit  einem  dicken 
Knüppel,  um  das  Umkehren  der  Tiere  zu  verhindern.  Da 
stürmte  mir  plötzlich  eine  mit  Stacheldraht  beladene  Mula 
entgegen,  angefeuert  durch  Peitschenhiebe  und  das  Ge- 
schrei ihres  —  wie  sich  bald  herausstellte  —  total  betrunkenen 
Führers.  Ich  wollte  schnell  abspringen,  damit  mir  das 
linke  Bein  nicht  von  dem  Stacheldraht  zerrissen  wurde, 
kam  an  der  glatten  Wand  zu  Fall  und  brach  eine  Rippe; 
im  nächsten  Moment  waren  die  beiden  Tiere  in  der  engen 
Schlucht  festgekeilt,  mein  Reittier,  dem  der  Stacheldraht 
die  Seite  zerriß,  schlug  wie  toll  um  sich  und  ich  bekam 
noch  einige  derbe  Tritte  ab,  ehe  mich  der  Arriero  heraus- 
ziehen konnte.  Glücklicherweise  war  die  Lunge  nicht  ver- 
letzt; ich  konnte,  wenn  auch  mit  Schmerzen,  wieder  im 
Sattel  sitzen  und  die  Reise  fortsetzen.  Bei  der  Chonta 
frühstückten  wir  und  ritten  dann  ^^■eiter,  da  mir  viel  daran 
lag,  möglichst  heute  noch  nach  Santa  Rosa  zu  kommen. 
Der  Dampfer  geht  nämlich  nur  einmal  in  der  Woche,  am 
Sonnabend,  nach  Guayaquil  und  ich  wollte  ungern  in  dem 
gerade  zu  Beginn  der  Regenzeit  von  Gelbfieber  und  Malaria 
heimgesuchten  kleinen  Nest  eine  ganze  Woche  verlieren, 
zumal  ich  wegen  meines  Unfalls  doch  nicht  hätte  sammeln 
können.  Wir  ritten  daher  bis  6  Uhr  Abends,  hielten  vor 
dem  Hause  des  Sr.  Miguel,  wo  wir  auf  der  Hinreise  gefrüh- 
stückt und  blieben  hier  über  Nacht.  Lim  4  Uhr  am  nächsten 
Morgen  zogen  wir  weiter,  aber  zu  Fuß,  da  mein  Reittier 
einen  Krampf  in  den  Hinterbeinen  hatte  und  nur  langsam 
von  der  Stelle  kam.  Um  8^0  Uhr  erreichten  wir  endlich 
den  Hafen;  eine  Viertelstunde  später  fuhr  der  Dampfer 
ab  und  brachte  mich  am  nächsten  Tag,  den  22.  X.,  wieder 
nach  Guayaquil. 

Hier  erholte  ich  mich  bei  der  vorzüglichen  Verpflegung 

Stett.  entomol.  Zeit.  11)09. 


113 

im  Hotel  de  Paris  und  täglichen  Seebädern  im  Estero  Salado 
derartig,  daß  ich  meine  Absicht,  über  Panama-Westindien 
heimzukehren,  aufgab  und  den  Plan  faßte,  den  alten  Weg 
von  Quito  über  den  Rio  Napo  nach  Iquitos  zu  nehmen 
und  den  Amazonas  bis  Para  hinunter  zu  fahren,  um  so  das 
Eldorado  aller  Naturforscher,  wenn  auch  flüchtig,  so  doch 
aus  eigener  Anschauung  kennen  zu  lernen.  Meine  Samm- 
lungen und  alles  überflüssige  Gepäck  schickte  ich  von 
Guayaquil  mit  einem  Kosmosdampfer  nach  Hamburg  und 
fuhr  am  14.  XI.  über  Pucay-Huigra  nach  Riobamba,  wo 
ich  einige  angenehme  Tage  bei  Dr.  K.  Rimbach  verbrachte. 
Am  22.  fuhr  ich  mit  Herrn  Max  Richanek  aus  Guayaquil 
über  Ambato  nach  Quito,  wo  wir  am  nächsten  Abend  ein- 
trafen; als  wir  im  Tal  von  Machachi  wegen  eines  kleinen 
Unfalles  mit  dem  Wagen  kurze  Zeit  hielten,  fing  ich  in 
Anzahl  einen  hübschen  schwarzbraunen  Clavipalpus,  der 
wie  eine   Serica  dicht  über  dem   Boden  dahinflog. 

In  Quito  traf  ich  Herrn  Dr.  x\ugust  Rimbach  aus  Rio- 
bamba, der  mich  mit  dem  bekannten  Botaniker  Padre 
Sodiro  und  Konsul  Ludwig  Söderström  bekannt  machte, 
von  dem  ich  einige  interessante  Käfer  aus  der  Nähe  von 
Quito  erhielt;  in  dem  Garten  der  deutschen  Brauerei  fing 
ich  Barotheus  andinus  und  Lasiocala  jiilvohirta  am  Licht. 
Meine  Hoffnung,  hier  Gesellschaft  für  die  Reise  nach  dem 
Napo  zu  finden,  ging  leider  nicht  in  Erfüllung;  mehrere 
Besuche,  die  ich  deshalb  machte,  waren  vergeblich  und 
da  man  mir  in  Ambato  von  einem  neuen  Weg  nach  dem 
Oriente  gesprochen  hatte,  der  besser  und  kürzer  sein  sollte 
als  der  über  den  Napo,  so  fuhr  ich  am  4.  XII.  nach  Ambato 
zurück,  wo  ich  auch  bald  Näheres  über  diesen  Weg  erfuhr. 
Die  Regierung  plante  eine  Eisenbahn  von  Ambato  über 
Bannos  nach  dem  ersten  schiffbaren  Hafen  am  Rio  Curaray, 
einem  Nebenfluß  des  Rio  Napo;  es  war  bekannt,  daß  an 
diesem    Fluß   Ansiedlungen   von   Caucheros  bestanden,    die 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909.  8 


114 

in  der  Regenzeit  von  Dampfböten  aus  Iquitos  besucht 
wurden.  Sie  hatte  den  nordamerikanischen  Eisenbahn- 
ingenieur Mr.  Fox  mit  etwa  40  Leuten  ausgeschickt, 
um  die  Trace  für  die  neue  Bahn  festzulegen  und  der  Zufall 
fügte  es,  daß  dieser  zugleich  mit  mir  in  Ambato  eintraf. 
Ich  suchte  ihn  sofort  auf,  konnte  aber  nur  über  den  ersten, 
bereits  gut  bekannten  Weg  bis  Canelos  Auskunft  bekommen ; 
er  hatte  etwa  auf  dem  halben  Wege  zwischen  Bannos  und 
Canelos  das  Pastassatal  verlassen  und  war  nach  Norden 
gezogen,  um  den  Rio  Curaray,  der  nach  seinen  Karten 
vom  Cerro  Hermoso  entsprang,  zu  treffen  und  dann  neben 
ihm  stromab  zu  ziehen  bis  zum  ersten  Punkt,  wo  der  Fluß 
schiffbar  wird.  Leider  waren  aber  die  Karten  falsch;  der 
Curaray  entspringt  nicht  am  Cerro  Hermoso,  sondern  viel 
weiter  östlich  bei  Canelos.  Mr.  Fox  zog  immer  weiter  nach 
Norden  und  als  er  den  ersten  größeren  Wasserlauf  und  dabei 
Menschen  traf,  erfuhr  er,  daß  er  nicht  am  Curaray,  sondern 
am  Napo  war.  Er  kehrte  um  und  zog  auf  dem  alten  Weg 
nach  Canelos,  in  dessen  Nähe  er  einige  Wasserfälle  ent- 
deckte, die  die  nötige  Kraft  für  die  geplante  Bahn  liefern 
sollten.  Über  den  Weg  von  Canelos  flußab  konnte  er  mir 
keine  Auskunft  geben;  die  würde  ich  sicher  in  Canelos 
bekommen.  Mehr  war  auch  anderswo  nicht  zu  erfahren 
und  ich  entschloß  mich,  auf  gut  Glück  nach  Canelos  zu 
gehen  und  zu  versuchen,  ob  ich  von  da  weiterkommen 
würde;  gelang  dies  nicht,  dann  wollte  ich  einige  Zeit  in 
Canelos  bleiben,  das  ja  durch  den  engl.  Reisenden  Buckley 
als  vorzüglicher   Sammelplatz  bekannt   ist. 

In  Ambato  war  ich  durch  Herrn  Richanek  mit  dem 
Kaufmann  Sr.  Jose  Cobo  bekannt  geworden,  derzeit  Schatz- 
meister des  Staates,  der  mir  vom  Gouverneur  Empfehlungen 
an  alle  Zivil-  und  Militärbehörden  auf  meinem  geplanten 
Weg  verschaffte  und  mir  auch  beim  Einkauf  von  Proviant 
und  Tauschwaren  behülflich  war.   Als  Zahlung  für  die  Träger 

Stett.  eutomol.  Zeit.   1909. 


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von  Canelos  nach  dem  Curaray  nahm  ich  auf  alle  Fälle 
ein  großes  Stück  Leinwand  mit,  die  von  den  Indianern 
der  Hochebene  angefertigt  wird  und  im  ganzen  Oriente 
von  Ecuador  als  Zahlungsmittel  gilt.  Ihm  verdankte  ich 
auch  den  Empfehlungsbrief  eines  Arztes  in  Ambato  an  den 
Pfarrer  von  Bannos,  der  sich  in  der  Folge  als  recht  wert- 
voll erwies. 

Am  9.  XII.  ritt  ich  in  Begleitung  von  Sr.  Ortega,  dem 
Pächter  des  Branntweinmonopols,  von  Ambato  nach  Bannos. 
Der  Weg  führt  bis  Pelileo  über  ödes  steiniges  Land,  losen 
vulkanischen  Sand  und  Cangagua,  auf  der  nur  Agaven 
oder  stellenweise  blaue  Lupinen  gedeihen,  die  den  Indianern 
hier  zur  Nahrung  dienen;  überall  lagen  tote  Stücke  von 
Änomala  aequatorialis,  Barotheus  andinus,  Democrates  Bur- 
meisteri  und  Praogolofa  unicolor  umher.  Hinter  Pelileo 
zieht  sich  der  Weg  an  der  Nordseite  des  großen  Vulkans 
Tungurahua  dahin,  der  hier  alle  Zonen  von  den  üppigsten 
Zuckerrohrfeldern  an  seinem  Fuß  bis  zum  ewigen  Schnee, 
mit  dem  sein  Krater  bedeckt  ist,  vereinigt. 

In  Bannos  angekommen  machten  wir  uns  sofort  auf 
die  Suche  nach  Trägern  für  den  W>g  nach  Canelos;  ich 
gab  bei  dem  Jefe  politico,  einem  Kaufmann  am  Markt, 
mein  Empfehlungsschreiben  ab,  aber  trotz  aller  Bemühungen 
konnten  wir  keine  Träger  finden.  Der  nächste  Tag  war  ein 
Sonntag,  das  Wetter  schön  trocken;  es  kamen  daher  eine 
Menge  Leute  zur  Kirche  und  nachher  entwickelte  sich  ein 
lebhafter  Markt  auf  dem  Platz  vor  der  Kirche,  der  mit 
seinem  Röhrenbrunnen  und  dem  großen  lindenartigen 
Baum,  umgeben  von  Fachwerkhäusern,  hinter  denen  die 
Berge  aufragten,  an  den  Markt  eines  thüringischen  Land- 
städtchens erinnerte.  Wieder  versuchten  wir  Träger  zu 
gewinnen,  aber  ohne  Erfolg;  die  Leute  von  der  Expedition 
des  Mr.  Fox,  die  gerade  in  diesen  Tagen  zurückkehrten, 
wußten  so  viel  von  den  ausgestandenen  Strapazen  zu  er- 
sten, entomol.  Zeit.  11)09.  ö'' 


116 

zählen,  daß  keiner  Lust  hatte,  den  Weg  zu  machen.  Beim 
Jefe  pohtico  lernte  ich  den  neuernannten  Gouverneur 
des  Curaraygebietes,  Coronel  Bravo,  kennen,  der  mit  seinem 
Sekretär  und  3  Angestellten  schon  14  Tage  in  Bannos  war, 
um  nach  seinem  Bestimmungsort  San  Antonio  de  Curaray 
abzugehen;  auch  er  hatte  keine  weißen  Träger  für  sein 
Gepäck  bekommen  können  und  sich  schließlich  mit  Salasaca- 
Indianern,  anerkannt  unzuverlässigen  Leuten,  behelfen 
müssen;  er  wollte  am  nächsten  Morgen  abmarschieren 
und  bot  mir  an,  die  Reise  mit  ihm  zusammen  zu  machen, 
wenn  ich  noch  Träger  bekommen  könnte.  Schon  war  ich 
entschlossen,  trotz  des  Abratens  von  verschiedenen  Seiten 
Indianer  zu  engagieren,  als  mir  ein  Zufall  zu  Hülfe  kam. 
Kurz  vor  mir  war  ein  Lhiteroffizier  der  französischen  Grad- 
messungskommission in  Bannos  eingetroffen,  der,  da  das 
einzige  Hotel  in  Bannos  mit  Leuten  von  der  Eisenbahn- 
expedition überfüllt  war.  in  einem  Hause  an  der  Plaza 
abstieg,  wo  auch  ich  Unterkunft  fand.  Er  wurde  krank 
und  bat  mich  um  ärztlichen  Rat;  an  seinem  Krankenbett 
lernte  ich  Padre  Thomas  Alflandts  kennen,  den  Pfarrer 
von  Bannos,  und  erinnerte  mich  des  Schreibens,  das  mir 
der  Kollege  in  Ambato  für  ihn  mitgegeben  und  dem  ich 
im  Vergleich  mit  den  Regierungsempfehlungen  wenig 
Wichtigkeit  beigemessen.  Bald  darauf  meldete  sich  ein 
Einwohner  von  Bannos  bei  mir,  der  bereit  war,  mit  mir 
nach  Canelos  zu  gehen  und  noch  am  selben  Abend  zwei 
weitere  Träger  brachte,  die  ich  ebenfalls  engagierte.  Ich 
war  herzlich  froh,  als  ich  die  Trägerfrage,  die  wichtigste 
auf  der  ganzen  Reise,  so  rasch  und  —  wie  sich  bald  heraus- 
stellte —  so  gut  gelöst  sah,  benutzte  den  nächsten  Vor- 
mittag zum  Einkaufen  und  Ordnen  des  Gepäcks  und  machte 
am  Nachmittag  eine  Exkursion  in  die  Umgebung  des  Städt- 
chens, Die  Insektenfauna  von  Bannos  ist  durch  Mons. 
de  Mathan,  Mr.  Buckley  und  zuletzt  durch  Herrn  R.  Haensch, 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


117 

die  hier  längere  Zeit  gesammelt  haben,  ziemlich  vollständig 
bekannt  geworden;  ich  konnte  nicht  erwarten,  in  den  wenigen 
Stunden  viel  Neues  zu  finden,  immerhin  erbeutete  ich 
doch  eine  Anzahl  Lamellicornier.  Am  nächsten  Tag  machte 
ich  einige  photographische  Aufnahmen  und  besuchte  mit 
Padre  Thomas  die  heiße  Quelle,  der  Bannos  seinen  Namen 
verdankt;  sie  liegt  am  Fuß  eines  hohen  Felsens,  von  dem 
ein  dünner,  aber  sehr  hoher  Wasserfall  herab  kommt  mit 
eiskaltem  Wasser  von  der  Schneekuppe  des  Tungurahua, 
so  daß  das  Wasser  in  den  Badewannen,  primitiv  aus  dem 
Boden  ausgehobenen  Löchern,  nach  Belieben  gemischt 
werden  kann.  Am  13.  XIL  marschierten  wir  ab;  das  Wetter, 
das  die  letzten  Tage  über  schön  trocken  war,  schlug  in  der 
Nacht  um  und  war  hatten  Regen  mit  kurzen  Pausen  bis 
Canelos.  ^Meinen  Plan,  unterwegs  Station  zu  machen, 
um  in  den  verschiedenen  Höhen  einige  Tage  zu  sammeln, 
hatte  ich  leider  aufgeben  müssen,  weil  ich  nicht  Träger 
genug  bekommen  konnte,  um  die  nötigen  Lebensmittel 
zu  tragen,  denn  nach  den  Angaben  von  Mr.  Fox  konnte 
ich  nicht  darauf  rechnen,  unterwegs  auch  nur  eine  Banane 
zu  bekommen.  Meine  Träger  waren  mit  meinem  Hand- 
gepäck, der  Rolle  Leinwand  und  den  Konserven  für  die 
Weiterreise  von  Canelos  nach  San  x\ntonio  de  Curaray 
schon  derart  belastet  —  jeder  trug  etwa  70  Pfund  — ,  daß 
sie  nur  die  allernotwendigsten  Lebensmittel  für  den  Weg 
mitnehmen  konnten.  Den  pliotographischen  Apparat  und 
einige  Sammelutensilien  nahm  ich  selber  auf  den  Rücken 
und  sie  haben  mir,  trotzdem  sie  nur  etwa  15  Pfund  wogen, 
auf  den  schauderhaften  Wegen  manchen  Schweißtropfen 
ausgepreßt.  Da  nun  auch  bei  dem  ständigen  Regen  wenig 
Insekten  zu  sehen  waren  und  der  schlechte  Weg  die  Auf- 
merksamkeit vollauf  in  Anspruch  nahm,  suchte  ich  vorerst 
möglichst  rasch  Canelos  zu  erreichen.  Am  ersten  Tage 
kamen   wir  bis   Mirador;   der  Weg  dahin   ist  gut  bis  kurz 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


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vor  M.,  wo  man  eine  längere  Sumpfstrecke  auf  gefällten 
Bäumen  passieren  muß.  Am  nächsten  Morgen  berührten 
wir  den  Punkt  Santa  Jnez,  wo  Herr  Haensch  längere  Zeit 
gesammelt  und  stießen  hier  auf  das  Lager  des  Herrn  von 
Plessen,  der  von  einer  mehrtägigen  Exkursion  nach 
Barrancas  zurückkehrend  hier  Station  gemacht  hatte. 
Wir  übernachteten  an  diesem  Tage  bei  dem  Punkt  TeremotiUo 
in  einem  Rancho,  einer  Hütte  aus  einigen  Stangen  und  Palm- 
wedeln, wie  sie  die  Leute  unterwegs  zum  Nachtlager  in 
kurzer  Zeit  herstellen.  Der  nächste  Tag  brachte  den  Über- 
gang über  die  Sierra  Abitagua,  den  beschwerlichsten  Teil 
des  Weges;  darnach  durchwateten  wir  noch  den  Rio  Kilo 
und  schliefen  wieder  in  einem  Rancho  oben  auf  der  Höhe. 
Am  i6.  früh  kamen  wir  nach  Barrancas,  einer  frisch  an- 
gelegten Pflanzung,  wo  wir  Coronel  Bravo  trafen,  der 
seinen  Leuten  hier  einen  Rasttag  gab.  Auch  wir  marschierten 
heute  nicht  weiter,  badeten  und  trockneten  unsere  Kleider. 
Am  nächsten  Tag  kamen  wir  bis  zur  Jivaria,  einem  Dorf 
der  Jivaro-Indianer,  wo  wir  in  einem  großen,  von  den 
Missionaren  erbauten  Rasthaus  übernachteten.  Das  Land 
unterwegs  war  ebener,  aber  von  einer  Menge  kleiner  Wasser- 
läufe durchzogen,  die  in  dem  weichen  Glimmerschiefer 
tief  eingeschnitten  sind,  Bäche  von  2 — 3  Meter  Breite  oft 
10 — 15  Meter  tief;  nur  selten  kann  man  diese  Quebradas 
auf  gefällten  Bäumen  passieren,  meist  muß  man  an  den 
steilen  Wänden  an  vorspringenden  Steinen  und  Wurzeln 
hinunter-  und  auf  der  anderen  Seite  ebenso  hinaufklettern. 
Kurz  vor  der  Jivaria  muß  man  einen  längeren  Sumpf 
passieren;  das  Waten  in  dem  zähen  Brei,  wenn  man  auch 
nur  bis  zur  halben  Wade  einsinkt,  ist  ungemein  ermüdend. 
Am  18.  XXL  überschritten  wir  die  Siete  Cerros;  es  ging 
den  ganzen  Tag  bergauf,  bergab  über  Hügel,  bedeckt  mit 
einem  lichten  Hochwald,  in  dem  vereinzelt  gewaltige  Baum- 
riesen mit  weit  reichenden  Bretterwurzeln  stehen;  ungemein 

Stett.  entomol.  Zeit,  1909. 


119 

häufig  ist  hier  auch  eine  Palme,  die  auf  i — 1 14  Meter  hohen 
Stelzen  steht;  in  den  Quebradas  ist  das  Unterholz  dicht, 
oben  kann  man  fast  ohne  Waldmesser  durchkommen. 
Wir  übernachteten  wieder  in  einem  vorgefundenen  Ranch o 
bei  dem  Punkt  Huaiusa  und  kamen  am  nächsten  Tag  zu 
einem  Punkt,  der  Ovillas  genannt  wird;  hier  mußten  wir 
uns  selber  einen  Rancho  machen.  Das  Insektenleben  in 
dem  düsteren  Hochwald  war  auffallend  arm;  ich  sah  nur 
selten  einen  Schmetterling,  häufiger  eine  kleine  gelbe  und 
eine  etwas  größere  schwarze  Biene,  einige  Tabaniden  und 
von  Käfern  nur  eine  Chrysomelide.  20.  XII.  Um  5  Uhr 
auf  und  nüchtern  abmarschiert.  Nachdem  wir  die  letzten 
Nächte  in  nassem  Zeug  geschlafen  —  es  war  kaum  möglich, 
Feuer  zu  halten,  so  triefte  alles  Holz  von  Nässe  und  die 
Leute  waren  auch  zu  müde,  um  des  Abends  lange  wach 
zu  bleiben  und  Kleider  zu  trocknen  —  hatten  wir  des 
Morgens  nur  den  Wunsch,  weiterzukommen  und  uns  wieder 
warm  zu  laufen.  Unser  erstes  Frühstück,  eine  Schale  Pinol, 
Gerstenmehl  mit  Zucker  und  Wasser,  nahmen  wir  dann 
bei  der  ersten  Ruhepause.  Wir  marschierten  den  ganzen 
Vormittag  auf  einem  Höhenrücken  mit  steil  abfallenden 
Wänden  dahin;  die  linke  Seite,  die  nahezu  senkrecht  abfiel, 
bildete  offenbar  früher  das  Ufer  des  Rio  Bobonaza,  den 
wir  über  die  von  dichtem  Wald  bedeckte  Ebene  in  der 
Tiefe  von  Zeit  zu  Zeit  sehen  konnten.  Rechts  war  die  Wand 
weniger  steil  und  hier  passierten  wir  eine  Reihe  von  Tal- 
kesseln, die  mit  Palmen  und  Farrenbäumen  dicht  bestanden 
waren;  hier  waren  Schmetterlinge  und  Libellen  häufiger. 
Gegen  Mittag  stiegen  wir  zum  Rio  Tinguiza  hinab  und 
verfolgten  diesen  Fluß  in  seinem  Bett  bis  zur  Mündung 
in  den  Bobonaza,  durchwateten  diesen  und  waren  bald 
darauf  in  Canelos.  Hier  gab  ich  meine  Briefe  ab  und  wurde 
von  Padre  van  Schoote,  dem  Prior  der  Missionsstation 
freundhch    aufgenommen,    erhielt    ein    gerade   leerstehendes 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


120 

Zimmer  oben  im  IMissionshaiis  ^ziir  Wohnung  und  nahm 
meine  ^Mahlzeiten  mit  den  Mönchen  zusammen.  Auch 
die  Frage  wegen  der  Weiterreise  wurde  bald  erledigt;  Padre 
van  Schoote  versprach  mir  ein  Boot  und  zuverlässige  Leute 
bis  San  Antonio  de  Curaray;  dort  mußte  ich  selber  sehen 
wie  ich  weiter  kam.  Doch  war  meines  Bleibens  nicht  lange 
in  Canelos,  da  beide  Geistliche  gleich  nach  den  Feiertagen 
Missionsreisen  unternahmen  und  auch  die  hier  angesiedelten 
Jivaro-Indianer  sofort  nach  dem  Fest  sich  nach  allen  Rich- 
tungen zerstreuten.  Die  wenigen  Tage,  die  mir  zum  Sammeln 
hier  verblieben,  benutzte  ich  fleißig;  fast  jede  freie  Stunde 
war  ich  draußen  und  brachte  auch  eine  ganz  stattliche 
Anzahl  von  Insekten  zusammen.  Die  Stubben  und  herum- 
liegenden Stämme  in  den  Liclitungen  nahe  dem  Hause 
lieferten  viele  Holzkäfer  und  Larven,  Passahden,  darunter 
auch  wieder  die  Art,  deren  Larve  behaart  ist,  Dynastiden 
u.  a.,  einen  hübschen  neuen  Philcurus  und  vor  allem  Rute- 
liden.  Ich  fand  Larven  und  Puppen  von  Macraspis  andi- 
cola,  melanaria  und  pantochloris,  ferner  Eier,  Larven  in 
allen  Stadien,  Puppen  und  Käfer  von  Macraspis  maculata; 
sie  leben  in  niedrigen  Stubben  mit  hartem,  trockenem, 
weißem  Holz.  Lagochüe  trigona  kam  des  Abends  ans  Licht 
geflogen,  sonst  war  der  Lichtfang  wie  in  Sabanilla  äußerst 
unergiebig. 

Am  26.  XII.  verheß  ich  Canelos.  Wir  hatten  eine 
schöne  große  Canoa,  in  der  ein  älterer  Indianer  mit  seiner 
Frau  am  Steuer  saß,  während  3  jüngere  Indianer  das  Boot 
mit  Stangen  von  Gynerium  sacharo'ides  vorwärts  schoben. 
Der  Fluß  ist  zuerst  sehr  flach;  eine  Barre,  gebildet  aus 
etwa  kopfgroßen  runden  Steinen  folgt  der  anderen;  manch- 
mal rieselt  das  Wasser  auf  längerer  Strecke  nur  über  solche 
Steine.  Dann  stiegen  alle  aus  und  schoben  oder  zogen  das 
Boot.  Der  Fluß  ist  ungemein  gewunden;  mehrmals  stieg 
der  eine  oder  andere   aus  und  ging    über   Land,     um    die 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


121 

Biegung  abzuschneiden.      Am   Nachmittag  wurde  der  Fhiß 
breiter,  das  Ufer  höher,  auf  der  Seite  der  größeren  Krümmung, 
Baranco    genannt,    Steihifer    mit    Erdstürzen,   oben    Hoch- 
wald,   auf   der   anderen    Seite,    der   Vega,    angeschwemmtes 
Land    mit    frischem    Buschwerk,    darunter    viele    Cecropien, 
dahinter    allenthalben    Ansiedlungen.        Wenn    wir     unter 
Büschen    hindurchfuhren,    schlug    ich    gegen    diese    an    und 
erbeutete    mehrere    Exemplare    von    Chiloxia    binotata,    die 
auf   den   Büschen   jagen.     Die  Käfer   sind   ungemein    fhnk; 
sobald   sie    fallen,    breiten   sie   die    Flügel   aus   und     f hegen 
davon.    Andere  Insekten,  die  von  den  Büschen  herabfielen, 
berülirten  kaum  das  Wasser,  als  sie  auch  schon  von  Fischen 
verschlungen  wurden.     Das  Wetter  war  sonnig,  Schmetter- 
linge,  darunter   große   blaue   Morplio,    kreuzten   häufig   den 
Fluß  und  die  Bootfahrt  war  recht  angenehm.     Wir  hielten 
um    6    Uhr    gegenüber     Sasapi-  Yacu    und    übernachteten 
in    einem    leeren    Tambo,    einem    hohen    mit    Palmblättern 
gedeckten  Haus  der  Indianer.    Am  nächsten  Morgen  kamen 
wir   nach   einstündiger   Bootfahrt   nach   dem    Punkt   Cham- 
bira;  hier  versteckten  die   Indianer  das  Boot  im   Gebüsch, 
nahmen  die  Lasten  auf  den  Rücken  und  dann  ging  es  zuerst 
in  einem  kleinen  Wasserlauf,  Curi-yacu  (Goldbach)  genannt, 
aufwärts  auf  einen   Höhenrücken,   den  wir  bis  zum  Nach- 
mittag  verfolgten.      In   der    Quebrada   des    Curi-yacu   war 
dichtes    Unterholz;    auf    den    sonnenbeschienenen    Büschen 
war  reges  Insektenleben,  u.a.  lief  hier  Odontochila  cayennensis 
herum,  aber  ich  durfte  mich  mit  Sammeln  nicht    aufhalten; 
die  Indianer  hielten  trotz  der  schweren  Lasten  ein  so  flottes 
Tempo   ein,    daß   ich   kaum   zu   folgen   vermochte.      Gegen 
Abend  kamen  wir  nach  dem  Tambo  am    Rio  Rotuno,  wo 
wir  übernachteten.     Das  Wetter  war  den   ganzen  Tag  über 
schön    gebheben;    erst    als    wir    den    Tambo    erreicht,    kam 
ein  heftiges  Gewitter,  darnach  sternklarer  Himmel.    28.  XI I. 
Um  5  Uhr  auf,  um  6  Uhr  Abmarsch.     Wieder  ging  es  auf 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


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einem  schmalen  Grat  entlang;  Antonio,  ein  Junge  von 
etwa  17  Jahren,  der  einzige,  der  einige  Worte  spanisch 
sprach,  mit  meinem  Koffer  auf  dem  Rücken  lief  voraus, 
ich  in  Eilschritten  hinterher.  Um  9  Uhr  ging  es  steil  hinab 
nach  dem  Ufer  des  Rio  Villano;  hier  setzte  Antonio  seine 
Last  ab  und  war  im  nächsten  Augenblick  verschwunden. 
Bald  darauf  kamen  auch  die  beiden  anderen  Jungen,  legten 
ihre  Lasten  ab  und  verschwanden,  ohne  ein  Wort  zu  sagen, 
wieder  im  Wald.  Nach  einer  recht  ungemütlichen  Stunde 
des  Wartens  tauchte  Antonio  wieder  auf;  er  war  den  Fluß 
am  Ufer  hinuntergegangen  bis  Huito  und  brachte  eine 
Canoa,  in  die  wir  das  Gepäck  luden  und  flußab  fuhren. 
In  Huito  traf  ich  Coronel  Bravo  wieder,  der  nach  kurzem 
Aufenthalt  in  Canelos  weitergefahren  und  nun  hier  wartete, 
bis  ihm  aus  San  Antonio  de  Curaray  Boote  zur  Weiter- 
fahrt entgegengeschickt  wurden.  Auch  den  älteren  Indianer 
und  seine  Frau,  mit  denen  ich  von  Canelos  abgefahren, 
sah  ich  hier;  sie  waren  über  Land  rascher  hierhergekommen 
und  wollten  hier  bleiben.  Am  Nachmittag  konnte  ich  mit 
Antonio  als  Ruderer  und  einem  alten  Saparo-Indianer, 
dessen  Sprache  ich  nicht  verstand,  die  Reise  fortsetzen. 
Wir  ruderten  bis  5  Uhr,  dann  schlugen  wir  auf  einer  Sand- 
bank einen  Rancho  auf  und  übernachteten  hier. 

Die  weitere  Fahrt  den  Fluß  hinab  war  recht  inter- 
essant. Die  Nächte  schliefen  wir  gewöhnlich  auf  einer  Sand- 
bank, standen  um  5  Uhr  auf,  aßen  etwas  und  fuhren  um 
6  Uhr  ab,  zuweilen  auch  sofort.  Dann  jagte  Antonio,  der 
ein  leidenschaftlicher  Jäger  und  Fischer  war,  am  Ufer 
Paujil  und  Pavo,  wilde  Truthühner,  von  denen  er  mehrere 
erlegte.  In  den  Buchten  an  den  Steinbarren,  an  denen 
auch  der  Vülano  reich  ist,  fing  er  mit  dem  Wurfnetz  große 
Fische,  Kaiwi  genannt,  in  den  Pallisaden,  wahren  Ver- 
hauen von  in  den  Fluß  gestürzten  Bäumen,  fingen  wir 
zuweilen   Schildkröten,   Charape,  und  auf  den   Sandbänken 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


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fanden  wir  Nestor  mit  Scliildkiöteneiern.  Das  Wetter  war 
recht  angenehm,  die  Hitze  erträghch,  die  Nächte  kühl 
und  Regen  ganz  selten.  Den  Tag  über  flogen  viele  Schmetter- 
linge auf  dem  Fluß  und  begleiteten  das  Boot  oft  längere 
Strecken,  so  daß  ich  sie  bequem  fangen  konnte.  Ein  hüb- 
scher blauer  Morpho  war  häufig  am  Ufer,  auf  dem  Wasser 
begleiteten  Mcgistanus  Bacotus  und  Deucalioii  und  vor 
allem  Urania  Leilus  oft  längere  Strecken  das  Boot.  Einmal 
umflatterte  uns  ein  ganzer  Schwärm  der  letzteren;  als 
ein  Gewitterschauer  kam,  waren  sie  plötzlich  verscliwund"n, 
wie  wir  aber  am  hohen  Ufer  unter  dem  überhängenden 
Gebüsch  Schutz  suchten,  sah  ich  sie  mit  angedrückten 
Flügeln,  den  Kopf  nach  unten,  an  der  Felswand  sitzen. 
Zancndos  (Culiciden)  gibt  es  am  Rio  Villano  nicht,  weder 
bei  Tag  noch  des  Nachts,  auch  Sandfliegen,  hier  INIosquitos 
genannt,  Simulium  spec,  sind  nicht  allzulästig,  doch  wissen 
sie  tückischer  Weise  gerade  in  den  Stromschnellen  und 
in  den  Pallisaden,  wenn  die  ganze  Aufmerksamkeit  auf 
das  zu  passierende  Hindernis  gerichtet  ist,  ihre  Stiche  an- 
zubringen. Dagegen  waren  kleine  gelbe  und  etwas  größere 
schwarze  Bicnchen,  die  letzteren  von  der  Größe  unserer 
Stubenfliege,  die  sich  auf  alle  freien  Körperstellen  setzten, 
um  den  Schweiß  zu  saugen,  ungemein  lästig.  Früh  am 
Morgen  und  gegen  Abend  flogen  einzelne  Paare  des  rot 
und  blauen,  wie  auch  des  gelb  und  blauen  Arara  über  den 
Fluß,  Schwärme  der  grüngelben  Amazone  (Chrysotis)  und 
Perriquiten  suchten  die  Uferbäume  auf,  Wasserschweine 
erschienen  auf  den  Sandbänken;  am  Tage  sahen  wir  mehr- 
fach Affen,  die  von  Palmen  am  Ufer  sich  die  Früchte  holten, 
in  den  Pallisadas  waren  außer  Leguanen  und  Krokodilen 
hübsche  Fischottern  mit  ihren  Jungen  häufig,  die  Antonio 
durch  Nachahmen  ihres  Schreies  oft  längere  Strecken  hinter 
dem  Boot  herlockte.  Am  Vormittag  des  i.  Januar  1906 
fuhren   wir   in   den    Rio   Curaray   ein;     über   der    Mündung 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


124 

schwebten  einige  schwarze  Aasgeier,  die  ersten,  die  ich 
nach  Überschreiten  der  Cordillere  sah.  An  der  ersten  Sand- 
bank trafen  wir  die  Boote  ans  S.  Antonio  de  Cnraray,  die 
nnterwegs  waren,  nm  Coronel  Bravo  von  Huito  abzuholen. 
Die  Nacht  schhefen  wir  auf  einer  großen  Sandbank;  als 
wir  landeten,  scheuchten  wir  eine  ganze  Wolke  von  weißen 
vnid  gelben  Catopsilien  auf,  die  sich  auf  und  um  einen  ge- 
strandeten toten  Fisch  niedergelassen  hatten.  Kaum  hatte 
ich  mich  zum  Schlafen  niedergelegt,  da  kamen  Dutzende 
von  kleinen  Nachtschmetterlingen,  um  mir  den  Schweiß 
von  Gesicht  und  Armen  zu  saugen;  auch  der  Sack  mit 
Salz,  den  wir  zum  Trocknen  neben  das  Feuer  gelegt,  war 
bald  von  ihnen  bedeckt.  Am  nächsten  Nachmittag  er- 
reichten wir  San  Antonio  de  Curaray,  wo  wir  mit  Flinten- 
schüssen begrüßt  wurden. 

Sr.  Antonio  Garces,  der  Besitzer  der  Ansiedlung,  war 
auf  einer  Reise  unterwegs;  seine  Frau  nahm  mich  freundlich 
auf,  konnte  mir  aber  wegen  der  Weiterfahrt  keine  Aus- 
kunft geben.  Die  kleinen  Dampfer,  die  von  Iquitos  bis 
hier  heraufkommen,  treffen  gewöhnlich  erst  im  Mai,  zur 
Zeit  des  höchsten  Wasserstandes,  ein;  ob  vorher  eine  Canoa 
nach  Iquitos,  das  von  hier  fast  vier  Wochen  Bootfahrt 
entfernt  ist,  gehen  würde,  war  unbestimmt.  Ich  mußte 
mich  also  in  Geduld  fassen  und  benutzte  meine  Muße  zu 
fleißigem  Sammeln. 

Die  Ansiedlung  San  Antonio  de  Curaray  besteht  aus 
zwei  langgestreckten  Holzhäusern,  die  auf  etwa  3  Meter 
hohen  Pfählen  stehen  und  durch  eine  Brücke  miteinander 
verbunden  sind.  Das  Balkenwerk  lieferten  außerordentlich 
harte  Palmen,  die  Wände  und  den  Fußboden  gespaltener 
Bambus,  das  hohe  Dach  war  mit  Palmblättern  gedeckt. 
Das  eine  Haus  enthielt  die  Wohnräume  des  Sr.  Garces 
und  die  Lagerräume  für  Kaufmannsgüter,  das  andere, 
in  dem  auch  ich  ein  Zimmer  erhielt,  die  Wohnungen  von 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


125 

Angestellten,  hinter  der  Brücke  lag  der  Küchenraum.  Der 
Raum  zwischen  den  Häusern  und  dem  Fluß  war  sorgfältig 
gelichtet;  hinter  dem  Haus  w^aren  ausgedehnte  Pflanzungen 
von  Yucca,  Bananen  und  Zuckerrohr,  darin  zerstreut 
lagen  die  Tambos  der  Saparo-Indianer,  von  denen  etwa 
40  Famihen  hier  angesiedelt  waren.  Gerade  während  meiner 
Anwesenheit  wurde  ein  großes  Stück  Urwald  umgehauen, 
um  Raum  für  neue  Pflanzungen  zu  schaffen.  Die  An- 
siedlung  war  ein  Sammelplatz,  wie  man  ihn  sich  idealer 
gar  nicht  denken  konnte.  Unten  am  Hafen,  d.  h.  am  Fluß- 
ufer wimmelte  es  von  bunten  Schmetterlingen,  Hymenop- 
teren  und  Dipteren;  in  den  Rissen  des  austrocknenden 
Schlammes  steckte  Tetracha  julgida,  oben  auf  dem  Platz 
vor  dem  Hause  flog  in  Menge  Cicindela  argcntata,  fleißig 
junge  Heuschrecken  jagend  und  um  den  Unrat,  die  Frucht- 
schalen usw.  sammelten  sich  oft  Dutzende  von  Urania 
Leilus,  Aganisthos  Odins  und  mehrere  Arten  Catagrammen. 
In  den  Yucca-  und  Bananenpflanzungen  standen  überall 
die  Stubben  gefällter  Bäume  und  lagen  abgestorbene  Bäume 
herum,  einige  von  etwa  2  Meter  Durchmesser,  die  von  Holz- 
käfern und  ihren  Larven  geradezu  wimmelten.  Und  erst 
der  Desmonte,  der  frisch  umgelegte  Urwald;  es  war  eine 
Lust,  zwischen  den  gefällten  Stämmen  herumzuklettern 
und  aus  dem  Vollen  zu  schöpfen.  Etwa  eine  Stunde  flußab 
von  der  Ansiedlung  lag  das  Quartel  mit  einer  kleinen  Be- 
satzung von  Soldaten;  der  Weg  dahin  führte  durch  Wald 
mit  dichtem  Unterholz,  in  dem  es  von  Blattkäfern,  Schmetter- 
lingen, spec.  Ithomien  und  Heliconiern,  Hymenopteren 
und  Dipteren  wimmelte;  er  war  auch  die  einzige  Stelle, 
wo  ich  von  Stechfliegen  belästigt  wurde,  die  in  der  An- 
siedlung und  im  Desmonte  fehlten. 

Ungemein  häufig  waren  bei  dem  Reichtum  an  ab- 
gestorbenen Bäumen  die  Passahden  und  darunter  eine 
große  gewölbte  Art,  die  ich  in  1—2  Meter  dicken  Stämmen 

Stett.  entoniol.  Zeit.   1909, 


126 

von  rotem  Holz  fand,  immer  zusammen  mit  Termiten,  mit 
denen  sie  sich  gut  zu  vertragen  scheinen.  Am  lo.  I.  fand 
ich  einen  solchen  gestürzten  Baumriesen,  in  dem  sie  eine 
richtige  Kolonie  bildeten.  In  der  daumendicken  Borke 
und,  teils  im  Mulm,  teils  in  den  Seitenwänden  der  Passa- 
liden-Fraßgänge  fand  ich  als  Tischgenossen  Cloeotus  globosus 
und  Ataenius  capitatus,  die  ich  auch  früher  mit  Passaliden 
zusammen  gefunden.  Als  neuen  Tischgenossen  traf  ich 
in  diesem  Stamm  Cnemida  retusa;  etwa  ein  Dutzend  Larven 
in  allen  Größen  von  der  frisch  ausgeschlüpften  bis  zur  voll 
erwachsenen  nebst  2  Puppen,  aber  keine  Käfer,  saßen 
teils  im  Mulm  der  Rinde,  teils  in  den  oberflächlichen  Fraß- 
gängen. Am  18.  L  fand  ich  an  anderer  Stelle  einen  kleineren 
Stamm  mit  demselben  roten  Holz,  stark  angegangen  von 
Termiten  und  darin  denselben  großen  Passaliden  und  wieder 
Cnemida  retusa,  Larven  in  allen  Stadien,  einige  Puppen, 
aber  keine  Käfer.  Die  Larve  frißt  meist  nur  den  feinen 
Mulm;  nur  wenige  Stücke  waren  in  das  weiche  Holz  an  den 
Seiten  der  Fraßgänge  eingedrungen;  in  den  tieferen,  härteren 
Schichten  des  Stammes,  in  denen  hauptsächlich  die  Ter- 
miten tätig  waren  und  die  Passaliden  neue  Gänge  anlegten, 
fand  ich  sie  nicht  mehr.  Sie  weicht  in  einigen  wesentlichen 
Punkten  von  den  Larven  der  echten  Ruteliden,  speziell 
der  Gattung  Riitcta  ab.  Während  bei  diesen  letzteren  der 
Kopf  hellgelb,  lebhaft  glänzend  ist  mit  scharf  abgesetzten 
schwarzen  Mandibeln,  hat  die  Ciiemida-L^xwe  einen  rötlich- 
gelben, wenig  glänzenden,  mit  mikroskopisch  feinen  Höcker- 
chen besetzten  Kopf,  an  dem  auch  die  Mandibeln  nur  an 
den  Kanten  und  an  der  Spitze  schwarz,  sonst  rötlichgelb 
sind.  Die  Mandibeln  haben  links  nur  zwei  Spitzenzähne, 
nicht  drei  wie  alle  übrigen  bekannten  Larven  der  echten 
Ruteliden.  Abweichend  ist  auch  der  Schrillapparat  gebaut. 
Die  Schrillplatte  am  Oberkiefer  ist  relativ  lang  und  schmal, 
0,6   X  0,15  mm.,  fein  gewölbt  mit  hellerer,  leicht  vertiefter 

Stett.  eutomol.  Zeit.  19Ü9. 


127 

Umrandung;    sie    liegt    parallel    der    unteren    Außenkante 
und    nahe    an    diese    herangerückt ;    diese    Kante   selbst    ist 
gewulstet   und  dicht   mit   feinen   Höckerchen  besetzt.      Die 
Schrillplatte    trägt    zwölf     Querstücke,    die    mittleren    wie 
gewöhnlich  breiter  als  die  endständ^'gen,   die  in  der  Weise 
schwach  schief  gestellt  sind,  daß  ihre  hintere,  scharfrandige 
und  schwarz  pigmentierte  Kante,  von  unten  gesehen,  höher 
steht  als  die  hellere  vordere  Partie;  parallel  zur  Hinterkante 
verlaufen    einige    feine    Querleistchen,    die    nur   bei   starker 
Vergrößerung    sichtbar    werden.        Die    Schrillborsten    am 
Unterkiefer,  9  an  der  Zahl,  stehen  nicht  wie  sonst  auf  der 
Außenkante,    sondern    nach    innen    davon    an    geschützter 
Stelle  auf  der  Dorsalseite  des  Organs  in  der  Verlängerung 
der  Trennungsfurche  zwischen  äußerer  und  innerer  Maxillar- 
lade;  die  Außenkante  selber  trägt  eine  schwarz  pigmentierte 
Leiste  mit  scharfer  Vorderkante.     Ob  diese  Leiste  ebenfalls 
zur   Tonerzeugung  dient,    etwa   mit   ihrer  scharfen   Vorder- 
kante über  die  Höckerchen  am  Außenrand  der  Mandibeln 
streichend,    oder   ob   sie   nur   zur   Führung  in   der   schwach 
vertieften    Furche    zwischen    Außenrand    und    Schrillplatte 
verläuft,   vermag  ich  nicht  zu  sagen.      Der  Ton,    den  die 
lebende  Larve  von  sich  gibt,  ist  so  schwach,  daß  man  ihn 
mehr  fühlt,  als  hört;  die  Mundteile  sind,  der  weichen  Nahrung 
entsprechend,    relativ    schwach,    der    basale    Mahlzahn    am 
Oberkiefer  zwar  groß,  aber  fast  ohne  alle    Querleisten,  der 
Kopf  im  ganzen  klein. 

In  liegenden  Baumstämmen  mit  einem  eigentümlich 
gelben,  langfasrigen  und  zähen  Holz,  wie  auch  in  den  Bretter- 
wurzeln der  Stubben  solcher  Bäume  fand  ich  mehrfach 
Larven  und  Puppen  von  Psciidomacraspis  ajfinis.  In  ab- 
gestorbenen Stämmen  von  Bombaceen,  von  denen  eine 
Art,  hier  Somona  genannt,  eine  ganz  gewaltige  Größe 
erreicht,  waren  Larven  und  Puppen  von  Macraspis  mclanaria 
und  M.  pantochloris  häufig.     An  dem  reichen  Material  von 

Stett.  entoninl.  Zeit.    190Ü. 


128 

Puppen  konnte  ich  die  folgenden  Beobachtungen  über  die 
Färbung  machen.  Die  grüne  Farbe  der  Ps.  affinis,  der 
M.  pantochloris  und  einer  Ptenomela  aus  Pucay,  von  der 
icli  einige  Puppen  mitgenommen,  die  hier  ausschlüpften, 
ist  das  Sekret  von  Drüsen,  die  im  Chitinskelett  allent- 
halben eingelagert  sind  und  deren  Öffnungen  man  mit  der 
Lupe  beobachten  kann.  Dieses  Sekret  erscheint  in  dünner 
Schicht  blau,  in  dickerer  blaugrün  und  endlich  rein  gras- 
grün. Die  Deckflügel  des  frisch  entwickelten  Käfers  sind 
zuerst  rein  weiß;  die  6  Tracheenstämme  mit  ihren  Seiten- 
ästen, an  deren  Ende  Luftbläschen,  Alveolen,  sitzen,  sind 
deutlich  erkennbar.  Bei  den  grünen  Arten  bekommt  dann 
der  ganze  Deckflügel  einen  leicht  blauen  oder  violetten 
Schimmer,  bei  M.  pantochloris  zeigt  sich  die  erste  Färbung 
auf  Schultern  und  Spitzenbuckel,  darnach  —  aber  schwächer 
—  auf  einem  Verbindungsstreifen  zwischen  beiden.  Später 
werden '  die  Deckflügel  der  grünen  Arten  im  ganzen  grün, 
Schultern  und  Spitzenbuckel  bleiben  aber  längere  Zeit 
dunkler  und  Streifen  über  den  Tracheenstämmen  heller 
als  das  übrige.  Bei  der  M.  nielanaria  wird  das  Pigment 
im  Deckflügel  abgelagert,  auch  zuerst  auf  Schultern  und 
Spitzenbuckel,  dann  als  unbestimmte  Längswische  zwischen 
den  Tracheenstämmen;  in  diesem  Stadium  gleicht  der  Käfer 
vollkommen  der  M.  testaceipennis.  Darnach  verstärkt 
sich  die  dunkle  Färbung  auf  den  Deckflügeln  und  es  bleiben 
nur  die  Streifen  über  den  Tracheenstämmen  rotgelb,  bis 
auch  diese  sich  schließlich  färben  und  die  Deckflügel  im 
ganzen  schwarz  erscheinen. 

Häufig  waren  die  Larven  von  Lagochile  amazona 
Thunbg.,  wie  alle  Lagochilc-Larven  gelb,  als  seien  sie  mit 
Gummi  gutti  gefärbt.  Diese  Gelbfärbung  scheint  von  der 
Nahrung  herzurühren,  denn  Stücke,  die  ich  mit  Bombax- 
holz  weiterfütterte,  verloren  bald  ihre  Gelbfärbung.  Ich 
fand  die  Larven  und  Puppen  meist  in  kleinen  Aststücken 

Stett.  ontomol.  Zeit.   1900. 


129 

am  Boden,  oder  in  kurzen,  dünnen  Stubben  und  glaube, 
daß  sie  vielfach  von  Anfang  an  ihre  Entwicklung  in  diesen 
durchmachen. 

In  meinem  früheren  Reisebericht,  Stettiner  E.  Z.  1900 
p.  215,  habe  ich  die  Vermutung  ausgesprochen,  daß  bei 
Philcnnts  Brutpflege  stattfindet  bis  zur  ersten  Häutung, 
während  nach  dieser  die  Larve  sich  selbständig  ihre  Gänge 
im  Holz  anlegt,  wie  etwa  eine  Rutelidenlarve.  Für  diese 
Vermutung  habe  ich  von  den  vier  Arten,  die  ich  hier  an- 
traf, bei  zweien  die  Bestätigung  gefunden.  Besonders  in- 
struktiv war  eine  Beobachtung,  die  ich  am  9.  I.  machte. 
Auf  dem  Wege  nach  dem  Quartel  stieß  ich  auf  einen  etwa 
2  Meter  hohen,  schenkeldicken,  stark  vermulmten  Stamm, 
den  ich  durch  einen  kräftigen  Schlag  mit  dem  Stahlspaten 
bis  herunter  in  zwei  Hälften  spaltete.  Unten,  da  wo  die 
Wurzeln  abgingen,  war  eine  etwa  faustgroße  Höhle,  fast 
ganz  mit  quatschnassem,  zerschrotetem  Holz  und  Mulm 
angefüllt,  in  dem  das  $  eines  großen  Phileurus  mit  10  jungen 
Larven  saß.  \'on  dieser  Höhle  ging  ein  kurzer  Fraßgang 
nach  oben  ab,  den  ich  beim  Spalten  des  Stammes  bloß- 
gelegt hatte,  und  darin  saß  eine  Larve  derselben  Art,  die 
nach  der  Größe  des  Kopfes  die  erste  Häutung  hinter  sich 
hatte.  Auffähig  ist  mir,  daß  hier  alle  Phileurus-Käier, 
die  ich  mit  jungen  Larven  zusammen  fand,  einzelne  $ 
waren;  (^  konnte  ich  bei  ihnen  trotz  eifrigen  Suchens  nicht 
finden. 

Der  Köder,  den  ich  zum  Fang  von  Mistkäfern  aus- 
gelegt, wurde  mir  zuerst  immer  von  Ameisen,  Bienen  und 
Fhegen  aufgefressen ;  erst  nachdem  ich  ihn  mit  einer  Schicht 
Blätter  überdeckt,  machte  ich  daran  gute  Ausbeute  an 
Phanaeus-,  Canthon-,  Pinotus-  und  Co/)m-Arten.  Ich  fand 
jedoch  immer  nur  vereinzelte  Stücke,  nie  solche  Mengen  wie 
bei  Sabanilla  und  Canelos,  wahrscheinlich,  weil  hier  keine 
Rinder  gehalten  werden   (wegen  der  blutsaugenden  Fleder- 

St<?tt.  entomol.   Zeit.   190!».  9 


130 

mause)  und  die  Käfer  daher  ganz  auf  ihre  ursprüngHche 
Nahrung,  die  Exkremente  von  Tapir  und  Wasserschwein, 
angewiesen  sind. 

In  den  Mandiokapflanzungen  war  die  Raupe  von 
Düophonota  Ello  L.  recht  schädHch;  auf  einem  kleinen 
Stück  fanden  die  Indianerinnen  beim  Ausgraben  der  Wurzel- 
knollen am  i6.  I.  über  loo  Puppen. 

Am  17.  I.  kam  Herr  A.  Garces  von  der  Reise  zurück 
und  teilte  mir  mit,  daß  er  mir  kein  Boot  für  die  Reise  nach 
Iquitos  geben  könne,  doch  finde  sich  vielleicht  Gelegenheit 
zur  Weiterreise  bei  einem  der  weiter  flußabwärts  wohnenden 
Caucheros.  Er  gab  mir  Empfehlungsbriefe  mit  an  den 
4  Tagereisen  weiter  flußab  wohnenden  Sr.  Abel  Vaca  und 
an  den  noch  weiter  unten  wohnenden  Sr.  Samuel  Roggeroni. 
Am  21.  I.  verließ  ich  San  Antonio  in  einer  Canoa  des  Sr. 
Vaca;  die  zwei  Ruderer  vorn  waren  Saparo-Indianer,  der 
eine  davon  ein  vorzüglicher  Jäger,  der  Steuermann  hinten 
ein  Mischling,  der  auch  etwas  spanisch  sprach;  die  Canoa 
war  geräumig  und  leicht,  in  der  Mitte  mit  einer  Tolda 
(Palmdach).  Die  Fahrt  war  außerordentlich  angenehm, 
der  Fluß  ohne  Stromschnellen  und  Pallisaden,  das  Ufer 
mit  der  üppigsten  Vegetation  und  reichem  Tierleben, 
besonders  vielen  Affen,  von  denen  mehrere  erlegt  wurden; 
unterwegs  konnten  wir  uns  mit  frischen  Bananen  und  Yucca 
versehen,  Fische  und  Schildkröteneier  waren  reichlich  — 
kurz,  wir  führten  ein  recht  behagliches  Leben;  die  Nächte 
schliefen  wir  auf  Sandbänken.  Dabei  beobachtete  ich  am 
22.  I.  zum  ersten  Mal  Megacephala  Klugi.  Der  Käfer  ist 
ein  Nachttier,  das  den  Tag  über  in  Gängen  auf  den  Sand- 
bänken versteckt  sitzt,  um  erst  nach  Sonnenuntergang 
herauszukommen  und  seine  Beute,  hier  hauptsächlich  eine 
Maulwurfsgrille,  zu  jagen.  Im  Gegensatz  zu  ihm  fand  ich 
Tetracha  julgida   immer  nur   auf  den   Schlammbänken   am 

Stett.  cntomol.  Zeit.   1009. 


131 

Steilufer  in  den  Rissen,  die  durch  das  Austrocknen  des 
Schlammes  entstehen. 

Unterwegs  trafen  wir  mehrfach  Boote,  darunter  eines 
mit  Indianern,  die  uns  erzählten,  daß  ihr  Patron,  Sr.  Rivade- 
neira,  im  Begriff  sei,  nach  Iquitos  zu  fahren.  Am  24.  I. 
Abends  kam  ich  zu  Sr.  Vaca,  der  mir  sofort  erklärte,  daß 
er  vor  Mai  nicht  nach  Iquitos  fahre  und  mir  auch  kein  Boot 
mit  Leuten  abgeben  könne;  doch  sei  es  wohl  möglich,  daß 
ich  mit  Rivadeneira  fahren  könne,  der  am  Vormittag  auf 
der  Fahrt  nach  Iquitos  bei  ihm  vorgesprochen  habe  und 
die  Nacht  bei  Sr.  Roggeroni,  eine  halbe  Tagereise  flußab, 
verbringen  wollte.  Auf  meine  Bitte  um  ein  Boot  zur  Weiter- 
fahrt bemannte  er  eine  leichte  Canoa  mit  3  Ruderern  und 
zwei  Steuerleuten  und  begleitete  mich  selber  zu  Roggeroni. 
Nach  einer  flotten  Fahrt  erreichten  wir  die  Ansiedlung 
von  R.  um  11  Uhr  und  trafen  glücklicherweise  auch  Sr. 
Rivadeneira  noch  an,  der  mir  bereitwillig  einen  Platz  in 
seiner  Canoa  bis  Iquitos  anbot. 

Sr.  Juan  Rivadeneira  aus  Quito  war  früher  am  Rio 
Napo  nahe  dem  Aguarico  ansässig;  nachdem  er  den  oberen 
Napo  mit  seinen  nördlichen  Nebenflüssen  und  einen  Teil 
des  Putumayo  auf  Kautschuck  exploriert,  war  er  vor  Jahres- 
frist mit  20  Indianern  über  Land  nach  dem  Curaray  ge- 
kommen und  jetzt  im  Begriff,  seine  Ausbeute  an  Kaut- 
schuck in  zwei  großen  schwer  beladenen  Canoas  nach 
Iquitos  zu  bringen,  um  mit  Tauschwaren  nach  dem  Rio 
Napo  zurückzufahren.  Da  weder  er  noch  einer  seiner  Leute 
den  Rio  Curaray  früher  befahren  und  sie  alle  Sehnsucht 
hatten,  zu  ihren  Familien  zurückzukehren,  so  wurde  die 
Reise  möglichst  beschleunigt.  Wir  standen  des  Morgens 
um  5  Uhr  auf,  die  Indianer  gewöhnlich  etwas  früher,  aßen 
eine  tüchtige  Portion  Reis  mit  Sardinen,  tranken  eine  Tasse 
Kaffee  und  dann  fuhren  wir,  abgesehen  von  einem  kurzen 
Aufenthalt  um  Mittag  zum  Wechseln  der  Plätze,  bis  6  Uhr 

Stctt.  eiitomol.   Zeit.   1909.  ü* 


132 

am  Abend.  Dann  gab  es  wieder  Reis  mit  Sardinen  und 
Kaffee,  worauf  wir  unter  einem  Rancho,  den  die  Indianer 
inzwischen  aufgeschlagen,  uns  schlafen  legten.  Die  Reise 
verlief  infolgedessen  recht  einförmig,  um  so  mehr,  als  auch 
das  Tierleben  auf  und  an  dem  Fluß  arm  und  die  Vegetation 
am  Flußufer  wenig  reizvoll  war.  Vom  Rio  Cononacu  ab, 
gleich  unterhalb  des  Wohnsitzes  von  Roggeroni,  beginnt 
das  Überschwemmungsgebiet  und  die  Pflanzenweit  bekam 
damit  etwas  Ödes;  wie  eine  gleichmäßig  hohe  Mauer  be- 
grenzt sie  den  Fluß,  nur  hin  und  wieder  sieht  man  eine 
Somona,  die  alle  anderen  Bäume  mit  ihrer  gewaltigen 
Krone  überragt;  auf  dem  niedergebrochenen  Ufer  standen 
oft  dichte  Bestände  ausschließlich  von  Cecropien.  Auf 
der  ganzen  Fahrt  bis  zum  Rio  Napo  trafen  wir  keine  einzige 
Ansiedlung;  erst  kurz  vor  dem  Napo  begegneten  wir  zum 
ersten  Mal  Menschen,  Fischern,  die  in  den  Lagunen  an  den 
Seiten  des  Flusses  gefischt  hatten  und  von  denen  wir  einige 
Stücke  Fische  kaufen  konnten.  Diese  Lagunen,  Cochas 
genannt,  sind  Mulden  in  dem  flachen  Überschwemmungs- 
gebiet, die  in  der  Regenzeit  mit  dem  Fluß  in  Verbindung 
stehen  und  in  der  Trockenzeit  isoliert  sind;  sie  wimmeln 
gewöhnlich  von  Fischen  aller  Art,  dem  Peixe  boi  (Arapaima 
gigas),  dessen  Fleisch  ganz  vorzüglich  schmeckt,  Schild- 
kröten, Krokodilen  und  Zitteralen;  auch  die  Seekuh, 
Manati,  Manatus  americanus,  wird  hier  gefangen.  Am 
2.  Februar  Nachmittags  kamen  wir  in  den  Rio  Napo;  sofort 
bei  der  Einfahrt  überfielen  uns  Schwärme  von  Zancudos, 
Culiciden,  die  auf  dem  Curaray  fehlen.  Der  Napo  ist  hier 
etwa  so  breit  wie  die  Elbe  bei  Blankenese,  aber  zur  Zeit 
war  der  Wasserstand  sehr  niedrig.  Ansiedlungen  sind  hier 
häufig.  Leider  war  es  mit  der  ruhigen  Bootfahrt  nun  alle; 
es  herrschte  hier  ein  starker  Gegenwind  und  Wellenschlag, 
so  daß  wir  angestrengt  mit  Tellern  und  Kaffeebechern 
das   eindringende   Wasser   ausschöpfen   mußten,   um   die   in 

Stctt.   eiiloiiKil.   Zeit.    100'.). 


133 

der  Mitte  nur  3  Finger  breit  ans  dem  Wasser  ragende  Canoa 
vor  dem  Versinken  zu  bewahren.  Als  wir  daher  am  nächsten 
Tag  an  die  Ansiedkmg  Copalurcu  kamen,  sagte  ich  Sr. 
Rivadeneira  Lebewohl,  der  froh  war,  seine  Canoas  etwas 
leichtern  zu  können;  Sr.  Llori  in  Copalurcu  lieh  mir  eine 
kleine  Canoa  und  ich  engagierte  zwei  Leute,  mit  denen 
ich  am  5.  IL  nach  Mazan,  nahe  der  Mündung  des  Rio  Napo, 
weiterfahren  konnte.  Den  4.  IL  benutzte  ich  zu  einer 
Exkursion;  die  Ansiedlung  Copalurcu  (  =  Hügel,  auf  dem 
Copal  gefunden  wird)  liegt  auf  einem  isolierten  Hügel, 
der  über  das  flache,  angeschwemmte  Land  weithin  sichtbar 
ist;  die  ursprüngliche  Vegetation  hat  Häusern  und  Pflan- 
zungen von  Yucca,  Bananen  und  Zuckerrohr  Platz  ge- 
macht, das  flache  Land  an  seinem  Fuße  war  dagegen  mit 
dichtem  Wald  bedeckt,  in  den  ich  kaum  eindringen  konnte. 
Die  Stämme  und  Stubben,  die  ich  hier  fand,  hatten  alle 
rotes,  hartes  Holz,  das  wohl  Ameisen,  Termiten  und  einige 
Tenebrioniden,  aber  außer  einigen  wenigen  Passaliden 
keine  Lamellicornier  barg.  Die  Insektenwelt  war  arm  an 
Arten  und  Individuen;  nur  wenig  Schmetterlinge  und 
Hymenopteren,  einige  Käfer,  die  beim  Klopfen  in  den 
Schirm  fielen,  darunter  einige  Cncmida  rctusa,  dagegen 
Stechmücken  und  Bremsen  in  großer  Menge.  Am  7.  II. 
gegen  Abend  kamen  wir  nach  Mazan.  Die  Fahrt  den  Napo 
herunter  bot  für  den  Naturfreund  viel  des  Interessanten. 
Wegen  des  Windes  und  Wellenschlages  hielten  wir  uns 
mit  unserer  kleinen  Canoa  nahe  bei  dem  Ufer,  passierten 
viele  Ansiedlungen  und  besuchten  auch  mehrere,  um  frische 
Lebensmittel  und  Früchte  einzukaufen.  Einmal  trafen 
wir  auf  einer  Sandbank  einen  Fischer,  der  auf  einem  langen 
Bambusgestell  seine  Fische  briet,  eine  wahre  Muster- 
sammlung der  hier  vorkommenden  Arten.  In  Mazan  blieb 
ich  über  Nacht  und  ging  am  nächsten  Morgen  mit  zwei 
Indianern,  die  mein   Gepäck  trugen,  über  Land  nach  dem 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


134 

Solimoes;  der  Weg  dauert  nur  ^/4  Stunden  und  führt  auf 
einem  sehr  bequemen  Pfad  durch  einen  hochstämmigen 
Urwald  von  großartiger  Üppigkeit;  hätte  ich  in  Mazan 
etwas  über  die  Fahrgelegenheiten  von  Iquitos  flußab  nach 
Manaos  erfahren  können,  ich  wäre  hier  sicher  einige  Tage 
zum  Sammeln  geblieben.  Am  Solimoes  resp,  an  einem 
Seitenkanal  liegt  die  Ansiedlung  des  Sr.  Juan  Hernandez, 
wo  man  jederzeit  Boote  nach  Iquitos  bekommen  kann. 
Ich  fuhr  mit  einem  Indianer  und  seiner  Frau  um  9 14  Uhr 
vom  Baradero,  so  heißt  die  Ansiedlung,  weg  und  war  gegen 
7  Uhr  in  Iquitos;  unterwegs  hielten  wir  wegen  eines  heftigen 
Gewitters  etwa  eine   Stunde  bei  einer  Ansiedlung. 

In  Iquitos  wandte  ich  mich  zuerst  nach  dem  deutschen 
Konsulat,  wo  ich  von  Herrn  Herrmann  Nicolai  und  seiner 
liebenswürdigen  Frau  Gemahlin  aufs  Freundlichste  auf- 
genommen wurde;  als  am  nächsten  Tage  trotz  allen  Suchens 
kein  Logis  zu  finden  war  —  Iquitos  besitzt  zwar  ein 
Restaurant,  aber  kein  Hotel,  und  Besucher  sind  auf  die 
Gastfreundschaft  von  Bekannten  angewiesen  —  wurde 
mir  bereitwilligst  angeboten,  auch  weiterhin  bis  zum  Ab- 
gang des  Dampfers  im  Hause  zu  wohnen.  Es  waren  an- 
genehme Tage,  die  ich  hier  verbrachte;  den  Vormittag 
über  sammelte  ich  im  Wald,  der  nicht  weit  von  der  Stadt 
entfernt  und  bequem  zu  erreichen  war,  den  Abend  verlebte 
ich  meist  im  Hause,  wo  alle  die  jungen  Leute  vom  Ge- 
schäft wohnten  und  fleißig  musiziert  wurde.  Einige  Ex- 
kursionen machte  ich  in  das  Terrain  hinter  der  Ziegelei; 
der  Boden  ist  hier  sandig,  Alluvium  neuester  Bildung, 
wohl  der  Grund  eines  Seitenarmes  oder  einer  Cocha;  hinter 
dem  Haus  Viehweide  mit  vereinzelten  Baumgruppen  und 
Büschen,  weiterhin  6 — 10  Meter  hoher  Buschwald.  Der 
Platz  ist  ein  wahres  Eldorado  für  Schmetterlinge,  Fliegen, 
Hymenopteren,  Wanzen  und  vor  allem  Heuschrecken. 
Die  Bäume  hier  hatten  meist  rotes,  hartes  Holz,  das  fast 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


135 

immer  v^on  Termiten  angegangen  war;  dabei  saßen  gew()hn- 
lieh  einige  kleine  und  mittelgroße  Passaliden,  aber  ohne 
die  gewohnten  Tischgenossen;  nur  ein  einzelnes  Stück 
eines  kupfrigen  CloeoUis  mit  erhabenen  Rippen  fand  ich 
in  einem  solchen  Stamm.  In  einem  Stubben  mit  gelb- 
lichem Holz  fand  ich  Macnispis  pciiitochloris-Fuppen  und 
ziemlich  erwachsene  Larven  von  Philatnis;  in  anderen 
Stubben  von  auffallend  hellem  und  hartem  Holz,  auf  dem 
offenen  Kamp  von  der  Sonne  prall  beschienen,  Larven 
in  allen  Stadien,  Puppen  und  frische  Käfer  v(3n  Macraspis 
chrysis.  Unter  Rindermist  auf  der  Weide  war  Gromphas 
acniginosa  recht  häufig.  Der  Käfer  lebt  wie  Gcotrupcs, 
gräbt  Stollen  unter  den  JM isthau fen,  in  die  er  sich  mit  seiner 
Tagesration  zurückzieht  und  füllt  wohl  auch  für  seine 
Larven  solche  Stollen  mit  Mist  auf,  denn  ich  fand  deren 
mehrere,  aber  ohne  Eier  resp.  Larven.  Eine  Exkursion 
nach  dem  Wald  hinter  der  Eisfabrik  brachte  dieselben 
Arten;  das  Sammeln  ist  trotz  der  starken  Hitze  nicht  be- 
schwerlich, weil  es  hier  im  Wald  keine  Zancudos  gibt.  Nur 
direkt  am  Flußufer  werden  sie  lästig  und  kommen  auch 
nur  des  Abends  hier  in  die  Zimmer,  w^enn  diese  hell  er- 
leuchtet und  die  Fenster  offen  sind;  weiterhin  in  der  Stadt 
fehlen  sie. 

'  Am  i8.  IL  verließ  ich  Iquitos  mit  dem  Dampfer  Bolivar 
der  engl.  Booth-Linie,  die  jeden  Monat  einen  Dampfer  von 
Liverpool  über  Hamburg,  Havre,  Madeira  nach  dem 
Amazonas  schickt;  der  hübsch  ausgestattete  Dampfer  hatte 
neben  sich  einen  großen  Leichter,  dessen  mit  einem  Sonnen- 
segel überspanntes  Deck  als  Speisesaal  und  Schlafraum 
diente.  Der  Dampfer  läuft  hier  mit  der  starken  Strömung 
nach  Angabe  des  Kapitäns  14  Meilen;  der  Fluß  ist  fast 
nie  in  seiner  ganzen  Breite  zu  sehen,  da  er  immerzu  durch 
Inseln  geteilt  ist.  Der  Wald  bildet  am  Ufer  eine  gleich- 
mäßig hohe  dichte  Mauer,  aus  der  nur  ganz  selten  einzelne 

Stett.  eutomol.  Zeit.   1909. 


136 

Riesenbäume,  Somonas,  hervorragen.  Am  nächsten  Tage 
um  Mittag  passierten  wir  Letitia,  die  peruanische  Grenz- 
station, bald  darauf  Tabatinga,  die  brasihanische  Grenzfeste. 
Beides  sind  kümmerhche  kleine  Ansiedlungen,  bestehend  aus 
einem  langgestreckten  Lehmhaus,  das  Quartel  für  die  Sol- 
daten und  Wohnräume  für  die  Offiziere  enthaltend,  dahinter 
eine  Anzahl  Hütten.  Am  21.  II.  Morgens  9  Uhr  passierten 
wir  die  Mündung  des  Rio  Jurua  mit  der  östlich  davon 
liegenden  hübschen  Ansiedlung  Acä;  das  Ufer  ist  hier 
streckenweise  höher,  rote  Lehmwände,  auf  denen  sich  sofort 
eine  andere  Vegetation,  höherer  und  üppigerer  Wald,  aus-' 
breitet.  22.  IL  Nachmittags  4Y2  Uhr  fuhren  wir  an  der 
Mündung  des  Rio  Purus  vorbei,  eines  mächtigen  Stromes 
mit  dunklem  Wasser. 

23.  IL  Um  5  Uhr  früh  kamen  wir  vor  Manaos  an, 
mußten  aber  mit  der  Abfertigung  warten,  bis  der  große 
Dampfer  La  Plata  der  H.-A.-L.,  der  von  Europa  über 
Para  kommend  zugleich  mit  uns  in  den  Hafen  einlief, 
von  der  Sanitäts-  und  Zollvisite  freigegeben  war.  Der  Fluß 
macht  seinem  Namen  alle  Ehre,  das  Wasser  ist  auffallend 
dunkel,  aber  klar;  es  war  zur  Zeit  etwa  höchster  Wasser- 
stand hier  (am  Napo  tiefster),  das  Wasser  hatte  aber  wenig 
Lauf,  die  Schiffe  lagen  nach  dem  Wind,  wie  auf  einem 
Binnensee.  Ich  verließ  hier  den  Bolivar  und  nahm  Passage 
für  Hamburg  auf  der  La  Plata;  bis  zur  Abfahrt  des  Dampfers 
wohnte  ich  im  Hotel  Cassina  und  benutzte  meine  Muße 
zu  Exkursionen.  Es  existierte  hier  ein  naturhistorisches 
Museum,  verbunden  mit  zoologischem  Garten,  in  dem  ich 
recht  angenehme  Stunden  verbrachte.  In  liebenswürdigster 
Weise  überließ  mir  Direktor  Dr.  Bach  die  mich  interessieren- 
den Lamellicornier  von  einer  Expedition  nach  dem  oberen 
Rio  Branco;  mit  einem  Angestellten  des  Museums,  Herrn 
Schmidt,  machte  ich  lange  Exkursionen  in  den  Wald  hinter 
dem    Museum   und   in    dem    offenen    Buschland   nahe    dem 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


137 

Igarape.  Hier  waren  besonders  Mistkäfer  häufig.  Mit 
vielem  Vergnügen  beobachtete  ich  Cantlioji  lituratus  Germ., 
der  an  Maultier-  und  Rinderdünger  seine  kaum  erbsen- 
großen Kügelchen  formte  und  sie  dann  in  fieberhafter 
Eile,  sich  oft  überschlagend,  nach  einem  benachbarten 
Versteck  rollte.  Unter  Mulamist  war  häufig  Ataenius 
hispidus  und  am  ausgelegten  Köder  fingen  wir  Phanaeiis 
lancifer. 

In  den  Blüten  von  Datura  arborea  traf  ich  einige  Stücke 
einer  hübschen  großen  Dicvania,  von  denen  ich  leider  nur 
eines  erwischte,  während  die  anderen  durch  ein  Loch  in 
der  Blüte  davonflogen.  Als  ich  den  Käfer  in  der  Hand 
hatt§,  zirpte  er  so  laut  und  vernehmlich,  wie  eine  Macraspis. 
Der  Schrillapparat  befindet  sich  an  Oberschenkel  und 
Hüftplatte.  An  dem  ersteren  ist  die  Dorsalseite  mit  langen 
feinen  Leistchen  dicht  besetzt,  an  der  letzteren  die  Hinter- 
kante scharf  randig  und  nach  imten  umgebogen. 

Nur  einmal  fand  ich  einen  Stamm  mit  weißem  Holz 
und  darin  einige  ganz  junge  Rutelidenlarven ;  die  meisten 
Stämme  hatten  rotes,  hartes  Holz,  das  von  Termiten  besetzt 
war.  Auf  den  offenen  Plätzen  flogen  in  Anzahl  Cicindcla 
argentata  und  mono,  in  einem  Holzschwamm  beobachtete 
ich  einen  Anthribiden  mit  Larven  und  Puppen.  Im  all- 
gemeinen war  die  Insektenfauna,  abgesehen  von  Libellen, 
recht  arm;  auch  Herr  Schmidt,  der  schon  längere  Zeit 
hier  sammelte,  bestätigte  mir  dies  und  erzählte,  wie  reich 
dagegen  der  obere  Rio  Negro  und  Rio  Branco  in  seinem 
Quellgebiet  sei.  Am  elektrischen  Licht  fing  ich  mehrfach 
die  große  Cyclocephala  castanea  und  Dyscinetus  alliaceus, 
auch  einige  Sphingiden.  Meine  Abende  verbrachte  ich 
gewöhnhch  im  Hause  des  deutschen  Photographen,  Herrn 
Hübner  aus  Dresden,  der  Jahre  lang  den  oberen  Orinoko 
und  oberen  Amazonas  bereist  und  viel  Interessantes  über 
Land  und  Leute  zu  erzählen  wußte. 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


138 

Am  3.  TIT.  früh  9  Ulir  verließ  die  T.a  Plata  Manaos; 
nm  10  Uhr  Hefen  wir  in  den  Amazonas  ein,  dessen  lehm- 
gelbes, trübes  Wasser  sich  von  dem  klaren,  dunklen  des 
Rio  Negro  scharf  abhob.  Am  nächsten  Morgen  passierten 
wir  um  8  Uhr  Obydos,  das  auf  einem  niedrigen  Hügel  hübsch 
gelegen  ist,  um  10  Uhr  die  Mündung  des  Tapajoz  mit  dem 
Städtchen  Santarem;  vor  der  ]\Iündimg  flußaufwärts  liegt 
eine  langgestreckte  Lagune,  vom  Flußufer  durch  offenen 
Ivamp  mit  Viehherden  getrennt;  auch  weiterhin  sieht  man 
mehrfach  solche  offene  Llanos.  Auf  dem  linken  (nördhchen) 
Ufer  beobachteten  wir  den  ganzen  Tag  über  vereinzelte 
bald  höhere,  bald  niedrigere  Hügel,  die  alle  trapezförmig 
abgeflacht  sind ;  sie  stimmen  in  ihrem  geologischen  Bau 
und  in  ihrer  Tier-  und  Pflanzenwelt  mit  dem  Gebirge  von 
Guayana  überein.  5.  III.  Heute  fuhren  wir  vielfach  durch 
enge  Kanäle,  wo  wir  dem  Ufer  zuweilen  recht  nahe  kamen; 
überall  sahen  wir  am  Ufer  Ansiedhmgen,  bald  einfache 
Randlos,  bald  größere  Häuser  auf  Pfählen;  das  Land  ist 
hier  überall  Überschwemmungsgebiet,  die  Vegetation  un- 
gemein dicht.  Am  Nachmittag  kamen  wir  wieder  in  den 
freien,  weiten  Fluß  und  gingen  des  Abends  vor  einer  Leucht- 
feuerstation vor  Anker.  6.  TIT.  Um  5  Uhr  nahmen  wir 
Anker  auf  und  lagen  um  7  Uhr  vor  Para.  Mein  erster  Besuch 
galt  dem  naturhistorischen  Museum,  mit  dessen  Direktor 
Prof.  Dr.  E.  Göldi,  ich  schon  seit  Jahren  korrespondierte. 
Das  Museum  ist  ein  kleines  Landhaus  mit  wenigen  Räumen, 
in  denen  nur  ein  Teil  der  Sammlungen  aufgestellt  war; 
ein  Teil,  darunter  auch  die  Tväfer,  waren  nach  Bern  ge- 
schickt worden.  Recht  hübsch  ist  der  Garten  ums  Haus 
herum  und  der  daran  anschließende  zoologische  Garten; 
auch  Aquarien  sind  hier  aufgestellt,  in  denen  mich  besonders 
die  Lepidosiren  interessierten.  Auch  den  nächsten  Vor- 
mittag verbrachte  ich  im  Museum,  wo  mir  Herr  Ducke, 
der  Entomologe  des  Museums,  seine  reichhaltige  und  schön 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


139 

geordnete  Sammlung  der  iMasilianischon  Hymenopteren 
zeigte  nnd  mich  im  zoologischen  Garten  hernmführte. 
Um  5  Uhr  Nachmittags  verließ  der  Dampfer  Para  und  gegen 
^litternacht  kam  die  Ki_iste  von  Südamerika  außer  Sicht. 
Während  der  ganzen  Reise  war  ich  gesund  geblieben; 
mein  altes  Leiden,  die  Dysenterie,  hatte  mich  diesmal  voll- 
ständig verschont  und  ebenso  war  mir  Malaria  fremd  ge- 
blieben, trotzdem  ich  selbst  an  schlimmen  Fieberplätzen, 
wie  Pucay  und  San  Antonio  de  Curaray,  nie  prophylaktisch 
Chinin  nahm.  Ganz  ungeschoren  sollte  ich  aber  doch  nicht 
durchkommen;  in  Manaos  erkrankte  ich  nach  dem  Genuß 
von  Fischen  an  einer  Art  Fischvergiftung,  die  sich  durch  das 
Auftreten  schmerzhafter  Furunkel  und  großer  schlaffer, 
mit  Eiter  gefüllter  Blasen  über  den  ganzen  Körper  äußerte. 
Bis  April  1907  dauerte  diese  Krankheit,  die  mich  ungemein 
schwächte  und  auch  die  Ursache  an  der  Verzögerung  der 
Veröffentlichung  dieses  Reiseberichtes  ist.  Außerdem 
hatte  ich  den  Verlust  aller  meiner  lebenden  Käferlarven 
auf  der  Heimreise  zu  beklagen.  Kurz  vor  Madeira  überfiel 
uns  in  der  Nacht  ein  eisiger  Nordsturm,  und  ehe  noch  die 
Dampfheizung  angesetzt  werden  konnte,  waren  alle  die 
Käferlarven  und  Puppen,  die  ich  zum  Teil  selber  über  die 
Cordillere  getragen,  die  ich  auf  der  Bootfahrt  und  in  San 
Antonio  de  Curaray  mit  unendlicher  Mühe  vor  den  Ameisen 
bewahrt,  in  ihren  Zuchtkästen  erfroren.  Nach  kurzem 
Aufenthalt  in  Madeira,  Lissabon  und  Havre  kam  der 
Dampfer  am  29.  IIL  nach  Hamburg,  wo  meine  Reise  ihr 
Ende  erreichte. 


Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


140 


Beitrag  zur  Kenntnis  der  Orthopteren= 
Fauna  Bessarabiens. 

^'lUl   .1.  M,  SicIiiBSiii'Ov«  .   Kniikasus,  Kiitais. 


Im  Jahre  1904 — 1905  unternahm  ich  mit  Mittehi  der 
Neurussischen-Naturhistorischen  Gesellschaft  kleine  zoolo- 
gische Exkursionen  nach  Bessarabien  (Süd-Rußland)  und 
bedeutende  Sammlungen  {Auiphihia,  Reptilia'^),  Mammalicv'), 
Odonata,  Lepidoptera^),  Fovmicodea*),  Apterygogenea^)  usw.) 
zusammen    brachte,    darunter    auch   Orthoptera. 

Da  ich  aber  fortwährend  hoffte,  Bessarabien  nochmals 
zu  besuchen  und  dabei  meine  orthopterologische  Unter- 
suchungen zu  vervollständigen,  so  verschob  ich  daher  den 
Druck  dieser  Arbeit;  jetzt  entschließe  ich  mich  dennoch 
dazu,  weil  ich  einerseits  keine  Aussicht  habe,  in  absehbarer 
Zeit  Bessarabien  zu  besuchen,  andererseits  die  Bearbeitung 
des  zu  meiner  Verfügung  stehenden  Materials  soviele  für 
diesen  Landstrich  neue  Resultate  ergab,  daß  ein  weiteres 
Zurückhalten  der  Publikation  über  diese  meine  Unter- 
suchungen keinen  Sinn  mehr  hätte. 

Ich  erlaube  mir  an  dieser  Stelle  Herrn  A.  A.  Branner 
in  Odessa  und  Herrn  A.  W.  Jatzentkowskij  in  Nowaja- 
Alexandrija  meinen  innigsten  Dank  zu  bringen  für  Über- 
lassung der  von  Ihnen  in  Bessarabien  gesammelten  Orthop- 
teren. 

Schließlich  erlaube  ich  mir  Herrn  Dr.  N.  v.  Adelung 
in     St. -Petersburg    meinen     verbindlichsten     Dank     auszu- 


1)  Vergl.  Brauner,  Schrift,  d.  Neuruss.  Naturhist,  Ges.  XXIX,  IDOü^ 

2)  Brauner,  ibid.  1907  vol.  XXX. 

3)  Krulikowskij.  Rev.  Russe  d'Entomol.  VI,  1906,  p.   186—188. 
*)  Ruzskij,  Schrift,  d.  Kasanisch.  Naturhist.  Ges.   1905. 

5)  Schugurow,  Rev.  Russe  d'Entomol.  VI,  1906,  p.  29—31. 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


141 

sprechen  für  die  liebenswürdige  Weise,  in  der  er  micli  bei 
dieser  Arbeit  unterstützt  hat. 

Forficulodea. 

1.  Labidura  riparia  PalL 

Ufer  des  Schabolat-Sees,  Kreis  Akkerman,  24.  XU.  1904, 
Ssacharna,  im  Orgeew'schen  Kreise,  unter  Steinen,  VII.  1905. 

2.  Labia  minor  Linn. 

Bei    Gontscheschty,    Kreis    Kischinew,    4.    \'II.    1903, 
und  bei    Schaba,    Kreis   Akkerman,   VII.    1904,   gesammelt. 

3.  Forficula  auricularia  Linn. 

Fundort:     Zagornja,    Kreis    Ssoroki,    17.    Y.    1907,    und 
Rezina,  Kreis  Orgeew,  VII.   1905. 

4.  Forficula  tomis  Kol. 

Fundort:    Zagornja,    Kreis   Ssoroki,    17.   V.    1907. 

Blattodea. 

5.  Ectobia  lapponica  Linn. 

Fundort:     Posten   Tschetschulskij,    Kreis   Beiltz}-, 
VI.  1903,  und  Ssacharna  im  Walde,  Kreis  Orgeew,  29.  VI.  1905. 

6.  Blatta  transfuga  Brunn  und 

7.  Stylopyga  orientalis  Linn 
überall  liäufig. 

Mantodea. 

8.  Mantis  religiosa  Lnm. 

Fundort :     An    der    Dniester-Mündung,    in    der    Nähe 
des  Leuchtturmes  Bugaz,  Kreis  Akkerman,  10.  \'III.  1905; 

^,  ?. 

Phasgonurodea. 

9.  Ephippigerida  ephippiger  Fieb. 

Fundort:     Korneschty,    Kreis    Bieltzy,    22.    \l.    1907, 
Larve,  und  Rezina.   Kreis  Orgeew,  VI.   1905. 

Stott.   entomol.   Zeit.   1909. 


142 

10.  Callimenus  montandoni  Burr. 

Fundort:      Purkary,     Kreis    Akkerman,    VII.     1905.  *) 

11.  Pholidoptera  frivaldskii  Herrn. 

Fundort:  Korneschty,  Kreis  Bieltzy,  22.  VI.  1907, 
(^,  und  Zagarnja,   Kreis  Ssoroki,   17.  V.   1907,  $. 

12.  Pholidoptera  sp.     (Larve:  (^). 

Fundort:  Umgebung  von  Zagarnja,  Kreis  Ssoroki, 
17.  V.  1907. 

Dieses  Exempkir  ist  allem  Anscheine  nach  die  Larve 
des  (^  Pholidoptera  pustulipes  Fisch,  v.  Waldh.  (  =  pontica, 
Ret.). 

13.  Pholidoptera  griseoaptera  Deg. 

Fundort:     Korzhewo,    Kreis    Bendery,    22.    VI.    1904. 

14.  Chelidoptera  intermedia  Serv. 

Fundort:     Korneschty,    Kreis    Bieltzy,    22.    VI.    1907. 

15.  Tettigonia  verrucivora  Linn. 

Fundort:  Nowyja-Limbeny,  Kreis  Bieltzy,  13.  VI.  1903; 
Korneschty,  auch  da,  22.  VI.  1907,  Larve;  Zagornja,  Kreis 
Ssoroki,  17.  V.  1907,  Larve;  Rezina,  Kreis  Orgeew,  VII.  1905, 
und  Schaba,   Kreis  Akkerman,  VII.   1904. 

16.  Phasgonura  viridissima  Linn. 

Fundort:  Nowyja-Limbeny,  Kreis  Bieltzy,  13.  VI.  1903, 
und  Zagornja,    Kreis    Ssoroki,    17.   V.    1907,   Larve. 

17.  Phasgonura  caudata  Chrp. 

Fundort:   Nowyja-Limbeny,  Kreis  Bieltzy,  13.  VI.  1903. 

18.  Onconotus  servillei  Fisch. -Waldh. 

Fundort:     Korzhewo,    Kreis    Berdery,    22.    VI.    1904. 

19.  Anisoptera  fusca  Fabr. 

Fundort;  Korneschty,  Kreis  Bieltzy,  22.  VI.  1907, 
und  Rezina,  Kreis  Orgeew,  VII.  1905. 

20.  Poecilemon  elegans  Herrn. 

Fundort:     Korzhewo,    Kreis    Berdery,    22.    VI.    1904. 


')  A.  M.   Shugurow,  The  Entomologist,  1907.  p.  273. 
Stett.  cntomol.  Zeit.   1901). 


143 

Nomen  Poccilemon  elegans,  Br.-Watt.  1878.  (Mono- 
graphie der  Phaneropteridcn,  Wien,  p.  45),  praeoccupatum 
in  eodem  genere  a  Herman.  Poccilemon  elegans,  Herrn.  1871. 
(Verh.  des  Siebenburg.  Vereins  f.  Natiirw.,  XXI.  1871,  p.  38) 
=  P.  f'ussi,  Br.-Watt.  (op.  j.  cit.,  p.  47),  anno  1906,  nominan- 
dum  proposui  (Hör.  Soc.  Entom.  Ross.  XXXVHI,  p.  120, 
nota),  P.  halcanicus,   Schug. 

21.  Isophia  modestior  Brunn.-Watt. 

Fundort:    Zagornja,  Kreis  Ssoroki,   17.  V.   1907,   (^,  9. 
Sonstige    Verbreitung:     Serbien,    Rumänien. 
Neu  für  die   russische   Orthopterenfauna. 

22.  Phaneroptera  falcata  Pod. 

Fundort:  An  der  Dniester-Mündung,  in  der  Nälie 
des  Leuchtturmes  Bugaz. 

Achetodea. 

23.  Curtiila  gryllotalpa  Linn. 

Fundort:  Schaba,  Kreis  Akkermann,  VH.  1904;  Re- 
zina,  Kreis  Orgeew,  MI.  1905,  und  Stochnaja,  auch  da, 
VII.  1905. 

24.  Acheta  campestris  Linn. 
überah  häufig. 

25.  Gryllus  domesticus  Linn. 
überall  häufig. 

26.  Oecanthus  pellucens  Scop. 

Fundort:  Im  Walde  zwischen  Rezina  und  Ssacharna 
im  Juni  1905. 

Locustodea. 

27.  BuUa^)    subulata  Linn. 

Fundort:     Schaba,    Kreis   Akkerman,    VII.    1904. 

28.  Acrida  turrita  Stal. 

Fundort:  Kischinew,  (Kreisstadt);  Budaki,  Kreis  Akkcr- 


')  Nomen  praeoecup.   in  Ärullusea? 
tstctt.  cntomol.  Zeit.   1001). 


144 

man,  lo.  VIII.  1903;  Akkerman,  20.  VII.  1904;  Schaba, 
24.  VII.  1904;  Magaly,  21.  VII.  1904;  Akembeg,  26.  VII.  1904, 
und  Bugaz,  10.  VIII.  1903. 

29.  Chrysochraon  brachypterus  Ocsk. 
Fundort:    Rezina,   Kreis  Orgeew,  VII.   1905. 

30.  Stenobothrus  lineatus  Panz. 

Fundort:  Posten  Tschetschulskij,  Kreis  Bieltzy,  19.  VI. 
1903. 

31.  Stenobothrus  fischeri  Eversm. 

Fundort:    Gontsclieschty,  Kreis  Kischinew,  4.  VII.  1903. 

32.  Stenobothrus  vagans  Eversm. 

Fundort:  In  der  Nähe  des  Leuchtturmes  Bugaz,  an 
der  Dniester-Mündung,  Kreis  Akkerman,  10.  VIII.  1906. 
(N.  V.  Adekmg  determ.) 

33.  Stenobothrus  bicolor  Chrp. 

Fundort:     Bugaz.    Kreis    Akkermann,    10.    VIII.    1906, 

34.  Gomphocerus  rufus  Linn.  und 

35.  Gomphocerus  antennatus  Fieb. 

Fundort :  An  der  Dniester-Mündung,  in  der  Nähe 
des   Leuchtturmes    Bugaz,    10.    VIII.    1906. 

36.  Areyptera  fusea  PalL 

Fundort:    Bei  Korneschty,  Kreis  Bieltzy,  23.  VI.  1907. 

37.  Areyptera  microptera  Fisch,  v.  Waldh. 
Fundort:    Rezina,  Kreis  Orgeew,  VII.  1905;  Zagornja, 

Kreis  Ssoroki,   17.  V.   1907,  Larve. 

38.  Oedaleus  nigrofasciatus  Deg. 

Fundort :     Korneschty,    Kreis    Bieltzy,    23.    VII.    1907. 

39.  Locusta  migratoria  Linn. 

Fundort:  Bugaz,  Kreis  Akkerman,  10.  VIII.  1906; 
Schabolat-See,  auch  da,  VII.   1904. 

40.  Oedipoda  coerulescens  Linn. 

Fundort:    Bugaz,  Akkerman,  Korneschty,  Rezina  usw. 

41.  Sphingonotus  coerulans  Linn. 
Fundort:.    Bugaz,    Schaba,   Akkerman   usw. 

Stett.  entomol.  Zeit.  1901), 


145 

42.  Acrotylus  longipes  Chrp.     (det.  N.  v.  Adelung.) 
Diese   sehr   schöne    Art    wurde   in   sehr   großer   Menge 

von  Herrn  A.  W.  Jatzentkowskij  bei  Bugaz,  Kreis  Akker- 
man,  gesammelt  (lo.  VIII.  1906)  und  war  bisher 
für  ganz  Rußland  noch  nicht  nachge- 
wiesen. 

Acrotylus  longipes  Chrp.  vereinzelt  in  Canarischen  Inseln, 
Zanzibar,  Dongola,  Abessynien,  Algerien,  Italien,  Sicilien, 
Griechenland,  Kleinasien,  Bulgarien,  (Varna)  Rumänien; 
angeblich  auch  bei  Malchin  in  Mecklenburg  (Rudow,  Zeitschr. 
f.   ges.   Naturw.   XLII,   p.   308). 

43.  Stauronotus  brevicollis  Eversm. 
Fundort:     Rezina,    Kreis    Orgeew,    Juni    1905. 

44.  Calliptamus  italicus  Linn. 
überall  häufig. 

Unter  diesen  44  angeführten  Arten  waren  33  für  ganz 
Bessarabien  unbekannt.  Von  44  bessarabischen  Orthop- 
teren sind:  Blattodca  3,  Mantodea  i,  Phasgonurodea  14, 
Locustodea  18,  Achetodea  4  und  Forficulodea  4. 


Stett.  entoniol.  Zeit.   1909.  \^ 


Ii6' 


Neue  und  bekannte  Gattungen  und 
Arten  der  Subfamilie  Cercopinae  Stäl 

des  indoaustralischen  Faunengebietes, 

ein  Beitrag"  zur  Kenntnis  der  Cercopiden. 

(Hemiptera-Homoptera. ) 

Mit  5  Textfiguren. 
Von  Etliniind  Sclimidt  in  Stettin. 

I. 


Übersicht  der  hauptsächlich  benutzten  Literatur. 

Atkinson,    B.  A.     II.  ^ —  Notes  on  Indian  Rhynchota, 

Nr.  2.    (Homoptera.)    J.  A.  S.  B.    LIV.  p.  5—23  (1885). 
B  r  e  d  d  i  n  ,    G.    Die  Hemipteren  von  Celebes.    Ein  Beitrag 

zur    Faimistik    der    Insel.     —     Abh.    Nat.-Ges.    Halle, 

24,  p.  I — 216,  Taf.  I   (1901). 
B  r  e  d  d  i  n  ,     G.      Neue   malayische   Homopteren   aus   der 

Familie  der  Cercopiden.  —  Soc.  entom.  17,  p.  51 — 52, 

58—59  (1902). 
B  r  e  d  d  i  n  ,    G.     Ad  cognitionem  gen.  Cosmoscartae  Stal 

(Hemipt.    homopt.).    —    Deutsch,    entomol.    Zeitschr., 

p.  81 — 100  (1903). 
Burmeister,    H.     Handb.  d.  Entomologie  II.   (1835). 
Butler,     A.    G.      Revision   of  the   Homopterous  genera 

Cosmoscarta    and     Phymatostetha,     with     descriptions 

of  nevv  species.  —  Cistula  Entomologica  I.  p.  245 — 270, 

Taf.  8  (1874). 
D  i  s  t  a  n  t  ,    W.   L.     Contribution  to  a  knowledge  of  the 

Rhynchota.    I.  Eastern  Cercopidae.  —  Trans.  Entomol. 

Soc.  London,  p.  665 — 686,  Taf.  9  (1900). 
D  i  s  t  a  n  t  ,    W.   L.     The  Fauna  of  British  India,  Ceylon 

and  Burma.    Rhynchota.  —  Vol.  IV.  p.  79 — 156  (1907). 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


147 

J  a  c  o  b  i  ,    A.    Neue  Homopteren  aus  Tonking.    S.-B.-Ges. 

naturf.   Freunde   Berlin,    p.    20 — 25    (1902). 
J  a  c  o  b  i  ,   A.   Zur  Kenntnis  der  Cicadenfauna  von  Tonking. 

Zoolog.    Jahrbücher    XXI.    4,    p.    425—446,     Taf.    21 

(1905)- 
J  a  c  o  b  i ,    A.      Studien   über  die   Homopterenfamilie  der 

Cercopiden.      Mitt.    aus   dem   zoolog.    Museum   Berlin, 

III.  I,  p.  5—24,  Taf.  I  (1905). 
Melichar,    L.     Homopteren-Fauna  von  Ceylon   (1903). 
Stal,    C.      Hemiptera   africana   IV   (1866). 
S  t  ;\  1  ,     C.       Hemiptera    insularum    Philippinarum.       Öfv. 

Vet.-Ak.  Förh.  VII.  p.  607—776,  Taf.  7  und  8  (1870). 
Walker,  F.  List  of  Homopt.  Ins.  I— IV  (1850—52). 
Walker,    F.     Cataloge  of  Homopt.      Ins.  at   Singapore 

and   Malacca.      Journ.   Linn.    Soc.   Zool.    I.   p.   82—99, 

Taf.    3    und   4    (1857). 
Walker,     F.      Cataloge   of   Homopt.     Ins.    at    Saravvak, 

Borneo.     Journ.  Linn.  Soc.  Zool.  I.  p.  141— 175,  Taf. 

7  und  8  (1857). 
White,    A.      Descript.   of  a  new   Genus  and  some  new 

Species  of  Homopt.      Ins.   A.   M.   N.   H.   XV.  p.  3—4 

(1845). 

Genus  Gynopygoplax  n.  gen. 
Die  Stirnfläche  ist  stark  blasig  aufgetrieben  und  wird 
von  einer  breiteren,  flachen  Mittelfurche  der  Länge  nach 
durchzogen;  zu  den  Seiten  ist  eine  mehr  oder  minder  kräftige, 
leicht  geschwungene  Querriefung  vorhanden;  der  Scheitelteil 
der  Stirnfläche  ist  gewöhnlich  flach  und  glatt  und  in  der 
Mitte,  am  Hinterrand,  gewölbt;  der  Unterrand  der  Stirn 
zeigt,  seitlich  betrachtet,  keine  Ecke,  sondern  ist  gerade, 
infolgedessen  ist  die  Stirn  nach  vorn  gerichtet  und  gleich- 
mäßig stumpf  abgerundet.  Der  Scheitel  ist  stets  in  der 
Mitte  gewölbt  und  nicht  gekielt;  die  Entfernung  zwischen 

Stett.  eutomol.  Zeit.   1909.  10' 


148 


den  Ocellen  ist  ungefähr  so  groß,  wie  der  Zwischenraum 
zwischen  den  Ocellen  und  den  Augen.  Pronotum  stark 
gewölbt,  sechseckig,  mit  deutlichem  Mittelkiel  und  fein 
punktierter  Querriefung;  die  seitlichen  Vorderränder  sind 
gerade  oder  ein  wenig  gerundet,  die  seitlichen  Hinterränder 
und  der  Hinterrand  mehr  oder  weniger  stumpf  ausge- 
schnitten, die  Schulterecken  vorgezogen  und  spitzer  oder 
stumpfer  abgerundet;  die  Ränder,  besonders  die  Seiten- 
ränder und  der  Hinterrand  sind  aufgebogen.  Schildchen 
groß,  dreieckig,  mit  dreieckiger  Mittelgrube  und  auffallend 
deutlicher  Querriefung,  Deckflügel  ungefähr  2  ^o  mal 
so  lang  wie  in  der  Mitte  einzeln  breit,  hinten  stumpf  zur 
Apicalecke  abgerundet,  Apicaldrittel  durch  viele  Quer- 
adern netzmaschig.  Die  Costa  verläuft  unmittelbar  hinter 
dem   Costalrande;    die   Subcosta   legt  sich   an   den   Radius 


F^i'g.  1.  Gi/nopygoplax\{^).  fNr.'^l.  Deckflügel  (die  punktierte  Linie 
deutet 'an,  wieweit  der  Umschlag  des  Clavus-Hinterrandes  reicht).  Nr.  2. 
Schildchen^und  Apicalteil  des  Pronotum  (die  punktierten  Linien  be- 
zeichnen die  Pronotumeindrücke).  Nr.  3.  Dorn  der  Mittelbrust  (stark 
vergrößert). 


Stett.  cntomol.  Zeit.  1909. 


149 

an,  welcher  sich  in  der  Deckflügelmitte  gabelt;  die  Media 
und  der  Cubitus  sind  durch  einen  schrägen  Quernerv  ver- 
bunden und  schließen  die  lange,  nach  hinten  etwas  ver- 
breiterte, viereckige  Discoidalzelle  ein.  Clavus  mit  zwei 
Längsnerven  (Axillaris  i  und  2),  welche  durch  einen  feinen 
Quernerv  verbunden  sind.  Das  Geäder  der  Hinterflügel 
ist  wie  bei  der  Gattung  Suracarta  (vergl.  Fig.  3).  Die  Mittel- 
brust trägt  auf  jeder  Seite  einen  sehr  großen,  starken,  oben 
abgerundeten  und  conusförmigen  Höcker;  der  Hinterrand 
vor  den  Mittelcoxen  ist  aufgerundet,  ohne  jeglichen  Höcker. 
Die  Schenkel  der  Mittelbeine  sind  länger  als  die  der  Vorder- 
und  Hinterbeine.  Die  Hinterschienen  tragen  einen  kräftigen 
Dorn  hinter  der  Mitte  und  einen  verkümmerten  an  der  Basis. 
Das  Rostrum  erreicht  niemals  die  :\Iittelcoxen  und  nur  in 
vereinzelten  Fällen  den  Hinterrand  der  Mittelbrust  vor  den 
Mittelhüften.  Bei  den  ??  ist  die  Subgenitalplatte  (morpho- 
logisch das  9.  Sternit  des  Hinterleibes)  groß,  immer  unter  dem 
vorhergehenden  Sternit  hervorragend,  daher  immer  deut- 
lich sichtbar  und  die  Wurzel  der  Legescheiden  bedeckend. 
Typus:    Gynopygoplax  proscrpina  White. 

Tabelle  zur  Bestimmung  der  Arten. 

1.  Deckflügel  schwarz;  die  Zeichnung  ockergelb  oder 
rot,  die  Apicalspitze  hyahn  und  ockergelb.  Flügel 
rauchbraun,  nur  der  Wurzelteil  hyahn,  glashell.  .  .  2. 

—  Deckflügel  ockergelb  oder  rot;  die  Zeichnung  ist 
schwarz  oder  schwarzbraun,  welche  als .  Binden 
oder  Fleckenbinden  auftritt,  der  Apicalteil  ist 
ockergelb  und  bräunlich  getrübt.  Die  Flügel  sind 
hyalin,  nur  ein  schmaler  Apicalsaum  ist  rauch- 
braun getrübt 9- 

2.  Große  Arten.  Länge  27—29  mm.  (Gonapophysen 
des  S  lang  und  spitz,  Subgenitalplatte  des  ?  weit 
hervorragend   und   am   Ende   gestutzt)    3- 

Stclt.  cutomol.  Zeit.   1909. 


150 


—  Kleinere  Arten.  Länge  20 — 25  mm.  (Gonapophysen 
des  (^  kürzer  imd  breit,  Subgenitalplatte  des  $  weniger 
hervorragend  und  am  Ende  breit  abgerundet)  .  .  5. 

3.  Die  Rückensegmente  des  Hinterleibes  sind  ocker- 
gelb gefärbt  und  glänzend,  die  Mittelbrust  mit  den 
Höckern  und  die  Schenkel  glänzend  schwarz;  der 
glashelle  Basalteil  der  Flügel  ist  groß  und  nimmt 
fast   die   basale    Hälfte   der   Flügel   ein    4. 

—  Die  Rückensegmente  des  Hinterleibes  sind  schwarz 
gefärbt  und  glänzend,  Mittelbrust  mit  den  Höckern 
und  die  Schenkel  rot  und  glänzend;  der  glashelle 
Basalteil  der  Flügel  ist   klein   und  nimmt  nur  dis 

Wurzelfeld    ein.       Länge    28    mm.       Sumba 

I.    G.    Grelaki   n.   sp. 

4.  Deckflügel  schwarz;  ockergelb  gefärbt  sind  der 
Clavus  (nur  ein  schmales  Vorder-  und  Hinter- 
randband zeigen  die  Grundfarbe),  der  Cubitus 
bis  zur  Clavusspitze  (breit  gesäumt),  die  Media, 
die  Gabeläste  des  Radius  (weniger  breit  gesäumt), 
das  Basaldrittel  des  Costalrandes  und  der  Costal- 
fleck  vor  der  Apicalspitze ;  die  Apicalspitze  ist 
hyalin,  ockergelb  gefärbt.  Länge  29  mm.  Philip- 
pinen:   Luzon    2.     G.    proserpina    White. 

—  Deckflügel  schwarz;  rötlich  ockergelb  sind  das 
Basaldrittel  des  Costalrandes,  der  Costalfleck  vor 
der  Apicalspitze  und  ein  kleiner  Fleck  dahinter 
im   Corium;   die   Apicalspitze   ist   hyalin,    ockergelb 

gefärbt.       Länge    28    mm.       Philippinen 

3.  G.  Meyeri  n.  sp. 

5.  Deckflügel  schwarz,  ohne  Zeichnung,  nur  das  Basal- 
drittel der  Costa  und  die  Apicalspitze  ockergelb. 
Gonapophysen  des  (^  am  Ende  mit  längerem,  dorn- 
artigen Fortsatz.  Länge  20 — 25  mm.  Philippinen  : 
Luzon,  Jolo 4.   G.  costalis  Walk. 

ötett.  entomol.  Zeit.  1909. 


151 


—  Deckflügel  mit  ockergelber  oder  rötlich  ockergelber 
Zeichnung  und  größerem  oder  kleineren  Costal- 
fleck  vor  der  Apicalspitze    6. 

6.  Gonapophysen    des    o^    am    Ende    mit     kürzerem 

7. 
Dorn ' 

-  Gonapophysen    des    ^    am    Ende     mit     längeren! 

Dorn ■  ■     ■    \ 

7.  Drei  große,  ockergelb  bis  rot  gefärbte  Flecke  liegen 
an  der  Basis  der  Deckflügel  unterbrochen  durch 
zwei  schmale,  schwarze  Streifen,  welche  auf  dem 
Radius  und  der  Clavus-Coriumnaht  verlaufen.  Länge 
23I-25  mm.  Philippinen 5-  G.  theora  White. 

_  Die  ockergelbe  bis  rote  Färbung  an  der  Basis  der 
Deckflügel  ist  reduziert,  dagegen  erstreckt  sich 
die  Färbung  bis  zum  netzmaschigen  Apicalteil, 
indem  sie  sich  im  Corium  auf  das  Geäder  beschränkt. 

Länge  231/2-25  mm.      Philippinen:    Luzon 

6.    G.  luzonensis  n.  sp. 

8.    Färbung    und    Zeichnung    wie    bei    C.    proserpina. 

Länge   21— 22 1/2   mm.      Philippinen:     Luzon 

7.  G.  proserpinella  n.  sp. 
_  Färbung  und  Zeichnung  wie  bei  C.  proserpinella, 
nur  geht  der  Clavusfleck  nicht,  bis  zur  Wurzel. 
Länge  17  mm  (vermuthch  Körperlänge),  Spann- 
weite 44  mm.  Korea  (Butler) .  .  .  8.  G.  plutonica  Butl. 
9.  Rückensegmente  des  Hinterleibes  ockergelb  bis  rot. 
Deckflügel  mit  zwei  aus  schwarzen  Flecken  ge- 
bildeten Querbinden  im  Conum;  Schulterecken 
des  Pronotums  vortretend  und  stumpf  abgerundet. 

Länge    20-23    mm.       Indischer    Archipel 

g.    G.  submaculata  Walk. 

-  Rückensegmente  des  Hinterleibes  schwärzlich  braun; 

Deckflügel  im  Corium  mit  einer  breiten,  schwarzen 

Querbinde    hinter    der    Mitte    und    einem    basalen, 

Stett.  eutomol.  Zeit.   1909. 


152 


schwarzen  Längsfleck;  Schulterecken  des  Pronotums 
weniger  vorgezogen  und  stärker  abgerundet.  Länge 
24  mm.     Key  Tual 10.    G   unifasciata  n.  sp. 


Fig.  2.  Genus  Gynopygoplax  n.  gen.  ( Gonapophysen  der  (^,^  und 
Subgenitalplatten  der  $$.)  1.  Subgenital  platte  von  G.  Grelaki.  2.  Gona- 
pophysen von  G.  proserpina.  3.  Subgenitalplatte  von  G.  Meyeri.  4.  Gona- 
pophysen von  G.  costalis.  5.  Subgenitalplatte  von  G.  costalis.  6.  Gonapo- 
physen von  G.  theoea.  1.  Subgenitalplatte  von  G.  theora.  8.  Gonapo- 
physen von  G.  luzonensis.  9.  Subgenitalplatte  von'G.  luzonensis.  10.  Gona- 
pophysen von  G.  proserpinella.  11.  Subgenitallplatte  von  G.  prosepinella. 
12.  Gonapophysen  von  G.  suhmaculata.  13.  Subgenitalplatte  von  G.  sub- 
macvlata.      14.  Subgenitalplatte  von  G,  unifasciata. 


Stett.  entomol.  Zelt.  1909. 


153 

I.    Gyiiopygoplax  Grelaki  n.  sp. 

I  ?. 

In  der  Größe,  der  Kopf-  und  Schildchenbildung,  der 
Deckflügelform  und  dem  der  Gattung  eigenen  Geäder 
stimmt  diese  Art  mit  Proserpina  und  Meyeri  überein;  da- 
gegen ist  sie  durch  die  Form  des  Pronotums  und  die  Färbung 
von  den  beiden  genannten  Arten  verschieden;  von  Meyeri 
unterscheidet  sie  auch  noch  die  etwas  anders  geformte 
Subgenitalplatte.  Pronotum  sechseckig;  die  hinteren 
Seitenränder  kaum  merklich  gebuchtet,  die  Schulterecken 
nicht  so  weit  vorgezogen  wie  bei  den  beiden  erwähnten 
Arten  und  stumpfer  gerundet;  die  punktierte  Querriefung 
ist  deutlich.  Die  Brustdorne  sind  spitzer  und  weniger  nach 
vom  geneigt  als  bei  Meyeri.  Die  Subgenitalplatte  (Fig.  2 
Nr.  i)  ist  an  der  Basis  breiter  als  lang,  die  Seitenränder 
sind  nach  hinten  stark  konvergierend  und  hinter  der  Mitte 
gebuchtet,  der  Hinterrand  ist  gleichfalls  ausgeschnitten 
und  zeigt  abgerundete  Ecken.  Das  Rostrum  erreicht  nicht 
den  Hinterrand  der  Mittelbrust  vor  den  IMittelcoxen.  Kopf 
und  Pronotum  sind  rot  mit  schwach  ockerfarbenem  Tone. 
Das  Schildchen  ist  glänzend  schwarzbraun  gefärbt,  die 
Spitze  dunkel  rotbraun.  Augen  braun;  Ocellen  glashell 
und  gelblich.  Die  Deckflügel  sind  schwarzbraun  mit 
karminroter  Zeichnung,  welche,  wie  folgt,  über  die  Deck- 
flügelfläche verteilt  ist.  Von  der  Wurzel  aus  ziehen  drei 
Strahlen  in  den  Deckflügel,  von  denen  der  erste  den  Costal- 
rand  bis  zum  netzmaschigen  Apicalteile  und  den  dort 
liegenden  Ccstalfleck  färbt;  der  zweite  zieht  im  Corium 
nach  hinten  an  der  Clavus-Coriumnaht  bis  zur  Mitte  der 
letzteren  und  verbindet  sich  hier  mit  einer  schmalen  Quer- 
binde, welche  den  Costalrand  nicht  erreicht;  der  dritte 
färbt  an  der  Basis  die  Clavus-Hinterhälfte  und  zieht  dann 
auf  der  Axillaris  2  nach  hinten  bis  zur  Schildchenspitze; 
außerdem    liegt    ein    größerer    Fleck    an'  der    Clavusspitze 

Stett.  eutomol.  Zeit.  1909. 


154 

im  Coriiim  und  ein  kleinerer  hinter  dem  Costalfleck;  die 
Basis  des  Radius  ist  gleichfalls  karminrot  gefärbt;  der 
Apicalrand  vom  Costalfleck  bis  zur  Clavusspitze  ist  schmal 
hyalin  und  bräunlich  ockerfarbig.  Flügel  hyalin,  an  der 
Basis  glashell,  die  Nerven  blutrot  an  der  Wurzel,  der  übrige 
Teil,  %  der  Flügelfläche,  ist  rauchbraun  getrübt  und  hat 
braune  Nerven.  Der  Hinterleib  ist  oben  und  unten  schwarz 
und  glänzend.  Die  Mittelbrust  mit  den  Höckern  und  das 
Rostrum  sind  rotbraun;  die  Schenkel,  welche  schwarze 
Kanten  tragen,  die  Schienen  und  die  Afterröhre  sind 
karminrot  gefärbt;  die  Tarsen,  mit  Ausschluß  der  schwarzen 
Krallen    und    Dornspitzen,    sind    rötlich    ockergelb. 

Länge  28  mm. 

Sumba  (Grelak). 

Diese  Art  benenne  ich  zu  Ehren  des  Herrn  (i  r  e  1  a  k  , 
welcher  sie   auf   der   Insel   Sumba  entdeckte. 

Type  im  Stettiner  Museum. 

2.    Gynopygoplax  proserpina  White. 
Cercopis  proserpina  White,     A.  M.  N.  H.    XV.    p.    35 

(1845). 
„  ,,  ,,        Walk.,    List  of  Hom.   Tns. 

HI.  p.  651  (1851). 
Cosmoscarta    ,,  ,,  Stal,  Öfv.   Vet.-Ak.   Förh., 

p.  718  (1870). 
,,  ,,        Butl.,  eist.  Entomologica  L 

p.  248  (1874). 

Die  Kopfform  ist  wie  bei  den  übrigen  Arten  der 
Gattung.  Die  leicht  geschwungene,  deutliche  und  kräftige 
Querriefung  der  blasig  aufgetriebenen  Stirnfläche  läßt 
eine  breitere,  flache,  etwas  vertiefte,  bandähnliche  Längs- 
fläche frei,  auf  derem  Grunde  auf  der  Unterseite  ein  feiner 
Mittelkiel  verläuft.      Pronotum  sechseckig,   der  Vorderrand 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


155 

ist  in  der  Mitte  leieht  vorgez(\gen  gerundet,  der  Hinterrand 
stumpf     ausgeschnitten,     die     hinteren     Seitenränder     sind 
stärker    gebuchtet,    die    vorderen    Seitenränder    gerade,    die 
Schulterecken  stark  vorgezogen  und  verhältnismäßig  weniger 
stumpf    abgerundet.       Rostrum    bis    zum    Hinterrande    der 
Mittelbrust  vor  den  Mittelcoxen  reichend.     Die  sehr  großen 
Höcker  der  Mittelbrust  sind  etwas  nach  vorn  geneigt  und 
am  Ende  stumpfer  abgerundet.     Die  Gonapophysen  (Fig.  2 
Nr.   2)   sind  lang,    werden    zum   Ende    hin    schmaler     und 
enden  in,  hinten  etwas  aufgebogene,  nicht  abgesetzte  Spitzen. 
Das  Geäder  der  Deckflügel  und  Flügel  ist  wie  bei  den  übrigen 
Arten.     Rostrum  glänzend  schwarzbraun.     Clipeus  schwarz- 
braun mit  breiterem,  ockergelben  Mittelstreif.    Stirn,  Scheitel 
und  Pronotumvorderdrittel  ockergelb;  der  Rest  des  Prono- 
tums    ist    bräunlich    ockergelb    gefärbt.       Augen    gelblich- 
braun; Ocellen  glashell  und  gelblich.     Schildchen  schwarz- 
braun.      Deckflügel    schwarz    mit    ockergelber    Zeichnung; 
der    Clavus,    mit    Ausschluß    emes    schmalen    Vorder-    und 
Hinterrandsaumes,  der  Cubitus  breit  gesäumt  bis  zur  Clavus- 
spitze,    die  Media  von  der  Deckflügelmitte  ab,   die   Gabel- 
äste   des     Radius,     der    Costalfleck,     das    Basaldrittel    des 
Costalrandes  und    die  ersten    Queradern  vom  Cubitus  zum 
2.    Radialast    sind    ockergelb    gefärbt;    der    Apicalrand    ist 
vom   Costalfleck    bis    etwas   hinter   der    Mitte    des   Costal- 
randes   hyalin    und    ockerfarbig.       Basalhälfte    der    Flügel 
hyalin,    glashell,    Adern    und    Wurzel    rötlich      ockergelb; 
Apicalhälfte     rauchbraun    getrübt     mit     braunen     Nerven. 
Schenkel,       Brustsegmente,       Brusthöcker      und       Bauch- 
segmente glänzend  schwarzbraun;  die  Rückensegmente  des 
Hinterleibes,    der    Geschlechtsapparat,    das    Segment    vor 
den    Gonapophysen,    die    Tarsen    und    die    Apicalteile    der 
Schienen    sind    ockergelb    gefärbt    und    glänzend;    das    vor- 
letzte Bauchsegment  ist  braun  und  trägt  in  der  Mitte  des 
Vorderrandes    einen    halbkreisförmigen,    ockergelben  Fleck. 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


156 

Länge  29  mm. 
Philippinen :    Liizon,  Jagor. 

Dieses  Exemplar  ^\•i^d  im  Königlichen  zoologischen 
^luseum  in  Berhn  aufbewahrt. 

3.    Gynopygoplax  Meyeri  n.  sp. 

I  i. 

Die  hinteren  Seitenränder  des  Pronotums  sind  leicht 
ausgeschnitten,  die  Schulterecken  stärker  vorgezogen  und 
daher  weniger  stumpf  abgerundet  als  es  bei  Grelaki  der 
Fall  ist;  der  Mittelkiel  ist  in  der  Mitte  besonders  scharf 
und  deutlich,  die  Färbung  ist  rötlich  ockergelb.  Augen 
bräurüich  ockergelb,  Ocellen  glashell  und  gelblich.  Stirn 
ockergelb.  Clipeus  und  die  unteren  Seiten  der  Stirnfläche 
sind  schwarz  und  glänzend.  Schildchen  glänzend  schwarz. 
Deckflügel  glänzend  schwarz  mit  rötlich  ockergelbem, 
basalen  Costaldrittel  und  schmalerem,  im  Corium  bis  zum 
zweiten  Radialast  reichenden  Costalfleck;  die  Apicalspitze 
bis  zur  Mitte  des  Apicalrandes  breiter  hyalin  und  ocker- 
farbig, ein  kleiner  hyaliner  Fleck  steht  an  der  Cla\Tisspitze. 
Basalhälfte  der  Flügel  hyalin  und  glashell,  die  Nerven 
und  die  Wurzel  rötlich  ockergelb;  Apicalteil  der  Flügel 
hyalin  und  rauchbraun  getrübt,  die  Nerven  sind  braun. 
Rostrum  bis  zum  Hinterrande  der  ^littelbrust  vor  den 
Mittelhüften  reichend  und  schwarzbraun.  Glänzend  schwarz 
gefärbt  sind:  die  Mittelbrust  mit  den  Höckern,  welche 
stumpfer  und  mehr  nach  vorn  geneigt  sind  wie  bei  Grelaki, 
die  Schenkel,  die  Bauchsegmente  und  die  Spitzen  der 
Dorne.  Das  achte  Bauchsegment  (morphologisch)  ist  rötlich 
ockergelb  und  schmal  schwarz  gerandet.  Die  Rücken- 
segmente, die  Tarsen,  die  Apicalhälfte  der  Vorderschienen 
und  das  Enddrittel  der  Mittel-  und  Hinterschienen  sind 
ockergelb  gefärbt.  Die  Subgenitalplatte  (Fig.  2  Nr.  3) 
ist  an  der  Basis  breiter  als  lang,  die  Seitenränder  sind  vor 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


li)/ 

dem  Hinterrande  schwach  gebuchtet,  der  Hinterrand  ist 
kaum  merkhch  ausgeschnitten  und  die  Ecken  sind  abgerundet. 
Das    Geäder    der    Deckflügel    und    der    FKigel    ist    typisch. 

Länge  28  mm. 

PhiHppinen. 

Zu  Ehren  des  Herrn  Stadtbaurat  ^I  e  }•  c  r  in  Stettin 
benannt. 

Type  im  Stettiner  Museum. 

4.    Gynopygoplax  costalis  \\'alker. 
Cercopis    costahs    Walker,     List     of     Hom.     Ins.     IIL 

p.  651   (1851). 
Cosmoscarta  ,,  ,,         Stal,    Öfv.    A'et.-Ak.    Förh., 

p.  719  (1870). 
,,  ,,  „        Butl.,  eist.  Entomologica  L 

p.  247  (1874). 
3  o"c^,  2  9?. 

Kleiner  als  die  vorhergehenden  Arten;  in  der  Färbung 
der  Meyeri  und  Luzoncnsis  ähnlich,  m  der  Bildung  der 
Gonapophysen  der  q^  und  der  Subgenitalplatten  der  $2 
mit  Theora,  Proserpinella  und  Plutonica  verwandt.  Gona- 
pophysen der  00  hinten  in  längere  Spitzen  ausgezogen, 
welche  am  Innen-  und  Außenrande  nicht  abgesetzt  sind, 
die  Außenecken  sind  ganz  stumpf  abgerundet.  (Fig.  2 
Xr.  4)  Die  Subgenitalplatte  der  $2  tritt  weniger  vor  als 
bei  den  verwandten  x\rten  und  ist  hinten  breit  abgerundet. 
(Fig.  2  Nr.  5)  Pronotum  orangegelb  *)  mit  schwach 
rostfarbenem  Tone,  die  seitlichen  Vorderränder  und  die 
Schulterecken  sind  schmal  ockergelb  gesäumt.  Der  Kopf 
ist    wie    das    Pronotum    gefärbt.       Ocellen    glashell,    Augen 


*)  Nach  Walker  kommt  auch  schalgelbe  Färbung  vor,  welche  auf 
die  schlechte  Konservierung  der  einzelnen  Tiere  zurückzuführen  ist.  Es 
liegen  mir  gleichfalls  Exemplare  mit  schalgelber  Färbung  vor.  dies  sind 
jedoch  Stücke,  welche  früher  in  Alkohol  aufbewahrt  wurden. 


Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


158 

bräunlich  orangegelb.  Clipeus  schwarz  mit  rötlich  orange- 
gelbem Mittelstreif.  Schenkel  rauchbraun  getrübt,  Schienen 
und  Tarsen  rötlich  ockergelb,  Tarsen  und  Dornspitzen 
schwarz  und  glänzend.  Schildchen  schwarz  mit  hellerer 
Schildchenspitze.  Deckflügel  schwarz,  die  Basis  und  ein 
schmaler  Costaistreifen  sind  orangegelb  mit  schwach 
rotbraunem  Tone,  die  Apicalspitze  bis  zur  Mitte  des  Apical- 
randes  ockergelb.  Flügel  hyalin,  dunkel  rauchbraun  getrübt 
mit  schwarzbraunen  Nerven,  Flügelwurzel  heller  und  rötlich 
orangerot  gefärbt.  Rückensegmente  des  Hinterleibes  ocker- 
gelb, Bauchsegmente  schwarz;  die  Schienen  und  die  Tarsen 
der  drei  Beipaare,  beim  (^  die  beiden  letzten  und  ein  halb- 
kreisförmiger Fleck  in  der  Mitte  des  drittletzten  Bauch- 
segmentes, der  Geschlechtsapparat  und  die  Afterröhre 
sind  bräunlich  orangerot  gefärbt,  beim  $  sind  die  letzten 
Bauchsegmente  schwarz,  die  Subgenitalplatte  und  die 
Scheidenpolster  rötlich  ockergelb  und  die  Scheidenteile 
dunkelbraun  und  glänzend.  Die  Schenkel  und  die  Spitzen 
der  Dornen  der  Hinterschienen  und  der  Tarsen  sind  schwarz- 
braun gefärbt. 

Länge  20 — 25  mm. 

I  ö^ 

Philippinen. 

In  der  Sammlung  des  Königlichen  [Museums  zu  Brüssel. 

I  ?. 

Philippinen:    Luzon,   Jagor. 

Phihppinen:     Yolo. 

Im   Königlichen  zoologischen  Museum  zu  Berlin. 

5.    Gynopygoplax  theora  White. 
Cercopis    theora    White,  A.  M.  N.  H.  XV.  p.  35  (1845). 
,.       Walk.,  List  of  Hom.  Ins.  III. 
p.  651   (1851). 

Stett.   entoiuol.  Zeit.    l'JOü. 


159 

Cosmoscarta  theora  White,   Stal,    öfv.  Vet.-Ak.   Förh., 

p.  718  (1870). 
,,  ,,  ,,       Butl.,   eist.   Entomologica  I. 

p.  248  (1874). 

I  ö^  2  ??. 

In  der  Größe  und  der  Gestalt  kommt  diese  Art  der 
G.  costalis  Walker  am  nächsten.  Die  Gonapophysen  des  (^ 
und  die  Subgenitalplatten  der  $$  sind  von  der  Walker- 
schen  und  den  übrigen  Arten  verschieden;  außerdem  unter- 
scheidet sie  sich  auch  von  Costalis  durch  die  Zeichnung 
und  Färbung.  Die  Gonapophysen  des  (^  (Fig.  2  Nr.  6) 
sind  lang  und  schmal  und  tragen  am  Ende  dornartige 
Fortsätze,  welche  innen  und  außen  scharf  abgesetzt  sind; 
die  Außenecken  sind  flach  gerundet.  Die  Subgenitalplatten 
der  5p  (Fig.  2  Nr.  7)  sind  mehr  vorgezogen  und  weniger 
flach   abgerundet   als   bei   den   5$   von  G.   costalis   Walker. 

$$.  Pronotum  rötlich  orangerot,  die  vorderen  Seiten- 
ränder und  die  Gruben  hinter  dem  Vorderrande  sind  ocker- 
gelb gefärbt.  Augen  braun,  Ocellen  glashell.  Der  Kopf, 
die  Schienen  und  die  Tarsen  der  Beine  sind  orangerot 
gefärbt,  die  Schenkel  dunkel  rotbraun.  Die  Dornspitzen 
der  Hinterschienen  und  der  Tarsen  und  die  Unterseite 
des  Leibes  sind  glänzend  schwarz.  Schildchen  schwarz. 
Deckflügel  schwarz  mit  drei  breiten,  basalen,  rötlich  orange- 
roten Längsstreifen,  von  denen  der  erste  den  Costalrand 
färbt,  der  zweite  im  Corium  liegt  und  der  dritte  fast  den 
ganzen  Clavus  einnimmt;  der  Costalsaum  und  der  stets 
vorhandene  Costalfleck  hinter  der  Deckflügelmitte  sind 
gleichfalls  rötlich  orangerot  gefärbt.  Die  Apicalspitze 
ist  bis  zur  Mitte  des  Apicalrandes  hyalin  und  bräunlich 
ockergelb  getrübt  mit  ockergelben  Nerven ;  ein  kleiner  Punkt 
an  der  Clavusspitze  ist  weißlich.  Apicalhälfte  der  Flügel 
rauchschwarz  getrübt  mit  schwarzen  Nerven;  Basalhälfte 
hyalin,  glashell,   an  der  Wurzel  rötlich  mit  roten  Nerven. 

Stett.  eutouiol.  Zeit.   1909, 


160 

Rückensegmente  und  Afterröhre  ockergelb;  die  Subgenital- 
pkitte,  das  letzte  und  ein  breiter  Hinterrandsaum  des  vor- 
letzten Sternites  des  Hinterleibes  sind  bräunlich  ockergelb. 

cJ.  Das  vorliegende  Exemplar  ist  allem  Anscheine 
nach  aus  Alkohol  und  daher  ist  die  Färbung  schalgelb. 
Das  letzte  Sternit  und  ein  großer,  halbkreisförmiger  Vorder- 
randfleck in  der  Mitte  des  vorletzten  Sternites  des  Hinter- 
leibes sind  matt  ockergelb  gefärbt. 

Länge  23 — 25  mm. 

I  (^  ohne  Fundortetikett  und  i  $  Philippinen,  Semper 
in  der  Sammlung  des  Königlichen  zoologischen  Museums 
in  Berlin. 

1  ?. 

Philippinen.     Im  Königlichen  Museum  zu  Brüssel. 

6.    Gynopygoplax  luzonensis  n.  sp. 

2  ^^,  I  ?. 

Gonapophysen  der  (^(^  (Fig.  2  Nr.  8)  am  Ende  mit 
innen  scharf  eckig  abgesetzten,  dornenartigen,  kürzeren 
Fortsätzen;  die  seitlichen  Außen-  und  die  Hinterränder 
verlaufen  gerade  und  bilden  eine  stumpfe  Ecke,  Sub- 
genitalplatte  des  9  (Fig.  2  Nr.  9)  mäßig  stark  vorgezogen, 
seitlich  flach  und  hinten  zu  einer  abgestumpften  Spitze 
geformt.  In  der  Form  und  der  Gestalt  den  beiden  vorher 
beschriebenen  Arten  sehr  ähnhch.  Das  Pronotum,  der 
Kopf  und  die  Schienen  der  drei  Beinpaare  sind  bräunlich 
ockergelb  gefärbt,  die  Augen  braun  und  die  glatten  Stellen 
in  den  Pronotumgruben  ockergelb.  Ocellen  glashell.  Schild- 
chen schwarz,  Spitze  schwärzlich  mit  dunkel  rötlichem 
Tone.  Deckflügel  schwarz,  der  Costalsaum  mit  dem  mehr 
oder  minder  deutlichem  Costalfleck,  die  beiden  Clavus- 
nerven,  die  Gabeläste  der  Media,  der  Cubitus  und  der  Ra- 
dius sind  stellenweise,  zuweilen  ausgedehnter  bräunlich 
ockergelb   gefärbt;    die   Apicalspitze   ist   bis   zur   Mitte   des 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


161 

Apicalrandes  hyalin  und  ockergelb  gefärbt.  Flügel  rauch- 
schwarz mit  schwarzen  Nerven,  nur  die  Wurzel  ist  hyalin 
mit  rötlichen  Nerven.  Hinterleib  oben  ockergelb,  vmten 
schwarz;  die  Schenkel  braun,  die  Spitzen  der  Dornen  der 
Hinterschienen  und  der  Tarsen  schwarzbraun.  Die  beiden 
letzten  Bauchsegmente  und  die  Gonapophysen  bräunlich 
ockergelb,  die  Spitzen  der  Dornen  am  Ende  der  Gonapo- 
physen   dunkelbraun. 

$$.  Das  letzte  Bauchsegment  vor  der  Subgenitalplatte 
und  ein  schmaler  Hinterrandsaum  des  vorletzten  Segmentes 
sind  bräunlich  ockergelb  gefärbt,  die  Subgenitalplatte 
ockergelb  mit  glänzend  schwarzbraunem   Hinterrandsaume. 

Länge  23 14 — 25  mm. 

Philippinen:    Luzon,   Jagor. 

Tvpen  im  Königlichen  zoologischen  Museum  zu  Berlin. 

7.    Gynopygoplax  proserpinella  n.  sp. 

I  ö^  I  ?. 

Diese  Art  stimmt  in  der  Färbung  mit  G.  proserpina 
White  überein,  ist  aber  in  der  Größe  und  der  Bildung  der 
Gonapophysen  des  (^  und  der  Subgenitalplatte  des  5  von 
der  genannten  verschieden.  Gonapoph3'sen  des  ^  (Fig.  2 
Nr.  10)  lang  und  mäßig  breit  mit  längeren,  innen  nicht 
abgesetzten,  außen  fast  rechtwinklig  abgesetzten  dorn- 
artigen Fortsätzen  am  Ende ;  die  seitlichen  und  hinteren 
Ränder  stehen  fast  im  rechten  Winkel  zueinander  und  bilden 
eine  abgerundete  Ecke.  Die  Subgenitalplatte  des  $  (Fig.  2 
Nr.  11)  ist  mäßig  stark  vorgezogen  und  breit  gerundet 
mit    flachem    Ausschnitt    am    Hinterrande. 

^.  Pronotum  bräunlich  orangerot,  die  vorderen  Seiten- 
ränder schmal  und  die  glatten  Stellen  auf  dem  Grunde 
der  Pronotumgruben  hinter  dem  Vorderrande  sind  ocker- 
gelb gefärbt.  Kopf  bräunlich  ockergelb,  Augen  braun, 
Ocellen   glashell,    Schildchen   schwarz,    Deckflügel   schwarz, 

Stett.  cntomol.   Zeit.   1909.  11 


162 

Der  Costalrand  mit  dem  Costalfleck,  die  Nerven  des  Coriums 
mit  den  ersten  Quernerven  des  netzmaschigen  Apicalteiles 
und  die  Clavusnerven  breit  gesäumt,  sind  rötlich  ocker- 
gelb gefärbt;  die  Apicalspitze  ist  bis  zur  Mitte  des  Apical- 
randes  hyalin  und  ockergelb.  Die  Flügel  sind  rauchschwarz 
mit  schwarzen  Nerven,  die  Wurzel  hyalin  mit  rötlichen 
und  ockergelben  Nerven.  Hinterleib  oben  ockergelb,  unten 
schwarz.  Die  beiden  letzten  Bauchsegmente,  die  Gona- 
pophysen,  die  Schienen  und  die  Tarsen  sind  bräunlich 
ockergelb  gefärbt,  die  Spitzen  der  Dornen  der  Hinterschienen, 
der  Tarsen  und  der  Anhänge  der  Gonapophysen  schwarzbraun. 

$.  Ein  Exemplar  aus  Alkohol,  welches  schmutzig 
gelbbraun  gefärbt  ist,  bei  dem  die  ursprüngliche  rötliche 
ockergelbe  Färbung  in  feiner  Punktierung  wahrzunehmen 
ist.  Die  Anlage  der  Zeichnung  ist  wie  beim  (^.  Subgenital- 
platte  bräunhch  mit  schwarzem  Hinterrand,  letztes  Bauch- 
segment gelb  mit  schwärzlichem  Hinterrandsaum,  vorletztes 
Segment  schwarz  mit  breitem,  gelbbraunen  Hinterrandsaum. 

Länge  2i — 22^  mm. 

^.     Philippinen:    Luzon,   Jagor. 

$.     Philippinen  (Cuming). 

Typen  im  Königlichen  zoologischen  Museum  zu  Berlin. 

8.    Gynopygoplax  plutonica  Butler. 

Cosmoscarta  plutonica  Butl.,  Cist.  Entomologica  L 
p.   248,   Taf.   VHI,    Fig.   7    (1874). 

Originalbeschreibung : 

Allied  to  C.  proserpina.  Head  and  thorax  dirty  testa- 
ceous;  scutellum  black,  piceous  behind;  abdomen  grey- 
brown,  becoming  somewhat  testaceous  towards  anus;  pectus 
and  venter  black ;  femora  and  coxae  of  legs  blackish  piceous ; 
tibiae  and  tarsi  dark  testaceous,  golden  pubescent ;  tegmina 
black;  costal  margin  and  apex  dull  fulveous;  base  and  a 
basi-subcostal    pyriform    streak;     an    irregulär    transverse 

Stett.  entoxnol.  Zeit.   1909. 


1G3 

trimacular  band  crossing  first  third  of  tegmina,  a  subcostal 
spot  at  end  of  second  third,  and  the  veins  on  second  third 
testaceous;   wings  fuscous,   costa  lutescent,   base  rufescent. 

Length  17  mill;  expanse  of  tegmina  44. 

Corea  (Arthur  Adams).     Type.     B.  M. 

Very  Hke  C.  proserpina,  but  smaller,  the  tegmina 
differently  marked,  the  clavu.s,  instead  of  being  entirely 
bright  fulvous,  has  an  oval  spot  (the  third  of  the  trans- 
verse   series)    in  its   centre. 

9.    Gynopygoplax  submaculata  Walker. 
Ccrcopis    submaculata  Walk.,    List   of   Hom.    Ins.    III. 

p.  657  (1851). 
Cosmoscarta      ,,  ,,        Butl.,      Cist.       Entomo- 

logica  I.  p.  263    (1874). 
,,  ,,  ,,        Bredd.,    Deutsche     Ent. 

Zeit.,  p.  82  (1903). 
Diese  Art  ist  im  indischen  Archipel  weit  verbreitet 
und  variiert  in  der  Zeichnung  und  Färbung.  Breddin  gibt 
an  der  oben  angeführten  Stelle  eine  genaue  Beschreibung 
dieser  Art,  wozu  ich  eine  Bemerkung  und  eine  Erweiterung 
geben  möchte.  Die  Subgcnitalplatte  (Fig.  2  Nr.  13)  ist 
in  der  Form  und  Gestalt  der  Unifasciata  ähnlich  und  unter- 
scheidet sich  von  dieser  dadurch,  daß  sie  hinten  breiter 
ist,  weniger  hervorragt  und  die  Querrief ung  auf  dem  Grunde 
der  flachen  Grube,  welche  sich  vor  dem  fast  geradem  Hinter- 
rande befindet,  fehlt.  Gonapophysen  der  SS  (Fig-  2  Nr.  12). 
Wie  schon  gesagt,  ändert  sich  die  Färbung  und  es  treten 
Formen  mit  schwarzem,  gelben  und  roten  Schildchen 
auf  bei  gelber  und  roter  Körperfarbe.  Nach  dem  mir  vor- 
liegenden Material  und  den  Beschreibungen  von  Walker 
und  Breddin  komme  ich  zu  nachstehendem   Resultat. 

Als  Typus  für  Submaculata  Walker  ist  die  Form  mit 
roter    Körperfarbe    und    schwarzem    Schildchen    von    Java 

Stett.   outomol.   Zeit.   1909.  H* 


164 

(laut  Beschreibung)  anzusehen,  alle  anders  gefärbten  Formen 
müssen    von    ihr    geschieden    und    unterschieden    werden, 

I  (^  und  I  $,  Länge  20  mm. 

Java  (H.  Fruhstorfer). 

Im  Stettiner  Museum. 

3  $$,  Länge  20 — 20%  mm. 

Niederländisch  Indien. 

Im  Königlichen  Museum  zu  Brüssel. 

Ferner  liegt  mir  i  $  von  den  Molukken  aus  dem  Stettiner 
Museum  und  i  $  Key  Tual  aus  dem  Königlichen  Museum 
zu  Brüssel  vor,  welche  ich  nicht  von  der  Stammform  zu 
trennen  wage. 

var.  flava  n.  var. 

Gelb  mit  gelbem  Schildchen. 

Länge  18 1/2 — 19V2  rnm. 

Java. 

var.  sumatrensis  n.  var. 
■7  ?9. 

Kopf,  Pronotum,  Schildchen,  Deckflügel,  Rücken- 
segmente des  Hinterleibes,  Beine,  Scheidenpolster,  After- 
röhre und  Anallappen  rot ;  Bauchsegmente  glänzend  schwarz- 
braun mit  schmalen,  roten  Hinterrandsäumen.  Brust 
braun,  Brustzapfen  hellbraun. 

Länge  20 — 22  mm. 

Sumatra:     Soekaranda,    Januar   1894   (Dr.    H.   Dohrn). 

Im  Stettiner  Museum. 

I  ?. 

Sumatra:      Ober-Langkat,      DeH    1894    (M.    Ude    S.). 

Im  Königlichen  zoologischen  Museum  zu  Berlin. 

var.  borneensis  Breddin. 
I  $,  Länge  22  mm.     Im   Stettiner  Museum. 
Dieses    Exemplar    deckt    sich    mit    der    Beschreibung, 
welche  Breddin  gibt. 

(Deutsche  Ent.  Zeitschr.   1903,   S.  83.) 

Stett.  cntomol.   Zeit.   1909. 


165 

10.    Gynopygoplax  unifasciata  n.  sp. 

I  ?• 

Pronotum  gewölbt  mit  deutlichem  Mittelkiel  und 
tieferen  Eindrücken  hinter  dem  Vorderrande;  die  Schulter- 
ecken sind  stumpfer  abgerundet  als  bei  Suhinaculata:  der 
Hinterrand  ist  gerade  und  nicht  aufgerundet,  bei  der  zum 
Vergleich  genommenen  Art  ist  der  Hinterrand  mehr  oder 
weniger  stumpf  ausgeschnitten  und  aufgerandet.  Die 
Färbung-  von  Kopf,  Pronotum  und  dem  Basalteile  der 
Deckflügeln  ist  ockergelb  mit  schwach  rötlichem  Tone. 
Augen  schiefergrau,  Ocellen  glashell.  Schildchen  rotbraun 
mit  hellerer  Spitze.  Apicalteil  der  Decken  hyalin,  rauchig 
getrübt;  eine  glänzende,  schwarzbraune  Ouerbinde  durch- 
zieht das  Corium  hinter  der  Mitte  ohne  den  Costalrand 
und  die  Clavus-Coriumnaht  zu  erreichen,  in  der  Mitte 
springt  die  basale  Grundfärbung  der  Decken  dreieckig 
in  die  Binde  hinein  und  vermindert  die  Breite  der  Binde 
an  dieser  Stelle  um  %;  ein  länglicher,  gleichfalls  glänzend 
schwarzbraun  gefärbter  Fleck  liegt  der  Deckflügelwurzel 
genähert  vor  der  Querader,  welche  Media  und  Cubitus 
verbindet;  ein  rauchbrauner  Fleck  liegt  im  Clavus  vor 
der  Clavusspitze.  Flügel  hyalin,  rauchig  getrübt  mit  gelben 
Nerven;  die  Flügel wurzel,  die  Analader  und  die  Basal- 
hälfte  des  zweiten  Längsnerv  sind  rot  gefärbt.  Die  Vorder- 
beine, die  Schienen  und  Tarsen  der  Mittelbeine  und  die 
Tarsen  des  letzten  Beinpaares  sind  ockergelb  gefärbt;  die 
Schenkel  der  Mittelbeine,  die  Schenkel  und  Schienen  des 
letzten  Beinpaares  und  die  Spitzen  der  Hinterschienen- 
dorne  und  der  Tarsen  sind  braun  gefärbt.  Brust  braun 
mit  gelbbraunen  Brustzapfen.  Hinterleib  oben  und  unten 
schwarzbraun.  Afterröhre,  Legescheide,  Subgenitalplatte 
und  Scheidenpolster  bräunlich  ockergelb.  Subgenitalplatte 
(Fig.  2  Nr.  14)  nach  hinten  stärker  verschmälert  und  daher 
weniger  breit  als  bei  G.  suhmaculata  Walk.,    auch  ragt  die- 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


166 

selbe  weiter  hervor.  Auf  dem  Grunde  der  flachen  Grube 
vor  dem  Hinterrande  befinden  sich  einige  deuthche  Quer- 
runzeln. Die  Behaarung  von  Pronotum  und  Deckflügeln 
ist  kurz,  ziemlich  dicht  und  glänzend  hellgrau;  die  Be- 
haarung der   Stirn   und  des    Scheitels   ist  goldig  glänzend. 

Länge  24  mm. 

Key  Tual  (Rohde). 

Type  im  Stettiner  Museum. 

Genus  Suracarta  n.  gen. 
Stirn  stark  blasig  aufgetrieben,  vorn  abgerundet,  seit- 
lich betrachtet  bildet  der  Unterrand  eine  abgestumpft'^ 
Ecke.  Pronotum  stark  gewölbt  mit  mehr  oder  minder 
scharfem  Mittelkiel  und  gerundetem  Hinterrand.  Schild- 
chen klein  und  quergerieft.  Deckflügel  2%-  bis  3  mal  so 
lang  wie  an  der  breitesten  Stelle  breit,  von  der  Mitte  ab 
allmählich  nach  hinten  verschmälert  und  stumpf  abgerundet ; 
Apicalteil  netzmaschig  geädert.  Die  Costa  verläuft  un- 
mittelbar hinter  dem  Costalrande ;  die  Subcosta  legt  sich 
an  den  Radius  an,  welcher  vor  der  Deckflügelmitte  gegabelt 
ist;  die  Media  und  der  Cubitus  sind  vor  der  Deckflügelmitte 
eine  kurze  Strecke  verschmolzen,  nach  ihrer  Trennung 
schließen  sie  die  dreieckige,  nach  hinten  stark  verbreiterte 
und  durch  einen  Gabelast  des  Cubitus  abgeschlossene  Dis- 
coidalzelle  ein.  Clavus  mit  zwei  Längsnerven,  welche 
durch  einen  feinen  Quernerv  verbunden  sind.  (Axillaris 
I  und  2.)  Clavushinterrand  im  Apicalteile  nach  unten 
umgeschlagen  (siehe  punktierte  Linie).  Flügel  ungefähr 
2^  mal  so  lang  wie  breit.  Die  Costa  ist  stark  entwickelt 
und  geht  in  den  Verbindungsnerv  über.  Die  Subcosta 
ist  nur  in  den  wenigsten  Fällen  angedeutet.  Der  Radius 
teilt  sich  in  der  Nähe  der  Basis;  der  Vorderast  ist  bis  zur 
Flügelmitte  fein  und  zart,  wird  dann  stark  und  gabelt  sich 
hinter  der  Flügelmitte,  der  äußere  Gabelast  ist  durch  eine 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


167 


rücklaufende,  geschwungene  Querader  mit  dem  Radius 
verbunden;  der  zweite  Radialast  ist  kräftig  entwickelt 
und  teilt  sich  in  der  Flügelmitte  und  steht  durch  einen 
Quernerv,  welcher  von  der  Basis  des  vorderen  Gabelastes 
ausgeht,  mit  dei)i  ersten  Radialaste  in  Verbindung;  die 
Media  ist  an  der  Basis  mit  dem  zweiten  Radialaste  verbunden ; 
der  Cubitus  ist  nicht  gegabelt.  In  der  Mitte  des  Vorder- 
randes befindet  sich  ein  dreieckiger  Vorsprung  mit  2  bis  4 
verschieden  entwickelten,  hakenförmigen  Anhängen,  welche 
nach  oben  gekrümmt  sind.  Weiter  apicalwärts,  hinter 
der  Flügelmitte,  trägt  das  Vorderfeld  eine  nach  oben  und 
rückwärts  gerichtete,  taschenähnliche  Ausstülpung,  welche 
als  Haftapparat  fungiert  und  hinter  den  umgeschlagenen 
Clavusrand  der  Deckflügel  faßt  und  so  Vorder-  und  Hinter- 
flügel verbindet.  Der  Höcker  der  Mittelbrust  ist  kleiner 
als  bei  der  Gattung  Gynopygoplax,  nach  vorn  geneigt  und 


Fig.  3.  Suracarfa  tricolor  tricolor  St.  Farg.  et  Serv.  ($).  l."* Vorder- 
flügel (die  punktierte  Linie  deutet  an,  wieweit  der  Umschlag  des  Clavus- 
Hinterrandes  reicht).  2.  Hinterflügel.  3.  Pronotumhinterrand  und  Schild- 
chen (die  punktierten  Linien  deuten  die  Pronotumeindrücke  an).  4.  Dorne 
der  Mittelbrust  (stark  vergrößert). 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


168 

niemals  conisch  geformt;  der  Hinterrand  ist  aufgebogen 
und  trägt  auf  jeder  Seite  zwei  Höcker.  Rostrum  bis  zu  den 
Mittelcoxen  reichend.  Die  Hinterschienen  tragen  an  der 
Basis  einen  verkümmerten  und  hinter  der  Mitte  einen 
kräftigen  Dorn.  Beim  $  ist  die  Subgenitalplatte  klein, 
fast  immer  von  dem  vorhergehenden  Sternit  verdeckt, 
daher  ist  nur  selten  ein  kleines  Stück  sichtbar,  welches 
jedoch  niemals  die  Wurzel  der  Legescheiden  bedeckt. 
Typus:    Suracarta  tricolor  St.  Faig.  et  Serv. 

Tabelle  zur  Bestimmung  der  Arten. 

I.'  Pronotum  hinten  breit  abgerundet  mit  mehr  oder 
minder  deutlichem  Mittelkiel,  rot,  gelb  oder  schwarz 
mit  breitem,  rötlichen  oder  gelbem  Saume;  Schild- 
chen braun  mit  rötlicher  oder  gelber  Spitze;  Deck- 
flügel im  Basalteil  mit  roten,  gelben  und  weißen 
Binden  oder  Flecken    2. 

—  Pronotum  nach  hinten  etwas  vorgezogen  und  ab- 
gerundet mit  deutlichem  durchlaufenden  Mittel- 
kiel, glänzend  schwarz ;  Schildchen  glänzend  schwarz ; 
Deckflügel  einfarbig  dunkelbraun  ohne  Zeichnung. 
Länge  28 — 30  mm.    Borneo.  ...   i.   S.  satanas  n.  sp. 

2.  Pronotum  schwarz  mit  breitem,  röthchen  oder 
gelbem  Randsaume;  Schildchen  braun;  in  der 
Kostalzelle  der  Deckflügel  ein  blutroter  Fleck; 
Rückensegmente  des  Hinterleibes  rot,  Bauchseg- 
mente schwarz  gefleckt.  Länge  23 — 25  mm.  Pala- 
wan 2.     S.    torquata    Jac. 

—  Pronotum  rot  oder  gelb;  Schildchen  braun  mit 
rötlicher  oder  gelber  Spitze;  im  Basalteil  der  Deck- 
flügei  rötliche,  gelbe  oder  weiße  Binden  oder  Flecke; 
Hinterleibsegmente  schwarz,  gelb  oder  rot  gerandet. 
Länge  20 — 26  mm.  Hinterindien  und  indischer 
Archipel 3-   S.    tricolor    St.    Farg.    et    Serv. 

Stett.  entomol.  Zelt.   1909. 


169 


Fig.  4.     Genus  Suracarta  n.  gen.    (Gonapo})liysen  der  .^,j    und  die 
Höcker  des  Hinterrandes  der  Mittelbrust  vor  den  Mittelcoxen.) 

1.  Gonapophysen  von  »S.  satanas  n.  sp. 

2.  Höcker  ,,      .,         „ 

3.  (ionapophysen  von  S.  torquata  Jac. 

4.  Höcker    .  ,,       .,         ,, 

5.  Gonapophysen  von  S.  tricolor  St.  Farg.  et  Öerv. 

6.  Höcker 

I.    Suracarta  satanas  n.  sp. 

I    c^-    I    ?• 

Pronotiim  nach  hinten  lappenartig  verlängert  inid 
stumpf  abgerundet  mit  vorgezogenen,  flachgerundeten 
Schulterecken  und  deutlichem  Mittelkiel;  die  seitlichen 
Hinterränder  sind  leicht  ausgeschnitten,  die  seitlichen 
Vorderränder  schwach  gewölbt;  außerdem  ist  das  Pronotum 
auffallend  stark  gewölbt  und  grob  punktiert  quergerieft. 
Schildchen  klein,  dreieckig,  quergerieft,  mit  einer  breiteren 
Grube  in  der  Mitte,  der  Basalteil  wird  von  dem  weit  nach 
hinten  vorspringenden  Pronotumlappen  verdeckt.  Scheitel 
gewölbt,  länger  als  zwischen  den  Ocellen  breit,  mit  geradem 
Vorderrand.  Stirn  blasig  aufgetrieben,  der  Vorder-  und 
der   Unterrand   bilden   unten   eine   deutliche,    abgestumpfte 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


170 

Ecke.  Brustzapfen  der  Mittelbrust  stark  entwickelt  und 
etwas  nach  vorn  geneigt.  Hinterrand  der  Mittelbrust  vor 
den  Mittelcoxen  mit  zwei  Höckern  (Fig.  4  Nr.  2),  die 
inneren  klein,  knöpf  artig  und  nur  halb  so  hoch  als  die  kräftig 
entwickelten,  kaum  merklich  rückwärts  geneigten  äußeren. 
Die  Gonapophysen  des  ^  (Fig.  4  Nr.  i)  sind  lang,  nach  hinten 
stark  verbreitert  und  tragen  an  den  inneren  Ecken  je  eine, 
auf  der  inneren  Seite  nicht  abgesetzte  kurze  Ecke,  die 
Außenecken  sind  breit  abgerundet.  Beim  $  ist  das  letzte 
Bauchsegment  in  der  Mitte  ganz  flach  ausgeschnitten. 
Schildchen,  Pronotum,  Kopf  (beim  <^  ist  die  Stirnfläche 
gelblich  braun)  und  Brust  glänzend  schwarz.  Augen  braun, 
Ocellen  glashell  und  milchweiß  gefärbt.  Zweites  Fühler- 
glied rauchschwarz  mit  gelbem  Saume.  Die  Rücken- 
segmente des  Hinterleibes  sind  rauchschwarz  gefärbt  und 
glänzend  mit  ockerfarbenen  Hinterrandsäumen  zu  den 
Seiten,  welche  sich  zum  Conexivum  hin  verbreitern.  (Beim 
(^  sind  die  beiden  Basalsegmente  indigoblau.)  Die  Bauch- 
segmente sind  schwarzbraun  mit  ockerfarbener  Fleckung. 
Beim  (^  ist  nur  ein  schmaler  Hinterrandsaum  ockerfarben, 
beim  $  dagegen  ein  breiterer  Hinterrandsaum  und  auf 
jedem  Segment  zwei  kurze  Quer  flecke  am  Vorderrande. 
Die  drei  letzten  Rückensegmente,  die  Afterröhre,  die  Scheiden- 
polster des  $,  die  Gonapophysen  des  ^  und  das  letzte  Bauch- 
segment beim  $  sind  rötlich  ockergelb  gefärbt.  Beine  mit 
Ausschluß  der  braunen  Schenkel  und  schwarzen  Dorn- 
spitzen der  Hinterschienen  und  der  Tarsen  ockergelb  bis 
orangerot.  Deckflügel  schwarzbraun,  im  Apicalteile  lichter; 
Flügel  rauchbraun  mit  schwarzen  Nerven  und  lichten  drei- 
eckigen Stellen  in  den  Zellen.  Das  Geäder  ist  wie  bei  S. 
tricolor  St.  Farg.  et  Serv. 

Länge  (^  30,  $  28  mm. 

Nord-Borneo  ( Waterstradt) . 

Typen  im  Stettiner  Museum. 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


171 

2.    Suracarta  torquata  Jacobi. 

Mitt.  ans  dem  zoolog.  Museum  Berlin  III.  I.  p.  12, 
Taf.   I,  Fig.  6  (1905). 

Von  dieser  Art  liegen  mir  2  ^(^  und  2  $$  vor,  daruater 
eine  Cotype,  welche  Herr  Prof.  Dr.  A.  Jacobi  gelegentlich 
eines  Besuches  am  Stettiner  Museum  der  Sammlung  im 
Tausch  überließ.  Die  Gonapophysen  der  ^,-^  von  5. 
torquata  sind  von  C.  hivittata  auffallend  verschieden,  sie 
zeigen  mehr  Verwandtschaft  mit  5.  satanas  und  S.  tricolor. 
Die  Gonapophysen  (Fig.  4  Nr.  3)  sind  hinten  und  an  den 
Außenseiten  gerade  und  bilden  rechtwinklige  Außenecken. 
Die  Dornzapfen  der  Mittelbrust  und  die  Höcker  am  Hinter- 
rande vor  den  ]\Iittelhüften  (Fig.  4  Nr.  4)  sind  ähnlich 
gebildet,   wie   bei   den   Arten   dieser    Gattung. 

Länge  23 — 25  mm. 

Palawan. 

Die  Typen  befinden  sich  in  der  Sammlung  des  oben 
erwähnten    Herrn    in    Dresden. 

2  c?(^  und  2  $?  (i  $  Cotype)  werden  im  Stettiner 
Museum  aufbewahrt. 

3.    Suracarta  tricolor  St.  Farg.  et  Serv. 
Cercopis  tricolor   St.    Farg.    et    Serv.,     Enc.     Meth.    X. 

p.  604  (1827). 
,,     Burm.,  Handb.  Ent.  I.  p.  124 

(1835)- 
Cosmoscarta  ,,  ,,     Stäl.,    Öfv.  Vet.-Ak.    Förh., 

p.    7i8(  1870). 

,,  Butl.,  eist.  Ent.  Lp.  245  (1874). 

,,     Dist.,  The  Fauna  of  British 

India,    Ceylon    and    Burma, 

Rh3mchota  IV.  p.  150  (1907). 

Diese    Art    umfaßt    eine    Anzahl   Formen,    welche    sich 

nach  dem  mir  vorliegenden  Material  in  zwei   Gruppen  zu- 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


172 

sammenfassen  lassen.  Gruppe  I  enthält  solche  Formen, 
bei  denen  die  Zeichnung  an  der  Basis  der  Deckflügel  5^  große 
Flecke  aufweist,  welche  zuweilen  bandartig  zusammen- 
geflossen auftreten,  von  Sumatra,  Nias  Perak  und  Java. 
(Distant:  Tenasserim,  Moolai,  Myitta.)  Die  Formen  der 
Gruppe  II  haben  6  Flecke  auf  der  Basis  der  Deckflügel, 
welche  stets  in  zwei  Reihen  geordnet  stehen;  diese  Formen 
sind    bis    jetzt    nur    von    Borneo    bekannt. 

Die  genaue  Untersuchung  des  sehr  umfangreichen 
Materials,  welches  mir  zur  Verfügung  steht,  veranlaßt 
mich,  zwei  als  eigene  Arten  beschriebene  Formen  von 
5.  tricolor  einzuziehen  und  in  den  Formenring  als  Sub- 
species  einzureihen.  (C.  basinotata  Butl.,  C.  Niobe  Bredd.) 
Die  specifischen  Merkmale,  die  Verschiedenheit  der  Merk- 
male, nach  denen  man  mit  Bestimmtheit  die  Arten  unter- 
scheidet, sind  eben  zu  wenig  verschieden,  um  Arten  darauf 
zu  begründen;  dagegen  berechtigte  die  Verschiedenheit 
in  der  Färbung  und  die  minimalen  Abweichungen  in  der 
Form  der  Höcker  am  Rande  der  Brust  vor  den  Mittel- 
hüften, welche  jedoch  nicht  immer  konstant  sind,  wenn 
man  die  verschiedenen  Fundorte  in  Betracht  zieht,  die 
Trennung  der  Formen  in  Subspecies.  Die  Untersuchung  hat 
ergeben,  daß  die  Penis  und  die  Gonapophysen  der  (^(^  bei 
den   verschiedenen   Formen    keine   Unterschiede   aufweisen. 

Pronotum  gewölbt,  mehr  oder  weniger  grob  punktiert 
quergerieft,  mit  deutlicher,  erhabener  Mittellinie  auf  der 
Vorderhälfte;  die  Schulterecken  sind  vorgezogen  und 
weniger  stumpf  abgerundet  als  es  bei  S.  satanas  und  5. 
torquata  der  Fall  ist;  der  Pronotumhinterrand  ist  vorgezogen, 
verdeckt  die  Basis  des  Schildchens  und  ist  breit  abgerundet. 
Schildchen  klein,  quergerieft,,  mit  einer  flachen  Grube 
auf  der  Scheibe.  Scheitel  gewölbt  und  ohne  Mittelkiel. 
Stirn-Scheitelteil  flachgedrückt,  Stirn  blasig  aufgeschwollen, 
Stirn-Unterrand    fast    gerade,    seitlich    betrachtet,    ist    eine 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


173 

abgestumpfte  Ecke  wahrzunehmen.  Von  den  beiden  Höckern 
(Fig.  4  Nr.  6)  am  Rande  der  Mittelbrust  vor  den  Mittel- 
hüften sind  die  inneren  stets  die  größeren  und  kräftigeren, 
die  kleineren,  äußeren  variieren  in  der  Größe  bei  den  ver- 
schiedenen Subspecies.  Deckflügel  rauchbraun  bis  schwarz 
mit  gelblichen,  weißen  oder  roten  Flecken  im  Basalteil, 
welche  auch  in  Bindenform  auftreten.  Gonapophysen 
der  (^(^  (Fig.  4  Nr.  5)  leicht  ausgeschnitten  mit  breit  ab- 
gerundeten Innenecken,  die  Außenecken  sind  gerade  gestutzt 
und  zu  den  Hinten-  und  Seitenrändern  eckig  abgesetzt 
und  dadurch   besonders  von   S.   torquata   verschieden. 

Länge  20 — 26  mm. 

Vaterland:     Hinterindien   und   die   malayischen    Inseln. 

Tabelle  zur  Bestimmung  der  Subspecies. 

1.  Die   Zeichnung   auf   dem    Basalteile   der    Deckflügel 
gelblich  oder  weiß 2. 

—  Die   Zeichnung   auf   dem    Basalteile   der    Deckflügel 
rot 6. 

2.  Die   Zeichnung  _  ist    fünf  fleckig,    in   Bindenform   und 
knochenfarben   (gelblich) 3. 

—  Die  Zeichnung  ist  sechsfleckig  und  elfenbeinfarben 
(weißlich)   4. 

3.  Pronotum  mennigrot;   Rückensegmente  des  Hinter- 
leibes   zu    den     Seiten    schwarz,    oben    mennigrot. 

Länge    23  % — 25  ^  2    nim.        Java 

I.   S.  tricolor  tricolor  St.  Farg.  et   Serv. 

—  Pronotum   ockergelb;    Rückensegmente   des   Hinter- 
leibes schwarz  mit  gelben  Hinterrandsäumen.    Länge 

24 1 '2 — 26    mm.       Sumatra,    Perak,    Nias 

2.  S.   tricolor  fasciata   n.   subsp. 

4.  Rückensegmente    schwarz    mit      schmalen,     gelben 
Hinterrandsäumen  S. 

Stett.  cntonio].  Zeit.   1900, 


174 

—  Rückensegmente  schwarz  mit  breiten,  gelben  Hinter- 
randsäumen, die  schwarze  Färbung  ist  oben  unter- 
brochen.      Länge    24    mm.       Borneo 

5.  S.   tricolor  basiplagiata  n.   subsp. 

5.  Kleinere  Form  mit  größeren  Flecken.  Länge 
20 — 22  mm.     Borneo.  .  .  6.    S.  tricolor  Niobe  Bredd. 

—  Größere    Form     mit     kleineren    Flecken.        Länge 

24 — 25  V2  rnm.     Borneo 

7.  S.    tricolor   borneensis    n.    subsp. 

6.  Sechs    Flecke    auf    dem    Basalteile    der    Deckflügel. 

Länge  21  mm.    (Butl.)     Borneo 

4.  S.    tricolor    basinotata    Butl. 

—  Fünf    Flecke    auf    dem    Basalteile    der    Deckflügel. 

Länge  22 — 26  mm.     Sumatra 

3.  S.    tricolor    rubroplagiata    n.    subsp. 

Gruppe   I. 

I.    Suracarta  tricolor  tricolor  St.  Farg.  et  Serv. 

Pronotum  mennigrot,  die  seitlichen  Vorderränder  und 
die  Schulterecken  sind  gelb  gesäumt.  Kopf  mennigrot. 
Augen  bräunlich;  Ocellen  glashell  und  gelblich.  Schildchen 
rötlich  dunkelbraun  bis  schwarz,  die  Spitze  heller  und 
rötlich  bis  mennigrot.  Deckflügel  rauchschwarz  mit  fünf 
zu  einer  Querbinde  verschmolzenen,  knochenfarbenen,  gelb- 
lichen Flecken  auf  dem  Basalteile;  Clavusgrund  rötlich. 
Flügel  rauchbraun  getrübt,  Flügelwurzel  rötlich.  Rücken- 
segmente des  Hinterleibes  mennigrot,  zu  den  Seiten  schwarz 
mit  mennigroten  Hinterrandsäumen;  Bauchsegmente 
schwarz  mit  mennigroten  Hinterrandsäumen.  Afterröhre 
gelb.  Brust  schwarz  oder  schwarzbraun,  ebenso  die  Schenkel 
der  zwei  letzten  Beinpaare  und  die  Basalhälfte  des  ersten; 
Schienen  mennigrot,  Tarsen  gelb,  Krallen  und  Hinter- 
schienen-Dornspitzen   schwarz.        Betreffs    der    Form    und 

Stett.  ontoniol.   Zeit.   1909. 


175 

Gestaltung    der    Deckflügel,    Flügel,    des    Pronotums    und 
Schildchens,    der    Mittelbrust    und    der    Gonapophysen    der 
(^(^  siehe  Fig.  3  und  Fig.  4. 
Länge  2314 — 251/2  mm. 

1  <S.  3  ??• 

Java  (H.  Fruhstorfer). 

Im  Stettiner  Museum. 

2  ??. 

Java. 

I  ?• 

Madura. 

Im    Königlichen    Museum    zu    Brüssel. 

2.    Suracarta  tricolor  fasciata  n.  subsp. 

2  ö"o^  4  ??• 

Pronotum  und  Kopf  ockergelb  gefärbt.  Augen  braun; 
Ocellen  glashell  und  gelblich.  Die  Pronotum-Schulter- 
ecken  und  die  seitlichen  Vorderränder  sind  hellgelb  gefärbt. 
Deckflügel  wie  bei  S.  tricolor  tricolor  mit  einer  aus  fünf 
Flecken  zusammengeflossenen,  schmutzigweißen,  knochen- 
farbencn  Querbinde  auf  der  Basis;  Clavusgrund  gelblich. 
Flügel  wie  bei  der  erwähnten  Art  mit  mehr  gelblicher 
Wurzel.  Die  Rücken-  und  Bauchsegmente  des  Hinter- 
leibes schwarz,  die  Hinterrandsäume  und  die  zwei  letzten 
Tergite  ockergelb  oder  rötlich  ockergelb;  Afterröhre  gelb. 
Brust  dunkelbraun;  die  Köpfe  und  Höcker  auf  dem  Rande 
der  Mittelbrust  gelblich.  Schenkel  gelb  mit  bräunlichem 
Tone  bis  dunkelbraun ;  Schienen  und  Tarsen  ockergelb, 
zuweilen  mit  rötlichem  Anfluge;  die  Spitzen  der  Dornen 
der   Hinterschienen   und   der  Tarsen  schwarz. 

Länge  24  V2 — 26  mm. 
West-Sumatra,  Pandjang. 
Typen  im  Stettiner  ^luseum. 

Stett.  eiitomol.  Zeit.   1909. 


176 

Diese  Siibspecies  ist  in  der  Färbung  von  den  übrigen 
verschieden  und  von  S.  tricolor  tricolor  besonders  dadurch, 
daß  die  Hinterleibsegmente  schwarz  gefärbt  sind  mit  ocker- 
gelben   oder    rötlich    ockergelben    Hinterrandsäumen. 

var.  evanescens  n.  var. 

1  ?• 

Die   knochenfarbene   Fleckenbinde   auf   dem    Basalteile 
der  Deckflügel  ist  in  fünf  stark  reduzierte  Flecke  aufgelöst. 
Länge  26  mm. 
Sumatra  (van  Landsberg). 
Type   im   Königlichen   Museum   zu   Brüssel. 

var.  perakana  n.  var. 

2  <^S,  I  ?. 

Die  knochenfarbene  Fleckenbinde  auf  dem  Basalteile 
der  Deckflügel  ist  in  fünf  Flecke  aufgelöst.  Der  zweite 
Fleck  ist  bedeutend  kleiner  als  die  übrigen  und  liegt  an 
der  Basis  der  Zelle  zwischen  Radius  und  Media,  die  Zelle 
zwischen  Media  und  Cubitus  an  der  Wurzel  der  Deckflügel 
ist  von  der  Grundfarbe. 

Länge  25  V2 — 26  mm. 

Perak. 

Tvpen  im  Stettiner  Museum. 

var.  niasensis  n.  var. 

I  ?• 

Von  der  vorhergehenden  Varietät  dadurch  verschieden, 
daß  der  zweite  Fleck  der  Binde  die  Basis  der  Zelle  zwischen 
Radius  und  Media  frei  läßt,  dagegen  die  Zelle  zwis(^hen 
Media  und  Cubitus  färbt. 

Länge  24  mm. 

Nias:    Goenoeng  Sitoli. 

Type  im  Stettiner  Museum. 

Slett.  ciitomol.  Zeit.   100!). 


177 

3-    Suracarta  tricolor  rabroplagiata  n.  subsp. 

60  ($<^,  62  ??. 

Kopf  und  Pronotum  mehr  oder  weniger  rötlich  ocker- 
gelb; einige  schmale  schwarze  Flecke  liegen  auf  jeder  Seite 
in  der  Nähe  des  Vorderrandes,  welche  auch  fehlen;  zu- 
weilen sind  die  seitlichen  Vorderränder  des  Pronotums 
schmal  ockergelb  gesäumt;  die  Stirnseiten  unter  den  Augen 
zeigen  eine  matt  bräunliche  Färbung;  Augen  grau  bis  braun; 
Ocellen  glashell  und  gelblich;  zwischen  den  Ocellen  und 
den  Augen  liegt  auf  jeder  Seite  am  Scheitelhinterrand 
in  den  meisten  Fällen  ein  schwarzer  Fleck.  Deckflügel 
mit  einer  fünf  fleckigen  Querbinde  auf  dem  Basalteile, 
welche  mehr  oder  weniger  rötlich  ockergelb  gefärbt  ist; 
zuweilen  ist  diese  Färbung  karminrot ;  Clavuswurzelfleck 
von  gleicher  Färbung.  Auffallend  ist,  daß  bei  dieser  Sub- 
species  die  Zelle  zwischen  Axillaris  2  und  dem  Clavus- 
hinterrand  niemals  gefleckt  ist.  Rücken-  und  Bauch- 
segmente des  Hinterleibes  schwarz;  ein  schmaler  Hinter- 
ra.ndsaum  der  Tergite,  welcher  in  der  Mitte  sich  auf  % 
des  Segmentes  ausdehnt,  und  ein  schm-aler  Hinterrand- 
saum der  Sternite  sind  rötlich  ockergelb  bis  karminrot 
gefärbt.  Schienen  und  Tarsen  ockergelb  bis  rötlich  ocker- 
gelb, Mittel-  und  Hinterschenkel  braun  bis  schwarzbraun, 
Vorderschenkel  zuweilen  matt  bräunlich.  Die  Spitzen 
der   Dornen   der   Hinterschienen   und    der   Tarsen   schwarz. 

Länge  22 — 26  mm. 

Sumatra:    Soekaranda  (Dr.  H.  Dohrn). 

Typen  im  Stettiner  Museum. 

var.  quadripunctata  n.  var. 

7  o"(^.  6  ??. 

Von  der  Stammform  dadurch  verschieden,  daß  vier 
Flecke  an  Stelle  der  Fleckcnbinde  auf  dem  Basalteile  der 
Deckflügel  vorhanden  sind. 

Stctt.  entomol.  Zeit.   ]i)ü!).  12 


178 

Länge  22 — 26  mm. 

Sumatra:    Soekaranda  (Dr.  H.  Dohrn). 

Typen  im  Stettiner  Museum. 

var.  tenasserimensis  n.  var. 

Cosmoscarta  tricolor  var.  Dist.,  The  Fauna  of  British 
India,  Ceylon  and  Burma,  Rhynchota,  Voh  IV.  p.  150, 
Fig.  105  (1907). 

Die  Beschreibung  und  Abbildung,  welche  Distant 
gibt,  als  richtig  voraussetzend,  unterscheidet  sich  diese 
Varietät  von  der  vorherbeschriebenen  dadurch,  daß  die 
schwarze  Färbung  der  Tergite  des  Hinterleibes  nur  zu 
den  Seiten  vorhanden  und  in  der  Mitte  unterbrochen  ist. 
Die  blutrote  Färbung  tritt  auch  bei  den  anderen  Varietäten 
auf,  besonders  wenn  die  Deckflügel  recht  dunkel  sind. 
Auffällig  an  der  Abbildung  ist  das  Fehlen  eines  Fleckes 
an  der  Deckflügelbasis  zwischen  Radius  und  Media,  der 
bei  allen  mir  vorliegenden  Varietäten,  mit  Ausnahme  von 
Unipunctata  und  einem  Stück  von  Quadrimaculata,  nicht 
nur  vorhanden,  sondern  auch  am  größten  ist.  Ohne  Kenntnis 
eines  typischen  Tieres,  nur  auf  Grund  der  Abbildung  und 
Beschreibung,  ist  es  jedoch  nicht  ratsam,  eine  Subspecies 
zu  gründen. 

Distant:  Length  excl.  tegm.  19  to  20;  exp.  tegm.  45 
to  48  millim. 

Hab.  Tenasserim. 

var.  tripunctata  n.  var. 

3  S^,  4  ??• 

Drei  Flecke  befinden  sich  an  der  Basis  der  Deck- 
flügel. 

Länge  22 — 26  mm. 

Sumatra:    Soekaranda  (Dr.  H.  Dohrn). 

Typen  im  Stettiner  Museum. 

Stctt.  entomol.  Zeit.   U109. 


179 

var.  bipunctata  n.  var. 

3  c^^.  4  ??• 

Die  beiden  Flecke  auf  dem  Basalteile  der  Deckflügel 
sind  blutrot,  der  erste  liegt  in  der  Costalzelle  und  der 
zweite  an  der  Wurzel  zwischen  Radius  und  Media. 

Länge  22 — 26  mm. 

Sumatra:    Soekaranda   (Dr.  H.  Dohrn). 

Typen  im  Stettiner  Museum. 

var.  unipunctata  n.  var. 

I  (?.  I  ?■ 

Ein  blutroter  Fleck  steht  auf  der  Erliöhung  im  Costal- 
raume. 

Länge  26  mm. 

Sumatra:    Soekaranda   (Dr.  H.  Dohrn). 

Typen  im  Stettiner  Museum. 

Es  scheint  mir  nicht  ausgeschlossen  zu  sein,  daß  auch 
Stücke  vorkommen,  bei  denen  die  Deckflügel  einfarbig 
sind,  ohne  jeglichen  Fleck. 

Gruppe   II. 

4.    Suracarta  tricolor  basinotata  Butl. 
Cosmoscarta  basinotata    Butl.    Cist.    Ent.     L    p.    245, 

Taf.  8.  Fig.  2  (1874). 
,,  ,,  ,,       Dist.     The     Fauna     of 

British  India,  Cey- 
lon and  Burma, 
Rhynchota  IV.  p. 
151   (1907).  ,_ 

Originalbeschreibung : 

Form  of  C.  tricolor;  differs  chiefly  in  having,  the 
tegmina  crossed  at  base  by  a  patch  of  six  red  spots  (that 
on  the  clavus  being  mor  or  less  bifid)  instead  of  the  pale 
testaceous  band;  and  in  the  narrower  and  interrupted 
red  bands  margining  the  scgments  on  dorsum  of  abdomen. 

Stctt.  entonu)!.   Zeit.   1909.  VZ  ' 


180 

Length    21    mill.;    expanse   of   tegmina   47. 

Sarawak  (Wallace).  Five  specimens.  B.  M.  This  is 
cortainly  distinct  from  C.  tricolor,  with  which,  however, 
it    was    formerly    associated    in    oiir    collection. 

Diese  Subspecies  liegt  mir  nicht  vor. 

5.    Suracarta  tricolor  basiplagiata  n.  subsp. 

In  Gestalt  und  Größe  mit  Borneensis  übereinstimmend 
ist  diese  Subspecies  in  der  Zeichnung  von  der  genannten 
und  von  Niobe  zu  trennen,  von  Niohc  unterscheidet  sie 
auch  das  feiner  punktierte  und  gerunzelte  Pronotum. 

Auf  dem  Basalteile  der  Deckflügel  befinden  sich  sechs 
elfenbeinfarbene  (weiße)  große  Flecke,  welche  wie  folgt 
verteilt  sind.  Einer  befindet  sich  im  Costalraum,  einer 
an  der  Wurzel  im  Corium,  zwei  dahinter  im  Corium  getrennt 
durch  die  Verschmälzung  von  Cubitus  und  Media,  ein 
weiterer  steht  in  der  ersten  Clavuszelie  zwischen  Ulnaris 
und  Axillaris  i,  der  letzte  und  sechste"  dehnt  sich  von  der 
Axillaris  i  bis  an  den  Clavushinterrand  aus  und  ist  eigent- 
lich ein  Doppelfleck,  denn  die  Axillaris  2  tritt  braun  gefärbt 
von  den  Seiten  etwas  hinein.  Die  Wurzel  des  Clavus  ist 
schmutzig  weiß  gefärbt.  Hinterleibsegmente  unten  schwarz 
und  hinten  breit  gelb  gesäumt,  oben  zu  den  Seiten  schwarz, 
die    Mitte    und    ein    breiter    Hinterrandsaum    gelb. 

Länge  24  mm. 

Borneo  (Coli.  Nonfried). 

Type  im  Stettiner  Museum. 

6.    Suracarta  tricolor  niobe  Brcddin. 
Cosmoscarta  Niobe    ßredd.,    Deutsch.    Ent.    Zeitschr., 
p.  83   (1903). 

Originalbeschreibung : 

2.      C.    tricolori   St.   Farg.   et    Serv.   et   C.   basinotatae 

Stett.  eutomol.  Zeit.  1909. 


181 

Biitl.  affinissima  et  quoad  signatiiram  tegminum  huic 
speciei  simillima,  differt: 

Corpore  paiilulo  minore  pronotoque  angiistiore.  Pronoto 
fuscescenti-punctato,  callositatibus  numerosis  vermicularibus 
latiusculis  inter  puncta  distinctissime  intermixtis  scabro. 
Linea  elevata  mediana  pronoti  saltem  anterius  distincta. 
Pronoto  antice  verticeque  basin  versus  dilute  picescentibus. 
Tegminum  basi  maculis  sex  albidis  notata,  praeterea  (quod 
in  speciminibus  C.  basinotatae  a  me  cxaminatis  nunquam 
vidi)  basi  areae  costalis  corii  basique  clavi  dilute  l'lavis. 
Dorso  abdominis  nigro;  limbo  augustissimo  apicali  seg- 
mentorum,  medio  antrorsum  in  maculum  minutam  dilatato, 
flavo. 

Long,  cum  tegm.  22  mill.,  Lat.  hum.  8 1/2— 9  "^iH- 
Borneo  (Kina  Balu  Mons,  coli.  mea). 

3  <S^>  5  ??. 

Zur  Diagnose,  welche  Breddin  gibt,  sei  noch  hinzu- 
gefügt, daß  bei  sechs  Exemplaren'  des  mir  vorliegenden 
Materials  die  äußeren  Höcker  auf  dem  Hinterrande  der 
Mittelbrust  vor  den  Mittelhüften  im  Vergleich  zu  den  übrigen 
Subspecies  viel  kleiner  sind.  Die  Schildchenspitze  (die 
hintere  Hälfte  des  Schildchens)  ist  bis  zum  Hinterrande 
der  Schildchengrube  ockergelb  gefärbt.  Die  Punktierung 
und  Querrunzclung  auf  der  Pronotumfläche  ist  viel  gröber 
als  bei  Basiplagiata  und  Bomecnsis;  zuweilen  sind  die 
Grubeneindrücke  und  der  dazwischen  Hegende  Teil  bis 
an  den  Vorderrand  braun  gefärbt.  Die  Flecke  auf  der  Deck- 
flügelbasis sind  kleiner  als  bei  der  vorher  beschriebenen 
Subspecies,  doch  zeigen  sie  die  gleiche  Anordnung;  die 
Clavusbasis  ist  ockergelb  gefärbt. 

Länge  20—22  mm, 

3  c^c^.  4  ??• 

Nord-Borneo  (Waterstradt) . 

Im  Stettiner  Museum. 

Stctt.  eutoiuol.  Zeit.   l'JÜ9. 


182 

I  ?. 

Borneo,   Sarawak. 

Im  Königlichen  Museum  zu  Brüssel. 

7.    Suracarta  tricolor  bomeensis  n.  subsp. 

5   c^c^.   II  ??. 

Von  Niobe  Breddin  dadurcli  ausgezeichnet,  daß  die 
Flecke  auf  dem  Basalteile  der  Deckflügel  kleiner  sind,  die 
Clavuswurzel  nicht  ockergelb  gefärbt  ist,  sondern  die  dunkel 
rauchbraune  Grundfarbe  trägt.  In  der  Größe  sind  die 
beiden  Subspecies  gleichfalls  verschieden.  Die  Pronotum- 
punktierung  und  Runzelung  ist  feiner.  Bauchsegmente 
schwarz  und  ockergelb  bis  rötlich  ockergelb  gesäumt; 
Rückensegmente  schwarz  und  schmal  ockergelb  bis  rötlich 
ockergelb  gesäumt;  in  den  meisten  Fällen  tritt  die  schwarze 
Färbung  an  den  Hinterrand  und  läßt  nur  oben  und  zu 
den  Seiten  dreieckige  ockergelbe  oder  rötlicli  ockergelbe 
Flecke  bestehen. 

Länge  24 — 25 14  rn^n- 

Nord-Borneo  (Waterstradt). 

Typen  im  Stettiner  Museum. 

var.  nigrifrons  n.  var. 

I  ?. 

Die  Pronotumgruben  hinter  dem  Vorderrande  und 
der  Raum  dazwischen  bis  an  den  Vorderrand  sind  glänzend 
schwarz  gefärbt. 

Länge  25  mm. 

Nord-Borneo  (Waterstradt). 

Type  im  Stettiner  Museum. 

Genus  Serapita  n.  gen. 
Die  Bildung  des  Kopfes,  der   Stirn  und  des  Scheitels, 
sowie  die   Stellung  der  Augen  und  der  Ocellen  ist  wie  bei 
der   Gattung   Suracarta.      Das   Geäder  der   Deckflügel  und 

Stett.  entotnol.  Zeit.   1009. 


183 

der  Flügel  ist  gleichfalls  wie  bei  der  erwähnten  Gattung 
(Fig.  3  Nr.  I  und  2).  Die  Form  und  Gestaltung  des  Pro- 
notums,  des  Schildchens  und  der  Mittelbrust  ist  jedoch 
von  Suracarta  recht  verschieden.  Pronotum  stark  gewölbt 
und  hinten  ausgeschnitten,  die  seitlichen  Vorderränder 
sind  schwach  gerundet,  die  seitlichen  Hinterr'inder  schwach 
ausgeschnitten,  der  Hinterrand  ist  rundlich  gewölbt  und 
aufgebogen.  Schildchen  groß  und  stark  quergerieft  mit 
großer  flacher  Mittelgrube  und  zwei  Gruben  am  Vorder- 
rande, welche  zuweilen  weniger  deutlich  sind.  Der  Hinter- 
rand der  Mittelbrust  vor  den  Mittelcoxen  ist  blattartig 
und  aufgerichtet  ohne  Höcker;  die  Höcker  der  Mittelbrust 
sind  nicht  conisch,  sondern  vorn  und  hinten  abgeflacht 
und  weniger  hervorstehend  als  bei  der  Gattung  Suracarta. 

Typus:    Serapita  charon  White. 


Fig.  5.  Serapita  charon  White  ($).  Nr.  1.  Schildchen  und  Apical- 
teil  des  Pronotum  (die  punktierten  Linien  bezeichnen  die  Pronotum- 
eindrücke).     Nr.  2.     Mittelbrust  (stark  vergrößert). 

Von    dieser    Gattung    liegen    mir    2    Arten    vor,    deren 
Haupt-Unterscheidungsmerkmale  ich  kurz  folgen  lasse. 

Hinterrand  der  Mittelbrust  vor  den  Mittelhüften 
blattartig,  aufgerichtet  imd  so  hoch  wie  der  Zapfen 
der  Mittelbrust;  die  Färbung  der  Beine  usw.  ist 
blutrot;  größere  Art.  Länge  2114  rnm.  Philippinen. 
I .   S.    charon    White 

—  Der    Hinterrand    der    Mittelbrust    ist    niedriger    als 

Stett.  entomol.  Zeit.    1909. 


18J: 

der  Zapfen  der  Mittelbrust;  die  Färbung  der  Beine 
usw.  ist  bräunlich  ockergelb;  kleinere  Art.  Länge 
19  mm.     Patria  ?    2.   S.  Zaumseili  n.  sp. 

I.    Serapita  charon  White. 
Cercopis    charon  White,  A.  M.  N.  H.  XV.  p.  35  (1845). 

Walk.,     List    of    Hom.     Ins., 

in.  p.  654  (1851). 

Cosmoscarta  ,,  ,,       Stäl,   Öfv.-Ak.    Förh.,    p.    719 

(1870). 
,,  ,,  ,,       Butl.,    eist.    Entomologica,    I. 

p.  248  (1874). 
White:  ,,0f  a  deep  black,  the  thorax  in  some  specimens 
with  a  deep  blue  tinge.  Legs  and  margins  of  abdominal 
segm.ents  of  a  reddish  yellow.  Leng'th  10  lines.  Hab. 
Philippine  Island.  Very  near  to,  if  not  the  same  as  C.  viri- 
dans,   Guerin  in  Belanger,  Voy.  t.  3  f.   J." 

Nachstehend  folgt  die  Beschreibung  des  mir  vorliegenden 
Exemplares. 

Kopf,  Pronotum  und  Schildchen  dunkel  olivengrün, 
glänzend,  mit  grünlichem  Schiller.  Deckflügel  matt  glänzend, 
dunkelbraun,  mit  leicht  rötlich  violettem  Schiller.  Der 
Costalraum  ist  dunkeler  als  das  Corium  und  zeigt  grünlich- 
violetten Schiller.  Flügel  rauchbraun  getrübt  mit  schwarzen 
Nerven.  Augen  graubraun,  Ocellen  glashell  und  gelblich. 
Das  Rostrum,  die  Beine  mit  den  Coxen,  die  drei  letzten 
Rücken-  und  die  zwei  letzten  Bauchsegmente,  die  After- 
röhre, die  Scheidenpolster  und  die  Rücken-  und  Bauch- 
segmente zu  den  Seiten  sind  blutrot  gefärbt.  Bauch- 
segmente dunkelbraun  und  speckig  glänzend;  Rücken- 
segmente schwarzbraun,  glänzend,  mit  bläulichem  Schiller. 
Krallen  braun;  die  Spitzen  der  Dornen  der  Hinter- 
schienen  schwarz.      Fühler   rötlich   ockergelb. 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


185 

Pronotum  punktiert  und  quergcnnizelt  mit  deutlichem 
Mittelkiel  und  zwei  seitlichen  Eindrücken  zwischen  den 
Schulterecken  und  dem  Hinterrande,  außerdem  stehen 
hinter  dem  Vorderrande  auf  jeder  Seite  tiefere  Eindrücke. 
Scheitel  gewölbt  und  glatt.  Rostrum  reicht  bis  zur  ]Mitte 
der  Mittelcoxen.  Der  Hinterrand  der  Mittelbrust  vor  den 
Mittelcoxen  ist  blattartig  und  aufgerichtet  ohne  Höcker; 
die  Höcker  der  ^Mittelbrust  sind  vorn  und  hinten  abgeflacht 
und   so   hoch   wie   der   Hinterrand. 

Länge  21I/2  mm,  Länge  des  Körpers  17I/2  mm,  Deck- 
flügellänge   18    mm,    größte    Breite    7    mm. 

Philippinen. 

Dieses  Exemplar  wird  im  zoologischen  Museum  zu 
Stettin  aufbewahrt. 

2.    Serapita  Zaumseili  n.  sp. 

I  ?• 

Diese  Art  ist  der  5.  chavon  White  sehr  ähnlich  und 
stimmt  in  der  Färbung  der  Deckflügel  und  der  Flügel,  des 
Schildchens,  des  Pronotums  und  des  Kopfes  mit  der  ge- 
nannten Art  überein;  die  übrige  Färbung,  die  Größe  und 
die  Bildung  der  Mittelbrust  sind  sehr  verschieden.  Die 
Färbung  der  Beine,  des  Rostrums,  der  letzten  Rücken- 
und  Bauchsegmente,  der  Afterröhre,  der  Scheidenpolster 
und  die  Seiten  der  Bauch-  und  Rückensegmente  ist  bräunlich 
ockergelb.  Hinterrand  der  Mittelbrust  vor  den  Mittelcoxen 
wie  bei  Charon  gebildet,  aber  niedriger;  die  Mittelbrust 
gewölbter  und  die  Höcker  überragen  den  Hinterrand. 

Länge  19  mm,  Länge  des  Körpers  15  mm,  Deckflügel- 
länge 16  mm,  größte  Breite  6Y2  mm. 

Patria:?     Coli.    Camillo    Van    Voixem     (5353). 

Type  im  Königlichen  zoologischen  Museum  zu  Brüssel. 

Diese  Art  benenne  ich  zu  Ehren  des  Herrn  Obergärtner 
C.    Z  a  u  m  s  e  i  1    in  Stettin. 

Stett.  entomol.  Zeit.   190!). 


186 


Verzeichnis  der  Genera,  Speeies,  Subspecies 

und  Varietäten..  Seite 

Gonopygoplax  n.  gen.     , 147 

Grelaki  11.  sp 153 

proserpina  White 154 

Meyeri  n.  sp 156 

Cüstalis  Walk 157 

theora  White    158 

Uizonensis  n.  sp 160 

proserpinella  n.  sp 161 

phitonica  Biitl 162 

submaculata  Walk 163 

1                      ,,             var.    flava  n.  var 164 

sumatrensis  n.  var.  .  164 

borneensis  Bredd.    .  .  164 

unifasciata  n.  sp 165 

Suracarta  n.  gen 166 

,,         satanas  n.  sp 169 

torquata  Jac 171 

,,         tricolor    St.  Farg.  et  Serv 171 

tricolor  St.  Farg.  et  Serv 174 

,,               ,,         fasciata     n.  sp *.  .  175 

,,               ,,               ,,           var.  evanescens  n.  var...  176 

,,                „               ,,             ,,     perakana  n.  var.   .  .  .  176 

„               ,,               ,,             ,,     niasensis  n.  var.      .  .  176 

,,               ,,         rubroplagiata  n.  subsp 177 

,,  „  ,,  var.    quadripunctata 

n.  var 177 

,,  ,,  „  ,,       tenasserimensis 

n.  var 178 

,,  ,,  ,,  ,,       tripunctata      n. 

var 178 

,,  ,,  ,,  ,,       bipunctata      n. 

var 179 

Stett.   entomol.   Zeit.    1909. 


187 

Suracarta    tricolor    rubroplagiata   wir.    imipunctata     n. 

var 179 

basinotata  Butl 179 

basiplagiata  n.  subsp 180 

niobe  Bredd 180 

borneensis  n.  subsp 182 

,,  var.  nigrifrons  n.  var.    .  182 

Serapita  n.  gen 182 

charon  White    184 

,,         Zaumseili  n.  sp 185 


Zwei  neue  Fulgoriden  aus  dem 
Stettiner  Museum. 

Von   E«liiiiiiifl    Selimidf,   Stettin. 


Genus  Enchophora  Spinola. 
Ann.  Soc.  Ent.  Fr.  VIII,  p.  221  (1839). 
Typus:  Enchophora  recurva  Oliv. 

Enchophora  eminenta  n.  sp. 

I  ?• 

Diese  auffallend  gefärbte  Art  ist  am  nächsten  ver- 
wandt mit  E.  vividipennis  Spinola  (Ann.  Soc.  Ent.  Fr.  VIII, 
p.  225,  Taf.  12,  Fig.  3,  1839)  ^^^^  ^-  P>'(^shm  Gerstaecker 
(Mitt.  des  Naturw.  Ver.  für  Neu- Vorpommern  und  Rügen 
XXVII,  S.  37,  1895). 

Kopffortsatz  senkrecht  aufgerichtet  und  keulenförmig 
verdickt,  mit  scharfen  Kielen;  seitlich  betrachtet  besitzt 
der  Hinterrand  an  der  Basis  und  in  der  Mitte  eine  tiefe 
Einbuchtung;  der  Vorderrand  bildet  keine  Ecken  wie  es 
bei  E.  prasina  Gerst.  der  Fall  ist,  sondern  verläuft  bogig 
bis  zur  Spitze;  die  größte  Breite  liegt  etwas  unterhalb  der 
Spitze,   bei   der   zum   Vergleich   genommenen   Art   etwa   in 

Stett.  entomol.   Zeit.    1909. 


der  Mitte.  Scheitel  wenig  kürzer  als  breit,  mit  deutlicher 
Mittelfurche.  Der  Mittellängskiel  des  Pronotum  ist  kurz 
vor  dem  Hinterrande  zu  einer  spitzen  Ecke  aufgehoben 
und  erlischt  dort,  erreicht  den  Hinterrand  nicht.  (Bei  der 
Gerstaeckerschen  Art  bildet  der  Mittelkiel  kurz  hinter  der 
Mitte  die  Ecke  und  setzt  sich  bis  an  den  Hinterrand  als 
schwacher  Kiel  fort.)  Der  Mittellängs^:;:'^.  des  Schildchens 
ist  bei  der  neuen  Art  scharf,  fast  kammartig. 

Die  Seiten  des  Kopfes,  die  Stirn,  der  Kopffortsatz 
und  die  Vorderhälfte  des  Scheitels  sind  rötlicli  ockergelb 
gefärbt;  die  hintere  Hälfte  des  Scheitels,  der  Hinterkopf, 
der  Pronotummittelkiel  und  der  Pronotumvorderrand  sind 
ockergelb  gefärbt.  Zweites  Fühlerglied  mattrötlich  ocker- 
gelb, erstes  Fühlerglied  und  Wurzelglied  mattblutrot  ge- 
färbt. Augen  braun;  Ocellen  glashell  auf  dunbelkraunem 
Grundj.  Die  Kopffortsatzspitze  und  ein  Fleck  auf  jedem 
Stirnseitenrande  vor  den  Fühlern  sind  schwarz  und  glänzend. 
Clipeus  in  der  Vorderhälfte  braun,  mit  blutrotem  Mittel- 
kiel und  zwei  blutroten  Längsstreifen,  die  äußeren  Vorder- 
ecken sind  ockergelb;  Clipeushinterhälfte  blutrot.  Prono- 
tum und  Schildchen  blutrot;  Schildchenspitze,  Schildchen- 
mittelkiel, Flecke  und  Körnchen  auf  Schild  und  Pronotum 
gelblich-weiß.  Beine  mehr  oder  weniger  ockergelb  und 
mit  blutroter  Färbung  überzogen;  die  Spitzen  der  Dornen 
der  Hinterschienen  und  der  Tarsen  schwarz.  Rückenseg- 
mente braun,  mit  ockergelben  Hinterrandsäumen;  Bauch- 
segmente braun,  zu  den  Seiten  blutrot  angehaucht.  Äfter- 
röhre  orangerot,  Scheidenpolster  wie  die  Bauchsegmente 
gefärbt,  mit  breitem  ockergelbem  Saume;  die  sichtbaren 
Spitzen  der  Legescheide  sind  glänzend  schwarz.  Deck- 
flügel kräftig  ockergelb,  besonders  im  Costalraum,  an  der 
Wurzel  und  im  Clavus  am  Schildchenrande;  die  Längs- 
nerven des  Coriums  erscheinen  matt  grünlichgelb;  ein 
breiter    Apicalsaum,     beginnend    am    Costalrande    bei    der 

Stett.  entomol.  Zeit.   190S). 


189 

Gabelung  des  Radius  und  bis  zur  Clavusspitze  reichend, 
ist  bräunlich  orangerot  gefärbt;  der  Costalsaum  ist  weiß- 
lich und  setzt  sich  bis  zur  Clavusspitze  fort,  den  Apical- 
saum  von  der  Coriumsfärbung  trennend;  außerdem  stehen 
im  Costalraum  drei  kleinere,  dunkel  blutrote  Flecke, 
zwei  etwas  kleinere,  im  Corium  hinter  der  Deckflügelmitte 
und  zwei  größere  in  der  Cubitalzelle  an  der  Clavus-Coriura- 
naht.  Flügel  matt  orangerot  (mit  der  Lupe  betrachtet 
lebhaft  orangerot);  Apicalspitze  hyalin,  ockergelb  getrübt, 
mit  ockergelben  Nerven;  Flügelhinterrand  hyalin,  weiß- 
lich grau,  mit  orangeroten  Nerven.  Eine  weiße  Wachs- 
bestäubung bedeckt  den  Hinterleib,  die  Unterseite  der 
Deckflügel  und  Flügel,  hin  und  wieder  auch  die  Oberseiten 
der  Flugorgane. 

Länge  25  mm;  Länge  des  Körpers  21  mm,  des  Kopf- 
fortsatzes  3%   mm;    Deckflügellänge   21   mm. 

Brasilien:    Pebas  Nov.   Dez.   1906   (M.   de  Mathan   S.). 

Genus  Flatosoma  Melichar  *). 
Ann.  Hofmus.  Wien  XVI,  S.  244  (1901). 
Typus:    Flatosoma  Sigv.orcti  IMelichar. 

Flatosoma  diastola  n.  sp. 

Flatosoma  comma  Melichar  (nee  Walker),  Ann.  Hofmus. 
Wien  XVI,   S.  245,  Taf.  VII.,  Fig.  14  (1901). 

I  ?. 

Stirn  zweimal  so  lang  wie  breit,  mit  deutlichem  Mittel- 
kiel ;  die  geschärften  und  aufgebogenen  Seitenränder  sind 
in  der  Mitte  vorgezogen  und  bilden  stumpf  abgerundete 
Ecken.     Scheitel  vom  Pronotum  verdeckt.     Pronotum  vor- 

*)  In  der  Gattungsbeschreibung  steht,  daß  die  Hinterschienen  zwei 
Dorne  tragen.  Von  FL  SUjnorcÜ  Mehch.  liegen  mir  zwei  $$  vor.  von 
denen  nur  das  eine  an  der  rechten  Hinterschiene  zwei  Dorne  trägt, 
die  hnke,  wie  das  zweite  ^,  nur  einen  Dorn.  FI.  diastola  n.  sp.  trägt 
gleichfalls  nur  einen  Dorn  an  jeder  Hinterschiene.  Demnach  muß  es 
für  die  Gattungsdiagnose  heißen:  ..Hinterschienen  mit  1  bis  2  Dornen"'. 
Stctt.  entomol.  Zeit.    1009. 


190 

gezogen,  gestutzt,  vorn  in  der  Mitte  leicht  ausgeschnitten, 
mit  abgerundeten  Vorderecken  und  drei  Längskielen;  der 
Mittelkiel  ist  durchlaufend,  die  Seitenkiele  sind  nach  vorn 
konvergierend  und  erreichen  nach  hinten  etwa  die  Pronotum- 
mitte.  Schildchen  mit  drei  parallel  verlaufenden  Längs- 
kielen, welche  in  blasig  angeschwollener  Schildchenspitze 
enden.  Hinterschienen  mit  einem  Dorn  vor  der  Spitze. 
Kopf,  Pronotum  und  Schildchen  gelb.  Augen  dunkelbraun; 
zweites  Fühlerglied  am  Ende  angebräunt,  Fühlerborste 
bräunlich.  Die  Schienen  und  Tarsen  der  vier  Vorderbeine, 
die  Tarsen  des  letzten  Beinpaares  und  die  Spitzen  der 
Dornen  der  Hinterschienen  und  der  Tarsen  sind  schwarz 
gefärbt,  die  Schenkel  der  Beine  vuid  die  Schienen  des  letzten 
Beinpaares-  gelblich  weiß.  Deckflügel  länglich  oval  mit 
einer  Subapicallinie,  welche  sich  mit  dem  n.  costalis  ver- 
bindet, bis  zur  Clavusspitze  reicht  und  weit  vom  Costal- 
rande  verläuft,  und  bogenförmig  gekrümmten,  rippen- 
artig vorstehenden  n.  ulnaris  ext.;  die  Endnerven  sind 
lang  und  gegabelt.  Die  Färbung  der  Deckflügel  ist  gelb, 
im  Clavus  und  Costalraum  intensiver  als  im  Corium;  der 
Randnerv  bis  zur  Clavusspitze  und  ein  bogiger  Strich  im 
Corium,  welcher  nach  hinten  offen  ist,  sind  schwarz  gefärbt. 
Flügel  milchweiß  mit  weißen  Nerven.  Der  Körper,  die 
Flügel  und  die  Deckflügel  sind  mit  einer  weißen  Wachs- 
bestäubung versehen. 

Länge  24  mm. 

Nord-Borneo  (Waterstradt). 

Genus  Bythopsyrna  Melichar. 
Ann.  Hofmus.  Wien  XVI,   S.  224  (1901). 
Typus:    Bythopsyrna  circulata   Guer. 

Bythopsyrna  Dohrni  Schmidt. 
Stett.  Ent.  Zeit.  LXV,   S.   188  (1904). 

Stett.   tMitomol.   Zeit.    1909. 


191 

var.  borneensis  n.  var. 

I  ?• 

Diese  Varietät  ist  dadurch  ausgezeichnet,  daß  die 
schwarze  Färbung  auf  Kopf,  Pronotum  und  Schildchen 
stark  reduziert  ist.  Die  zwei  schwarzen  Flecke  auf  dem 
Pronotum  sind  rundlich  und  liegen  zwischen  den  Seiten- 
kielen weit  voneinander  getrennt  und  erreichen  nicht 
einmal  die  Pronotummitte.  Die  acht  schwarzen  Flecke 
des  Schildchens  sind  gleichfalls  rundlich  und  stehen  auch 
weiter  voneinander  getrennt.  Bei  Dohrni  erreichen  die 
Pronotumflecke  fast  den  Hinterrand;  die  Schildchenflecke 
sind  so  ausgedehnt,  daß  sie  sich  fast  berühren,  zuweilen 
fließen  die  vier  Flecke  der  Scheibe  zusammen  und  bilden 
infolgedessen    zwei    schwarze    Längsstreifen. 

Länge  26  mm. 

Nord-Borneo  (Waterstradt). 


Aiiliang. 

Genus  Saiva  Distant. 
The    Fauna    of    British    India,     Ceylon     and    Burma, 
Rhynchota  Vol.   III,  p.   192   (1906). 
Typus:    Saiva  gemmata  Westw. 

Saiva  cardinalis  Butler. 
Fulgora  cardinalis    Butl.,    A.    M.    N.    H.    XIV,    p.    131 

(1874)- 
Schmidt,    Stett.    Ent.    Zeit.    LXVI, 
S.  356  (1905). 

Genus  Flatopsis  Melichar. 
Ann.  Hofmus.  Wien  XVII,   S.  51   (1902). 
Typus:    Flatopsis  nivea  Sign. 

Slctt.   entomol.   Zeit.    l!)Oi). 


192 


Flatopsis  nivea  Signoret. 
Phyllyphanta  nivea  Sign.,  Ann.  Ent.  Soc.  Fr.    3.    VIII, 

p.  200  (1860). 
Flata  ,,        „    Stäl,  Hern.  Afr.  IV,  p.  242  (1866). 

,,    nigropunctata     ,,    Stal,  Hern.  Afr.  IV,  p.  243  (1866). 
Flatopsis    nivea  ,,    Melicli.,     Ann.     Hofmus.     Wien 

XVII,   S.  52  (1902). 
Plwma  basipimctata  ,,    Schmidt,       Stett.      Ent.      Zeit. 

LXVII,   S.  209  (1906). 


Neise  Arten  aus  der  Gattung  Tefflus, 

Beschrieben  von  Clar.  StersBljerg-,  Stralsund. 

I. 


Tefflus  discedens  n.  spec 

I  c?'  3  ?  (coli.  aut.).  ^  Länge  31  mm,  Breite  12  mm; 
$  Länge  29 — 33  mm,  Breite  12 — 13  mm.  —  Kibwezi  (Wa- 
kamba,    nordöstl.    vom    Kilimandjaro). 

Gehört,  da  die  Flügeldecken  nur  6  Rippen  tragen, 
zum  Subgenus  Archotcfflus  Kolbe  und  muß  hier  neben 
T.  ninansaniis  Kolbe  gestellt  werden.  Ganz  schwarz 
und  auf  der  unteren,  wie  oberen  Seite  stärker  als  die 
vorgenannte  Art  glänzend,  unterscheidet  sich  diese  neue 
Art  von  der  letzteren  durch  den  tiefer  punktierten  und 
stärker  gerunzelten,  auch  breiteren  und  an  den  Seiten 
stärker  und  eckiger  vorgezogenen  Thorax,  sowie  durch 
die  proximal  stärker  verschmälerten  Flügeldecken  und 
die  stärkeren,  erheblich  höheren  Rippen  derselben.  — 
Der  cjuadratische  Kopf  verschmälert  sich  nur  wenig 
neben  Clypeus  und  Kopfschild  und  hat  eine  flache  Ober- 
fläche mit  schmalem,  kräftigen  Seitenkiel  und  breitem, 
schwach  konvexen  Mittelwulst.    Die  hier  zwischen  liegenden 

Stctt.   eilt  omni.   Zeit.    li)0!). 


193 

Seitenvertiefimgen  sind  flach,  leicht  gerunzelt  mit  tiefen, 
groben,  längere  aufrechtstehende  Härchen  tragenden 
Punkten  bedeckt,  die  sich  hinten  zwischen  den  Augen 
auf  die  ganze  Breite  des  Scheitels  und  den  Ansatz  des 
Halses  ausbreiten,  auch  die  Mitte  des  Langwulstes  mehr 
oder  weniger  dicht  bedecken,  den  hinteren,  zwischen  den 
Augen  liegenden,  sowie  den  vorderen  Teil  desselben  mit 
dem  Clypeus  und  dem  Kopfschild  aber  freilassen.  Der 
ganz  flache  Clypeus  ist  an  jeder  Seite  in  eine  flache, 
rundliche  Vertiefung  niedergedrückt  und  hat  außerdem 
einen  kurzen,  flachen,  mittleren  Längseindruck,  der  auf 
die  Stirn  hinüberreicht.  Die  dunkelbraunen  Augen  treten 
stark  hervor.  Die  Mandibeln  sind  von  gewöhnlicher  Form: 
breit  an  der  Basis,  scharf  gebogen  mit  dünner  Spitze. 
Antennen  kräftig,  über  das  erste  Fünftel  der  Flügeldecken 
reichend.  Das  letzte  Glied  der  Maxillarpalpen  beim  (^ 
viel  länger  als  beim  $.  Der  hexagonale  Thorax  er- 
weitert sich  von  den  stumpf  abgerundeten,  dem  Halse 
dicht  anliegenden  Vorderecken  in  fast  gerader  Linie  bis 
zu  der  stumpf  vorgerundeten  Mitte,  wo  die  größte  Breite 
desselben  liegt,  um  sich  von  hier  in  fast  ebenso  gerader 
Linie  bis  zu  den  stumpfeckig  vorragenden  Hinterecken 
zu  verschmälern.  Der  gerade  abgeschnittene  Hinterrand 
desselben  ist  wie  der  leicht  ausgeschnittene  Vorderrand 
ohne  Randleiste;  erstercr  ist  erhebhch  schmäler  als  letzterer. 
Die  Seiten  desselben  sind  in  ihrer  ganzen  Länge  von  einer 
kräftigen  Randleiste  umfaßt.  Die  ganze  Oberfläche  ist 
leicht  konvex  mit  gleichmäßiger,  tiefer  und  grober  Runzelung 
und  dazwischenstehenden  Punkten,  die  längere,  aufrecht- 
stehende schwarze  Härchen  tragen.  In  den  Hinterecken 
steht  jederseits  ein  sehr  flacher,  rundlicher  Eindruck.  — 
Die  Flügeldecken  sind  in  ihrem  proximalen  Viertel 
leicht  (aber  stärker  als  bei  T.  nmansanns  Kolbe)  eingezogen, 
sie  verbreitern  sich   dann   an  den   Seiten   äußerst   schwach 

Stett.  eutomol.  Zeit.   1909-  13 


194 

und  runden  sich  am  Apex  stumpf  ab,  Sie  sind  beim  (^ 
stärker  gewölbt  als  beim  $ ;  sie  sind  neben  der  Sutur  ziemlich 
flach  und  fallen  nach  den  Seiten  zu,  zuerst  allmählich,  dann 
von  der  4.  Rippe  etwa  schroffer  ab.  Nach  dem  Apex  zu 
senken  sie  sich  im  letzten  Viertel  der  Flügeldecken  ziemlich 
steil  ab.  Jede  Flügeldecke  trägt  (ohne  die  suturale)  6  sehr 
kräftige,  hohe  Rippen,  wovon  2,  4,  6  etwas  höher  als  die 
übrigen  sind.  Die  Rippen  i,  3,  5  sind  proximal  stark  ver- 
kürzt, 5  am  stärksten,  3  am  wenigsten.  Den  Apex  erreichen 
nur  I,  2  und  6  ganz,  während  die  3  verkürzten  hinten  auf 
6  stoßen.  Die  Querrippchen  der  Skulpturstreifen  stehen 
sehr  regelmäßig  und  nicht  so  dicht  als  bei  T.  muansanus 
Kolbe,  die  Graneln  derselben  sind,  wenn  auch  klein  und 
fein,  doch  größer  als  bei  diesem.  Die  Unterseite  ist 
fast  haarlos,  alle  Episternen  sind  dicht  mit  tiefen  Punkten 
bedeckt;  die  Bauchsegmente  sind  an  den  Seiten  uneben, 
in  der  Mitte  ganz  glatt;  die  mittleren  derselben  tragen 
jederseits  neben  der  Mitte  je  2  bis  3  Chaetoporen,  die  dem 
letzten  fehlen,  das  vor  dem  Endrande  jederseits  neben 
der   Mitte   einen   Halbkreis  von   tiefen   Haarpunkten  trägt. 

Tefflus  rotundicollis  n.  spec. 

I  9  (coli.  aut.).  Länge  30  mm,  Breite  11  mm.  —  Ukerewe 
(Insel   im   süd-östl.    Victoria-Nyanza). 

Diese  neue,  unten  wie  oben  glänzend  schwarze  Art 
ist  eine  der  kleinsten  der  Gattung  und  gehört,  wie  die  vor- 
besprochene Art,  zum  Subgenus  Archotefflns  Kolbe,  da 
sie  nur  6  Rippen  auf  jeder  der  Flügeldecken  hat.  Sie  steht 
hier  dem  T.  muansanus  Kolbe  am  nächsten,  doch  ist  sie 
von  demselben  unterschieden  durch  ihren  viel  kürzeren, 
breiteren,  fast  runden  Thorax,  sowie  durch  die  viel  schwächer 
punktierten  Episternen  und  die  auf  den  Bauchsegmenten 
fehlenden  Chaetoporen.  Der  quadratische  Kopf  ist 
sehr    kurz,     breit,     neben     dem    Clypeus    und    dem    Kopf- 

Stctt.  cntomol.  Zeit.   1909, 


195 

Schild  verschmälert;  die  Skulptur  der  Oberfläche  ist  nicht 
deutlich  ausgeprägt,  mehr  verschwommen  umgrenzt;  die 
Seitenwulste  der  letzteren  sind  breit,  mäßig  gehoben,  nicht 
scharf  begrenzt;  der  Mittelwulst  ist  sehr  breit,  leicht  konvex; 
die  Seitenvertiefungen  sind  klein  und  undeutlich  gerunzelt, 
kaum  punktiert;  der  hinter  den  Augen  liegende  hinterste 
,  Teil  des  Scheitels  ist  über  die  ganze  Breite  mit  groben, 
haartragenden  Punkten  bedeckt;  der  Mittel wulst  mit  dem 
Clypeus  und  dem  mit  4  Haarpunkten  besetzten  Kopf- 
schild sind  glatt,  unpunktiert,  glänzend.  Der  Clypeus 
hat  vorn  jederseits  einen  flachen,  rundlichen,  hinten  auf 
dem  leicht  gehobenen  Hinterteil  einen  länglichen  Ein- 
druck. Die  grauen  Augen  treten  kräftig  vor.  Die  Man- 
dibeln  sind  sehr  kurz,  hinten  breit,  vorn  scharf  gebogen, 
sehr  spitz.  Die  Antennen  sind  kurz,  die  Basis  des  Thorax 
wenig  überragend,  die  3  ersten  Glieder  sind  glatt,  glänzend 
schwarz,  das  3.  Glied  ist  so  lang  als  die  beiden  folgenden 
zusammen.  Das  letzte  Glied  der  Maxillarpalpen  ist  kurz 
(9).  —  Der  T  Ii  o  r  a  X  ist  wenig  breiter  als  lang  (8  :  7  mm), 
von  breit  rundlicher  Form,  da  Vorder-  wie  Hinterecken 
stark  eingezogen,  stumpf  ab-,  die  Seiten  in  ganz  stumpfem 
Winkel  vorgerundet  sind.  Die  ganz  gerade  Hinterseite 
desselben  ist  wenig  schmäler  als  die  ganz  leicht  ausge- 
schnittene Vorderseite;  beide  ohne  Randleiste.  Die  Seiten 
desselben  haben  eine  kräftige,  kaum  gehobene  Randleiste; 
die  Oberfläche  desselben  ist  leicht  konvex,  nach  den  Seiten 
zu  flacher  verlaufend;  sie  ist  mit  zusammenhängenden 
Runzeln,  die  nach  der  Mitte  zu  am  gröbsten  sind,  dicht 
bedeckt  mit  dazwischenstehenden  haartragenden  Punkten. 
Die  Mitte  durchzieht  eine  feine,  undeutliche,  glatte  Längs- 
linie. —  Die  Flügeldecken  sind  denen  von  T.  muan- 
sanus  Kolbe  sehr  ähnlich;  im  proximalen  Viertel  sind  sie 
kräftiger  als  bei  vorbeschriebenem  T.  discedens  vorgezogen; 
die    Seiten  sind  sehr  schwach  vor-,   der  Apex   ist   wie  die 

Stctt.  cntoinol.  Zeit.   1909.  13'' 


196 

Basis  stumpf  abgerundet.  Ziemlich  konvex  fallen  sie  von 
der  Sutur  zuerst  allmählich,  dann  von  der  4.  Rippe  etwa 
schroffer  nach  den  Seiten  zu  ab,  während  sie  sich  im  letzten 
Fünftel  nicht  ganz  so  schroff  als  bei  vorbeschriebener  Art 
discedens  nach  dem  Apex  zu  herabsenken.  Der  Rand  der- 
selben ist  ziemlich  breit,  glatt,  unbehaart,  die  Randleiste 
ungemein  fein.  Jede  Flügeldecke  trägt  (ohne  die  suturale) 
6  glänzende  Rippen,  wovon  2,  4,  6  viel  kräftiger  als  die 
übrigen,  auch  länger  als  diese  sind;  nur  die  erstgenannten 
reichen  von  der  Basis  bis  ganz  an  das  Ende  der  Flügel- 
decken, während  i,  3,  5  proximal  stark  verkürzt  sind  (5  am 
stärksten)  und  distal  auf  die  6.  stoßen.  Die  zwischen  den 
Rippen  liegenden  Skulpturstreifen  sind  ähnlich  schwach 
vertieft  wie  bei  muansanus,  die  Querrippchen  stehen  dichter 
als  bei  discedens,  die  Graneln  derselben  sind  sehr  fein. 
Der  Zwischenraum  zwischen  6.  Rippe  und  dem  Rande 
ist  breiter  als  die  Skulpturstreifen,  er  ist  uneben  von  un- 
regelmäßigen Erhöhungen  und  mit  3  undeutlich  verlaufenden 
Punktreihen  versehen,  deren  tiefe  Punkte  sehr  unregel- 
mäßig stehen.  Die  glänzend  schwarze  Unterseite 
ist  glatt,  fast  punkt-  und  haarlos.  Alle  Episternen  tragen 
nur  wenige  Punkte,  die  den  äußeren  Teil  derselben  breit 
freilassen,  während  bei  der  vorbeschriebenen  Art  discedens 
und  bei  muansanus  alle  Episternen  sehr  dicht  mit 
Punkten  besetzt  sind.  Die  Bauchsegmente  sind  an  den  Seiten 
uneben,  in  der  Mitte  ganz  glatt  und  punktlos,  nur  auf  dem 
3.  Segment  finden  sich  an  den  Seiten  einige  Punkte;  auf  allen 
fehlen  die  Chaetoporen.  Das  letzte  Segment  trägt  dicht  vor 
dem  Endrande  eine  Reihe  tiefer  Haarpunkte.  Die  Beine  sind 
schlank,  kräftig,  alle  Schenkel  und  Tarsen,  sowie  die  Tibien 
der  Vorderbeine  sind  glatt,  haar-  und  fast  punktlos,  die  mitt- 
leren und  hinteren  Tibien  sind  fein  punktiert  und  mit  feinen, 
sehr  kurzen  Börstchen  bedeckt.  Die  mittleren  Tibien  tragen 
am  Apex  außen  einen    Büschel  kurzer  rötlicher  Börstchen. 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


197 

Tefflus  Alluaudi  n.  spec. 

4  cJ,  8  ?  (coli.  aiit.).  o^  Länge  43—45  mm,  Breite  17—18 
mm;  2  Länge  45 — 48  mm,  Breite  17 — 19  mm.  —  Kibwezi 
(Wa-kamba,  nord-östl.  vom  Kilimandjaro). 

In  dieser  neuen,  oben  wie  unten  leicht  gLänzendcn, 
ganz  schwarzen  Art  finden  wir  eine  der  größten  und  schönsten 
der  Gattung.  Sie  gehört  in  die  Untergattung.  Tefflus  i.  sp. 
Kolbe  und  verweisen  die  ziemhch  kurzen,  die  Basis  des 
Thorax  nur  wenig  überragenden  Antennen  und  das  mäßig 
lange  Endghed  der  Maxillarpalpen  der  ^  dieselbe  in  die 
Abteilung  II  zur  sansibancHS-Grnppe.  Hier  steht  s'e  dem 
T.  kilimanus  Kolbe  am  nächsten,  unterscheidet  sich  von 
demselben  durch  viel  robusteren,  gedrungeneren  Bau,  be- 
trächtlichere Größe,  viel  stärkeren  Kopf,  erheblich  breiteren 
Thorax,  höher  gewölbte  und  breitere  Flügeldecken,  sowie 
durch  kräftigere  und  breitere  Rippen.  —  Der  große  qua- 
dratische Kopf  verschmälert  sich  neben  Clypeus  und 
Kopfschild.  Ersterer  ist  von  der  Stirn  durch  eine  feine, 
tief  eingeschnittene,  jederseits  sich  nach  vorn  biegende 
Linie  von  der  Stirn  getrennt;  vorn  auf  der  letzteren  erhebt 
sich  wie  bei  Hacqimrdi  ein  vorn  an  genannter  Linie  gerade 
abgeschnittener,  hinten  und  oben  stumpf  abgerundeter 
Buckel;  die  Seitenkiele  der  Kopfoberfläche  sind  hoch,  kurz, 
deutlich;  der  mittlere  Teil  der  Stirn  hinter  dem  Buckel 
ist  leicht  gehoben  in  der  Mitte,  schwach  und  schmal  ver- 
tieft neben  den  Seitenkielen.  Die  ganze  Kopf  Oberfläche 
ist  nebst  Clypeus  punkt-  und  haarlos.  Letzterer  schiebt 
sich  hinten  zwischen  die  vorspringenden  Vorderecken  der 
Stirn  ein,  verschmälert  sich  leicht  nach  vorn  und  ist  hinten 
wie  vorn  gerade  ab-,  an  den  Seiten  schwach  ausgeschnitten. 
Die  Oberseite  desselben  ist  glatt,  glänzend  und  zeigt  beider- 
seits einen  rundHchen,  seichten,  in  der  Mitte  einen  schmalen 
länglichen  Eindruck,  der  sich  hinten  auf  den  Stirnbuckel 
verlängert.       Das    Kopfschild    ist    von    gewöhnlicher    Form 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


198 

mit  den  bekannten  4  Haarpunkten.  Die  großen  gelblich- 
braunen Augen  treten  nur  schwach  vor.  Die  hinten  breiten 
Mandibeln  biegen  sich  ziemlich  schroff  nach  der  scharfen 
Spitze  um.  Die  feinen  Antennen  überragen  die  Bas's  des 
Thorax  nur  wenig,  mit  2  Gliedern  etwa.  Das  3.  Glied  der- 
selben fast  so  lang  als  die  beiden  folgenden  zusammen. 
Das  letzte  Glied  der  Maxillarpalpen  beim  S  von  mittlerer 
Länge.  —  Der  sehr  große  Thorax  ist  hexagon,  etwas 
breiter  als  lang  (10  oder  11  :  12  mm).  Von  den  stumpf 
abgerundeten,  dem  Halse  dicht  anliegenden  Vorderecken 
verbreitert  derselbe  sich  stark  in  fast  gerader  Linie  bis 
zu  der  im  stumpfen  Winkel  vorgerundeten  Mitte,  um  von 
hier,  wo  die  größte  Breite  liegt,  sich  in  ganz  gerader  Linie 
bis  zu  den  stumpfwinklig  vorragenden  Hinterecken  ebenso 
stark  zu  verschmälern.  Die  leicht  ausgeschnittene  Vorder- 
seite desselben  ist  merklich  breiter  als  die  ganz  gerade 
Hinterseite,  beide  sind  randlos.  Die  Seiten  sind  in  ihrer 
ganzen  Länge  von  einer  kräftigen,  leicht  aufgebogenen 
Randleiste  umgeben.  Die  Oberfläche  des  wie  bei  T.  kili- 
nianus  Kolbe  gleichmäßig  fein  und  dicht  gerunzelt-punk- 
tierten  Thorax  ist  ziemlich  konvex,  nach  den  Seiten  zu 
abgeflacht,  hier  kaum  aufgerichtet;  vor  der  Hinterseite 
ist  er  tief  eingedrückt,  was  an  den  Seiten  besonders  in  die 
Erscheinung  tritt.  In  der  Mitte  desselben  verläuft  eine 
feine  glatte  Längslinie,  die  weder  die  Basis  noch  den  Apex 
erreicht.  —  Die  sehr  hoch  gewölbten  breiten  Flügel- 
decken sind  proximal  wie  distal  gleichmäßig  stark 
vorgezogen  und  an  den  Seiten  stark  vorgerundet.  Neben 
der  Sutur  ziemlich  flach,  fallen  sie  zuerst  allmählich,  dann 
von  der  5.  Rippe  etwa  schärfer  nach  den  Seiten  zu  ab, 
während  sie  sich  im  letzten  Viertel  schroff  nach  dem  Apex 
zu  senken,  was  besonders  von  den  $$  gilt.  Der  Rand  der- 
selben ist  sehr  schmal,  die  Randleiste  äußerst  fein.  Jede 
Flügeldecke   trägt    (ohne   die   suturale)    7   gleich   hohe   und 

Stett.    entomol.  Zeit,    1909. 


199 

gleich  breite  Rippen,  die  sich  bei  den  $$  besonders  breit 
entwicicelt  haben.  Dieselben  sind  ebenso  angeordnet,  wie 
man  es  bei  den  meisten  großen  Tefflus-Arten  findet.  Die 
Querrippen  der  schmalen  Sknlpturstreifen  sind  sehr 
flach,  dicht  gestellt  und  mit  äußerst  feinen  Graneln 
versehen,  ganz  ähnlich  so  wie  snan  es  bei  T.  kilimanus 
findet.  Die  Suturalrippe  ist  etwas  schwächer  entwickelt 
als  die  übrigen.  Die  glänzend  schwarze  Unterseite 
ist  fast  punkt-  und  haarlos,  alle  Episternen  sind  frei 
von  Punkten,  die  Bauchsegmente  ohne  Chaetoporen, 
nur  das  letzte  zeigt  vor  dem  Endrande  jederseits 
neben  der  Mitte  eine  Reihe  von  wenigen  groben  haar- 
tragenden Punkten.  Beine  lang  und  schlank,  ohne 
Eigentümlichkeiten. 

Diese  neue  prächtige  Art  habe  ich  dem  Entdecker 
Herrn  Ch,   Alluand  in  Paris  gewidmet. 

Tefflus  gracilis  n.  spec. 

I  ^  (coli.  aut.).  Länge  40  mm.  Breite  15  mm.  —  Deutsch- 
Ost-Africa  (Lukuledi) . 

Diese  wenig  glänzende,  ganz  schwarze  neue  Art  gehört 
in  das  Subgenus  Teffliis  i.  sp.  Kolbe.  Hier  verweisen  der 
große  Kopf,  die  langen  Endglieder  der  Maxillarpalpen 
und  besonders  die  kurzen,  die  Basis  des  Thorax  kaum 
überragenden  Antennen  dieselbe  in  die  Reichardi-Gvuppe. 
Hier  steht  sie  dem  T.  Reichardi  am  nächsten,  doch  unter- 
scheiden der  schlankere  Hubitus,  der  erheblich  schmälere 
Thorax  und  die  proximal  wie  distal  viel  stärker  eingezogenen 
Flügeldecken  die  neue  Art  leicht  von  demselben.  —  Der 
große  breite  Kopf  verschmälert  sich  schwach  neben 
dem  Clypeus  und  dem  Kopfschild.  Die  Oberfläche  ist 
schwach,  verschwommen  skulptiert,  die  Seitenwulste  der- 
selben sind  sehr  flach,  die  mittlere,  nicht  glänzende  Längs- 
erhöhung erscheint  als  schwach  konvexes  längliches  Dreieck, 

Stctt.  entomol.  Zeit.  1909. 


200 

das  mit  der  vorderen  Seite  an  die  Stirnnaht  stößt  und  mit 
der  Spitze  hinten  auf  dem  Scheitel  endet.  Die  Seiten- 
vertiefungen sind  undeutlich  umgrenzt,  unregelmäßig  längs 
gerunzelt.  Die  ganze  Kopf  Oberfläche  mit  Clypeu^,  sind 
glatt,  unpunktiert,  haarlos,  das  Kopfschild  trägt  4  Haar- 
punkte. Der  durch  eine  feine,  kaum  sichtbare  Naht  von 
der  Stirn  getrennte  Clypeus  ist  glatt  und  zeigt  kaum  eine 
Andeutung  der  bei  den  anderen  Arten  gewöhnlichen  Ein- 
drücke. Die  schwarzen  Augen  sind  stark  vorgewölbt.  Die 
Mandibeln  sind  von  gewöhnlicher  Form,  hinten  breit,  vorn 
mit  stark  gebogener  feiner  Spitze.  Die  schwachen  Antennen 
sind  kurz,  wenig  die  Basis  des  Thora.x  überragend,  dis 
3.  Glied  so  lang  als  die  beiden  folgenden  zusammen.  Das 
Endglied  der  Maxillarpalpen  beim  ,J*  lang  und  breit.  — 
Der  hexagone  Thorax  erscheint  sehr  sclimal,  ist  wenig 
länger  als  breit  (10  :  9  mm);  von  den  abgerundeten,  dem 
Halse  dicht  anliegenden  Vorderecken  verbreitert  er  sich 
nur  wenig  in  gerader  Linie  bis  zu  der  stumpf  vorgerundeten 
Mitte  (wo  die  größte  Breite  liegt),  um  sich  von  hier  in  gleicher 
Weise  bis  zu  den  stumpf  zugerundeten  Hinterecken  zu 
erweitern.  Vorder-  wie  Hinterseite  gleich  breit,  gerade 
abgeschnitten,  randlos.  Die  Thoraxseiten  haben  in  ganzer 
Länge  eine  feine,  kaum  aufgebogene  Randleiste.  Die 
Thoraxoberfläche  ist  leicht  konvex,  an  den  Seiten  leicht 
und  schmal  abgeflacht,  vor  den  Hinterecken  mit  deut- 
lichen tieferen  Eindrücken.  Sie  trägt  überall  eine  dichte 
mit  Punkten  untermischte  Runzehmg,  ganz  ähnlich  so 
wie  T.  kiUmanus  Kolbe  und  T.  Alluaudi  n.  sp.  sie  zeigen. 
In  der  Mitte  derselben  verläuft  eine  deutliche,  glatt  ein- 
geschnittene Längslinie,  die  weder  die  Basis  noch  den 
Apex  erreicht.  —  Die  sehr  schmalen  schlanken  Flügel- 
decken ((^)  sind  im  vorderen  wie  hinteren  Viertel  gleich 
stark  eingezogen,  an  den  Seiten  gleichmäßig  schwach  vor- 
gerundet,   am   Apex    vor   der    Sutur   leicht   ausgeschnitten. 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


201 

Der  Rand  derselben  ist  sehr  schmal,  die  Randleisten  änßerst 
fein,  kaum  aufgebogen.  Sie  sind  hoch  gewölbt,  an  der 
Sutur  leicht  abgeplattet  und  fallen  zuerst  allmählich,  dann 
von  der  5.  Rippe  schroff  jiach  den  Seiten  zu  ab.  Nach 
dem  Apex  zu  senken  sie  sich  in  der  distalen  Hälfte  sehr 
allmählich.  Jede  derselben  trägt  (außer  der  suturalen) 
7  ziemlich  flache  breite  Rippen,  die  so  angeordnet  sind, 
wie  bei  den  großen  Teff Ins- Arten  meist.  Die  zwischen  diesen 
Rippen  liegenden  Skulpturstreifen  sind  kaum  so  breit 
als  diese,  was  besonders  von  den  inneren  gilt.  Die  zwischen 
der  7.  Rippe  und  dem  Rande  liegende  Langfläche  ist  wenig 
breiter  als  die  Skulpturstreifen.  Die  Suturalrippe  ist 
schwächer  entwickelt  als  die  übrigen  Rippen.  Die  Unter- 
seite glänzt  stärker  als  die  obere,  sie  ist  glatt,  fast  punkt- 
und  ganz  haarlos.  Alle  Episternen  sind  ohne  Punkte,  die 
Bauchsegmente  ebenso,  auch  fehlen  ihnen  die  Chaetoporen; 
nur  das  letzte  Segment  zeigt  vor  dem  Endrande  jeder- 
seits  neben  der  Mitte  3  bis  4  tiefe  haartragende  Punkte. 
Die  Beine  sind  kräftig,  schlank,  fast  ohne  Punktierung, 
ganz    haarlos    und    ohne    Eigentümlichkeiten. 


Stett.  entomol.  Zelt.   1909. 


202 


Cutiteiebra  Schroederi, 
eine  neue  parasitäre  Fliege 

(Oestridae  olim). 

Von  Dr.   Ciiiiii4liei*  Kiiilerleiii.  Stettin. 


Unter  den  Oestriden  des  Stettiner  Zoolog.  Museums 
fand  sich  folgende   neue   Cutitcr ehr a- Art: 

Cutiterebra  Schroederi  nov.  spec. 

Kopf  ein  wenig  breiter  als  der  Thorax  vorn,  schwarz. 
Stirn  in  der  Mitte  etwas  vorgezogen.  Scheitel  und  Stirn 
in  der  Mitte  stark  matt,  kurz  abstehend  schwarz  behaart, 
in  der  vorderen  Hälfte  der  Entfernung  zwischen  Fühler- 
grubenwall und  vorderem  Ocellus  eine  eingedrückte  Median- 
furche. Seitlich  der  vorderen  Hälfte  der  Fühlergrube  jeder- 
seits  eine  Querbeule  zwischen  Fühlergrubenwall  und  Augen, 
die  vorn  und  in  der  Mitte  poliert  glatt  und  unpubesciert 
(mit  Ausnahme  weniger  Härchen  am  Augenrande)  und 
hinten  mäßig  dicht  pubesciert  und  am  Grunde  jedes  Haares 
punktiert  ist.  Fühlergrube  sehr  matt,  graulich  schwarz. 
Fühler  schwarz,  Haare  an  der  Fühlerborste  an  der  Spitze 
bräunlich,  i.  und  2.  Fühlerglied  auf  der  Oberseite  gelb 
behaart,  an  den  Seiten  braun  bis  schwärzlich.  Kopfhinter- 
seite gelb  behaart,  am  Rande  schwarz  behaart.  Wangen 
gelbbraun,  diese  und  die  Umgebung  der  Mundöffnung 
gelb  behaart.     Augen  schwarzbraun. 

Thorax  oben  mattschwarz,  schwarz  behaart;  unten 
gelbbraun,  gelb  behaart;  Mitten  der  Seiten  mit  großem 
rundlichen,  schwarz  behaarten  Fleck.  Schildchen  matt- 
schwarz, ziemlich  dicht  und  lang  schwarz  behaart,  an  der 
Spitze  einige  gelbe  Haare,  besonders  von  unten  her. 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


203 

Beine  und  die  dichte  Beinbehaarung  schwarz.  Hinter- 
leib ziemhch  gedrungen,  wenig  länger  als  vorn  breit.  Oben, 
mit  Ausnahme  eines  schmalen  Seitenstreifens,  auf  jeder 
Seite  schwarz,  die  3  ersten  Tergite  mit  intensiv  blauem 
Metallglanz,  4.  (letztes)  Tergit  ohne  diesen.  Unterseite 
und  die  Seiten  rötlich  braungelb,  i.  Sternit  schwarz  be- 
haart, die  übrigen  gelb  behaart. 

Flügel  ziemlich  dunkel  braun. 

Körperlänge  23,5  mm;  geringste  Scheitelbreite  3^  mm; 
größte  Kopfbreite  834  nim;  Abdominallänge  12  mm;  Flügel- 
länge 19  mm. 

Peru.  Chanchamayo.  i  $.  Gesammelt  von  Hoff- 
m  a  n  n  s. 

Type    im    Stettiner   Zoologischen    Museum. 

Diese  Species  wurde  Herrn  Rektor  G.  Schroeder 
in  Stettin  gewidmet. 


Cyaneoderes  Dormeyeri,  eine  neue 
Xylocopide. 

Von  Dr.  Güiitliei*  En  der  lein.  Stettin. 


Die  Gattung  Cyaneoderes  Ashm.  1899  wurde  von 
Ashmead  auf  der  C.  Fairchüdi  Ashm.  und  C.  coerulea  (F.) 
begründet;  erstere  ist  jedoch  nom.  nud.,  so  daß  als  Typus 
der  Gattung  letztere  bleibt.  Aber  auch  die  Xylocopa  unicolor 
Smith  1860  ist  in  diese  Gattung  einzufügen,  da  sie  gleichfalls 
nur  2  Radialzellen  (Cubitalzellen)  besitzt,  wie  auch  schon 
Smith,  Trans.  Ent.  Soc.  Lond.  1874  p.  274  angibt,  und 
wie  ich  an  einem  vorliegenden  Exemplar  des  Stett.  Zoolog. 
Mus.  aus  Ceram  ersehe. 

Im  folgenden  beschreibe  ich  eine  interessante  neue 
Species   mit   stark   dichromen    Geschlechtern,    die   ich    dem 

stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


204 

Carabidologen    Herrn    Dr.    C.     D  o  r  m  e  y  e  r     in    Stettin 
freundschaftlichst  widme. 

Cyaneoderes  Dormeyeri  nov.  spec. 

$.  Kopf  schwarz  mit  blauer  Behaarung,  dicht  punktiert ; 
Clypeus  mit  breiter,  medianer,  kräftiger  und  poliert  glatter 
Längswulst,  am  Hinterrande  des  Clypeus  keine  Querwulst. 
Abstand  der  hinteren  Ocellen  vom  vorderen  Ocellus  geringer 
als  der  Ocellendurchmesser.  Vor  dem  vorderen  Ocellus 
ein  medianer  Längskiel,  das  mitten  zwischen  der  Basis 
der  Fühler  plötzlich  endet  und  in  der  Mitte  eine  feine  Rinne 
trägt,  die  nach  vorn  zu  verschwindet,  nach  hinten  zu  sich 
verbreitert  und  abflacht.  Schräg  nach  hinten  und  außen 
von  jedem  hinteren  Ocellus  liegt  eine  kräftig  eingedrückte 
runde  Grube,  die  etwas  kleiner  als  die  Ocelle  ist  und  ihren 
Rand  tangiert.  Kopf  ziemlich  dicht  mit  blauen  Fieder- 
haaren besetzt,  auf  dem  Clypeus  spärlicher;  sie  sind  mit 
Ausnahme  der  der  Wangen  und  Schläfen  mit  spärlicheren 
schwarzen  Fiederhaaren  durchsetzt.  Fühler  schwarz,  Geißel- 
imterseite  dunkelrotbraun. 

Thorax  und  Scutellum  schwarz,  dicht  punktiert,  mit 
Ausnahme  eines  mäßig  breiten  Medianstreifens,  der  poliert 
glatt  ist;  Behaarung  dicht,  blau,  mit  Ausnahme  einer  kleinen 
rundlichen  Stelle  in  der  Mitte  der  Oberseite.  Beine  schwarz, 
dicht  schwarz  behaart,  i.  Vordertarsenglied  hinten  an  der 
Basis  mit  einzelnen  blauen  Haaren  untermischt,  Vorder- 
schienenbehaarung  hinten  völlig  blau.  Scutellum  hinten 
breitrandig  überstehend.  Abdomen  schwarz,  i.  Tergit 
dicht  blau  behaart,  2.  mit  schmalem  ebensolchen  Seiten- 
streifen. Die  übrige  Behaarung  schwarz;  auf  der  Ober- 
seite spärliche,  kurze  unbewimperte  Pubescenz,  an  den 
Seiten  lange  zum  Teil  bewimperte  Haare. 

Flügel    dunkelbraun    mit    stark    rot-violettem    Glanz. 

c^.     Die  Behaarung  des   Kopfes  und  Thorax   ist  geib- 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


205 

braun,  die  des  i.  Abdominaltergites  schwarzbraun,  die 
übrige  Abdominalbehaarung  schwarz.  Geißelunterseite  rot- 
braun. Mittelsegment  rötlich  gelbbraun,  Punktierung  sehr 
fein,  die  Medianfurche  geht  auf  das  schmale  Postscutellum 
über.      Beine   dunkelbraun  behaart. 

Flügel  dunkelbraun  mit  goldgelbem  Glanz,  am  Vorder- 
rand   des    Vorderflügels    Spuren    von    rot-violettem    Glanz. 

Körperlänge:     (^    i8 — 1814    rnm,    $    15 — 18   mm. 

Geringste  Scheitelbreite  zwischen  den  Augen :  (^  zirka 
1Y2  mm,  $  2 14  iTirn. 

Größte  Gesichtsbreite  in  der  Mitte :  c?  2 14  irirn.  ?  3 /4  rnrn- 

Größte   Abdominalbreite:     (^   9  mm,   $  8 14 — 91/2   mm. 

Nias,    Goenoeng-Sitoli:    2  (^,  8  $. 

N  i  a  s  :    i  ■  $. 

C  e  n  t  r  a  1  -  N  i  a  s  :    19. 

H  i  n  t  e  r  -  I  n  d  i  e  n  ,  Singapore  1898 :  i  0.  Ge- 
sammelt von    L.    B  i  r  o. 

Sämtliche  Typen  im  S  t  e  t  t  i  n  e  r  Zoolog.  Mu- 
seum. 

Die  viel  größere  Cyancodcrcs  coerulea  (F.)  hat  keine 
Median wulst  des  Clypeus,  nur  einen  glatten  Längsstreifen 
an  deren  Stelle,  besitzt  am  Hinterrande  des  Clypeus  einen 
Querwulst;  ihre  geringste  Scheitelbreite  zwischen  den 
Augen  beträgt  zirka  3  mm,  ihre  größte  Stirnbreite  in  der 
Mitte  zirka  4V2  nim,  ihre  größte  Abdominalbreite  11 — 12^-2 
mm.  Zudem  besitzt  das  Männchen  nahezu  die  Färbung 
des  ^,  nur  ist  das  Blau  mehr  ins  Grünliche  gezogen. 


Stctt.  cntoiiiol.   Zeit.    19(»!). 


206 


Iiilialtsverzeiclniis. 

(Heft   I   1909). 


Bericht  über  eine  entomologische  Studienreise  in  Süd- 
amerika. Von  Dr.  Fr.  Ohaus,  Hamburg.  S.  3.  —  Beitrag 
zur  Kenntnis  der  Orthopteren-Fauna  Bessarabiens.  Von 
A.  M.  Schugurow,  Kaukasus,  Kutais.  S.  140.  —  Neue 
und  bekannte  Gattungen  und  Arten  der  Subfamihe  Cerco- 
pinae  Stul,  des  indoaustraHschen  Faunengebietes,  ein 
Beitrag  zur  Kenntnis  der  Cercopiden.  (Hemiptera-Homop- 
tera.)  Mit  5  Textfiguren.  Von  Edmund  Schmidt  in  Stettin. 
S.  146.  —  Zwei  neue  Fulgoriden  aus  dem  Stettiner 
Museum  von  demselben.  S.  187.  —  Neue  Arten  aus 
der  Gattung  Tefflus.  Beschrieben  von  Chr.  Sternberg, 
Stralsund.  S.  192.  —  Cutiterebra  Schroederi,  eine  neue 
parasitäre  Fliege.  (Oestridae  olim.)  Von  Dr.  Günther 
Enderlein,  Stettin.  S.  202.  —  C^/aneoderes  Dormeyeri, 
eine  neue  Xylocopide  von  demselben.  S.  203.  —  Inhalts- 
verzeichnis.     S.   206. 


Ausgegeben  im  Oktober  1908. 


Slett.  pntomol.  Zeit.    1900. 


litomokgisciie  Iiltii; 


hcraustrt'Lrcljcn  von  dem 


entomologischen  Vereine 

zu  Stettin. 


Redaction:  Dr.  Heinrich  Dohrn,  Vorsitzender. 

In  Commission  bei  der  Bnchhandlnng  R.  Friedläuder  &  Sohn   in  Berlin. 


1909.  70.  Jahrgang.  Heft  II. 


Neues  über  Rhopaloceren. 

Von  II.  Fi*iBli)Btoi*fei*. 

I. 

Neue  Eunica. 

Euniea  sydonia  Godart. 

Nymph.  sydonia  Godart,  Enc.  Metli.  IX.  p.  416,  1823. 

Godarts  Beschreibimg  und  Herrich- Schaf  fers  Figur  in 
Exot.  Schmett.  1852 — 1858,  f.  y^ — 76,  beziehen  sich  auf 
ein  und  dieselben  Rassen  jener  schönen  Eunica,  die  bisher 
nur  aus   Brasilien  bekannt   war. 

Aus  Surinam  liegt  mir  jetzt  eine  schon  durch  ihren 
stattlicheren  Habitus  ausgezeichnete,  prächtige  Lokalform 
vor,    die    ich    als   poppaeana   bezeichne. 

Wir  kennen  somit 

a)  sydonia    Godart.    E>rasilien,    Espiritu-Santo,    2    ^^ 
CoH.  Frühst. 

b)  sydonia  poppaeana  nov.  subspec. 

Schwarzer  Distalsaum  der  V'orderflügel  gleichmäßig  — 
analwärts   nicht    wie   bei   sydonia   verbreitert. 

Der  violette  Anflug  der  Hinterflügelbasis  viel  aus- 
gedehnter. 

Stett.  cutoinol.   Zeit.    1909.  14 


210 

Unterseite:  Nicht  matt  nnd  gleichartig  röthch  braun 
wie  bei  sydonia,  sondern  diclit  mit  grauen  Schuppen  be- 
streut. Die  Flügelfläche  besonders  im  Analteil  stark  glänzend, 
Costalrand  der  Hinterflügel  bis  zur  Flügelmitte  weißlich 
violett  gesäumt  und  mit  nur  i — 2  statt  4  postmedianen, 
kleinen  schwarzen  Punkten. 

Das  bisher  unbekannte  ^  der  Art  ist  oberseits  grau- 
braun mit  tiefschwarzem  Apex  der  Vorderflügel  und  einer 
schmalen,  sclnvarzen  leichtgewellten  Submarginalbinde  der 
Hinterflügel. 

Vorderflügel  dann  noch  mit  2  kleinen  weißen  Sub- 
apicalpunkten  und  einer  breiten,  unregelmäßigen  weißen 
Schrägbinde,  die  von  der  Costale  sich  bis  zur  hinteren 
Mediane  ausdehnt.  Der  oberste  Fleck  schmal,  der  unterste 
distal  etwas  abgerückt. 

Patria:    Surinam,  3  oö"  i  $  Coli.  Fruhstorfer. 

Eiinica  caeiina  Godart. 
Vanessa  cael.   Godart,  Enc.  Meth.  1823  p.  822,  Bresil. 
Auch    von    dieser    ansehnlichen    Species    existieren    in 
den    Sammlungen    zwei    Lokalrassen,    nämlich : 

a)  caeiina    caeiina    Godart.       Brasilien,    Rio    Grande 
do  Sul,  I  (^  Coli.  Fruhstorfer. 

b)  caeiina  alj^cia  nov.  subspec. 

Fun.  caeiina  Stdgr.,  Exot.  Schmett.  1888  p.  iio.  Oberer 
Amazonas. 

Erheblich  größer  als  a,  Vorderflügel  viel  heller  violett, 
Hinterflügel  lichter  braun,  Weißpunktierung  der  Vorder- 
flügel-Oberseite diffuser. 

Unterseite:  Die  gesamten  Weißzeichnungen  ausge- 
dehnter, Hinterflügel  namentlich  in  der  Analregion  fast 
ganz  grauweiß  anstatt  schwarzbraun,  die  subapicale  Schräg- 
binde der  Vorderflügel  jedoch  fast  um  die  Hälfte  schmäler. 

Patria:    Amazonas   supr.    i    ^   Coli.   Fruhstorfer. 

Stett.  cntomol.  Zeit.   1909. 


211 

Eunica  pomona  Felder. 

Faimis    pomona    Felder,    Reise    Novbr.    1867,     t.    52, 
f.   11/12. 

Von  dieser  häufigen  Art  liegen  mir  aus  Colubien  zwei 
Formen  vor,  von  denen  eine  unterseits  hellere  mit  Felders 
Figuren  kongruente  aus  Sendungen  stammt,  die  Mr.  Weeks 
in  Boston  empfing,  und  die  vielleicht  in  der  Ebene  gefangen 
wurden,  während  die  dunklere,  wohl  Berg-  oder  Regenform, 
jenen  Importen  entnommen  ist,  die  alljährlich  nach  Deutsch- 
land gelangen. 

Die   neue   Rasse   nenne  einstweilen : 
forma  pompata  nova. 

Q.     Oberseite  tiefer,  mehr  blau  statt  violett  gefleckt. 

Unterseite  dunkler.  x\lle  Ocellen  der  Hinterflügel 
kleiner,  schmäler  gelb  geringelt,  die  schwarzen  Submarginal- 
binden  prominenter. 

Patria:    Columbien,  2^0   Coli.  Fruhstorfer. 

Eunica  noriea  Uew. 
Cybdel.   nor.   Hew.,   Exot.   Butt.    1852,   t.   2,   f.   3,   Co- 
lumbia. 
Von  dieser  relativ  kleinen   Species  besitze  zwei  gleich- 
falls leicht   zu   unterscheidende   andinische   Rassen : 

a)  noriea  noriea  Hew.     Columbien. 

b)  noriea  occia  nov.  subspec. 

Vorderflügel  tiefschwarz  ohne  matten  violetten  Schimm?r 
den  noriea  bei  guter  Beleuchtung  zeigt. 

Hinterflügel  mit  fast  doppelt  so  breitem,  intensiveren 
und  etwas  hellerem  blauen  Distalfleck,  der  proximal  sich 
der  Zelle  nähert,  während  er  bei  noriea  weit  jenseits  des 
Zellapex  abschneidet. 

Unterseite :  Dunkler,  schwarzfleckig,  prägnanter  und 
mit  violettem  Anflug  der  Hinterflügel,  der  bei  noriea  felilt. 

Patria:     Peru,    Pozuzo,    2    (^(^   Coli.    Fruhstorfer.  ■ 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909.  14* 


212 

Eunica  bechina  Hew. 

Cybdel.  bech.  Hew.,  Exot.  Butt.  1852,  t.  2,  f.  10. 

Eun.  bech.   Stdgr.,  Exot.   Schmett.   1888  p.   108,  t.  40. 

Über  die  Formen  dieser  Species  herrscht  noch  Un- 
klarheit, da  sie  sehr  selten  sind  und  zudem  zu  geogr.  Diffe- 
renzierung neigen. 

Exemplare,  wie  sie  Staudinger  abbildet,  kommen  über- 
haupt nicht  in  den  Handel;  was  jetzt  von  Dresden  aus 
als  bechina  versandt  wird,  gehört  zu  einer  Rasse,  deren 
Blaufleck    bis    an    die    Costale    reicht. 

Aus  Columbien  besitze  ich  ein  Exemplar,  das  ein 
Etiquett  von  Staudingers  Hand  trägt,  ,,bcchiua  var.  nicdcl- 
lina."'  Ein  Autor  ist  nicht  genannt,  vermutlich  wollte  es 
Staudinger  beschreiben. 

In  Columbien  wurde  jedoch  bereits  eine  hcchina-\^()k^\- 
form  gefunden,  die  seit  1864  als  evelide  Bates  bekannt  ist, 
und  die  auch  Staudinger  1.  c.  erwähnte.  Medellina  muß 
daher  wohl  auch  von  cvclidc  differieren,  so  daß  wir  bechina 
aufteilen  können  in : 

a)  bechina  bechina  Hew.     Amaz.  sup.  i  o  Coli.  Fruh- 

storfer. 

b)  bechina  evelide  Bates.     Columbien. 

c)  bechina   medellina   nov.   subspcc. 
E.  med.   Stdgr.  i.  1. 

Ausgezeichnet  durch  besonders  intensive  helle  und 
ausgedehnte  Blaufärbung  der  Flügeloberseite  und  zwei 
sehr  große  weiße  Subapicalpunkte.  Von  der  zweiten  (trans- 
cellularen)     Punktreihe    fehlt    die    mittlere    Makel. 

Der  blaue  Basalfleck  der  Hinterflügel  ist  schärfer 
abgegrenzt    als    bei    meinen    übrigen    /;rr///;?c7-Exemplaren. 

Patria :  Columbien,  Type  mit  Staudingers  Original- 
etiquett    von    A.    Bang-Haas    erworben. 

d)  bechina  chorienes  nov.  subspec. 

Die   Blaufärbung   der   Flügeloberseite   viel   matter   und 

Stett.  entomol.   Zeit.   1909. 


213 

dunkler  als  bei  hechina  vom  Amazonas  und  Columbien. 
Vorderflügel  mit  nur  zwei  Subapicalmakeln,  die  trans- 
cellulare  Punktreihe  fehlt  völlig. 

Unterseite:  Vorderflügel  ohne  Spur  ein?r  transcellu- 
luren  Punktierung,  der  weiße  Distalbezug  sehr  eingeschränkt. 

Hinterflügel    mit    ausgeprägteren    Ocellen    als    hechina. 

Patria:  Brasilien,  Espiritu-Santo,  2  5*^  Coli.  Fruh- 
storfer. 

Eunica  volumna  Godart. 

Nym.   volumna   Godart,   Enc.   Meth.    1823  p.   416. 

Der  Name  volumna  findet  sich  außer  bei  Godart  und 
im  Kirbyschen  Catalog  nirgends  erwähnt.  Godarts  wie 
immer  äußerst  zutreffende  Beschreibung  läßt  mich,  aber 
kaum  zweifeln,  daß  er  eine  Art  vor  sich  hatte,  von  der 
Felder  später   eine   Lokalform   als   tithonia  beschrieb. 

Mir  liegt  nun  eine  dritte  Form  vor,  so  daß  ich  volumna 
aufteile  in 

a)  volumna  tithonia  Felder. 

Faunis    tithonia    Felder,    Reise    Xovbr.    186*    p.    199, 

t.  52,  f.  6—8. 
Patria:    Bahia. 

b)  volumna  volumna  Godart. 

Patria:     Bresil;    vermutlich    Rio    de    Janeiro. 

Godart  sah  nur  i  Exemplar,  über  dessen  Geschlecht 
er  sich  nicht  klar  war.  Der  Beschreibung  nach  war  es  ein  ^, 
ungefähr  3  Daumen  breit,  (trois  pouces!)  Drei  Daumen 
breit  ist  nach  imserer  heutigen  Auffassung  eine  recht  un- 
bestimmte Größenangabe.  Zunäclist  ist  es  schon  gar  nicht 
leicht  mit  seinen  eigenen,  die  Breite  von  3  Daumen  auf 
einem  Schmetterlingsflügel  abzumessen,  was  jeder  erfährt, 
der  es  versucht.  Dann  sind  die  Daumen  der  einzelnen 
Personen  doch  recht  verschieden.  Drei  von  mir  messen 
65  mm,  jene  meiner  Frau  45  min.  wie  breit  mögen  nun  Herrn 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


214 

Godarts  Daumen  gewesen  sein,   der  ,,provisenr"   (Director) 
des  Lyceums  in  Bonn  war  ? 

c)   volumna  intricata  nov.  subspec. 

(^  kleiner  als  a  und  b.     Spannweite  55  mm. 

Oberseite  tief  schwarz. 

Hinterflügel  bei  seitlicher  Beleuchtung  mit  dunkel 
violettem  Schimmer.  Marginalbinde  der  Hinterflügel  sehr 
schmal,    kaum    Y^^   so   breit    als    auf   Fekkrs   Figur. 

Unterseite :  Vorderflügel  schwarz  mit  liellgrauem 
proximal  grünlich  angelaufenem  Distalsaum,  der  drei 
schwarze,  weit  getrennte  Subapicalpunkte  umscliheßt. 
Costalrand  grünlich  blau,  Zelle  mit  einem  basalen,  einem 
subbasalen  und  einem  apicalen  Querfleck  von  licll  me- 
tahisch  blauer  Färbung.  Jenseits  der  Zelle  eine  graue, 
proximal  licht  grünbkiu  begrenzte  längliche,  eingeschnürte,- 
oben  etwas  gekrümmte  Ocelle. 

Medianregion    mit    obsoleten    dunkelblauen    Fleckchen. 

Hinterflügel  grau,  längs  der  Zickzackbänder  grünlich 
angelaufen.  Die  m.ediane  und  submarginale  Transversallinie 
scharf  und  oft  gekniet.  Zwischen  beiden  eine  zweikernige 
obere   und   eine   doppelte    anale    Ocelle. 

Beide  gelblich  braun,  blau  gekernt.  Die  innere  Trans- 
vcrsalbinde  distal,  die  äußere  proximal  von  braunem  Schatten 
begleitet. 

An  der  Basis  der  SC.  ein  brauner  Hacken,  in  der  Zelle 
ein  bräunlicher  Fleck. 

Patria:     Santa   Catharina,    Brasilien,    Blumenau,    i    (J. 

Eine  wenigstens  oberseits  und  besonders  auch  der 
Vorderflügel-Unterseite  nahe  Verw^andte  der  columna- 
tithonia  ist  die  ansehnliche  Eunica  celina  Hew.  von  Ega 
am  Amazonas  beschrieben,  von  der  ich  einen  ^  (celniina 
nova  subspecies)  aus  Suapi  in  Bolivien  besitze,  der  durch 
eine    sehr    breite    licht    blaugraue     Submarginalbinde    der 

Stett.  entomol.  Zeit.   190"J. 


215 

Hinterflügel-Öberseite  und  iinterseits  durch  kleinere  Ocellen 
bemerklich  wird. 

Euiiica  cinara  Hew. 

Cybd.   cinara  Hew.,   Exot.   Butt.    1852,   t.    i,   f.   2. 

Von  dieser  oberseits  am  reichsten  blau  dekorierten 
Ennica  wurde  neuerdings  eine  zweite  Lokalrasse  in  Peru 
entdeckt,   so  daß   folgende  Zweige   der  Art  existieren : 

a)  cinara   cinara   Hew.      Oberer   Amazonas.       (i    q 

Coli.  Fruhstorfer.) 

b)  cinara  oreandra  nov.  subspec. 

Gr()ßer  als  der  nomenklatorische  Typus;  der  in  die 
Oberfläche  aller  Flügel  überziehende  Schiller  intensiver 
und  mehr  metallisch  blau  als  dunkel  violett,  was  besonders 
in  der  Analregion  der  Hinterflügel  bemerklich   wird. 

Unterseite:  Apex  der  Vorderflügel  und  die  Hinter- 
flügel in  ihrer  ganzen  x\usdelmung  fast  weißlich  grau  anstatt 
rötlich  violett. 

Ocellen  größer,  deren  graue  Peripherie  breiter  angelegt, 
die  subapicale  Schrägbinde  der  Vorderflügel  aus  viel 
lichteren  und  fast  noch  einmal  so  großen  Flecken  als  bei 
cinara  zusammengesetzt. 

Patria:     Peru,    Pozzuzo,    i    q    Coli.    Fruhstorfer. 

Eunica  marsolia  Godt. 
Nym.  mars.  Godt.,  Enc.  Meth.  1823  p.  418,  cJ?,  Bresil, 

und 
Eunica  taurione  Hb. 

Zuträge    Exot.    Schmett.    1832,    f.    783/784,    $,    Brasil, 
gehören   als    (^   und   $   zusammen,    im    Kirby sehen   Catalog 
stehen  sie  durch  ^y  Nummern  getrennt.     Zwei  Lokalrassen 
sind  zu  vermerken : 

a)  marsolia  Godart.     Minas  Geraes,  i  $  Coli.  Frühst. 

b)  marsolia  fasula  nov.  subspec. 

Stott.  entomol.   Zeit.    1009. 


216 

$  kleiner  und  dunkler  als  a,  die  weißen  Fleckchen 
der  Vorderflügel  viel  kleiner,  der  schwarze  Distalsaum 
ausgedehnter  und  die  submarginale  Punktreihe  der  Hinter- 
flügel prägnanter. 

Patria:    Amazonas   sup.    3?   Coli.   Fruhstorfer. 

Eunica  ariba,  Stett.  Ent.  Ztg.  1907  p.  48,  beschrieben, 
muß  als  caralis  ariba  m.  bezeichnet  werden;  (Amazonas) 
neben    caralis    caralis    Hew.,    Columbien. 


II. 

Neue  Zethera  und   Übersicht  der  bekannten 

Arten. 

Die  Gattung  Zethera  nimmt  eine  schwer  zu  präzisierende 
Stellung  unter  den  Satyriden  ein,  so  daß  sie  von  Schatz 
mit  Bia  und  Elymnias  zu  den  unsicheren  Generas  gestellt 
wurde.  Felder  hielt  sie  für  eine  Nymphalide  und  schaltete 
sie,  wahrscheinlich  durch  die  langen  Fühler  verleitet,  zwischen 
Euripus  und  Penthema  ein.  Semper  eröffnet  mit  Zethera 
die  Serie  der  philippinischen  Satyriden  und  ich  selbst  würde 
sie  nahe  Neorhina  und  Anadebis  einreihen. 

Zethera  Felder. 
Felder,    ,,Ein   neues    Lepidopteron"    1861    p.    26. 
Semper,   Schmett.  Philipp.   Mai  1886  p.  35;  Adernetz, 

p.  36. 
Staudinger,  Exot.  Schmett.  1883  p.  223;  Schatz  1.  c.  II. 

p.  223,  t. 
Amechania  Hew.,   Exot.   Butt.   t.    i,    Juli   1861 ;    Stau- 
dinger 1.  c. 
Zethera    Butler,    Cat.    Satyr.    Brit.    Mus.    1868   p.    109. 
A.     Die   oberen   Medianadern   der   Hinterflügel   gabeln   sich 
an  der    unteren    Zellwand. 

aa)     Geschlechter    dimorph. 

stett.  eutomol.   Zeit.    1909. 


217. 

Zethera  pimplea  Erichson. 
Cynthia  pimplea  Erichson,  Nova  Acta  Nat.  Cur.  XVI. 

Suppl.  p.  40,  f.  5,   o^,   1834. 
Übrige   Literatur  bei   Semper   1.   c.   p.   36  und   Butler, 

Cat.   Satyr.  Brit.  Mus.   1868  p.   109. 
Fruhstorfer,  Iris  1899  p.  78/79.    Mimetische  Ähnlichkeit 
erwähnt. 

a)  pimplea  pimplea  Erichson. 
Semper,   p.   36;    Staudinger  1.   c.   p.   223. 

c)   ^.  forma  typica  =  Erichsons  fig.  5;  Staudinger  1.  c, 

t-  79.   ^• 
p)   ,^.     forma    arayata    nova  =  Sempers    fig.    i    1.    c. 

Kleiner  als  normale  pimplea  mit  schmälerer  weißer 
Binde,  die  sich  costal-  und  analwärts  erheblich  verschmälert. 

Patria:     Berg   Arayat,    Luzon;    Flugzeit    April. 

$$  mit  breiten  Subapicalf lecken. 
y)    $.    forma  aganippe  Felder. 

Zethera  agan.  Felder,   Reise  Novara,  t.  54,  f.  3. 

Vorderflügel  mit  sehr  großen  weißen  Subapical-  und 
Submarginalflecken  und  gelblichen  oder  weißen  Strigae 
in  der  Zelle  und  der  Medianregion;  vier  große  Makeln  vor 
dem  Zellapex. 

Hinterflügel,  abgesehen  vom  schwarzen,  weißlich  ge- 
sprenkelten Distalsaum,  grünlich  oder  gelblich  weiß  gestreift. 

Mimetische  Form  heller  Danaiden-$$. 

Patria:    Luzon. 

S)  $.    forma  typica  =  Sempers  fig.  3,  t.  7. 

Vorderflügel  ohne  Flecken  vor  dem  Zellapex,  Zelle 
nur  mit  einem  blau  weißen  Längsstrich,  die  übrigen  Strigae 
der    Vorderflügel    reduziert,    blauviolett    überzogen. 

Hinterflügel  wie  bei  aganippe  nur  blau  anstatt  gelb- 
weiß;   allgemeine   Ähnlichkeit    mit    Trepsichrois-'^^. 

Patria:  Luzon.  Dies  ist  nach  Semper  die  gewöhn- 
lichste  Form   in   der   Nähe  von   Manila. 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


218 

f)  $.    forma  crastimima  nova. 

Vorder flügel  ganz  schwarz,  nur  mit  breitem,  schrägem, 
weißem  Subapicalfleck  und  einigen  subanalen  weißen 
Punkten. 

Hinterflügel  wie  bei  forma  typica,  Strigae  jedoch  ohne 
violetten   oder  blauen   Reif. 

Ausgezeichnete  mimetische  Form  der  Euploea  [Crastici) 
tobleri  Semper. 

Patria:  Bataan,  Mittelluzon,  wo  sie  ]nit  lohleri  zu- 
sammen fliegt. 

D  ?.    forma  parnassia  Felder. 

Vorderflügel  nur  nocli  mit  vier  weißen  Subapicalmakeln. 

Hinter  flügel  schwarz  mit  Ausnahme  weniger  weißer 
Ante-   und   Submarginalpunkte. 

Mim.etische  Form  der  gewöhnlichen  Euploea  siijainsoiii 
Godart,  insbesondere  das  $. 

Patria:    Sta.  Rosa,  Mittel-Luzon. 

Patria  der  piinplea  Erichson:  Luzon,  Polillo  (Semper), 
Lepanto-Distrikt  und  Manila  auf  Luzon,  5  ö'o  Coli.  Frühst. 

b)  pimplea  diloris  nom..  nov.  für  Sempers  fig.  2,  p.  36. 
Die  weiße  Binde  nimmt  etwa   14  des  Raumes  der  ge- 
samten   Flügel-Oberfläche    ein    und    fließt    im    Analwinkel 
der    Vorderflügel    mit    den    Submarginalf lecken    zusammen. 

Zweifellos  Lokalrasse  der  nördlich  von  Luzon  gelegenen 
Babuyan-Inseln. 

Patria:      Babuyanes,     Camiguin    de    Luzon     (Semper). 

c)  pimpiea  gadrosia  nov.  subspec. 

=  Staudinger  1.  c,  t.  79,  $,  necö.  Semper  1.  c.  partim, 
Mindoro. 

Fruhstorfer,  Iris  1.  c.  partim,  Mindoro. 

$.    Färbungstypus  an   Trepsichrois  erinnernd. 

Vorderflügel  mit  verwaschenen  Transzellular  flecken, 
aber  prominenten  Subapicalmakeln.  Zelle  mit  nur  einem 
Längsstrich,  Medianstrigae  weißlich  mit  lichtblauer  Peripherie. 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


219 

Hinterflügel  weiß  gestreift,  alles  übrige  wie  auf  Stau- 
dingers  Bild,  das  von  meiner  Tj-pe  nur  durch  den  blau- 
grünen Anflug  der  \'orderflügel  und  gelbliche  Färbung 
der  Hinterflügel-Strigae  differiert. 

Patria:     Mindoro,    i    2    Coli.    Fruhstorfer. 
d)  pimplca  thermaea  Hew. 

Zethera  thermaea  Hew.,  Ent.  Month.  Mag.  XU, 
p.  178.  1877. 

Semper  1.  c,  p.  37,  t.  7,  f.  6,  qo-    Ober-  und  Unterseite. 

Fruhstorfer,  Iris  1.  c,  p.  79. 

Flugzeit:    Januar  bis  November. 

Ich  glaube  keinen  Fehler  zu  begehen,  wenn  ich  die 
von  Hewitson  als  Species  behandelte  ,,thcrniaea""  als  den 
südlichsten  der  bisher  bekannten  pimplea-Z\Neige  betrachte, 
da  thermaea  nur  durch  eine,  stellenweise  blau  oder  violett 
überzogene  jMedianbinde  von  pimplea  aus  anderen  Fund- 
orten abweicht. 

Patria:    Samar,  Bohol,   Panaon. 

Zethera  musa  Felder. 

Literatur    bei    Semper,    p.    ^^\     Fruhstorfer,    Iris    1.    c. 

Felder,  Reise  Novara,  t.  54,  f.  6,  7,  o-  Ober-  und 
Unterseite. 

Auch  die  Lokalrassen  dieser  Species  wurden  von  Semper 
und  mir  als  Arten   aufgefaßt. 

Semper  glaubt,  daß  die  $$  ebenso  zu  Veränderungen 
neigen  wie  pimplea-^^.  Nach  dem  spärlichen  Material, 
das  vorliegt,  läßt  sich  dies  aber  noch  nicht  mit  Sicherheit 
behaupten,  da  erst  2  $$-Formen  bekannt  wurden,  von 
denen  die  hellere  auf  Bazilan  ausschließlich  in  der  Trocken- 
zeit vorkommt. 

Semper  hat  bereits  beobachtet,  daß  von  musa  auf 
Mindanao  zwei  Lokalformen  existieren,  und  zwar  zeigen 
die    (^(^    der    Nordhälfte    Mindanaos   schmälere    Binden    als 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


220 

jene  der  Südhälfte  der  Insel.  Es  ist  auch  natürlich,  daß 
z.  B.  auf  der  schmalen  S.-W. -Landzunge,  wo  Zamboanga 
liegt,  die  marinen  Atmosphärilien  intensiver  einzuwirken 
vermögen  als  im  Hauptstock  von  Mindanao. 

Die    schmalbänderige    Nordform    taufe    hier    als: 

a)  musa  septentrionalis  nov.  subspec,  der 

b)  musa  musa  Felder  als       S  ü  d  f  o  r  m     gegenüber- 

steht. 
Von  musa  existieren  zwei  5-^"^'^^sgaben : 

ci)  $.    forma  typica  (vermutlich  Regenform) 
=   Sempers  fig.  lo  auf  taf.  VII,  p.  39. 
Grundfarbe     braun,      überraschende     Ähnlichkeit     mit 
Euploea  snelleni  Moore  $.     Hinterflügel  mit  relativ  großen 
länglichen  weißen   Strigae  in  der  Medianregion. 
^)  $.    forma  radenoides  nova 
=  Semper  musa-$,  p.  38  und  p.  324. 
Das    erst    von    Dr.    Platen    entdeckte    helle    $    erinnert 
an    mixta    Fruhstorfer    von    Bazilan     und     ähnelt     im     all- 
gemeinen den  Radena. 

Wahrscheinlich  ist  radenoides  Trockenform. 
Patria:    Mindanao. 

c)  )}msa  mixta  Fruhstorfer. 

Zethera  mixta  Frühst.,  Iris  1899  p.  y8;  B.  E.  Z.  1899 
p.  99  und  1900  p.  19. 

Zethera  musa  de  Niceville,  J.  Bomb.  Nat.  Hist.  Soc. 
1900  p.  162,  t.  CC,  f.  4. 

(^  differiert  von  juusa  durch  zierlichere  weiße  Punkte 
der  Vorderflügel  und  schmäleren  sackartigen  Fleck  der 
Hinterflügel-Oberseite,  welche  stets  die  runde  Analmakel 
isoliert  trägt,  während  sie  bei  musa  mit  dem  zentralen 
Fleck  zusammenstößt. 

De  Niceville  bildet  eine  auffallend  helle  $-Form  ab, 
die  von  meinen  $9  durch  den  weißlichen  anstatt  grünlichen 
Anflug  der  Strigae  aller  Flügel  abweicht.    Vermutlich  gehört 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


221 

das  de  Nicevillesche  $  einer  noch  extremeren  Trockenform 
an  als  meine  Typen. 

Die  dunkelbraune  $-Form  fehlt  bisher. 

Patria:  Bazilan,  2  ^5*  4  ??  W.  Doherty  Februar-März 
1898    leg. 

d)  jjntsa  nmsides  Semper. 

Zethera  musides  Semper  1.  c.  p.  38,  t.  7,  f.  8,  g,  (^. 

o  differiert  von  nnisa  durch  das  Anwachsen  aller  weißen 
Makeln  und  Binden  und  stellt  die  extremste  albine 
Variationsrichtung  der  ;;r?YS(7-Formen  dar,  ähnlich  wie 
diloris  Fruhstorfer  jene  von  pimplca. 

Patria:     Zebu,    Guimaras   und   vermutlich    Negros. 

e)  musa  mindorona  nov.  subspec. 

^.  Die  weißlichen  Punkte  der  Vorderflügel  obliterieren, 
der  Mediansack  der  Hinterflügel  wird  kürzer,  breiter,  und 
löst  sich  auf  der  Unterseite  in  völlig  isolierte,  z.  T.  stark 
verkümmerte,    ovale    Makeln    auf. 

5.  Vom  Typus  der  braunen  Euploeen,  ähnlich  musa-^, 
forma  typica,  nur  mit  reduzierterer  Punktierung  der  Vorder- 
flügel und  viel  kürzeren  gelblichen  Strigae  der  Hinter- 
flügel. 

Patria:     Mindoro,    q?    Coli.    Fruhstorfer. 

bb)     (i  e  s  c  h  1  c  c  h  t  e  r    m  o  n  o  m  o  r  p  h. 

Zethera  incerta  Hew. 

Amechania  incerta  Hew.,  Exot.  Butt.  II,  t.  i,  Juli  1861. 

Zethera  incerta   Hopffer,    Stett.   Ent.   Ztg.    1874  p.  37. 

Zethera   incerta    Stdgr.,    Exot.    Schmett.    1888   p.    223. 

(,,Ganz    eigentümlich    ist   die   große   incerta    von 

Celebes,      für     welche      die     Hewitsonsche     Gattung 

Amechania    am    besten    beibehalten   wird."       Stdgr.) 

Fruhstorfer,    Iris    1899    p.    79. 

Die  herrliche  Spccies  ist  eine  echte  Zethera  und  ent- 
fernt   sich,    abgesehen    von    den   dimorphen    Geschlechtern, 

stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


222 

struktuell  viel  weniger  von  den  typischen  Zethera  als  hcstioidcs 
Felder,  da  sich  die  Medianadern  dicht  an  der  unteren  Zell- 
spitze der  Hinterflügel  abzweigen. 

Zethera  bewohnt  anscheinend  nur  den  Nordarm  von 
Celebes  und  wurde  südlicher  als  Donggala  noch  nicht 
beobachtet. 

Beide  Geschlechter  präsentieren  sich  als  eine  mimetische 
Form  der  ungemein  häufigen  Ideopsis  vitrca  Blanch.,  mit 
denen  sie   zusammen   gefangen   werden. 

Das  bisher  unbeschriebene  $  ist  größer  als  der  ^,  mit 
viel  hellerer  Costalpartie  der  Vorderflügel  und  fast  weißer, 
niu^  von  zwei  schwarzen  Strichen  durchzogener  Zelle.*) 
Zwischen  den  Radialen  der  Vorderflügel  färbt  sich  der 
Zwischenraum  in  den  kühn  geschwungenen  Submarginal - 
zacken  gelb  und  die  beim  (J  ockerfarbenen  Stellen  der 
Hinterflügel  nehmen  einen  bleicheren  Ton  an.  Die  Adern 
erscheinen    zarter    schwarz    bereift. 

Patria:  Nord-Celebes,  Toli-Toli  (Novbr.-Dezbr.  1895 
H.  Fruhstorfer),  Donggala  (August  1896  W.  Doherty  leg.). 

B.  Die  oberen  Medianadern  gabeln  außerhalb  der 
Zell  wand. 

Geschlechter    monomorph. 

Zethera  hestioides  Felder. 
Reise  Novara,  t.  54,  f.  4,  5,  ^,  1S67;    Scmper  1.  c.  p.  39, 

t.  7,  f.  II.  ?. 
Staudinger  1.   c.   p.   223;     Fruhstorfer  1.   c. 

Diese  durch  die  gleichartigen  Geschlechter  der  incerta 
entfernt  verwandte  Species  differiert  von  allen  Zethera- 
Arten  durch  die  sich  erst  außerhalb  der  Zelle  gabelnden 
Medianadern    und    man    könnte,     wenn    diesem    Merkmal 


■')     Ähnliche  Linien,  die  sich  z.  T.  nach  der  Zellvvurzel  vereinigen, 
linden  sich  häufig  bei  allen  Danaiden.     Martin  hält  sie  für  in  der  Onto- 
genese zurückgebliebene  Spuren  früheren  Geäders. 
Stott.  entomol.  Zeit.   1909. 


223 

überhaupt  irgend  welche  Bedeutung  zukäme,  also  eher 
auf    hestioidcs    als    incerta    eine    Gattung    gründen. 

(^$  von  hestioidcs  ähneln  etwas  der  Idcopsis  glaphyra 
Moore. 

Patria:     Mindanao,    i    (^   Coli.    Fruhstorfer. 

Abgesehen  von  den  beiden  letzten  Species  bilden  die 
Zctkeva  eine  Artengruppe,  deren  weitgehender  ge- 
schlechtlicher D  i  m  o  r  p  h  i  s  m  u  s  und  deren 
Neigung  zu  polymorphen  Formen  bei  den  90  unter  den 
S  a  t  y  r  i  d  e  n    überhaupt    kein    Beispiel    findet. 

Durch  die  Tendenz  Euplocen  und  Danaidcn  vorzu- 
täuschen, führten  sie  sogar  Felder  auf  Abwege,  der  sie 
den  Euripus  anschloß,  die  ihrerseits  in  der  Nymphalider- 
welt  wieder  durch  ihre  nachäffende  Euploeen-  und  Danaiden- 
tracht   eine    absonderliche    Stellung   einnehmen. 

III. 

Bemerkungen  über  die  Verwandten  der 
Euthaiia  teuta  Doubl. 

Den  hierher  gehörigen  Fornien  wurde  eine  sehr  un- 
gleiche Behandlung  zuteil. 

Moore  und  de  Niceville  ließen  alle  Subspecies  aus- 
nahmslos als  ,, Species"  kursieren,  Bingham  dagegen  be- 
trachtet sie  als  ,, Rassen"  zweier  Arten,  was  für  einige 
Formen  auch  mit  den  Tatsachen  im  Einklang  steht.  Bing- 
ham geht  sogar  so  weit,  die  stark  differenzierte  recta  de 
Niceville  aus  Assam  als  ,,Races"  neben  teuta  Doubl,  (gleich- 
falls aus  Assam)  zu  stellen. 

Wenn  nun  teuta  und  rccta  wirklich  nur  einer  Species 
angehören,  könnte  es  sich  bei  beiden,  deren  Verschieden- 
heiten so  sehr  ins  Auge  fallen,  doch  nur  um  Zeitformen, 
aber  nicht  um  L  o  k  a  1  r  a  s  s  e  n  handeln,  v^^elch  letztere 
Bingham    sonst    recht    folgerichtig    als    ,,Races"    bewertet. 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


224 

Da  mir  von  tcuta  sowohl  als  auch  von  reda  je  zwei 
Zeitformen  aus  Assam  vorliegen  und  es  mir  geglückt  ist, 
in  Siam  gleichfalls  zwei  Formen  zu  finden,  von  denen  die 
eine  als  Ausläufer  von  tcuta,  die  andere  als  Zweig  der  recta 
gelten  kann,  muß  eine  Rektifikation  der  früheren  Tabellen 
erfolgen. 

Die  Verteilung  der  fraglichen  Euthaliiden  stelle  ich 
mir  deshalb  so  vor: 

A.     Gelbl.  Medianbinde  der  Vorderflügel  nach  innen 
gerückt. 
Makeln  der  Medianbinde  aller  Flügel  distal  tief 

eingekerbt . 
Analwinkel   der   Hinterflügel   ohne   roten    Punkt. 
teuta   teuta   Doubl.    1850.      Assam,    Silhet,    mit   zwei 
wenig  prononzierten  Zeitformen.  0$  der  dry  season 
etwas    kleiner,    lichter    als    jene    der    Regenform. 
teuta  teutoides  Moore  1877.     Andamanen. 
teuta  externa  de  Niceville  1894.     Nias.     (Eine  so  aus- 
geprägte Lokalrasse,  daß  ihr  fast   Speciesrang  zu- 
kommt.) 
tcuta  curus  de  Niceville  1894.      Sumatra,   i   3"  5  $9 
Vulkan  Singalang,  West-Sumatra,  Coli.  Fruhstorfer. 
teuta   bellata   Druce.    1873.      Nord-  und    Süd-Borneo. 
teuta  cion  de  Niceville  1894.     Ost-  und  West-Java. 
teuta  salpona  nov.  subspec. 
(^.    Die  oberen   Flecken  der   Medianbinde   der   Hinter- 
flügel  etwas   größer   als   bei   bellata  von   Nord-Borneo,   wo- 
durch   die    Binde    ein    gleichartigeres    Aussehen    bekommt. 
Unterseite    dunkler    als    bei    Borneo-Exemplaren    mit 
längerem  schwarzgesäumten  und  licht  rotgekerntem  Fleck 
in  der  Zelle  der  Hinterflügel  und  breiteren  Medianbinden. 
Patria :    Natuna. 

teuta  godrichi  Distant   1886.      Malay.   Halbinsel. 
teuta    gupta    de    Niceville    1886.       Ober-Tenasserim. 

Stett.  entoniol.  Zeit.  1909. 


225 

(Moore,   Lep.   Ind.   1896,  vol.   III,   t.   211,   f.   2-2a, 
Regenform.) 
teuta  ira  Moore   1896.      Unter-Birma.      (Moore  1.   c, 

f.  i-ia,  Trockenform.) 
teuta  af Jinis  Lathy  1900.     Siam.     (Bassarona  affinis 
Lathy,  Entom.  1900  p.  214,  i  o  Muck-Lek  Januar 
1900  H.  Fruhstorfer  leg.) 
cson  de  Niceville  1894.     Palawan. 
B.    Alle  Flecken  der  Medianbinde  stehen  in  gerader 
Reihe  untereinander. 

Makeln  der  Medianbinde  aller  Flügel  distal  nur 
wenig  eingekerbt. 
(()  Analwinkel  der   Hinterflügel  oberseits   mit   rotem 
Punkt,   der  bei   recta  auch   unterseits   stets   vorhanden   ist. 
recta  recta  de   Niceville   1886.      Assam. 
recta  subspec.     Birma. 
recta  monilis  Moore   1897.      Siam. 
Eine     recia-Yoxvfi    dürfte,     wie    dies     Bingham    bereits 
vermutet,   noch   in   Birma  entdeckt   werden,   um   so   mehr, 
als   eine   solche   auch   in    Siam   vorkommt. 

Die  Existenz  von  monilis  in  Siam,  neben  einer  typischen 
teiita-KdiSSQ  {affinis  Lathy),  dürfte  für  den  specifischen 
Wert  von  recta  plädieren,  um  so  mehr,  als  ich  beide  in  aus- 
gesprochenem Trockenzeitkolorit  am  selben  Tage  im  Januar 
(also  in  der  dry  season)   beobachtete. 

p)  Analwinkel  der  Hinterflügel  ohne  Rotpunktierung. 

piratica  Semper  1888.     Type  aus  Luzon,  Nord-  und 

*   Süd-Philippinen. 

lahotas  Hewitson  1864.     Nord-,  Zentral-  und  Südost- 

Celebes.     (Ursprünglich  als  Limenitis  beschrieben; 

der    (^    dürfte    noch    unbekannt    sein.) 


Stctt.  entomol.   Zeit.   1909.  15 


226 

IV. 
Eine  neue  Taenaris. 

Taenaris  macrops  ternatana  nov.  subspec. 

Das  $  dieser  neuen  Inselform  entfernt  sich  von  macrops- 
?$  aus  Halmaheira,  besonders  aber  jenen  von  Batjan  durch 
den  viel  schmäleren  grauschwarzen  Distalsaum  der  Ober- 
seite,   hauptsächlich   jenem    der   Vorderflügel. 

Die  Hinterflügelocelien  bleiben  kleiner  als  bei  macrops 
Felder.  Als  wichtigster  Differentialcharakter  sei  jedoch 
die  rein  kreidige,  fast  blendend  weiße  Grundfärbung  der 
Oberseite  erwähnt,  die  ternatana  mit  macrops  macropina 
Fruhstorfer  von  Obi  gemeinsam  besitzt,  während  macrops 
stets  gelblich  abgetönt  sind. 

Des  weiteren  erscheint  weder  bei  ternatana  noch  bei 
macropina  das  Medianfeld  der  Vorderflügel  grau  beschuppt, 
eine  Erscheinung,  die  bei  macrops  stets  zu  beobachten  ist. 
Auf  der  Unterseite  differiert  ternatana  dann  sowohl  von 
macrops  wie  auch  macropina  durch  die  wesentlich  kleineren 
Ocellen  und  das  ausgedehntere  rein  weiße  Medianfeld  der 
Hinterflügel.  Dadurch  wird  naturgemäß  auch  unterseits 
der  hier  tiefschwarze  Distalsaum  besonders  weit  nach  außen 
gedrängt  und  in  seiner  Ausdehnung  behindert. 
Patria:  Ternate,  2  $9  Coli.  Fruhstorfer. 
Die  übrigen   Verwandten   verteilen  sich  wie   folgt: 

macrops  macrops  Felder. 
Type    aus    Halmaheira    (Felder),    Batjan,    25    Pärchen, 
Halmaheira    ein    Paar    in    Coli.    Fruhstorfer. 
macrops  ternatana  Fruhstorfer.     Ternate. 
inacrops  macropina  Fruhstorfer.     Obi. 
Taen.    macr.    forma    (sie!!)     macropina    Stichel,     Gen. 
Ins.  36  fasc.  p.  44,  1906.     6  ^,^  20  ?$  Coli.  Frühst. 
selene  sclenc  Westw.     Buru. 
T.  buruensis  Forbes. 

Stett.  eutomol.  Zeit.  1909. 


227 

selene  gigas  Staudinger.     Ceram. 
$.    forma  tetrica  Stichel.     Ceram. 

Macrops  selene  stellen  die  am  westlichsten  vorgedrungenen 
Formen  der   Taen.  catops-^cihe  dar. 


V. 
Neue  Cethosia=Rassen. 

Cethosia  eydippe  cenchrites  nov.  subspec. 

Steht  li'oodlaykiana  Fruhstorfer  (Iris  1901  p.  339 
und  1903  p.  37,  t.  I,  f.  5  und  6,  ^9)  habituell  nahe,  differiert 
jedoch    von    dieser   in   folgenden    Punkten: 

Weiße  Subapikalbinden  der  Vorderflügel  etwas  breiter, 
die  submarginale  Reihe  von  weißlichen  Halbm.onden  da- 
gegen etwas  reduziert. 

Hinterflügel  viel  ausgedehnter  schwarz  umsäumt,  die 
bei  woodlarkiana  so  deutliche  Binde  von  zusammenhängenden 
Halbmondf lecken  fast  völlig  verschwunden. 

Unterseite:  Die  Weißzeichnung  der  Vorderflügel  präg- 
nanter, die  schwarze  Medianbinde  distal  reicher  mit  metallisch 
grünblauen  Wischflecken  besetzt. 

Patria:  Inseln  nahe  British  Neu-Guinea.  3"$  '^'"^^ 
Miß  Sharp  in  London  erworben. 

Cethosia  eydippe  damasippe  Felder. 

Als  Heimat  der  Type  gibt  Felder  den  ,,Litus  occidentale" 
von  Nova-Guinea  an,  und  seine  Beschreibung  ist  auf  Exem- 
plare gegründet,  die  von  der  Aetna-Expedition  nach  Europa 
gebracht  wurden.  In  zweiter  Linie  nennt  Felder  noch  Dorey 
und  Mysol  ais  zuverlässigen  Fundort  und  ,,Aru"  als  irrtüm- 
liche Lokalität  der  damasippe. 

Auf  Grund  des  54  Exemplare  umfassenden  Materials 
meiner  Sammlung  sehe  ich  mich  jetzt  veranlaßt  darauf  hin- 
zuweisen, daß  Neu-Guinea  außer  von  damasippe  noch  von 

Stett.  cntomol.   Zeit.   1909.  15" 


228 

3  weiteren  geographischen  Rassen  bewohnt  wird.     Es  sind 
folgende : 

a)  eine   Form  des   N.-W.   Holl.   Neu-Guinea. 

b)  eine   Form   des    S.-W.   Holl.    Neu-Guinea. 

c)  eine    Form    des    Deutschen    und    Britischen    Neu- 
Guinea. 

Zur  ersteren  zähle  ich  14  Exemplare  aus  Dorey  und 
vom  Arfak-Gebirge.  Sie  sind  gekennzeichnet  durch  sehr 
schmale  vielfach  sogar  diffuse,  weißliche,  subapicale  Schräg- 
binde der  Vorderflügel,  sehr  breiten  schwarzen  Distalsaum 
aller  Flügel  \md  dunkel  braunrotes  Kolorit  des  Basalfeldes 
der  Flügeloberseite. 

Zu  b  rechne  ich  Stücke  von  Kapaur,  6  3*0  W.  Doherty 
leg.,  und  I  $  aus  der  Kajumera-Bay,  charakterisiert  durch 
eine  g — 10  mm  breite,  rein  weiße,  leuchtende  Ouerbinde 
und  hellrötliches   Basalfeld  aller  Flügel. 

Aus    Felders    Beschreibung    läßt    sich    nicht    ermitteln, 
ob  seine  Diagnose  auf  a  oder  b  sich  bezieht,  inid  so  reser- 
viere  ich   für   die   noch   nicht   benannte   Form   d^n   Namen 
cydippe  coronilla  nov.  subspec. 

Die  Rasse  aus  Deutsch  und  British  Neu-Guinea  be- 
zeichne ich  mit 

cydippe  praestabilis  nov.  subspec, 
die   \T)n  b  abweicht  durch  etwas  schmälere  nur  6 — 7   mm 
breite    weiße    \'orderflügelbinde    und    die    reicher    weißlich 
gezeichnete    Unterseite,    auch    schließt    sie    sich    viel    mehr 
der  australischen  chrysippc  F.  an. 

Die  Ouerbinde  der  \"orderflügel  ist  jedoch  niemals 
auch  nur  entfernt  so  reduziert  als  bei  den  Dorey-Exem- 
pkiren. 

Patria:  Deutsch  Neu-Guinea,  Friedrich-Wilhelmsliafen, 
20  SS  9  ??.  Stephansort  2  $$,  Bongu  2  $?,  British  Neu- 
Guinea,  Milne   Bay,   6   SS   Coli.   Fruhstorfer. 

Stett.  eutomol.  Zeit.  1909. 


229 

Cethosia    myrina    Felder,    ?    forma   melancholia    nova. 

i  ^,~  $$  der  herrlichen  Cethosia  myrina  aus  Ost-Celebes 
zeigen  vielfach  eine  völlig  schwarze  anstatt  rotbraune 
Grundfärbung   der  Oberseite    aller   Flügel. 

Mir  liegt  ein  Exemplar  vor,  das  gleichfalls  fast  ganz 
schwarz  gefärbt  ist  mit  Ausnahme  der  Analregion  der  Vorder- 
flügel und  der  Submarginalzone  der  Hinterflügel,  die  dunkel- 
grün angeflogen  sind. 

Die  Hinterflügel-Unterseite  ist  gleichfalls  verfärbt  und 
zwar  in  der  Weise,  daß  die  distale  Partie  der  sonst  gleich- 
mäßig rotbraunen  Submarginalbinde  breit  grünlich  schimmert. 

Patria:  Ost-Celebes,  Mapane,  Februar  1895,  Drs. 
Sarasin  leg.,  i  $  Coli.  Fruhstorfer,  2  $$  Museum  Basel, 
eine  Anzahl  $$  von  Paloppo,   Coli.   Martin. 

Cethosia  mindanensis  festiva  nov.  subspec 
Mit    39    mm    \'orderflügellänge    wesentlich    kleiner    als 
mindanensis  Felder  von  Mindanao  und  Bazilan,  die  46  mm 
und  darüber  aufweist. 

Die  gelbe  Schrägbinde  der  Vorderflügel  kompakter, 
weder  proximal  noch  distal  so  tief  wie  bei  Mindanao-Exem- 
plaren  eingekerbt,  deren  innere  schwarze  Begrenzung, 
namentlich  in  Anbetracht  der  Kleinheit  der  Stücke,  wesent- 
lich breiter.  Die  rotbraune  Färbung  des  Basalfeldes^auf 
der  Oberseite  beider  Flügelpaare  dunkler,  ebenso  die  rot- 
braunen Längsbinden  der  Unterseite.  Die  medianen  Reihen 
schwarzer  Punkte  der  Unterseite  prägnanter. 

Patria:  Jolo-Archipel,  2(^\^,  Waterstradt  leg.  CoH.  Frühst. 

VI. 
liestina  ein  für  Celebes  neues  Genus. 

Vor  einigen  Wochen  ging  mir  aus  Nord-Celebes  eine 
kleine  Sendung  zu,  die  zwei  hochinteressante  Species  ent- 
hielt.    Es  sind  dies 

Stett.  cntomol.  Zeit.  1909. 


230 

Hestina  divona  Hew.  und 

Euripus  robustus  Wallace.     c^(^$. 
Beide  Arten  sind  schon  seit  einem  halben  Jahrhundert 
in    der   Literatur   registriert,    aber   immer   verwechselt   und 
falsch  bestimmt  worden. 

Deren    Synonymie    verhält    sich    wie    folgt : 

Hestina  divona  Hew. 
Diadema  (!)  divona  Hew.,  Pr.  Z.  S.  1861  p.  50,  t.  8,  f.  i. 

,,Moluccae"  ex  errore. 
Hypolimnas  ( !)    divona    Kirby,    Cat.    Diurn.    Lep.    1871 

p.  226.     ,,Moluccae"  ex  errore. 
Euripus  (!)    robustus    Staudinger    (nee   Wallace),    Exot. 

Schmett.  1888  p.  139.     Minahassa,  3*$. 
Euripus  (!)  robustus  Pagenstecher,  Abh.  Senckenb.  1897 

p.  397,  t.  20,  f.  6. 
Euripus  (!)  divona  Fruhstorfer,  Iris  1903  p.  34.     Nord- 

Celebes,  nicht  Molukken. 
Patria:    Nord-Celebes,  i  J  (Tondano)  Coli.  Fruhstorfer. 

Euripus  robustus  Wallace. 
Trans.  Ent.   Soc.   1869  p.  348.     Tondano. 
Kirby,  Cat.  Lep.  p.  227.     Tondano. 
Diese    prächtige     Species    zerfällt    in    2     Lokalrassen: 

a)  robustus  robustus  Wall.     Nord-Celebes 

=   Euripus  holofernes  Stdgr.  1.  c.  p.  139,  (^$.   Minahassa. 
=  Eurip.  hol.  Fruhstorfer  1.  c.  partim.     Nord-Celebes. 

b)  robustus  myrinoides  nov.  subspec. 

Euripus  robustus  Hohand,  Pr.  Zost.  Soc.  N.  Hist.  1890 
p.  67.     S.-Celebes. 

Rothschild,   Iris   1892  p.   437.      S.-Celebes. 

Fruhstorfer,  ibid.  1903  p.  34  partim.    S.-Celebes. 

Euripus  halitherses  Snellen,  T.  v.  E.  vol.  21.    S.-Celebes. 

Die  9Q  der  S.-Celebes-Rasse  sind  heller  als  die  $$  von 

robustus  aus  Tondano  gefärbt  und  erinnern  durch  ihr  fröh- 

dtett.  eutomol.  Zeit.   1909. 


231 

liches,  ins  Rote  spielende  Kolorit  an  ^Jo  von  Cethosia  myrina 
Feld.,  auch  sind  sie  wesentlich  größer  alsN.-Celebes-Exemplare. 

Nach  Doliert}^  (Iris  1.  c.)  gibt  es  auch  9?.  die  wie 
Zethera  incerta  Hew.  aussehen  und  vielleicht  eine  mimetische 
Form   der   Hestia   hlanchardi  darstellen. 

Patria:    S.-Celebes. 

Das  Nord-Celebes-y  erinnert  viel  mehr  an  typische 
Cethosia  myrina  Felder  in  Färbung  und  Flügelform  als 
etwa  an  eine  Euploea.  Namentlich  das  hellbraune  Kolorit, 
die  Streifung  der  Vorderflügel  und  der  große  weiße  Sub- 
basalfleck  der  Hinterflügel  erzeugen  eine  frappante  Cethosien- 
Ähnlichkeit. 

Nach  dem  Material,  das  bisher  nach  Europa  gelangt 
ist,  stand  es  unzweifelhaft  fest,  daß  alle  Euriptis-Avten 
danaidi-form  sind,  und  der  Glaube  an  einen  Schutz  durch 
ihre  nachäffende  Kleidung  hatte  eine  gewisse  Berechtigung. 
—  Was  sagen  nun  die  Mimetiker  zu  der  bisher  unbekannten 
Anpassung  an  eine  Cethosia  ?  Oder  zählen  die  Cethosien 
vermöge  ihrer  bunten  und  aufdringlichen  Färbung  gleich- 
falls  zu    den   geschützten    Faltern  ? 

Jedenfalls  ist  dies  neue  Faktum  wieder  einmal  ein 
Beweis  dafür,  wie  unzureichend  unsere  jetzige  Kenntnis 
der  tropischen  Schmetterlingswelt  noch  ist,  wenn  es  gilt 
für    oder    gegen    eine    Theorie    Partei    zu    ergreifen. 


VIT. 
Neue  Rhopaloceren  aus  dem  Papua=Gebiet. 

Delias  aruna  Boisd.  und  deren  Rassen. 
Bei  dieser  schönen  Delias  wiederholt  sich  eine  Er- 
scheinung, die  Ornithologen  schon  längst,  Entomologen 
noch  gar  nicht  beachteten,  nämlich,  das  von  mir  bei  Pa- 
pilionid:>n,  Taenariden,  Hypolimnas,  Doleschallia,  Elymnias 
usw.  nachgewiesene  Faktum,  daß  die  Tagfalter  der  Haupt- 

Stctt.  cntomol.  Zeit.   1909. 


232 

insel  von  Neu- Guinea  sich  in  z.  T.  scharf  differenzierte 
Lokalrassen  auflösen. 

Viele  von  diesen  rein  geographischen  Formen  ent- 
fernen sich  in  so  hohem  Maße  vom  nomenklatorischen 
Typus,   daß   sie  bisher   als  eigene    Species  kursierten. 

Ein  sprechendes  Beispiel  dafür  bietet  gleich  die  all- 
gemein bekannte  Deltas  aruna  Boisd.,  deren  dunklere  Rasse 
aus  British  Neu- Guinea  als  besondere  Art  ,,inferna  Butl." 
bestimmt  wurde.  Aruna  aus  Britisch  Neu-Guinea  ist 
zudem  keineswegs  identisch  mit  injerna  Butl.,  sondern 
gute   Lokalrasse,    die   ich   hier  vorstelle   als 

a)  aruna  irma  Fruhstorfer. 

Eine  ^•orzügliche  Abbildung  gibt  Grose  Smith,  Rhop. 
Exot.  II  Delias  II  f.  3-6,  (^9. 

Mitis,    Iris   1893   p.    104,   partim. 

Butler,  Ann.  Mag.  Nat.  Hist.  1897  p.  150,  partim. 
Pt.  Moresby. 

Fruhstorfer,    Soc.    Ent.    1907    p.    179. 

S   breiter   schwarz   gesäumt    als   inferna. 

?.  Distalrand  aller  Flügel  ausgedehnter  schwarz, 
zum  Teil  tief  in  die  Medianregion  hineinziehend.  Basis 
der  Flügeloberseite  bis  kurz  vor  dem  Zeilapex  dicht  schwarz 
beschuppt,  so  daß  von  der  ursprünglichen  orange  Färbung 
nur  eine  große  oblonge  Makel  zu  beiden  Seiten  des  ZeU- 
schlusses  offen  bleibt. 

Patria:  Milne-Bay,  Britisch  Neu-Guinea,  7  ^^  2  ^^ 
Coli.  Fruhstorfer. 

b)  aruna  inferna  Butler. 
Fruhstorfer,    Soc.   Ent.  1.  c. 

D.  inferna  Butler,  Lep.  Exot.  p.  63,  t.  24,  f.  6,  1871. 

A.  M.  N.  H.  1897  p.  150. 
Grose   Smith   1.   c.   p.   6,   partim. 
Mitis  1.  c,  partim.     (Cape    York.) 
Patria:    Cape    York,    ^^  Coli.   Fruhstorfer. 

Stett.  eutomol.  Zei^.   1909. 


233 

c)  aruna  rona  Rothschild. 

Nov.   zool.    1898  vol.   V  p.   98;   Fruhstorfer  1.   c.    1907. 
Patria:     Insel    Roon,    Geelvinkbay.       Fehlt    mn-. 

d)  aruna  aruna  Boisd. 

Pieris  aruna  Boisd.,  Voyage  d'Astrolabe  1832  p.  48,  q- 
Spec.    Gen.    1836  p.   467.      Nouvelle   Guinee. 

Hew.,  111.  Exot.  Butt.  1861,  t.  III.  f.  10,  22  J,  f.  21,  ?. 

Vollenhoven,  Monogr.  Pierides  1865  p.  18,  partim. 
Nouvelle  Guinee. 

Delias   aruna   Mitis   1.   c.,   partim.      Papua. 

Grose  Smith,  Nov.  Zool.  1894  p.  334.       Humboldtbay. 

Butler  1.  c.,  partim.     Humboldtbay. 

Fruhstorfer  1.  c. 

Patria:     Nouvelle    Guinee    (Boisduval),    Smith,    Butler. 

e)  aruna  bajura  Boisduval. 
Offak,  Terre  de  Papous. 

Boisd.   1.   c;     Vollenhoven,  'Mitis,    Butler  1.   c. 

Staudinger,   Exot.   Schmett.   1888  p.  35.     Waigiu. 

D.   ar.   bajura   Fruhstorfer  1.   c.   p.    180.      Waigiu. 

Patria:     Waigiu,    19   3^^   6   Q?   CoH.   Fruhstorfer. 

Leider  fehlen  mir  Exemplare  aus  Holländisch  Neu- 
Guinea,  doch  zweifle  ich  nicht  im  geringsten,  daß  solche 
von  Waigiu-(^$  differieren.  Offak  ist  der  Hafenplatz  der 
Insel  Waigiu. 

f)  aruna  madala  Fruhstorfer. 

Delias  aruna  Hagen,  Jahrb.  Nass.  Verein  für  Naturk. 
1897  P-  59-  (Besucht  gerne  die  Blüten  von  Jambosa 
auf  zirka  1000  Fuß  Höhe,  nicht  häufig,  stets  einsam 
im    lichten    Wald,    meistens    im    Juli.) 

D.   ar.   madala  Fruhstorfer,    Soc.   Ent.   p.    180. 

Schwarzer  Apicalbezug  der  Vorderflügel  breiter  als' bei 
aruna,    der   gelbe   Zellfleck   größer. 

Patria:    Deutsch  Neu-Guinea. 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


234 

g)  aruna  seriata  Fruhstorfer. 

P.  aruna  Vollenhov.  1.  c,  ^.  (Unterseits  mit  einer 
Reihe  von  6  weißen  Punkten  auf  den  Vorderflügeln, 
mit    3    ebensolchen    auf    den    Hinterflügeln.) 

Staudinger  1.   c.   t.    19,   9-      Batjan. 

Butler   1.    c.     Batjan.      Fruhstorfer   1.    c. 

Patria:  Batjan  (Vollenhov.,  Hewitson,  Staudinger, 
Mitis,  Butler),  Obi  (Voilenhoven). 

Batjan-Exemplare  neigen  zur  Ausbildung  von  weißen 
Submarginalpunkten  der  Flügelunterseite.  Mir  fehlt  leider 
Material  von  dort  um  zu  entscheiden,  ob  es  sich  dabei  nur 
um  individuelle  Abweichungen  oder  um  Rassen-Charakter 
handelt. 

Die  von  Mitis  vor  Dclias  inferna  Butl.  gestellte  ornytion 
Godart  und  Salvin  gehört  gar  nicht  zu  den  Delias,  sondern 
zu  den  Pieriden,  und  wird  von  Butler,  Ann.  Mag.  Nat. 
Hist.  1899  P-  206  mit  Recht  in  die  Nähe  von  citryxanthe 
Honrath    und    ahnormis   Wall,    transferiert. 


VIII. 

Übersicht  der  Cirrochroa=Rassen  des  Papua= 

Gebiet  und  der  molukkischen  Subregion. 

Es  ist  mir  noch  sehr  fraglich,  ob  Kirbys  Auffassung, 
daß  regina  Felder  eine  Lokalform  sei  von  semiramis  Felder 
aus  Celebes  (Catalogue  p.  152),  zutrifft,  weil  semiramis 
durch  die  blassere  Flügelunterseite,  besonders  aber  die 
stark  gewellte  rotbraune  Medianbinde  derselben  erheblich 
differiert  von  den  unter  sich  recht  gleichartigen  reginn- 
Zweigen  des  Papua- Gebiets. 

Vielleicht  finden  sich  aber  auf  den  Sula- Inseln  noch 
Übergänge,  welche  die  Kirbysche  Auffassung  rechtfertigen. 

Zweifellos    stellt    semiramis    den    östlichsten    Ausläufer 

Stett    entomol.  Zeit.   1909. 


235 

einer  papuanischen  Art  vor,  die  über  die  Molukkenbrücke 
nach  Celebes  gelangt  ist. 

Nachstehende  Übersicht  möge  fernerhin  das  bei  Delias 
aruna  über  die  Rassenghederung  der  papuanischen  Arten 
Gesagte  von  neuem  bestätigen. 

A.    ^^    monochrom. 

Cirrochroa  regina  Felder, 
die  in  folgende  Rassen  zerfällt: 

a)  regina  myra  Fruhstorfer. 
Soc.  Ent.  1907  p.  178. 

(^$.  Distalhälfte  aller  Flügel  dunkelblauviolett  mit 
lichteren  gewellten   Submarginalbinden. 

Unterseite:  Basalteil  aller  Flügel  blaugrau  beschuppt 
mit  breiter  ockerfarbener  und  prominenter  weißer  Median- 
binde. Distalpartie  mit  ansehnlichen,  breiten,  bleiglanz- 
artigen  Wellenbinden  durchzogen. 

Patria:  Kapaur,  S.-W.  Neu-Guinea,  2  ^^^  i  $  W. 
Doherty    leg.       Coli.    Fruhstorfer. 

b)  regina  dncalis  Wallace. 

Cirr.  ducalis  Wall.,  Trans.  Ent.  Soc.  1869  p.  340,  partim. 

Cirrochroa  regina  Grose  Smith,  Nov.  Zool.  1897  pag.  348. 

C.   reg.   duc.   Fruhstorfer  1.   c.   p.    178. 

cJ?.  Submarginalbinden  namentlich  der  Hinterflügel 
etwas    prägnanter   als    bei    der   vorigen. 

Unterseite:  Basalhälfte  ausgedehnter  ockergelb  und 
gering  graublau  beschuppt.  Weiße  Medianbinde  sehr 
schmal,    die    bleiglanzartigen     Submarginalbinden    obsolet. 

Patria:  Humboldtbay,  ^^  W.  Doherty  leg.  Coli. 
Fruhstorfer.      N.-W.   Holl.   Neu-Guinea. 

c)  regina  sophene  Fruhstorfer. 

Cirr.  regina  Hagen,   Jahrb.  Nass.  Ver.  1897  p.  82. 

C.  reg.  sophene  Fruhstorfer  1.  c.   1907. 

cJ   kleiner   als   die   vorigen,    die   blauvioletten    Submar- 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909 


236 

ginalbinden   auf  den   Vorderflügeln  schärfer  abgesetzt,    auf 
den  Hinterflügeln  obsolet. 

Zeichnungen  der  Unterseite  mehr  begrenzt,  die  rot- 
braunen Binden  ausgedehnter,  die  Wellenlinien  dunkler 
grau  violett,    Basalhälfte    der    Flügel    rötlich    grau. 

Patria:  Milne-Bay,  ii.  Juni  und  12.  November  Meek 
l^'g-  2  ^o;  Hansemannberg,  Friedrich  Wilhelmshafen, 
Deutscli    Neu-Guinea,    2    c^'c^    Coli.    Fruhstorfer. 

Hagen  fing  (Juli)  auf  1000  Fuß  Höhe  ^$  bei  Simbang, 
während  im  Februar  ein  Jahr  vorher  zwei  englische  Sammler 
mehrere  hundert  Exemplare  erbeuteten, 
d)  regina  nasica  Fruhstorfer. 

C.    ducalis   Wall.,   Tr.    Ent.    Soc.    1869   p.   340. 

Staudinger  1.  c.  p.  88. 

C.  reg.  nas.  Fruhstorfer  1.  c. 

Distale  Wellenbinde  der  Flügelunterseite  viel  heller 
(fast  silbergrau)  als  die  proximale,  die  Zacken  sämthcher 
Binden  spitzer. 

Patria:  Waigiu,  2  (^  i  ?  Waterstradt  leg.  Coli.  Fruh- 
storfer. 

c)   regina  regina  Felder. 

Cirr.  reg.  Felder,  Reise  Novara  p.  389,  t.  49,  f.  5,  6.    o". 

Ribbe,  Iris  1886  p.  ^^.    Nur  wenige  Exemplare.    Aru. 

Violetter     Außensaum     aller     Flügel    breiter     angelegt 

als   bei   den   Formen   von   Neu-Guinea,    Submarginalbinden 

der    Vorderflügel    kompletter,    ausgedehnter. 

Patria:     Aru    (Wallace    und    Ribbe    leg.).       Fehlt    mir; 
ich    sah    jedoch    Exemplare    am    British    Museum, 
f)   regina  princesa  Fruhstorfer. 
Soc.  Ent.  1907  1.  c. 

Unterseite  von  ducalis  differenziert  durch  die  hellere 
und  violette  statt  blaugraue  distale  Begrenzung  der  weißen 
Medianbinde  aller  Flügel.  Submarginalbinde  hcllockergelb 
statt   dunkelrotbraun,   ebenso   die   Ocellen   der   Hinterflügel 

Stett.  entomol.  Zeit.    1909. 


237 

mit  gelblicher  statt  rotbrauner  Peripherie.  Ockerfarbene 
Medianregion  breiter  als  bei  den  übrigen  regina-Rnssen. 
Oberseite:  Ockerfarbene  Flügelpartie  lichter,  aus- 
gedehnter, der  distale  dunkelviolette  Außensaum  erheblich 
schmäler.  Wellbinde  der  Vorderflügel  leuchtend  blau, 
beim  o  stärker  gebrochen  als  bei  den  Papuarassen  und 
mit  Rudimenten  einer  antemarginalen  Parallelbinde  be- 
gleitet. 

Patria:  Obi,  9  ^^  2  ??  Waterstnidt  leg.  Coli.  Früh- 
st orf  er. 

B.  (^9-    d  i  m  o  r  p  h. 
g)  rcgina  pauhrd^ia  Fruhstorfer. 

C.  ducalis  paul.  Frühst.,  Soc.  Ent.  1898  p.  81,  i.  Sep- 
tember;   B.  E.  Z.  1898  p.  198/199;    Soc.  Ent.  1907. 

?.  Basalhälfte  der  Flügel  dunkelbraun,  Außenhälfte 
mit  sehr  breiten,  zum  Teil  violetten,  zum  Teil  bräunlichen 
Binden.  Distalsaum  nicht  scharf  begrenzt,  sondern  mit 
der  proximalen  Flügelfärbung  versclimolzen. 

Unterseite  mit  auffallend  verbreiterten  Median-  und 
Wellenbinden,  die  rotbraune  Submarginalbinde  aufgehellt, 
fast  dreimal  breiter  als  bei  ducalis  und  princesa. 

Patria:  Halmaheira  (Type  British  Museum),  i  Q  Bat] an 
(W.  Doherty  leg.,  Coli.  Fruhstorfer). 

C.  semiramis  Felder. 

C.  sem.  Felder,  Reise  Novara  p.  388,  t.  49,  f.  3.  4.    ^. 

Fruhstorfer,    Soc.    Ent.    1907    p.    178. 

?  mit  dunkel  lehmfarbener  Basalhälfte  der  Flügel 
und  einer  auch  oberseits  breiten,   weißlichen  Medianbinde. 

Patria:  Süd-Celebes,  Samanga  Nov.  1895,  Patunuang. 
Jan.  1896.    2  J$  H.  Fruhstorfer  leg. 

Felders  Typen  stammen  aus  der  Sammlung  van  der 
Capellen  und  vermutlich  aus  Nord-Celebes  und  glaube 
ich  bestimmt,  daß  die  von  mir  in  Süd-Celebes  gesammelten 

Stett.  entomol.   Zeit.   1909. 


238 

Exemplare     einer     besonderen     Lokalform     angehören,     da 
sie   mit   Felders   Figuren  nicht   übereinstimmen. 
C.  o   oberseits  völlig  blau. 

C.  imperatrix  Grose  Smith. 
Nov.  Zool.   1894  p.  348;    Rhop.  Exot.  III,  April  1898 

p.  I.    Cirr.  f.  I,  2  (J.    (Ober-  und  Unterseite.) 
Fruhstorfer,  Soc.  Ent.  1907  p.  178. 
Patria:     Insel    Biak    (Schouten-Eiland),    W.    Doherty 
leg.,  I   o   iii  Coli.  Rothschild. 


A  iiliaii^'. 


Der  Name  Eunica  ist  hier  nur  aus  conventioneilen 
Gründen  wieder  verwendet  worden.  Er  ist  jedoch  nicht 
prioritätsberechtigt.  An  seine  Stelle  muß  Evonymc  Hb. 
treten,  der  unter  Coitus  5  von  Hübner  auf  p.  61  sein  Ver- 
zeichnis vor  Eunica  (Coitus  6)  gestellt  wird. 

Man  vergleiche  auch  S  c  u  d  d  e  r  ,  Generic  Names, 
1875  p.  176,  der  beide  Genera  nebeneinander  bestehen  läßt. 

Wegen  der  gleichartigen  Geädersculptur  der  frag- 
lichen Gattungen  ist  dies  aber  nicht  durchführbar,  weshalb 
fortab  nur  der  Name  Evonymc  existenzberechtigt  ist. 


Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


239 

Neue  Cercopiden. 

Von  Edmuiitl  Ütclkuiiall,  Stettin. 

Genus  Considia  Stal. 
Stal,  Öfv.  Vet-Förh.,  p.  152  (1866). 
Typus :    Considia  oblonga  Stal. 

Considia  trimaculata  n.  sp. 

34  oV.  40  ??• 

Kopf  schwarz,  Stirnfläche  glatt  und  glänzend.     Prono- 

tum  dunkelbraun  mit  schwach  metallischem  Schim^mer, 
die  seitlichen  Vorderränder  sind  ockerfarben.  Schildchen, 
dunkelbraun.  Deckflügel  braun,  Apicalteil  dunkler,  mit 
drei  elfenbeinfarbigen  (weißen)  Flecken ;  ein  großer  am  Costal- 
rande  vor  dem  Apicalteile,  ein  kleiner  an  der  Clavusspitze 
und  ein  mittelgroßer  im  Corium,  in  der  Deckflügelmilte 
zwischen  Media  und  Sutura-Clavi.  Flügel  luMÜn,  am 
Rande  schwach  getrübt,  die  Adern  sind  bräunlich.  Hinter- 
leib indigoblau,  glänzend,  mit  gelben  Hinterrandsäum?n. 
Vorder-  und  Mittelschenkel  und  Krallen  braun,  Schienen, 
Tarsen   und   Hinterschcnkel  matt   bräunlich   gelb. 

Länge  mit  Flügeldecken  11 — 13  mm. 

Sumatra:    Soekaranda,     Liangagas   (Dr.  H.  Dohrn). 

Typen  im  Stettiner  Museum. 

Genus  Mioscarta  Breddin. 
Abh.  d.  Naturf.  Gesellsch.  Halle,  XXIV.  S.  123  (1901). 
Typus :    M.  fovcipata  Breddin. 

Mioscarta  rubens  n.  sp. 

I  ?• 

Kopfform    wie    bei    M.    Semperi    Jac.    (Mitt.    aus    dem 

zool.  Mus.  Berl.,  HI.  S.  21,  Taf.  I,  Fig.  i,  1905).  Scheitel 
mit  durchlaufendem  Mittelkiel.  Stirn-Scheitelteil  wenig 
breiter  als  lang,  in  der  Mitte  flachgrubig  vertieft,  mit  schwa- 
chem Längskiel  auf  dem  Grunde.  Der  Eindruck  auf  der 
Stirnfläche  ist  überall  gleich  breit,    flach,    und    steht    nicht 

Stett.  ciitomol.  Zeit,   1909. 


240 

mit  dem  dreieckigen  Quereindruck  auf  der  Oberstirn,  unter- 
halb der  Stirnleiste,  in  Verbindung.  Ocellen  glashell  auf 
gelbem  Grunde.  Augen  und  Fühler  schwarzbraun.  Der 
Kopf,  das  Pronotum,  das  Schildchen,  der  Körper  und  die 
Beine  sind  ockergelb;  die  i\ußenkanten  der  Vorderschienen, 
die  Tarsen  der  Vorder-  und  Mittelbeine,  die  Krallen  der 
Hintertarsen  und  die  Spitzen  der  Dornen  der  Hinter- 
schienen sind  schwarzbraun  gefärbt.  Das  Geäder  der  Deck- 
flügel und  der  Flügel  ist  wie  bei  Semperi  Jac.  Deckflügel 
ockergelb,  die  Apicalspitze  fast  bis  zur  Clavusspitze  und 
ein  breites  Band  am  Costalrande,  kurz  vor  der  Mitte  be- 
ginnend und  nach  hinten  in  den  Apicalteil  übergehend, 
blutrot  gefärbt,  am  Deckflügelrande  ist  die  Färbung  inten- 
siver. Flügel  hyalin  mit  braunen  Nerven,  Apicalteil  rauchig 
getrübt.      Hinterschienen   mit   einem   Dorn. 

Länge  lo  mm,  Körperlänge  6  mm. 

India  orientalis. 

Ty^e  im   Stettiner   Museum. 

Von  Sempcri  Jac.  durch  die  Scheitel-  und  Stirnbildung 
und    die    Färbung   der    Deckflügel   verschieden. 

I  o  ■^'on  E.  Scmperi  Jac.  mit  dem  Fundorts-Etikett 
„Philippinen"  wird  in  der  hiesigen  Sammlung  aufbewahrt 
und   ist   von    mir    zum    Vergleich   benutzt    worden. 

Genus  Eoscarta  Breddin. 
Breddin,    Soc.    Entomolog.,    XVH.    8,    S.    58    (1902). 
Distant,    The    Fauna    of    British    India,    Ceylon    and 

Burma,  Rhynchota.     Vol.  IV.  p.   115   (1907). 

Rec.   Indian  Museum  Vol.   II.   II.   15,  p.   131 

(1908). 
Typns:    E.  cos.  Breddin. 

Eoscarta  pygmaea  n.  sp. 

9  99. 

Der  Kopf,  das  Pronotum,  das  Schildchen,  der  Körf)er, 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


241 

die  Beine  und  die  Deckflügel  sind  scherbengelb  bis  ocker- 
gelb gefärbt;  die  Augen,  die  Krallen  der  drei  Beinpaare, 
die  Spitzen  der  Tarsen  und  der  Hinterschienendornen 
sind  schwarzbraun.  Der  Costalrand  und  der  Apicalteil 
bis  zur  Clavusspitze  sind  blutrot  gefärbt.  Flügel  hyalin, 
leicht  getrübt  mit  gelben  Nerven.  Das  Geäder  im  Deck- 
flügel erinnert  sehr  an  das  von  Semirosea  Walker;  die 
Queradern  im  Apicalteile  stehen  fast  senkrecht  zu  den 
Längsadern,  wodurch  drei  rechteckige  Zellen  gebildet  werden, 
die  Media  und  der  innere  Ast  des  Radius  sind  zuweilen 
am  Ende  (am  Rande)  gegabelt.  Flügelgeäder  typisch. 
Die  Pronotumeindrücke  hinter  dem  Vorderrande  sind  ver- 
hältnismäßig groß  und  auffallend.  Hinterschienen  mit 
einem  Dorn. 

Länge    y% — 8    mm,    Körperlänge    4 — 5    mm. 

6  ??. 

Sumatra:     Soekaranda,    Januar   1894    (Dr.    H.    Dohrn). 

3  ??• 

Java. 

Typen  im  Stettiner  Museum. 

Diese  Art  sieht  der  E.  apicata  Dist.  von  Ceylon  sehr 
ähnhch,  sie  unterscheidet  sich  aber  von  dieser  durch  das 
Geäder  im  Apicalteile  der  Deckflügel. 

Genus  Notoscarta  Breddin. 

Soc.   Entomolog.,    XVIL   Nr.   8,    S.   59   (1902). 
Typus:    A^  crocconigva  Breddin. 

Notoscarta  Schoutedeni  n.  sp. 

Vorderschienen  so  lang  wie  die  Mittelschienen,  Schienen- 
grube nicht  ganz  die  Apicalhälfte  einnehmend.  Stirngrube 
tief,  die  Seitenränder  erhaben  und  abgerundet.  Zweites 
Rostrumglied  kaum  merklich  kürzer  als  das  Basalglied. 
Kopf,    Brust    und    erstes    Fühlerglied    schmutzig    gelblich- 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909.  1(3 


242 

weiß,  zweites  und  drittes  Glied  glänzend  schwarzbraun ; 
Ocellen  glashell  mit  dunkelbraunem  Rande;  Augen  schmutzig 
gelblichweiß  mit  braunen  Flecken.  Pronotum,  Schildchen, 
Basaldrittel  der  Deckflügel,  Beine  und  Hinterleib  unten 
ockerfarben.  Pronotum  hinten  mit  schmalem,  schwarzen 
Saume.  Apicales  Zweidrittel  der  Deckflügel  schwarzbraun; 
ein  großer,  hyaliner,  hellerer  Fleck  bedeckt  die  Clavus- 
spitze  und  einen  Teil  des  Clavus  und  des  Corium.  Flügel 
rauchschwarz  getrübt,  an  der  Basis  rötlich  ockerfarben. 
Die  Spitzen  der  Dornen  der  Hinterschienen  schwarz.  Die 
Krallen  und  der  Apicalteil  des  zweiten  Rostrumgliedes 
schwarzbraun. 

Länge   mit    den   Flügeldecken    lo   mm. 

Neu-Guinea  (W.  Hig.). 

Type  im   Brüsseler  Museum. 

Diese    Art    benenne    ich    zu     Ehren    des    Herrn    Dr. 
Schouteden  in  Brüssel. 

Notoscarta  Severini  n.  sp. 

I  $• 

In    der    Form    der    vorhergehenden    Art    sehr    ähnlich. 

Die  Stirngrube  ist  flach  und  die  Ränder  der  Grube  breit 
abgerundet.  Ockerfarben  sind:  Der  Kopf,  eine  breite 
Vorderrandbinde  des  Pronotum,  das  Schildchen,  die  Beine, 
der  Leib,  das  Rostrum  und  ein  größerer,  dreieckiger  Costal- 
fleck  auf  den  Deckflügeln  am  Schlüsse  des  Basaldrittels. 
Glänzend  schwarzbraun  sind :  Eine  breite  Binde  zwischen 
den  Augen  auf  dem  Scheitel,  die  beiden  letzten  Fühler- 
glieder, ein  großer  Fleck  vor  jedem  Auge,  das  Pronotum, 
die  Schildchenspitze,  die  Seitenränder  des  Leibes  und  die 
Deckflügel  (im  Apicalteile  ist  die  Färbung  etwas  heller) ; 
ein  großer,  hyaliner,  gelblicher  Fleck  bedeckt  die  Clavus- 
spitze  und  einen  Teil  vom  Corium  und  Clavus,  wie  bei  der 
vorher    beschriebenen    Art.       Augen    braun,    schwarzbraun 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


243 

gefleckt.  Die  Spitzen  der  Hinterschienendornen  schwarz. 
Außenseite  der  Vorderschienen.,  Endghed  der  Tarsen,  die 
Krallen    und    das  zweite  Rostrumglied    sind  schwarzbraun. 

Länge  mit  Flügeldecken  ii  mm. 

Neu-Guinea  (W.  Hig.). 

Type  im  Brüsseler  Museum. 

Zu  Ehren  des  Herrn  Prof.  Dr.  Severin  in  Brüssel  benannt. 

Genus  Hyboscarta  Jacobi. 
Sitzungsbericht  d.    Gesellsch.   Naturf.   Freunde,    S.   208 
(1908). 

Typus:    H.  nihicunda  Jacobi. 

Hyboscarta  Pehlkei  n.  sp. 

Kopf,  Pronotum  und  Schildchen  wie  bei  H.  tercs  Jac. 
gebildet.  Kopf,  Pronotum,  Schildchen  und  Deckflügel- 
basis ockergelb  beim  q,  beim  $  rötlich  ockergelb;  Deck- 
flügel mit  Ausschluß  der  Basis  hyalin  und  gelblich,  im 
Apicalteile  schwach  rauchgrau  getrübt.  Augen  und  Fühler 
schwarzbraun,  Ocellen  gh:.5hell  mit  schwarzbraunem,  ba- 
salen Ring.  Der  Körper,  die  Beine  und  das  Basalglied 
des  Rostrum  sind  ockergelb  gefärbt,  das  Endglied  des 
Rostrum,  die  Enddrittel  der  vier  Vorderschienen,  die 
Enddrittel  der  Tarsen  und  die  Spitzen  der  Dornen  der 
Hinterschienen  schwarzbraun. 

Länge  mit   Flügeldecken    (^   814   mm,   P   714   mm. 

S.    Columbien:    Hac.    Pelilke,    IV.-VL   08  (E.  Pehlke). 

$.    Ecuador:    Bucay  6.  5.  05  (Dr.  Fr.  Ohaus). 

Typen  im  Stettiner  Museum. 

2u  Ehren  des  eifrigen  Sammlers  Herrn  Ernst  Pehlke 
benannt. 

Genus  Ptyelus  St.  Farg.    &  Serv. 
Enc.  Meth.  X,  p.  608  (1825). 
Typus :     Ptyelus   spuynarius    Linne. 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909,  lU'f 


244 

Ptyelus  ocelliger  Walker. 
List  of  Hom.  III,  p.  708  (1851). 

var.  fuscus  n.  var. 

I  ?• 

Diese  Varietät  ist  dadurch  von  der  Stammform  unter- 
schieden, daß  ihr  die  schwarze  Färbung  an  den  Enden 
der  Schenkel  und  Schienen  fehlt  und  die  Färbung  der 
Deckflügel  etwas  verschieden  ist.  Die  beiden  Costalf lecke 
sind  gelb  gefärbt  und  der  längliche  Apicalfleck  dunkel- 
braun,  die  vier  weißen  Flecke  sind  braun  umrandet. 

Länge  mit  Flügeldecken  13  mm. 

Brasilien. 

Type  im  Stettiner  Museum. 

Genus  Thoodzata  Distant. 
The    Fauna    of    British    India,     Ceylon     and    Burma. 
Rhynchota,  Vol.  IV,  p.  98  (1907). 

Typus:     Thoodzata  princeps  Distant. 

Thoodzata  basifusca  n.  sp. 

I  ?• 

Kopf  schwarz;    Pronotum,    Schildchen   und   Deckflügel 

ockerfarben;  die  netzmaschigen  Adern  des  Apicalteiles 
blutrot.  Apicalhälfte  der  Flügel  hyalin,  Basalhälfte  rauch- 
braun getrübt.  Schenkel,  Schienen,  Tarsen  und  zweites 
Rostrumglied  auf  der  Rückseite  braun.  Brust  und  Rücken- 
segmente in  der  Mitte  rötlich  braun,  Bauchsegmente  und 
Seiten  der  Rückensegmente  dunkelbraun.  Die  Seiten  der 
Bauchsegmente  tragen  ockergelbe,  dreieckige  Flecke.  Lege- 
scheide an  der  Basis  ockerfarben,  sonst  dunkelbraun.  Augen 
grau  und  braun  gefleckt. 

Länge  mit  den  Deckflügeln  10  mm. 

Sumatra:    Soekaranda  (Dr.  H.  Dohrn). 

Tvpe  im  Stettiner  Museum. 


Stett.  eutomol.  Zeit.  1909. 


245 


Neue  Evaniiden  aus  Formosa  und 
Südamerika. 

Von  Dr.  CÜEntlaer  Eiaderleiii,  Stettin. 


In  dem  wertvollen  S  a  n  t  e  r  sehen  Insekten-Material 
aus  Formosa,  das  das  Stettiner  Zoologische  Museum  Herrn 
Stadtrat  Dr.  H.  D  o  h  r  n  verdankt,  fanden  sich 
117  Exemplare  Evaniiden,  die  eine  Reihe  sehr  interessanter 
neuer  Species  enthielt.  Im  folgenden  gebe  ich  deren  Be- 
schreibung und  füge  zugleich  die  Bearbeitung  einer  Anzahl 
anderer  der  Sammlung  neuerdings  zugegangenen  Eva- 
niiden ein. 

Evania  F. 

=  Acanthincvania  Bradley  1908. 
In  einer  kürzlichen  Arbeit  gründet  Bradley  (Trans. 
Amer.  Ent.  Soc.  XXXIV,  1908,  p.  loi— 194,  PI.  V— XV) 
die  Gattung  Acanthinevania  (p.  163  u.  172)  auf  Grund 
der  Bedornung  der  Hinterschienen  und  Hintertarsen  bei 
den  australischen  und  austro-malayischen  Evanien.  Die 
Gattung  Evania  mit  dem  Typus  appendigastev  L.  soll  diese 
Dornen  nicht  besitzen.  Dieser  Gegensatz  existiert  aber 
in  Wirklichkeit  durchaus  nicht.  Diese  scheinbare  Differenz 
entsteht  dadurch,  daß  bei  den  der  Gattung  Evania  zu- 
gezählten Species,  insbesondere  bei  der  Ev.  appendigastev  L. 
die  Pubescenz  der  Hinterbeine  viel  länger  und  dichter  ist, 
als  im  allgemeinen  bei  den  übrigen,  so  daß  die  betreffenden 
Dornen  unter  den  Haaren  versteckt  sind.  Man  sieht  sie 
aber  in  den  meisten  Fällen  mehr  oder  weniger  deutlich 
aus  der  Pubescenz  hervorragen,  und  gerade  bei  Ev.  appen- 
digasier  L.  habe  ich  viele  Exemplare  vorliegend,  bei  denen 
sie  ganz  weit  vorragen.    Bei  einzelnen  Stücken  sind  sie  wieder 

btett.  cutomol.  Zeit.   1909. 


24  (i 

ganz  undeutlich.  Bei  einem  mir  vorliegenden  J"  von  Evania 
dimidiata  F.  sind  sie  fast  völlig  verschwunden,  so  daß  man 
nur  mit  einer  sehr  starken  Lupe  die  dicken  Spitzchen  unter 
den  Pubescenzhaaren  hervorragen  sieht.  Bei  den  ver- 
schiedenen Arten  aus  dem  orientalischen  Gebiete  findet 
man  alle  Übergänge,  die  Differenzen  sind  völlig  graduell. 
Eine  generische   Abtrennung  ist   völlig   ausgeschlossen. 

Evania  oblonga  nov.  spec. 

(j*.  Gesicht  sehr  schwach  gewölbt,  glatt,  fein  und 
seicht  wenig  dicht  punktiert,  in  der  Mitte  eine  schwache 
wenig  deutliche  hügelartige  Erhebung.  Eine  sehr  flache 
wenig  deutliche  leistenartige  Erhebung  geht  von  der  Ober- 
kieferbasis aus  nach  oben  und  nahe  dem  Innenrand  der 
Augen  ein  Stück  entlang.  Auf  den  Wangen  verschwindet 
die  Punktierung  fast.  Schläfen  nach  der  Rückseite  ge- 
drängt. Augeninnenränder  parallel.  Stirn  und  Scheitel 
poliert  glatt,  kaum  punktiert.  Ocellendreieck  sehr  flach, 
Durchmesser  des  vorderen  Ocellus  .etwa  iVo  seines  Ab- 
standes  von  den  hinteren,  der  Abstand  letzterer  von  den 
Augen  etwas  größer  und  halb  so  groß  als  der  Abstand  der 
hinteren  Ocellen  voneinander.  Wangen  sehr  hoch,  fast 
von  der  Länge  des  Fühlerschaftes.  Fühler  lang  und  faden- 
förmig. I.  Geißelglied  kaum  so  lang  wie  dick,  2.  etwa 
6  mal  so  lang,  3.  etwa  %  des  2.  und  so  lang  wie  der  Fühler- 
schaft. 

Pronotum  poliert  glatt,  die  von  oben  sichtbaren  Schulter- 
ecken breit  abgerundet.  Scutum  poliert  glatt,  Seiten  ge- 
randet  (unpunktiert),  Parapsidenfurchen  kräftig,  stark  nach 
hinten  convergierend,  vorn  stark  bogig  nach  außen  gewendet. 
Scutellum  sehr  kräftig  und  tief  schräg  nach  innen  zu  längs- 
gerieft; vorn  in  der  Mitte  pohert  glatt,  mit  einzelnen  sehr 
groben  Punkten.  Postscutellum  mit  kräftigen  kurzen 
Längskielen.       Mesopleure    poliert,    untere    Hälfte    mit    zer- 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


247 

streuten  seichten  Punkten ;  längs  der  Trennungsleiste  von 
der  Metapleure  eine  Reihe  großer  quadratischer  einge- 
drückter Punkte,  die  nach  oben  zu  seichter  werden,  und 
zwischen  sich  kurze  kräftige  (oben  flache)  Kiele  erzeugen. 
Metapleure  oben  poliert  glatt,  nach  der  Mitte  zu  mit  großen 
kräftigen  Punkten,  untere  Hälfte  grobpunktiert,  so  daß 
fast  Maschen  entstehen;  vom  Mittelsegment  kaum  ab- 
gesetzt. Mittelsegment  grobmaschig;  Hinterseite  gewölbt, 
in  der  Medianlinie  ordnen  sich  Maschen  zu  einer  seichten 
Längsrinne,    die    nach    hinten    zu    undeutlich    wird. 

Petiolus  glatt,  mit  microscopisch  feiner  Punktierung 
und  sehr  dicht  kurzer  brauner  Behaarung;  schlank  imd 
ziemhch  dünn,  doppelt  so  lang  wie  die  Entfernung  seiner 
Basis  vom  Postscutellum.  Abdomen  poliert  glatt,  länglich 
oval,  alle  Tergite  ziemlich  dicht  braun  pubesciert.  Ge- 
äder  wie  bei  Ev.  appendigastcr,  nur  ist  die  Discoidalzelle 
höher  und  schlanker. 

Beine  und  Coxen  mäßig  glatt.  Bei  den  Hinterschienen 
ragen  von  der  Bedornung  nur  einzelne  Spitzen  über  die 
Behaarung  hinweg  (wie  bei  Ev.  appcndigaster).  Hinter- 
beine   sehr    lang    und    schlank. 

Der  ganze  Körper  mit  kurzer,  feiner,  dichter,  grauer 
bis  graubrauner  Pubescenz.  Metasternalfortsätze  stark 
divergent. 

Schwarz;  bräunlich  gelb  sind  die  Vorder-  und  Mittel- 
beine ohne  die  Coxen  und  Trochanter  (Mittelschenkel  gelb- 
braun), die  Unterseite  des  2.  und  3.  Geißelgliedes  (auf 
Schaft,  I.  und  4.-5.  Geißelglied  finden  sich  Spuren  solcher 
Farbe)     und    der    Maxiharpalpus.        Oberkiefer    bräunlich. 

Membran  in  der  Randzone  schwach  rot  bis  grün 
irisierend. 

Körperlänge  10 1 2  irini;  Vorderflügellänge  9  mm; 
Fühlcrlänge  10 '2  nim;   Thorakalbreite  ca.  2%  mm;   Länge 

sielt,  eutomol.  Zeil.   190'J. 


248 

des  Petiolus  2^/4  mm;  Länge  des  Abdomen  3V2  mm;  Länge 
der  Hinterschiene  5 14  mm. 

S  ü  d  -  F  o  r  m  o  s  a.  Takao.  8.  August  1907.  i  ^. 
Gesammelt  von    H.    S  a  u  t  e  r. 

Type  im  Stettiner  Zoologischen  Museum. 

Evania  Bradleyi  nov.  spec 

9.  Gesicht  und  Wangen  schräg  nach  der  Medianlinie 
zu  scharf  und  dicht  gekielt.  Mitte  des  Gesichtes  mit 
schwachem  Höcker.  Stirn  dicht  und  scharf  längsgekielt 
bis  an  die  Ocellen,  die  fast  in  einer  Querreihe  stehen,  der 
mittelste  kaum  etwas  nach  vorn  gerückt  und  viel  größer, 
fast  doppelt  so  groß  wie  die  beiden  übrigen.  Der  Abstand 
der  Ocellen  voneinander  fast  größer  als  der  Durchmesser 
des  vorderen  Ocellus,  ihr  Abstand  von  den  Augen  noch 
etwas  größer.  Augeninnenränder  schwach  nach  hinten 
convergierend.  Fühlerschaft  so  lang  wie  die  4  ersten  Geißel- 
glieder zusammen.  Zweites  Geißelglied  fast  viermal  so 
lang  wie  das  erste,  das  dritte  etwa  21/2  mal  imd  das  vierte 
etwa   1 14  mal  so  lang  wie  das  erste   Glied. 

Prothorax  in  der  Mitte  sehr  schmal;  Seitenecken  wenig 
abgerundet,  dicht  grobpunktiert.  Scutum  mit  Seitenrand- 
furche;  Parapsidenfurchen  scharf  eingedrückt,  unpunktiert, 
stark  nach  hinten  convergierend;  mittlerer  Teil  des  Scutum 
dicht  und  sehr  grob  punktiert,  Seitenteile  außerhalb  der 
Parapsidenfurchen  nur  am  Innenrand  sehr  seicht  punktiert. 
Scutellum  vorn  längsrunzlig  punktiert,  hinten  längsrunzlig. 
Postscutellum  mit  kräftigen  kurzen  Längskielen.  Mittel- 
segment vor  dem  Stiel  feiner  querrunzlig  punktiert,  der 
übrige  Teil  und  die  nicht  abgesetzten  Metapleuren  weit- 
maschig kräftig  genetzt.  Mesopleure  in  der  unteren  Hälfte 
engmaschiger  genetzt,  in  der  oberen  Hälfte  poliert  glatt, 
am  oberen  Ende  mit  einer  schrägen,  sehr  breiten,  ziemlich 
flachen    Querfurchc,   die  mit  Ausnahme  der  beiden  Enden 

Stott.  entomol.  Zeit.   19Ü9. 


249 

mit  Ouerkielchen  angefüllt  ist;  die  Trennungslinie  von  der 
Metapleure  matt,  ziemlich  schwach  ausgedrückt,  unpunk- 
tiert. Hintercoxen  mäßig  fein  maschig  genetzt.  Hinter- 
rand   des    Mittelsegmentes    nur   sehr   schwach    eingedrückt. 

Petiolus  ziemlich  grob  schräg-querrunzlig  (die  Runzeln 
treffen  sich  oben  in  der  Mittellinie  V-förmig) ;  ziemlich  dick 
und  fast  %  mal  länger  als  die  Entfernung  seiner  Basis 
vom  Postscutellum.  Abdomen  dreieckig,  poliert  glatt. 
Radialader  den  Vorderrand  etwas  spitz  treffend.  Discoidal- 
celle  fast  doppelt  so  hoch  wie  die  Cubitalzelle. 

Hinterschienen  nur  sehr  kurz  pubesciert.  Die  Dornen 
der  Außenseite  sehr  kurz  und  spärhch.  Metasternalfort- 
sätze  divergent. 

Körper  sehr  fein  grau  pubesciert,  oben  spärhch  und 
mehr  braun  pubesciert. 

Schwarz;  i.  Geißelghed  braun,  2.  weiß;  Basalhälfte 
der  sehr  schlanken  Trochanter  und  die  Basis  der  Hinter- 
schiene weiß.  Schienen  und  Tarsen  der  Vorder-  und  Mittel- 
beine rostbraun.  Schienenspornen  aUer  Beine  rostbraun, 
die  längeren  der  Hinterbeine  etwa  halb  so  lang  wie  das 
I.  Tarsenglied. 

Flügel  hyalin,  hinter  der  2.  Submedianzelle  und  der 
Radialzelle    ein    schwacher    bräunlicher    Hauch. 

(^.  Die  schräge  Runzelung  des  Petiolus  ist  sehr  fein 
und  oben  fast  verschwimden.  Fühler  dünn  und  schlank. 
Schaft  so  lang  wie  das  i.  und  2.  Geißelglied  zusammen, 
I.  Geißelghed  so  lang  wie  dick,  2.  etwa  viermal  so  lang 
wie  dick,  3.  ebensolang. 

Körperlänge  (^$  5  mm. 

Vorderflügellänge  (^$  4 14  nim. 

Süd-Formosa.  Yentempo.  20.  5.  1907.  i  (^. 
Gesammelt  von  H.  S  a  u  t  e  r. 
Takao.  27.  7.  1907.  i  ?.  Ge- 
sammelt von    H.    S  a  u  t  e  r. 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


250 

Type  im  Stettiner  zoologischen  Museum. 

Gewidmet  wurde  diese  Species  Herrn  J.  C.  Bradley, 
dem  Monograph  der  Familie  (Tr.  Ent.  Sog.  1908,  p.  loi — 196, 
PI.  V— XV). 

Evania  Sauteri  now  spec. 

$.  Diese  Species  steht  der  Evania  tricolor  Szepl.  1908 
aus  Java  nahe  und  unterscheidet  sich  von  dieser  nur  durch 
folgendes:  Kopf  hinter  den  Augen  und  Ocellen  ziemlich 
dicht  und  kräftig  punktiert.  Petiolus  otea  glatt,  an  den 
Seiten  in  der  vorderen  Hälfte  mit  sehr  feinen  Längsriefen, 
in  der  hinteren  Hälfte  mit  einer  Längsreihe  sehr  grober 
ungedrückter  Punkte. 

Die  Coxen  sind  sämtlich  gelbrot,  ebenso  die  Trochanter 
mit  Ausnahme  der  distalen  Hälfte  des  Trochanters  der 
Hinterbeine.  Vorderflügel  in  und  hinter  der  2.  Submedian- 
zelle  stark  braun  und  hinter  der  Radialzelle  schwach  bräun- 
lich angeraucht. 

Körperlänge  3 — 4I/2  mm. 

Vorderflügellänge  2l^ — 3 14  mm. 

Süd-Formosa.  Takao.  31  $.  Gesammelt  von 
H.    Saute  r. 

16.  6.  1907,  I  $;  8.  8.  1907,  4  $;  11.  8.  1907,  3  $ 
19.  8.  1907,  I  $;  22.  8.  1907,  5  $;  11.  9.  1907,  3  $ 
16.  9.  1907,  2  $;  20.  9.  1907,  2  9;  29.  9.  1907,  3  ? 
12.  10.  1907,  I  $;  31.  IG.  1907,  I  $;  2.  II.  1907,  2  9 
4.  II.  1907,  2  $;    I. — 15.  12.  1907,  I  $. 

Die  Typen  befinden  sich  im  Stettiner  Zoolog.  Museum. 

Gewidmet  wurde  diese  Species  dem  Sammler. 

Evania  formosana  nov.  spec 
S.     Gesicht    fein   und   dicht   schräg  nach   innen   längs- 
gerieft,   ebenso   die   Wangen.      In   der   Mitte   des    Gesichtes 
ein    winziger    deutlicher    Höcker.       Fühlergruben  wall    sehr 
scharf.       Schläfen    poliert    glatt,     nur    mit    ganz    einzelnen 

Stctt.  entomol.  Zeit.    1909. 


251 


Punkten.    St.rn  glatt,  mäßig  d^cht  m.croscop.sch  fem  punk- 
tiert-   Sehen   ie>n   und  dicht  längsgerieft;   MedranUme   mit 
einer'   mehr    oder    weniger    deutUchen    K.elHnie     b.s     .um 
vorderen   Ocellus.       Sche.tel    pokert    glatt.      Ocellendurch- 
messer  so  groß  wre  ihr  Abstand  von  den  Augen;  der  Ab- 
stand   des    vorderen    Ocellus    von    den    hmteren    germger^ 
eure    gerade,    die    die    Vorderräuder    der    hmteren    Ocellen 
tangiert,    tang.ert    .uglerch    d»n    Htuterrand    des    voroeren 
Ocellus.     Augeninnenränder  nach  vorn  sehr  schwach  d.ver- 
g,erend.     Wangen  hoch,  von  der  Lauge  des  Fühlerscha  tes. 
Fühler  lang  und  dünn.      i.   Ge.ßelghed  so  lang  w.e  d.ck 
2,  dreimal  so  laug,  beide  zusammen  so  lang  wie  das  3.  und 
auch  wie  der  Fühlerschaft. 

Pronotum  auch  in  der  Mitte  von  oben  sichtbar    vorn 
steükantig  abfallend;  Schulterecken  abgerundet  und  kräftig 
und  dicht  punktiert.    Scutum  microscopiscli  fem  chagnniert, 
mit  großen  flachen  Punkten  wenig  dicht  besetzt;  Parapsiden^ 
furchen   nach    hinten    zu   stark   convergierend,   scharf   und 
nnpunktiert;   Seitenteile  (Parapsiden)  nur  hinten  mit  z-3 
Punkten,  Seitenfurche  punktiert,  vorn  zuweilen  in  Punkte 
aufgelöst.     Scutellum  kräftig  und  ziemlich  dicht  punktiert. 
Das  kurze  (in  Form  eines  schmalen  Querbandes)  und  dem 
Scutellum    stark    angeschlossene    Postscutellum    mit    sehr 
scharfen  und  kräftigen  kurzen  Längskielen,  die  in  gleichen 
Abständen   voneinander   angeordnet  sind  und   durch  lang- 
gezogene große  und  tiefe  Punkte  (Gruben)  getrennt  werden. 
Mesopleure  poliert  glatt,  untere  Hälfte  mit  wenig  diditen 
seichten  Punkten,  längs  der  Trennungslin.e  von  der  Meta- 
pleure    eine      scharfbegrenzte     Punktfurche.        Uei.V^enre 
kräftig    und    dicht    netzpunktiert,    vorn    von    dem    Mittel- 
segment durch  einen  glänzenden  Kiel  getrennt,  der  hinten 
im  Netzwerk  verloren  geht.      Mittelsegment  ziemlich  weit 
netzmaschig,    oben   dicht   und   fein   netzpunktiert;    Hinter- 
waud  flach,  nicht  eingedrückt.    Petiolus  sehr  fein  und  dicht 

Stett.  entomol.   Zeit.   1909. 


252 

längsgerieft,  die  Riefen  wenden  sich  von  hniten  nach  vorn 
zu  schwach  schräg  nach  außen;  schlank,  fast  doppelt  so 
lang  wie  die  Entfernung  seiner  Basis  vom  Postscutellum. 
Abdomen  lang  oval  poliert  glatt,  ohne  auffälligere  Pubes- 
cenz.  Discoidazelle  fast  2  ¥9  mal  so  hoch  wie  die  flache 
Cubitalzelle.  Radialzelle  an  der  äußeren  unteren  Ecke 
ziemlich  eckig  (stumpfwinklig),  und  mündet  etwas  spitz- 
winklig in  den  Vorderrand. 

Gesicht,  Mittelsegment  und  Pleuren  ziemlich  dicht 
aber  sehr  kurz  grauweißlich  pubesciert ;  die  Oberseite  des 
Thorax  spärlich.  Dornenreihe  auf  der  Oberseite  der  Hinter- 
schienen deutlich  aber  sehr  kurz.  Längerer  Hinterschienen- 
sporn etwa  2/g  des   i.   Tarsengliedes. 

Schwarz.  Blaß  ockergelblich  ist :  die  Unterseite  des 
Fühlerschaftes  und  der  3  ersten  Geißelglieder,  der  Ober- 
kiefer ohne  die  Spitzen;  die  Coxen,  Trochanter  und  Tarsen 
der  Vorder-  und  Mittelbeine,  die  Tibien  der  Vorderbeine, 
von  den  Hinterbeinen  die  Spitze  der  Coxe,  die  Basis  des 
Trochanter,  die  Basis  der  Schiene;  die  Tibienenddornen 
aller  Beine  und  die  Basalhälfte  des  Abdominalstieles.  Die 
Vorderschenkel  sind  braun. 

Flügel  hyalin,  Außenrandzone  blaß  graubraun  ange- 
raucht. 

Körperlänge  31^2- — 4/9  mm;  ^'order flügellänge  314 — 4 
mm;  Fühlerlänge  3I/2 — 4  mm;  Thorakalbreite  ca.  %  mm. 
Länge  des  Petiolus  ca.  % — j  mm;  Länge  der  Abdomen 
ca.  114 — 1%  mm;  Länge  der  Hinterschiene  ca.  1Y2 — 2  mm. 

S  ü  d  -  F  o  r  mo  s  a.  Takao.  38  (^.  Gesammelt  von 
H.    S  a  u  t  e  r. 

8.  8.  1907,  4  (j";    II.  8.  1907,  2  (^i    22.  8.  1907,  6  <^; 

II.  9.  1907,    4  (^;     16.  9.  1907,    4  c^;     20.  9.  1907,  5  S: 

2.  10.  1907,  I  (^;  12.  10.  1907,  I  (j*;  31.  10.  1907,  I  c^; 
2.  II.  1907,  6  ^:    4.   II.  1907,  4  ^. 

Stett.  oQtomol.  Zeil.   19Ü9. 


253 

Vergleicht  man  obige  Daten  mit  denen  der  Evania 
SaiUeri  Enderl.  so  findet  man  die  erstaunliche  Tatsache, 
daß  dieselben  größtenteils  mit  diesen  zusammenfallen. 
Da  nun  an  den  gleichen  Lokalitäten  und  den  gleichen  Daten 
von  der  einen  Species  nur  (^,  von  der  anderen  nur  $  er- 
beutet wurden,  so  liegt  der  Verdacht  nahe,  daß  beide  Formen 
trotz  der  außerordentlichen  Differenzen  in  Fcärbung  und 
Skulptur  (^  und  $  einer  Species  mit  starkem  Sexualdimor- 
phismus und  —  dichromismus  sein  könnten.  Es  würden 
in  diesem  Falle  viele  bisher  beschriebene  Formen  zusammen- 
gezogen werden  müssen.  Da  eine  derartige  Verschiedenheit 
der  beiden  Geschlechter  noch  nicht  von  den  Evanien  be- 
kannt ist,  habe  ich  es  vor  der  Hand  vorgezogen,  beide 
getrennt  zu  behandeln. 

Evania  hirsuta  Enderl.    1906. 

Zu  meiner  Diagnose  habe  ich  hinzuzufügen,  das  Gesicht 
und  Wangen  kräftig  längsgerieft  sind  (nicht  wie  1.  c.  an- 
gegeben) ;  diese  Struktur  ist  aber  durch  die  dichte  und 
lange  graue  Behaarung  so  verdeckt,  daß  sie  an  einzelnen 
Stücken  oft  gar  nicht  festzustellen  ist.  Auf  den  Wangen 
werden    diese    Riefen    schwächer    und    verschwinden. 

Schenkel  dicht  behaart.  Die  Parapsidenfurchen  sind 
teilweise  scharf,  teilweise  in  einzelne  Teile  aufgelöst,  teil- 
weise nur  durch  kräftige  Punkte  angedeutet,  so  daß  sie 
zuweilen  ganz  undeutlich  erkennbar  sind. 

S  ü  d  -  F  o  r  m  o  s  a.  Takao.  11.  6.  1907,  i  $;  16.  6. 
1907,  I  $;   20.  7.  1907,  I  $;   26.  7.  1907,  I  $;   27.  7.  1907,  2  $. 

var.  rufofemorata  Enderl.    1906. 

Es  hegen  nun  auch  die  $  dieser  Species  vor  in  3  Exem- 
plaren dieser  Varietät.  Die  Parapsidenfurchen  sind  bei 
den  $  nur  noch  bei  i  Exemplar  auf  der  linken  Seite  deut- 
lich erkennbar. 

Das  $  unterscheidet  sich  vom  ^  durch  folgendes: 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


254 

Schaft  etwa  so  lang  wie  die  5  ersten  Geißelglieder. 
Das  I.  Geißelglied  etwas  länger  als  dick,  das  2.  etwa  2V2  mal 
so  lang  wie  das  i.,  das  3.  etwa  halb  so  lang  wie  das  2.  Körper- 
pubescenz  gelblich,  auf  dem  Gesicht  fast  fehlend,  auf  dem 
Mittelsegment  sehr  dicht,  auf  dem  Petiolus  spärlich.  Thorax, 
Mittelsegment  und  Kopf  mäßig  dicht  mit  langen  braunen, 
senkrecht  abstehenden  Haaren  besetzt,  einzelne  auch  auf 
der  Basis  des  Petiolus.  Körper  schwarz,  Beine  mit  den 
Coxen  rostrot,  Hintertarsen  braun,  Fühlerschaft  und  die 
4  ersten  Geißelglieder  rostrot,  Petiolus  rötlich  schwarz- 
braun bis  tiefschwarz. 

Süd-Formosa.       Yentempo.     20.    5.    1907,    i    0^. 

Süd-Formosa.  Takao.  20.  6.  1907,  i  q; 
9.  7.  1937,  I  ?;  15.  7.  1907,  I  $;  16.  7.  1907,  I  (^; 
20.  7.  1907,  T  c^;  8.  8.  1907.  I  (j";  14.  8.  1907,  i  o; 
16.  9.  1907,    I  c^;    10.  1907,    I  ö^    I  $;    2.    II.    1907,    2    (^. 

Gesammelt  von  H.    S  a  u  t  e  r. 

Evania  appendigaster  (L.) 

Süd-Formosa.  Yentempo.  20.  5.  1907,  i  $. 
Gesammelt  von    H.    S  a  u  t  e  r. 

Süd-Formosa.  Takao.  14  q  ^^^^d  8  $.  Ge- 
sammelt von    H.    S  a  u  t  e  r. 

Letztere  wurden  an  folgenden  Tagen  gefangen : 

10.  4.  1907,  I  cJ;  13.  4.  1907,  I  ^;  18.  4.  1907,  I  c? 
24.  4.  1907,  I  $ 
20.  5.  1907,  I  $ 
20.  6.  1907,  I  ? 
20.  7.  1907,  I  ? 
8.  8.  1907,  I  $ 


II.  5.  1907,  1  S;     17.  5.  1907,  I  J 
II.  6.  1907,  2  (^ ;   16.  6.  1907,  I  (^ 

I.  7.  1907,   I   o";    15-  7-  1907.   I  ? 

21.   7.   1907,   1(5*1$;    26.   7.   1907,   1  (^ 
16.    9.    1907,    I    $;    20.    9.    1907,    I    ö" 


10.    1907,    I    c^;     2.    10.    1907,    I    cJ;     14.    II.    1907,    I    ?. 

Evaniella  Hoffniannsi  nov.  spec. 
$.     Gesicht   kaum  gewölbt,   von   der   Außenseite   jedes 
Fühlergruben  Walles   geht   jederseits   eine   sehr   feine   Längs- 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


255 

leiste  über  das  Gesicht  bis  an  die  Oberkieferbasis.  Gesicht 
zwischen  diesen  Leisten  pohert  glatt,  in  der  Mitte  und 
oben  spärlich  punktiert;  die  Teile  außerhalb  dieser  Leisten 
ein  wenig  dichter  punktiert.  Stirn  dicht,  fein  aber  tief 
runzlig  punktiert,  an  den  Augenrändern  gröber  punktiert, 
Scheitel  rauh,  feiner  und  spärlicher  punktiert.  Schläfen 
poliert  glatt;  Wangen  ebenso  nur  ganz  unten  punktiert. 
Dicht  neben  dem  Außenrande  der  Augen  ein  diesen 
säumenden  Kiel  (der  auch  bei  Evaniella  miniacea  Enderl. 
vorhanden  ist).  Abstand  der  hinteren  Ocellen  voneinander 
so  groß  wie  ihr  Abstand  von  den  Augen.  Innere  Augen- 
ränder schwach  nach  oben  con vergierend,  im  oberen  Drittel 
sehr  schwach  concav.  Fühlerschaft  lang  und  kräftig,  ein 
wenig  länger  als  die  2  ersten  Geißelglieder  zusammen; 
2.  Geißelglied  sehr  lang,  etwa  6  mal  so  lang  wie  das  erste, 
und  so  lang  wie  die  4  folgenden  zusammen;  Geißel  in  der 
Mitte  keulig  verdickt.  Pronotum  vorn  nicht  von  oben 
sichtbar,  Seitendreiecke  ganz  an  die  Seiten  gedrückt,  klein 
und  grobmaschig  netzrunzlig.  Scutum  matt  (microscopisch 
fein  und  dicht  punktiert)  und  mit  einzelnen  kleinen  seichten 
Punkten.  Parapsidenfurchen  scharf  nach  hinten  con  ver- 
gierend. Zwischen  letzteren  und  dem  scharfgekielten  Seiten- 
rand je  ein  schwach  gebogener  Längskiel,  der  sich  etwa  in 
der  Mitte  zwischen  beiden  hält.  Scutellum  grob  punktiert 
längsrunzlig.  Pleuren  ziemlich  fein  genetzt,  Metapleure 
oben,  Mesopleure  im  oberen  Drittel  poliert  glatt.  Mittel- 
segment ziemlich  grobmaschig  genetzt.  Discoidalzelle  höher 
als  die  Cubitalzelle ;  sämtliche  Adern  der  Vorderflügel 
scharf  und  deutlich  ausgebildet.  Radialader  ein  wenig 
spitz  in  den  Flügelrand  mündend.  Metasternalfortsätze 
sehr  schwach  divergierend. 

Hinterhüften  runzlig  punktiert.  Schienen  unbedornt. 
Der  längere  Hinterschienensporn  etwa  %  des  i.  Tarsen- 
gliedes.      Hinterleibstiel   mäßig   schlank,    poliert   glatt,    mit 

Stett.  eatomol.  Zeit.  1909. 


256 

einzelnen  kleinen  runden  tiefen  Punkten.  3. — 6.  Hinter- 
leibsegment oben  ziemlich  lang  und  dicht  grau  pubesciert. 

Gelblich  rostrot;  schwarz  sind  der  Fühler  mit  Aus- 
nahme des  Spitzendrittels  des  2.  und  mit  Ausnahme  des 
3.  und  4.  Gliedes,  die  alle  gelblich  weiß  sind,  die  Ober- 
kieferspitzen, Hinterleib,  Hinterleibstiel  ohne  die  rostrote 
Basis,  Hinterbeine  (ohne  die  Coxen  und  Trochanter).  Die 
Basis  der  Hinterschenkel  und  Hinterschienen  sind  rostgelb. 
Hintertibiensporne    gelb.       Flügeladern    dunkelbraun. 

Körperlänge  9  mm;  Vorderflügellänge  8%  mm;  Fühler- 
länge 9  mm;  Thorakalbreite  2 14  "^i^i-  Länge  des  Hinter- 
leibstieles 1%  mm. 

Peru.  Chanchamayo.  i  $.  Gesammelt  von  W.  H  o  f  f  - 
m  a  n  n  s. 

Type  im  Stettiner  Zoolog.  Museum. 

Evaniella  fermginescens  (Schlett.). 

Ein  Exemplar  weicht  von  der  typischen  Form  dadurch 
ab,  daß  vom  Kopf  nur  das  Gesicht,  die  Oberkiefer  und  die 
unteren  Wangenecken  rostgelb  sind.  Ev.  ferruginesccns 
war  bisher  nur  aus  Venezuela  bekannt. 

Bolivien.     Mapiri.     i   q. 

Brachygaster  Leach  181 7 
=  Semaeodogaster  Bradley   1908. 

B  r  a  d  1  e  y  glaubt  1.  c.  den  Namen  Brachygaster 
Leach  als  nomen  nudum  einziehen  zu  müssen,  weil  Leach 
dem  Namen  keine  Beschreibung  beifügt ;  Leach  gibt 
aber  als  Type  die  E.  minuta  Oliv,  an,  so  daß  die  Gattung 
durch  die  ,, bekannte"  Species  genügend  festgelegt  und 
daher    keineswegs    nom.    nud.    ist. 

Für  Semaeomyia  Bradley  1908  bleibt  gegenüber 
Brachygaster  nur  noch  die  Differenz  der  Klauen  übrig, 
da   mir   in    Brach,    conjungcns   nov.    spec.    eine   Verbindung 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


257 

beider   Gattungen  in   den   übrigen   Punkten   vorliegt.      Die 
Differenzen  sind: 

Semaeomyia   Bradl.      Fühler   des   ?   in   der   Mitte    am 
dicksten.      Mesopleure    mit    einem   poliert   glatten 
unpunktierten    Feld.       Innenzahn    der    Klaue    viel 
stärker  als  der  äußere; 
Brachy gaster  minuta  (Ohv.)    Fühler  des  ?  allmählich  nach 
dem  Ende  zu  verdickt.      Mesopleure  ohne  poliert 
glattes  Feld  (gleichmäßig  dicht  punktiert).    Außen- 
zahn  der    Klaue   viel   stärker   als   der   innere   und 
mehr  vorragend; 
Brachy  gaster  conjungens  n.   sp.      Fühler   des   $   in   der 
Mitte  am  dicksten.     Mesopleure  mit  einem  poliert 
glatten    unpunktierten     aber    quergerieften     Feld. 
Außenzahn  der  Klaue  wenig  stärker  als  der  innere, 
meist    etwas    mehr   vorragend. 
Die     Fühler  differenzen   fallen   somit   völhg. 
Die     S  c  u  1  p  t  u  r  unterschiede    der    Mesopleuren    sind 
Art-Charaktere    und    nicht    für    Gattungsdiagnose   zu    ver- 
werten. 

Es  bleibt  somit  nur  noch  die  Differenz  der  Klauen, 
die  aber  auch  m  Er.  conpmgens  n.  sp.  eine  gewisse  Näherung 
darstellt;  meines  Erachtens  ist  Semaeomyia  höchstens  als 
Untergattung  von  Brachy  gaster  aufzufassen. 

Brachygaster  conjungens  nov.  spec. 
$.  Der  ganze  Kopf  gleichm.äßig  giob  und  tief  mäßig 
dicht  punktiert  und  spärhch  kurz  weißgrau  pubesciert. 
Gesicht  etwas  gewölbt.  Wangen  breit,  Schläfen  an  der 
schmälsten  Stelle  ungefähr  so  breit  wie  das  2.  Geißelglied. 
Augeninnenränder  sehr  schwach  nach  hinten  convergierend. 
Ocellendreieck  flach,  Abstand  des  vorderen  Ocellus  von 
den  hinteren  Ocellen  und  dieser  vom  Augenrand  gleich 
und    kleiner    als    der    OceUendurchmesser. 

Stctt.  cntoniol.   Zeil.   1909.  1" 


258 

Fühler  dick,  keulig,  aber  am  Ende  zugespitzt.  Erstes 
Geißelglied  so  lang  wie  dick,  2.  etwa  1141^1^1  so  lang, 
3.  etwas  länger,  2.  und  3.  zusammen  etwa  so  lang  wie  der 
dicke  Schaft. 

Thorax  oben  flach,  gleichmäßig  grob  und  etwas  weißlich 
punktiert.  Ecken  des  Prothorax  von  oben  sichtbar  und 
abgerundet.  Scutum  seitlich  sehr  schwach  gerandet, 
Parapsidenfurchen  fehlen ;  Scutellum  mit  dem  Scutum  völlig 
verschmolzen.  Mesopleure  poliert  glatt,  eingedrückt,  vordere 
Hälfte  oben  zerstreut,  untere  dicht  punktiert,  hintere 
Hälfte  schräg  und  seicht  quergerieft,  jede  Riefe  endet  hinten 
an  der  die  Mesopleure  von  der  Metapleure  trennenden 
Leiste  in  einem  kräftig  eingedrückten  Punkte.  Metapleure 
maschig  punktiert,  an  der  Grenze  des  Mittelsegmentes 
feinrunzelig.  Mittelsegment  weitmaschig  genetzt,  oben 
grobmaschig  punktiert,  Hinterwand  in  der  Medianlinie 
eingedrückt.  Hintercoxen  fein  und  dicht  punktiert.  Beine 
sehr  fein  punktiert.  Klauenzahn  ungefähr  von  der  Stärke 
und  Entwicklung  der  Klauenspitzc.  Längerer  Hinter- 
schienensporn etwas  länger  als  die  Hälfte  des  i.  Tarsen- 
gliedes.  Petiolus  dick  und  gedrungen,  ziemlich  dicht  und 
ziemlich  grob  punktiert ;  etwa  i  V2  mal  so  lang  wie  die  Ent- 
fernung  der   Basis   vom    Scutellum. 

Abdomen    groß,    dreieckig,    unpubesciert. 
Schwarz;      braungelb      sind      Schienen      und      Tarsen 
der    Vorderbeine,     Sporne     der    Hinterschienen.        Vorder- 
und    Mittelschenkel    braun.        Flügel    hyalin,    Adern    hell- 
braun. 

Körperlänge  4  mm ;  Vorderflügellänge  3  Y^  ^^^''^  -  Fühler- 
länge 2-/3  mm.  Thorakalbreite  kaum  114  mm.  Länge  des 
Petiolus   imm ;   Länge  des  Abdomen  fast   i  Vo  mm. 

S  ü  d  -  F  o  r  m  o  s  a.  Takao.  29.  März  1907.  9  9- 
Gesammelt  von    H.    S  a  u  t  e  r. 

Stett.    entomol.   Zeit.   1909. 


259 

Semaeomyia  Bradley  1908. 
Die  Gattung  Semaeomyia  unterscheidet  sich  von 
Brachygaster  nur  (vergl.  pag.  257)  durch  den  kräftigen 
Innenzahn  der  Klaue,  an  dem  der  dünne  und  schwache 
Außenzahn  wie  ein  Anhang  aufsitzt.  Sie  enthält  die  ameri- 
kanischen (besonders  südamerikanischen)  Species  der  alten 
Gattung  Brachygaster,  in  der  nur  noch  Br.  minuta  (Oliv.) 
und   Br.   conjungens  nov.   spec.   verbleiben. 

Semaeomya  minutissinia  nov.  spec. 
Gesicht  kaum  vorgewölbt,  seicht  und  wenig  dicht 
punktiert,  mit  kräftiger  medianer  Längs  wulst,  seithch 
davon  etwas  eingedrückt.  Zwischen  Augenrand  und  Ober- 
kieferbasis je  ein  poliert  glatter  Wulst.  Stirn  und  Scheitel 
poliert  glatt.  Ocellen  mäßig  groß,  Durchmesser  ungefähr 
so  groß  wie  der  Abstand  des  vorderen  Ocellus  von  den 
hinteren;  Abstand  der  hinteren  von  den  Augen  fast  doppelt 
so  groß.  Fühler  dick,  nach  beiden  Seiten  zugespitzt.  Erstes 
Geißelglied  so  lang  wie  dick,  2.  ca.  i  Yi  mal  so  lang,  3.  doppelt 
so  lang  und  etwas  kürzer  als  der  Schaft.  Innere  Augen- 
ränder geradlinig  sehr  schwach  nach  oben  con vergierend. 
Pronotum  völlig  unter  das  Mesonotum  gedrückt,  von  oben 
nicht  sichtbar.  Scutum  pohert  glatt,  Seiten  gerandet, 
Randfurche  mit  seichten  Punkten,  Parapsidenfurchen  sehr 
scharf,  stark  convergierend,  unpunktiert.  Scutellum  poliert 
glatt.  Mesopleure  glatt.  Metapleure  weitmaschig  genetzt,  aber 
nur  die  Querleisten  sehr  kräftig;  vom  Mittelsegment  durch 
scharfe  Leiste  getrennt.  Mittelsegment  weitmaschig  kräftig 
genetzt.  Hinterwand  ebenso  genetzt  und  nicht  eingedrückt. 
Hinterleibsstiel  ziemlich  kräftig,  poliert  glatt,  vorn  mit 
einzelnen  Härchen,  fast  doppelt  so  lang  wie  die  Entfernung 
seiner  Basis  vom  Scutellum.  Flügel  hyalin,  Adern  braun. 
Abdomen  poliert  glatt,  rundlich,  unpubesciert.  Meta- 
sternalfortsätzc  undeutlich,  wohl  parallel. 

Stett.  entoniol.  Zeit.    1909.  17''' 


260 

Schwarz;  ockergelblich  ist:  Fühlerschaft,  Vorder-  und 
Mittelbeine,  das  Enddrittel  des  Petiolus.  Bräunlich  gelb 
ist  die  Spitze  der  Hintercoxe,  der  Trochanter  des  Hinter- 
beines und  der  Tarsus  der  Hinterbeine.   Fühler  schwarzbraun. 

Flügelmembran  lebhaft  grün,  rot  bis  violett  irisierend, 
Außenrandzone  lebhaft  gelb  irisierend. 

Körperlänge  2  ^  mm ;  Vorderflügellänge  2  y,  "^ni ; 
Fühlerlänge  ca.  2^  mm.-  Thorakalbreite  ^  mm.  Länge 
des  Petiolus  ca.  -/s  rn"^- 

Süd-Brasilien.  Santa  Catharina.  i  Exemplar. 
Gesammelt  von    Lüderwaldt. 

Type  im  Stettiner  Zoolog.  Museum. 

Semaeomyia  Catharinensis  nov.  spec. 

Diese  Species  ist  sehr  ähnlich  der  Semaeomyia  laevis 
(Enderl.),  sie  ist  jedoch  viel  größer  und  unterscheidet  sich 
noch  durch  folgendes: 

(^.  Kopf  relativ  groß.  Gesicht  mit  schwacher  Median- 
kante, die  oben  am  deutlichsten  ist.  Fühler  kräftiger  und 
länger;  das  Verhältnis  der  Glieder  ähnlich  wie  bei  5.  laevis, 
nur  ist  der  Schaft  ein  wenig  kürzer.  Abdomen  länglich 
oval.  Abdominalstiel  etwas  schlanker.  Metasternalfort- 
sätze  undeutlich,  wohl  divergierend. 

Gesicht  schwarz,  nur  die  Oberkiefer  gelbbraun.  Hinter- 
tibiensporne  weißlich,  der  größere  nicht  ganz  halb  so  lang 
wie  das  erste  Tarsenglied. 

Körperlänge  5  mm;  Vorderflügellänge  4  mm;  Fühler- 
länge 5  mm;   Länge  des  Petiolus   114  mm. 

S  ü  d  -  B  r  a  s  i  1  i  e  n.  Santa  Catharina.  i  c?.  Ge- 
sammelt von    Lüderwaldt. 

Type  im  Stettiner  Zoologischen  Museum. 

Semaeomyia  laevis  (Enderl.  1906). 
Außer  den  3  Typen  liegen  mir  jetzt  noch  20  Exemplare 
ebenfalls    aus    Santa    Catharina     (Coli.      Lüderwaldt) 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


261 

vor.  Auf  der  Stirn  findet  sich  übrigens  eine  mehr  oder 
weniger  feine  Medianfurche  vom  vorderen  Ocellus  aus 
bis  zwischen  die  Basis  der  Fühler,  die  aber  häufig  undeut- 
hch,  zuweilen  auch  unterbrochen  ist. 

I.  Geißelglied  so  lang  wie  dick;  2.  doppelt  so  lang 
und  ungefähr  2/3  des  Schaftes,  3.  fast  so  lang  wie  der  Schaft. 
Hintertibiensporne  schwarz,  der  größere  nicht  ganz  halb 
so  lang  wie  das  i.  Tarsenglied.  Die  vorliegenden  Exem- 
plare scheinen  $  zu  sein  (nicht  r^,  wie  1.  c.  angegeben). 

Hyptia  ocellaria  (Schlett.  1886). 

Brit.  Honduras.  Manatee.  Februar,  i  Exem- 
plar (wahrscheinlich  c^). 

Diese  Species  ist  bisher  nur  aus  Mexico,  St.  Thomas 
und  Cuba  bekannt. 

Evaniellus  Enderl.   1905. 

Zool.  Anz.  1905  p.  700. 

Stett.  Ent.  Ztg.  1906  p.  245. 

Als  Typus  für  diese  Gattung  hatte  ich  den  Ev.  per- 
uanus  Enderl.  festgelegt,  zu  dem  ich  1.  c.  1906  eine  ergänzende 
Note  gegeben  habe.  Diese  Species  hat  nun  an  der  Stelle, 
an  welcher  bei  der  Gattung  Hyptia  111.  die  Medianader 
endet,  noch  einen  kleinen  braunen  chitionösen  Punkt, 
der  sie  von  den  beiden  anderen  Arten  unterscheidet.  Ich 
fasse  diese  beiden  letzten  Arten  nachstehend  zu  einer  Gattung 
zusammen  und  es  bleibt  somit  in  dieser  Gattung  nur  diese 
eine  Species.  Die  Gattungsfassung  muß  daher  etwas  ge- 
ändert werden : 

Im  Vorderflügel  ist  nur  die  Costa  und  die  Subcosta 
(  =  sc  +  n)  vorhanden ;  als  letzter  Rest  der  Medianader 
findet  sich  noch  ein  brauner  chitionöser  Punkt  an  der  Stelle, 
an  der  bei  der  Gattung  Hyptia  111.  die  Medianzelle  endet. 
Außer  der  geschlossenen  Costalzelle  findet  sich  keine  Spur 
von  Zellen. 

Stctt.  cntomol.  Zeit.   190!). 


262 

Chalcidopterella  *)  nov.  gen. 
(Typus:    Ch.  chalcidipennis  Enderl.    Zool.  Anz.  1905 
p.  715.    Bolivien). 
Im  Vorderflügel   ist   nur   die   Costa   und   die    Subcosta 
(  =  sc  +  r)    vorhanden,    die    Medianader    fehlt    völlig    und 
ist  auch  nicht  durch  einen  chitionösen  Endpunkt  angedeutet. 
Hierher    gehört    noch    der    Evaniellus    gracüis    Enderl. 
1905  von  Peru. 

Die    Gattung  enthält  somit  bis  jetzt   2    Species: 

1.  Chalcidopterella  chalcidipennis  'Enderl.  1905  (Bolivien). 

2.  Chalcidopterella    gracilis    Enderl.    1905    (Peru). 


Zwei  neue  Jassiden  aus  dem  Stettiner 

Museum. 

(Hemiptera  —   Homoptera.) 

Mit  1  Tc'xtfipiir. 
Von  EfCmund  Srlimidt,  Stettin. 


Farn.  Jassidae. 

SubLGyponinae. 
Tribus.  Hylicini. 

In  seiner  Arbeit  ,,The  Fauna  of  British  India,  Ceylon 
and  Burma"  stellt  Distant  die  Gattung  Balala  Dist.  zur 
Division  ,,Penthimiaria''  auf  Grund  des  kurzen  Scheitels. 
Dies  ist  nun  unrichtig,  die  Gattung  gehört  in  die  nächst- 
folgende Division  ,,Hylicaria"'  und  zwar  ist  sie  der  Gattung 
Sudra  und  einer  von  mir  neu  beschriebenen  Gattung  im 
Bau  des  ganzen  Körpers,  in  der  Behaarung  und  auch  in 
der  Färbung  ungeheuer  ähnlich.     Ob  der  Kopf  mehr  oder 


1)  Chalcis  —  eidui  — ■  meov^,    wegen    der  Ähnlichkeit    des  Flügels 
mit  dem  Chalcidierflügel. 
Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


263 

weniger  nach  vorn  verlängert  und  der  Scheitel  infolge- 
dessen verschieden  lang  ist,  kann  durchaus  nicht  maß- 
gebend sein,  es  werden  sonst  dadurch  ganz  nahestehende 
Gattungen  getrennt.  Ein  gemeinsamer  Charakter  der  drei 
Gattungen,  betreffs  der  Färbung,  ist  die  Fleckenzeichnung 
der  Rückensegmente  des  Hinterleibes. 

Genus  Parasudi'a  n.  gen. 
Kopf   vorgezogen    und   stumpf    abgerundet,    mit    einer 
glatten    Schwiele    an     der    Spitze     zwischen     den    Augen; 
Scheitel   so   lang   wie   zwischen   den   Augen   breit,    gewölbt 
und   kaum   halb   so   lang   wie    das    Pronotum;    die   Ocellen 
sind   verhältnismäßig   groß   und   stehen   den   Augenrändern 
genähert    auf    der    hinteren     Scheitelhälfte    zwischen    den 
Augen;  zwei  flach  vertiefte,  äußerst  fein  quergeriefte,  läng- 
liche, runde  Stellen  liegen  am  hinteren  Scheitelrande  hinter 
den  Augen;   die   Stirn  und   Clipeusbildung  ist  wie  bei  der 
Gattung  Sudra  Dist.       Basalglied    des  Rostrum  bedeutend 
kürzer  als   das   Endglied   (bei   Sudra  Dist.   sind  die  beiden 
Glieder  gleich  lang).     Pronotum  stark  gewölbt,  fein  punk- 
tiert   quergerieft,    bedeutend    kürzer    als    das    Schildchen, 
etwa  2 14  mal  so  lang  wie  der  Scheitel  und  hinten  ziemlich 
tief    und    stumpf    ausgeschnitten.       Schildchen    sehr    lang, 
in  eine  scharfe   Spitze  nach  hinten  auslaufend,   welche  bis 
zur  Mitte  des  4.  Rückensegmentes  reicht  (bei  Sudra  erreicht 
die   Spitze  nicht   den   Hinterrand  des  zweiten    Segmentes), 
etwa    1 1/2  mal    so    lang    wie    das    Pronotum,    unregelmäßig 
quergerieft,    mit    einer    buckeiligen    Anschwellung    auf    der 
Mitte;   vor   dem   Buckel  liegt   eine   große,    flache   und  ver- 
tiefte   Grube,    hinter    dem    Buckel   ist    das    Schildchen    bis 
zur   Spitze  gleichfalls  schwach  vertieft  und  trägt  auf  dem 
Grunde  vor  der  Spitze  zwei  parallele  Längsleisten.     Deck- 
flügel  lang   und   schmal,    nach   hinten   verbreitert   und   be- 
deutend länger  als  die  Hinterflügel,  bis  zur  Spitze  des  Hinter- 

Stett.   entomol.   Zeit.    1909. 


264 

leibes  reichend.  Die  Schenkel  und  die  Vorderschienen 
sind  stärker  flach  gedrückt  als  die  Schienen  der  Mittel- 
und  Hinterbeine,  die  blattähnliche  Verbreiterung  der  Vorder- 
schienen ist  geringer  als  bei  der  zum  Vergleich  genommenen 
Gattung;  die  Hinterschienen  tragen  außen  eine  Doppel- 
reihe langer,  kräftiger  und  spitzer  Dorne  und  sind  ge- 
schwungen; die  Hinterschenkel  tragen  am  Ende  vier  lange 
und  gekrümmte  Dorne.  Besonders  Kopf,  Pronotum, 
Schildchen  und  Deckflügel  sind  mit  kurzen,  kräftigen,  schwach 
schuppenähnlich  verbreiterten  Borstenhaaren  besetzt. 
Typus:    P.  smnatrana  n.  sp. 


Fig.  1.    Parasudra  sumatrana  n.  sp. 

Stett.  cntoinol.  Zeit.    1909. 


265 
Parasudra  sumatrana  n.  sp. 

Kopf,  Pronotum,  Schildchen  und  Deckflügel  schwarz- 
braun. Rostrum,  Beine  und  Bauchsegmente  braun,  letztere 
mit  grünhchen  Hinterrandsäumen.  Rückensegmente  des 
Hinterleibes  schwarz  und  ohne  Glanz,  das  dritte  und  vierte 
Segment  tragen  jedes  zwei  große,  nicht  ganz  kreisrunde, 
ockergelbe  Flecke.  Brust  gelbbraun.  Augen  schwärzlich 
grau,  Ocellen  glashell.  Kopf,  Pronotum,  Schildchen  und 
Deckflügel  mit  schwarzen  und  hellgelben,  schuppenartig 
anliegenden  Haaren  besetzt;  auf  dem  Deckflügel  treten 
die  hellgelben  Haare  besonders  am  Ende  des  ersten  und 
zweiten  Drittels  auf;  der  Apicalrand  ist  braun  und  glatt. 
Rückensegmente  nicht  behaart,  an  den  Seiten  einzelne 
Haare;  Bauchsegmente  mit  hellgelber  Behaarung.  Flügel 
hyalin,  glashell;  die  Nerven  sind  schwarz  und  die  Apical- 
spitze  und  der  Hinterrand  getrübt.  Gonapophysen  drei- 
eckig, etwas  länger  als  an  der  Basis  breit,  Außenränder 
hinter  der  Mitte  leicht  eingedrückt. 

Länge  12  mm. 

Sumatra:     Soekaranda,    Januar   1894   (Dr.   H.   Dohrn). 

Genus  Sudra  Distant. 
The    Fauna    of    British    India,     Ceylon     and    Burma, 
Rhynchota.    Vol.  IV,  p.  257  (1907). 
Typus:    S.  notanda  Distant. 

Sudra  borneensis  n.  sp. 

Kopf,  Pronotum,  Schildchen,  Brust,  Rostrum,  Hinter- 
leib oben  und  unten  und  Deckflügel  braun;  Behaarung 
wie  bei  Parasudra  sumatrana;  die  Beine  sind  etwas  dunkler 
braun  als  die  genannten  Teile.  Augen  gelb,  braun  gefleckt. 
Ocellen  glashell.  Schildchenspitze  weiß.  Das  dritte  und 
vierte  Rückensegment  tragen  jedes  zwei  große,  viereckige, 

Stett.  entomol.   Zeit.   1909. 


266 

ockergelbe  Flecke,  die  die  ganze  Segmentlänge  ausfüllen. 
Flügel  hyalin,  stellenweise  bernsteinfarben  getrübt ;  Nerven 
schwarz. 

Pronotum  punktiert  quergerieft,  hinten  vor  dem  Hinter- 
rande ist  ein  kurzer,  scharfer  Mittelkiel  deutlich.  Scheitel 
länger  als  an  der  Basis  breit,  vor  dem  Ende  flachgrubig, 
am  Ende  kantig  aufgehoben. 

Länge  1814  rnm. 

Nord-Borneo  (Waterstradt). 


Neue  Gattungen  und  Arten  von 
Copeognathen  aus  Transvaal  sowie  aus 
der  Ohaus'schen  Ausbeute  aus  Ecuador. 

Von  Dr.  Güntiiei*  Eiiflerlfin, 

wissenschaftlicher  Kustos  dos  Stettiner  Zoolog.  Museums. 
Mit  3  Textflguren. 


In  einigen  kürzlich  dem  Stettiner  Zoolog.  Museum 
zugegangenen  Originalsendungen  fand  sich  unter  den 
Copeognathen  eine  Anzahl  interessanter  noch  unbe- 
schriebener Formen,  von  denen  ich  im  folgenden  die  Diag- 
nosen gebe. 

Monocladellus  nov.  gen. 

Die  Media  ist  ungegabelt.  Sonst  völlig  mit  der  Gattung 
Polypsociis  Hag.  übereinstimmend. 

Augen  unpubesciert.  Klauen  ungezähnt.  Areola 
postica  sehr  langgestreckt  und  flach  bis  zur  Flügelspitze 
hinaufgezogen. 

Auf    die    Möglichkeit    des    Bestehens    dieser    Gattung 

Stett.  cntomol.  Zeit.   1909. 


267 

wies  ich  schon  früher  auf  Grund  theoretischer  Erwägungen 
hin;  ich  schrieb  damals*),  daß  die  Reduktion  der  Adern 
der  Mediana  besonders  extrem  bei  Polypsocus  lunulatus 
Enderl.  1900  sei,  bei  der  die  Gabel  der  Mediana  außer- 
ordentlich kurz  ist,  so  daß  diese  Species  auf  eine  vielleicht 
vorhandene,  aber  noch  nicht  bekannt  gewordene  Gattung 
hinweist,  bei  der  sich  eine  völlig  ungegliederte  Mediana 
findet. 


Monociadellus  Ohausianus  nov.  gen.  nov.  sgec.  ,^.  Geäderverlauf. 
Vergr.  71/2  :  1- 

Monociadellus  Ohausianus  nov.  spec. 

ligiir  1. 

^.  Kopf  glänzend  glatt,  ziemlich  dicht  und  lang  be- 
haart; braun,  Scheitel  und  Clypeus  nach  vorn  zu  gelb- 
braun, Labrum  rotbraun,  Vorderrand  schwach  concav, 
in  der  Mitte  des  Hinterrandes  eingedrückt.  Augen  schwarz, 
sehr  groß,  kugelig  abstehend,  Innenrand  nach  vorn 
con  vergierend.  Größte  Scheitelbreite  ungefähr  doppelt 
so  groß  wie  der  größte  Augendurchmesser.  Scheitelnaht 
plastisch  völlig  fehlend,  nur  durch  dunkle  Linie  repräsentiert. 
Hinterhauptsrand  stark  abgerundet.  Ocellen  winzig,  dicht 
gedrängt  auf  rundlichem  Hügel.  Maxillarpalpus  braun, 
Endglied  schwarz.  Fühler  kräftig,  schwarz,  von  den  zwei 
nur    vorhandenen    Geißelgliedern    ist    das    Basaldrittel    des 


*)  G.  Enderlein.     Die  Psocidenfauna  Perus.     Zoolog.    Jahrb.    Syst. 
Bd.  14.  1900  p.   133—  160  (Taf.  8  u.  9)  p.   134. 
Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


268 

zweiten  rostgelb.  Geißelglied  mit  langer,  kräftiger,  dichter, 
schräg  apicalwärts  zu  gerichteter  Pubescenz,  besonders 
kräftig  und  lang  am  i.  Geißelglied,  das  zugleich  schwach 
verdickt   und  ziemlich   lang   ist    (i  i'^   des   2.). 

Thorax  schwarzbraun,  stark  glänzend,  Pubescenz  gelb- 
braun, mäßig  lang.  Abdomen  dunkel.  Beine  schlecht  er- 
halten, sie  scheinen  schwärzlich  zu  sein,  die  Schiene  mit 
gelblichen  Ringen  an  der  Basis  und  vor  der  Spitze;  i.  Tarsen- 
glied  mit  gelblicher  Endhälfte.  i.  Hintertarsenglied  un- 
gefähr doppelt  so  lang  wie   das   2. 

Vorderflügel  dunkelbraun,  Außenrand  mäßig  breit  (von 
der  Breite  der  Areola  postica),  gelblich  hyalin  von  der  Spitze 
des  Pterostigma  bis  zu  cuo  gesäumt ;  von  der  Spitze  des 
Pterostigma  bis  ein  wenig  über  cuj^  hinweg  ist  dieser  Saum 
wieder  dunkelbraun  gesäumt.  Adern  dunkelbraun.  Analis 
fein  hyalin  gesäumt.  Pterostigma  ziemlich  groß,  ziemlich 
flach,  ziemlich  dicht  pubesciert;  r^  nach  dem  Ende  zu 
stärker  gewölbt.  Radialgabelstiel  sehr  kurz,  so  lang  wie 
der  Basalteil  des  Radialrandes.  Radialgabelzelle  sehr  lang 
und  schmal,  an  der  Mündung  am  schmälsten,  halsartig 
verengt,  nach  der  Basis  zu  flaschenförmig  erweitert.  Areola 
postica  außerordenthch  lang  und  flach,  sie  zieht  sich  bis 
zur  Flügelspitze  hinauf,  Adern  zweireihig  behaart,  Analis 
einreihig.  Randader  mehrreihig  behaart,  in  der  Mitte  der 
Außenrandzone  kreuzen  sich  die  Haare  nicht.  Außenrand- 
zone  vom  Stigmasack  bis  cuo  dicht  pubesciert.  Hint^rflügel 
braun,  Adern  dunkelbraun.  r.>  +  3  im  Hinterflügel  viermal 
so  lang  wie  der  Gabelstiel.  Adern  des  Spitzenviertels  sowie 
Analis  und  Axillaris  zweireihig  behaart.  Rand  lang  und 
dicht  behaart,  außen  vielreihig.  Flügelmembran  speckig 
glänzend,  Vorderflügel  sehr  schwach,  Hinterflügel  stark 
grün   bis   rot   irisierend. 

Körperlänge  (trockenes  Exemplar)  2^4  nim;  Vorder- 
flügellänge 4 1/2  mm. 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


269 

Ecuador.  Sabanilla.  1850  m  hoch.  1  <^.  Sept.  1905. 
Gesammelt  von    F  r.    O  h  a  u  s. 

Type  im  Stettiner .  Zoologischen  Museum. 

Polypsocus  nervulosus  nov.  spec. 

$.  Kopf  glänzend  glatt,  rötlich  braungelb.  Clypeus 
ziemlich  stark  gewölbt.  Clypeolus  sehr  kurz.  Labrum 
groß,  Vorderrand  flach  concav,  in  der  Mitte  des  Hinter- 
randes kräftig  eingedrückt.  Augen  klein,  rund,  halbkugelig 
abstehend,  bräunhch  rot,  unbehaart.  Scheitelnaht  scharf. 
Hinterhauptsrand  stark  abgerundet.  Ocellen  sehr  klein, 
dicht  gedrängt  auf  rundlichem  Hügel.  Die  beiden  Basal- 
glieder des  Fühlers  braungelb  (der  übrige  Fühler  abge- 
brochen) . 

Thorax  röthch  braungelb,  glänzend.  Abdomen  rotbraun 
bis  braunrot.  Beine  bräunlich  gelb,  Schienen  und  Tarsen 
braunschwarz.  i.  Hintertarsenglied  mit  ca.  23  Ctenidio- 
bothrien,  2.  ohne.  Klaue  ungezähnt,  schwärzlich,  Spitze 
ungefärbt.  Länge  der  Hintertarsenglieder :  i.  0,55  mm, 
2.  0,17  mm;   Verhältnis  ca.  3V4  •   i- 

Flügel  hyalin,  Adern  braun.  Pterostigma  mäßig  groß, 
flach,  mäßig  dicht  pubesciert,  r^  gleichmäßig  gewölbt. 
Radialgabelstiel  sehr  kurz,  halb  so  lang  wie  der  Basalteil 
des  Radialramus.  r^  +  3  etwas  wellig  geschlängelt;  Gabel- 
zelle an  der  Mündung  am  breitesten,  m^  halb  so  lang  wie 
der  Mediangabelstiel;  Mediangabelstiel  also  kurz-.  Areola 
postica  lang  und  sehr  flach,  nach  dem  Außenrand  sich 
hinaufziehend.  Adern  zweireihig  behaart,  die  der  Basis 
dreireihig,  Analis  einreihig  behaart.  Randader  vielreihig 
behaart,  in  der  Mitte  des  Außenrandes  kreuzen  sich  die 
Haare.  Außenrandzone  von  Pterostigma  bis  inklusive 
Areola  postica  mäßig  dicht  pubesciert.  r.,  +  3  im  Hinter- 
flügel viermal  so  lang  wie  der  Gabelstiel.  Adern  des  Spitzen- 
viertels zweireihig  behaart.     Rand  lang  und  dicht  behaart, 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


270 

außen  vielreihig.  Flügelmembran  lebhaft  grün  bis  rot 
irisierend. 

Körperlänge  (des  trockenen  Stückes)  3  mm;  Vorder- 
flügellänge 4V2  mm. 

Ecuador.  Sabanilla.  1850  m  hoch,  i  $.  Sept.  1905. 
Gesammelt  von    Fr.   O  h  a  u  s. 

Type  im  Stettiner  Zoologischen  Museum. 

Harpezoneura  nov.  gen. 
(Typus :    Harpezoneura  niultifurcata  nov.  spec.) 

Augen  unbehaart.  3  Ocellen.  Fühler  struppig  behaart. 
Tarsen  zweigliedrig.  Klauen  ungezähnt.  Pterostigma 
hinten  mit  Anhangsader  bis  nahe  an  den  Gabelungspunkt 
des  Radialramus.  Radialramus  und  Media  im  Vorder- 
und  Hinterflügel  eine  Strecke  verschmolzen.  Radialgabel 
vierästig,  und  zwar  ist  der  vordere  Gabelast  gegabelt  und 
der  vorderer  dieser  Äste  abermals  gegabelt;  der  hintere 
Radialgabelast  ist  einfach,  (r^  r.,,  r.^,  r^,  r4+5).  Media 
sechsästig  (der  2.  und  3.  Ast  bei  vorliegender  Species  an 
der  Basis  zu  einem  kurzen  Stiel  vereinigt).  Areola  postica 
sehr  hoch.  Analis  und  Axillaris  kreuzen  sich  am  Endo. 
Radialstamm,  Medianstamm  und  Axillaris  sehr  dick,  Rand- 
ader dick.  Adern  und  Rand  schuppig  behaart.  Hinter- 
flügel mit  Radial-  und  Mediangabel.  Adern  und  Rand 
behaart. 

Durch  die  Anhangsader  am  Pterostigma  ist  diese 
extreme  Gattung  in  die  Verwandtschaft  von  Amphipsocus 
McLachl.  und  Fülleborniella  Enderl.  zu  stellen.  Nicht  nur 
die  Media,  sondern  auch  der  Radialramus  ist  ein  eigen- 
artiges Beispiel  von  Multiramie  (vgl.  Zoolog.  Jhrb.  Syst. 
18.  Bd.,   1903,  pag.  355). 

Harpezoneura  multifurcata  nov.  spec. 

(Figur  2) 

Kopf  rostgelb,  Augen  schwarzbraun,  Fühler  hell  braun- 
gelb.     Clypeus   quer,    halbmondförmig,    vorn   schwach   ein- 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


271 

gedrückt.  Clypeus  sehr  kurz.  Labriim  sehr  lang,  Vorder- 
rand schwach  eingedrückt.  Fühler  fast  von  Vorder  flügel- 
länge ziemlich  dicht  mit  langen  schräg  abstehenden  Haaren 
besetzt.  Der  ganze  Kopf  ziemlich  dicht  lang  und  schuppig 
behaart.  Maxillarpalpus  rostgelb,  Endglied  schlank.  Hinter- 
haupt stark  abgerundet.  Scheitelnaht  nicht  sehr  scharf. 
Ocellen  leuchtend  rötlich  gelb. 

Thorax  und  Abdomen  bräunlich  gelb.  Beine  blaß 
bräunlich  gelb.  i.  Hintertarsenglied  mit  ca.  22,  2.  mit 
2  Ctenidiobothrien ;  sie  sind  hell  chitinfarben,  hoch  und 
zeigen  in  der  Aufsicht  5 — 6  lange  spitze  Zähne.  Klauen 
ziemlich  kurz  (ca.  0,05  mm)  gebogen,  braun,  Spitze  blaß. 
Basalanhang  borstenförmig.  Am  Hinterbein  ist  die  Länge 
der  Schiene  1,24  mm,  des  i.  Tarsengliedes  0,4  mm,  des 
2.  Tarsengliedes  0,15  mm. 

Vorderflügel  hyalin  mit  sehr  blaßbräunlichen  Flecken, 
und  zwar  ein  Streif  quer  über  das  Pterostigma  bis  an  den 
Gabelpunkt  der  Radialgabel,  ein  Querstreif  vom  Stigmasack 
bis  an  cu,  je  ein  kleines  Fleckchen  außerhalb  der  Mitte  vom 
Radialstamm,  vom  Medianstamm,  zwei  neben  der  Mitte 
von  ax  und  ein  Fleck  am  Nodulus.  Adern  gelblich  braun, 
Radialstamm  und  Medianstamm  mit  je  zwei,  Axillaris 
mit  drei  hyalinen  Stellen.  Randader  blasser,  an  der  Ein- 
mündungssteile der  Adern  etwas  dunkler.  Pterostigma 
bei  der  Anhangsader  rechtwinklig,  r^  +  5  doppelt  so  lang 
wie  der  Gabelstiel.  Randader  vielreihig  lang  behaart,  am 
Außenrand  kreuzen  sich  die  Haare  nicht,  am  Hinterrande 
der  Axillarzelle  einreihig  behaart.  Adern  zweireihig  lang 
behaart,  Radialstamm,  Medianstamm  dreireihig.  Axillaris 
vierreihig  lang  behaart.  Analis  einreihig  sehr  lang  behaart. 
m5  und  mg  schwach  wellig,  ebenso  cu^  im  aufsteigenden 
und  besonders  im  absteigenden  Teil.  Pterostigma  mäßig 
dicht  pubesciert.  Adern  und  Rand  des  Hinterflügels  hell 
gelbbraun,  die  Adern  der  Spitzenhälfte  zweireihig  behaart, 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909, 


272 


Analis  einreihig  behaart,  Rand  dicht  mehrreihig,  an  der 
Basis  des  Hinterrandes  einreihig  behaart,  r^  +  5  so  lang 
wie  der  Gabelstiel;  m^  länger  als  der  Mediangabelstiel, 
nio  kürzer.  Randader  in  der  Spitzenhälfte  des  Vorder- 
und  Hinterflügels  auch  nach  innen  zu  behaart. 

Körperlänge     (bei    trockenem    Tier)     2    mm;     Vorder- 
flügellänge 3,4  mm. 

Transvaal,    Zoutpansberg.    i  $• 
Type  im  Zoologischen  Museum  zu  Stettin. 


Fig.  1.  Harpezoneura  multifurcata 

nov.  gen.  nov.  spcc.  5. 
Geäder-Verlauf.     Vergr.  I21/2  :  1. 


Fig,3.  Troctes  transvaalensis  nov.sj). 

Torakalstcrnite.     Vergr.  160  :  1. 
stj  =  Sternit  des  Prothnrax. 
stii  u.  ni  =  Verschmolzene   Stcrnilc 
des  Meso-  und  Metathorax. 


Troctes  transvaalensis  nov.  spec. 

(Fiyur  3) 

Körperfarbe  blaß  rostgelb,  die  beiden  Basalglieder 
des  Fühlers  bräunlich,  die  Spitzenhälfte  des  Abdomen 
dunkel  rostgelb,  nach  vorn  zu  besonders  seitlich  blasser 
werdend.  Augen  schwach  pigmentiert.  Die  acht  für  die 
Gattung  charakteristischen  Ommen  jedes  Auges  in  etwas 
abweichender  Lagerung,  die  beiden  großen  hinteren  Ommen 
besonders  groß.  Die  Einbuchtung  des  Hinterschenkels 
fehlt,  der  Rand  bildet  an  ihrer  Stelle  eine  gerade  Linie.  Pro- 
thorakalsternit  (Fig.  3,  I)  mit  sechs  Fadenhaaren,  die  beiden 
mittelsten  etwas  nach  vorn  gerückt,  die  übrigen  eine  Quer- 

Stctt.   cntomol.   Zeit.   1909. 


273 

reihe  bildend.  Sternit  des  Meso-  und  Metatliorax  (Fig.  3, 
st  II  und  III)  dreieckig,  Vorderrand  mit  einer  Querreihe 
von  10  langen  Fadenhaaren. 

Körperlänge  1,3  mm. 

Zwischen  in  Transvaal  bei  Zoutpansberg  gesammelten 
Insekten,    i  9. 

Type  im  Stettiner  Zoologischen  Museum. 

Für  den  Gattungs-Namen  Tricladus  Enderl.  (Zool. 
Jhrb.  Syst.  23.  Bd.  1906  p.  410),  der  von  Fairmaire 
für  ein  Cleridengenus  1902  vergeben  wurde  (Ann.  Soc.  Ent. 
Fr.  1902,  p.  563)  und  sich  im  Verzeichnis  der  Genera  in 
den  Records  nicht  findet,  setze  ich  den  Namen  Tricla- 
dellus  nov.  nom.  ein  (Typus:  Tr.  Froggatti  Enderl.  1906 
aus  Australien). 


Zwei  neue  Cercopiden=Qattungen. 

(Hemiptera  —  Homoptera.) 

Mit.  1  TexUlgiir. 
Von  Edmunifl  Soliinidt,  Stettin. 

Genus  Anoplostethus  n.  gen. 
Scheitel  gewölbt.  Der  Abstand  der  Ocellen  von- 
einander ist  so  groß  wie  der  Abstand  der  Ocellen  von  den 
Augen.  Kopf  seitlich  betrachtet  unten  mit  abgerundeter 
Ecke.  Pronotum  mit  Mittelkiel,  hinten  schwach  gebuchtet. 
Schildchen  dreieckig,  ziemlich  groß,  mit  großer  und  tieferer 
Grube  auf  der  Scheibe.  Mittelbrust  glatt,  ohne  Höcker. 
Rostrum  bis  zu  den  Mittelhüften  reichend.  Deckflügel- 
und  Flügelgeäder  sowie  Pronotum-  und  Schildchenform 
sind  in  Figur  I  veranschaulicht.  Das  netzmaschige  Apical- 
geäder  tritt  reliefartig  hervor,  der  Radius  gabelt  sich  sehr 
früh  und  der  Cubitus  und  die  Media  sind  eine  Strecke  ver- 

Stett,  entomol.  Zeit.   1909.  18 


274 


Fig.  1.     Anoplostethus  Jacobii  n.  sp. 
Nr.   1.  Deckflüge]    (die  punktierte  Linie  deutet  den  Clavusumschlag  an). 
Nr.  2.   Flügel.     Nr.  3.   Pronotum-Hinterrand  und  Schildchen  (die  punk- 
tierte Linie  deutet  den  Eindruck  vor  dem  Rande  an.) 

schmolzen;  durch  diese  Aderverteikmg  werden  vier  gleich 
breite,  langgestreckte  Zellen  gebildet.  Auf  dem  ersten 
sichtbaren  Bauchsegment  (das  6.  vor  den  Gonapophysen) 
befindet  sich  ein  knopfartiger  Höcker  (beim  (^,  $  mir  un- 
bekannt). Hinterschienen  mit  einem  Dorn  hinter  der  Mitte. 
Typus:  Anoplostethus  Jacobii  n.  sp. 

I.    Anoplostethus  Jacobii  n.  sp. 

Kopf,    Pronotum  und   Basalhälfte   des   Schildchen   erz- 
grün.      Der    maschige    Apicalteil    der    Deckflügel   und     ein 

Stett.  eutomol.  Zeit.  1909. 


275 

großer  Fleck  auf  jeder  Seite  des  Prosterniim  violett  und 
glänzend.  Deckflügel  mit  den  Adern,  Apicalteil  nicht  mit- 
gerechnet, ockergelb.  Flügel  rauchbraun  getrübt,  die  Adern 
schwarzbraun.  Das  Rostrum,  die  Schenkel  und  Bauch- 
segmente sind  ockerfarben;  die  vier  Vorderschienen,  große 
Flecke  auf  den  Paratergiten  und  eine  kurze  Vorderrand- 
Querbinde  auf  den  Bauchsegmenten  sind  schwarz  gefärbt; 
die  Tarsen  und  die  Hinterschienen  sind  braun  gefärbt; 
Rückensegmente  braun  mit  ockergelben  Hinterrandsäumen. 

Pronotum  grob  punktiert  und  gerunzelt,  zwischen 
den  Vordergruben  und  dem  Vorderrande  fast  glatt,  vordere 
Seitenränder  schwach  gerundet,  hintere  Seitenränder  seicht 
eingedrückt,  ein  kurzer,  deutlicher  Mittelkiel  befindet  sich 
hinter  der  glatten  Stelle.  Schildchenspitze  quergerieft, 
am  Ende  der  Grube  ist  ein  feiner  Längskiel  wahrzunehmen. 
Gonapophysen    hinten    gestutzt    mit    abgerundeten    Ecken. 

Länge  mit   Flügeldecken   12   mm,    Körperlänge  9  mm. 

Sumatra:     Sinabong    (Dr.    H.    Dohrn). 

Type  im  Stettiner  Museum. 

Diese  Art  benenne  ich  zu  Ehren  des  Herrn  Prof.  Dr. 
A.   Jacobi,  Direktor  des  Königlichen  Museums  in  Dresden. 

2.    Anoplostethus  jucundus  Jacobi. 

Cosnioscarta  jucmida  Jac.  Mitt.  aus  dem  Zoolog.  Mu- 
seum, Berlin   HL   i.   S.   15,   Taf.  l,  Fig.  2  (1905). 

Jacobi: 

,,Capite,  lateribus  prosterni,  pronoto,  scutello  aeneo- 
viridibus;  prosterno  violascente;  rostro,  meso-et  metasterno, 
coxis,  femoribus,  abdomine  ochraceis;  hoc  supra  segmentis 
latissime  nigro  limbatis,  subtus  segmentis  postice  maculis 
transversis,  pleuris  maculis  quadratis  nitide  violascentibus 
ornatis;  tibiis  anticis  mediisque  nigris,  posticis  fuscescen- 
tibus.  Tegminibus  ochraceis,  apice  aeneo  viridi;  costa 
venisque  distincte  violaceo  limbatis,  paulum  ante  partem 
reticulatam  subito  ochraceis.     Alis  infumatis. 

ett.  eiitomol,  Zeit.  1909.  18'' 


276 

Long,  cum  tegm.  ii,  lat.  pron.  4  mm. 
$.  Der  ganze  Kopf  nebst  Wangen  und  Clypeus, 
Pronotum,  Scutellum  und  Seiten  des  Prosternums  glänzend 
erzgrün,  letzteres  sonst  violett  glänzend.  Scutellum  mit 
gelber  Spitze.  Schnabel  —  ausgenommen  die  schwarze 
Spitze  — ,  Mittel-  und  Hinterbrust,  alle  Hüften  und  Schenkel 
und  der  Hinterleib  ockergelb;  letzterer  auf  den  Rücken- 
segmenten mit  breiten  violettschimmernden  Säumen;  unten 
am  Hinterrande  jedes  Segments  eine  kurze  Ouerbinde, 
auf  den  Paratergiten  ein  quadratischer  Fleck  von  gleicher 
Farbe.  Tibien  und  Tarsen  der  beiden  vorderen  Beinpaare 
glänzend  blauschwarz,  die  der  hinteren  gelbbraun,  schwarz 
überlaufen.  Deckflügel  bis  zum  netzadrigen  Teile  ockergelb, 
dieser  quer  abgeschnitten  erzgrün;  Costa,  Adern  und  Clavus- 
naht  bald  hinter  ihrem  Ursprünge  bis  etwa  i  mm  vor  der 
Netzaderung  glänzend  purpurviolett  nebst  ebensolchen 
Säumen,  nachdem  plötzlich  ockergelb,  so  daß  sich  zwischen 
die  metallglänzende  Streifenaderung  und  den  einfarbigen 
Spitzenteil  ein  nur  außen  etwas  gekrümmtes  Band  schiebt. 
Flügel  rauchbraun. 

Stirn  im  Profil  gewinkelt.  Ocellen  gleich  weit  von 
den  Netzaugen  und  voneinander  entfernt.  Pronotum  grob 
punktiert  und  gerunzelt,  nur  zwischen  den  Vordergruben 
glatt;  Mittelkiel  fehlt;  Scheibe  im  hinteren  Teile  seithch 
mit  zwei  den  hinteren  Seitenrändern  parallelen  Längs- 
eindrücken ;  Umriß  sechseckig  mit  abgestumpften  Seiten- 
winkeln, vordere  Seitenkante  schwach  gerundet,  hintere 
gerade,  Hinterrand  gebuchtet.  Schildchen  wenig  länger 
als  breit,  mit  sehr  tiefer  und  breiter  Mittelgrube;  Runzelung 
undeutlich.  Schnabel  bis  zwischen  die  Mittelhüften.  Mittel- 
brust ohne  Hecker.  Spitze  der  Deckflügel  gerundet,  die 
Aderung  sehr  scharf,  reliefartig  hervortretend,  ihr  Ver- 
lauf ganz   gerade   und   einfach. 

Hab.  —  West-Sumatra:  Singalang  (Slg.  Jacobi;  Typus). 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


277 

C.  jtictmda  ist  unter  den  zahlreichen  schöngefärbten 
Gattungsgenossen  eine  ungewöhnUche  und  dabei  sehr  zier- 
hche  Erscheinung.  Sie  ähnelt  bei  fast  gleicher  Größe  un- 
gemein einer  brasilianischen  Tomaspis  meiner  Sammlung 
{Sphenorrhina  venosa  Wk.  ?),  nur  ist  bei  dieser  der  Grund 
der  Deckflügel  karminrot  statt  ockergelb." 

Genus  Porpax  n.  gen. 

Kopf  stark  nach  unten  geneigt;  Scheitel  steil  ab- 
fallend, in  der  Mitte  mit  hochgewölbter,  abgerundeter 
Längserhöhung;  Ocellen  genähert,  der  Abstand  der  Ocellen 
voneinander  ist  halb  so  groß  wie  der  Abstand  der  Ocelle 
vom  Auge;  Stirn  schwach  gewölbt,  seitlich  betrachtet 
bilden  der  Stirnvorder-  und  Stirnunterrand  eine  scharfe 
Ecke  und  stehen  im  rechten  Winkel  zueinander.  Pronotum 
vorn  steil  abfallend,  hinten  stumpf  ausgeschnitten,  mit 
durchlaufendem  Mittelkiel;  die  seitlichen  Hinterränder  sind 
leicht  einwärts  und  die  seitlichen  Vorderränder  leicht  aus- 
wärts gebogen.  Schildchen  verhältnismäßig  groß,  in  der 
Mitte  deutlich  abgesetzt;  die  Vorderhälfte  füllt  eine  flache, 
nach  hinten  zu  sich  vertiefende  Grube,  die  hintere  Hälfte 
ist  rundlich  gewölbt  und  grob  quergerieft.  Das  Rostrum 
überragt  den  Hinterrand  der  Mittelcoxen,  Basalglied  länger 
als  das  zweite.  Mittelbrust  vor  den  Mittelcoxen  mit  großen 
konischen,  leicht  nach  vorn  geneigten  Brustzapfen.  Deck- 
flügel hinten  gleichmäßig  abgerundet;  das  netzmaschige 
Geäder  des  Apicalteiles  ist  fein,  wenig  hervortretend  und 
fast  bis  zur  Hälfte  des  Corium  ausgedehnt;  Cubitus  und 
Media  durch  einen  Quernerv  verbunden.  Flügelgeäder 
wie  bei  Trichoscarta  Breddin  und  Phymatotetha  Stäl.  Das 
erste  sichtbare  Bauchsegment  (das  6.  vor  den  Gonapophysen) 
trägt  in  der  Mitte  einen  kräftigen,  großen,  kegelförmigen 
Höcker  (beim  cJ,  ?  unbekannt).  Hinterschienen  mit  einem 
kräftigen   Dorn  etwas  unterhalb  der  Mitte. 

Typus:    Porpax  xanthomelas  n.  sp. 

Stett.  entoinol.  Zeit.  1909. 


278 

Porpax  xanthomelas  n.  sp. 

Scheitel  schwarz,  der  Teil  vor  den  Ocellen  und  vor 
jedem  Auge  ein  kleinerer  Fleck  ockergelb.  Ocellen  glashell, 
gelblich.  Augen  schwarzbraun.  Ockergelb  sind:  die  Stirn, 
die  Vorderhälfte  des  Clipeus,  die  Vorder-  und  Mittelschenkel 
auf  der  Unterseite  zum  größten  Teil,  ein  großer,  rundlicher 
Fleck  zu  jeder  Seite  der  Mittelbrust,  breite  Seitenrand- 
säume  des  Pronotum,  vier  Flecke  hinter  dem  Pronotum- 
Vorderrande,  das  Schildchen  mit  Ausnahme  der  Vorder- 
ecken und  der  Seitenränder  des  Basalteües  und  große  runde 
Flecke  auf  den  Paratergiten.  Beine,  Bauchsegmentc, 
Pronotum  und  Rostrum  schwarzbraun.  Rückensegmente 
des  Hinterleibes  indigoblau,  metallisch  glänzend.  Deck- 
flügel schwarzbraun,  im  Apicalteile  heller;  auf  dem  Basal- 
teile stehen  drei  runde,  große,  elfenbeinfarbige  Flecke, 
einer  im  Costalraum,  einer  auf  der  Gabelung  des  Radius 
und  einer  auf  dem  Quernerv,  welcher  Cubitus  und  Media 
verbindet.  Flügel  ziemlich  stark  rauchschwarz  getrübt, 
das  Geäder  ist  pechbraun. 

Schildchen  grob  quergerunzelt,  die  Fläche  der  Grube 
ist  glatt.  Pronotum  mit  scharfem  durchlaufenden  Mittel- 
kiel, punktiert  quergerieft.  Das  erste  Bauchsegment  und 
die  steil  abfallende  Vorderseite  des  darauf  sich  befindenden 
Höckers  sind  deutlich  parallel  quergerieft.  Gonapophysen 
dreieckig,  nach  hinten  stark  verschmälert  und  hinten  in 
einen  aufgerichteten  Zahn  endend. 

9  unbekannt. 

Länge  mit  Flügeldecken  22  y^  mm,  Körperlänge  16I/2  nim. 

Obi  (Waterstradt). 

Type  im  Stettiner  Museum. 


Stott.  cntomol.  Zeit.  1909. 


279 


Isogenus  aemulum,  eine  neue  deutsche 
Plecoptere. 

Von  Dr.  Ciüntlier  Enilerleaii.  Stettin. 

Mit  4  Textfiguren. 


Unter  dem  Insektenmaterial  aus  dem  Riesengebirge, 
das  das  Stettiner  Zoologische  Museum  Herrn  Rektor 
G.  Schroeder  verdankt,  fand  sich  die  folgende  neue 
Isogenus-Art,    die   vermutlich   eine    Gebirgs-Species   ist. 

Isogenus  aemulum  nov.  spec. 

$.  Scliwarz;  ockergelb  ist  ein  großer  Fleck  in  der  Mitte 
des  Hinterrandes  der  Stirn  und  in  der  Mitte  des  Scheitels; 
je  ein  kleiner  Fleck  in  der  Mitte  des  Vorder-,  Hinter-  und 
Seitenrandes  des  Clypeus;  gelbbraun  ist  die  Medianlinie 
des  Pronotum.  Unterseite  des  Kopfes  und  die  Trochanter 
bräunlich  graugelb.  Cerci  grauschwarz.  Flügel  bräunlich 
hyalin,  Stigma  hellbraun.  Querader  zwischen  r,  und 
Radialgabelstiel    im    Vorderflügel    braun    gesäumt. 

Diese  Species  unterscheidet  sich  von  Isogenus  nuhcculum 
Newm.  durch  folgendes: 

Hinteres  Drittel  des  Clypeus  dicht  vor  dem  vorderen 
Ocellus  mit  medianem  Längseindruck.  Hinter  dem  Vorder- 
ste 


Fig.  1.     Isogenus  aemulum 

nov.  spec.  $.     Vergr.  8:1. 
Abdominalspitze"_von  unten. 


Fig.  2.     Isogenus  nubeculum 

Newm.  §.   Vergr.  8:1. 
Abdominalspitze  von  unten. 


rande  des  Clypeus  nahe  den  Seitenecken  je  ein  kurzer  Quer- 
kiel. Hinter  den  hinteren  Ocellen  befindet  sich  auf  jeder 
Scheitelhälfte      ein      kleiner    ocellenartiger     Höcker.        Die 

Stett.  eiitomol.  Zeit.   1909. 


280 

Runzelung  auf  den  Seitenteilen  des  Pronotum  besteht 
aus  einzelnen  un verbundenen  kleineren  Höckern.  Seiten 
des  Pronotum  geradlinig  und  sehr  deutlich  nach  hinten 
convergierend  (bei  /.  nubeculum  schwach  nach  hinten 
divergierend).  Cerci  etwas  dicker.  Die  Subgenitalplatte 
(Fig.  I,  stg)  von  Abdominalbreite  mit  Ausnahme  der  Seiten- 
viertel in  der  Mitte  gewölbt  nach  hinten  verlängert,  so  daß 
der  mittlere  Teil  den  Hinterrand  des  9.  Sternites  (Fig.  i, 
stg)  überragt  und  in  der  Mitte  mäßig  schwach  eingebuchtet 
ist.  Die  so  entstehende  schaufelartige  Erweiterung  ist 
gegen  den  übrigen  Teil  der  Subgenitalplatte  kantig  ab- 
gesetzt und  nach  unten  geknickt,  dessen  Endhälfte  mit 
feinem  Längskiel.  Die  Erweiterungen  der  Cercusbasipodite 
sind  weniger  kräftig  und  weniger  stumpf.  Der  hintere  Teil 
des  Metasternum,  des  Thorax  zwischen  den  Hintercoxen 
(Fig.  3)  hat  an  den  Seiten  je  einen  nach  außen  concaven 
Längskiel,  die  beide  dicht  hinter  der  Mitte  durch  einen 
feineren  Querkiel  verbunden  sind.  Dicht  vor  der  Mitte 
dieses  Ouerkieles  finden  sich  nebeneinander  zwei  kleine 
grubige  Vertiefungen  (Fig.  3).  Hinterenden  der  Längs- 
kiele   nicht    durch    einen     Querkiel    verbunden. 


Ro'*- 


Fig.  3.     Isogenus  aemulum  Fig.  4.     Isogenus  nubeculum 

nov.  spec.  $.      Hinterer  Teil  des  Newm.  $.     Hinterer  Teil  des 

Metasternum.     Vergrößert.  Metasternum.     Vergrößert. 

Körperlänge  14  mm;  Vorderflügellänge  14 14  v^th; 
Flügelspannung  31  mm;  Abdominallänge  5 14  i'nm.  Größte 
Vorderflügelbreite  4^2  m^i;   Prothorakalbreite  3  mm. 

Deutschland.  Schreiberhau  im  Riesengebirge. 
Juli  1907.  2  $.  Gesammelt  von  Herrn  Rektor 
G.    S  c  h  r  o  e  d  e  r    in  Stettin. 

Typen  im  Stettiner  Zoologischen  Museiun. 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


281 

Bestimmungstabelle    der    europäischen    Isogenus-Arten. 

1.  8.  Sternit  des  ?  (Subgenitalplatte)  klein,  einen 
großen  Teil  vom  9.  Sternit  freilassend.  Die  (J  öfter 
kurzflügelig,  mit  ganzem  X.  Ringe  und  langen 
Analklappen 2. 

8.  Sternit  des  $  (Subgenitalplatte)  deckt  fast 
die  ganze  ventrale  Fläche  des  IX.  Ringes 4. 

2.  Beide  Geschlechter  völlig  geflügelt.  Die  ^J-Sub- 
analklappen  von  der  Spitze  verdickt  und  dann 
wieder  verschmälert.  8.  Sternit  des  ?  nimmt  nur 
etwa  die  Hälfte  des  9.  Sternites  ein;  halbkreis- 
förmig und  hinten  geradrandig.  10.  Tergit  stumpf- 
winklig erweitert Nanseni  Kempny  1900. 

(^  kurzflügelig;  die  (^-Subanalklappen  an  der 
Spitze  am  stärksten.  8.  Sternit  des  $  nimmt  etwa 
%  der  Breite  des  9.  Sternites  ein,  Hinterrand  breit 
und  flach  eingedrückt;  der  Hinterrand  des  10.  Ringes 
fast  gerade 3. 

3.  Die  seitlichen  Hinterhauptsflecke  wenig  deutlich; 
die  Körperlänge  beim  (^  9—10  mm  und  die  Flügel- 
spannung des  9  10 — 16  mm.    rectum  Kempny  1900. 

Die  seitlichen  Hinterhauptsflecke  deutlich  und 
das  Kopfschild  größtenteils  gelb;  die  Körperlänge 
des  (^  10 — 12  mm,  Flügelspannung  des  $  26 — 32  mm. 
septentrionis  Klap. 

4.  Subgenitalplatte  des  $  sehr  groß  und  so  breit  wie 
das  Abdomen,  Hinterrand  breit  und  flach  einge- 
drückt, Hinterecken  stark  abgerundet,  ohne  Median- 
kiel; sie  verdeckt  gewöhnlich  den  Hinterrand  des 
9.  Sternites  in  der  ganzen  Breite.  Subanalklappen 
des  (^  mit  parallelen  Seitenrändern.  Der  hintere 
Teil  des  Metasternum  jederzeit  mit  einer  gerad- 
linigen, nach  hinten  convergierenden  Längsleiste, 
die    beide    dicht    vor    dem    Hinterrande     des    Seg- 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


282 


mentes    durch    einen    Querkiel    verbunden    sind    (in 

der    Mitte    kein    Querkiel).       Vgl.    Fig.    4   

nubeculum   Newm.    1833. 

Subgenitalplatte  des  $  nur  im  mittleren  Teil 
(mit  Ausnahme  der  Seiten  viertel)  gebogen,  nach 
hinten  bis  über  den  Hinterrand  des  9.  Sternites 
verlängert  und  an  der  Spitze  schmal  eingedrückt; 
der  hintere  Teil  ist  kantig  nach  unten  umgeknickt; 
Endhälfte  mit  feinem  medianen  Längskiel.  Der 
hintere  Teil  des  Metasternum  jederseits  mit  einer 
seitlichen,  nach  außen  concav  gebogenen  Längs- 
leiste, die  beide  dicht  hinter  der  Mitte  durch  einen 
feinen  Querkiel  verbunden  sind  (Fig.  3) ;  am 
Hinterrande   ohne    Querkiel.      aemulum   nov.    spec. 


Aleurodicus  conspurcatus,  eine  neue 
Aleurodide  aus  Süd=Brasilien. 

Von  Dl'.  f.lSiiffliei*  I^^Biilei'leiii,  Stettin. 
Mit   1  Textfigur. 


Unter  dem  umfangreichen  Lisekten-Material  von  Lüder- 
waldt  aus  Santa  Catharina  im  Besitze  des  Stettiner  Zoolo- 
gischen Museums,  das  besonders  reich  an  Minutien  ist, 
fand  sich  eine  neue  Art  der  besonders  für  das  tropische 
Südamerika  charakteristischen  Gattung  Aleurodicus  Douglas 
1892,  von  der  ich  nachstehend  die  Diagnose  gebe. 

Aleurodicus  conspurcatus  nov.  spec 
■Hell   bräunlich   gelb,    Augen   grau;    Beine   blaß    ocker- 
gelblich;    Spitzenhälfte    des    Abdomen    grau,     Seiten     der 
Basalhälfte  ockergelb.     Abdomen  sehr  schmal  und  schlank 
(,(5*),  letztes  Glied  etwa  2 ^2  mal  so  lang  wie  breit,  vorletztes 

Stett.  entx)mol.  Zeit.   1909. 


283 


Aleurodicus  conspurcatus  Enderl.  ,^. 
Voider-  und  Hinterflügel.     Vergr..25  :  1., 

etwa  so  lang  wie  breit,  beim  $  gedrungen  und  kurz.  End- 
zange des  Q  sehr  lang  und  schlank,  und  erst  am  Ende 
nach  innen  umgebogen,  etwa  %  des  letzten  Segmentes; 
Penis  in  Form  eines  stäbchenförmigen  Anhangs  am  Grunde 
der  Zangen  und  zwischen  ihnen,  sehr  kurz  (nur  etwa  14 
der  Zangenlänge),  dünn  und  senkrecht  .aufgerichtet.  Stirn- 
rand von  oben  gesehen  eine  etwas  abgerundete  recht- 
winklige  Ecke   bildend. 

Flügel  hyalin,  weiß  bestäubt;  Vorder-  und  Hinter- 
flügel mit  kleinen,  unregelmäßig  geformten,  braunen,  spär- 
lich verteilten  Flecken.  Die  Costa  im  Vorderflügel  fein, 
aber  deutlich;  der  vordere  Ast  der  Radialgabel  in  beiden 
Flügeln  in  der  Mitte  stark  nach  dem  Außenrande  zu  um- 
gebogen. Die  Media  endet  in  beiden  Flügeln  an  der  Hinter- 
ecke des  Außenrandes;  im  Vorder flügel  ist  sie  nahe  der 
Basis  stark,  nahe  dem  Ende  schwach  wellig  gebuchtet. 
Analis  im  Vorderflügel  fein  aber  deutlich  bis  zur  Mündung 
in    der    Mitte    des    Hinterrandes   zu   verfolgen;    im    Hinter- 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909.  .      ;         :  :<i  .;.l.«  ri.;o>jÄ 


284 

flügel  fehlt  sie.  In  beiden  Flügeln  erreichen  r  4  +  5  und 
m  nicht  ganz  den  Flügelrand,  r  2  +  3  endet  ziemlich  weit 
vom    Flügelrand    entfernt. 

Körperlänge  (^  2^  mm,  $  2  mm;  Abdominallänge 
<S  1%  mm,  $  I  mm;  Vorderflügellänge  (^2,5  mm,  $  3  mm; 
Hinterflügellänge  (^  2,1  mm,  $2%  mm.  Größte  Vorder- 
flügelbreite ^  1,5  mm,  $  2  mm.  Größte  Hinterflügelbreite 
(^  1,15  mm,  ?  1,5  mm. 

Süd-Brasilien.  Santa  Catharina.  13  Exemplare 
(3  J  und  IG  $).    Gesammelt  von    L  ü  d  e  r  w  a  1  d  t. 

Typen  im  Stettiner  Zoologischen  Museum. 


Neue  und  bekannte  Gattungen  und 
Arten  der  Subfamilie  Cercopinae  Stäl 
des  indoaustralischen  Faunengebietes, 

ein  Beitrag"  zur  Kenntnis  der  Cercopiden. 
(Hemiptera  —  Homoptera.) 

Mit  1  Tcxtfigiir. 
Von  Edmunfl  Selimicit,  Stettin. 

II. 


Im  I.  Teile  meiner  Arbeit  über  indoaustrahsche  Cerco- 
piden (Stett.  Ent.  Zeit.  LXX.  Heft  I,  S.  146,  verausgabt 
1908)  habe  ich  auf  Seite  153  eine  Art  von  der  Insel  Sumba 
als  neu  unter  den  Namen  GynoPygoplax  Grelaki  beschrieben. 
Nachträglich  habe  ich  gefunden,  daß  diese  Art  mit  der 
von  Breddin  (Soc.  Ent.  XVII,  p.  51,  1902)  auch  von  Sumba 
beschriebenen  Cosmoscaria  crocale,  welche,  wie  aus  der 
Breddinschen  Beschreibung  anzunehmen  ist,  stark  variert 
identisch  ist.  Demnach  ist  an  Stelle  ,, Grelaki  n.  sp."  ,, crocale 
Breddin"  zu  setzen. 

stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


285 

Genus  Simeliria  n.  gen. 
Deckflügel  nach  hinten  verschmälert,  mit  mehr  oder 
minder  spitz  abgerundetem  Apikaiteil  und  stark  hervor- 
tretendem Geäder;  der  Costalrand  ist  im  Basalteile  auf- 
fallend stark  gewölbt,  die  Costalzelle  daher  verhältnis- 
mäßig sehr  breit;  Cubitus  und  Media  sind  eine  Strecke 
verschmolzen;  die  von  Media  und  Cubitus  eingeschlossene, 
große,  dreieckige  Zelle  ist  mit  einigen  Quernerven  versehen, 
welche  mit  dem  Cubitus  in  Verbindung  stehen;  Axillaris  i 
und  2  sind  durch  einen  Quernerv  verbunden.  Flügel  wie 
bei  der  Gattung  Suracarta  (Stett.  Ent.  Zeit.  LXX.  I,  S.  167, 
1909)  gebildet.  Pronotum  glatt,  hinten  abgerundet,  mit 
Mittelkiel,  der  nicht  immer  durchlaufend  und  deutlich 
ist;  die  mehr  oder  weniger  vortretenden  Schulterecken 
sind  abgerundet.  Der  Hinterrand  der  Mittelbrust  vor  den 
Mittelkoxen    ist    aufgehoben    und    zuweilen    blattartig,    die 


Fig.  1.     Simeliria  viridans  Guer.  (,^). 
1.   Vorderflügel  (die  punktierte  Linie  deutet   an,   wieweit   der   Umschlag 
des  Clavus-Hinterrandes  reicht).    2.  Pronotum-Hinterrand  und  Schildchen 
(die  punktierten  Linien  deuten  die  Pronotumeindrücke  an).      3.  Mittel- 
brust (stark  vergrößert). 

Stett,  entomol.  Zeit.  1909. 


286 

Mittelbrusthöcker  sind  vorn  und  hinten  flach,  daher  nicht 
konisch.  Das  Rostrum  reicht  bis  zur  Mitte  der  Mittel- 
koxen.  Besonders  auffallend  bei  den  Arten  dieser  Gattung 
ist  der  metallische  Glanz  und  der  violette  Schiller  auf  Kopf, 
Pronotum,  Schiidchen  und  Deckflügel. 
Typus:    Simeliria  viridans  Guer. 

Tabelle  zur  Bestimmung  der  Arten. 

1.  Ocellen  stark  genähert;  die  Entfernung  der  Ocellen 
voneinander  etwa  halb  so  groß  wie  der  Abstand 
der  Ocellen  von  den  Augen    6, 

—  Ocellen  nicht  genähert ;  der  Raum  zwischen  den 
Ocellen  so  groß  wie  die  Entfernung  der  Ocellen 
von  den  Augen    2. 

2.  Apikaldrittel  der  Deckflügel  anders  gefärbt  und 
heller  als  der  übrige  Teil    5. 

—  Deckflügel  einfarbig,  Apicaldrittel  wie  der  übrige 
Teil   3. 

3.  Kleinere  Arten.  Hinterleib  imten  mit  drei  bis  vier 
Reihen  schwarzer  Flecke    4. 

—  Größere  Art.  Hinterleib  unten  einfarbig,  gewöhnlich 
glänzend  schwarz.  Länge  des  Körpers  16 — 22  mm. 
Vorder-  und  Hinterindien  und  auf  den  indischen 
Inseln i.    S.  viridans   Guer. 

4.  Kopf,  Pronotum  und  Prostcrnum  indigoblau,  me- 
tallisch glänzend;  Hinterleib  unten  mit  drei  Reihen 
schwarzer  Flecke.  Länge  des  Körpers  16  mm. 
Perak 2.     S.  Butleri  Dist. 

—  Kopf,  Pronotum,  Schildchen  und  Prosternum  rötlich 
dunkelbraun;  Hinterleib  unten  mit  vier  Reihen 
schwarzer  Flecke.  Länge  des  Körpers  14  mm. 
Cambodja 3.    S.  cambodjana  n.  sp. 

5.  Hinterleib    oben    rot.        Augen    dunkel    ockergelb. 

Länge   des    Kör^pers    17   mm.      Sumatra 

4.    S.    juno    Dist. 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


2  87' 

—  Hinterleib  oben  glänzend  schwarzblau.  'Augen 
dunkelbraun.  Länge  des  Körpers  i6 — 18  mm. 
Nias 5.     S.  apicalis  n.   sp. 

6.  Höcker  der  Mittelbrust  senkrecht.  Deckflügel 
metallisch  stahlblau  mit  purpurner  Beimischung 
im  Corium  und  Clavus  und  grüner  im  Maschen- 
teile. Länge  mit  den  Deckflügeln  22  mm.  Sumatra. 
6.    S.  coerulans  Jac 

—  Höcker  der  Mittelbrust  leicht  nach  vorn  geneigt. 
Deckflügel  schwarzbraun,  metallisch  grün  mit  grün- 
lichem Glänze  im  Corium  und  Clavus  und  stahl- 
blauer Beimischung  im  Apicalteile ;  der  Übergang 
vom  Corium  zum  Apicalteil  glänzt  matt  purpurn. 
Länge  des  Körpers  14  mm.  .  .    7.    S.  aenescens  n.  sp. 

I.    Siineliria  viridans  Guerin. 
Cercopis    viridans  Guer.,    A'oy.  Belang.  Ind.  Orient,  p.  501, 

Atlas  Taf.  IH,  Fig.  7  u.  7a  (1834). 

Walk.,    List    of    Hom.    Ins.    III, 

p.  654  (1851). 
Cosmoscarta  ,,  ,,        Butl.,  Cist.  Ent.  I,  p.  249  (1874). 

Atkins.,    J.   A.   S.   B.   LIV,   p.   8 

(1885). 
,,  ,,  ,.        Dist.,  The  Fauna  of  British  India, 

Ceylon  and  Burma.      Rhynchota 

Vol.  IV.  p.   155  (1907). 
Cercopis    latissima  Walk.,  List    of    Hom.    Ins.    III,    p.    655 

(1851). 
Guerin  beschrieb  diese  Art  von  der  Koromandelküste 
(\'orderindien).  Durch  Walker,  Butler  und  Distant  erfahren 
wir,  daß  diese  Art  auch  auf  Java  und  Sumatra  vorkommt. 
Nach  Atkinson  soll  die  Verbreitung  sich  bis  Mysol  und 
Neu- Guinea  erstrecken.  Nach  meinen  Erfahrungen  und 
dem  mir  vorliegenden   Material  glaube   ich  kaum,   daß  die 

Stett.  eiitomol.  Zeit.   1909. 


288 

Tiere  der  verschiedenen  Fundorte  dieselbe  Art  sind;  die 
von  Mysol  und  Neu-Guinea  dürften  wohl  entschieden  andere 
Arten  wenn  nicht  andere  Gattungen  sein.  Die  Beschrei- 
bungen der  genannten  Autoren  sind  sehr  mangelhaft  und 
fast  ausschließhch  Farbenbeschreibungen,  so  daß  ohne 
Material  der  verschiedenen  Fundorte,  nur  an  der  Hand 
der  erwähnten  Beschreibungen,  ein  Trennen  und  Sichten 
aller  Formen,  welche  als  Vindans  Guer.  zusammengefaßt 
werden,    nicht    vorgenommen    werden    kann. 

Im  Stettiner  Museum  befinden  sich  i  ^  und  i  $  von 
Java  (H.  Fruhstorfer) ,  i  $  von  Sumatra:  Soekaranda 
(Dr.  H.   Dohrn)   und  i   $  von  Perak. 

Aus  dem  Königlichen  Museum  zu  Brüssel  liegen  mir 
5  SS  von  Java  und  2  $9  von  Sumatra  vor. 

2.    Simeliria  Butler!  Distant. 

Trans.  Ent.  Soc.  Lond.,  p.  667  (1-900). 

Distant : 

,,Head,  pronotum,  and  prosternum  brilliant  metallic 
indigo-blue;  abdomen,  meso-and  metasternum  coxae,  and 
legs  sanguineous;  tegmina  shining  piceous  with  an  oliva- 
ceous  reflection;  wings  smoky  hyalin;  abdomen  beneath 
with  a  central  and  two  lateral  series  of  black  spots. 

Pronotum  very  faintly  and  finely  punctate  and  obscurely 
pilose,  its  lateral  margins  reflexed,  and  with  a  central 
carinate  line  extending  for  about  half  its  length  from  apex, 
and  with  two  prominent  foveate  impressions  on  its  anterior 
area;  face  compressed  and  transversely  striate;  posterior 
tibiae  with  a  long  and  prominent  spine  about  onethird 
from  apex. 

Long.  excl.   tegm.   16  millim.  .  Exp.   tegm.  42  millim. 
Habitat.  Malay  Peninsula,  Perak  (Doherty  —  Coli.  Dist.). 
Allied  to  C.  funerahs,  Butl." 
Diese  Art  liegt  mir  nicht  vor. 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


289 
3-    Simeliria  cambodjana  n.  sp. 

Ocellen  von  den  Augen  soweit  entfernt  wie  voneinander. 
Pronotum  sechseckig  mit  abgerundeten  Schulterecken, 
hinten  stumpf  abgerundet;  die  seithchen  Vorderränder 
sind  nach  außen  gebogen,  die  seithchen  Hinterränder  kaum 
merkhch  einwärts;  die  Fläche  ist  glatt,  fein  punktiert  und 
der  Mittelkiel  nur  in  der  Mitte  vorhanden,  vorn  und  hinten 
vollständig  verschwunden.  Die  Hinterränder  der  Mittel- 
brust vor  den  ]Mittelhüftcn  sind  hoch  aufgerichtet  und 
blattartig,  die  zapfenähnlichen  Höcker  der  Mittelbrust 
sind  leicht  nach  vorn  geneigt  und  überragen  die  Hinter- 
ränder ein  wenig.  Apicalspitze  der  Deckflügel  stumpfer 
abgerundet  als  bei  der  vorherbeschriebenen  Art,  etwa  wie 
bei  der  nachfolgenden  gebildet. 

Kopf,  Pronotum,  Schildchen  und  Brust  rötlich  dunkel- 
braun. Ocellen  ockergelb.  Augen  braun.  Deckflügel  dunkel- 
braun, an  der  Basis  heller,  im  Apicalteile  dunkler.  Flügel 
dunkel    rauchbraun   getrübt,    mit    schwarzbraunen    Nerven. 

Hinterleib  oben  und  unten  dunkel  blutrot,  die  Unter- 
seite hat,  wie  S.  aoicsccns,  4  Reihen  glänzend  schwarzer 
Flecke.  Beine  dunkel  blutrot,  die  Schenkel  auf  der  Ober- 
seite und  die  Tarsen  angebräunt.  Gonapophysen  dunkel- 
braun   mit    dunkel    blutroten    Spitzen. 

Länge   19^^   mm,    Länge   des   Körpers    14  mm. 

Cambodja    H.    (Coli.    Camilie    van    Voxem    Nro.    5354). 

Type  im  Königlichen  Museum  zu  Brüssel. 

4.    Sinieliria  juno  Distant. 

Ent.  M.  M.  XIX,  p.  160  (1882). 

Distant : 

,,  Black,  shining;  abdomen  above,  rostrum,  legs.  a 
few  scattered  spots  on  abdomen  beneath,  and  anal  appen- 
dage,    red;    apex   of  rostrum   and   femora,    excepting   bases 

Stett.  cntoniol.  Zeit.   1909.  19 


290 

and  apices,  piceous;  ocelli  large  and  briglit  shining  yellow; 
eyes  dull  ochraceous;  retuculations  on  apical  third  of  teg- 
mina  distinctly  pale  and  shining  brownish.  Wings  smoky- 
hyaline.  Pronotum  thickly  and  finely  punctatc,  the  lateral 
angles  broadly  and  sub-acutely  ampliated,  the  lateral 
margin  broadly  ampliated  and  reflexed,  the  posterior  margin 
truncated  at  base  of  scutellnm.  Tegmina  very  finely  and 
thickly  pvmctate.  the  costal  margin  at  base,  snddenly  and 
broadly  dilated,  rounded,  and  sub-erect,  the  apical  reti- 
culations  strongly  defined.  Legs  setose;  posterior  tibiae 
with   a   strong  sub-apical  spine   on   onter  margins. 

Length,  17  mm.  Exp.,  50  mm.  Exp.  of  angles  of 
pronotum,   10  mm. 

Hab.:    Sumatra  (Forbes). 

This  species  is  allied  to  C.  viridans,  Guer.,  from  which 
it  differs  by  the  more  strongly  dilated  pronotum,  the  teg- 
mina with  the  costal  margin  suddenly  ampliated,  arched 
and  sub-erect  a  base,  the  reticulations  of  the  tegmina  not 
concolorous,  the  different  colour  of  the  abdomen,  &  c. 
The  tegmina,  though  shining,  are  less  brilliantly  so  than. 
in  Guerin's  species." 

Diese  Species  ist  mir  nicht  bekannt. 

5.    Simeliria  apicalis  n.  sp. 

I  c^.  5  9?. 

Der  Abstand  der  Ocellen  von  den  Augen  ist  so  groß 
wie  die  Entfernung  der  Ocellen  voneinander.  Die  Form 
und  Strucktur  des  Pronotum  und  des  Schildchens  sind 
wie  bei  Canibodjana.  Der  Costalrand  der  Deckflügel  ist 
an  der  Basis  stark  vorgewölbt,  ähnlich  wie  bei  5.  viridans 
Guer.;  das  Geäder  ist  typisch.  Die  Hinterränder  der  Mittel- 
brust vor  den  Mittelhüften  sind  blattartig  und  aufgerichtet 
und  etwas  niedriger  als  die  mehr  konischen  Mittelbrust- 
zapfen.     Gonapophysen   des    ^^   hinten   abgerundet,    in   der 

Stett.  entomol.  Zeit.   190!». 


291 

Mitte  des  Hinterrandes  ist  eine  abgestumpfte  Ecke  deutlich 
wahrzunehmen.  Kopf  und  Pronotum  glänzend  schwarz, 
die  Pronotumränder  etwas  heller.  Deckflügel  schwarz- 
braun, stark  glänzend,  das  Apicaldrittel  ist  bräunlich  ocker- 
gelb gefärbt  und  durchscheinend;  eine  glänzend  goldgelbe 
Behaarung  ist  über  den  ganzen  Deckflügel  verteilt,  weniger 
dicht  auf  dem  Basaldrittel.  Schildchen  glänzend  schwarz, 
x\picalspitze  heller.  Flügel  hyalin,  rauchbraun  getrübt 
mit  pechbraunen  Nerven.  Mittelbrust  glänzend  schwarz- 
braun. Hinterleib  oben  und  unten  indigoblau  und  glänzend, 
die  Seitenränder,  die  beiden  letzten  Rücken-  und  Bauch- 
segmente, ein  Fleck  in  der  Mitte  des  drittletzten  Bauch- 
segmentes und  der  Geschlechtsapparat  sind  ockergelb  ge- 
färbt. Beine  ockerfarben,  Schenkel  mit  braunem  Ring 
vor  der  Spitze;  die  Spitzen  der  Dornen  der  Hinterschienen 
schwarz. 

Länge    des    Körpers    i6 — 18    nmi. 

T}' pen : 

Im    Stettiner   ^luseum. 

I    c?,    4   ??• 
Nias,    Goenveng  Sitoli. 
Im   Brüsseler   Museum. 

I   0.      Nias. 

6.    Simeliria  coemlans  Jacobi. 
Mitt.   aus   dem   Zoolog.    Museum,    Berlin    III.    I,    S.    i6 

(1905)- 

Jacobi: 

,, Nigra;  pedibus,  limbo  apiceque  abdominis  ventreque 
cchraceis,  hoc  seriatim  nigro  maculato;  tegminibus  nitide 
coeruleo-aeneis;    alis    infuscatis,    subopacis. 

Long,   cum  tegm.   22,   Exp.   tegm.   42   mm. 

Kopf,  Pronotum  und  Brust  glänzend  schwarz  bis 
schwarzbraun;     Schnabel    und    Beine    rc)tlich    ockerfarben 

Ste.tt.  entoinol.  Zeit.   1909.  19  ■■ 


292^ 

(ob  aus  Rot  verblichen  ?) ;  Hinterleib  oben  glänzend  schwarz, 
die  zwei  letzten  Ringe  nebst  dem  Genitalsegmente  und 
die  Ventralseite  ockergelb.  Diese  mit  zwei  Reihen  schwarzer 
Flecke  auf  den  Sterniten  und  je  einer  auf  den  Paratergiten. 
Deckflügel  metallisch  stahlblau  mit  purpurner  Beimischung 
im  Corium  und  Clavus  und  grüner  im  Maschenteile.  Flügel 
graubraun,  fast  undurchsichtig. 

Der  ganze  Körper  mit  feiner  gelbgrauer  Behaarung, 
auch  auf  den  Deckflügeln,  die  infolgedessen  in  nicht  ab- 
geriebenem Zustande  mehr  grünlich  schimmern.  Stirn 
im  Profil  etwas  winklig.  Ocellen  sehr  groß,  viel  näher  bei- 
eiiiander  als  bei  den  Netzaugen.  Pronotum  sechsseitig, 
mit  abgerundeten  Ecken;  vordere  Seitenränder  auswärts, 
hintere  einwärts  gekrümmt,  Hinterrand  gestutzt,  gelegent- 
lich abgerundet.  Scheibe  sehr  fein  und  zerstreut  punktiert, 
glatt;  Mittelkiel  undeutlich.  Schildchen  länger  als  breit, 
über  die  ganze  Fläche  gerunzelt,  Scheibe  in  der  Mitte  mäßig 
tief  eingedrückt.  Mittelbrusthöcker  in  Form  niedriger, 
stumpfer  und  senkrechter  Kegel,  dahinter  der  Rand  der 
Mittelbrust  zu  einem  niedrigen  Höcker  aufgebogen.  Schnabel 
mit  dem  Hinterrande  der  Mittelhüften  abschneidend.  Deck- 
flügel gestreckt.  Anßenrand  von  der  Basis  an  mäßig  ge- 
bogen. 

(^.  Seiten  des  Genitalsegments  unten  mit  sehr  kräftigem, 
etwas  abwärts  gekrümmtem  Zahn. 

Hab.  ■ —  Sumatra:  Kaba  (Mus.  Dresd.  Nr.  953: 
Dr.   Hagen   coli.).      T3'pen :    Mus.   Dresd.,    Slg.    Jacobi. 

C.  cocrulans  verleugnet  die  nahe  Verwandtschaft  mit 
C.  viridans  (Guer.)  nicht,  ist  aber  erheblich  kleiner  und 
schmäler.  Auffallende  Unterschiede  bietet  die  Größe  und 
genährte  Stellung  der  Ocellen,  das  schmale,  stumpfge- 
winkelte Pronotum,  die  nicht  wie  bei  jener  Species  nach 
vorn  geneigten  Höcker  der  Mittelbrust,  namentlich  aber 
die  Form  und  die   eigentümliche   Färbung  der  Deckflügel. 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


293 

Letzteres  dürfte  sie  auch  genügend  von  C.  hutteri  Dist.  1900 
unterscheiden,  über  deren  plastische  Merkmale  die  Diagnose 
zu   wenig   ausführliche    Mitteilungen   gibt." 

7.  Simeliria  aenescens  n.  sp. 

I  ?. 

Steht  der  5.  coerulans  Jacohi  sehr  nahe. 

Ocellen  sehr  groß,  stark  genähert;  die  Entfernung 
der  Ocellen  voneinander  so  groß  wie  die  Hälfte  des  Durch- 
messers der  einzelnen  Ocelle.  Pronotuni  sechseckig,  mit 
abgerundeten  Ecken,  hinten  gestutzt  abgerundet;  die  seit- 
lichen Vorderränder  auswärts  gekrümmt,  die  seithchen 
Hinterränder  kaum  merklich  einwärts;  der  Mittelkiel  ist 
vorne  undeutlich,  m  der  Mitte  deuthch  und  vor  dem  Hinter- 
rande vollständig  verschwunden;  die  Fläche  ist  glatt  und 
ganz  fein  punktiert.  Die  Hinterränder  der  Mittelbrust  vor 
den  Mittelhüften  sind  hoch  aufgerichtet  und  überragen 
die  Zapfen  der  Mittelbrust  ein  wenig;  die  Mittelbrustzapfen 
sind  leicht  nach  vorn  geneigt.  Deckflügel  länglich,  der 
Apicalteil  spitzer  abgerundet  als  dies  bei  den  beiden  vor- 
hergehenden Arten  der  Fall  ist. 

Kopf  und  Pronotum  glänzend  schwarzbraun,  letzteres 
mit  schmalem,  braunen  Vorderrandsaum.  Augen  braun, 
Ocellen  ockergelb.  Die  Rückensegmente  in  der  Mitte  und 
die  Brust  sind  braun  gefärbt  und  glänzend;  die  Rücken- 
segmente zu  den  Seiten  und  die  letzten  Ringe,  die  Bauch- 
segmente, das  Rostrum  und  die  Beine  sind  bräunlich  ocker- 
gelb; zwei  Reihen  großer  Flecke  auf  den  Bauchsegmenten 
und  die  Fleckenreihe  auf  der  Unterseite  jedes  Conexivum 
sind  glänzend  schwarz.  Deckflügel  schwarzbraun,  metalhsch 
grün  mit  grünlichem  Glänze  im  Corium  \md  Clavus  und 
stahlblauer  Beimischung  im  Apicalteile;  der  Übergang  vom 
Corium  zum  Apicalteil  glänzt  matt  purpurn.    Flügel  dunkel 

Stott.  cntomol.  Zeit.   1909. 


294 

rauchbraiin   getrübt,   mit   schwarzbraunen   Nerven.      Länge 
des  Körpers  14  mm,   Spannweite  39  mm. 

Dieses  Exemplar  trägt  kein  Fundortetikett. 

Type  im  Königlichen  Museum  zu  Brüssel. 

Genus  Ectemnonotum  n.  gen. 

Geäder  der  Deckflügel  und  der  Flügel  wie  bei  der 
Gattung  Gynopygoplax  (Stett.  Ent.  Zeit.  LXX.  I,  S.  148, 
Fig.  I,  1909).  Das  Pronotum  ist  gleichfalls  ähnlich  gebildet, 
aber  stärker  gewölbt;  der  Hinterrand  ist  aufgewölbt  und 
mehr  oder  weniger  tief  ausgebuchtet,  zuweilen  fast  gerade. 
Schildchen  dreieckig,  stark  quergerieft,  mit  größerer, 
flachen  Grube  auf  der  Scheibe,  kleiner  als  bei  der  erwähnten 
Gattung.  Die  Kopfform  und  die  Bildung  der  Mittelbrust 
mit  dem  Brustzapfen  und  den  Hinterrandhöckern  vor  den 
Mittelcoxen  sind  wie  bei  der  Gattung  Suracarta  (Stett. 
Ent.  Zeit.  LXX.  I,  S.  167,  Fig.  3,  1909).  Der  Brustzapfen 
der  Mittelbrust  ist  verschieden  entwickelt;  der  Hinterrand 
der  Mittelbrust  trägt  stets  zwei  Höcker,  welche  bei  den 
verschiedenen  Arten  mehr  oder  weniger  entwickelt  und 
anders  geformt  sind. 

Typus:   Ectemnonotum  hivittatuui  L.    &  S. 

Die   Arten   dieser    Gattung  zerfallen   in   vier    Gruppen. 

Gruppe  I. 

Das  Bauchsegment  vor  der  Subgenitalplatte  des  $ 
bildet  in  der  Mitte  eine  Ecke;  Subgenitalplatte  hinten 
breit  abgerundet.     (^  unbekannt. 

Gruppe  II. 

Das  Bauchsegment  vor  der  Subgenitalplatte  der  $$ 
bildet  zwei  Ecken;  Subgenitalplatte  dreieckig,  hinten 
stumpfer  oder  spitzer  abgerundet.  Gynapophosen  der  ^^ 
nach  hinten  stark  verbreitert  und  am  Ende  abgestutzt, 
die  Außenecken  vorgezogen  und  spitzer  oder  stumpfer. 

stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


295 

Gruppe  III. 

Das  Bauchsegment  vor  der  Siibgenitalplatte  der  $$ 
bildet  zwei  Ecken;  Snbgenitalplatte  kurz  und  breit  ab- 
gerundet.    Gonapophysen  der  ^^(^  liinten  breit  abgerundet. 

Gruppe  IV. 

Das  Bauclisegment  vor  der  Snbgenitalplatte  der  $$ 
bildet  zwei  Ecken;  Snbgenitalplatte  lang  und  schmal. 
Gonapophysen  der  (^,^  hinten  bedornt. 

Tabelle  zur  Bestimmung  der  Arten. 

1.  Das  Bauchsegment  vor  der  Snbgenitalplatte  des  $ 
in  der  Mitte  eine  Ecke  bildend,  Snbgenitalplatte 
weit  hervorragend  und  hinten  breit  abgerundet. 
Deckflügel  braun,  auf  dem  Basaldrittel  befinden 
sich  fünf  dunkelbraun  umsäumte,  elfenbcin farbige 
Flecke.  Kopf  und  Pronotum  ockergelb  gefärbt. 
Länge    mit    den    Deckflügeln    25    mm,    Kcirperlänge 

20  mm.     ,^  unbekannt.     Borneo 

I.  E.  tricoloriforme  n.  sp. 

—  Das  Bauchsegment  vor  der  Subgenitalplatte  bei 
den  $$  zwei  Ecken  bildend,  Subgenitalplatte  drei- 
eckig, hervorragend  oder  ziemlich  verdeckt  und 
parallelseitig  spateiförmig.  Deckflügel  mit  Binden 
oder  einfarbig 2. 

2.  Subgenitalplatte  der  $9  dreieckig.  Gonapophysen 
der  ^(^  nach  hinten  verbreitert,  ohne  dornartigen 
Fortsatz.     Deckflügel  selten  ohne   Querbinden  .  .  3. 

—  Subgenitalplatte  der  $$  parallelseitig  spateiförmig, 
in  einem  Falle  fast  (piadratisch.  Gonapophysen  der 
(^(^  hinten  mit  dornartigen  Anhängen,  in  einem 
Falle  eine  spitze  Ecke  bildend.  Deckflügel  ohne 
Ouerbinden 10. 

3.  Subgenitalplatte  der  $$  wenig  hervortretend.    Gona- 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


296 


pophysen  der  (^q  nach  hinten  verbreitert,  am  Ende 
breit  abgerundet,  ohne  vorgezogene  Aiißenecken.  .  .  g. 

—  Subgenitalplatten  bei  den  $$  weit  hervorragend. 
Gonapophysen  der  (^(^  nach  hinten  stark  verbreitert, 
am  Ende  gestutzt,  mit  stark  vorgezogenen  Außen- 
ecken  4. 

4.  Deckflügel  mit  weißen,  ockerfarbigen  oder  blut- 
roten Binden.  Kopf  und  Pronotum  braun,  schwarz 
oder  blau  gefärbt.     Größere  Arten 5. 

—  Deckflügel  ohne  Binde,  braun,  basal  Zweifünftel 
heller,  braungelb.  Kopf  und  Pronotum  braungelb. 
Kleinere  Art.  Länge  mit  den  Deckflügeln  17  mm, 
Körperlänge  12  mm.  $  unbekannt.  Sumatra. 
7.  E.  falsariuin  n.  sp. 

5.  Pronotum  sehr  fein  punktiert,  glatt  und  stark 
glänzend 6. 

—  Pronotum  gröber  punktiert,  daher  rauher,  von 
matterem  Glänze 7. 

6.  Kopf  und  Pronotum  schwarzbraun.  Deckflügel- 
binden elfenbeinfarbig,  zuweilen  mit  gelblichem  Tone, 
Basalbinde  etwas  breiter  als  die  zweite.  Gonapophysen 
der  (^(^  hinten  gerade  gestutzt,  am  Hinterrande 
vor  den  spitz  vorgezogenen  Außenecken  leicht  ge- 
buchtet, die  Innenecken  scharf  rechtwinklig.  Sub- 
genitalplatte  der  $$  in  der  Basalhälfte  deutlich 
quergerieft,  sonst  glatt,  die  Seitenränder  gerade, 
die  Spitze  abgerundet.  Länge  mit  den  Deckflügeln 
19 — 21  mm,  Körperlänge  13 — 1614  mm.  Java, 
Sumatra 2.  E.  bivittatum  A.    &  S. 

—  Kopf  und  Pronotum  blau.  Deckflügelbinden  gelb, 
Basalbinde  zum  Costalrande  verschmälert  und  ver- 
kürzt, den  Costalrand  nicht  erreichend,  die  zweite 
Binde  sehr  schmal  und  gleichfalls  verkürzt.  Gona- 
pophysen des  J*  hinten  geschweift,  die  Außenecken 

statt,  entomol.  Zeit.  1909. 


297 

weniger  spitz,  die  Innenecken  abgerundet.  Länge 
mit  Flügeldecken  ig  mm,  Körperlänge  14  mm. 
?  unbekannt.  Tonking  ....  6.  E.  Fruhstorferi  Jac. 
7.  Basalbinde  der  Deckflügel  breit,  breiter  als  die 
Binde  vor  dem  netzmaschigen  Apicalteil;  die  erste 
Binde  beginnt  am  Ende  des  Basalviertel  der  Deck- 
flügel.   Subgenitalplatte  der  9$  weiter  hervorragend. 

^ 8. 

—  Basalbinde  der  Deckflügel  schmal,  wenig  breiter 
als  die  zweite,  sie  beginnt  am  Ende  des  Basal- 
drittels  und  erweitert  sich  zweimal  im  Corium  nach 
hinten  (in  der  Discoidalzelle  und  auf  dem  Radius).  Kopf. 
Pronotum,  Schildchen,  Brust,  Rostrum  und  Beine 
braun.  Subgenitalplatte  weniger  vorragend,  hinten 
breit  abgerundet.  Länge  mit  Flügeldecken  22  mm, 
Körperlänge  16  mm.     S  unbekannt.     Nord-Borneo. 

4.  E.  ferale  Butl. 

8.  Die  erste  Deckflügelbinde  ist  genau  da,  wo  die  Media 
sich  von  dem  Radius  trennt,  spitzwinkehg  einge- 
schnitten. Subgenitalplatte  des  ?  weit  vorragend, 
an  der  Basis  grob  quergerieft,  hinten  weniger  breit 
abgerundet.  Kopf,  Pronotum  und  Schildchen  schwarz. 
Länge  des  Körpers  16  mm,  Spannweite  41  mm. 
^  unbekannt.    Sumatra 5-  E.  Distanti  Butl. 

—  Die  Querbinden  der  Deckflügel  blutrot.  Sumatra. 
var.  rubrovittatum  n.  var. 

—  Die  erste  Binde  der  Deckflügel  nicht  spitzwinklig 
eingeschnitten.  Subgenitalplatten  bei  den  ??  hinten 
breiter  abgerundet  und  im  Basalteile  deutlich  quer- 
gerieft.  Bei  den  (^(^  ist  der  Hinterrand  der  Gona- 
pophysen  vor  der  Außenecke  kaum  merklich  ein- 
gedrückt, die  Außen-  wie  Innenecken  sind  abge- 
stumpft. Kopf,  Pronotum  und  Schildchen  braun 
und  dunkelbraun.     Die  Binden  der  Deckflügel  sind 

Stett.  entoiuol.  Zeit.   1909. 


298 


ockergelb.     Länge  mit  den  Deckflügeln  20 — 22  mm, 

Körperlänge  15 — 17  mm.     Sumatra 

3.  E.  Dohrni  n.  sp. 

—  Im  Basaldrittel  der  Deckflügel  eine  breite  ocker- 
gelbe Binde,  die  Apicalbinde  ist  nicht  vorhanden, 
in  der  Nähe  des  Costalrandes  ein  kleiner  ocker- 
gelber Fleck.     Sumatra..  .  .var.  unitaeniatum  n.  var. 

—  Die  Basalbinde  selir  sclnnal  und  nur  im  Corium 
vorhanden,  die  Apicalbinde  am  Costalrande  als 
länglicher,  viereckiger  Fleck  angedeutet.  Sumatra. 
var.  evanidum  n.  \'ar. 

9.  Deckflügel  mit  zwei  ockergelben  Ouerbinden,  Pro- 
notum  schwarz  und  punktiert.  Subgenitalplatte 
bis  auf  das  abgerundete  Ende  vom  vorhergehenden 
Segment  verdeckt.  Länge  mit  den  Deckflügeln 
19  mm,  Körperlänge  14  mm.  J  unbekannt.  Nord- 
Borneo 8.  E.  Waterstradti  n.  sp. 

—  Deckflügel  mit  einer  ockergelben  nach  der  Deck- 
flügelwurzel halbkreisförmig  gerundeten  Basalbinde; 
am  Costalrande  und  an  der  Clavusspitze,  vor  dem 
netzmaschigen  Apicalteil,  im  Corium  je  ein  vier- 
eckiger, blutroter  Fleck.  Pronotum  dunkel  oliven- 
grün. Gonapophysen  der  (^(^  nach  hinten  erweitert 
und  gleichmäßig  abgerundet.  Subgenitalplatten  bei 
den  $$  hinten  breit  abgerundet.  Länge  mit  den 
Deckflügeln  17I/2 — 18  mm,  Körperlänge  12Y2  ^^^ 
131/2  nim.     Sumatra 9.  E.  Buxtoni  Butl. 

10.  Subgenitalplatte  bei  den  $$  convex.  Gonapophysen 
der  3^^  nach  dem  Ende  zu  verschmälert  und  in 
einen  spitzen  Dorn  endend 11. 

—  Subgenitalplatte  bei  den  $$  concav  oder  quadratisch. 
Gonapophysen  der  (^(^  am  Ende  gestutzt,  einen 
Dorn  tragend  oder  eine  abgestumpfte  Ecke  bildend. 
13- 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


299 


II.   Kopf.  Pronotiim  und  Schildchen  schwarzbraun  oder 
röthch  braun,  so  dunkel  oder  dunkler  als  die  Deck- 

12. 

flügel 

-  Kopf.  Pronotum  und  Scluldchen  ockerfarben,  heller 
als  die  Deckflügel.  Brust  und  Beine  rötlich  braun. 
Rostrum  bis  zu  den  Mittelcoxen  reichend,  die  Gheder 
sind  gleichlang.  Gonapophysen  der  ö^i'  ^^^^^g-  ^^^ 
Innenränder  treten  hniten  auseinander  und  sind 
•  seitlich  eingedrückt,"  der  Dorn  ist  abgesetzt  und 
aufgerichtet.  Subgenitalplatten  der  ??  hinten  ab- 
gerundet und  fem  quergerunzelt.  Länge  mit  den 
Deckflügeln  16—17  mm,  Körperlänge  111/2—14  mm. 

Sumatra 10.  E.  mgosum  n.  sp. 

12.  Pronotum  schwarzbraun,  sehr  fem  punktiert,  fast 
glatt,  mit  sehr  zarter  Mittellinie  und  von  starkem 
Glänze.  Rostrum  bis  zur  Mitte  der  Mittelcoxen 
reichend,  die  Glieder  gleichlang.  Gonapophysen 
des  S  l^^"g'  l^"^ten  auseinandertretend,  zur  Spitze 
hm  allmählich  verschmälert  und  m  einen  Dorn 
endend.  Länge  mit  den  Deckflügeln  171/2  mm, 
Körperlänge  13  mm.     ?  unbekannt.     Nord-Borneo. 

II.  E.  acuminatum  n.  sp. 
—  Rostrum  die  Mittelhüften  nicht  erreichend;  zweites 
GHed  kurz,  1/2  mal  so  lang  wie  das  Basalglied.  Sub- 
genitalplatte  des  $  quergerieft,  am  Ende  eine  kurze, 
deutliche  Längsfurche.  Kopf  und  Pronotum  schwarz- 
braun, Körper  und  Beine  braunrot.  Das  Geäder 
im  Apicalteile  der  Deckflügel  rot.  Länge  mit  den 
Deckflügeln  16  mm.  Körperlänge  12  mm.  o^  unbe- 
kannt.    Borneo 12.  E.  brevirostmm  n.  sp. 

—  Pronotum  rotbraun,  deutlich  punktiert-quergerunzelt, 
weniger  glatt,  mit  deutlichem  Mittelkiel  und  von 
schwächerem  Glänze.  Die  Rostrumgheder  sind 
gleichlang.      Subgenitalplatte   des   ?   deutlich   quer- 

Stett.  entoiDol.  Zeit.  1909. 


300 


gerieft.  Gonapophysen  des  3*  hinten  gestützt,  die 
Dorne  stehen  an  den  Innenecken  einander  zugekehrt, 
das  Bauchsegment  vor  den  Gonapophysen  ist  hinten 
tief  eingeschnitten  und  bildet  zwei  abgerundete, 
weit  vorgezogene  Lappen.  Länge  mit  den  Deck- 
flügeln (^  15  mm,  9  16 1/^  mm,  Körperlänge  ö^  9l^  mm, 
$  12  mm.     Sumatra 13 •  E.  bilobatum  n.  sp. 

13.  Subgenitalplatte  bei  den  $$  spateiförmig 14. 

—  Subgenitalplatte  des  $  weit  vorragend,  hinten  ge- 
stutzt und  leicht  gebuchtet,  am  Ende  kaum  merk- 
hch  schmaler  als  an  der  Basis,  quadratisch,  glatt 
und  glänzend.  Rostrumgheder  gleichlang.  Kopf, 
Pronotum  und  Schildchen  braunrot;  Pronotum 
punktiert  und  gerunzelt,  mit  matt  violettem  Glänze. 
Deckflügelgeäder  rot,  Grundfarbe  braunrot,  Clavus 
bräunlich  ockergelb.  Rückensegmente  indigoblau. 
Länge  mit  den  Deckflügeln  13I/4  mm,     Körperlänge 

10  mm.     r^  unbekannt.     Sumatra 

19.   E.    truncatum   n.    sp. 

14.  Subgenitalplatten  der  $$  lang  und  schmal,  stets 
hervorragend.  Gonapophysen  der  ^(^  am  Ende 
einen  Dorn  tragend 15. 

—  Subgenitalplatte  beim  $  fast  verschwunden.  Rostrum 
bis  zur  Mitte  der  Mittelcoxen  reichend,  beide  Glieder 
gleichlang.  Pronotum  punktiert-quergerieft,  mit 
einigen  gröberen  Runzeln  und  feiner  Mittelleiste. 
Kopf,  Pronotum  und  Schildchen  braunrot  mit  matt 
violettem  Glänze.  Deckflügel  bräunlich  ockergelb, 
die  Aderung  mehr  gelblich.  Länge  mit  den  Deck- 
flügeln 14  mm,  Körperlänge  11^  mm.  (^  unbe- 
kannt.    Java 17.  E.  simile  n.  sp. 

—  Gonapophysen  des  (^  hinten  stark  auseinander- 
tretend, die  Abrundungen  stumpfeckig  und  nach 
außen  gerichtet,   keinen   Dorn  tragend,   die  inneren 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


301 

Seitenränder  sind  hinten  aufgebogen.  Rostrum 
bis  zum  Hinterrande  der  Mittelbrust  vor  den  Mittel- 
coxen  reichend,  Basalghed  Y2  ^'^^^  so  lang  wie  das 
zweite.       Länge     mit    den    Deckflügeln    13 14    mm, 

Körperlänge  10  mm.     $  unbekannt.     Java 

18.  E.  basibreviatum  n.  sp. 

15.  Subgenitalplatten  der  $$  hinten  gerundet 16. 

—  Subgenitalplatte  des  $  hinten  eingekerbt  und  glatt. 
Pronotum  mit  Mittelkiel  und  punktiert-quergerunzelt, 
schwach  rötlich  braun.  Deckflügel  bräunlich  ocker- 
gelb; Apicalteil  dunkelbraun,  das  netzmaschige  Ge- 
äder  rötlich.  Länge  mit  den  Deckflügeln  15  mm, 
Körperlänge  12  mm.  5*  unbekannt.  Sumatra.  .  .  . 
16.  E.  incisum  n.  sp. 

16.  Subgenitalplatte  des  $  kürzer  und  flacher.  Pro- 
notum punktiert-quergerieft,  mit  Mittelkiel,  dunkel 
ohvengrün.  Deckflügel  im  Basalteile  schwarzbraun, 
im    Apicalteile    heller,     Apicaldrittel    mit    rötlichen 

Nerven  auf  dunkelbraunem  Grunde.     Länge  mit  den 

Deckflügeln  11  mm.     ,^  unbekannt.      Java   

14-   E.   cyaneiventris  Walk. 

—  Subgenitalplatten  der  $$  länger  und  gewölbter. 
Gonapophysen  der  ^J^  hinten  an  den  inneren  Seiten- 
rändern stark  eingedrückt,  mit  einem  kurzen  Dorn 
am  Hinterrande  vor  den  Außenecken.  Pronotum 
braun.  Deckflügel  braun,  im  Basalteile  heller,  im 
Apicalteile  dunkler,  und  mit  rötlichen  Nerven. 
Länge  mit  den  Deckflügen  13 — 14 14  nim,  Körperlänge 
IG — II 1/2  mm.  Sumatra  ...  15.  E.  cochleatum  n.  sp. 

Gruppe  I. 

r.   Ectemnonotum  tricoloriforme  n.  sp. 

Kopfform   wie   bei   Bivittatum.      Pronotum   fein   pimk- 

Stett.  entomol.   Zeit.   1909. 


302 

tiert  quergerunzelt,  hinten  stumpf  ausgeschnitten  und 
aufgerandet ;  die  seithchen  Hinterränder  sind  leicht  ein- 
wärts gebogen,  die  seithclien  Vorderränder  leicht  vor- 
gerundet; der  Mittelkiel  ist  in  der  Vorderhälfte  scharf  und 
erlischt  hinter  der  Mitte.  Schildchen  grob  quergerieft. 
Zweites  Rostrumglied  etwas  länger  als  das  Basalglied. 
Subgenitalplatte  hervorragend,  hinten  breit  abgerundet 
und  am  Ende  etwas  nach  unten  abgehoben;  die  Fläche 
ist  deutlich  quer  gerieft.  Das  Segment  vor  der  Subgenital- 
platte ist  in  der  Medianlinie  hinten  nach  unten  vorgezogen, 
eine  Ecke  bildend,  von  hinten  betrachtet  seitlich  dachig 
abgeflacht.  Ockergelb  gefärbt  sind:  der  Kopf,  das  Pro- 
notum,  die  Schildchenspitze,  das  Rostrum,  die  Schienen, 
die  Tarsen,  die  Vorderschenkel  und  die  Vordercoxen;  zweites 
Rostrumglied,  die  Vorderschenkel,  die  Vordercoxen  und 
die  Seiten  des  Clipeus  sind  stellenweise  braun  getönt. 
Mittel-  und  Hintcrschenkel,  Schildchenbasis,  Spitzen  der 
Krallen  und  Flügeldecken  braun.  Hinterleib  oben  und 
unten  pechbraun,  metallisch  glänzend;  Rückensegmente 
mit  ockergelbem  Mittelstreif  und  dreieckigen  Flecken  zu 
den  Seiten;  Bauchsegmente  zu  den  Seiten  ockergelb  mit 
pechbraunen  \'orderrändern :  die  letzten  Rückensegmente, 
die  Afterröhre  und  die  Scheidenpolster  sind  ockergelb 
gefärbt.  Legescheide  braun.  Ocellen  glashell,  gelblich. 
Augen  grau.  Auf  dem  Basalteile  der  Deckflügel  liegen 
5  elfenbeinfarbige,  dunkelbraun  umsäumte  Flecke;  den 
Apicalteil  trennt  vom  Corium  eine  dunkelbraune  Ouer- 
binde.  Flügel  ziemlich  dunkelbraun  getrübt,  die  Nerven 
sind   pectibraun,    Flügelwurzel   ockergelb. 

J  unbekannt. 

Länge    mit    den    Flügeldecken    25    mm,     Körperlänge 
20  mm. 

Nord-Borneo  (Waterstradt). 

Type  im  Stettiner  Museum. 

Stett.  entomol.    Zt-it.    1909. 


303 

Gmppe  II. 
2.    Ectemnonotum  bivittatum.    A.  n.  S. 

Cercopis    bivittata    Lep.  et   Serv.,   Enc.    Meth.    X,    p.    605 

(1827). 
,,  ,,  ,,  ,,       Walk.,  List  of  Hom.  Ins. 

III,  p.  653  (1851). 
Cosmoscarta     ,,  ,,  ,,       Butl.,  Cist.  Ent.  I,  p.  256 

(1874)-. 

5  (^o^  9  ??• 

Der    Abstand    der    Ocellen    voneinander    etwas    größer 

als  die  Entfernung  der  Ocellen  von  den  Augen.  Scheitel 
gewölbt,  glatt  nnd  ohne  Kiel.  Pronotiim  sechseckig,  sehr 
fein  punktiert  u.nd  gerunzelt,  daher  glatt  und  von  starkem 
Glänze,  mit  einer  Mittellinie,  welche  in  der  Vorderhälfte 
kielartig  hervortritt;  die  hinteren  Seitenränder  und  der 
Hinterrand  eingedrückt,  die  seitlichen  Vorderränder  schwach 
vorgerundet ;  hinter  den  Augen  liegen  auf  der  Scheibe  zwei 
größere  Eindrücke.  Schildchen  dreieckig,  grob  quergerieft, 
mit  einer  flachen  Grube  auf  der  Scheibe.  Rostrum  bis 
zu  den  Mittelcoxen  reichend,  die  Glieder  gleich  lang.  Dorn 
der  Mittelbrust  kaum  merkhch  nach  vorn  geneigt,  vorn 
flachgedrückt,  oben  stumpf  abgerundet  und  niedriger  als 
die  Höcker  des  Hinterrandes  vor  den  Mittelcoxen.  Die 
äußeren  Höcker  auf  dem  Hinterrande  der  Mittelbrust  sind 
niedriger  und  breiter,  auch  breiter  abgerundet  als  die 
inneren.  Gonapophysen  der  (^q  hinten  gerade  gestutzt, 
am  Hinterrande  vor  den  spitz  vorgezogenen  Außenecken 
leicht  gebuchtet,  die  Innenecken  scharf  rechtwinkelig. 
Subgenitalplatte  der  $9  i^"^  der  Basalhälfte  deutlich  quer- 
gerieft, sonst  glatt,  die  Seitenränder  gerade,  die  Spitze 
abgerundet.  Kopf  und  Pronotum  schwarzbraun  bis  schwarz 
und  glänzend;  die  Pronotumränder  mit  Ausschluß  des 
Vorderrandes  braunrot.  Schildchen  schwarz  mit  grün- 
lichem  Schiller.     Deckflügel  dunkelbraun  bis  schwarz,  mit 

Stctt.  ontomol.  Zeit.   1909. 


304 

grünem  bis  olivengrünem  Schiller  und  zwei  weißen  (elfen- 
beinfarbigen) Binden,  welche  zuweilen  matt  ockergelb 
gefärbt  sind;  die  Basalbinde  ist  für  gewöhnlich  breiter 
als  die  Apicalbinde,  erstere  liegt  im  Basaldrittel  der  Deck- 
flügel, letztere  vor  dem  netzmaschigen  Apicalteil  und  ist 
zur  Clavusspitze  hin  verschmälert.  Rostrum,  Brust  und 
Beine  braun  bis  schwarz  und  stark  glänzend.  Hinterleib 
indigoblau,  zuweilen  mit' rötlich  violettem  Scliiller.  Sub- 
genitalplatten  und  Legescheiden  der  $$  zuweilen  rötlich 
braun. 

Länge  mit  den  Deckflügeln  iq — 21  mm,  Körperkinge 
13 — 16 V2  mm. 

Im    Stettin  er    Museum. 

1  ö^  3  ??■ 

Java  (H.  Fruhstorfer). 

Sumatra:    Deli  (Coli.  Fruhstorfer). 

Im     Königlichen     Museum     zu     Brüssel. 

2  ^<^,  5  ??• 

Java  (Fruhstorfer). 

Sumatra  (van  Lansberg). 

var.  flavifascium  Walker. 

Cercopis  flavifascia  Walk.,  List  of  Hom.  Ins.  III, 
p.  654  (1851). 

Die  beiden  Binden  der  Deckflügel  sind  ockergelb 
gefärbt. 

3.    Ectemnonotum  Dohrni  n.  sp. 

2  (^o^  I  ?• 

Diese  Art  ist  der  BivittaUim  sehr  ähnlich,  der  Haupt- 
unterschied liegt  in  der  Bildung  der  Gonapophyscn  der 
^^.  Die  Bildung  des  Pronotum  und  die  Färbung  ist  wie 
bei  Fcrale  und  Distanti,  auch  der  Glanz  ist  wie  bei  diesen 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


305 

beiden  Arten.  Deckflügel  dunkelbraun  bis  schwarz,  mit 
zwei  ockergelben  Binden;  die  Basalbinde  ist  sehr  breit 
und  die  zweite  Binde  schmal.  Flügelfärbung  wie  bei  Bivitta- 
tum.  Gonapophysen  der  t^(^  hinten  fast  gerade,  die  Außen- 
ecken abgestumpft,  nicht  so  spitz  vorgezogen  wie  bei 
Bivittatum.  Subgenitalplatten  der  $9  hinten  breiter  ab- 
gerundet, an  der  Basis  quergerieft  sonst  glatt  und  glänzend. 

Länge  mit  den  Deckflügeln  20 — 22  mm,  Körperlänge 
15 — 17  mm. 

Sumatra:    Soekaranda  (Dr.  H.  Dohrn). 

Typen  im  Stettiner  Museum. 

Zu  Ehren  des  Herrn  Dr.  H.  Dohrn  in  Stettin  benannt. 

var.  unitaeniatum  n.  \ar. 

I  ö^  I  ?• 

Diese  Varietät  ist  dadurch  von  der  Art  verschieden, 
daß  die  Apicalbinde  (die  zweite  Binde)  vollständig  ver- 
schwunden ist  und  so  den  Eindruck  einer  neuen  Art  vor- 
teuscht.  Die  Gonapophysen  des  (^  und  die  Subgenitalplatte 
des  $  stimmen  aber  mit  denen  der  Art  vollkommen  überein. 

Maße  wie  vorher. 

Sumatra:     Soekaranda    (Dr.    H.    Dohrn). 

Typen  im   Stettiner  Museum. 

var.  evanidum  n.  var. 

Bei  dieser  Varietät  ist  die  Basalbinde  sehr  reduziert 
und  nur  im  Corium  noch  vorhanden,  die  Apicalbinde  als 
länglicher  Costalfleck  vorhanden. 

Maße  wie  vorher. 

Sumatra:    Soekaranda  (Dr.  H.  Dohrn). 

Type  im  Stettiner  Museum. 

4.   Ectemnonotum  ferale  Butler. 
Cosmoscarta   feralis   Butl.,    Cist.    Entomolog.    I,   p.   256 
(1874). 

Stett.  cutoniül.  Zeit.   1909.  30 


SOG 

Butler : 

,,Allied  to  C.  bivittata;  larger,  broader,  not  aeneoiis, 
vvith  narrower  bands;  head,  thorax,  pectus,  abdomen, 
legs,  and  tegmina  shining  black;  the  latter  crossed  by  two 
narrow  pale  testaceous  bands  (their  edges  irregulär),  dividing 
the  tegmina  into  three  nearly  equal  parts;  wings  fuscescent, 
black  at  tase. 

Length  20  mill.;  expanse  of  tegmina  48. 

Saräwak  (Wallace).     Type.    B.  M." 

I  ?. 

Pronotum  punktiert  und  fein  gerunzelt  von  matterem 
Glänze.  In  Form  und  Größe  der  Distanti  und  Dohrni  sehr 
ähnlich.  Kopf,  Pronotum,  Schildchen.  Brust,  Rostrum 
und  Beine  braun.  Deckflügel  braun,  im  Apicalteile  lichter, 
mit  zwei  schwach  bräunlichgelben  Querbinden.  Basal- 
binde  schmal,  wenig  breiter  als  die  zweite,  sie  beginnt  am 
Ende  des  Basaldrittels  und  erweitert  sich  zweimal  im 
Corium  nach  hinten  (in  der  Discoidalzelle  und  auf  dem 
Radius) ;  zweite  Binde  schmaler  und  in  der  Mitte  einmal 
nach  hinten  etwas  verbreitert.  Flügel  hvalin,  an  der  Wurzel 
stärker  rauchig  getrübt,  die  Adern  sind  braun.  Hinterleib 
braun  mit  \'iolettem  Glänze,  die  Rückensegmente  sind 
hinten  schwarz  gesäumt.  Subgenitalplatte  weniger  vor- 
ragend, hinten  breit  abgerundet.  Rostrum  kurz,  bis  zum 
Hinterrande  der  Mittelbrust  vor  den  Mittelcoxen  reichend, 
beide  Glieder  gleich  lang.  Höcker  der  Mittelbrust  um  eine 
Kleinigkeit  niedriger  als  die  Höcker  des  Hinterrandes  der 
Mittelbrust,  leicht  nach  vorn  geneigt  und  vorn  flach  gedrückt. 
Die  Höcker  auf  dem  Hinterrande  der  Mittelbrust  gleich 
hoch,    die   äußeren   kräftiger   entwickelt. 

Länge  mit  den  Deckflügeln  22  mm,  Körperlänge  16  mm. 

(^  unbekannt. 

Nord-Borneo  (Waterstradt) . 

I  $  im  Stettiner  Museum. 

Stctt.  CTitoniol.  Zeit.   1909. 


307 

Das  mir  vorliegende  $  ist  nicht,  wie  es  in  der  Butler- 
schen  Beschreibung  heißt,  schwarz,  sondern  braun  gefärbt; 
es  macht  den  Eindruck  eines  nicht  ganz  ausgefärbten 
Stückes. 

5.    Ectemnonotuiii  Distanti  Butler. 
Cosmoscarta  Distanti    Butl.,   P.  Z.    S.   p.   672   {1874). 

Jac,    Mitt.    Z.    Mus.    Berlin    III.    I, 

S.  7  (1905)- 

Butler : 

,,Allied  to  C.  hivittata  and  C.  fcralis,  but  in  structure 
agreeing  better  with  C.  xanthorhina.  Head  and  thorax 
black,  rather  dull;  scutellum  black,  pitchy  at  the  margins; 
abdomen  above  shining  purplish  black;  body  below  black; 
legs  piceous;  tegmina  black,  becoimng  piceous  towards 
apex,  crossed  by  two  orange  bands,  the  inner  one  somewhat 
broad,  crossing  centre  of  clavus,  and  widcst  in  the  centre, 
the  outer  one  only  half  as  wide,  widest  and  angulated  in 
the   middle   externally;    wings   smoky   brown. 

Length  18  millims.;  exp.  tegm.  49.  Hab.  Penang 
(Distant).      In  coli.  W.   L.  Distant. 

The  Position  of  this  species  will  be  after   C.  feralis.'' 

Jacobi: 

,,Pronotrm  dicht  und  tief  punktiert,  mit  feinen  Quer- 
runzeln. Stirn  im  Profil  etwas  stumpfwinklig.  Ein  von 
Butler  (1.  c.)  angegebenes  Färbungsmerkmal,  wonach  die 
zweite  Binde  in  der  Mitte  winklig  erweitert  sei,  ist  nicht 
zuverlässig,  weil  auch  bei  C.  bivittata  (L.  &  S)  vorhanden, 
dagegen  fand  ich  das  folgende  an  der  ganzen  Reihe  unter- 
suchter Individuen  beständig:  Die  erste  breite  Binde  ist 
genau  da,  wo  der  äußere  Gabelast  der  ersten  Ulnarvene 
sie    trifft,    spitzwinklig    eingeschnitten. 

Hab.  —  Sumatra:  Westküste  (Mus.  Berol.:  v.  Faber 
coli.). 

Stett.  cntoniol.  Zeit.   1909.  liO* 


308 

var.  —  Die   Querbinde  der  Deckflügel  blutrot. 
Hab.  —  vSumatra:     Solok   (Slg.   Jacobi)." 

var.  sanguineovittatum  n.  var. 
(Jacobi,    Mitt.    aus    dem    Zoolog.    Museum,    Berlin    III. 
I,   S.  7,  1905). 

2  ??. 

Diese  Varietät  ist  dadurch  ausgezeichnet,  daß  die 
Ouerbinden    der    Deckflügel    blutrot    gefärbt    sind. 

Länge    des    Körpers    16    mm.    Spannweite    41  ^2    mm. 

Sumatra,   (Exzell.  v.   Studt  G.). 

Typen :  Ein  Exemplar  im  Königlichen  Zoologischen 
Museum   zu    Berlin   und   ein    Stück   im    Stettiner   Museum. 

6.    Ectemnonotum  Fruhstorferi  Jacobi. 

Zoolog.  Jahrb.  XXI.  4,  S.  441,  Taf.  21,  Fig.  8  (1905). 
Jacobi: 

,, Jacobi.  igo2,  p.  23. 

Chiem-hoa. 

Pronotum  sexangulare;  margine  antico  late  sinuato, 
piano;  marginibus  antero-lateralibus  levissione  rotundatis, 
vix  reflexis,  postero-lateralibus  distincte  sinuatis,  angulis 
humeralibus  obtusis;  m<u"gine  postico  kvius  sinuato,  angulis 
posticis  perobtusis;  marginibus  Ulis  et  hoc  reflexis;  disco 
subtilissime  punctato,  antice  foveis  duabus  sat  profundis 
lineaque  media  anguste  elevata  instructo.  Scutellum 
retrorsum  valde  productum,  latitudnie  sua  parte  tertia 
longius,  transversaliter  rugosum.  Rostrum  coxas  inter- 
medias  ae(|uans.  Mesosternum  tubcrcuhs  usitatis  conicis, 
tibiae  posticae  basin  versus  spina  sat  robusta,  pone  medium 
altera  validissima  instructa. 

Q.  Segmentum  genitale  marginibus  lateral ibus  re- 
trorsum curvatis,  subtus  sinuatis  et  in  dentem  deflexum 
productis  instructum.  Gonapophyses  breves,  deplanatae, 
extus  apicem  versus  dilatatae  et  rotundato-truncatae." 

Stctt.  cntomol.  Zeit.   1909. 


309 

I  Q.  Länge  mit  den  Deckflügeln  19 1 2  nim,  Körper- 
länge 13  mm. 

Tonking  (H.  Friihstorfer) . 

Dieses  Exemplar  erwarb  das  Stettiner  Museum  von 
Herrn  Prof.  Dr.  A.   Jacobi  im  Tausch. 

7.    Ectemnonotum  falsarium  n.  sp. 

T         -^ 

Pronotum  sehr  fein  punktiert,  glatt  und  von  starkem 
Glänze;  die  seitlichen  Hinterränder  und  der  Hinterrand 
sind  leicht  eingediückt,  die  seitlichen  Vorderränder  schwach 
vorgerundet ;  der  Mittelkiel  ist  durch  eine  schwache  Linie 
angedeutet,  welche  zwischen  den  Gruben  hinter  dem  Vorder- 
rande deutlicher  wird.  Scheitel  glatt.  Der  x\bstand  der 
Ocellen  voneinander  etwa  so  groß,  wie  die  Entfernung  der 
Ocellen  von  den  Augen.  Kopf-  und  Schildchenbildung 
typisch,  ebenso  das  Geäder  der  Deckflügel  und  der  Flügel. 
Rostrum  bis  zu  den  ^Nlittelhüften  reichend,  beide  Glieder 
gleich  lang.  Brustzapfen  höher  als  die  Höcker  auf  dem 
Hinterrande  der  Mittelbrust  vor  den  Mittelcoxen,  vorne 
nicht  flachgedrückt  und  auch  nicht  nach  vorn  geneigt ;  die 
Höcker  auf  dem  Hinterrande  gleich  hoch,  die  äußeren 
kräftiger.  Gonapophysen  nach  liinten  stark  verbreitert, 
hinten  gestutzt,  vor  den  Auß;'necken  leicht  eingedrückt; 
die  Außenecken  sind  stumpf  x-orgezogea  und  abgerundet, 
weniger  spitz  als  bei  Dohrni.  Kopf,  Pronotum  und  Schild- 
chon  braungelb.  Augen  schiefergrau:  Ocellen  glashell  mit 
gelbem  Rande.  Deckflügcl  braun,  basales  Zweifünftel  gelb- 
lich braun.  Flügel  hyalin,  rauchig  getrübt,  an  der  Wurzel 
intensiver,  Adern  pechbraun.  Rostrum,  Brust  und  Beine 
braun ;  die  Spitzen  der  Dornen  der  Hinterschienen  und 
der  Tarsen  schwarz.  Hinterleib  indigoblau,  die  Rücken- 
segmente mit  starkem,  rötlich  violetten  Schiller.  (iona- 
pophysen    gelbbraun,    in    der    Mitte    des    Hinterrandes    auf 

Stctt.  cntomol.  Zeit.   1909. 


310 

jeder  Gonapophyse  ein  größerer,  runder,  dunkelbrauner 
Fleck  in  einer  grubigen  Vertiefung. 

Länge  mit  den  Deckflügeln  17  mm,  Körperlänge  12  mm. 
9  unbekannt. 

Sumatra:   Soekaranda  (Dr.  H.  Dohrn). 

Type  im  Stettin  er  Museum. 

Gruppe  III. 
8.    Ectemnonotum  Waterstrad ti  n.  sp. 

I  ?• 

Stirn  unten  stumpf  abgerundet.  Der  Abstand  der 
Ocellen  voneinander  größer  als  die  Entfernung  der  Ocellen 
von  den  Augen.  Scheitel  glatt.  Pronotum  punktiert,  fein 
quergerunzelt  von  matterem  Glänze;  die  seitlichen  Hinter- 
ränder und  der  Hinterrand  sind  eingedrückt,  die  seitlichen 
Vorderränder  gerade;  ein  Mittelkiel  ist  nicht  vorhanden. 
Schildchen,  Deckflügelform  und  Geäder  typisch  gebildet. 
Rostrum  bis  zu  den  Mittelcoxen  reichend,  Basalglied  kaum 
merklich  länger  als  das  zweite.  Mittelbrusthöcker  nicht 
nach  vorne  geneigt  und  vorn  nicht  flachgedrückt,  viel  höher 
als  die  Höcker  auf  dem  Hinterrande  der  Mittelbrust  vor 
den  Mittelcoxen.  Die  äußeren  Höcker  auf  dem  Hinter- 
rande der  Mittelbrust  viel  höher  und  kräftiger  entwickelt 
als  die  inneren.  Subgenitalplatte  wenig  hervorragend, 
bis  auf  das  abgerundete  Ende  vom  vorhergehenden  Seg- 
ment verdeckt.  Von  hinten  betrachtet  bildet  das  Segment 
vor  der  Subgenitalplatte  zwei  Ecken.  Kopf,  Pronotum 
und  Schildchen  schwarz,  Schildchenspitze  in  der  Mitte 
dunkelrot.  Deckflügel  schwarz,  Apicalteil  braun,  mit  zwei 
ockergelben  Querbinden;  die  Basalbinde  ist  nach  der  Wurzel 
zu  halbkreisförmig  erweitert  und  am  Clavushinterrand 
breiter  als  an  der  Costa.  Apicalbinde  schmal,  vor  der  Costa 
etwas  verbreitert.  Flügel  hyalin,  rauchschwarz  getrübt, 
mit  pechschwarzen   Nerven,   die  Trübung  ist  an  der  Basis 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


311 

intensiver.  Ocellen  glashell  und  gelblich;  Augen  grau, 
braun  gefleckt.  Rostrum,  Brust,  Beine  und  Hinterleib 
dunkel  blutrot;  der  Hinterrand  der  Hinterleibssegmente 
glänzend  schwarz;  die  Rückensegmente  sind  etwas  bräun- 
lich mit  violettem  Schiller.  Die  Spitzen  der  Dornen  der 
Hinterschienen   und   der   Tarsen   schwarz. 

Länge  mit  den  Deckflügeln  19  mm,  Körperlänge  14  mm. 
(^  unbekannt. 

Nord-Borneo  (Waterstradt). 

Type  im  Stettiner  Museum. 

9.    Ectemnonotum  Buxtoni  Butler. 
Cosmoscarta  Buxtoni  Butl.,  A.  M.  N.  H.  XIX,  p.  312 

(1877)- 

General  form  of  C.  xonthorhina;  above  purplish  black ; 
head  somewhat  prominent,  centrally  grooved  in  front; 
ocelli  small,  placed  in  deep  excavations  on  either  side  of  a 
central  carina,  which  runs  to  the  back  of  the  thorax,  the 
latter  granulöse,  barely  wider  than  the  closed  tegmina, 
with  a  distinct  marginal  ridge,  a  feeble  oblique  depressed 
line  on  each  side,  near  the  posterior  border;  tegmina  with 
the  basal  iwo  fifths  almost  covered  by  a  broad  oblique 
ochreous  band,  which  crosses  the  corium ;  a  narrow,  nearly 
perpendicular,  transverse  vermilion  band  just  beyond  the 
end  of  the  corium ;  body  below  blackish  piceous ;  legs  choco- 
late-brown.      Length  9  lines,   expanse  of  tegmina   18  lines. 

Sumatra.     Type,  B.  M. 

This  and  the  succeeding  species  were  obtained  by  Mr. 
\i.  C.  Buxton  in  his  recent  trip  of  Sumatra. 

Die  mir  vorliegenden  Exemplare  passen  nicht  genau 
zur  Butlerschen  Beschreibung.  Vermutlich  ist  Buxtoni 
eine  andere  Art.  In  diesem  Falle  schlage  ich  für  die  von 
mir   beschriebenen    Sumatraner   den    Namen   Excellens   vor. 

7  3<S,  5  ??■ 

Stett.   entomol.  Zeit.   190ii. 


312 

Stirn,  seitlich  betrachtet,  rechtwinkehg  gebrochen ;  die 
Ecke  abgerundet.  Der  Abstand  der  Ocellen  voneinander 
so  groß,  wie  die  Entfernung  der  Ocellen  von  den  Augen. 
Scheitel  gewölbt.  Pronotum  grobpunktiert  quergerunzelt, 
mit  einer  Mittellinie,  die  zwischen  den  Gruben  des  Vorder- 
Pronotum  kielartig  hervortritt;  die  seitlichen  Hinterränder 
und  der  Hinterrand  sind  eingedrückt,  die  seitlichen  Vorder- 
ränder leicht  vorgerundet.  Schildchenform  und  Deckflügel- 
geäder,  wie  bei  W atevstradti.  Rostrum  bis  zur  Mitte  der 
^littelcoxen  reichend,  beide  Gheder  gleich  lang.  Mittel- 
brustdorn  etwas  höher  als  die  Höcker  auf  dem  Hinterrande 
der  iMittelbrust  vor  den  Mittelcoxen,  kaum  merklich  flach- 
gedrückt an  der  Vorderseite  Die  äußeren  Dorne  auf  dem 
Hinterrande  der  Mittelbrust  ein  wenig  kräftiger  als  die 
inneren.  Gonapophysen  der  (^(^  nach  hinten  verbreitert 
und  gleichmäßig  abgerundet;  der  Hinterrand  ist  leicht 
aufgebogen,  wodurch  die  Gonapophysen  eckig  erscheinen. 
Subgenitalplatten  bei  den  $9  hinten  breit  abgerundet. 
Deckflügel  dunkelbraun,  mit  einer  ockergelben,  nach  der 
Deckflügelwurzcl  halbkreisförmig  vorgerundeten,  basalen 
Querbinde;  am  Costalrande  und  an  der  Clavusspitze,  vor 
dem  netzmaschigen  Apicalteil,  im  Corium  je  ein  viereckiger, 
blutroter  Fleck.  Scheitel  dunkelbraun.  Ocellen  glashell 
und  gelblich.  Augen  graubraun.  Pronotum  dunkel  oliven- 
grün, zuweilen  mit  bläulichem  Schimmer;  die  seitlichen 
Vorderränder  sind  rotbraun  gesäumt.  Schildchen  schwarz- 
braun, mit  dunkelroter  Spitze.  Stirn,  Rostrum,  Clipeus, 
Brust,  Beine,  Gonapophysen,  Subgenitalplatten  und  Hinter- 
leib dunkel  blutrot;  Rückensegmente  mit  schwach  rötlich 
violettem  Schiller;  Hinterrandsäume  der  Bauchsegmente 
braun.  Die  Spitzen  der  Dornen  der  Hinterschienen  und 
der  Tarsen  schwarz. 

Länge  mit  den  Deckflügeln  17I/2 — 18  mm,  Körper- 
länge 12 14— 13  li  mm. 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


313 

5  o^ö^  4  ??• 

Sumatra:  Soekaranda  (Dr.  H.  Dohrn). 

Sumatra:  Liangagas  (Dr.  H.  Dohrn). 
Im  Stettiner  Museum. 

var.  gracile  n.  var. 

I  ?. 

Der  Abstand  der  Ocellen  kaum  merklich  größer  als 
die  Entfernung  der  Ocellen  von  den  Augen.  Basalglied 
des  Rostrum  länger  als  das  zweite.  Subgenitalplatte  bräun- 
lich ockergelb.  Pronotumränder  rotbraun  gesäumt.  Basal- 
binde  der  Deckflügel  sehr  schmal,  so  breit  wie  der  Raum 
zwischen  der  Binde  und  der  Deckflügelwurzel;  die  Binde 
selbst  nach  vorn  verbreitert. 

Länge  mit  den  Deckflügeln  iGVo  mm,  Körperlänge 
12  mm. 

Sumatra:  Soekaranda  (Dr.  H.  Dohrn). 

Im  Stettiner  Museum. 

Gruppe  IV. 

10.    Ectemnonotum  mgosum  n.  sp. 

3  ^^.  3  ??• 

Gonapophysen  der  ,^(^  lang,  die  Innenränder  treten 
hinten  auseinander  und  sind  seitlich  eingedrückt,  der 
Dorn  ist  abgesetzt  und  aufgerichtet.  Subgenitalplatten 
der  $$  parallelseitig  spateiförmig,  hinten  abgerundet  und 
fein  quergerunzelt.  Pronotum  punktiert  und  glänzend, 
mit  durchlaufender  Mittellinie;  die  seitlichen  Hinterränder 
und  der  Hinterrand  sind  leicht  eingedrückt,  die  seitlichen 
Vorderränder  vorgerundet.  Schildchen  von  gewöhnlicher 
Form  und  quergerieft.  Der  Abstand  der  Ocellen  voneinander 
größer  als  der  Abstand  der  Ocellen  von  den  Augen.  Rostrum 
bis  zur  Mitte  der  Mittelcoxen  reichend,  beide  Glieder  gleich 
lang. 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


314 

Kopf,  Pronotum  und  Schildchen  ockergelb  oder  bräun- 
lich ockergelb.  Augen  bräunlich  oder  grau.  Ocellen  gelb, 
glashcll  mit  schmalem,  schwarzen  Rande.  Brust  und  Beine 
rötliclibraun.  Spitzen  der  Hinterschienendorne  und  der 
Tarsen  schv\arz.  Deckflügel  braun,  im  Basalteile  heller, 
Costalrand  bis  zur  Apicalspitze  gelblich;  Geäder  wie  die 
Decken  gefärbt ;  ein  matt  olivengrüner  Schimmer  breitet 
sich  im  Corium  und  im  Apicalteile  aus.  Flügel  hyalin, 
rauchschwarz  getrübt,  mit  pechbraunen  Nerven.  Hinter- 
leib indigoblau,  die  Rückensegmente  intensiver  gefärbt. 
Gonapophysen  der  (^(^,  Subgenitalplatten,  Legescheide  und 
Scheidenpolster    der    $9   bräunlich    ockergelb. 

Länge  mit  den  Deckflügeln  i6 — 17  mm,  Körperlänge 
II 1/4 — ^4  mm. 

Sumatra:    Soekaranda  (Dr.  H.  Dohrn). 

Typen  im  Stettiner  Museum. 

II.    Ectemnonotum  acuminatum  n.  sp. 

Kopf,  Pronotum  und  Schildchen  wie  bei  E.  hrevirostrum 
geformt.  Pronotum  mit  zarter  Mittellinie,  sehr  fein  punk- 
tiert und  glatt;  der  Hinterrand  und  die  seitlichen  Hinter- 
ränder leicht  eingedrückt,  die  seitlichen  Vorderränder  leicht 
nach  außen  gerundet.  Der  Abstand  der  Ocellen  voneinander 
etwas  weiter  als  die  Entfernung  zwischen  den  Ocellen  und 
den  Augen.  Rostrum  bis  zur  Mitte  der  Mittelcoxen  reichend, 
die  Glieder  sind  gleich  lang.  Hinterrand  der  Mittelbrust 
vor  den  Mittelcoxen  mit  zwei  Höckern,  die  äußeren  sind 
höher  und  breiter  als  die  inneren;  Brustzapfen  conisch 
und  überragt  die  Höckerchen  des  Brustrandes  ganz  be- 
deutend, eine  leichte  Neigung  nach  vorn  ist  nicht  wahr- 
zunehmen.. Gonapophysen  lang,  hinten  auseinandertretend, 
zur  Spitze  hin  allmählich  verschmälert  und  in  einen  Dorn 
endend. 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


315 

Pronotum  schwarzbraun  und  stark  glänzend,  der  Vorder- 
rand und  die  seitlichen  Vorderränder  breit,  die  seitlichen 
Hinterränder  und  der  Hinterrand  schmal  braunrot  gefärbt. 
Kopf,  Brust,  Rostrum  und  Beine  braunrot,  die  Hinter- 
schenkel und  Coxen  schwärzlich;  die  Spitzen  der  Hinter- 
schienendorne  schwarz.  Augen  braun,  schiefergrau  gefleckt. 
Ocellen  glashell  und  gelblich.  Deckflügel  dunkelbraun 
mit  olivengrünem  Schiller  und  rostfarbener  Behaarung; 
der  Costalrand  und  das  Geäder  des  Apicalteiles  sind  rot 
gefärbt.  Flügel  hyalin,  pechbraun  getrübt  an  der  Basis, 
mit  pechbraunen  Nerven.  Hinterleib  oben  intensiv  indigo- 
blau, unten  matter  und  bräunlich  schimmernd.  Gonapo- 
physen    braunrot.       Afterröhre    pechbraun. 

Länge  mit  den  Deckflügeln  17  ^  2  m.m,  Körperlänge 
13  mm. 

Nord-Borneo.     (Waterstradt  S.) 

Type  im  Stettiner  Museum. 

12.    Ectemnonotum  brevirostrum  n.  sp. 

I  ?• 

Kopf  von  der  Seite  betrachtet  unten  stumpf  ab- 
gerundet; Scheitel  glatt  und  gewölbt.  Der  Abstand  der 
Ocellen  voneinander  ist  so  groß  wie  der  Raum  zwischen 
den  Ocellen  und  den  Augen.  Pron(jtum  sechseckig,  die 
Schulterecken  sind  breit  abgerundet,  die  seitlichen  Hinter- 
ränder leicht  eingedrückt  und  die  seitlichen  Vorderränder 
leicht  vorgerundet;  in  der  Mitte  des  Vorderrandes  ist  eine 
deutliche  Querciselierung  wahrnehmbar;  außerdem  ist  das 
Pronotum  punktiert  und  mit  einer  Mittellinie  versehen. 
Schildchen  grob  quergerieft,  dreieckig,  mit  einer  flachen 
Grube  auf  der  Scheibe.  Rostrum  kurz,  die  Mittelhüften 
nicht  erreichend;  Basalglied  doppelt  so  lang  wie  das  zweite. 
Mittelbrusthöcker  höher  als  die  Höcker  des  Hinterrandes 
und  leicht  nach  vorn  geneigt;  die  äußeren  Höcker  auf  dem 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


Hinterrande  der  Mittelbrust  vor  den  Mittelcoxen  sind 
höher  und  breiter  als  die  inneren.  Subgenitalplatte  des  $ 
coiivex,  im  Basalteile  deutlich  quergerieft,  hinten  ab- 
gerundet; eine  deutliche,  kurze  Längsfurche  und  zwei 
kleinere  seitliche  sind  in  der  Endhälfte  deutlich.  Kopf 
und  Pronotum  schwarzbraun,  Pronotumhinterrand  und 
Schildchen  dunkel  rotbraun.  Augen  schiefergrau,  Ocellen 
gelb.  Körper  und  Beine  braunrot.  Zweites  Rostrumglied 
am  Ende  und  die  Spitzen  der  Dorne  schwärzhch.  Deck- 
flügel im  Apicalteile  dunkelbraun,  im  Corium  rötlich  braun 
und  an  der  Basis  braun  mit  schwach  olivengrünem  Schimmer ; 
die  Längsadern  und  die  Adern  des  Apicalteiles  sind  rot. 
Flügel   hyalin,    rauchig   getrübt,    mit    pechbraunen    Nerven. 

Länge  mit  den  Deckflügeln  i6  mm,  Körperlänge  12  mm. 

J  unbekannt. 

Borneo  (M.  Schmidt). 

Type  im  Königlichen  Zoologischen  Museum   in    Berlin. 

13.   Ectemnonotum  bilobatum  n.  sp. 

I  o^  I  ?■ 

Kopf,  Pronotum,  Schildchen  und  Deckflügel  in  der 
Form  wie  die  nachflogenden  Arten.  Pronotum  punktiert, 
grubig  quergerunzelt  und  von  matterem  Glänze,  mit  deut- 
lichei  Mittellinie,  die  in  der  Vorderhälfte  zu  einem  deut- 
lichen Kiele  ausgebildet  ist.  Stellung  der  Ocellen  wie  bei 
E.  cyanciventris  Walk.  Rostrum  bis  zur  Mitte  der  Mittel- 
coxen reichend,  beide  Glieder  gleich  lang.  Dorn  der  Mittel- 
brust vorn  nicht  flachgedrückt,  auch  nicht  nach  vorn  geneigt, 
sondern  gerade  aufragend  und  oben  stumpf  abgerundet. 
Die  Außenhöcker  des  Hinterrandes  der  Mittelbrust  vor 
den  Mittelcoxen  knöpf  artig,  die  inneren  nur  als  eine  scharfe 
Ecke  angedeutet.  Gonapophysen  des  (^  hinten  gestutzt, 
die  Dorne  stehen  an  den  Innenecken  einander  zugekehrt; 
das    Bauchsegment    vor    den    Gonapophysen    ist    hinten    in 

Stett.  entoiuol.  Zeit.   1909. 


317 

der  Mitte  tief  eingeschnitten  und  bildet  zwei  abgerundete, 
weit  vorgezogene  Lappen.  Subgenitalplatte  des  $  convex, 
deutlich  quergerieft  und  hinten  breit  abgerundet.  Ocellen 
glashell  auf  weißlichem  Grunde.  Augen  braun.  Pronotum, 
Schildchen  luid  Deckflügel  rotbraun;  die  netzmaschige 
Aderung  des  Apicalteiles  ist  rot.  Flügel  hyalin,  rauchig 
getrübt,  mit  gelbbraunen  Nerven.  Rückensegmente  des 
Hinterleibes  stark  rötlich  violett,  die  Bauchsegmente  matter. 
Beine  schwach  rotbraun;  Rostrum  und  Mittelbrusthöcker 
gelbbraun ;  die  Außenhöcker  des  Hinterrandes  der  Mittel- 
brust schmutzig  weiß  beim  q,  beim  $  dunkler.  Die  Spitzen 
der   Dornen   der    Hinterschienen    und    der   Tarsen   schwarz. 

Länge  mit  den  Deckflügeln  (^  15  mm,  £  i6i'2  mm; 
Körperlänge  (^  9I2  mm,  2  12  mm. 

Sumatra   (van  Lansberg). 

T3'pen:  (^  im  Stettiner  Museum,  $  im  K()nigl.  Zoolog. 
Museum  zu  Brüssel. 

14.    Ectemnonotum  cyaneiventris  \\  alker. 

List  of  Homopt.   Ins.   III,  p.  661   (1851). 

Walker : 

,, Nigra,  subtus  ferruginea;  scutellum  piceum;  abdomen 
C3'aneum ;  pedes  ferruginei ;  alae  anticae  nigro-fuscae  apice 
luridae;   alae  jiosticae  cinereae,  basi  apiceque  fuscae. 

Black,  ferruginous  beneath :  shield  broad,  clothed 
with  short  pale  hairs,  hardly  impressed  in  front ;  scutcheon 
pitcliy :  abdomen  blue :  legs  ferruginous :  fore-wings  blackish 
brown,  lurid  towards  the  tips  where  the  veins  are,  red: 
hind-wings  grav,  brownish  at  the  base,  at  the  tips,  and 
along    the   bind    border;    veins   black,    tawn\'    at    the   base. 

Length  of  the  body  5  lines;  of  the  wings  13  lines. 

a.   Java.     From  Mr.  Argent's  collection." 

Im  Stettiner  Museum  befindet  sich  i  $,  welches  genau 

Stett.  eutomol.  Zeit.  1909. 


318 

auf  die  Beschreibung  von  Walker  paßt  und  auch  von  Java 
stammt. 

Zur  Walkerschen  Beschreibung  möchte  ich  noch  folgendes 
hinzufügen : 

Ocellen  glasheU  auf  gelblichem  Grunde.  Der  Abstand 
der  Ocellen  voneinander  größer  als  die  Entfernung  zwischen 
Ocellen  und  Augen.  Pronotum  punktiert,  mit  MittelHnie, 
schwacher  Runzelung  und  matterem  Glänze.  Form  von 
Pronotum,  Schildchen,  Kopf  und  Deckflügel  wie  bei  den 
folgenden  Arten.  Rostrum  bis  zur  Mitte  der  Mittelcoxen 
reichend,  zweites  Glied  etwas  kürzer  als  das  Basalglied. 
Hinterrand  der  Mittelbrust  vor  den  Mittelcoxen  mit  zwei 
gleichgroßen  Höckern  zu  jeder  Seite;  Mittelbrusthöcker 
sehr  hoch,  leicht  nach  vorn  geneigt  und  vorn  flachgedrückt. 
Subgenitalplatte  des  $  concav,  flach,  hinten  abgerundet, 
glatt    und    glänzend,    scherbengelb. 

Länge  mit  den  Deckflügeln  14  mm,  Körperlänge  11  mm. 

^  unbekrnnt. 

15.   Ectemnonotum  cochleatum  n.  sp. 

2  6^,  2  ??. 

Der  Abstand  der  Ocellen  voneinander  kaum  merklich 
größer  als  die  Entfernung  der  Ocellen  von  den  Augen.  Die 
seitlichen  Pronotumhinterrändcr  und  der  Hinterrand  leicht 
eingedrückt,  die  seitlichen  Vorderränder  kaum  merklich 
vorgerundet,  fast  gerade;  der  Mittelkiel  ist  fast  bis  zum 
Hinterrande  deutlich;  außerdem  bedeckt  die  Fläche  eine 
ziemlich  grobe  Punktierung  und  Ouerrunzehmg.  Schildchen 
und  Deckflügel  gewöhnlich  gebildet  und  geformt.  Rostrum 
bis  zur  Mitte  der  Mittelhüften  reichend,  zweites  Glied 
kürzer  als  das  Basalglied.  Mittelbrusthöcker  konisch,  oben 
spitz  abgerundet  und  kaum  merklich  nach  vom  geneigt. 
Die  Höcker  auf  dem  Hinterrande  der  Mittelbrust  vor  den 
Mittelhüften  sind    gleich   groß,    die   äußeren    jedoch  breiter 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909.  ' 


3 1 1) 

als  die  inneren.  Gonapophysen  der  c^cJ  hinten  an  den 
inneren  Seitenrändern  stark  eingedrückt,  mit  einem  kurzen 
Dorn  am  Hinterrande  vor  den  Außenecken.  Subgenital- 
platte  der  $$  concav,  spateiförmig  und  hinten  weniger 
stumpf  abgerundet,  an  der  Basis  sind  zwei  deutHche  Ouer- 
wulste  zu  sehen.  Die  Subgenitalpkitte  ist  Hinger,  gewölbter 
und  vertiefter  als  bei  E.  cyancivcntris  Walk.  Ocellen  glas- 
hell und  gelblich,  Augen  braun.  Pronotum.  Schildchen 
und  Deckflügel  braun;  letztere  im  Basalteile  heller,  im 
Apicalteile  dunkler  und  mit  rötlichen  Nerven.  Flügel  hyalin, 
rauchig  getrübt,  an  der  Wurzel  dunkel,  mit  dunkelbraunen 
Nerven.  Hinterleib  indigoblau,  Rückensegmente  intensiv, 
Bauchsegmente  matt.  Rostrum  und  Benie  braun.  Die  Spitzen 
der   Dornen    dei    Hinterschienen    und   der   Tarsen    schwarz. 

Länge  mit  den  Deckflügeln  13 — 14*2  rnm,  Körper- 
länge IG — II  V2  mm. 

Sumatra:    Soekaranda  (Dr.  H.  Dohrn). 

Typen  im  Stettiner  Museum. 

16.    Ectemnonotum  incisum  n.  sp. 

I  ?• 

Kopf,  Pronotum,  Schildchen,  Brust  und  Beine  schwach 
rötlich  braun.  Augen  grau  mit  braunen  Flecken.  Ocellen 
glashell  und  gelblich.  Der  Hinterrand  der  Mittelbrust 
vor  den  Mittelhüften  mit  den  Knöpfen  weißlich  gelb.  Deck- 
flügel bräunlich  ockergelb;  Apicalteil  dunkelbraun,  das 
netzm.aschige  Geäder  und  der  Costalrand  rötlich.  Flügel 
hyalin,  rauchig  getrübt,  zur  Wurzel  hin  dunkler,  mit  braunen 
Nerven.  Hinterleib  indigoblau,  oben  stark  glänzend,  unten 
von  matterem  Glänze.  Subgenitalplatte  und  Legescheide 
bräunlich  ockergelb.  Die  Spitzen  der  Dornen  der  Hinter- 
schienen und  der  Tarsen  schwarz.  Pronotum  mit  durch- 
laufendem Mittelkiel,  punktiert  und  quergerunzelt;  die 
hinteren    Seitenränder    und    der    Hinterrand    sind    schwach 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


320 

eingedrückt,  die  seitlichen  Vorderränder  schwach  vor- 
gewölbt. Der  Abstand  der  Ocellen  voneinander  kaum 
merklich  größer  als  die  Entfernung  zwischen  den  Ocellen 
nnd  den  Augen.  Rostrum  bis  zur  Mitte  der  Mittelhüften 
reichend,  beide  Glieder  gleich  lang.  Höcker  der  Mittel- 
brust leicht  nach  vorn  geneigt  und  vorn  flachgedrückt, 
oben  spitzer  abgerundet.  Die  äußeren  Höckerchen  auf 
dem  Hinterrande  der  Mittelbrust  vor  den  Mittelcoxen 
sind  kaum  merklich  höher  als  die  inneren,  dagegen  sind 
sie  breiter  und  oben  breiter  abgerundet.  Subgenitalplatte 
spateiförmig,  lang,  concav,  sehr  tief  ausgehöhlt  (stark 
gewölbt)  und  hinten  tief  eingekerbt;  außerdem  ist  sie  glatt 
und  glänzend,  an  der  Basis  befindet  sich  ein  breiterer  Ouer- 
eindruck. 

Länge  mit  den  Deckflügeln  15  mm,  Körperlänge  12  mm. 

(^  unbekannt. 

Sumatra:    Soekaranda  (Dr.  H.  Dohrn). 

Type  im  Stettiner  Museum. 

17.    Ectemnonotum  siniile  n.  sp. 

Kopf,  Pronotum  und  Scliildchcn  braunrot  mit  matt 
violettem  Glänze.  Augen  grau,  braun  gefleckt.  Ocellen 
glashell  und  gelblich.  Deckflügel  bräunlich  ockergelb,  die 
Aderung  mehr  gelblich.  Flügel  hyalin,  zur  Wurzel  hin 
rauchig  getrübt,  mit  bräunlich  ockergelben  Nerven.  Hinter- 
leib indigoblau,  unten  von  matterem  Glänze.  Rostrum, 
Brust  und  Beine  bräunlich,  die  Hintercoxen  gelblich.  Die 
Spitzen  der  Dornen  der  Hinterschienen  und  der  Tarsen 
schwarz.  Scheide  schmutzig  gelb.  Der  Abstand  der  Ocellen 
voneinander  kaum  merklich  größer  als  die  Entfernung 
der  Ocellen  von  den  Augen.  Pronotum  wie  bei  der  vorher- 
beschriebenen Art  geformt  und  punktiert  quergerunzelt, 
von   mattem    Glänze.      Rostrum  bis   zur   Mitte   der   Mittel- 

Stett.  eutomol.  Zeit.  1909. 


321 

coxen  reichend,  zweites  Glied  kaum  merklich  kürzer  als 
das  Basalglied.  Höcker  der  Mittelbrust  verhältnismäßig 
niedrig,  nicht  nach  vorn  geneigt  und  auch  vorn  nicht  flach- 
gedrückt, oben  stumpf  abgerundet.  Hinterrand  der  Mittel- 
brust vor  den  Mittelcoxen,  mit  breit  abgerundeten  Außen- 
ecken, die  Innenecken  sind  fast  ganz  geschwunden  und 
nur  durch  eine  stumpfe  Abrundung  angedeutet.  Subgenital- 
platte-  vom  Segment  fast  verdeckt. 

Länge  mit  den  Deckflügeln  14  mm,  Körperlänge 
II 1/2  mm. 

(^  unbekannt. 

Java  (H.  Fruhstorfer) . 

Type  im  Stettiner  Museum. 

18.    Ectemnonotum  basibreviatum  n.  sp. 

Gonapophysen  hinten  stark  auseinander  tretend,  die 
Abrundungen  stumpfeckig  und  nach  außen  gerichtet,  hinten 
keinen  Dorn  tragend;  die  inneren  Seitenränder  sind  hinten 
aufgebogen.  Rostrum  bis  zum  Hinterrande  der  Mittel- 
brust, vor  den  Mittelcoxen,  reichend,  Basalglied  14  mal 
so  lang  wie  das  zweite.  Brusthöcker  verhältnismäßig  hoch, 
konisch,  nicht  nach  vorn  geneigt  und  auch  vorn  nicht  flach- 
gedrückt. Die  Höcker  auf  dem  Hinterrande  der  Mittel- 
brust, vor  den  Mittelcoxen,  sehr  klein,  die  äußeren  breit 
abgerundet,  die  inneren  als  abgerundete  Ecken  angedeutet. 
Der  Abstand  der  Ocellen  von  den  Augen  kaum  merkhch 
geringer  als  die  Entfernung  der  Ocellen  voneinander. 
Pronotum  wie  bei  der  vorherbeschriebenen  Art  gebildet. 
Kopf,  Pronotum  und  Schildchen  rötlich  dunkelbraun. 
Ocellen  dunkelbraun  mit  gelbem,  basalen  Ring.  Augen 
grau,  braun  gefleckt.  Deckflügel  bräunhch  ockergelb,  die 
Aderung  mehr  gelblich.  Flügel  hyalin,  an  der  Wurzel  rauchig 
getrübt,    mit    bräunlich    ockergelben    Nerven.        Rostrum 

Stctt.  entomol.  Zeit.   1909.  •  21        ' 


322 

bräunlich  ockergelb.  Brust  und  Beine  schwach  rötlich 
braun.  Spitzen  der  Dornen  der  Hintenschienen  und  der 
Tarsen  schwarz.  Hinterleib  braun  und  speckig  (dieses 
Exemplar  ist  schlecht  conserviert,  wahrscheinlich  ist  der 
Hinterleib  bei  frischen  und  besser  conservierten  Stücken 
indigoblau) . 

Länge    mit    den    Deckflügeln    13 V2    mm,    Körperlänge 
IG  mm. 

$  unbekannt. 

Java  (H.  Fruhstorf er) . 

Type  im  Stettiner  Museum. 

19.   Ectemnonotum  truncatum  n.  sp. 

I  9- 

Subgenitalplatte  weit  vorragend,  hinten  gestutzt  und 
leicht  gebuchtet,  am  Ende  kaum  merklich  schmaler  als 
an  der  Basis,  quadratisch,  glatt  und  glänzend.  Rostrum 
bis  zur  Mitte  der  Mittelcoxen  reichend,  die  Glieder  gleich 
lang.  Höcker  der  Mittelbrust  konisch,  nicht  nach  vorn 
geneigt  auch  nicht  vorn  flachgedrückt.  Der  Hinterrand 
der  Mittelbrust,  vor  den  Mittelcoxen,  horizontal;  die  Außen- 
ecken breit  und  breit  abgerundet,  die  Innenecken  durch 
abgerundete,  rechtwinkelige  Ecken  angedeutet.  Der  Ab- 
stand der  Occllen  voneinander  kaum  merklich  größer  als 
die  Entfernung  zwischen  den  Ocellen  und  den  Augen. 
Pronotum  mit  scharfer  Mittellinie,  welche  vor  dem  Pro- 
notumhinterrande  erlischt;  die  seitlichen  Hinterränder  und 
der  Hinterrand  sind  leicht  eingedrückt,  die  seitlichen 
Vorderränder  kaum  merklich  vorgerundet ;  die  ganze  Fläche 
ist  punktiert  und  gerunzelt.  Schildchen  gewöhnlich  ge- 
bildet. Kopf,  Pronotum  und  Schildchen  braunrot  mit  matt 
violettem  Glänze.  Deckflügel  braunrot  im  Basalteile  und 
längs  der  Costa,  im  Apicalteile  und  längs  des  Suturalrandes 
und    in    der   Apicalhälfte    des    Clavus    bräunlich    ockergelb; 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


323 

das  Geäder  ist  rot.  Flügel  hyalin,  rauchig  getrübt  an  der 
Apicalspitze  und  in  der  Nähe  der  Wurzel.  Hinterleib 
indigoblau,  unten  von  matterem  Glänze.  Ocellen  glashell 
und  gelblich.  Augen  grau  und  braun  gefleckt.  Rostrum, 
Brust  und  Beine  braun,  Brustzapfen  gelblich  braun.  Die 
Spitzen  der  Dornen  der  Hinterschienen  und  der  Tarsen 
schwarz. 

Länge  mit  den  Deckflügeln  13 1 2  mm.  Körperlänge 
10  mm.     o   unbekannt. 

Sumatra:  Soekaranda  (Dr.  H.  Dohrn). 

Type  im  Stettiner  Museum. 


Verzeichnis  der  Genera,  Species  und  Varietäten. 

Seite 

Simeliria  n.  gen 285 

viridans  Guer 287 

Butleri  Dist. 288 

cambodjana  n.  sp 289 

juno  Dist 289 

apicalis  n.  sp 290 

coerulans  Jac 291 

aenescens  n.  sp 293 

Ectemnonotum  n.  gen 294 

tricoloriforme  n.  sp 301 

bivittatum  A.  u.  S 303 

bivittatum  var.  flavifascium  Walk 304 

Dohrni  n.  sp 304 

Dohrni  var.  unitaeniatum  n.  var 305 

Dohrni  var.  evanidum  n.  var 305 

ferale  Butl 305 

Distanti  Butl 307 

Distanti  Butl.  var.  rubrovittatum  n.  var.  .  .  308 

Fruhstorferi  Jac 3^8 

,,         falsarium  n.  sp •  •  •  3^9 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909.  '-il* 


324 

Seite 

Ectemnonotum  Waterstradti  n.  sp 310 

Buxtoni  Butl 311 

Buxtoni  var.  gracile  n.  var 313 

rugosum  11.   sp 313 

acuminatum   n.  sp 314 

brevirostrum   n.  sp 315 

bilobatum  n.   sp 316 

cyaneiventris  Walk 317 

cochleatum  n.   sp 318 

incisum  n.  sp 319 

simile  n.  sp 320 

basibreviatum  n.  sp 321 

triincatiim  n.  sp 322 


Plecopterologische  Studien. 

IL*) 

Von  Dr.  fiüifithei*  ■".nderleiii,  Stctlin. 

Mit  1  Tafel  und  1  Toxtligur. 

Von  dem  reichhaltigen  Plecopteren-Material  des  Stettiner 

Zoologischen  Museums  gebe  icli  in  Folgendem  einen  weiteren 

Teil  der  neuen  Art-  und  Gattungsdiagnosen. 

!    Die  Beigabe  der  Figuren  verdanke  ich  der  pekuniären 
Unterstützung  des  Herrn  Stadtrat  Dr.  H.  D  o  h  r  n. 

Ochthopetina  nov.  gen. 
(Typus:  0.  acripcnnis  Enderl.) 
2  Ocellen.  Zwischen  den  Längsadern  der  Flügelspitzen 
keine  Queradern.  Cerci  lang.  Die  beiden  ersten  Tarsen- 
glieder  sehr  kurz,  das  3.  schlank.  Die  Verschmelzung  von 
Radialramus  und  Media  (Stiel  der  Zelle  R5)  im  Hinter- 
flügel meist  länger  als  die  Gabeläste  bis  zur  Anastomose 
mindestens  aber  so  lang  wie  der  hintere  kürzere  Gabelast. 

*)  Plec.  St.  I  finden  sich  in:  Sitz.Ber.  Ges.Naturf.  Freunde, Berlin,  1909. 
Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


325 

Die  Siibgenitalplatte  des  $  (das  8.  Sternit)  ist  in  ihrer 
Gesamtausdehnung  nicht  oder  nur  wenig  breiter  als  die 
übrigen  Sternite,  und  wird  nur  zuweilen  durch  eine  mehr 
oder  weniger  große,  ziemlich  schmale  Anhangsplatte  in 
der  Mitte  des  Hinterrandes  etwas  verlängert. 

Die  Gattung  Ochthopetina  enthält  nur  orientalische, 
afrikanische  und  einige  japanische  Species.  Außer  der 
nachstehend  aufgeführten  Species  gehört  in  diese  Gattung 
auch  P.  geniculata  Pict.  4841  aus  Japan,  P.  niponensis 
McLachl.  1875  aus  Japan  und  vielleicht  auch  Perla  aegyp- 
tiaca  Pict.  1841  aus  Egypten.  Ob  Perla  spio  Newm.  (Mag. 
Nat.  Hist.  III,  p.  87)  von  Sierra  Leone  hierher  gehört,  ist 
nach  der  unvollständigen  Beschreibung  nicht  festzustellen. 

Die  Perla  Duvaucelli  Pict.  1841  aus  Indien  scheint 
eine  echte  Perla  zu  sein. 

Die  Gattung  Neoperla  Needh.  1905  enthält  nur  ameri- 
kanische (vgl.  Plec.  Studien,  I)  Arten.  Sie  unterscheidet 
sich  von  Ochthopetina  dadurch,  daß  die  Verschmelzung  von 
Radialramus  und  Media  im  Hinterflügel  höchstens  halb 
so  lang  wie  der  kürzere  hintere  Gabelast,  meist  aber  viel 
kürzer  ist  (meist   Y^ — ^/g  oder  noch  kürzer). 

Ochthopetina  aeripennis  nov.  spec. 

(Fig-  I3-) 
?.  Kopf  ca.  i^^n^a-l  so  breit  wie  lang,  flach,  glatt. 
Fühler  ziemlich  dünn,  allmählich  zugespitzt,  Pubescenz 
sehr  kurz.  Augen  ziemlich  groß,  Schläfen  ziemlich  breit. 
Abstand  der  beiden  Ocellen  voneinander  ungefähr  doppelt 
so  lang  wie  ihr  Durchmesser.  Die  bohnenförmige  flache 
Beule  seitlich  der  Ocellen  schlank  und  sehr  lang,  die  Längs- 
achse liegt  fast  in  der  Verbindungslinie  der  beiden  Ocellen, 
ist  nur  sehr  schwach  schräg  gestellt,  und  beträgt  ca.  3  Ocellen- 
durchmesser;  ihr  Abstand  von  den  Ocellen  ist  etwas  geringer 

Stett.    entomol.  Zeit.   1909. 


326 

als  der  Ocellendiirchmesser,  von  den  Augen  etwa  ii/^  der- 
selben. Maxillarpalpus  sehr  dünn  und  lang,  3.  Glied  etwa 
%  der  Entfernung  zwischen  den  Fühlerinsertionen,  4.  Glied 
etwa   I3  des  3.   Gliedes. 

Prothorax  vorn  etwa  1V5  so  breit  wie  lang,  Vorder- 
ecken ziemlich  scharf,  Seiten  im  hinteren  Teil  ziemlich 
stark  konvergierend;  Oberseite  glänzend,  Querfurche  sehr 
nahe  am  Vorderrand  und  ziemlich  scharf,  mediane  Längs- 
furche ziemlich  scharf,  Seitenflächen  mit  ziemlich  groben 
Runzeln.  Meso-  und  Metanotum  glatt  und  stark  glänzend. 
Pubescenz  von  Kopf  und  Thorax  fast  verschwindend  kurz, 
von  Abdomen  und  Beinen  etwas  länger,  braun.  Die  beiden 
I.  Tarsenglieder  sehr  kurz,  das  3.  sehr  lang  und  schlank. 
Cerci  mäßig  kräftig  (Fig.  13),  etwa  1^/3  der  Abdominallänge; 
die  ersten  4  Glieder  sehr  kurz,  auch  die  folgenden  nur  sehr 
allmählich  verlängert.  Hinterrand  des  10.  Tergits  (Fig.  13) 
besonders  in  der  Mitte  stark  gewölbt,  die  Ecke  aber  abge- 
rundet; Hinterrand  des  10.  Sternit  (Fig.  13,  st^o)  nur 
schwach  gewölbt.  Hinterrand  der  Subgenitalplatte  (Fig  13, 
stg),  besonders  in  der  Mitte  gewölbt;  in  der  Mitte  mit 
schmaler,  aber  deutlicher  Ausbuchtung,  auf  jeder  Seite 
noch  2  flache  Ausbuchtungen.  Flügel  mäßig  kräftig,  Adern 
ziemlich  zart.  Vorderflügel  ziemlich  schmal;  sc  reicht  fast 
bis  an  das  Ende  des  2.  Flügeldrittels.  Zwischen  c  und  sc 
im  Vorderflügel  ca.  15,  im  Hinter flügel  ca.  6 — 7  Queradern. 
Pterostigma  im  Vorderflügel  mit  ca.  2,  im  Hinterflügel  mit 
ca.  2 — 3  Queradern.  Stiel  der  Zelle  R5  im  Hinterflügel  lang. 
Medianzelle  im  Vorderflügel  mit  9,  im  Hinterflügel  ohne 
Queradern.  Zwischen  den  Enden  von  r^  und  cu.,  münden 
im  Vorderflügel  9  Äste  in  den  Außenrand,  im  Hinterflügel 
7 — 8  Äste.  Zwischen  cu^  und  cuo  im  Vorderflügel  8 — 9, 
im  Hinterflügel  6 — 8  Queradern,  i.  Axillaris  im  Hinter- 
flügel mit  4  Ästen. 

Körperoberseite     schwarz,     Abdomen     braun,     an     der 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


327 


Basis  gelbbraun.  Labial-  und  Maxillarpalpus  braun,  Fühler 
schwarzbraun,  an  der  Basis  gelbbraun.  Körperunterseite 
ockergelb.  Abdomen  braungelb.  Cerci  dunkelbraun.  Beme 
ockergelb,  Spitzendrittel  der  Schenkel,  die  Schienen  und 
Tarsen  schwarzbraun;  beim  Vorderschenkel  ist  die  End- 
hälfte schwarzbraun.  Flügel  braun,  Adern  gleichmäßig 
braun,  Costa  gelbbraun.  Membran  des  Vorderflügel  ziem- 
lich kupferrot  bis  grün  bis  gelb  irisierend,  Hinterflügel 
ebenso,   aber  sehr  stark  glänzend  lebhaft  irisierend. 

Körperlänge    17    mm;    Vorderflügellänge    20-21    mm; 
Abdommallänge  '^y.  mm;  größte  Vorderflügelbreite  5  mm; 

Prothorakalbreite  ca.  31/2  mm. 

Java.    2$.   Typen  im  Stettiner  Zoologischen  Museum. 

Ochthopetina  violaris  nov.  spec. 
(Fig.  I4-) 
$.     Kopf  ca.   1 2/3  mal  so  breit  wie  lang,  flach,  poliert 
glatt     Fühler  dünn,  an  der  Basis  wenig  dichter.   Pubescenz 
.ehr  kurz.     Augen  ziemlich  groß,   Schläfen  ziemhch  breit. 
Die   beiden    Ocellen   klein,    ihr   Abstand   voneinander   etwa 
der   doppelte   Durchmesser.      Die   seitlichen   flachen    Stirn- 
beulen  oval,    sehr   flach,    eigentlich   nur    aus   einem   feinen 
Ringwall     bestehend,     dessen     größte     Länge     etwa     dem 
doppelten    Ocehendurchmesser    gleicht;    ihr    Abstand    von 
den  Ocellen  etwa  gleich  dem  Ocehendurchmesser,  von  den 
Augen  etwa  i^A  derselben.     Maxillarpalpus  lang  und  dünn. 
4   Glied  (Endglied)  etwas  dünner  und  etwa  1/2  des  3.  Gliedes. 
Prothorax  vorn  nur  eine  Spur  breiter  als  lang,  Vorder- 
oceUen    scharf,    Seiten    fast    parallel,    nur    hinten    ziemlich 
stark    konvergierend;    Oberseite    poliert    glatt,    Querfurche 
nahe  am  Vorderrande  sehr  scharf;  Medianfurche  sehr  fem 
und    seicht-     Seitenflächen    mit    ganz    seichten,     fast    ver- 
schwindenden runzelartigen  Erhebungen.     Meso-  und  Meta- 
notum  glatt.     Pubescenz  von  Kopf  und  Thorax  sehr  dicht 
aber    verschwindend    kurz,    nur    an    den    Schläfen    langer, 

Stett.  cntomol.  Zeit.   1909. 


328 

voh  Abdomen  und  Beinen  länger.  Die  beiden  ersten  Tarsen- 
glieder  sehr  kurz,  das  3.  sehr  schlank.  Cerci  relativ  dick 
(Fig.  14),  ein  wenig  länger  als  der  Hinterleib;  die  ersten 
4  Glieder  sehr  kurz,  die  folgenden  Glieder  stark  oval  ge- 
rundet, so  daß  die  Seiten  jedes  Gliedes  stark  gebogen  sind. 
Hinterrand  des  10.  Tergites  (Fig.  14)  schwach  bogig  ge- 
wölbt. Hinterrand  des  10.  Sternites  (Fig.  14  st^j)  gerade. 
Hinterrand  der  Subgenitalplatte  (Fig.  14  st^)  gerade,  nur 
in  der  Mitte  ein  kleiner,  mäßig  breiter  und  sehr  kurzer 
plattenartiger  Anhang,  dessen  Seiten  nach  hinten  kon- 
vergieren und  dessen  Hinterrand  breit  und  seicht  einge- 
drückt ist. 

Flügel  zart,  Adern  dünn  und  zart.  Vorderflügel  ziem- 
lich schmal;  sc  reicht  fast  bis  an  das  Ende  des  2.  Flügel- 
drittels. Zwischen  c  und  sc  im  Vorderflügel  ca.  12 — 14, 
im  Hinterflügel  ca.  8 — 10  Queradern.  Pterostigma  im 
Vorderflügel  mit  ca.  2 — 5,  im  Hinterflügel  mit  ca.  2 — 4 
Queradern.  Medianzelle  mit  7 — 9,  meist  7  Queradern. 
Zwischen  cu^  und  cUo  im  Vorderflügel  8 — 9,  im  Hinter- 
flügel 5 — 6  Queradern.  Zwischen  den  Enden  von  r^  und 
CU2  münden  im  Vorderflügel  8  Aste  in  den  Außenrand,  im 
Hinterflügel  7,  vereinzelt  8  Äste.  Stiel  der  Zelle  R5  im 
Hinterflügel  mäßig  kurz.  i.  Axillaris  im  Hinterflügel  mit 
4  Asten. 

Oberseite  von  Kopf  und  Prothorax  schwarz,  von  Meso- 
und  Metanotum  braun,  vom  Abdomen  gelblich  braun.  Unter- 
seite von  Kopf,  Thorax  hell  ockergelb,  von  Abdomen  gelbbraun. 
Fühler  schwarz,  Basalviertel  ockergelb,  i.  Basalglied  braun. 
Maxillar-  und  Labialpalpus  schwarz,  Cerci  schwarz,  an  der 
Basis  schwarzbraun.  Beine  ockergelb,  Spitzendrittel  der 
Schenkel,  die  Schienen  und  Tarsen  schwarzbraun;  beim 
Vorderschenkel  ist  nur  das  Basalviertel  ockergelb,  und  das 
übrige  schwarzbraun.  Flügel  gleichmäßig  ziemlich  dunkel- 
braun.    Adern  mit  einem  noch  ein  wenig  dunkleren,  breiten 

Stt-tt.  entomol.  Zeit.   1909. 


329 

Saum  und  dunkelbraun.  Costa  des  Vorderflügels  gelblichbraun . 
Membran  von  Vorder-  und  Hinterflügel  stark  rötlich  violett 
bis  bläulich  violett  irisierend;  Außenviertel  von  Vorder- 
und  Hinterflügel  und  der  hinteren  Hälfte  des  Hinterflügels 
düster  ehern  messinggelb  bis  grün  bis  rot  irisierend. 

Körperlänge  11Y2 — 15  mm;  Vorderflügellänge  14  bis 
18  mm;  Abdominallänge  5^/4 — 61/2  mm;  größte  Vorder- 
flügelbreite 4— 414  mm;  Prothorakalbreite  ca.  2Y2  mrn- 

Java.    3  $.    Typen  im  Stettiner  Zoologischen  Museum. 

Neoperla  violaris  unterscheidet  sich  von  N.  aeripennis 
besonders  durch  die  geringere  Größe  durch  die  lebhafte 
violette  Flügelfärbung,  durch  die  Färbung  des  Vorder- 
schenkels (nur  das  Basalviertel  ist  ockergelb)  und  durch 
die  Form  der  Subgenitalplatte  und  vom  10.   Sternit. 

Ochthopetina  caligata  (Burm.  1835). 
(Fig.  I5-) 
Perla  caligata,  Burmeister.       Handb.    d.    Entomol.    2.    Bd. 
1835,  p.  880. 
,,  Burm.,    Pictet,    Hist.    nat.    Ins.    Neuropt.; 

Perhdes  1841,  p.  266,  PL  26,  Fig.  5  et  6. 
Ochthopetina  caligata  (Burm.),  m. 

$.  Kopf  ca.  i%mal  so  breit  wie  lang,  poliert  glatt. 
Fühler  ziemlich  dünn,  Pubescenz  kurz.  Augen  groß, 
Schläfen  kurz.  Die  beiden  Ocellen  sehr  klein,  ihr  Abstand 
voneinander  ca.  3  mal  so  lang  wie  der  Ocellendurchmesser, 
ihr  Abstand  vom  Augenrand  ist  fast  das  doppelte  ihres 
Abstandes  voneinander.  Die  flache  Beule  seitlich  der  Ocellen 
ist  etwas  langgestreckt  quer  bohnenförmig,  etwa  3  mal  so 
lang  wie  der  Ocellendurchmesser  und  ungefähr  1 1^  mal 
so  breit ;  der  Abstand  dieser  Erhebung  von  den  Ocellen  ist 
etwa  1/^ — %  Ocellendurchmesser,  vom  Augenrand  fast 
2  Ocellendurchmesser.  Labial-  und  Maxillarpalpus  ziemlich 
schlank;  das  3.  Glied  des  letzteren  sehr  lang,  das  4.  kaum 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


330 

so  groß  und  etwa  3  mal  so  lang  wie  dick,  aber  nicht  dünner 
als  das  3. 

Prothorax  \^i\  mal  so  breit  wie  lang,  rechteckig,  Seiten 
parallel.  Ecken  wenig  abgerundet;  Oberseite  ziemlich  glatt, 
Querfurche  dicht  am  Vorderrand  und  sehr  scharf;  Median- 
furche außerordentlich  fein,  seitlich  davon  und  parallel 
dazu  je  eine  grobe  kräftige  Furche,  seithch  dazu  unregel- 
mäßig und  nicht  sehr  deutlich  gerunzelt.  Meso-  und  Meta- 
notum  glatt.  Pubescenz  von  Kopf  und  Thorax  fast  ver- 
schwindend, von  Abdomen  und  Beinen  länger;  an  den 
Schläfen  stehen  einzelne  längere  Haare.  Die  beiden  ersten 
Tarsenglieder  kurz,  das  3.  ziemlich  lang.  Cerci  mäßig  dünn 
(nur  kurze  Stummel  vorhanden,  abgebrochen),  die  beiden 
ersten  Ringel  relativ  lang,  schon  vom  3.  Ringel  an  fast 
so  lang  wie  breit  und  die  folgenden  schnell  verlängert 
(Fig.  15).  Der  Hinterrand  des  10.  Tergites  (Fig.  15,  tgjo) 
bogig  gewölbt,  in  der  Mitte  fast  stumpfwinklig.  Hmter- 
rand  des  10.  Sternites  (Fig.  15,  stio)  gerade.  Das  mittlere 
Drittel  der  Subgenitalplatte  ist  stark  nach  hinten  ver- 
längert, die  Seiten  der  Verlängerung  konvergieren  unter 
spitzem  Winkel  zueinander;  das  Hinterende  dieser  Ver- 
längerung überragt  in  der  Mitte  etwas  den  Hinterrand 
des  9.  Sternites  und  trägt  in  der  Mitte  eine  schmale  aber 
ziemhch  tiefe  Einbuchtung  (Fig.   15,  stg). 

Flügel  zart,  Adern  dünn  und  zart.  Vorderflügel  schmal; 
sc  erreicht  fast  das  Ende  des  2.  Elügeldrittels.  Zwischen 
c  und  sc  im  Vorderflügel  12 — 13,  im  Hinterflügel  ca. 
4  Queradern.  Pterostigma  im  Vorderflügel  mit  ca.  2 — 3, 
im  Hinterflügel  mit  ca.  4 — 5  Queradern.  Medianzelle  im 
Vorderflügel  mit  8 — 9,  im  Hinterflügel  ohne  Queradern. 
Zwischen  cu,  und  cu.,  im  Vorderflügel  6 — 8,  im  Hinter- 
flügel 6 — 7  Queradern.  Zwischen  den  Enden  von  r^  und 
cu,  münden  im  Vorderflügel  7 — 8  Äste  in  den  Außenrand, 
im  Hinterflügel  6 — 7  Äste.     Stiel  der  Zelle  R5  im  Hinter- 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


331 

flügel  sehr  lang.  i.  xAxillaris  im  Hinterflügel  mit 
3  Ästen. 

Kopf  und  Prothorax  oben  schwarz,  Meso-  und  Meta- 
notum  und  Abdomen  ockergelb.  Unterseite  von  Kopf 
braun,  von  Thorax  und  Abdomen  ockergelb.  Fühler 
schwarz,  Cerci  so  weit  vorhanden,  ockergelb.  Labial-  und 
Maxillarpalpus  braun,  an  der  Basis  gelbbraun.  Die  bohnen- 
förmigen  Erhebungen  auf  dem  Scheitel  und  die  Stirn  mit 
Ausnahme  der  Mitte  braunrot.  ■  Beine  ockergelb,  Endhälfte 
der  Schenkel,  die  Schienen  und  Tarsen  schwarz;  beim 
Hinterbein  ist  etwas  weniger  als  die  Endhälfte  schwarz. 
Flügel  hyalin  blaßbraun;  Adern  hellbraun,  verwaschen 
blaßbräunlich  gesäumt.  Membran  beider  Flügel  speckig 
glänzend,  nur  die  hintere  Hälfte  des  Hinterflügels  ganz 
schwach  rötlich  bis  grünlich  irisierend. 

Körperlänge  11^/4  mm;  Vorderflügellänge  13I/2  nim; 
Abdominallänge  5  mm;  größte  Vorderflügelbreite  3I/2  mm; 
Prothorakalbreite  2 14  i^m- 

Java.  I  $.  In  der  Sammlung  des  Stettiner  Zoolo- 
gischen Museums. 

Das  Originalstück  der  Species  hat  eine  Körperlänge 
von  9  mm. 

Ochthopetina  sumatrana  nov.  spec. 
(Fig.  20.) 

ö".  Kopf  ca.  1 73  mal  so  breit  wie  lang,  flach,  poliert 
glatt.  Fühler  dünn,  an  der  Basis  wenig  dicker;  Pubescenz 
kurz.  Augen  sehr  groß  und  vorgewölbt,  Schläfen  sclimal. 
Die  beiden  Ocellen  ziemlich  groß,  ihr  Abstand  voneinander 
beträgt  114  ihres  Durchmessers,  von  den  Augen  kaum 
mehr  als  der  doppelte  Durchmesser.  Die  flache  Beule  seit- 
lich der  Ocellen  fast  kreisrund,  ihr  Durchmesser  fast  lYo 
des  Ocellendurchmessers,  ihr  Rand  nicht  scharf  und  wall- 
artig;  ihr  Abstand  von  den   Ocellen  und  von  den  Augen 

Stctt.  entomol.  Zeit.   1909. 


332 

ist  kaum  die  Hälfte  des  Ocellendurchmessers.  Maxillar- 
palpus  mäßig  schlank,  relativ  dicht  und  lang  pubesciert, 
Endglied  (4.  Glied)  kaum  die  Hälfte  des  3.  und  viel  dünner. 

Prothorax  vorn  etwa  i  V^  so  breit  wie  lang,  Vorder- 
ecken scharf,  Seiten  gerade,  nach  hinten  schwach  konver- 
gierend, am  Hinterrande  stärker  konvergierend;  Oberseite 
poliert  glatt;  Querfurche  nahe  am  Vorderrande,  in  der 
Mitte  weniger  nahe,  scharf;  Medianfurche  sehr  fein  und 
seicht,  Seitenflächen  nur  mit  undeutlichen  runzelartigen 
Erhebungen.  Meso-  und  Metanotum  poliert  glatt.  Pubescenz 
von  Kopf  und  Thorax  von  verschwindender  Kürze,  nur 
an  den  Schläfen  ziemlich  lang;  von  Abdomen  und  Beinen 
länger.  Die  beiden  ersten  Tarsenglieder  kurz,  das  3.  ziem- 
lich lang,  aber  nicht  schlank.  Cerci  sehr  dünn,  nur  die  3 
ersten  Glieder  kurz,  die  folgenden  so  lang  wie  breit  und 
schnell  länger  werdend.  10.  Sternit  des  (^  unten  mit  einer 
dreieckigen  Anhangsplatte  (Fig.  20),  deren  Seitenecken 
etwas  abgesetzt  sind  und  in  sehr  lange,  spitze,  dünne,  senk- 
recht aufgerichtete  Spitzen  sich  fortsetzen,  welche  die  Cecri 
von  der  Seite  gesehen  weit  überragen,  und  dessen  Hinter- 
ecke ziemlich  lang  und  spitz  ist  (Spitze  abgerundet).  8.  Tergit 
(Fig.  20  tgs)  trägt  in  der  Mitte  des  Hinterrandes,  ihn  über- 
ragend, ein  kleines  fast  viereckiges  Plättchen,  das  an  der 
Basis  etwas  nach  unten  umgeknickt  ist  und  und  am  Hinter- 
rande etwas  eingedrückt  ist.  9.  Tergit  (Fig.  20,  tgg)  in  der 
Mitte  des  Hinterrandes  etwas  eingedrückt  und  in  der 
Medianlinie  kielartig  erhoben,  der  Kiel  ist  am  Ende  ziemlich 
hoch  und  fällt  dann  plötzlich  ab.  In  der  Mitte  des  10.  Ter- 
gites  liegen  die  beiden  nach  vorn  gerichteten  kurzen  Spitzen 
der  Cercusbasipodite,  die  dem  11.  Segment  angehören. 

Flügel  ziemlich  dünn,  Adern  relativ  kräftig.  Vorder- 
flügel mäßig  schmal;  sc  reicht  etwas  über  die  Flügelmitte. 
Zwischen  c  und  sc  im  Vorderflügel  ca.  11 — 12,  im  Hinter- 
flügel ca.  4    Queradern.     Pterostigma  im  Vorderflügel  mit 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


333 

ca.  2 — 5,  im  Hinterflügel  mit  ca.  2 — 6  Queradern.  Stiel 
der  Zelle  R5  im  Hinterflügel  mäßig  lang.  Medianzelle  im 
Vorderflügel  mit  5 — 7,  im  Hinterflügel  ohne  Queradern. 
Zwischen  den  Enden  von  r^  und  cu.,  münden  im  Vorder- 
flügel 7  Äste  in  den  Außenrand,  im  Hinterflügel  6  Äste. 
Zwischen  cuj  und  cu^  im  Vorderflügel  5 — 7,  im  Hinter- 
flügel 5 — 6  Queradern.  i.  Axillaris  im  Hinterflügel  mit 
2  Ästen. 

Kopf  oben  rostgelb,  Prothorax  etwas  mehr  braun, 
Meso-,  Metanotum  und  Abdomen  ockergelb,  Spitze  des 
Abdomen  bräunlich  werdend.  Unterseite  des  Kopf,  Thorax 
und  Abdomen  hell  ockergelb.  Labial-  und  Maxillarpalpus 
braun.  Fühler  schwarzbraun,  Geißel  an  der  Basis  zuweilen 
gelblich.  Cerci  schwarzbraun,  äußerste  Basis  ockergelb- 
braun. Beine  hell  ockergelb,  Enddrittel  der  Schenkel,  die 
Schienen  und  Tarsen  schwarz;  beim  Vorderschenkel  ist  die 
Endhälfte  schwarz.  Augen  schwarz.  Zwischenraum  zwischen 
den  Ocellen  braun.  Flügel  hyalin  blaßbräunlich,  Adern 
hellbraun,  Basalhälfte  der  Costa  bräunlich  gelb;  r^  braun. 
Membran  beider  Flügel  mäßig  stark  rot  bis  gelb  bis  grün 
irisierend. 

Körperlänge  10 — 11  mm;  Vorderflügellänge  11 V2  bis 
12^  m.m;  Abdominallänge  4V2 — 5  mm;  größte  Vorder- 
flügelbreite 3^  mm;  Prothorakalbreite  2  mm. 

Sumatra.  Liangagas.  2  1^.  Dr.  H.  D  o  h  r  n.  Soe- 
karanda.     i  (^.     Dr.  H.  D  o  h  r  n. 

Typen  im  Stettiner  Zoologischen  Museum. 

Ochthopetina  laminulata  nov.  spec. 
(Flg.  16.) 

?.  Kopf  ca.  i%mal  so  breit  wie  lang,  poliert  glatt. 
Fühler  dünn,  an  der  Basis  relativ  dick,  Pubescenz  kurz. 
Augen  groß,  Schläfen  mäßig  kurz.  Die  beiden  Ocellen 
ziemlich   klein,    ihr   Abstand  voneinander  ca.    iy2    Ocellen- 

Stctt.  entomol.  Zeit.   1909. 


334 

durchmesser,  ihr  Abstand  vom  Augenrand  ca.  5  Ocellen- 
durchmesser.  Die  flache  Beule  seitlich  der  Ocellen  ist  lang- 
oval und  steht  völlig  quer;  sie  ist  ungefähr  2  Ocellendurch- 
messer  lang  und  i  Ocellendurchmesser  breit  und  ihr  Ab- 
stand von  den  Ocellen  und  von  den  Augen  beträgt  je  1% 
Ocellendurchmesser.      Labial-   und    Maxillarpalpus   schlank. 

Prothorax  vorn  1 1/3  mal  so  breit  wie  lang,  rechteckig, 
Seiten  nach  hinten  konvergierend,  Ecken  scharf,  wenig 
abgerundet;  Oberseite  mäßig  glatt,  Ouerfurche  dicht  am 
Vorderrand,  scharf,  aber  ziemlich  fein;  Medianfurche  sehr 
fein,  Seiten  unregelmäßig  gerunzelt.  Meso-  und  Metanotum 
glatt.  Pubescenz  von  Kopf  und  Thorax  fast  verschwindend, 
von  Schläfen,  Abdomen  und  Beinen  länger.  Die  beiden 
ersten  Tarsenglieder  ziemlich  kurz,  das  3.  schlank.  Cerci 
nicht  sehr  dünn,  ungefähr  von  Abdominallänge,  die  3  ersten 
Ringel  sehr  kurz,  erst  vom  8.  Ringel  ab  so  lang  wie  breit 
(Fig.  16).  Der  Hinterrand  des  10.  Tergites  (Fig.  16  tg^o) 
bogig  gev/ölbt,  in  der  Mitte  kaum  merklich  eingedrückt. 
Hinterrand  des  10.  Sternites  (Fig.  16  st^o)  gerade.  Der 
Hinterrand  der  Subgenitalplatte  (Fig.  16  stg)  nach  der  Mitte 
stumpfwinklig  verlaufend,  in  der  Mitte  verlängert  die  Sub- 
genitalplatte sich  zu  einer  ungefähr  1 14  so  breiten  wie  langen, 
fast  rechteckigen  Platte,  die  nicht  ganz  die  Breite  des 
Viertels  der  Abdominalbreite  erreicht,  an  der  Basis  kantig 
umgeknickt,  am  Hinterrande  flach  eingedrückt  ist  und 
den  Hinterrand  des  9.   Sternites  fast  erreicht. 

Flügel  ziemlich  zart,  Adern  dünn.  Vorderflügel  schmal; 
sc  erreicht  fast  das  Ende  des  2.  Flügeldrittels.  Zwischen 
c  und  sc  im  Vorderflügel  11 — 12,  im  Hinterflügel  ca.  7  Quer- 
adern. Pterostigma  im  Vorderflügel  mit  ca.  2 — 3,  im 
Hinterflügel  mit  ca.  4 — 5  Queradern.  Medianzelle  im 
Vorderflügel  mit  ca.  6,  im  Hinterflügel  ohne  Queradern. 
Zwischen  cu^  und  CU2  im  Vorderflügel  7,  im  Hinterflügel 
ca.   6    Queradern.      Zwischen    den  Enden    von  Yj  und  cug 

Stett.  entomol.   Zeit.   1909. 


335 

münden  im  Vorderflügel  9 — 11,  im  Hinterflügel  ca.  8  Äste 
in  den  Außenrand.  Stiel  der  Zelle  R5  im  Hinterflügel  sehr 
lang.     I.  Axillaris  im  Hinterflügel  mit  ca.  3  Ästen. 

Schmutzig  ockergelb;  Kopf  oben  dunkelbraun,  die 
ovalen  Erhebungen  seitlich  der  Ocellen  rötlich  grau;  Pro- 
thorax oben  braun,  Vorderrandsaum  bräunlich  gelb.  Fühler, 
Maxillar-  und  LabialpaJpen  braun.  Cerci  ockergelb,  Spitzen- 
viertel blaßbraun.  Beine  ockergelb,  Endhälfte  der  Vorder- 
schenkel, Enddrittel  der  Mittelschenkel,  Endviertel  der 
Hinterschenkel,  die  Schienen  und  Tarsen  schwarzbraun. 
Flügel  blaßbraun,  hyalin,  Adern  hellbraun,  einige  Zellen 
der  Flügelmitte  mit  blasser  Mitte.  Membran  beider  Flügel 
glänzend  und  schwach  rötlich  bis  grünlich  irisierend. 

Körperlänge  15  mm;  Vorderflügellänge  18  mm;  Ab- 
dominallänge 6%  mm;  größte  Vorderflügelbreitc  4V2  mm; 
Prothorakalbreite  3  mm. 

Java.     I  $. 

Type  im  Stettiner  Zoologischen  Museum. 

Ochthopetina  Conradti  nov.  spec. 
(Flg.  17.) 

$.  Kopf  ca.  i%mal  so  breit  wie  lang,  poliert  glatt. 
Fühler  sehr  dünn,  etwa  ^/^  der  Vorderflügellänge,  Pubescenz 
sehr  kurz.  Augen  groß,  Schläfen  mäßig  kurz.  Die  beiden 
Ocellen  ziemlich  klein,  ihr  Abstand  voneinander  ca.  2  Ocellen- 
durchmesser,  ihr  Abstand  vom  Augenrand  etwa  3V2  Ocellen- 
durchmesser.  Die  flache  Beule  seitlich  der  Ocellen  ist  rund- 
lich, ringwallartig  und  poliert  glatt;  ihr  Durchmesser  ist 
ein  wenig  größer  als  der  Ocellendurchmesser ;  ihr  Abstand 
von  den  Ocellen  und  vom  Augenrand  ist  ca.  ein  Ocellen- 
durchmesser.    Maxillar-  und  Labialpalpus  sehr  schlank. 

Prothorax  ca.  i%mal  so  breit  wie  lang.  Vorderrand 
stark  nach  vorn  gebogen.  Vorderecken  sehr  scharf,  Seiten 
etwas  nach  hinten  konvergierend;  Oberseite  glatt,  Quer- 
furche  nahe   am  Vorderrande   fein  und  nicht  sehr  scharf; 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


336 

Medianfurche  fein  und  sehr  seicht,  Seiten  unregelmäßig 
gerunzelt.  Meso-  und  Metanotum  glatt.  Pubescenz  von 
Kopf  und  Thorax  fast  verschwindend,  von  Schläfen,  Ab- 
domen und  Beinen  länger.  Die  beiden  ersten  Tarsengheder 
kurz,  das  3.  schlank.  Cerci  mäßig  dünn,  fast  doppelt  so 
lang  wie  das  Abdomen,  das  erste  Ringel  sehr  kurz,  das 
4.  Ringel  so  lang  wie  breit.  Hinterrand  des  10.  Tergites 
(Fig.  17  tgio)  in  der  Mitte  scharf  stumpfwinklig.  Hinter- 
rand des  IG.  Sternites  (Fig.  17  stj,,)  gerade.  Hinterrand 
der  Subgenitalplatte  (Fig.  17  stg)  gerade,  in  der  Mitte  eine 
winzige  in  der  Mitte  eingebuchtete  und  an  der  Basis  um- 
geknickte Vorwölbung;  das  9.  Sternit  bleibt  so  hier  völlig 
unbedeckt. 

Flügel  zart,  Adern  dünn.  Vorderflügel  ziemlich  schmal; 
sc  etwas  über  die  Flügelmitte  reichend.  Zwischen  c  und  sc 
im  Vorderflügel  9 — ii,  im  Hinterflügel  7 — 8  Queradern. 
Pterostigma  im  Vorderflügel  mit  ca.  5,  im  Hinterflügel 
mit  ca.  3 — 4  Queradern.  Medianzelle  im  Vorderflügel  mit 
6 — 7,  im  Hinterflügel  ohne  Queradern.  Zwischen  cu^  und 
CU2  im  Vorderflügel  ca.  7,  im  Hinterflügel  6 — 7  Queradern. 
Zwischen  den  Enden  von  r^  und  cu^  münden  im  Vorder- 
flügel 7 — 8,  im  Hinterflügel  ca.  6  Aste  in  den  Außenrand. 
Stiel  der  Zelle  R5  im  Hinterflügel  mäßig  lang.  i.  Axillaris 
im  Hinterflügel  mit  2  Ästen. 

Ockergelb,  Augen,  Fühler  und  Palpen  schwarz,  ebenso 
ein  Fleck  zwischen  den  Ocellen  bis  zum  Kopfliinterrand ; 
Pronotum  oben  rostbraun;  Cerci  schwarz,  an  der  Basis 
ockergelb;  Beine  ockergelb,  Endhälfte  des  Vorderschenkels, 
Endsechstels  des  Mitteschenkels  schwarz,  Hinterrand  des 
Hinterschenkels  sehr  fein  schwarz  gesäumt.  Schienen  und 
Tarsen  schwarz,  Flügel  blaßbräunlich  hyalin,  Adern  hell- 
braun, ungesäumt.  Membran  des  Vorderflügels  mäßig 
stark  rot  bis  gelb,  hier  und  da  auch  bis  grün,  des  Hinter- 
flügels lebhaft  in  allen  Farben  irisierend. 

Stett.  eutomol.   Zeit.    1909. 


337 

Körperlänge  ii  mm;  Vorderflügellänge  -'14'  rrim ;  Ah- 
.dominallänge  4 14  mm;  größte  Vorderflügelbreite  3  irim; 
-Frothofakalbreite  2^  mm.  ..;::;:  j-.;.:-:^.>.   ..''-i 

■     Kamerun.         Barombi.       i    ?.      Gesammelt     von 
C  o  ri  r  a  d  t. 

Type  im  Stettiner  Zoologischen  Museum. 

Gewidmet  wurde  diese  Species  dem  Sammler  Herrn 
Leopold  C  o  n  r  a  d  t.  '     - 

Ochthopetina  fulgescens  nov.  spec.  ,.'..    -i 

(Fig.  18.)  ■■■■■■■■' 

^.  Kopf  sehr  breit,  ca.  2  mal  so  breit  wäe  lang,  vorn 
breit  abgestutzt,  matt  glanzlos.  Fühler  ziemlich  dünn, 
Pubescenz  ziemlich  kurz.  Augen  sehr  groß,  stark  gewölbt 
abstehend;-  vordere  Hälften  der  Innenränder  fast  parallel, 
geradlinig,  nur  schwach  nach  hinten  konvergierend,  hintere 
Hälften  ebenfalls  geradlinig,  aber  stark  divergierend  und 
treffen  mit  ersterer  Hälfte  stumpfwinklig  zusammen. 
Schläfen  ziemlich  breit,  Außenränder  stark  nach  hinten 
konvergierend.  Ocellen  mäßig  klein,  ihr  Abstand  von- 
einander ca.  2  Ocellendurchmesser  lang,  vom  Augenrand 
ca.  3  Ocellendurchmesser.  Dicht  hinter  den  Ocellen  ein 
seichter  Quereindruck.  Die  flache  Beule  seitlich  der  Ocellen 
ist  nach  vorn  allmählich  ohne  Grenze  verlaufend  und  nur 
nach  den  Seiten  und  hinten  abgegrenzt;  innen  liegt  sie 
sehr  dicht  an  dem  Ocellus  und  ist  nur  durch  eine  sehr 
scharfe  Furche  von  ihm  geschieden;  die  Form  der  Beule 
ist  rundlich  und  zieht  sich  nur  dicht  vor  den  Ocellen  nach 
innen  et^^as  spitz  aus,  ihr  Durchmesser  ist  ca.  ii/4  Ocellen- 
durchmesser, ihr  Abstand  vom  Augenrand  wenig  länger.' 
Maxillar-  und  Labialpalpus  schlank. 

Prothorax  vorn  ca.  i34rn3-l  so  breit  wie  lang;  Vorder- 
ecken außerordentlich  scharf,  Seiten  gerade,  etwas  nach 
hinten   konvergierend;    Querfurche   sehr   dicht   am   Vorder- 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909,  22 


338 

rand,  fein  und  ziemlich  scharf;  ziemhch  matt;  Median- 
furche sehr  scharf,  Seiten  undeuthch  seicht  gerunzelt.  Meso- 
und  Metanotum  glatt.  Pubescenz  von  Kopf  und  Thorax 
fast  fehlend  kurz,  von  Abdomen  und  Beinen  länger.  Die 
beiden  ersten  Tarsenglieder  ziemlich  kurz,  das  3.  schlank. 
Cerci  mäßig  dünn,  Länge  ?  (abgebrochen),  die  beiden  ersten 
Ringel  sehr  kurz.  Hinterrand  des  10.  Tergites  (Fig.  18  tgio) 
in  der  Mitte  flach  stumpfwinklig.  Hinterrand  des  10.  Sternites 
ziemlich  geradlinig.  Subgenitalplatte  (Fig.  18  stg)  mit 
geradem  Hinterrand  ohne  jeden  Anhang,  wie  die  übrigen 
Sternite. 

Flügel  dünn  und  zart,  Adern  dünn.  Vorderflügel  mäßig 
schmal;  sc  reicht  bis  über  die  Flügelmitte.  Zwischen  c  und 
sc  im  Vorderflügel  9 — 10,  im  Hinterflügel  7 — 9  Queradern. 
Pterostigma  im  Vorderflügel  mit  ca.  5 — 8,  im  Hinterflügel 
mit  ca.  3 — 4  Queradern.  Medianzelle  im  Vorderflügel  mit  7, 
im  Hinterflügel  ohne  Queradern.  Zwischen  cu^  und  cuo 
im  Vorderflügel  ca.  6 — 7  ,im  Hinterflügel  ca.  5 — 6  Quer- 
adern. Zwischen  den  Enden  von  r,  und  cu^  münden  im 
Vorderflügel  ca.  9 — 11,  im  Hinterflügel  ca.  6 — 7  Äste  in 
den  Außenrand.  Stiel  der  Zelle  R5  im  Hinterflügel  etwas 
länger  als  der  hintere  Gabelast.  i.  Axillaris  im  Hinter- 
flügel mit  ca.  4  Ästen. 

Schmutzig  gelb.  Vor  den  Ocellen  2  kleine  rundliche, 
braune,  verwaschene  Flecken,  Augen  schwarz.  Alle  An- 
hänge gelblich.  Hinterrand  der  Schenkel  oben  fein  schwarz 
gesäumt.  Vorderflügel  stark  rot  bis  grün  bis  blau,  Hinter- 
flügel sehr  stark  in  allen  Farben  irisierend. 

Körperlänge  14  mm;  Vorderflügellänge  20  mm;  Ab- 
dominallänge 51/2  mm;  größte  Vorderflügelbreite  5  mm; 
Prothorakalbreite  3V2  mm. 

Nord-Bor  neo.  Kina  Balu.  i  $.  Gesammelt 
von  Waterstrad  t. 

Type  im  Stettiner  Zoologischen  Museum. 

Stett.  entomol.  Zeit,  1909. 


339 


Ochthopetina  luteola  (Burm.  1835). 
(Fig.  I9-) 
Perla  luteola    Burmeister.  Handb.  d.  Entomol.  2.  Bd.  1835, 
p.  881. 

Burm.,     Pictet,     Hist.     nat.     Ins.     Neuropt.; 
Perlides.   1841.  p.  257.  PI.  26.  Fig.  5—7- 
Neoperla  pilosella  Klapalek.    Mitt.    Naturhist.    Mus.    Ham- 
burg.    XXII.   1905.  p.   103,  Fig.   I.     S- 
Ochthopetina  luteola  (Burm.)  m. 

(^$.     Kopf  ca.  ly.  mal  so  breit  wie  lang,  poliert  glatt. 
Fühler    dünn.    Länge    ungefähr    ^3    der    Vor  der  flügellänge, 
Pubescenz    sehr    kurz.       Maxillar-    und    Labialpalpus    sehr 
schlank   und   dünn.      Augen   mäßig   groß,    Schläfen   mäßig 
schmal.       Ocellen    mäßig    groß,    nahe    am    Kopfhmterrand 
und  sehr  nahe  der  Tangente  durch  die  Augenhinterr ander, 
ihr  Abstand  voneinander  etwa  iV.  des  Ocellendurchmessers, 
vom  Augemand  bemi  ö^  ca.  2V4.  beim  ?  ca.  2!/^  Ocellen- 
durchmesser.    Die  flache  Beule  seithch  der  Ocellen  ist  lang- 
oval,   quergestellt,    glatt,    ohne    waUartigen    Rand,    ist    em 
wenig  länger  als  der  Ocellendurchmesser,  und  ihr  Abstand 
von  den  Ocellen  ist  ca.  %  Ocellendurchmesser,  vom  Augen- 
rand ca.  I  Ocellendurchmesser.     Am  Scheitelhinterrand  ist 
eine   mehr   oder   weniger   kurze   mediane    Längsfurche,    die 
häufig  vom  Vorderrand  des  Pronotum  verdeckt  wird. 

Prothorax  ca.   1^3  mal  so  breit  wie  lang,  Vorderecken 
sehr  scharf,  Seiten  gerade,  nach  hinten  etwas  konvergierend; 
Oberseite  glatt,    Querfurche  dicht  am  Vorderrand  ziemlich 
fein   und   ziemhch   scharf;    Medianfurche   sehr   fem,    Seiten 
unregelmäßig    gerunzelt.        Meso-    und    Metanotum    glatt. 
Pubescenz  von  Kopf  und  Thorax  kurz,  von  Schlafen,  Ab- 
domen und  Beinen  etwas  länger.      Schienen  der   S  etwas 
stärker  verbreitert  als  die  der  ?.    Die  beiden  ersten  Tarsen- 
glieder  sehr  kurz,  das  3.  schlank.     Cerci  mäßig  dünn,  etwa 
iV,  (9)  bis  1%  iS)  der  Abdominallänge,  die  4  ersten  Rmgel 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


340 

sehr  kurz;  erst  vom  g.  Ringel  ab  so  lang  wie'  breit  (Fig.  19); 
beim  cJ  schon  vom  4.  Ringel  ab  so  lang  wie  breit,  und  nur 
die  ersten  2  Ringel  sehr  kurz.  Der  Hinterrand  des  10.  Ster- 
nites  des  $  (Fig.  19)  in  der  Mitte  stark  gebogen,  Ecke  ab- 
gerundet. Hinterrand  des  10.  Sternites  des  $  in  der  Mitte 
und  an  den  Seiten  flach  ausgebuchtet,  so  daß  sich  zwischen 
diesen  3  Buchten  2  kleine  abgerundete  Ecken  befinden. 
(Fig.  19  stjo).  Hinterrand  der  Subgenitalplatte  (Fig.  19  stg) 
gerade,  ohne  jeden  Anhang,  wie  die  übrigen  Sternite.  S.Tergit 
in  der  Mitte  mit  einer  dreieckigen  Platte,  die.  etwas  vor 
dem  Hinterrand  inseriert  und  ihn  etwas  überragt;  Spitze 
etwas  abgerundet.  Die  stielförmigen  nach  vorn  gerichteten 
Anhänge  der  beiden  Cercusbasipodite  sehr  lang  und  dünn 
(cf.  Klapalek  1.  c,  p.  104,  Fig.  i). 

Flügel  zart,  Adern  dünn.  Vorderflügel  mäßig  schmal; 
sc  etwas  über  die  Flügelmitte  reichend.  Zwischen  c  und  sc 
im  Vorderflügel  12 — 15,  im  Hinterflügel  6 — 7  Queradern. 
Pterostigma  im  Vorderflügel  mit  ca.  4 — 5,  im  Hinterflügel 
mit  ca.  3 — 5  Queradern.  Medianzelle  im  Vorderflügel  mit 
ca.  5,  im  Hinterflügel  ohne  Queradern.  Zwischen  cu,  und 
cuo  im  \'orderflügel  ca.  4 — 5,  (beim  o  zuweilen  3)  im 
Hinterflügel  2 — 4  Queradern.  Zwischen  den  Enden  von 
r^  und  cuo  münden  im  Vorderflügel  beim  (^  6 — 8,.  beim 
$  6 — 9,  im  Hinterflügel  5 — 7  Äste  in  den  Außenrand.  Stiel 
der  Zelle  R3  im  Hinterflügel  mäßig  kurz.  i.  Axillaris  im 
Hinterflügel  mit  2,  selten  3  xlsten. 

Ockergelb;  Kopf  oben  bräunlichgelb,  Ocellen  innen 
dunkelbraun  gesäumt,  Stirn  vorn  mehr  oder  weniger  rost- 
braun. Augen  schwarz.  Pronotum  mehr  oder  weniger 
bräunlich  gelb  bis  gelbbraun,  Seitenrand  häufig  heller  oder 
ockergelb.  Fühler  braun  bis  dunkelbraun,  das  Basalglied 
bräunlich  gelb,  zuweilen  auch  mehr  oder  weniger  die  Basah 
glieder  der  Geißel.  Maxillar-  und  Labialpalpus  gelbbraun, 
Beine   ockergelb,    Schenkel   an   der   Spitze   oben   ganz   fein 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909.  •. 


341 

hellbraun  bis  dunkelbraun  gesäumt,  Schienen  etwas  dunkler 
(schwach  bräunlich  grau  angehaucht),  ganz  an  der  Basis 
hellbraun,  zuweilen  fast  ganz  hellbraun.  Tarsen  ockergelb 
bis  bräunlich,  selten  dunkelbraun.  Spitze  des  3.  Gliedes 
braun.  Klauen  rostbraun.  Cerci  ockergelb,  Spitzenviertel 
bis  Spitzenhälfte  braun  (die  Cerci  werden  bei  schlecht 
konservierten  Stücken  leicht  grau). 

Vorderflügel  blaßbräunlich  angehaucht,  Adern  hell- 
braun bis  braungelb,  Costa  und  Subcosta  braungelb.  Spitzen- 
hälfte von  r^  meist  braun,  zuweilen  der  ganze  Radialstamm 
braun.  Hinterflügel  hyalin  farblos,  meist  an  der  Spitze 
schwach  getrübt,  Adern  blaßockergelb,  rj  häufig  bräunlich 
bis  hellbraun.  Vorderflügel  ziemlich  stark  rot  bis  gelb 
isierend,  Hinterflügel  sehr  stark  und  lebhaft  violett,  blau 
bis  gelbgrün  irisierend ;  selten  hat  auch  der  Vorderflügel 
ähnlichen  Farbenglanz  wie  der  Hinterflügel. 

Körperlänge  (^  5I/2 — 8%  mm*),  $  8 — 12  mm;  Vorder- 
flügellänge  3*  814 — 11  mm,  $  11 — 15  mm;  Abdominallänge 
^  2 — 4  mm,  $  314 — 4V2  ii^ni;  größte  Vorderflügelbreite 
cJ  2 1/4 — 3 14  mm,  $  3 — 4 1/2  mm;  Prothorakalbreite  (^ 
lYi — 2  mm,  $  1% — 2%  mm. 
-      J  a  V  ä.     I  $. 

:"    Malakka.     Kelanton.     2  ?.     Perak,  i  $. 
■   '   S  u  m  a  t  r  a.    Soekaranda.    7  J,  6  ?.    Dr.  H.  D  o  h  r  n. 
L'iangägas.     i  $.     Dr.  H.  Dohrn.  "•.;■■: 

Ncoperla  püosella  Klap.  1805  ist  das  J  zu  N.  luteola 
(Burm.).  Klapalek  bildet  1.  c.  p.  104  die  Abdominalspitze 
dBs'  ^  von  der  Oberseite,  ab,  die  völlig  mit  denen  der  vor- 
liegenden Stücke  übereinstimmt. 

Ochthopetina  minutissinia  nov  spec. 
(Fig.  28  und  Textfigur.) 
$.    Kopf  relativ  lang,  1 14  mal  so  lang  wie  breit,  poliert 

^*)  Nach  trockenen  Stücken.     KlapiUek  giebt  1.  c.  die  Körperlänge 
des  1^  mit  9  mm  an. 

St«tt.  entomol.  Zeit.   1909. 


342 

glatt.  Fühler  sehr  dünn,  Pubescenz  kurz.  Augen  groß, 
Schläfen  mäßig  breit.  Die  beiden  Ocellen  ziemlich  klein, 
sie  liegen  sehr  weit  entfernt  vom  Hinterhauptrand,  ihre 
Glitte  wird  geschnitten  von  der  Geraden  durch  die  Augen- 
mitten; ihr  Abstand  voneinander  beträgt  2  Ocellendurch- 
messer,  ebenso  der  vom  Augenrand.  Mitten  zwischen  den 
hinteren  Teilen  der  Ocellen  liegen  2  kleine  rundliche  flache 
Beulen,  deren  Durchmesser  je  etwa  14  Ocellendurchmesser 
beträgt  und  die  durch  eine  Medianfurche  vonemander  ge- 
schieden sind.  Die  Stirnbeulen  seitlich  der  Ocellen  sind 
weit  nach  vorn  gerückt  und  tangieren  fast  die  Tangente 
durch  die  Vorderränder  der  Augen;  sie  sind  rundlich,  klein, 
höckerartig  (nicht  flach) ;  ihr  Abstand  von  den  Ocellen  ist 
fast  114  Ocellendurchmesser,  vom  Augenrand  ca.  i  Ocellen- 
durchmesser. 

Prothorax  ca.  134  mal  so  breit  wie  lang,  Vorderecken 
sehr  scharf;  Seiten  gerade,  nach  hinten  stark  konvergierend; 
Oberseite  ziemlich  glatt,  Querfurche  dicht  am  Vorderrand 
außerordentlich  fein;  Medianfurche  äußerst  fein;  Seiten 
ziemlich  dicht  unregelmäßig  gerunzelt.  Meso-  und  Meta- 
notum  glatt.  Pubescenz  von  Kopf  und  Thorax  sehr  kurz, 
von  Abdomen  und  Beinen  relativ  sehr  lang.  Die  beiden 
ersten  Tarsenglieder  sehr  kurz,  3.  schlank.  Cerci  dünn, 
etwa  in  Abdominallänge  abgebrochen;  der  erste  Ringel  sehr 
kurz,  2.  und  3.  Ringel  doppelt  so  breit  wie  lang,  4.  Ringel 
schon  ein  wenig  länger  als  breit,  8.  Ringel  schon  doppelt 
so  lang  wie  breit  (nur  11  Ringel  vorhanden).  Der  Hinter- 
rand des  10.  Tergites  ganz  schwach  konvex.  Hinterränder 
des  8.,  9.  und  10.  Sternites  gerade. 

Flügel  sehr  zart,  Adern  sehr  dünn.  Die  ganze  Fläche 
beider  Flügel  auffällig  dicht  und  lang  pubesciert.  Vorder- 
flügel (Fig.  28)  schmal;  sc  endet  noch  vor  der  Mitte. 
Zwischen  c  und  sc  im  Vorderflügel  ca.  7 — 8,  im  Hinter- 
flügel ca.  3  Queradern;  letztere  wenig  deutlich.     Im  Ptero- 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


343 

Stigma  fehlen  in  beiden  Flügeln    Queradern.      Medianzelle 
im  Vorderflügel  mit  ca.  3,  im  Hinterflügel  ohne  Queradern. 


Cubitus  II  im  Vorderflügel  ist  außerordentlich  verkürzt 
und  nur  als  kurze  Ader  entwickelt,  die  schräg  nach  dem 
Flügelhinterrand  läuft.  Zwischen  cu^  und  cuo  im  Vorder- 
flügel nur  I  Querader,  im  Hinterflügel  ca.  2 — 3  Queradern. 
Zwischen  den  Enden  von  r^  und  CU2  münden  im  Vorder- 
flügel 7,  im  Hinterflügel  5  Äste  in  den  Außenrand.  Stiel 
der  Zelle  R5  im  Hinterflügel  ziemHch  lang,  mindestens 
1/4  länger  als  der  hintere  Gabelast. 

Ockergelb;  Augen  und  Ocellen  schwarz;  Fühler  mit 
Ausnahme  der  3  ersten  Glieder  dunkelbraun,  Palpen  bräun- 
lich gelb.  Pronotum  braungelb.  Schenkel  innen  und 
Schienen  außen  der  Länge  nach  bräunlich  gesäumt,  3. 
Tarsenglied  bräunhch.  Die  beiden  letzten  noch  vorhandenen 
Glieder  der  Cerci  schwach  angebräunt. 

Flügel  ockergelblich,  Adern  ockergelb.  Membran  schwach 
rötlich  bis  grünlich  irisierend. 

Körperlänge  6  mm ;  Vorderflügellänge  8  mm ;  Abdominal- 
länge 2  3/4  mm ;  größte  Vorderflügelbreite  2  V2  mm ;  Prothora- 
kalbreite  1V4  mm. 

S  u  m  a  t  r  a.     Soekaranda.     i  ?.     Dr.  H.  D  o  h  r  n. 

Type  im  Stettiner  Zoologischen  Museum. 

Ochthopetina  camerunensis  nov.  spec. 

(Fig.  21  und  23.) 

$.      Kopf  ca.   1 1/3  mal  so  breit  wie  lang,   poliert  glatt. 

Fühler  dünn,  Pubescenz  kurz.    Augen  groß,  Schläfen  mäßig 

lang.    Die  beiden  Ocellen  (Fig.  23)  relativ  groß,  ihr  Abstand 

voneinander  ca.   1%  Ocellendurchmesser,  ihr  Abstand  vom 

Stett.  entomol.  Zeit.    1909. 


3i4 

A-ugenrand  ca.   2%,  Ocellendurchmesser.     Die  flache   vStirn- 
beule  (Fig.  23)  langoval,  etwas  schräg  quer,  ihre  Längsachse  . 
ungefähr  i  Ocellendurchmesser,  ihr  Abstand  von  den  Ocellen 
und  vom  Augenrand  ist  gleich   und  etwa   i  Ocellendurch- 
messer oder  wenig  mehr.      Palpen  schlank. 

Prothorax  vorn  etwa  1I/2  rnal  so  breit  wie  lang;  Vorder- 
ecken sehr  scharf,  Seiten  gerade,  ziemlich  stark  nach  hinten 
konvergierend;  Oberseite  glatt,  mit  breiten  und  flachen 
Runzeln,  Querfurche  dicht  am  \'orderrand  fein  und  mäßig 
scharf;  Medianfurche  sehr  fein,  seitlich  davon  je  eine  nach 
außen  schwach  konkave,  mehr  oder  weniger  scharfe  Furche. 
Meso-  und  Metanotum  glatt.  Pubescenz  von  Kopf  und 
Thorax  fast  verschwindend,  von  Schläfen,  Abdomen  und 
Beinen  länger.  Die  beiden  ersten  Tarsenglieder  sehr  kurz, 
das  3.  schlank.  Cerci  ziemlich  dünn,  ungefähr  um  die  Hälfte 
länger  als  das  Abdomen;  der  erste  Ringel  sehr  kurz,  schon 
der  5.  Ringel  so  lang  wie  breit.  Hinterrand  des  10.  Tergites 
(Fig.  21)  konvex,  abgerundet.  Hinterrand  des  10.  Sternites 
(Fig.  21  stjo)  fast  gerade,  nur  wenig  konvex.  Subgenital- 
platte  (Fig.  21  stj^)  mit  geradem  Hinterrand,  völlig  ohne 
Skulptur. 

■''  Flügel  ziemlich  zart,  Adern  dünn.  Vorderflügel  mäßig 
schmal.  Zwischen  c  und  sc  im  Vorderflüge]  ca.  11 — 12, 
im  Hinterflügel  ca.  4 — 8  Queradern.  Pterostigma  im  Vorder- 
flügel mit  ca.  2 — 3,  im  Hinter flügel  mit  ca.  2 — 4  Quer- 
adern. Medianzelle  im  Vorderflügel  mit  ca.  4—7,  im  Hinter- 
flügel ohne  Queradern.  Zwischen  cu^  und  cuo  im  Vorder- 
flügel ca.  3 — 5,  im  Hinterflügel  ca.  3 — 5  Queradern. 
Zwischen  den  Enden  von  r^  und  cug-  mündeh  Im  Vorder- 
flügel 7,  im  Hinterflügel  6,' selten  7  Äste  in  den  Außenrand. 
Stiel"  der  Zelle  R5  im  Hinterflügek  mäßig  kurz.  i.  Axillaris 
im  Hinterflügel  mit  2  Ästen. 

;  Ockergelb;  Pronotum  etwas  mehi'  bräunlich,  Abdomen 
blaßge.lblich.    Fühler  braun,  Basalglied  ockergelb.    Maxillar- 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


345- 

und  Labialpalpus  ockergelb  bis  blaßbraun.  Zwischenraum 
zwischen  den  Ocellen  dünkelbraun.  Cerci  mit  hellbrauner 
Spitze.  Schienen  oben  meist  etwas  graubräunlich,  Tarsen 
meist  etwas  bräunlich.  Vorderflügel  hyalin,  schwach  blaß- 
bräunlich behaucht,  Adern  hellbräunlich  gelb.  Hinter- 
flügel hyalin,  Spitze  schwach  angehaucht,  Adern  ocker-, 
gelblich.  Vorderflügel  mäßig  stark  rötlich,  bis  rotviolett 
bis  gelblich  irisierend,  Hinterflügel  sehr  lebhaft,  besonders 
blau  bis  gelb  irisierend. 

Körperlänge  9 — 12  nmi;  Vorderflügellänge  12 — 13  mm;: 
Abdominallänge  4 1,4 — 6  mm;  größte  Vorderflügelbreite  3^- 
bis  4  mm;  Prothorakalbreite  ca.  2  mm. 

Kamerun.      Barombi.      7   $.      Gesammelt    von   U. 
Conr'adt. 

T\^pen  im  Stettiner  Zoologischen  Museum. 

Ochthopetina  didita  nov.  spec,     ;^ 
(Fig.  22  und  24.) 

Diese  Species  steht  der  Neoperla  camer unensis  Enderl. 
sehr   nahe,    unterscheidet   sich    aber   von   dieser   vor   allem 
durch     die     weit     auseinandergerückten    kleineren    Ocellen 
(Fig.  24).    Das  10.  Tergit  ist  ein  wenig  stärker  konvex  und. 
in  der  Mitte  eine  Spur  eingedrückt.     Im  VorderflügeL  sind' 
zwischen  cu^  und  cu.,  6  (gegen  3 — 5),   im  Hintelflügel  5 — 6; 
(gegen  3—5)    Queradern. 

Abstand    der    beiden    Ocellen    voiheinander    etwa    2% 
Oce4kndurchmesser,     ihr    Abstand    vom    Aügenrand    etwa: 
3%  Ocellendurchmesser. 

Körperlänge  10— 10 1/2  mm;  Vorderfltigellänge  121/2. 
bis  13 14  mm;  Abdominallänge  4 — 41/2  mm;  größte  Vorder- 
flügelbreite 4  mm;  Prothorakalbreite  2y^  mm. 

Kamerun.  Barombi.  2  ?.  Gesammelt  vori  L. 
C  o  n  r  a  d  t. 

Typen  im  Stettiner  Zoologischen  Museum. 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


346 

Acroneuria  Pict.  1841. 

Acroneuria  (Niponiella)  nobilitata  nov.  spec. 

(Fig.  27.) 

$.  Kopf  1 14  mal  so  breit  wie  lang,  flach,  matt,  vorn 
glatt.  Endglied  des  Maxillarpalpus  dünn,  %  des  vorher- 
gehenden Gliedes.  Fühler  lang  und  nach  der  Spitze  sehr 
dünn  werdend;  etwa  %  der  Vorderflügellänge;  Pubescenz 
nur  äußerst  kurz.  Hintere  Ocellen  groß,  der  vordere  Ocellus 
kaum  halb  so  groß;  zu  gleichseitigem  Dreieck  angeordnet; 
eine  Seite  davon  etwa  %  vom  Ocellusabstand  vom  Auge. 
Augenrand   an   der   hinteren    Innenecke   schräg   abgestutzt. 

Thorax  ziemhch  glatt.  Prothorax  mit  seichten  Runzeln, 
Mediankiel  fein  längsgefurcht;  Querfurche  sehr  nahe  dem 
Vorderrand;  Seiten  fast  gerade,  nur  wenig  nach  hinten 
konvergierend;  vordere  Seitenecken  sehr  scharf,  hintere 
abgerundet.  Thorax  und  Kopf  nur  mikroskopisch  kurz 
pubesciert.  Beine  und  Abdomen  dicht  und  kurz  pubesciert. 
Die  beiden  ersten  Tarsenglieder  sehr  kurz,  3.  lang  und 
schlank.  Cerci  an  der  Basis  ziemlich  dick,  allmählich  nach 
dei  Spitze  zu  verdünnt.  Die  Cerci  erreichen  nicht  die  Ab- 
dominallänge. 2. — 5.  Glied  sehr  kurz  (Fig.  27).  Subgenital- 
platte  (Fig.  27)  des  $  breit  abgerundet,  in  der  Mitte  schwach 
eingedrückt,  etwa  die  Hälfte  der  Länge  des  9.  Sternites 
freilassend. 

Flügel  kräftig,  Vorder flügel  sehr  schlank.  Discoidal- 
zelle  der  Hinterflügel  und  des  rechten  Vorderflügels  mit 
I  Querader.  Zwischen  c  und  sc  im  Vorderflügel  19 — 20 
Queradern,  im  Hinterflügel  mit  ca.  14.  Pterostigma  im 
Vorderflügel  mit  ca.  10 — 11,  im  Hinterflügel  mit  ca.  8 — 9 
Queradern.  Zwischen  cu^  und  cug  (Cubitalzelle  CuJ  im 
Vorderflügel  7 — 8,  im  Hinterflügel  6 — 8  Queradern.  Stiel 
der  Zelle  R5  im  Hinterflügel  mäßig  kurz,  fast  14  des  hinteren 
Gabelastes.  Medianzelle  im  Vorderflügel  mit  8 — 10  Quer- 
adern, im  Hinterflügel  ohne  Queradern.  Zwischen  den  Enden 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


347 

von  fj  und  cug  münden  im  Vorderflügel  17 — 19,  im  Hinter- 
flügel 14 — 15  Äste  in  den  Außenrand.  Queradern  in  der 
Flügelmitte  außerhalb  der  Anastomose  in  einer  Anzahl 
von  ca.  4 — 10.     I.  Axillaris  im  Hinterflügel  4  ästig. 

Ockergelb;  schwarz  sind:  die  Fühler  mit  Ausnahme  des 
I.  Gliedes,  Labial-  und  Maxillarpalpus,  ein  kreisrunder 
Fleck,  der  die  3  Ocellen  tangiert,  die  Cerci  mit  Ausnahme 
des  I.  Gliedes,  das  Spitzendrittel  der  Schenkel,  die  Schienen 
und  die  Tarsen.  Schwarzbraun  ist  das  Antedorsum  und 
Dorsum  des  Mesonotum  und  das  Dorsum  des  Metanotum. 
Flügel  ockergelb,  Hinterflügel  blasser,  die  Flügelspitzen 
sind  braun,  beim  Vorderflügel  etwa  '^ j -,  der  Flügellänge, 
beim  Vorderflügel  etwa  ^/j  der  Flügellänge.  Membran  stark 
speckig  glänzend,  Hinterflügel  schwach  grün  bis  rot  iri- 
sierend. Körperpubescenz  ockergelb,  an  den  schwarzen 
Stellen  schwarz. 

Körperlänge  28  mm ;  Vorderflügellänge  32  mm ;  Ab- 
dominallänge 13,5  mm;  größte  Vorderflügelbreite  8,5  mm; 
Prothorakalbreite  4,5  mm. 

T  o  n  k  i  n.  Manson-Gebirge.  2 — 3000  Fuß  hoch. 
April-Mai.     i  $.     H.  F  r  u  h  s  t  o  r  f  e  r. 

Perla  Geoffr.  1762. 

Perla  canilimbata  nov.  spec. 
(Fig.  26.) 
$.  Kopf  ca.  11/2  mal  so  breit  wie  lang,  flach,  ziemlich 
glatt  poliert.  Fühler  ziemlich  dünn,  fadenförmig,  an  der 
Basis  wenig  dicker,  Pubescenz  sehr  kurz.  Augen  mäßig 
groß,  hinter  ihnen  ziemlich  breite  Schläfen.  Ocellen  zu 
großem  gleichseitigen  Dreieck  angeordnet;  Abstand  der 
hinteren  voneinander  etwas  kürzer  als  ihr  Abstand  vom 
Augenrand ;  vorderer  Ocellus  etwa  halb  so  groß  wie  die 
hinteren.  Flache  Beule  seitlich  der  hinteren  Ocellen  schlank 
bohnenförmig.       Maxillarpalpus    lang   und   dünn,    Endglied 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


348 

etwa  y^  des  vorletzten  (3.)  Gliedes.  Labialpalpus  lang 
und  dünn,  2.  Glied  etwa  8  mal  so  lang  wie  dick,  Endglied 
(3.   Glied)   etwa    %  desselben. 

Prothorax  ii/4  mal  so  breit  wie  lang,  ziemlich  matt- 
glänzend, mit  sehr  seichten  Runzeln  und  Furchen;  Median- 
kiel sehr  breit  und  sehr  seicht  mit  feiner,  aber  scharfer 
Medianfurche;  vordere  Seitenecken  ziemlich  scharf,  Seiten- 
ränder schwach  gebogen  und  etwas  nach  hinten  konver- 
gierend ;  Querfurche  am  Vordei^rand  etwas  nach  hinten 
konkav  gebogen,  das  abgetrennte  schmale  Feld  in  der  Mitte 
am  breitesten,  an  den  Seiten  fast  verschwindend.  Meso- 
und  Metanotum  stark  glänzend  glatt.  Pubescenz  von  Kopf 
und  Thora!x  fast  verscli windend  kurz.  i.  und  2.  Tarsen- 
glied  sehr  kurz,  beide  beim  Hinterbein  —  besonders  das  2.  — 
innen  mit  zahriartig  überstehendem  Endhöcker;  3.  Tarsen- 
glied  länger  und  schlank.  Abdomen  kurz  und  dicht 
pubesciert.  Cercilänge  ?  (da  abgebrochen),  vorhanden  ist 
ein  Stück  von  etwa  %  Abdominallänge;  mäßig  dick.  Sub- 
genitalplatte  (?)  sehr  lang  (etwa  3%  mm),  hinten  schmal 
abgerundet  und  nicht  eingebuchtet  (Figi  26);  sie  reicht  bei 
dem  größeren  $  fast  bis  zum  Hinterrande  des  lö.  Sternites 
(stio),  beim  kleineren  $  bis  etwas  hinter  den  Hinterrand 
des  9.  Sternites;  sie  ist  mehr  oder  weniger  stark  quer- 
gerunzelt.    Hinterrand  des  letzten  Tergites  gerade. 

Flügel  kräftig,  Adern  ziemlich  kräftig.  Vorderflügel 
schrtial  und  (mit  Ausnahme  der  Basis  und  Spitze)  fast 
gleichbreit.  Zwischen  c  und  sc  im  Vorderflügel  ca.  12 — 14 
Queradern,  irn  Hinterflügel  ca.  6—7.  Pterostigma  irri, 
Vorderflügel  mit  ca.  4 — 7,  im  Hinterflügel  mit  ca.'  5—6 
Qüeradern.  Stiel  der  Zelle  R5  im  Hinterflügek  ca.  14  des^- 
hinteren  Gabelastes.  Medianzelle  im  Vorderflügel  mit 
ca.'  8-^10  Queradern,  im  Hinterflügel  ohne  Queradern. 
Zwisthen  cu^  und  cuo  im  Vorderflügel  7 — 9,  im  Hinter- 
flügel .  7—9    Queradern,       Radiair amüs     im    Vorder-     und 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909.  ' 


349 

Hintterflügel  mit  4- Ästen.  Zwischen  den  Enden  von  r^  und 
.CII2  münden  im  Vorderflügel  n — 12,  im  Hinterflügel  8 — ^9 
Äste  in  den  Außenrand.  i.  Axillaris  im  Hinterflügel  4  ästig, 
4.  Ast  mehr  oder  weniger  lang. 

Ockergelb;  schwarz  sind  Maxillar-  und  Labialpalpus, 
Fühler  braun,  breiter  Mittelstreifen  der  Kopfoberseite  dunkel- 
braun (Grenze  mitten  durch  die  bohn-entörmigen  Hügel); 
Prothorax  oben  bräunlich.  Dorsum  und  Postdorsum  beirn 
Mesonotum  braun,  beim  Metanotum  blaßbräunlich.'  Die 
Beine  sind  ockergelb ;  bei  dem  größeren  $  sind  dunkelbraun 
die  Enddrittel  der  Schenkel  und  ihr  Außenrand,  die  ge- 
samte Schiene  (in  der  Mitte  ist  allerdings  eine  Spur  ein^r 
Aufliellung)  und  braun  die  Endhälfte  des  3.  Tarsengliedes ; 
beim  kleineren  ?  sind  dunkelbraun  nur  das  Enddrittel  des 
Schenkels,  das  Basalvicrtel  und  das  Enddrittel  der  Schiene 
und  bräunlich  die  Endhälfte  des  3.  Tarsengliedes.  Cerci 
ockergelb,  nach  der  Spitze  zu  schwach  angebräunt.  Flügel 
hellbraun,  Adern  braun,  Costalzelle,  Costa  und  ihre  Quer- 
äderchen  bis  zum  Ende  der  Subcosta  grauweißlich.  - 

Körperlänge  20,5 — 27  mm;  Vorderflügellänge  23,5  bis 
27,5  mm;  Abdominallänge  9,5-^12  mm;  größte  Vordef- 
flügelbreite  6 — 7,5  mm;.  Prothorakalbreite  4 — 5  mm. 

T  o  n  k  i  n.  Manson-Gebirge.  2 — 3000  Fuß  hoch. 
April-Mai.    2  ?.    H.  F  r  u  h  s  t  o  r  f  e  r. 

Typen  im  Stettiner  Zoologischen  Museuin.  -     :■  i.  ..  =  -> 

Die  ostindische  Perla  infuscata  Newm.  ist  dieser  Äri 
sehr  ähnlich,  unterscheidet  sich  aber  leicht  durch  die  am 
Hinterrande  tief  eingebuchtete  Subgenitalplatte,  die  japa- 
nische Perla  Umhat a  Pict.  ist  viel  kleiner  (16  mm)  und  die 
Maxillar-  und  Labialpalpen  sind  sehr  gedrungen,  2.  Ghed 
des  Labialpalpus  kaum  4  mal  so  lang  wie  dick.  •    -•--'" 

Perla  sikkimensis  nov.  spec.  /     ^.," 

(Fig.  25.)  "      '   '"^:: 

$.     Kopf  ca.  11/4  mal  so  breit  wie  lang,  flach,  ziemlich 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


:350 

glatt.  Fühler  ziemlich  dünn,  Pubescenz  sehr  kurz,  Augen 
ziemlich  groß,  Schläfen  schmal.  Ocellen  zu  großem  gleich- 
seitigen Dreieck  angeordnet,  vorderer  Ocellus  wenig  kleiner 
als  die  hinteren;  Abstand  der  hinteren  voneinander  ung- 
gefähr  so  groß  wie  ihr  Abstand  von  den  Augen,  Die  scharf- 
randige  flache  Beule  schräg  vor  und  seitlich  der  hinteren 
Ocellen  ist  etwas  schlankoval,  der  Rand  etwas  stärker  er- 
haben als  die  Fläche.  Maxillarpalpus  dick,  Endglied  (4.) 
sehr  dünn  (etwa  i/s  des  3.  Ghedes),  3.  etwa  %  der  Länge 
des  2.  Gliedes. 

Prothorax  etwa  114  so  lang  wie  vorn  breit,  Vorder- 
ecken sehr  scharf,  mit  einem  Winkel  von  etwas  geringer 
als  90";  Seiten  gerade,  ziemlich  stark  nach  hinten  konver- 
gierend; Oberseite  schwach  glänzend,  schwach  und  spärlich 
gerunzelt;  in  der  Medianlinie  eine  ziemlich  scharfe  Längs- 
furche, seitlich  und  parallel  davon  jederseits  ein  flacher 
Längswall;  die  Querfurche  parallel  zum  Vorderrand  flach 
und  wenig  deutlich.  Meso-  und  Metanotum  stark  glänzend. 
Pubescenz  von  Kopf  und  Thorax  fast  verschwindend  kurz, 
von  Abdomen  und  Beinen  etwas  länger.  Die  beiden 
I.  Tarsenglieder  kurz,  das  3.  sehr  lang  und  schlank.  Cerci 
ziemlich  kräftig  (Fig.  25),  soweit  vorhanden  fast  von  Ab- 
dominallänge. Hinterrand  des  10.  Tergites  nicht  gerade, 
sondern  in  der  Mitte  mit  fast  halbkreisförmiger  Vorwölbung, 
die  in  Figur  25  von  der  Unterseite  zu  sehen  ist  (Fig.  25  tg^o). 
Hinterrand  der  Subgenitalplatte  breit  gewölbt  und  seitlich 
der  kaum  merklich  abgestutzten  Mitte  schwach  eingedrückt 
(Fig.  25  stg) ;  sie  erreicht  nicht  ganz  den  Hinterrand  des 
9.  Sternites. 

Flügel  kräftig,  Adern  ziemlich  kräftig,  die  der  Außen- 
und  Hinterrandzone  zart.  Vorderflügel  ziemlich  schmal. 
Zwischen  c  und  sc  im  Vorderflügel  ca.  15 — 16,  im  Hinter- 
flügel ca.  8 — 9  Queradern.  Pterostigma  der  Subcosta  im 
Vorderflügel  mit  5  Queradern,  im  Hinterflügel  mit  ca.  4 — 6 

Stett,  entomol.  Zeit.  1909. 


'351 

Queradern.  Zwischen  cui  und  cu.,  im  Vorderflügel  7—8, 
im  Hinterflügel  6—7  Queradern.  Stiel  der  Zelle  R5  im 
Hinterflügel  ca.  V5  des  hinteren  Gabelastes.  Medianzelle 
im  Vorderflügel  mit  ca.  6—7,  im  Hinterflügel  ohne  Quer- 
adern. Zwischen  den  Enden  von  r^  und  cu^  münden  im 
Vorderflügel  14,  im  Hinterflügel  ii— 12  Äste  in  den  Außen- 
rand.    I.  Axillaris  im  Hinterflügel  mit  3—4  Ästen. 

Schmutzig  bräunlich  gelb;  Kopf  rostgelb;  Fühler, 
Augen  und  ein  rundlicher  Fleck  auf  dem  Scheitel,  der  die 
Ocellen  tangiert,  dunkelbraun;  Pronotum  braun,  Vorderrand 
gelblich;  die  beiden  Wölbungen  des  Dorsum  des  Meso-  und 
Metanotum  braun,  9.  und  10.  Abdominalsegment  und  die 
Cerci  gelblich  braun.  Spitzendrittel  der  Schenkel  braun. 
Schienen  und  Tarsen  hellbraun.  Flügel  hyalin  farblos, 
Adern  blaßbraun,  Radius  mit  Ausnahme  der  Äste  des 
Radialramus  ziemlich  dunkelbraun,  Costa  braungelb.  Mem- 
bran des  Vorderflügels  mäßig  stark,  des  Hinterflügels  leb- 
haft rot  bis  grün  irisierend. 

Körperlänge  18  mm;  Vorderflügellänge  24I/2  mm; 
Abdominallänge  6  mm;  größte  Vorderflügelbreite  61/0  mm; 
Prothorakalbreite  31/2  mm. 

S  i  k  k  i  m.     i  ?.     Type  im  Stettiner  Zoloog.  Museum. 


Figuren-Erklärung, 

Fig.  13.  Ochthopetina   aeripennis  Enderl.    ?.     Unterseite  der 

Abdominalspitze.     Vergr.  6:1. 

Buchstabenerklärungen  für  Fig.  13—27: 

st^   =   8.    Sternit    (Subgenitalplatte    des    $).      stg  =  9.    Sternit- 
8t,o  =  10.   Sternit.     tgg-tg.o  =  8-10.   Tergit.     oc  =  Ocelle.     stb  = 
Stirnbeule.     Die  Cerci  sind  ak  abgebrochen  gezeichnet. 
Fig.  14.  Ochthopetina  violaris   Enderl.     ?•      Unterseite    der 

Abdominalspitze.     Vergr.  6:  i. 

Stett.  entomol,  Zeit.  1909. 


m2 

Fig.  15.  Ochthopeiina  caligaia  (Burm.).     $.     Unterseite    der 

Abdominalspitze.     Verg-r.  6:1.' 
Fig.  16.  ,,  laminulata  Enderl,    $.    Unterseite  der 

.Abdominalspitze.     Vergr.  6:  i; 
Fig.  17.  ,,  Conradti  Enderl.     $.     Unterseite  der 

-Abdominalspitze.     Vergr.  6:  i. 
Fig.  18.  ,,  fulgescens  Enderl.     $.     Unterseite  der 

^:.;   •:  :         '  Abdominalspitze.     Vergr.  6:  r. 

Fig.  19.  ,,       ,       luteola    (Burm.).      $.      Unterseite   dej 

Abdominalspitze.     Vergr.  6:  r. 
Fig.  20.  ■,.  sumatrana  Ende.rl.     (^.    Oberseite  der 

Abdominalspitze.     Vergr.  6:  i.        ^ 
Fig.  21.  ,,  camerunensis  ^näitr\.  $.  Unterseite  der 

Abdominalspitze.     Vergr.  6:  i,    ;    : 
Fig.  22.  .,  didita    Enderl.       9.       Unterseite    der 

Abdominalspitze.     Vergr.  6:  i. 
-Fig.  .23.  ,,  cameyunensis    Enderl.       Stellung    der 

Ocellen  u.  Stirnbeulen.    Vergr.  6:  iL 
Fig.  24.,  ,,  didita   Enderl.      Stellung  der   Ocellen 

und  Stirnbeulen.    Vergr.  6:1. 
Fig.  25.  Perla  sikkimensis  Enderl.     $.     Unterseite  der  Ab- 
dominalspitze.    Vergr.  6:1. 
Fig.  26.       ,,       canilimhata  Enderl.     $.     Unterseite  der  Ab- 
dominalspitze.    Vergr.  6:1. 
Fig.  27.  Acroneuria    nobilitata  Enderl.      $.      Unterseite  der 

Abdominalspitze.     Vergr.  6:1. 


Berichtigung. 

Pag.  271.  4.  Zeile  von  oben  struppig  statt 
schuppig.  Auf  pag.  283  ist  die  Aderbezeichnung  so  zu 
ändern,  daß  rg+g  der  Radialramus,  r^-\-^  die  Media  und  m 
der  Cubitus  ist.  ...   ; 


Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


353 


Beiträge  zur  Diptereo=Fauna  Pommerns 

Von  (.«a^tav  ^rlii'oeciei*.  Stettin. 

I. 

Die  Insektenfauna  der  Provinz  Pommern  ist  in  fast 
allen  ihren  Ordnungen  von  tüchtigen  Entomologen  erforscht 
worden.  Nur  die  zweiflügeligen  Insekten  [Diptera]  wurden 
von  den  einheimischen  Sammlern  fast  ganz  vernachlässigt. 
Von  älteren  einheimischen  Dipterologen  sind  mir  nur 
T  r  i  e  p  k  e  und  L  i  n  c  k  o  bekannt.  T  r  i  e  p  k  e  ,  Super- 
intendent in  Garz  a.  O.,  sammelte  zu  Anfang  des  vorigen 
Jahrhunderts  neben  andern  Insekten  besonders  auch  Dipteren, 
und  seine  Sammlung  ist  jetzt  Eigentum,  des  hiesigen  Marien- 
stifts-Gymnasiums.  Zu  der  Sammlung  gehört  auch  ein  von 
Triepke  im_  Jahre  1829  angelegtes  Artenverzeichnis  mit 
Vaterlandsangaben.  Wenn  diese  Angaben  auch  nur  ganz 
allgemein  gehalten  sind,  so  erfahren  wir  doch,  Vv^as  Triepke 
in  P  o  m  m  e  r  n  gefunden  hat. 

L  i  n  c  k  e  ,  Realscliullehrer  in  Stettin,  sammelte  um  die 
Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts.  Von  seiner  Sammlung 
sind  mir  nur  einige  Kästen  mit  Muscidcn  —  in  sehr  ver- 
wahrlostem Zustande  —  zugänglich  gewesen.  Leider  fehlt 
in  der  Sammlung  jegliche  Vaterlandsangabe. 

In  neuester  Zeit  hat  der  leider  so  früh  verstorbene 
Oberlehrer  Dr.  K  e  t  e  1  in  Mecklenburg  und  in  der  Um- 
gegend von  Stralsund  —  mit  Einschluß  der  Insel  Rügen  — 
gesammelt  und  das  Resultat  seiner  Beobachtungen  in  bezug 
auf  eine  Famihe,  die  Syrphiden,  veröffentlicht.  (Ketel,  ,,Die 
in  Norddeutschland  bisher  beobachteten  Schwebfliegen, 
Syrphiäae'\  erschienen  im  III.  und  IV.  Jahresbericht  des 
Progymnasiums  in  Pasewalk,  Ostern  1903  und  1904.) 

•   Zu  unsern  neueren  einheimischen  Dipterologen  gehört 
ferner  Herr  Professor  P.  Stein  in  Treptow  a.  R.     Es  ist 

Stett.  eulouiol.   Zeil.    1909.  ^3 


354 

mit  Sicherheit  zu  erwarten,  daß  dieser  ausgezeichnete  Ento- 
mologe zur  Erweiterung  der  Kenntnis  unserer  heimischen 
Dipteren  beitragen  wird. 

Ich  selbst  habe  mich  erst  seit  1903  mit  unseren  ein- 
heimischen Dipteren  beschäftigt.  Es  veranlaßte  mich  dazu 
der  Wunsch,  eine  recht  fühlbare  Lücke  in  den  sonst  so 
umfangreichen  und  bedeutenden  Sammlungen  unseres 
städtischen  Museums  nach  und  nach  auszufüllen.  Meine 
frühere  Gleichgültigkeit  gegen  das  ,, Fliegengeschmeiß"  ist 
.sehr  bald  einem  lebhaften  Interesse  gewichen,  und  das  ist 
nur  zu  natürlich.  Denn  kaum  eine  Insektenordnung  bietet 
dem  Beobachter  und  Sammler  eine  solche  Fülle  von  x\n- 
regung  imd  stiller  Freude,  als  gerade  die  der  Zweiflügler, 
und  ich  bedauere  heute,  daß  ich  mich  nicht  schon  früher 
mit  dem  Studium  dieser  Tiere  befaßt  habe. 

Wenngleich  die  Dipterenfauna  Pommerns  mit  der- 
jenigen der  Nachbarländer  des  noiddeutschen  Tieflandes 
im  allgemeinen  übereinstimmen  wird,  so  ist  es  doch  sicher, 
daß  bei  der  großen  Ausdehnung  und  dem  eigenartigen 
landschaftlichen  Charakter  einzelner  Teile  unserer  Provinz 
sich  nicht  nur  neue,  sondern  auch  solche  bekannte  Arten 
finden  werden,  die  bisher  in  Norddeutschland  nicht  oder 
doch  nur  sehr  selten  beobachtet  wurden. 

Um  nun  einen  Überblick  über  die  in  Pommern  vor- 
kommenden Zweiflügler  zu  gewinnen,  möchte  ich  nach- 
folgend ein  Verzeichnis  der  hier  bisher  tatsächlich 
beobachteten  Arten  geben,  wobei  auf  die  An- 
gaben über  Zeit  und  Ort  des  Vorkommens  der  einzelnen 
Arten  besondere  Sorgfalt  verwendet  worden  ist. 

Die  aufgeführten  Arten  sind  in  der  Hauptsache  von  mir 
gesammelt  und  dem  hiesigen  städtischen  Museum  über- 
wiesen worden.  Die  von  mir  beim  Sammeln  besonders 
bevorzugten  Lokalitäten  sind: 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


355 

1.  Der  Julo,  die  Buchheide  und  der  Garzer  Schrey 
(Waldfauna) ; 

2.  das  Oderbruch  in  der  Umgebung  der  Försterei 
Bodenberg  und  die  Wiesen  bei  Finkenwaide  und 
Lübzin  (Sumpf-  und  Wiesenfauna) ; 

3.  die  Umgebung  des  Ostseebades  Heidebrink  auf  der 
Insel  Wollin  (Dünenfauna). 

Ferner  ist  das  von  Herrn  E.  Schmidt  in  der  Um- 
gebung Stettins  —  Westendsee,  Nemitz,  Wolfsschlucht  bei 
Kückenmühle,  Oderbruch  —  gesammelte  Material  berück- 
sichtigt worden. 

Ich  lasse  nun  zunächst  ein  Verzeichnis  der  Syrphiden 
folgen. 

Farn.   Syrphidae. 

Subfam.  Syrphinae. 
Genus  Paragus  Latr. 
bicolor  Fabr.     2  (S<^,  3  $$  von  Triepke  bei  Garz  a.  O.  ge- 
fangen. 
tibialis  Fallen.     Am  31.  7.  07  ein  Pärchen  von  E.  Schmidt 
am  Westendsee  bei  Stettin  gefangen  (gestreift). 

Genus  Triglyphus  Loew. 
primus  Loew.    Am  11.  6.  08  fing  ich  ein  $  im  Garzer  Schrey 
auf  Anthriscus. 

Genus  Pipizella  Rond, 
Heringi  Zett.     Am  31.  5.  08    fing  i  $    auf  dem  Julo    auf 

Blättern.     Ketel  fing  die  Art  auf  Rügen. 
virens  Fabr.    =   annulata  Macq.     August-Mai.     Auf  Dolden 

und  Blättern  am  Julo  selten. 

Genus  Pipiza  Fall. 
festiva  Meig.     Im  Juni  und  Juli  auf  den  Blättern  der  Ge- 
sträuche nicht  selten :    Julo,   Buchheide,   Heidebrink. 
luctuosa  Macq.    Am  31.  5.  08  fing  ich  i  $  am  Julo. 

Stett.  entomol.  Zeit.   1909.  23* 


356 

lugubris  Fabr.    =  fiinehris  Mg.     Mai-August.    Vereinzelt  bei 

Finkenwalde  gefangen. 
noctiluca  L.    Mai  bis  September.    Auf  Dolden  und  Blättern 

in  der  Buchheide  und  auf  dem  Julo  nicht  selten. 
signata  Meig.    Am  ii.  6.  08  i  $  auf  dem  Garzer  Schrey  auf 

Dolden  gefangen. 

Genus  Orthoneura  Macq. 
elegans  Meig.      Von  Triepke  bei  Garz  a.  O.  i  3*  gefangen. 
geniculata  Meig.     Ich  fing  i  ^^  am  Julo. 
nobilis  Fallen.     Im  Juni  bis  August  auf  Wiesen  bei  Nemitz 
und  auf  dem  Julo  ziemlich  selten. 

Genus  Chrysogaster  Meig. 

chalybeata  Meig.  Juli  bis  August.  Bei  Nemitz  und  Lauen- 
burg i.  P. 

Macquarti  Loew.     Im  Juni  am  Julo  nicht  häufig. 

metalHna  Fbr.     Mai-Juli.     Glambecksee,   Julo. 

solstitialis  Fall.  =  coemetenomm  L.  Im  Juni  und  Juli  be- 
sonders auf  Dolden  überall  häufig. 

splendida  Meig.     Am  7.  8.  08.  i   (^  am  Julo  gefangen. 

viduata  L.  Mai- Juli.  Am  Julo  und  auf  den  Wiesen  bei 
Finkenvvalde  häufig. 

Genus  Chilosia  Meig. 

albipiia  Meig.  Von  dieser  seltenen  Art  fand  ich  im  April 
und  jMai  auf  dem  Julo  an  Weidenkätzchen  4  ^^  i  $. 

albitarsis  Meig.  =  vidnata  Fbr.  Im  Mai  häufig  auf  Ranun- 
culus.     Julo. 

carbonaria  Egg.  Im  Mai  bei  Bodenberg  auf  Ranunculus 
nicht  selten. 

chloris  Meig.  Im  April  und  Mai  auf  Caltha  palustris  und 
Ranunculus-Arten  häufig.     Julo,  Bodenberg. 

grossa  Fall.  Im  April  und  in  der  i.  Hälfte  des  Mai  an  Weiden- 
kätzchen und  an  steilen,  sonnigen  Abhängen  auf  der 
nackten  Erde  3  o  0*  und  2  ?$  gefangen.     Julo. 

Stett.  eiitomol,  Zeit,  1909. 


357 

pagana  Meig.    =  pulchripes  Loew.     Im  Mai  auf  dem   Julo 

3  (^(^  und  3  ?$  gefangen. 
ruralis  Meig.   =.  praecox  Zett.    Im  INIai  bei  Finkenwalde  auf 

Caltha  palustris. 
variabilis  Panz.     Im  Juni  auf  Dolden.     Julo. 
vernalis  Fall.     Im  Mai  auf  dem  Julo  gefangen. 
velutina  Loew.     Im  Mai  auf  dem  Julo  gefangen. 
inipressa  Loew.     Juni-August.     Auf  dem  Julo  häufig. 
oestracea   L.     =    illustrata   Harr.       In   der    Sammlung  von 

Triepke  2  $$,  angeblich  in  Pommern  gefangen. 
intonsa  Loew.     Ketel  fing  im  Mai   i   $    bei   Stralsund  am 

Knieperstrand. 

Genus  Platychirus  St.  Farg.  Serv. 

albimanus  Fabr.  Mai-Juli.  Auf  dem  Julo  an  Blüten  und 
Blättern  vereinzelt. 

discimanus  Loew.  Mai- Juli.  Auf  dem  Julo  mit  der  vorigen 
Art  zusammen  gefangen. 

clypeatus  Meig.  Im  Juni  und  Juli  bei  Bodenberg  und 
Heidebrink  sehr  häufig  auf  Wiesenblumen  in  der 
Nähe  von  Erlengebüsch  gefangen. 

fulviventris  Macq.  Im  Juli  1906  4  cdc?  3  ??  bei  Heidebrink 
mit  der  vorigen  Art  zusammen  gefangen. 

immarginatus  Zett.  Juh-August.  Nach  Ketel  bei  Greifs- 
wald gefangen. 

manicatus  Meig.  Im  Juni  und  Juli  auf  dem  Julo  und  bei 
Bodenberg  nicht  selten. 

peltatus  Meig.  Von  Mai  bis  Juli  mit  der  vorigen  Art  zu- 
sammen gefangen,  jedoch  seltener. 

podagratus  Zett.     Mai-Juh.     Auf  dem  Julo  selten. 

scutatus  Meig.   Im  Juli  und  August  auf  dem  Julo  nicht  selten. 

Genus  Pyrophaena  Seh  in. 

granditarsa  Forst  --=  ocymi  Fbr.  Vom  Juni  bis  Sept.  auf 
den    nassen    Oderwiesen,    besonders    auf    blühenden 

Stett.  entomol.   ZeitTToOO. 


358 

Wasserpflanzen  an  den  Gräben  und  Kanälen,  nicht 
selten,  zuweilen  sehr  häufig.  Auf  den  Wiesen  bei 
Finkenwalde  fand  ich  unter  vielen  Stücken  dieser 
Art  ein  ganz  auffällig  gezeichnetes  $.  Der  Hinter- 
leib ist  schwarzbraun;  nur  am  Hinterrande  des 
2.  Segmentes  befindet  sich  ein  nicht  scharf  begrenzter 
dreieckiger,  gelber  Fleck.  Auf  der  Unterseite  ist  die 
Vorderhälfte  des  3.,  4.,  und  5.  Segmentes  pechbraun, 
sonst  ist  der  Hinterleib  unten  gelb. 
rosarum  Fabr.  Im  Mai  und  Juni  auf  dem  Julo  und  in  der 
Buchheide,  aber  selten. 

Genus  Melanostoma  Schin. 

mellinum  L.     April-Oktober.     Auf  Wiesen  und  in  Wäldern 

an  feuchten  Stellen  überall  sehr  häufig. 

Genus   Xanthandrus  Verr. 
comtus  Harr.    =   hyalinatus  Fall.     Am  21.   7.  05  fand  ich 
ein  $  am  Sandsee. 

Genus  Leueozona  Schin. 
lucorum  L.     Im  Mai  und  Juni.     Ich  fing  diese  schöne  Art 
auf  dem   Julo  und  in  der  Buchheide  auf  Dolden  in 
mehreren  Exemplaren.     Das   ,^  scheint  viel  seltener 
zu  sein  als  das  $. 

Genus  Ischyrosyrphus  Big. 
glaucius  L.     In  der  Triepkeschen  Sammlung  befinden  sich 
2  $$,  angeblich  aus  Pommern. 

Genus  Didea  Macq. 

fasciata  Macq.    Am  27.  7.  05  fand  ich  i  ^  bei  Finkenwalde. 

intermedia  Loew.  Mai  bis  Oktober.  Auf  Dolden  und  Kom- 
positen. Am  6.  10.  08  fing  ich  noch  1^  am  Glam- 
becksee  auf  Hieracium. 

Genus  Lasiophthieus  Rond. 
pyrastri  L.     Juni-Sept.  häufig  auf  Blüten  und  Blättern. 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


359 

seleniticus  Meig.     Juli-Oktober.     Ich  beobachtete  diese  Art 
besonders  häufig  im  September  und  Anfang  Oktober. 

Genus  Syrphus  Fabr. 
albostriatus  Fall.    Im  Juli  1903  i  $  bei  Heidebrink  gefangen, 
var.    confusus  Egg.     Juni-Juli  bei   Heidebrink  und  auf 

dem  Julo. 
arcuatus  Fall.    Von  Triepke  in  Pommern  gefangen. 
auricollis  Meig.    August,    i  (^  auf  dem  Julo  gefangen. 
balteatus   Deg.       Juni-Oktober.      Überall   auf   Blüten   sehr 

häufig. 
bifasciatus  Fabr.      Im   Mai  und   Juni  häufig  auf  Blättern 

und  Blüten.     Julo,  Buchheide. 
cinctellus  Zett.    Nach  Ketel  in  Pommern. 
corallae  Fabr.    Juni-August.    Julo,  Finkenwalde,  Buchheide. 
luniger  Mg.    Im  Mai  7  Stück  auf  dem  Julo  gefangen. 
melanostoma  Zett.     Von  Ketel  i   Stück  bei   Stralsund  ge- 
fangen. 
nitidicoUis    Meig.      Im    Mai   bei   Finkenwalde   und   Lübzin 

(3   Stück)  gefangen. 
ribesii  L.     Den  ganzen  Sommer  hindurch  überall  häufig. 
torvus  Ost. -Sack.    ■=   topiarius  Zett.     Im  Juni  5  c^,^,  2  $$ 

bei  Bodenberg  gefangen. 
trincinctus  Fall.    Am  19.  8.  07  fing  ich  i  ^  auf  dem  Julo. 
umbellatarum   Fabr.      Mai   bis   August.      Julo,    Buchheide 

häufig. 
venustus  Meig.     Im  Mai  und   Juni  auf  dem   Julo  und  bei 

Bodenberg  nicht  selten.     Von  der  Form  hilaris  Zett. 

fand  ich  an  denselben  Orten  3  Stück. 
vitripennis  Meig.  überall  bei  uns  nicht  selten. 

Genus  Sphaerophoria  St.  Farg.  et  Serv. 
{Mclühreptus  Loew.) 
menthastri  L.     Juli  1906  fand  ich  4  Exemplare  bei  Heide- 
brink. 

Stett.  eutomol.  Zeit.   1909. 


360 

var.  philanthus  Meig.    Juli  1906.  2  Exemplare  bei  Heidebrink. 

melissae  Meig.     i  (^  bei  Stettin  gefangen. 

var.  picta  Meig.     Juli  1906  bei  Heidebrink  vereinzelt. 

var.  taeniata  Meig.    Juli-August  bei  Heidebrink  und  Stettin. 

scripta  L.     Mai-August  bei  Stettin  und  Heidebrink  häufig. 

var.  dispar  Loew.  im  Juli  bei  Heidebrink  häufig. 

var.  strigata  Staeg.  im  Juli  bei  Heidebrink  nicht  selten. 

Genus   Xanthogramma  Schin. 
criti'Ofasciatum  Deg.    Mai- Juni.  Auf  den  besonnten  Blättern 
niedriger    Pflanzen    am    Rande    des    Julo    vereinzelt 
gefangen. 

Genus  Baccha  Fabr. 
elongata  Fabr.     Juni- August.     In  einem  Garten  in  Gollnow 
von   Lüderwaldt   gefangen.      Triepke   fing   diese   Art 
bei  Garz  a.  O. 

Genus  Pelecocera  Meig. 
tricincta  Meig.    Ich  fand  diese  Art  im  Juli  hinter  den  Dünen 
bei  Heidebrink  in  Kiefernschonungen  auf  Hierarium 
sehr  häufig. 

Genus  Ascia  Meig. 

dispar  Meig.  Mai- Juli  auf  den  Oderwiesen  bei  Bodenberg 
gefangen.     Selten. 

floralis  Meig.  Mai-Juli.  Auf  Wiesenblumen  an  Wasser- 
gräben bei  Finkenwalde  und  am   Julo  nicht  selten. 

quadripunctata  Meig.  Mit  der  vorigen  zusammen  auf  Wiesen 
gefangen. 

podagrica  Fabr.  Im  Mai  auf  Wiesenblumen  bei  Finken- 
walde gefangen. 

Genus  Rhingia  Scop. 
campestris   Meig.      Juni-Juli.      An    den   Blüten    von   Geum 

rivale  auf  dem  Julo  selten. 
rostrata  L.    Mai-August.    Auf  dem  Julo  besonders  an  Geum 

Stctt.  entomol.  Zeit.   iü(9 


361 

jivale.  Diese  Art  fand  ich  auch  im  Juni  1904  sehr 
häufig  an  der  Dorfstraße  in  Frauendorf  auf  Ballota 
nigra.  Die  rötlichgelbe  Farbe  des  Hinterleibes  der 
beiden  Rhingia-Arten  bildet  eine  ausgezeichnete 
Schutzfärbung,  so  daß  die  Tiere  auf  Geum  rivale 
nur  schwer  entdeckt  werden  können. 

Subfam.  Volucellinae. 

Genus  Volucella  Geoffr. 

bombylang  L.  Juni-August.  Auf  Blüten,  besonders  Kom- 
positen, überall  nicht  selten.  Häufig  ist  die  Abart 
pluniata  Deg.,  während  die  Abart  haemorrhoidalis 
Zett.  selten  ist. 

pellucens  L.     Juni-August.     Überall  sehr  häufig. 

S  u  b  f  a  m.  E  r  i  s  t  a  1  i  n  a  e. 

Genus  Eristalis  Latr. 

aeneus   Scop.      April-Sept.      An  Waldrändern,   auf  Wiesen, 

an  Gräben  und  steilen  Ufern  überall  häufig. 
alpinus  Panz.    Mai-Juli.    Auf  Dolden  nicht  selten.    Julo  und 

Buchheide. 
arbustorum  L.     April-Oktober.      Auf  Blumen  überall  sehr 

häufig. 
anthophorinus  Fall,  von  Triepke  bei  Garz  gefangen. 
cryptarum  Fabr.  von  Triepke  bei  Garz  gefangen. 
horticola  Deg.     Mai-Oktober.     Überall  sehrfliäufig. 
intricarius  L.      Mai- August.      In  der  Nähe  von   Gebüschen 

und   Wäldern    häufig   auf    Blüten    und   in    der    Luft 

schwirrend. 
nemorum  L.     Mai-Juli  bei  Heidebrink  häufig  gefangen,  bei 

Stettin  seltener,  z.  B.  auf  dem  Julo. 
oestraceus  L.    =  apiformis  Fall.    Ich  fand  bisher  von  dieser 

prächtigen  Art  nur  ein  $  am  19.  5.  08  auf  blühendem 

Schwarzdorn    (Prunus   spinosa).      In   der   Sammlung 

von  Triepke  befinden  sich  3  Exemplare  aus  Pommern. 

Stett.  eutomol.  Zeit.   1909. 


362 

pertinax   Scop.     Juni-September.     Überall  ziemlich  häufig, 

besonders  auf  Dolden. 
pratorum  Mg.     Ich  fand  bisher  nur  ein  3*. 
rupium  Fbr.    Von  dieser  im  Gebirge  häufigen  Art  fand  mein 

Bruder  im  Juli  bei  Lauenburg  i.  P.    1  (^. 
sepulcralis   L.      April-September.      Vorkommen  wie  bei   E. 

aenciis  Scop. 
tenax  L.     Mai-Oktober.     Überall  gemein. 

Genus  Helophilus  Meig. 
hybridus  Loew.    Juni-August.    Auf  Kompositen  nicht  selten. 

Julo,  Bodenberg,  Heidebrink. 
pendulus  L.    Mai-Oktober.    Auf  Blättern  und  Blüten  überall 

gemein. 
trivittatus  Fabr.     Juni-August.     Auf  Blüten,  besonders  von 

Kompositen,  nicht  selten.      Julo,   Buchheide,  Heide- 
brink. 
frutetorum  Fabr.      Juni-Juh.      Auf  Wiesenblumen   und  an 

blühenden  Gesträuchen  stellenweise  sehr  häufig,  z.  B. 

bei  Bodenberg, 
lunulatus  Meig.      Mai-Juli.      Auf  Blüten  an  Wassergräben. 

Bei  Bodenberg  häufig. 
versicolor  Fabr.    Juni- Juli.   Auf  Blüten  am  Julo  nicht  selten. 
lineatus  Fabr.     Mai-  Juli.     Auf  blühenden  Wasserpflanzen 

bei  Bodenberg  ziemlich  häufig. 
transfugus   L.      Juni- Juli.      Auf  blühenden  Wasserpflanzen 

selten.     Bodenberg,  Heidebrink. 
floreus  L.     Mai-September.     Überall  häufig. 
nigrotarsatus  Schin.     Mai-Juli.     Selten.     Julo,  Heidebrink. 

Genus  Mallota  Meig. 
fuciformis  Fabr.     In  der  Sammlung  des  Marienstifts- Gym- 
nasiums befinden  sich  2   Exemplare  dieser  Art,   von 
Triepke  bei  Garz  gefangen. 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


363 

cimbiciformis  Fall.    ^  cristalloidcs  Loe\^■.    =  Imatisma  posti- 
cata  Macq. 

Fallen  kannte  nur  das  ^,  das  nach  seiner  Angabe 
im  September  in  Schonen  gefangen  wurde.  Diese  Zeit- 
angabe ist  wahrscheinlich  eine  irrtümliche,  da  die  Mallota- 
Arten  im  Frühlinge  fliegen. 

L  o  e  w  beschrieb  das  $  dieser  Art ;  es  stammte  aus 
Livland.  G  i  m  m  e  r  t  h  a  1  hat  ein  ebenfalls  in  Livland 
gefangenes  $  in  der  Sammlung  der  Frau  Pastor  Lienig  in 
Kokenhaus  gesehen. 

S  c  h  i  n  e  r  fing  ein  Stück  am  Kahlenberge. 

M  a  c  q  u  a  r  t  beschrieb  diese  Art  als  Imatisma  posii- 
cata  nach   Exemplaren   aus   Carolina  und   Philadelphia. 

In  Norddeutschland  ist  das  Tier  nur  von  H  e  n  s  e  1 
in  der  Mark  gefunden  worden.  Ich  fing  von  dieser  zwar 
weitverbreiteten,  aber  sehr  seltenen  Art  im  Juni  1908  in 
der  Buchheide  10  (^^J  und  3  $$  auf  Dolden,  jedoch  nicht 
an  demselben,  sondern  an  verschiedenen  Tagen.  Es  hat 
übrigens  keins  der  10  i^<^  einen  Fortsatz  in  der  Mitte  der 
Hinterschienen;  dagegen  fand  Dr.  Williston  (New  Haven, 
Connecticut)  unter  amerikanischen  Exemplaren  dieser  Art 
(^(J  mit  starkem  Fortsatz  an  den  Hinterschienen,  während 
dieser  Fortsatz  bei  andern  (^<^  gänzlich  fehlte.  (Berl. 
Entomol.  Zeitschr.  1883,  pag.  171.) 

Genus  Merodon  Meig. 
equestris  Fabr.  Am  i.  6.  05  fing  ich  i  ^  auf  einer  Wiese 
bei  Swinemünde;  es  ist  gleichmäßig  gelb  behaart. 
Am  Rande  der  Wiese  blühte  Ornithogalum  um- 
bellatum  L.  in  größerer  Anzahl.  Ich  konnte  bei 
meinem  kurzen  Aufenthalt  dort  nicht  feststellen,  ob 
sich  das  Insekt  in  den  Zwiebeln  dieser  Pflanze  ent- 
wickelt hat. 

Am  2.  6.  05  fing  ich  i  $  auf  der  Finken  walder 
Höhe  an  Ranunculus  repens  L..     Das  Rückenschild 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


3  64 

und  die  beiden  ersten  Hinterleibssegmente  sind 
schwarz,  die  letzten  gelb  behaart.  In  der  Nähe  des 
Fangortes  befindet  sich  eine  große  Gärtnerei,  wo- 
selbst das  Tier  sich  entwickelt  haben  mag. 

Subfam.  Milesiinae. 
Genus  Tropidia  Meig. 
scita  Harr.     =    milesiiformis  Fall.       Vom  Älai-Juli  auf  be- 
sonnten   Blättern    am    Julo    selten,    bei    Bodenberg 
häufiger. 

Genus  Myolepta  Newm. 
luteola  Gmel.     Ich  fand  im  Juni  1908  6  (^^  und  3  $$  in 
der  Buchheide  an  sonnigen   Stellen  auf  Dolden. 

Genus  Criorrhina  Meig. 
asilica  Fall.     Im  Mai  und  Juni  auf  dem  Julo  an  blühenden 
Gesträuchen,    z.    B.    Crataegus    und    Berberis,    nicht 
selten  gefangen. 

Genus  BraehjT)alpus  Macq. 
bimaculatus  Macq.     ^    angustus  Egg.      Ich  fing  von  dieser 
sehr  seltenen  Art  am  Julo  auf  Crataegus  3,  im  Garzer 
.  Schrey  i  Stück.     Mai  und  Juni. 
valgus  Panz.    Am  14.  5.  06  fing  ich  ein  Stück  am  Julo  auf 
blühendem  Crataegus.    In  der  Sammlung  von  Triepke 
befindet  sich  ebenfalls  i   Stück  aus  Pommern. 

Genus   Xylota  Mgv 

femorata  L.     i  (^  von  Triepke  bei  Gartz  a.  O.  gefangen. 
florum  Fabr.    Mai- Juli  auf  besonnten  Blättern  von  Bäumen 

und  Gesträuchen  ziemlich  selten.     Julo,     Bodenberg, 

Heidebrink. 
ignava  Panz.    Mai,  Juni.    Ebenfalls  auf  besonnten  Blättern. 

Selten.     Buchheide,  Julo. 
lenta  Mg.    Mai,  Juni.    Vorkommen  wie  bei  der  vorigen  Art. 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


365 

nemoruin  Fabr.     Mai-August  ::iif  besonnten  Blättern,  nicht 

häufig.     Julo,  Bodenberg,  Buchheide. 
segnis  L.     Juni- August.     Auf  besonnten  Blättern,     häufig'. 

Julo,  Buchheide. 
silvamm    L.    Juni-x\ugust.       Auf   besonnten    Blättern    und 

Holzstapeln  nicht  selten.     Julo,  Buchheide. 
tarda  Meig.    =  confinis  Zett.     Juni-August.     Auf  besonnten 

Blättern  niedriger  Pflanzen  bei  Heidebrink  12  Stück, 

auf  dem  Julo  2   Stück  gefangen. 

Genus  Sjn^itta  St.  Farg.  Serv. 
pipiens  L.     ^lai-Oktober  überall  gernein. 

Genus  Eumerus  Meig. 
annulatus  Panz.    i  Stück  in  der  Sammlung  des  Marienstifts- 

Gynmasiums  von  Triepke  bei  Garz  a.  O.  gefangen. 
ruficomis  Meig.   \^)n  ihr  gilt  das  von  der  vorigen  Art  Gesagte. 
sabulosum  Fall.     Juli- August.    An  dürren  Orten  auf  Blüten 

nicht  häufig.     Heidebrink. 
strigatus  Fall.    =  lunulatus  Meig.     Im  Juli  und  August  auf 

den  Oderwiesen  und  am  Westendsee  nicht  häufig. 

Genus  Ferdinandea  Rond. 

[Chrysochlamys  Walker.) 

cuprea  Scop.  VI — VII.  Am  Julo  selten  auf  Blüten.  Auch 
bei  Gollnow  von  Lüderwaldt  gefangen. 

nigrifrons  Egg.  Am  24.  5.  06  am  Rande  des  Julo  i  $  ge- 
fangen. 

Genus  Arctophila  Schiner. 
mussitans   Fbr.      Im   Juni  auf  Crataegus  und   Kompositen 
an  sonnigen  Waldsäumen  mehrfach  gefangen.     Julo, 
Buchheide. 

Genus  Sericomyia  Meig. 
lappona  L.     Im  Juni  1907  am  Julo  und  in  der  Buchheide 

Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


3(56 

auf  Blüten  und  Blättern  an  sonnigen   Stellen  mehr- 
fach gefangen. 
borealis    Fall,    mit    der    vorigen    zusammen,    aber    häufiger. 

Genus  Spilomyia  Mg. 

saltuum  Fabr.  Am  4.  8.  05  fand  ich  i  $  auf  den  Wiesen 
bei  Finkenwalde  auf  Heracleum  Sphondylium  L. 

Genus  Temnostoma  St.  Farg.  Serv. 

apiforme  Fabr.  Mai- Juni.  Diese  Art  war  bisher  aus  Nord- 
deutschland nicht  bekannt.  Ich  fand  sie  nicht  selten 
mit  den  beiden  folgenden  Arten  zusammen  auf 
blühendem  Weißdorn,  Doldengewächsen  imd  be- 
sonnten Blättern.     Julo,  Bodenberg,  Buchheide. 

bombylans  Fabr.  Mai  und  Juni.  Viel  seltener  als  die  vorige 
Art,  jedoch  an  denselben  Plätzen. 

vespiformis  L.  Mai  und  Juni.  An  denselben  Orten,  aber 
häufiger. 

In  der  Triepkeschcn  Sammlung  befinden  sich 
zwei  von  ihm  als  vespiformis  L.  bezeichnete  Stücke; 
in  Wirklichkeit  ist  nur  das  eine  Stück  vespiformis, 
während  das  andere  apiformis  Fabr.  ist. 

Genus  Calliprobola  Rond. 
speciosa   Rossi.      In   der  Triepkeschcn    Samrnlung  befinden 
sich    2    Exemplare,    welche    Triepke    wahrscheinlich 
im  Garzer  Schrey  gefangen  hat.     Sonst  ist  diese  Art 
in  Pommern  noch  nicht  beobachtet  worden. 

Subfam.  Chrysotoxinae. 
Genus  Chrysotoxum  Meig. 
arcuatum  L.  von  Triepke  in  Pommern  gefangen. 
bicinctum  L.     Juni-August.     An  sonnigen  Waldsäumen  auf 
Blättern  und  Dolden  nicht  selten.     Julo,   Buchheide. 
cautum  Harr.    =    silvarum  Mg.     Mai-Juni.     Ich  fing  diese 
schöne  Art  ebenfalls  nicht  selten  am  Rande  des  Julo, 

Stott.  entomol.  Zeit.   1909. 


367 

festivum  L.  Mai- Juli.  An  denselben  Orten  wie  die  vorige 
Art,  ziemlich  häufig.     Julo,  Buchheide. 

octomaculatum  Curt.  Mai-Juni.  3  Stück  auf  dem  Julo 
gefunden.  Von  Lüderwaldt  auch  bei  Gollnow  ge- 
fangen. 

vernale  Loew.  Mai-Juni.  Ich  fing  sie  nicht  selten  mit 
festivum  zusammen  auf  dem  Julo. 

Subfam.  Microdontina e. 
Genus  Microdon  Meig. 
devius  L.     13.  6.  96  zwei  Exemplare  beim  Bahnhof  Speck 
am  Gubenbach  von  Lüderwaldt  gefangen. 

Subfam.  Ceriinae. 

Genus  Cerioides  Rond. 
[Ccria  Fbr.) 
COnopsoides  L.  In  seinem  Dipteren- Verzeichnis  zählt  Triepke 
dieses  Tier  als  in  Pommern  gefangen  auf  und  zwar 
das  $.  In  seiner  Sammlung  ist  es  nicht  vorhanden. 
Ich  habe  diese  seltene  Art  bisher  noch  nicht  beob- 
achtet. 


Stett.  enlomol.  Zeit.  liiOQ. 


3f)8 


Dalader  sumatrensis, 

eine  neue  Coreide  von  Siinuitra. 
(Hemiptera  —   Heteroptera.) 

Von  KfEinscifid  ^clantiel«.   Stettin. 

Fam.  Coreidae. 
Subf.   Daladerinae. 
Genus  Dalader  Am.  et  Serv. 
Am.  et  Serv.  Hemipt.  p.  187  (1843). 
Typus:     Dalader   acuiicosta    Am.    et    Serv. 

Dalader  sumatrensis  n.  sp. 

I  ?. 

Diese  Art  ist  in  der  Färbung  den  übrigen  der  Gattung 
sehr  ähnlich,  in  der  Form  und  GestaUung  des  Pronotum 
von  allen  verschieden. 

Pronotum  sechseckig,  im  Vorderteile  stark  eingedrückt 
und  vor  dem  stumpf  ausgeschnittenen  Hinterrande  durch 
eine  Querleiste  stumpfwinkelig  gebrochen,  grob  punktiert, 
mit  vorgezogenen  Schultereckcn,  welche  in  scharfe  Spitzen 
enden,  die  gerade  und  nach  außen  gerichtet  sind  (bei  den 
anderen  Daladerarten  sind  die  Schulterecken  hinten  ab- 
gerundet und  die  Spitze  ist  nach  vorn  vorgezogen  oder 
liegt  vor  der  Mitte  der  Schulterecken) ;  die  seitlichen 
Pronotum-Vorderränder  sind  stärker  gezähnt  als  die  hinteren 
und  in  der  Mitte  eingedrückt,  aber  weniger  gebuchtet  als 
bei  den  übrigen  Arten.  Der  Hinterleib  ist  in  der  Mitte 
auch  nicht  so  stark  verbreitert  wie  bei  D.  acuticosta,  sondern 
schlanker.  Fühler  4gliedrig,  Glied  i  lang,  Glied  2  etwas 
kürzer,  Glied  3  so  lang  wie  Glied  4  mit  der  der  Gattung 
eigenen  Verbreiterung.  Die  Deckflügel  erreichen  nicht 
das  Hinterleibsende,  sind  aber  im  Bau,  wie  die  Flügel,  von 
denen  der  übrigen  Arten  nicht  verschieden;  ebenso  verhält 

Stett.   entomol.  Zeit.   1909.  .      ...,., 


369 

es  sich  mit  den  Beinen  und  dem  Rostrum.  Bräunlich 
ockerfarben  mit  brauner  Tüpfelung  und  Punktierung.  Die 
Pronotum-Mittelhnie  ist  gelbhch  weiß,  und  zwei  seithche 
Seitenstreifen  sind  schwach  schwärzHch.  Zweites  Fühler- 
ghed  angeschwärzt,  drittes  schwarz.  Augen  braun,  Ocellen 
gLasheh,  röthch.  Deckflügel-Membran  mit  braunen  und 
schwärzlichen  Flecken,  die  Basis  ist  schwarz.  Flügel 
schwärzlich  getrübt  mit  braunen  Nerven,  zur  Basis  hin 
mit  gelblichem  Tone,  die  Wurzel  ist  rot.  Die  basalen  Rücken- 
segmente des  Hinterleibes  sind  rot,  die  apicalen  in  der 
Mitte  braunrot  gefärbt,  mit  seitlichen  ockergelben  Flecken. 
An  den  Seiten  der  Bauchsegmentc  tritt  ockergelbe  Färbung 
auf.      Die  Behaarung  ist  wie  bei  den  übrigen  Arten. 

Länge  21  mm.  Breite  des  Pronotum  g  mm.  Größte 
Breite  des  Hinterleibes   11   mm. 

Sumatra:     Soekaranda,    Januar   1894   (Dr.   H.   Dohrn). 

T^pe  im  Stettiner  Museum. 


yereisis-Aiii>eleseiilieiteii. 


Die  statuteimiäßigc  Generalversammlung  fand  am  17. 
November  pr.  in  den  Räumen  des  Stettiner  Museums  statt. 
Der  Vorsitzende  gab  der  Versammlung  einen  Überblick 
über  den  Vermögensbestand  des  Vereins  und  über  dessen 
Tätigkeit  im  verflossenen  Jahre.  Dem  Vereinsrendanten 
Herrn  Rektor  G.  Schroeder  wurde  für  seine  Kassenführung 
Entlastung  erteilt  und  der  Vorstand  einstimmig  wieder- 
gewählt. 


Stett.  eutouiol.  Zeit.    1909.  24 


370 


Iiilialts-Vcrzeicliiiis 

(Heft  IL  1909). 


Neues  über  Rhopaloceren.    Von  H.  Fruhstorfer.    S.  209. 

—  Neue  Cercopiden.   Von  Edmund  Schmidt,  Stettin.    S.  239. 

—  Neue  Evaniiden  aus  Formosa  und  Südamerika.  Von 
Dr.  Günther  Enderlein,  Stettin.  S.  245.  —  Zwei  neue 
Jassiden  aus  dem  Stettiner  Museum.  (Hemiptera-Homop- 
tera.)  Mit  i  Textfigur.  Von  Edmund  Schmidt,  Stettin. 
S.  262.  —  Neue  Gattungen  und  Arten  von  Copeognathen 
aus  Transvaal  sowie  aus  der  Ohaus'schen  Ausbeute  aus 
Ecuador.  Von  Dr.  Günther  Enderlein,  Stettin.  S.  266.  — 
Zwei  neue  Cercopiden-Gattungen.  (Hemiptera-Homoptera.) 
Mit  I  Textfigur.  Von  Edmund  Schmidt,  Stettin.  S.  273.  — 
Isogenus  aemulus,  eine  neue  deutsche  Plecoptere.  Von 
Dr.  Günther  Enderlein,  Stettin.    Mit  4  Textfiguren.    S.  279 

—  Aleurodicus  conspurcatus,  eine  neue  Aleurodide  aus 
Süd-Brasilien.  Von  Dr.  Günther  Enderlein,  Stettin.  Mit 
I  Textfigur.  S.  282.  —  Neue  und  bekannte  Gattungen 
und  Arten  der  Subfamilie  Cercopinae  Stal  des  indo- 
australischen  Faunengebietes,  ein  Beitrag  zur  Kenntnis 
der  Cercopiden.  (Hemiptera-Homoptera.)  Mit  i  Text- 
figur. Von  Edmund  Schmidt,  Stettin.  S.  284.  —  Plecoptero- 
logische  Studien.  II.  Von  Dr.  Günther  Enderlein,  Stettin. 
S.  324.  —  Beiträge  zur  Dipteren-Fauna  Pommerns.  Von 
(lustav  Schroeder,  Stettin.  S.  353.  —  Dalader  sumatrensis, 
eine  neue  Coreide  von  Sumatra.  (Hemiptera-Heteroptera.) 
Xon    Edmund    Schmidt,    Stettin.       S.    367. 


Ausgegeben  Anfang  April  1909. 


Stctt.  cntoinol.  Zeit.   19ü0. 


'M\ 


Inhalt  des  70.  Jahrganges 

der  Stettiner  entomologischen  Zeitung  1909 

(alphabetisch  geordnet). 

Seite 

Alphabetisches  Register    372 

Dr.    Günther    E  n  d  e  r  1  e  i  n  :    Cutiterebra  Schroe- 
deri,  eine  neue  parasitäre  Fhege.     (Oesteridae 

oHm.)     202 

Derselbe  :      Cyaneoderes    Dormeyeri,    eine    neue 

Xylocopide     ^^3 

Derselbe  :      Neue   Evaniiden   aus   Formosa   und 

Südamerika      ^-^S 

Derselbe:       Neue    Gattungen    und    Arten    von 
Copeognathen    aus    Transvaal    sowie    aus    der 

Ohaus'schen  Ausbeute  aus  Ecuador 266 

Derselbe  :    Isogenus  aemulus,  eine  neue  deutsche 

Plecoptere ^79 

Derselbe  :     Aleurodicus  conspurcatus,  eine  neue 

Aleurodide  aus  Süd-Brasilien 282 

Derselbe:     Plecopterologische  Studien.    II.     Mit 

I  Tafel  luid  i  Textfigur     324 

Dr.    Fr.    O  h  aus  :     Bericht  über  eine  entomologische 

Studienreise  in  Südamerika   3 

E  d  m  u  n  d  S  c  h  m  1  d  t  :  Neue  und  bekannte 
Gattungen  und  Arten  der  Subfamüie  Cerco- 
pinae  Stal  des  indoaustralischen  Faunenge- 
bietes, ein  Beitrag  zur  Kenntnis  der  Cerco- 
piden.     (Hemiptera-Homoptera.)     Mit  5  Text- 

j-  T  146 

figurcn.    1 ^ 

Derselbe:  Zwei  neue  Fulgoriden  aus  dem  Stettmer 

Museum ' 

Derselbe  :     Neue  Cercopiden 239 

'24''' 
Stett.  entomol.  Zoit.   1909. 


372 

Derselbe  :  Zwei  neue  Jassiden  aus  dem  Stettiner 
Museum.  (Hemiptera-Homoptera.)  Mit  i  Text- 
figur     262 

Derselbe  :       Zwei    neue    Cercopiden- Gattungen. 

(Hemiptera-Homoptera.)  Mit  i  Textfigur  ,  .  273 
Derselbe  :  Neue  und  bekannte  Gattungen  und 
Arten  der  Subfamilie  Cercopinae  Stäl  des  indo- 
australischen Faunengebietes,  ein  Beitrag  zur 
Kenntnis  der  Cercopiden.  (Hemiptera-Homop- 
tera.)    Mit  I  Textfigur.    U •  284 

Derselbe  :  Dalader  sumatrensis,  eine  neue 
Coreide  von  Sumatra.  (Hemiptera-Heterop- 
tera.)   367 

Gustav     Schroeder:       Beiträge   zur    Dipteren- 
Fauna  Pommerns   353 

Chr.     Stern  berg  :      Neue   Arten   aus   der   Gattung 

Tefflus     192 

A.    j\I.     S  c  h  u  g  u  r  o  w  :      Beitrag   zur    Kenntnis   der 

Orthopteren-Fauna  Bessarabiens     140 

Vereins-Angelegenheiten      369 


Alphabetisches  Register» 


A  c  h  e  t  a  143. 

campestri     143. 
Achetodea  143. 
A  c  r  i  d  i  a  143. 

turrita  143. 
A  c  r  o  n  e  u  r  i  a  346. 

nobilitata  346. 
Acrotylus  145. 

longipes  145. 
Aleurodicus  282. 

conspurcatus  282. 
Anisoptera  142. 

fusca  142. 

Stett.  cntoniol.   Zeit.   1909. 


Anoplostethus  273. 

Jacobii  274. 

jucundus  275. 
A  r  c  t  o  p  h  i  1  a  365. 

mussitans  365. 
Arcyptera  144. 

fusca  144. 

microptera  144. 
A  s  c  i  a  360. 

dispar  360. 

floralis  360. 

podagrica  360. 

c[uadripunctata  360. 


373 


B  a  c  c  h  a  3G0. 

elongata  360. 
Blatta  141. 

transfuga  141. 
Blattodea  141. 
Brachygaster  256. 

conjungens  257. 
Brachypalpus  364. 

bimaculatus  364. 

valgus  364. 
Bulla  143. 

subulata  143. 
Bythopsyrna  190. 

Dohrni  190. 

,,         var.  borneensis  191. 
Callimenus  142. 

Montandoni  142. 
Calliprobola  366. 

speciosa  366. 
Calliptaraus  145. 

italicus  145. 
C  e  r  i  i  n  a  e  367. 
Cerioides  367. 

conopsoides  367. 
C  e  t  h  o  s  i  a  227. 

cydippe  cenchrites  227. 
„         coronilla  228. 
,,         damasippe  227. 
,,         praestabilis  228. 

mindanensis  festiva  229. 

myrima  melancholica  229. 
Chalcidopterella  262. 

chalcidipennis  262. 
Chelidoptera  142. 

intermedia  142. 
C  h  i  1  o  s  i  a  356. 

albipila  356. 

albitarsis  356. 

carbonaria  356. 

chloris  356. 

grossa  356. 

impressa  357. 

intonsa  357. 

oestracea  357. 

pagana  357. 

ruralis  357. 

variabilis  357. 


velusina  357. 

vernalis  357. 
Chrysochraon  144. 

brachypterus  144. 
Chrysogaster  356. 

chalybeata  356. 

Macquarti  356. 

metallina  356. 

solstitialis  356. 

splendida  356. 

viduata  356. 
Chrysotoxinae  366. 
C  h  r  y  s  o  t  o  X  u  ra  366. 

arcuatum  366. 

bicinctum  366. 

cantum  366. 

festivum  367. 

octomaculatum  367. 

vernale  367. 
Cirrochroa  234. 

imperatrix  238. 

regina  235. 

ducalis  235. 
myra  235. 
nasica  236. 
paulowna  237. 
princesa  236. 
regina  236. 
sophene  235. 

semiramis  238. 
C  o  n  s  i  d  i  a  239. 

oblonga  239. 

trimaculata  239. 
Criorrhina  364. 

asilica  364. 
Cur  tili  a  143. 

gryllotalpa  143. 
C  u  t  i  t  e  r  e  b  r  a  202. 

Schroederi  202. 
Cyaneoderes  204. 

Dormeyeri  204. 
D  a  1  a  d  e  r 

sumatrensis  368. 
Delias  231. 

aruna  231. 

,,         aruna  233. 
bajura  233. 


Stett.  entomol.  Zeit.   1909. 


374 


aiuna  inferna  232. 
irma  232. 
,,         madala  233. 
,,         rona  233. 
,,         seriata  234. 
D  i  d  e  a  358. 
fascialis  358. 
intermedia  358. 
Ectemnonotiim    294,    301, 
323. 
acuminatum  299.  314,  324. 
basibreviatum  301,  321   324. 
bilobatum  300,  316,  324. 
bivittatum  296,  303,  323. 

,,     var.  flavifascium  304,  323. 
brevirostnim  299,  313,  324. 
Buxtoni  298,  311,  324. 

var.  gracile  313,  324. 
cyaneiventris  301,  317,  324. 
Distanti  297.  307,  323. 

,,         var.  riibrovittatum  297, 
308,  323. 
Dohrni  298,  304,  323. 

„         var.  evanidum  298,  305, 

323. 
,,         var.   unitaeniatum  298, 
305,  323. 
falsarium  296,  309.  323. 
ferale  297,  305,  323. 
Fruhstorferi  297,  308,  323. 
incisum  301.  319,  324. 
rugosum  299,  313,  324. 
simile  300,  320  324. 
tricoloriforme  294,   301,  323. 
truncatum  300,  322,  324. 
Waterstfadti  298,  310,  324. 
Ec  tobia  141. 
lapponica  141. 
E  n  ch  o  p  h  o  r  a  187. 

eminent  a  187. 
E  o  s  c  a  r  t  a  240. 
eos  240. 
pygmaea  240. 
E  p  h  i  p  p  i  g  e  r  i  d  a  141. 

ephippiger  141. 
Eristalinae  361. 
Eris  talis  361. 


aeneus  361. 
alpinus  361. 
anthophorinus  361. 
arbustorum  361. 
cryptarum  361. 
fenax  362. 
horticola  361. 
intricarius  361. 
nemorum  361. 
oestraceus  361. 
pertinax  362. 
pratorum  362. 
rupium  362. 
sepulcralis  362. 
E  u  m  e  r  u  s  365. 
annulatus  365. 
ruficornis  365. 
sabulosum  365. 
strigatus  365. 
E  u  n  i  c  a  209. 
bechina  212. 

,,         chorienes  212. 
medellina  212. 
caelina  210. 

,,         alycia  210. 
cinara  215. 

,,         oreandra  215. 
marsolia  215. 
norica  211. 

,,         pompata  211. 
pomona  211. 

,,         pompata  211. 
sydonia  209. 

,,         poppaeana  209. 
taurione  215. 

,,         fasula  215. 
volumna  213. 

intricata  214. 
E  u  r  i  p  u  s  230. 
robustus  230. 

,,         myrinoides  230. 
E  u  t  h  a  li  a  223. 
teuta  223. 

,,         salpona  224. 
E  V  a  n  i  a  245. 
appendigaster  254. 
Bradleyi  248. 


Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


375 


formosana  250. 

hirsuta  253. 

var.    rufofemo  ata   253. 

oblonga  246. 

Sauteri  250. 
E  V  a  n  i  e  1 1  a  254. 

ferraginescens  250. 

Hoffmannsi  254. 
E  V  a  n  i  e  1 1  u  s  261. 
Ferdinande  a  265. 

cuprea  3J5. 

nigrifrons  365. 
Flatop.sis  191. 

nivea   192. 
F  I  a  t  o  s  o  m  a  189. 

diastola   189. 
Forf  ic  nla  141. 

auricularia   141. 

tomis  141. 
F  o  r  f  i  c  u  1  o  d  e  a  141. 
G  o  m  p  h  o  c  e  r  u  s   144. 

antennatus  144. 

rufus   144. 
Gryllus  143. 

domestricus  143. 
Gynopygoplax  147,   ISG. 

costalis  150,  157,  186. 

Grelaki  150,  153,  180. 

luzonensis  151,   100,   186. 

Meyeri  150,   156,   186. 

plutonica  151,   162,   186. 

proserpina  150,   154,   180. 

proserpinella  151,   161,   186. 

submaculata  151,  163,  186. 
,.     var.  borneensis  164,  183. 
,.     var.  flava  164,   186. 
,,     var.  sumatrensis  164.  186. 

theora  151,  158,  186. 

unifasciata  152,   165,   186. 
H  a  r  p  e  z  o  n  e  u  r  a  270. 

multifurcata  270. 
H  e  1  o  p  h  i  1  u  .s  362. 

floreus  362. 

frutetorum  362. 

hybridus  302. 

lineatus  302. 

lunulatus  302. 


nigrotarsatus  362. 

pendulus  362. 

transfugus  362. 

trivittatus  362. 

versicolor  362. 
H  e  s  t  i  a  229. 

divona  230. 
Hybosoarta  243. 

Pehlkei  243. 

rubicunda  243. 
H  y  1  i  c  i  n  i  262. 
Hy  p  tia  261. 

ocellaria  261. 
I  s  c  h  y  r  o  s  y  r  p  h  u  s    358. 

glaucus  358. 
Isongenes  279. 

aemulus  279,  280,  282. 

Nanseni  281. 

nubeculum  282. 

recta  281. 

septentrionis  281. 
I  s  o  p  h  i  a   143. 

modestior  143. 
Labia  141. 

minor  141. 
L  a  b  i  d  u  r  a  141. 

riparia  141. 
L  a  s  i  o  p  h  t  h  i  c  u  s  358. 

pyrastri  358. 

seleniticus  359. 
Leucozona  358. 

lucorum  358. 
L  o  c  u  s  t  a  144. 

migratoria  144. 
Locustodea  143. 
M  a  1  1  o  t  a  362. 

cimbiciformis  303. 

fuciformis  302. 
Man  t  i  s  141. 

religiosa  141. 
Mantodea  141. 
Melanostoma  358. 

mellinum  358. 
M  e  r  o  d  o  n  363. 

equestris  303. 
M  i  c  r  o  d  o  n  307. 

devius  307. 


Stett.  cntomol.  Zeit.   1909, 


376 


M  i  c  r  o  d  o  n  t  i  n  a  e  3()7. 
M  i  1  e  s  i  i  n  a  e  364. 
M  i  o  s  c  a  r  t  a  239. 

forcipata  239. 

rubens  239. 
Monocladellus  266. 

Ohausianus  '267. 
Myolepta  364. 

luteola  364. 
Notoscarta  241. 

eroceonigra  241. 

Schoutedeni  241. 

Severini  242. 
Oecanthus  143. 

pellucens  143. 
O  c  h  t  h  o  p  e  t  i  n  a  324. 

aeripennis  325. 

caligata  329. 

camerunensis  343. 

Conradti  335. 

didita  345.  1 

fulgesceiii  337. 

laminulata  333. 

luteola  339. 

minutissima  341. 

sumatrana  331. 

violaris  327. 
Oedaleus  144. 

nigrofasciatus  144. 
0  e  d  i  p  o  d  a  144. 

coerulescens  144. 
0  n  c  o  n  o  t  u  s  1 42. 

Servillei  142. 
O  r  t  h  o  11  e  u  r  a  356. 

elegans  356. 

geniculata  356. 

nobilis  356. 
P  a  r  a  g  u  s  355. 

bicolor  355. 

tibialis  355. 
Parasudra  263. 

sumatrana  265. 
Pelecocera  360. 

tricincta  360. 
P  e  r  1  a  347. 

canilimbata  347. 

sikkimen.sis  349. 


Phaneroptera  143. 

falcata  143. 
Phasgonura  142. 

oaudata  142. 

viridissima  142. 
Phasgonurodea  141. 
P  h  ü  1  i  d  o  p  t  e  r  a   142. 

griseoaptera  142. 

pustulipes  142. 
Pholidoptera  142. 

Frivaldskii  142. 
P  i  p  i  z  a  355. 

festiva  355. 

luctuosa  355. 

lugubris  356. 

noctiluca  356. 

signata  356. 
P  i  p  i  z  e  I  1  a  355. 

H  e  r  i  n  g  i  355. 

virens  355. 
Platychirus  357. 

albimanus  357. 

clypeatus  357. 

discimanus  357. 

fulviventris  357. 

immarginatus  357, 

manicatus  357. 

peltatus  357. 

podagratus  357- 

scutatus  357. 
Poecilemon  142. 

elegans  142. 
Polypsocus    269. 

nervuloäus  269. 
Po  r  pax  277. 

xanthomelas  278. 
P  t  y  cl  u  s  243. 

ocelliger  244. 

var.  fuscus  244. 

spumarius  243. 
Pyropphaena  357. 

granditarsa  357. 

rosarum  358. 

R  h  i  n  g  i  a  360. 
campestris  360. 
rostrata  360. 


?tctt.  cntoniol.  Zeit.   190-). 


o  (  / 


ScTiva  191. 

cardinalis   191. 
S  e  m  a  e  o  m  y  i  a  259. 

Catharinensis  260.  i  - 

laevis  260. 

minutissima  259. 
Serapita  182,  187. 

charon  183,  184,  187.  : 

Zaumseili  184,  185,  187. 
S  e  r  i  c  o  m  y  i  a  365. 

borealis  366. 

lappona  365. 
S  i  m  e  1  i  r  i  a  285,  323. 

aeneu.s  287,  293,  323. 

apicalis  287,  290,  323. 

Butleri  280,  288,  323. 

cambodjana  286,  289,  323. 

coerulescens  287,  291,  323. 

juno  286,  289,  323. 

viridans  285,  286,  287.  323. 
S  p  h  a  e  r  o  p  h  o  r  i  a  359. 

melissae  3()0. 

,,         var.   ])icta  360. 
,,         var.  taeniata  360. 

menthastri  359. 

,,         var.  philanthus  360. 

scripta  360. 

,,         var.  dispar  360. 
,,         var.  strigata  360. 
8  ])  h  i  n  g  o  n  o  t  11  s    144. 

eoerulans  144. 
iS  p  i  1  o  ni  y  i  a    366. 

saltuum  366. 
S  t  a  u  r  o  n  o  t  u  s    145. 

brevicollis  145. 
S  t  e  n  o  b  o  t  h  r  u  s    1 44. 

bicolor  144. 

Fischeri  144. 

vagans  144. 
S  t  y  1  o  p  y  g  a    141. 

Orientalis  141. 
S  u  d  r  a    265. 

borneensis  265. 
Suracarta    166,  186. 

tdrquata  168,   171.   186. 

tricoloj-  168,  171,  186. 

basinotata  174,  179,  187. 


tricolor  basiplagiata    174,     180, 
187. 
borneensis  174,  182,  187. 
„  ,,         var.     nigri- 

frons     182, 

187. 

,,         fasciaia  173.    175,    186. 

,,  ,,         var.     cvanes- 

cens       1 76, 

186. 

,,  „         var.  niasensis 

176,  186. 
„  ,,         var.  perakana 

176,  186. 
Niobe    174,    180,    187. 

,,  riibroplagiata  174,  177, 
186. 

„  „         var.     bipunc- 

tata  179, 
186. 

,,  ,,         var.     quadri- 

punctata 

177,  186. 

,,         var.    tenasse- 
riraensis 

178,  186. 

„  ,,         var.    tripnnc- 

tata       178, 
186. 
tricolor    173.    174.    186. 
8  y  r  i  1 1  a    365. 

pipiens  365. 
S  y  r  ])  h  i  d  a  e    355. 
S  y  r  ]i  li  i  n  a  e    355. 
S  y  r  p  h  u  s    359. 
albostriatus  359. 

,,         var.   confusus   359. 
arcuatus  359. 
auricollis  359. 
balteatus  359. 
bifasciatus  359. 
cinctellus  359. 
corallae  359. 
luninger  359. 
melanostoma  359. 
nitidicoUis  359. 
ribesii  359. 


Stett.  entoniol.   Zeit.   1909. 


:578 


torvus  359. 

trincinctus  359. 

umbellatarum  359. 

venustus  359. 

vitripennis  359. 
T  a  e  n  a  r  i  s    226. 

macrops  226. 

ternatana    226. 
Tefflus    192. 

Alluaudi  197. 

discedens  192. 

gracilis  199. 

i'otundicollis   194. 
T  e  m  n  o  s  t  o  m  a    366. 

apiforme  366. 

bombylans  366. 

vespiformis  366. 
Tettigonia    142. 

verrucivora  142. 
T  ]i  o  o  d  z  a  t  a    244. 

basifusca  244. 

princeps  244. 
Tricadellus    273. 
T  r  o  c  t  e  .s    272. 

transvaalensis  272. 
Tropidia    364. 

scita  364. 
Volucella    361. 


bombylans  361. 
pellucens  361. 
Voluccllinao    361. 
X  a  n  t  h  a  n  d  i'  ii  s    358. 

comptus  358. 
X  a  n't  h  o  g  r  a  m  m  a    360. 

critrofosciatum  360. 
Xylota    364. 
femorata  364. 
florum  364. 
ignava  364. 
lenta  364. 
nemorum  365. 
segnis  365. 
silvarum  365. 
tarda  365. 
Zethera    216. 
hestioides  222. 
incerta  221. 
musa  219. 

mindoroiia  221. 
radenoides  220. 
septentrionalis  220. 
pimplea  217. 

„         arayata  217. 
,,         crastimima  218. 

diloris  218. 
,,         gadrosia  218. 


Stett.  entomol.  Zeit.    190S). 


Stett.  entomol.  Zeit.  1909. 


Tafel  I. 


\1 


4  3